almis personal blog

Das war Olympia

Ach ich werde Olympia schon ein bisschen vermissen. Ich habe zwar keine Bewerbe gesehen, aber es war 24/7 ein ergiebiges Thema auf X.

Zuerst die Eröffnung mit dem Zitat des letzten Abendmahles, das den ersten großen Wirbel verursacht hat. Nach diversen kulturphilosophischen Rechtfertigungsversuchen kam quasi gleichzeitig die Entschuldigung der Organisatoren und von anderer Seite der Hinweis, es wäre ohnedies eine Dionysos-Inszenierung gewesen, die leider nur niemand verstanden hätte. Stimmt, hab ich nicht verstanden.

Danach: kotzende Athleten, die aus der dreckigen Seine steigen. Teilnehmer, die mit Covid Infekt diverse Medaillen erringen. Eine australische Breakdancerin, die sofort memefiziert wurde, weil sie die einen an das Fatboy Slim Video zu Praise you erinnerte (ja, das mit den äh sehr amateurhaften Tänzern), andere meinten, das käme heraus, wenn man in seinem Lebenslauf lügen würde, und wieder jemand schrieb, sie wäre der Grund, weshalb Breakdance als olympische Disziplin sofort wieder gestrichen werden würde.

Na ja und natürlich das Thema Nummer 1, die “männliche” Boxerin, wie die Bild Zeitung titelte. Die Diskussion, was Mann und Frau eigentlich definiert und die Aussage des IOC Präsidenten, es gäbe leider kein solides System, um diese beiden Geschlechter eindeutig zu identifzieren. Wäre ich bei der Pressekonferenz gewesen, hätte ich ihn ja gefragt, wieso es dann bei Olympia überhaupt eine Unterscheidung in Männer bzw. Frauenbewerbe gibt. So viel auch zum Thema: es ist eh wurscht, wie sich jemand identifiziert, das nimmt ja niemand anderem etwas weg.

Außerdem wurde der Hashtag #xx geboren, der für #savewomensports steht, und die kanadischen Staffelläufer gaben ihre Meinung dazu ab:

Was Trudeau wohl dazu sagt? Danach gewannen sie übrigens Gold.

Ja und dann gab es noch ihn, den Comic Relief, den türkischen Sportschützen, der einfach so, ohne besonders Ausrüstung oder fancy Gehörschutz, zu Olympia kam. In der einen Hand die Pistole (oder wie das bei diesem Bewerb heißt), die andere Hand in der Hosentasche, und wie nebenbei die Silbermedaille gewann. Das war wohl einer der wenigen Momente bei Olympia, der nicht von einer Kontroverse begleitet wurde.

Angeblich soll beim morgigen Finale Tom Cruise auftreten und wenn er es nicht schafft, die Menschen doch noch zu einen, dann weiß ich auch nicht.

Summertime Sadness, revisited

Gestern hab ich auf Instagram ein Posting gesehen, wo jemand schrieb, wir befänden uns gerade in der Phase des Sommers, die Lana del Rey in Summertime Sadness besingt. Del Rey hat den Song sicher an einem Vormittag wie dem heutigen geschrieben, wo es schwül-warm, aber grau ist und ab und zu Regentropfen fallen. Das Kind hat dieses Lied vor vielen Jahren einmal “Frauenmusik” genannt, was auch immer er damit gemeint hat, die geheime Weisheit der Kleinkinder.

Ich glaube, ich habe keine Summertime Sadness, ich hab auch keine Wechseljahre-Depression, ich habe aber manchmal das Gefühl, ich fange jeden Tag wieder von vorne an, mich in der Welt zurechtzufinden und mich daran zu erinnern, welche Erkenntnisse ich schon gewonnen habe. So wie Carrie Bradshaw und Co. bei den Sex and the City Filmen vergessen haben, was sie zuvor in sechs Staffeln Serie alles gelernt hatten. Na gut, so schlimm ist es bei mir auch wieder nicht harhar.

Vor einiger Zeit, als es mir nicht gut ging, meinte eine Freundin zu mir, sie kenne niemanden, der mit Krisen so positiv umgehen würde wie ich. Das hat mir damals sehr geholfen, gleichzeitig hab ich mir gedacht, das würde sich sicher mal gut auf meinem Grabstein machen. Galgenhumor. Manchmal muss ich mich daran erinnern.

Solche Postings, wie das vorliegende, müssen für mich auch immer einen Ausblick haben, weil ich hasse nichts mehr als so semi-depri Texte, die alle beim Lesen hinunterziehen. Harhar. Und mein heutiges Fazit ist, dass ich an so einem zunächst trüben Tag eine Nachricht am Handy sehe, und den Namen des Absenders und schon geht es mir so viel besser und ich weiß wieder, wie das geht, glücklich sein.

So lang es solche Momente gibt, ist alles gut. Letztendlich kommt dann sogar noch die Sonne heraus, wie zur Bestätigung.

Gegendert

Unlängst habe ich gehört, wie sich jemand selbst als “Studierender” gegendert hat.

Ich stehe dem Gendern in seinen immer extremeren Auswüchsen kritisch gegenüber, weil ich wirklich finde, dass es vor allem literarische Texte fast unlesbar macht und ihrer Schönheit beraubt. Gendert von mir aus alle amtlichen Gebrauchstexte und ähnliches im Zuge der Gleichberechtigung, die liest eh keiner aus Freude. Jedenfalls verstehe ich gar nicht, wenn sich jemand selbst gendert, denn er oder sie hat ja eindeutig ein Geschlecht (naja ok, anderes Thema)

Und gestern finde ich zufällig beim Bücher schlichten meinen ersten Kurzroman aus dem Jahr 1989 (sic!) wieder. Nicht nur, dass ich im Vorwort den Inhalt spoilere, stoße ich tatsächlich dort auch auf folgenden Satz: “Bis sie eines Tages einen intellektuellen Germanistikstudierenden (…) kennenlernt.”

Oh mein Gott, sagt mir nicht, ich habe damit angefangen.

70.000

Froh kann ich vermelden, dass mein Text nun die magische 70.000 Wörter Schwelle überschritten hat.

Eine der Schreibklausen mit Blick ins Grüne

Aufmerksame Leser werden sich denken: Moment mal, hatte sie nicht schon vor zwei Jahren 50.000 Wörter?!?? Ja, das ist richtig, aber die ersten 50.000 sind ja bekanntlich die einfachsten, harhar.

Naja, ich weiß es auch nicht genau, es kam halt immer etwas dazwischen. Größere Jobprojekte, ein Bandscheibenvorfall, Zeiten, in denen man nicht weiterweiß (im doppelten Sinn), Zeiten der generellen Unfokussiertheit, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, you name it. Generell ist es einfacher, Fragmente in Notizbücher zu kritzeln, als dann wirklich eine durchgängige und schlüssige Handlung zu erarbeiten. Und natürlich auch, das sagte mein Englischprofessor (RIP) immer: Writing is rewriting. Manches fällt daher auch wieder raus.

Heuer läuft es aber besser, ich versuche regelmäßig zu schreiben, auch hier im Blog, und das funktioniert gut.

Sommer-Brunch

Diese Woche haben M. und ich im Garten gebruncht.

Es gab Prosciutto, Käsewurst und Gouda, weiche Eier, Tomaten, Ananas und Erdbeeren, Marmelade und Croissants, Kornspitz und Semmeln. Und Kaffee und Orangensaft. Das habe ich früher mit dem besonderen Menschen gemacht, denke so gern daran.

Der Brunch begann um 11 Uhr und zog sich dann bis 18 Uhr hin. Harhar. Na ja, dazwischen waren wir auch im Wasser. Es gab viel zu besprechen.

Unter anderem, dass M. mit ihrem Sohn Zeugen von “Speeds” Dönerausflug in Favoriten würden (Almisblog hat berichtet), weil sie dort zufällig auch gerade essen wollten – natürlich dann ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ich konnte dem Kind angebermäßig ein paar Videos davon schicken.

Sehr fein wars!

Shiva Baby

Der zweiten Film aus der Was wir lieben Reihe das Votivkinos, den ich mir angesehen habe, ist Shiva Baby. Eine ziemlich schwarze Komödie von Emma Seligman aus dem Jahr 2020

Shiva Baby ist im Grunde genommen ein Kammerspiel, das – abgesehen von der Eröffnungsszene – ausschließlich auf einer Trauerfeier in Echtzeit stattfindet. Shiva wird im Judentum die siebentägige Trauer nach dem Tod eines Menschen genannt. Im Film geht es um die junge Danielle (Rachel Senott), die mit ihren Eltern die Feier einer (ihr) nur flüchtig bekannten Verstorbenen besucht, und dort mit allen möglichen Menschen aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert wird.

Shiva Baby ist eine Studie über Familienstrukturen allgemein und über die Strukturen von jüdischen Familien im speziellen. Wir haben die genervte Mutter Debbie (Polly Draper), die ständig an ihrer Tochter herumnörgelt, aber auch ihren Mann Joel (Fred Melamed) permanent hektisch massregelt. Wahrscheinlich will sie das Beste für beide, verbirgt es aber geschickt. Wir haben den jovialen, gutmütigen, aber auch grundsätzlich verwirrten Joel. Und wir haben eben Danielle, die nicht genau weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, die Gender Studies studiert und von ihrem “Sugar Daddy” Max (Danny Deferarri) für sexuelle Gefällgigkeiten bezahlt wird. Und die mit Maya (Molly Gordon) ihre ehemalige Partnerin wiedersieht.

Die Feier ist ungeheuer anstrengend, auch für den Zuschauer. Danielle wird von praktisch allen Anwesenden durchgängig betatscht, befragt und bewertet. Was studierst du? Was willst du einmal beruflich machen? Hast du einen Freund? Wieso bist du so dünn? Isst du nicht? Die Kamera ist genauso hektisch wie das Gewurl der Trauergäste, die sich gegenseitig schöntun, sofort aber zu lästern beginnen, wenn ihnen die betreffende Person den Rücken zukehrt. Also alles wie im richtigen Leben, harhar.

Danielle erinnert an Peter Sellers in The Party, weil ihr ein Missgeschick nach dem anderen passiert und sie dabei in Zeitlupe die Feier in ein vollkommenes Chaos stürzt. Zu allem Übel erscheint dann auch noch Max samt Frau und Baby, von deren Existenz Danielle nichts gewusst hat, auf der Feier. Herauszufinden, welche Gefühle Max bei Danielle auslöst, ist nicht einfach. Es scheint mehr zu sein als nur eine Geschäftsbeziehung, aber wie viel mehr? Und da ist auch noch Maya.

Shiva Baby ist das ambitionierte Debüt der sehr jungen Regisseurin/Drehbuchautorin Emma Seligmann, mit vielen Darstellern, die echte “Typen” sind. Wörtern wie “kaputt” “Mensch” und “Schmutz” werden ins Englisch-Jiddische eingeflochten. Es fallen Sätze wie “You’re projecting a lot of misogyny for a future women’s march organizer”. Ein bisschen fehlt es dem Film wohl noch an Feinschliff und Ordnung, aber dafür menschelt es mehr und ich ziehe ein solches Debüt einem aalglatten wie voriges Jahr Past Lives auf alle Fälle vor.

Der Pfirsich

Gestern war ich im Kino und habe mir in der tollen Sommerreihe des Votivkinos Was wir lieben (unbezahlte Werbung) Call me by your name angesehen. Das Kino hat folgendes auf Instagram gepostet:

Ich weiß nicht, ob ich das sehr genial oder sehr verstörend finden soll. Harhar. Wahrscheinlich beides.

Wer neugierig ist, kann ja Film plus Pfirsich googlen, es ist ein kleiner Spoiler. Jedenfalls sah man daran, wie sorglos die Menschen mit den Pfirsichen umgingen, ob sie den Film schon kannten oder nicht.

Ich kannte den Film schon, ich habe ihn 2018 als er rauskam angeschaut, wollte ihn aber unbedingt nochmal im Kino sehen. Wie Pia Reiser unlängst im fm4 Filmpodcast gesagt hat, als es um Regisseur Luca Guadagnino ging: “Call my by your name halte ich für einen ziemlich perfekten Film.” Ich auch! Da stimmt einfach alles, Schauspieler, Drehbuch, Regie, Kamera, Musik, der Film ist genauso überzeugend witzig wie traurig. Und wenn es um eine homosexuelle Liebesgeschichte geht, bin ich eindeutig Team altes Landhaus in Italien und nicht Team Schafherde in Wyoming.

Morgen schreibe ich noch mehr dazu.

P.S Wen muss ich im Votivkino bestechen, dass in der Was wir lieben Reihe nächstes Jahr La La Land gezeigt wird?

Danke, noch besser

Am Sonntag kam das Kind im vollen Verstappen-Fan Outfit plus Kappe in den Garten zum Formel 1 schauen.

Ich: Na, heute ist das Vertrauen in den Sieg aber nicht groß. Soll ich dir eine Red Bull Dose auch noch geben?

Harhar. Letztendlich wurde Verstappen mit einem wirklich nicht optimalem Auto in einem erstaunlich spannenden Rennen noch Zweiter und Lewis Hamilton hat gesiegt, was echt überraschend rührend war. Hamilton hat vor ziemlich genau 17 Jahren zum ersten Mal ein Formel 1 Rennen gewonnen. Das Kind wird bald 17 und damals habe ich die F1 gar nicht verfolgt. Jetzt weiß ich mehr darüber, als ich jemals für möglich gehalten hätte und ich weiß natürlich auch, dass Hamilton später Rekord-Weltmeister wurde und manchmal ein “pain in the ass” war; aber oft machen ja schwierige Zeiten einen etwas demütiger, und so wurde Hamilton zumindest mir viel sympathischer in den letzten Jahren. Und das Kind ist auch kein – nach eigener Aussage “toxic Verstappen Fan”, er mag eh praktisch alle Fahrer.

Als wir uns dann von den Emotionen erholt haben und ich aufs Handy schaute, hab ich mich sehr gefreut, wieder von jemanden zu lesen, etwas interessantes geschickt zu bekommen, das macht das Leben gleich viel schöner für mich. Und so ging das Wochenende um einiges besser zuende als es begonnen hatte.

Danke, gut

Manchmal wacht man auf und muss sich irgendwie erst neu zusammensetzen. Am Vorabend war noch alles ok und man ist, wie immer, beim Podcast Hören eingeschlafen, aber am Morgen fühlt sich alles schwer an.

Gestern ging es mir so, dann habe ich gefrühstückt, geduscht und mein große-grüne-Blumen Shirt angezogen, um mich aufzumuntern. Anschließend habe ich mich auf den Weg in den Garten gemacht, in so einer bisschen niedergeschlagenen Stimmung. Da treffe ich im Stiegenhaus einen Nachbarn, plaudere kurz mit ihm und da sagt er mir: “Gut schaust du aus!” Und ich wollte schon antworten: Das müssen die grünen Blumen sein.

Bin aber dann doch irgendwie beschwingter zur Ubahn gegangen, habe mir nur kurz gedacht, ob die Aussage vielleicht nur eine Anspielung auf eine Gewichtszunahme war harhar. Wohl aber eher nicht. Ich habe vor einiger Zeit sieben Kilo abgenommen, genau die sieben, die ich vorher zugenommen hatte und dann kein Gramm mehr, das ist also anscheinend einfach “mein” Gewicht.

Gut, ich könnte aufhören zu naschen, dann würde ich vielleicht noch weiter abnehmen, aber warum soll ich, wenn ich eh gut ausschau, zumindest in grünen Blumen Harhar.

Die Herrlichkeit des Lebens

Am Donnerstag war ich schon wieder im Kino. Diesmal mit M. Wir haben uns den Kafka Film Die Herrlichkeit des Lebens angeschaut.

M. kennt sich bei Kafka wesentlich besser aus als ich, denn sie hat auf der Uni ein Proseminar über Kafkas Briefe besucht, während ich mich für “Wahr spricht, wer Schatten spricht. Lyrik und Poetologie bei Paul Celan” entschieden habe. Ich habe das Proseminar wegen des Professors genommen und auch wegen des Titels. Aber ich habe zumindest im Frühjahr die Kafka-Serie von David Schalko mit Begeisterung gesehen.

Vor dem Kino waren wir im Cafe Stein hippe Erdbeer-Lemon-Sodas trinken, das liegt ja gleich neben dem Votivkino. Die Herrlichkeit des Lebens handelt vom letzten Lebensjahr Kafkas und seiner Zeit mit Dora Diamant. Laut M. gabs es wenige Briefe von den beiden, was daran liegt, dass sie fast immer zusammen waren, bis Kafka dann im Sanatorium gestorben ist. Es ist ein schöner, ruhiger und natürlich auch trauriger Film, ohne aber übertrieben auf die Tränendrüse zu drücken. Von der Tonalität war recht ähnlich wie die Serie, es wurde nur nicht so viel gehustet wie in der 6. Folge (die “Dora” heißt). Die Darsteller sind passend besetzt, sogar Manuel Rubey als Max Brod fand ich erstaunlich ok. Harhar. Ich bin leider echt kein Rubey Fan und ich mochte der Darsteller von Max Brod in der Serie – David Kross – am allerliebsten von allen, weil er so warmherzig-verschmitzt gespielt hat.

Nach dem Kino sind wir die Währingerstraße hinauf gebummelt und haben im Gastgarten vom Cafe Weimar noch etwas getrunken und geredet bis zugesperrt wurde. Ich habe mich daran erinnert, als ich das letzte Mal dort im Cafe war, in wunderbarer Gesellschaft. Das war vor irgendeinem Lockdown, zwischen Lachen und Weinen. Der Pianist hat Sweet Child of Mine und Hotel California gespielt und wir haben ihm viel Trinkgeld gegeben; eine Stimmung wie kurz bevor die Titanic untergeht und das Orchester dieses Faktum vergessen lassen will. Einer der schönsten Abende.

Davon habe ich M. erzählt, das tat gut, wie der ganze Tag.

Am größten ist das Glück, wenn es ganz klein ist. Deshalb würde ich, wenn ich mein Leben aufschreiben müsste, nur Kleinigkeiten notieren

Franz Kafka in einem Tagebuch