almis personal blog

Famesick

Jetzt habe ich Famesick von Lena Dunham fertig gelesen und ich würde am liebsten gleich wieder von vorne anfangen, weil es so interessant und gut geschrieben ist.

Am angenehmsten an diesem Buch fand ich, dass es nicht belehrend ist und keine derzeit so übliche Propaganda enthält. Also Propaganda in dem Sinn als, dass zum Beispiel die Witwe von Paul Auster, Siri Hustvedt – ich mag beide wirklich als Autoren – in den Interviews zum Buch über ihren Mann laufend von Trump redet. Und ich denk mir, wenn mein Mann stirbt, mit dem ich 50 Jahre zusammen war, hätte ich, glaube ich, der Welt was anderes mitzugeben. Das hat mich irgendwie so abgeturnt, dass ich weder das Buch lesen wollte, noch ihren Film sehen.

Anyway: Dunham hat natürlich ihre Weltanschauung wie wir alle, sie drückt sie dir allerdings nicht aufs Auge und sie ist auch ziemlich selbstkritisch. 2016 hat sie beispielsweise den Wahlkampf von Hillary Clinton aktiv unterstützt. In A Memoir schreibt sie: “And I know now, I wish I’d just posted a BERNIE sign in my window instead. “1 Sie sieht auch kritisch, dass sie einen Autor von Girls gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt hat, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht wissen konnte, was tatsächlich passiert ist. Sie habe diese Erklärung nach einer schweren Operation abgegeben. Dunham ist chronisch krank, hatte zahlreiche Operationen und musste wegen einer daraus resultierenden Suchtmittelabhänigkeit auch auf Entzug.

Was mir noch besonders gut an ihrem Buch gefällt, die gnadenlose Ehrlichkeit was “Vereinbarkeit” betrifft. Das wird uns ja immer suggeriert, wir können alles haben, eine super Ehe, ein paar Kinder, eine tolle Karriere, Hobbies, Zeit für Freunde, Sport etcetera, es geht alles gleichzeitig. Als Dunham ihre Operationen hat, ist ihr damaliger Partner, Jack Antonoff auf dem Zenit seiner Weltkarriere. Jetzt werden viele denken, WTF, wer ist Jack Antonoff. Naja, er hat den Song We are Young mitgeschrieben – ja genau den, ihr summt richtig- und war zu der Zeit quasi einer der gefragtesten Musiker, hat mit Pink, Taylor Swift et al gearbeitet. Natürlich saß Antonoff deshalb nicht immer im Wartezimmer. Nach der Trennung hatte sie kurz einen anderen Partner, der immer da war und ihr Arzt meinte daraufhin auf die Art, ah der Mann ist besser, der ist für sie da. Worauf Dunham trocken vermerkt, naja, er ist arbeitslos, er ist Alkoholiker, er ist bei ihr eingezogen, er hat nichts anderes zu tun. Sie schreibt, dass Antonoff nicht der unempathische Ungustl war, für den ihn ihr Arzt gehalten hat, dass es eben komplizierter ist, wie so vieles im Leben.

Das mag ich alles sehr. Ich werde ein anderes mal noch mehr davon erzählen.


  1. Lena Dunham: Famesick, S.207 ↩︎

Yellow

Heute in der Früh aus einem dieser so schönen Träume aufgewacht, die sich so echt und innig anfühlen und von denen man schon im Schlaf weiß, dass sie leider nicht real sind. Wie viele Wendeltreppen bin ich schon hinaufgelaufen…

Den ganzen Tag im Freien verbracht und das Motto war irgendwie gelb.

Now playing: Yellow by Coldplay

Ich hatte ein semi-gelbes Shirt an, ich habe das gelbe Buch von Lena Dunham gelesen (es ist so gut!) und auf Empfehlung des Kindes das neue gelbe Red Bull (Sudachi-Lime) getrunken. Es schmeckt tatsächlich nach Sommer in den 1980er Jahren, und das ist was gutes.

Habe mich noch etwas erholt, denn die nächste Woche wird bekanntlich ein bisschen aufregend, aber bei “uns” geht die Matura erst Dienstag los. Und deswegen wird morgen was Gutes gekocht und nochmal in Ruhe alles wiederholt.

Und heute träume ich hoffentlich wieder.

Book Crawl

Die liebe A. hat mich dankenswerter Weise auf den diese Wochen stattfindenden Book Crawl aufmerksam gemacht, der sonst wirklich spurlos an mir vorübergegangen wäre. Unbezahlte Werbung.

In dieser Woche haben sich 40 unabhängige Buchhandlungen in Österreich (die meisten in Wien) zusammengeschlossen, um an dieser Aktion teilzunehmen. Und das geht so: Man druckt sich den Stempelpass aus, besucht fünf Buchhandlungen (kein Kaufzwang), lässt sich jeweils einen Stempel geben und bekommt in der letzten Buchhandlung einen zehn Euro Gutschein, für eben diese Buchhandlung. Das habe ich aber erst im vorletzten Geschäft erfahren. Tatsächlich ging es mir vor allem um das Kennenlernen und die Experience, an einem ur sonnigen Tag durch für mich neue Buchhandlungen zu streifen.

Ich hatte allerdings nur heute dafür Zeit und da auch nur ungefähr drei Stunden (An- und Abreise schon inbegriffen). Puh, hab ich mir gedacht, da muss ich mir einen guten Marschplan zurechtlegen und auch alles schnell finden, was nicht so unbedingt meine Stärke ist, ich verlaufe mich auch mit Google Maps.

Jedenfalls habe ich mich für eine Tour im 9. Bezirk entschieden, weil die Buchhandlungs-Dichte da recht hoch ist. Ausgestiegen bin ich Nußdorferstraße und nachdem die Buchhandlung dort noch geschlossen war, bin ich zur Buchhandlung List auf der Porzellangasse weitergegangen. Das war schon mal ein schwerer strategischer Fehler, aber sehr schön zum Spazierengehen, harhar.

Die Verkäuferin dort war sehr lieb und meinte, “Oh wir sind die Ersten”, ja irgendwo muss man anfangen, harhar. Gekauft habe ich mir dort gleich ein Buch, aber mir war klar, ich kann jetzt nicht jedesmal ein Buch kaufen, aber ein bisschen wollte ich doch jede unterstützen. Es war ein angemessener Beginn, diese Buchhandlung fand ich von außen am schönsten.

Weiter ging es dann in die Buchhandlung Orlando, auf der Liechtensteinstraße, da habe ich drei Postkarten erstanden.

In der Buchhandlung Orlando

Sehr gemütlich innen und viel Auswahl. Von dort aus ging ich die Berggasse hinunter, so Richtung Servitenviertel, bis ich vor Oechsli Buchhandlung stand. Ein sehr kleines, aber ur liebevoll gestaltetes Geschäft, mit diesen netten Buchzitaten in der Vitrine. Dem Akzent der Verkäuferin nach zu schließen, handelt es sich hierbei um eine Vorarlberger Buchhandlung. Auch hier kaufte ich zwei Postkarten, eine hat mich an meine Frühstücksdates erinnert, aber mehr wird nicht verraten, L. liest vielleicht mit, harhar.

Ur schöne Texte, beim Eingang von Oechsli

Danach ging es die Berggasse wieder hinauf, in die Buchhandlung Löwenherz – eine Buchhandlung für Schwule und Lesben. Ich bin zwar keines von beiden, aber der Verläufer/Besitzer (?) war trotzdem ausgesprochen freundlich und hat mir gleich weitere Buchhandlungen in der Nähe für meine Tour empfohlen und mir eben gesagt, dass ich beim fünften Stempel dann einen Gutschein bekomme.

Queer Buchhandlung Löwenherz bei der Berggasse

Die letzte Buchhandlung war die Südwind in der Schwarzspanierstraße. Da entdeckte ich dieses süßes Plakat:

Bücherei Südwind, in der Schwarzspanierstraße

Und – no offense- aber dort wusste die Verkäuferin über die ganze Aktion nicht so genau Bescheid, vor allem nichts über einen Gutschein und die Chefin war nicht da. Wir haben uns dann drauf geeinigt, dass ich nächste Woche nochmal komme, ich mein, die Buchhandlung liegt eh fast direkt neben dem Votivkino, und dann kann ich mir den Gutschein holen – und eventuell gleich einlösen.

Das habe ich mir schriftlich geben lassen, denn ehrlich gesagt, wenn ich schon fünf Buchhandlungen schaffe, in 52 Minuten (!) und ich habe in jeder ein bisschen gestörbert, dann will ich jetzt auch diesen Gutschein harhar. Nach der ganzen Geherei hab ich mir gedacht, ich hab meine Bandscheiben jetzt schon seit Wochen nicht mehr gespürt. Mir geht es schon lange wieder recht gut damit, aber jetzt tatsächlich spüre ich sie nicht mal mehr ein bisschen. Das alles hat dazu beigetragen, dass ich mich echt gut gefühlt habe, heute.

Die Ausbeute:

Lena Dunham

Was die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Lena Dunham betrifft, zäume ich jetzt das Pferd quasi von hinten auf.

Im vergangenen Sommer habe ich ja Too Much gesehen, die damals neue Mini-Serie von Dunham, und ich fand sie echt ziemlich schrecklich, sorry. Sehr unsympathische Charaktere, sehr woke, auch, ganz ehrlich, nicht besonders witzig. Ich weiß aber auch, dass sie mit der Serie Girls einen riesen Erfolg hatte. Die Serie, die von 2012 bis 2017 lief, habe ich aber nie gesehen, es war irgendwie damals keine Zeit fürs Serienschauen und außerdem waren die Protagonistinnen alle mindestens zehn Jahre jünger als ich und hatten kein kleines Kind. Es hat nicht mehr so in mein Leben gepasst wie Jahre zuvor Sex and the City.

Vor kurzem hat Dunham ihre Biografie Famesick veröffentlicht, und das war echt überall in meiner timeline. Es ging auch irgendwie um Adam Driver, ihr Co-Star in Girls. Ich bin bei den Artikeln hängen geblieben. Weil Lena Dunham auch irgendwie ein bisschen “lost” wirkt und, ich sage wie es ist, extrem zugenommen hat. Und ich denke mir, da muss was dahinterstehen. Ich habe auch in Zeiten der Trauer in meinem Leben zugenommen, vor fast vier Jahren acht Kilo, habe diese aber wieder abgenommen (aber kein Gramm mehr, wie gemein, harhar). Mich interessieren Menschen, die durch Krisen gehen, weil ich wissen wie, wie sie damit weiterleben.

Jedenfalls habe ich jetzt entdeckt, dass es Girls auf einem meiner Kanäle streamt und ich dachte mir na gut, schaust du den Piloten. Ich war der Meinung, ich würde vielleicht gar keine ganze Folge schaffen, weil wenn mir was nicht gefällt, breche ich schnell wieder ab. Aber siehe da: Die Serie ist super, ich war sofort “hooked” und habe mittlerweile die ganze erste Staffel gebingt, *hüstel* Was ich jetzt schon sagen kann: Diese Serie hat alles das, was Too Much meiner Meinung nach fehlt.

Ich arbeite mich da jetzt rein, ich habe vor, alle fünf Staffeln zu sehen, und zwar ohne mich selbst zu spoilern, weil man könnte natürlich den ganzen Inhalt auch schon vorab lesen. Und ich habe mir ihr Buch Famesick bestellt. Ich werde weiter berichten, harhar.

Wochenende

Gestern wars am Nachmittag richtig schön sonnig im Garten, die “Kids” waren auf Besuch – wir sind auf den Liegestühlen gelegen und haben in den Himmel geschaut.

Am Abend habe ich dann begonnen, Alle meine Mütter zu lesen und habe mich aber so geärgert, dass ich gleich wieder damit aufgehört habe. Ich habe festgestellt, für mich ist es eine Red Flag, wenn in einem Buch Frauen* steht – und nicht nur einmal, sondern jedes einzelne Mal. Jetzt wurde endlich erreicht, dass Frauen als halbwegs eigenständig und selbstbestimmt wahrgenommen werden, und nun haben wir plötzlich einen depperten Stern ein Sonderzeichen hinter “uns” stehen? Why? Und hebt das nicht das ganze Gendern wieder auf, wenn jetzt Frauen erneut nicht alleine für sich stehen können? Liebe Autorin, schreib doch von mir aus am Anfang des Buches hin, was du persönlich unter Frauen verstehst und dann ist aber auch gut.

Ich werde dem Buch wahrscheinlich noch eine Chance geben, wenn ich mich abgeregt habe. Aber gestern hab ich dann doch erstmal mit Die Wahrheit über Ann angefangen, im Prinzip eine ähnliche Thematik, und das gefällt mir bisher sehr.

Heute gabs ein Geburtstagsessen in einem Steak-und-mehr Lokal:

Im Saloon

Das Gericht nennt sich Jolly Jumper, man könnte also denken, es wäre vielleicht Känguru, tatsächlich sind es aber Spinatnockerl mit Feta, mhmm. Bin zwar keine Vegetarierin, aber mir schmeckt das einfach so gut dort. Dazu eine fancy Limetten-Limonade.

Danach noch Kaffee und plaudern und ein bisschen vorarbeiten. Viel an jemanden denken. Und dann ist das Wochenende auch schon wieder vorbei.

Die Liebe ordnen

Eines der beiden Bücher, die ich mir letzte Woche gekauft habe, trägt den etwas sperrigen Titel Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen und wurde von der niederländischen Soziologin Christin Brinkgreve verfasst. Es ist dann auch kein Roman im klassischen Sinn, aber auch kein Sachtext, eher so etwas wie eine autofiktionale Selbstanalyse und das habe ich wirklich sehr gerne gelesen.

Buch mit dutzenden Post it’s

Brinkgreve, heute 77 Jahre alt, beschreibt in ihrem Werk den quasi Ist-Zustand ihres Lebens. Ihr Mann, mit dem sie jahrzehntelang zusammen war, zwei Söhne hat (plus seine Kinder aus erster Ehe) ist 2022 gestorben. Aber das ist jetzt kein Buch ähnlich dem aktuellen von Siri Hustvedt, die mit dem Geist ihres Mannes, des Schriftstellers Paul Auster quasi weiterlebt – nein, die Ehe von Brinkgreve war zwar ähnlich lang andauernd, doch sie war nicht glücklich, zumindest über weite Strecken hinweg nicht. Dabei ist Brinkgreve vor allem eines: Schonungslos ehrlich, auch und vor allem mit sich selbst. Wie der Autor Stewart O’Nan über die Dinge sagte, über die es einem schwer fällt zu schreiben: “Natürlich gibt es diesen Widerstand, aber genau der ist auch das Indiz dafür, dass man etwas Gefährliches gefunden hat, etwas, was die Leser bewegen wird.”

Zum einen macht Brinkgreve Schluss mit der beliebten Propaganda, die uns in den letzten Jahrzehnten immer wieder erzählt wurde, dass es als Frau (oder auch als Mensch) möglich wäre, einfach alles gleichzeitig zu haben: Eine wunderbare Karriere, eine tolle Partnerschaft, eine innige Beziehung zu den Kindern und was sonst noch so anfällt. Brinkgreve hat daran geglaubt, glauben wollen, sie hat tatsächlich Karriere gemacht und sie hat Kinder, aber in diesem Werk schreibt sie auch, dass man für das alles auch einen Preis zahlt. Die Kinder meinen, sie wäre zu wenig da gewesen, das Haus ist über die Jahre “vermüllt”, der Mann fühlt sich sowieso permanent zurückgesetzt und sich selbst hat sie auch vernachlässigt. Hier geht es nicht um eine Wertung, was sie hätte besser oder anders machen sollen. Hier geht es darum, Realitäten anzuerkennen. Und der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. Verbringt mit Zeit mit diesem, hat man weniger Zeit für jenes.

Der größte Teil des Buches handelt aber von ihrer Beziehung zu ihrem Mann A, Jurist und Medienmanager. Oft fragt sie sich, ob sie das “darf”, über ihn offen schreiben, auch er war ein Mann der Öffentlichkeit. Es gibt aber tatsächlich Verbindungen, die einen oder beide Beteiligte fast ersticken, und eine solche scheint Brinkgreves Ehe gewesen bzw geworden zu sein, mit einem Mann, der sie für verantwortlich macht für sein Glück und vor allem sein Unglück. Auch hier keine Wertung: Die beiden hatten einfach zu verschiedene Vorstellungen vom Leben (miteinander). Das Verweilen in einer Verbindung, die einen langsam fast zerstört, bezahlt man letztendlich mit sehr viel Lebenszeit. Das Buch ist schon auch ein Appell, keine halbe Sachen mit sich selbst zu machen und eine Beziehung nicht aus Gründen fortzuführen, die wenig bis gar nichts mit Liebe zu tun haben. Während Brinkgreve ihre Vergangenheit ordnet, ordnet sie übrigens auch das Haus und macht es ganz zu ihrem, als Zeichen eines Neubeginns.

Spannend fand ich, dass auch hier das Haus, wie in Sentimental Value so ein Stimmungsbarometer ist. Als ein Freund zu Besuch kommt, notiert Brinkgreve: “Er trat bedächtig über die Schwelle, auch erleichtert, dass das wieder möglich war, zögerlich. Er sah, wie viel heller es geworden war. Die Schönheit ist zurück.”1 Auch in Sentimental Value wird das Haus heller, nachdem jemand ausgezogen ist.

Sehr, sehr spannende Beobachtungen.


  1. Christien Brinkgreve: Mein Versuch, meine Liebe zu ordnen, Seite 117 ↩︎

Servicepost

Ein kleiner Servicepost für alle, die gerade keinen fancy Urlaub machen – ich bekomme täglich super Fotos von diesen Urlauben, macht weiter, ich hab das sehr gerne. Aber ich bin eben in Wien und mache es mir hier “lowkey” nett, hier ein paar Vorschläge.

Zuerst arbeiten (kann man aber auch weglassen), dann ein spätes Mittagessen bei Vapiano (alles folgende unbezahlte Werbung)

Ich liebe das Pilzrisotto sehr

Danach ein kurzer Streifzug in die Buchhandlung. Es gibt gerade eine Menge aufregender neuer Bücher bzw. Buchtitel, die einiges versprechen, zwei handeln sogar von mir beziehungsweise meinem Job harhar.

Danach zum Ostermarkt auf der Freyung. Wenn ich über diesen schlendere, denk ich mir immer, das ist mir fast noch lieber als Weihnachten, zumindest fürs Auge sind die toll gestaltenden Eier eine wirkliche Freude:

Ich hätte nur immer Angst, dass sie bei mir noch nicht mal den Weg nachhause überleben…

Und seit diesem Jahr ein Hinweisschild: You break it. You buy it. Die Vorgeschichte dazu kann man sich wahrscheinlich denken.

Danach – na was kann da kommen – richtig: Kino. Diesmal ein Film, den ich schon auf der Viennale gesehen haben, heute als Reprise, nämlich Sentimental Value. Und weil ich ihn schon kannte, konnte ich mich diesmal auf die Spitzfindigkeiten konzentrieren und bin noch mehr beeindruckt von diesem Drehbuch, das uns alles erzählt, was wir wissen müssen, aber auf so subtile Art und Weise, dass es eine Freude ist. Ich liebe einfach alles an diesem Film.

Fazit: Großes Glücksgefühl. Harhar.

Schöner Tag

Heute war ein schöner Tag. Wenn man wissen will, was bei mir ein schöner Tag ist – also da ist erstmal ein Arbeitsmeeting am späten Vormittag (Ja! Neue Projekte!) Danach Essen bei Ikea, weil ich in der Nähe vom Westbahnhof war und weil ich die Kottbular mit Püree sehr gerne mag. Und die Mandeltorte. Und den Holundersaft – der dort wirklich immer rosa ist, warum? Will ich es wissen? Harhar.

Weil die Sonne so schön gescheint hat, bin ich dann noch kurz rauf, aufs Ikea-Dach und hab ein Foto gemacht. Zwar ein toller Foto Spot, aber es sind immer zu viele Säulen im Weg.

Danach gings Richtung de France Kino, und weil noch etwas Zeit war, obwohl ich die ganze Währingerstraße zu Fuß hinuntergegangen bin, war ich einen Sprung im Thalia, um nach neuen Büchern zu schauen:

Buchtitel: so wichtig! Hier gleich ein paar interessante.

Und danach, quasi um die Ecke, ins De France:

Habe mir The Bride angesehen, aus zwei Gründen. 1. Regisseurin Maggie Gyllenhaal. 2. Die ur schlechten Kritiken. Harhar. Wie hat er mir gefallen? Werde ich bald erzählen.

Auf der Heimfahrt hab ich etwas gelesen, was mir sehr gut getan hat. Und zwar wurde Ethan Hawke bei den Oscars gefragt, was er zu unerwiderter Liebe sagt – sein neuer Film Blue Moon beschäftigt sich offenbar damit. Er sagt nämlich erstaunlicherweise: “The one who is in love always wins. When you are feeling, you are alive. The sun does not care whether the grass appreciates the rays. It just keeps shining.”

Schön zu hören, dass es keinen Grund gibt, sich dafür zu schämen. Danke Ethan.

Verdammt wütend

Ich habe M. den Roman Verdammt Wütend von der norwegischen Schriftstellerin Linn Strømsborg geschenkt, weil uns beiden der Vorgänger, Nie, Nie, Nie sehr gut gefallen hat. Jetzt habe ich Verdammt Wütend selbst gelesen und sorry liebe M. I should have known better, harhar.

Die Anfangsszene ist natürlich super. Da ist Britt, Anfang 40, mit Mann und kleiner Tochter auf Urlaub mit Freunden. Und eines Morgens schreit sie einfach alle an. Den Mann, die Tochter, die Freunde. Weil sie, erraten, einfach verdammt wütend ist. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie selbst als zehnjähriges Mädchen verlassen hat, einfach gegangen ist. Weil die Beziehung zu Espen nicht das ist, was sie sich vorgestellt hat, weil er Verantwortung scheut und sie möglicherweise betrügt. Weil sie ihre Tochter liebt, vieles aber dennoch anstrengend ist. Und weil die Freunde eben auch irgendwie nerven. Als Leser liebt man ja irgendwie das Drama und ist gespannt darauf: Was kommt danach? Aber leider ist es die beste Szene des ganzen Buches.

Strømsborg schreibt immer noch gut, die Sprache gefällt mir. Bei Verdammt Wütend hapert es aber, meines Erachtens aber am Plot, der sich jetzt nicht wesentlich von anderen Büchern dieses Themenkreises unterscheidet und der vor allem keine wirkliche Weiterentwicklung seiner Protagonistin bietet.

Ja, es geht um Wut, um Frust, um unfaire Bedingungen, darum wie “Orsch” alles ist, ja ich verstehe es, ich kann es auch in Teilen durchaus nachvollziehen. Aber mir fehlt irgendwie die Transformation. Also Wut entsteht natürlich immer wieder einmal in einem Menschen und ist ab und zu auch notwendig, aber an sich ja noch kein Wert. Man sollte ja mit dieser Wut irgendwas tun, damit sich etwas anderes daraus entwickeln kann, das im Idealfall eine Verbesserung der Situation bringt. Oder sagen wir so: Wenn jemand 100 Seiten in seinem Tagebuch mit wütenden Gedanken füllt, ist das vielleicht ganz therapeutisch, aber es ist noch keine Literatur. Mir bleibt Britt ein bisschen zu verhaftet in der “Opfererzählung”. Mir fehlt ein bisschen die Reflexion über die eigenen Anteile an der unbefriedigenden Ist-Situation.

Es gibt auch einige ziemlich eigenartige Perspektivenwechsel. Meistens verfolgen wir die Handlung ja aus der Sicht von der Protagonistin Britt. Ein Kapitel ist allerdings aus Sicht von Espen erzählt, eines aus dem Blickwinkel einer Freundin. Was tatsächlich eine interessante Idee wäre, wäre es nicht so “random” eingesetzt, wie mein Kind es bezeichnen würde. Die Perspektive von Espen wird auf ein paar wenigen Seiten erzählt, das wird der Figur nicht gerecht, wir lernen ihn deswegen auch nicht besser kennen und können uns über ihn kein “Urteil” bilden. Ich frage mich, was sich die Autorin diesbezüglich von uns erwartet. Das würde ich sie wirklich gerne fragen, harhar.

Britt sagt einmal: “Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so wütend sein würde, und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich defintiv dagegen entschieden. Für Freude, Neugierde, Offenheit, Trauer, Staunen oder Zufriedenheit. Aber diese Wahl wurde mir nie gelassen. Man hat mir nur dieses Leben gegeben und es ist eine große Enttäuschung.”1 Wirklich?


  1. Linn Strømsborg: Verdammt Wütend, S. 33 ↩︎

Vladimir

Vladimir – so heißt der Roman von Julia May Jonas, den ich 2022 erstmals und am Wochenende noch einmal gelesen habe. Der Titel “Vladimir” bedeutet für den Text so etwas ähnliches wie der Schauspieler Tom Hiddelston auf dem Plakat für den Film The Life of Chuck bedeutet hat. Hiddelston war zwar in diesem Film anwesend, aber lange nicht so wichtig, dass es die dominate Präsenz auf dem Plakat rechtfertigen würde. “Vladimir” steht im Roman für Katalysator oder Orientierung, vielleicht auch Neustart.

Tatsächlich geht es im dem Roman vor allem um die (namenlose) Protagonistin. Eine Frau Ende 50, Literaturprofessorin, die seit Jahren in einer offenen und mittlerweile sehr langweiligen Ehe mit John, lebt, der auch Literaturprofessor an derselben Uni ist. Sie haben eine erwachsene Tochter. Oder wie es im Roman einmal über heterosexuelle Beziehungen heißt: Sie hätten “ein Leben, das uns alle zu Protagonisten einer längst auserzählen Geschichte macht.”1 Aber dann wird es doch weniger konventionell. John ist nämlich gerade dabei, von der Uni verwiesen zu werden, weil zahlreiche ehemaligen Studentinnen ihm- ja was eigentlich vorwerfen? Sie hatten alle Affären mit ihm, diese Affären wurden freiwillig eingegangen, aber im Zuge von #metoo werden die Dinge manchmal neu “interpretiert”. Auch unsere Hauptfigur bekommt Schwierigkeiten, da sie diese Dinge ja quasi “gutgeheißen” hätte.

May Jonas ist schon sehr mutig, denn mit diesem Roman setzt sie sich natürlich in gewisser Weise zwischen alle Stühle, was ich ja immer ganz gerne mag, harhar. Hier sind ganz viele Dinge nebeneinander richtig, hier gibt es ganz viele Zwischentöne. Natürlich spielt John mit seiner Macht und er ist kein übermäßig sympathischer Charakter. Aber was ist mit den jungen Frauen? Feiern wir nun sexuelle Selbstbestimmung, zu der aber auch Selbstverantwortung gehört, auch wenn sich die Angelegenheit hinterher schal anfühlt? Oder sind die jungen Frauen (erwachsen) doch weiterhin immer nur Opfer? Und wieso hängt die Protagonistin mit drinnen, die ebenfalls nicht unbedingt extrem sympathisch erscheint, aber sehr ehrlich mit sich ist. Auf quasi der Metaebene überlegt sich die Protagonistin einmal: “Sollten wir [in der Kunst, Anmerkung] nur die Welt abbilden, in der wir leben wollten? (…) Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass die Moral in der Kunst nichts zu suchen hat?”2

Spannend, aber noch spannender als diese gesellschaftspolitischen Fragen, die sehr pointiert und kontrovers verhandelt werden, fand ich die Gedankenwelt der Protagonistin. Wie geht es einem als Frau Ende 50, was hat man erlebt, was hat man versäumt, wie will man weitertun, beruflich und privat, was hat man noch zu erwarten oder erhoffen. Und hier kommt der ominöse, russischstämmige und natürlich sexy “Nachwuchs”professor ins Spiel. Vladimir. “Er eröffnet ihr eine Welt und wenn schon nicht eine Welt, dann einen bodenlosen Abgrund”3 Nicht, weil er irgendwie die große Liebe ist oder die Protagonistin sich extrem für seine Gedanken interessiert, obwohl sie seinen Roman faszinierend findet. Nein, er ist Mittel zum Zweck tiefer Selbstreflexion. Und er löst einiges aus, in ihrem Leben und gibt diesem tatsächlich so etwas wie eine neue Wendung.

Wunderbar, ich mag die Sprache und die Gedankenwelt von May Jonas sehr und auch wenn der Plot nicht besonders leicht verdaulich ist, war es eines dieser Bücher, in dem ich mich gleich wohlgefühlt habe.


  1. Julia May Jonas, Vladmir, Seite135 ↩︎
  2. Seite 200 ↩︎
  3. Seite 25 ↩︎