almis personal blog

ESC Update

So, in der quiet season doch auch wieder mal was zum ESC. Weil am 20. August wird bekannt gegeben, ob der Songcontest nächstes Jahr in Wien oder in Innsbruck stattfindet. Ich habe da weniger Gefühle dazu als vermutlich haben sollte. Meine Ticket-Connection von 2015 gibt es leider nicht mehr, daher werde ich wohl da wie dort nicht live dabei sein können. Es sei denn, jemand schenkt mir eine Karte, damit ich darüber berichte, harhar dream on.

Marco Schreuder hat jedenfalls einen sehr guten Logo-Vorschlag für den ESC nächstes Jahr gepostet:

(c) Marco Schreuder und Aston Matters

Harhar, ja so passend.

Das Motto 2015 war eben Building Bridges, es gab dazu auch den gleichnamigen Song, den ich live in der Stadthalle gehört habe. Da hieß es, diese Brücken” (…) will stand the test of time (!). We can build a bridge until it reaches out, across the borderlines.” Damals dachte ich so ja, eh catchy der Song, aber halt auch bissl abgegriffene Plattitüden, das empfinde ich jetzt anders, weil es nicht mehr selbstverständlich ist, eben auch nicht beim ESC. Ich erinnere mich, damals haben noch so viele Fans ihre israelischen Fahnen vor der Stadthalle gewachelt, das kann man sich momentan gar nicht vorstellen.

Ach ja und es wird diesmal einen öffentlichen Vorentscheid über den österreichischen Beitrag geben, da sind die ESC Ultras natürlich extrem begeistert, weil das in der Vergangenheit immer sehr erfolgreich war harhar, not. Aber ich nehme an, der ORF will den ESC Hype ausnutzen und denkt sich, es werden sich total viele Menschen dafür interessieren und demzufolge ORF schauen. Ich bin da nicht jetzt nicht ganz so sicher. Ich mein, ich persönlich schaue natürlich fix alles. Außerdem wollen “wir” sicher nicht zweimal hintereinander gewinnen und das werden wir so auch eher nicht.

Dienstag

Heute bis nach Mittag im Pyjama an zwei Projekten parallel gearbeitet. Dazwischen wollte ein Nachbar was, und ich musste ihm in diesem Aufzug öffnen harhar.

Danach endlich geduscht und etwas gegessen.

Anschließend in den Garten gefahren und mit dem Kind geschrieben, das jetzt für sieben Tage an einem Ort ohne Internet ist. Ja sowas gibt es tatsächlich. Daran gedacht, dass ich selbst fast auf den Tag genau vor 20 Jahren nach Vancouver geflogen bin und wie sehr das ein anderes Leben war.

Gelesen, dass Ozzy Osbourne gestorben ist. Wird jetzt manche überraschen, aber Ozzy war tatsächlich ein Teil meiner Jugend. Als Solokünstler, weniger bei Black Sabbath, das war mir zu hart. Aber aufgrund dessen, dass mein Freund in einer Indieband war, habe ich viel Rock gehört. Wer immer aller jetzt einen Nachruf schreibt, zitiert bitte Goodbye to Romance, da finden sich viele passende Zeilen und es ist so ein schöner, trauriger Song. Schnüff.

Am Abend unterm Baum gelegen und mein neues Buch fast ausgelesen.

Jetzt in meinem Haus, in meinem Raum zum Schreiben sitzen und eben schreiben. Aus dem Fenster schauen.

Danach werde ich schlafengehen und an jemand denken.


I guess that we’ll meet, we’ll meet in the end

(Ozzy Osbourne)

E-Bow the Letter

Apropos Patti Smith, auch wenns konstruiert klingt: ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder einen Song gehört, der gleichzeitig eh der einzige Song ist, den ich von ihr kenne, nämlich E-Bow the Letter. Eigentlich ist es ein REM Song, Smith singt hier die Backing Vocals und wurde von der Band als große Einflussgröße genannt.

Der Song war die erste Single aus dem REM Album New Adventures in Hi-Fi aus dem Jahr 1996 und als solche völlig ungeeignet. Weil sie ist ur lang, über fünf Minuten, sperrig und er hat halt auf keiner Ebene das Zeug zum Ohrwurm, was ja die erste Single schon immer haben sollte, wenn man nach den Pop-Markt-Gesetzmäßigkeiten geht. Das Video ist ebenfalls sehr Arthouse (verwackelt, unscharf, etc) und es geht viel ums (Weg)Fahren und unterwegs sein.

Ich mag E-Bow the Letter aber immer schon sehr gerne, weil der Song etwas tut, was ich total schätze. Und zwar, komplett unmusikwissenschaflich erklärt: Die Musik macht das eine, der Sänger (hier Michael Stipe) singt irgendwie daneben vorbei und in diesem Fall gibt es eben noch Patti Smith, die auch wiederum ihr eigenes Ding macht. Es ist niemals ein Zusammenspiel von mehreren Komponenten, sondern ein parallel geführter Alleingang, jeder könnte gefühlt auf einem anderen Planeten sitzen, wenn man so will, es ist aber trotzdem stimmig.

Ich hab jetzt recherchiert und Stipe hat den Song für den verstorbenen Schauspieler River Phoenix geschrieben, mit dem er befreundet war. Es ist ein frei assoziierender Brief und der “E-Bow” ist, habe ich auch erst jetzt herausgefunden, ein Zusatzgerät bei einer E-Gitarre, das die Saite in elektromagnetische Schwingungen versetzt und damit einen lang anhaltender Ton erzeugt. Also quasi ein Brief, der schwingt, vielleicht?

Der Text ist irrsinnig schwer zu dechiffrieren, man könnte sagen, Stipe philisophiert über Sucht und Ruhm und Sinn. Er erschuf hier die extrem strange, aber auch interessante Zeile: “This fame thing, I don’t get it. I wrap my hand in plastic to try to look through it” Diese Zeile spürt man eher, als man sie versteht. Er singt auch, sehr berührend: “I wear my own crown of sadness and sorrow” und er stellt fest: “Aluminum tastes like fear.” Alles irgendwie eigenartig, aber wirklich schön.

Über Mahmood

Nachdem jetzt der italienische Sänger Mahmood mit Sarah Jessica Parker Werbung für Zalando (unbezahlte Werbung harhar) macht – eine relativ überraschende Paarung – habe ich endlich einen Vorwand, über ihn zu schreiben, was ich schon lange machen wollte.

Mahmood ist 2019 am außer-italienischen Radar aufgetaucht. Er hat 2019 San Remo mit dem Song Soldi gewonnen und ist dann zum ESC gefahren. Das hat dem Politiker Matteo Salvini nicht so gut gefallen, was wieder eine Kontroverse ausgelöst hat etcetera. Bei den ESC Songchecks meinte Constantin Zöller damals über Mahmood: “Ich finde er hat so eine seltsame Aura. Absolut nicht sympathisch.” Harhar, das ist wirklich eine zutreffende Beschreibung. Und über Soldi sagte er: “Das ist so abwechslunsgreich und anders, und dann noch auf Italienisch. (…) Wenn es nach mir geht, gewinnt er.” Gewonnen hat schließlich Arcade von Duncan Lawrence, weil alle mitgelitten haben, bei dessen Song über eine tragische Liebesgeschichte. Der musikalisch interessantere Song war aber Soldi, ein Lied über den Vater (ein Kernthema des ESC), der den Sohn verlassen hat und ihn, als er erwachsen ist, nach Geld (Soldi!) fragt. Unsterbliche Zeile: “Beve champagne sotto Ramadan” – “Er trinkt Champagner im Ramadan.” Mahmood wurde Zweiter.

2022 trat Mahmood mit dem Jungstar Blanco wieder bei San Remo an und gewann erneut. Diesmal sangen die beiden über eine tragische Liebesgeschichte. Der Song hieß Brividi (Schaudern), polarisierte aber stark, weil beide teilweise sehr hoch sangen und das nicht unbedingt die Komfortzone von Mahmood ist. Man fragte sich immer: Schafft er den nächsten hohen Ton auch noch? Ich persönlich fand das aber total stimmig, weil es geht in dem Lied ja auch ums Scheitern: “E ti vorrei amare, ma sbaglio sempre” – Ich will dich lieben, aber ich scheitere immer.” Und das hat sich nach dem Prinzip “form follows function” eben auch in der Darbietung widergespiegelt und für mich funktioniert. Live war der San Remo Auftritt aber deutlich besser als der beim ESC. Die beiden erreichten den sechsten Platz.

Zwei Jahre später, nämlich 2024, trat Mahmood nochmal bei San Remo an, mit dem Song Tuta Gold (Goldener Jogginganzug, das ist mal ein Songtitel). Viele meinten, das wäre sein bester Song bis dato, ich neige durchaus dazu, dem zuzustimmen, aber er gewann San Remo diesmal trotzdem nicht, obwohl es ein super ESC Lied gewesen wäre. Aber Italien hat eh nie Mangel an guten Beiträgen.

Mahmood im Tuta Gold Video

Das Interessante an Tuta Gold ist unter anderem das Video. Denn Mahmood hat einen arabischen Vater und ist homosexuell. In dem Video inszeniert er sich aber als, naja sagen wir Mann der Straße, mit seinen Kumpels, er trägt naja, sagen wir Streetwear und Goldzähne und irgendwie flirtet ein bisschen mit dem Klischee des toxischen Talahons – so ich habs geschrieben; was natürlich durch seinen Background alles doppelt bricht. In dem Video kommen außerdem leicht brutalistische Plattenbauten und aber auch Kühe vor, die dort grasen. Ich weiß nicht warum sie das tun, aber ich finde es interessant.

Wir werden sicher noch einiges von Mahmood hören.

Thom Yorke

Man kann zum Nahost-Konflikt ja geteilter Ansicht sein und ist das in der Regel auch.

Manchmal wünscht man sich da zuweilen aber etwas mehr Beschäftigung mit diesem sehr komplexen Thema, wenn man sich schon öffentlichkeitswirksam zu Wort meldet.

Eine Wohltat war da kürzlich das Statement des Radiohead Sängers Thom Yorke. Denn dieser Mensch ist einer der, zumindest gefühlt, ganz wenigen Künstler, die den Mund öffnen, und dabei wirklich fähig sind, differenziert zu formulieren und auch sagen, wie schwierig eine Stellungnahme an sich immer auch ist. Er kritisiert Netanyahus Politik und aber auch die Hamas gleichzeitig. Man hält es nicht für möglich, es geht wirklich beides, man muss sich gar nicht zwangsläufig auf eine Seite stellen.

Yorke sagt, er hätte jetzt ein Statement abgeben müssen, weil er für sein Schweigen kritisiert und alles mögliche hineininterpretiert wurde: “That silence [was] my attempt to show respect for all those who are suffering and those who have died, and to not trivialise it in a few words (…)”

Genau, “not to trivialise it” – ein ganz guter Ratschlag für so viele Dinge im Leben.

ESC – aftermath

Ich wollte ja nichts mehr zum ESC schreiben, aber was bleibt mir über? Wir hatten vier glückliche Tage, bis das ganze Elend über uns hereingebrochen ist.

Auch in unserer WhatsApp Gruppe wurde die Aussage von JJ zu Israel diskutiert und ich habe geschrieben: Si tacuisses, philosophus mansisses.

Das muss man aber auch erklären. Natürlich kann JJ sagen was er möchte, immerhin haben wir Meinungsfreiheit. Und ich halte ihn wegen dieser einen Aussage nicht für einen Antisemiten, weil man darf natürlich Israels Politik und Vorgehen kritisieren. Aber ich finde gleichzeitig auch, dass man den Nahostkonflikt nicht auf ein, zwei Sätze in einem verwackelten Zoom Call herunterbrechen kann, weil das schnell unterkomplex wird. Und die Trennung von Künstlerin/Künstler und der Politik ihres Landes ist nochmal was anderes.

Aber, above all: Bitte können wir endlich wieder beim ESC über Musik reden und nicht nur andauernd über Politik? Ich habe nämlich ein bisschen Angst, dass wir, wenn es so weitergeht, in zwei, drei Jahren keinen Songcontest mehr haben werden. Weil die einen wollen ein Land (oder in weiterer Folge vielleicht auch andere Länder, wer weiß, was noch passiert) ausschließen und drohen damit, nicht teilzunehmen, wenn das nicht geschieht. Die anderen wiederum wollen nicht mehr mitmachen, wenn eben das geschieht.

Ich habe in meinem Leben schon manches loslassen müssen, das ich sehr geliebt habe, der ESC war mir da oft ein Trost. Andererseits, wie sang ausgerechnet die israelische Teilnehmerin Yuval Raphael dieses Jahr so wirklich schön: “Darkness will fade, all the pain will go by, but we will stay, even if you say goodbye….a new day will rise. New day will rise.” Da interpretiert jeder etwas anderes hinein und assoziert es mit dem, was ihn am allermeisten schmerzt. Und trotzdem geht es irgendwie weiter. Ich hatte Tränen in den Augen.

Zurück zum ESC: Das Motto ist bekanntlich United by Music. Eine schöne Phrase, die super klingt, wenns um nichts geht oder wollen wir sie doch lieber mit Bedeutung füllen?

ESC 25 – unfassbar, drei

So, ein paar abschließende Betrachtungen, obwohl ich noch wochenlang über die ESC schreiben könnte, aber dann hab ich irgendwann keine Leser mehr harhar.

Wir sind voll in der ESC Depression angekommen, also nicht in Österreich, da wird diskutiert, ob der ESC in Wels, Oberwart oder auch Innsbruck realistisch ist, aber sonst stimmt alles, was so in den Tagen nach dem ESC, laut “Kalender” passiert:

  • Will Austrialia participate next year?
  • Many countries are displeased about the results: “We might not take part next year”
  • Voting scandals and conspiracy theories emerge

Vor allem das israelische Ergebnis des Televotings schlägt hohe Wellen. Und natürlich die üblichen Proteste gegen die Teilnahme des Landes.

Es wäre ja jetzt super, wenn man einen EBU Chef hätte, der mal auf den Tisch klopft und eine Ansage macht, so oder so. Aber leider haben wir Martin Österdahl, der sich nicht mal mehr beim ESC live sprechen traut, aus Angst ausgebuht zu werden. Menschlich verständlich, ich bin auch nicht zur Führungskraft geboren, aber wenn ich den Job mache, dann sollte ich irgendwas tun. Ich persönlich war sowieso generell immer dagegen irgendein Land auszuschließen, weil wir dann genau in diese Situation kommen, dass “wir” dann jedesmal diskutieren müssen, wer dabei sein “darf” und wer nicht. Da kommt dann die “Moral” und das Virtue Signaling und alles, was die öffentlichen Debatten oft unerträglich machen. Und ich finde auch, dass Musikerinnen und Musiker nicht für die Politik ihres Landes verantwortlich gemacht werden sollten. Es heißt ja schließlich “United by Music” nicht umsonst. Na schau, ich kann mehr Klartext reden als Österdahl. harhar.

Und: Langsam wächst Schwedens Beitrag Bara Bada Bastu bei mir, jetzt wo er nicht gewonnen hat. Noch 20 Mal hören und ich mag es wirklich harhar.

Ich stehe heute in der Küche und singe: ” (….) Ohhhhhohhoohhho Bada Bastu jåå”

Das Kind: “Sauna.”

Harhar, ich glaube, wir haben jetzt den Vibe, als sehr Spätadopter.

ESC 25 – unfassbar, zwei

Heute zwar früh ‘wach’ gewesen, aber nicht ausgeschlafen. Zuviel Adrenalin.

Ich wollte mir gestern Notizen zum Abend machen, habe aber nur genau eine Sache aufgeschrieben, nämlich, dass bei unserem ESC Event jemand gesagt hat, dass der italienische Song nach Urlaub klingt und jemand anderer drauf: Ja, aber wie der letzte Urlaubstag bevor man wieder heimfährt, harhar. Das war übrigens, glaub ich, die einzige Prognose, mit der ich letztendlich richtig gelegen bin, nämlich dass Italien besser sein wird als die Quoten vorhersagten, sogar am Ende Platz 5 für eine supersympathische, “kleine” Performance.

Na gut, was war sonst noch los? Hunziker war endlich da – eine Wohltat, nicht nur visuell (die Kleider meine ich!!). Sie hat im Greenroom mit dem italienischen Kandidaten gesprochen und die Deutschen interviewt. “Hallo Stefan” (Raab) hat sie gesagt, der saß neben Arbor und Tynna. Und dann so auf die Art, sie darf nicht zu parteiisch sein harhar. Celine Dion war hingegen nicht anwesend, obwohl am Nachmittag sehr viele Gerüchte gestreut wurden, sie wäre in Basel gelandet. Wer allerdings da war, war Nemo. Erstens, um seinen Siegersong vom vorigen Jahr noch einmal zu singen, fair enough, dann aber auch, um seinen neuen Song zu promoten, und sorry aber, das hat ja die Loreen Performance ihres Nachfolgesongs von Tattoo voriges Jahr noch um Längen getoppt an Skurrilität und Dings, wirklich extrem verstörend. Und warum Nemo in diesem Outfit auf die Bühne “darf”, während andere Künstlerinnen wegen Familienfreundlichkeit der Show ihre Kostüme ändern mussten, ist mir auch nicht vollends klar.

Dafür waren die Showacts sonst wirklich super – einerseits einige Schweizer ESC Kandidaten der letzten ja, 60 Jahre (Paola Felix, Luca Hänni etc), anderseits, besonders beliebt bei der Unter-25 Fraktion der Zuseher, zumindest in meinem Wohnzimmer, ein Mash Up der beiden Zweitplatzierten Kärija (Zweiter aus Finnland im Jahr 2023) und Baby Lasagna (Zweiter aus Kroatien im Jahr 2024). Sie haben, in einer Art Kampfring als Boxer stehend, ihre beiden Banger Cha Cha Cha bzw. Rim Tim Taga Tim performt, einzeln, dann durcheinander, das war schon sehr amüsant und mitreißend, ein richtiger ESC Moment, der wieder mal die Nationen schön geeint hat.

Bei den Kandidaten selbst entstand bei mir zumindest heuer der Eindruck, dass es wirklich sehr kurzweilig war. Recht wenig schiefe Töne, interessante Bühnenshows, “Comedy Acts” neben kleineren Indie Nummern, große Balladen neben Radiohits, quasi für jeden etwas dabei. Wie immer gabs Performances, die in den Semis besser gezündet haben als im großen Finale – bei Österreich wars Gott sei Dank umgekehrt. Natürlich spielt auch die Auftrittsreihenfolge eine gewisse Rolle. Und, wie auch immer, versteht man manches überhaupt nicht. Die Schweiz wurde zum Beispiel Jury-Zweiter, bekam vom Publikum aber exakt null Punkte. Schweden, bei den Wettquoten hochfavorisiert, wurde nur Publikums-Dritter. Und wieso bei Polen beim Schnelldurchlauf, wo alle Länder nochmal in einem kurzen Einspieler präsentiert werden, eine Stelle im Song gezeigt wird, in dem die Sängerin gar nicht singt, sondern nur an Ringen hängt, also das verstehe auch wer will.

Am Ende wars ein großer, verdienter Sieg von JJ. Oder wie das Kind sagte: Ganz objektiv gesprochen, er war der Beste. Harhar. Schön war, wie Conchita sich ehrlich gefreut hat (sah zumindest so aus harhar) wie die anderen Teilnehmer ihm gratuliert haben, es sind da schon Freundschaften entstanden, und dann bei seiner Performance mitgetanzt, das ist der Spirit von Eurovision. Und auch, dass jeder ESC Fan auch irgendwie alle Songs feiert, seine ganz persönlichen Favoriten hat, das hat immer schon etwas sehr verbindendes und das liebe ich an dem Bewerb.

P.S. Respekt für Marco Schreuder, der praktisch jedes Jahr den Sieger vorhersagt, so auch heuer.

P.P.S. Ich wurde gestern mit meinem obergescheiten Insiderwissen als “Heinz Prüller des Song Contests” bezeichnet und ich lasse das mal als Kompliment gelten, harhar.

ESC 25 – unfassbar

JJ hat uns den Schas wieder gewonnen, ich packs nicht!

Vor dem Grand Final hab ich ehrlich nicht mit dem Sieg gerechnet, aber seine Performance heute war richtig am Punkt, noch um einiges überzeugender als im Semifinale. Trotzdem war es dann ein irre spannendes Voting. Ab einem gewissen Zeitpunkt hab ich nur noch gezittert und geschrien, es war abartig, harhar.

Mehr dann später, ich geh jetzt mal schlafen, sofern ich schlafen kann. Freude, Freude!

ESC History

Zur Einstimmung auf den heutigen Song Contest – nächste Woche wirds wieder um andere Dinge gehen, ich verspreche es – ein kleiner Abriss meiner persönlichen ESC Geschichte.

Ich habe schon als Kind den Song Contest geschaut. Zuerst mit einer Freundin in der Unterstufe und als die Schule wechselte und wir uns aus den Augen verloren, mit einer anderen. Das gestaltete sich so, dass wir Wochen bis Monate lang unsere Lieblingssongs auf einer VHS anschauten, das heißt vor und zurückspulen mussten. Kinder, ihr könnt euch das gar nicht mehr vorstellen, wie das war! harhar. Wir haben dann sogar manche Songs vom Video auf eine Musikkassette überspielt, die Qualität war sicher mehr als fragwürdig, aber wir fanden es eine super Sache.

Danach gabs eine Phase, die sogar von ESC Super Aficionado Marco Schreuder als die “dunklen Jahre” bezeichnet werden, wo der Bewerb sich quasi überlebt hatte und massiv ironisiert wurde; die Qualität der Songs war damals auch nicht die allerbeste. In diesen Jahren hab ich einmal den ESC im Auto am Heldenplatz sitzend, nur anhand der Kommentare von Grissemann und Stermann, verfolgt, was sehr lustig war, auch sehr meta, aber halt nicht für den Bewerb an sich sprach.

Als ich schwanger war, lag ich – statt zu einer ESC Party zu gehen – am Sofa, im Jahr darauf lag das Baby neben mir. Und danach gings mit dem Bewerb tatsächlich wieder extrem aufwärts, nämlich so ab dem Sieg von Lena, der Bewerb erfand sich neu, wurde relevanter und Österreich nahm auch wieder teil. Das gipfelte bald im Sieg von Conchita, den ich mit Freunden und einer kleinen Sektflasche (ich mein, was hab ich mir dabei gedacht, eine Picolloflasche für sechs Menschen, harhar) bei mir daheim verfolgte. 2015 war ich in der Wiener Stadthalle live dabei und das war so ein once in a lifetime Event.

Danach hab ich den ESC einmal sogar gar nicht gesehen, weil ich auf einer Hochzeit war, die Jahre darauf begann ich dafür, auch die Vorberichterstattung im großen Stil zu verfolgen, es entstanden in dieser Zeit diverse Podcasts und es gab die wunderbaren Songchecks vom WDR, wo die Songs ein bisschen ironisch betrachtet, gleichzeitig aber auch immer gefeiert wurden, mit enormen ESC Backgroundwissen. Leider ist auch schon wieder Geschichte. So kam es jedenfalls, dass ich am ESC Abend dann schon jeden Beitrag in- und auswendig kannte.

2020 erlebten wir alle die erste (und hoffentlich auch letzte) Absage eines Bewerbs, ich habe viele Songs aus diesem Jahr aber immer noch in meiner Playlist. Seitdem verbringe ich den Abend auch mal ganz alleine, was voll ok ist, heuer gibt es aber ein Patchwork Event mit meiner, folgenden, Auflage: “Ich mag an dem Abend von niemand hören, wie Scheiße der Songcontest ist.” Das Kind so: “Wow, Heidi wie sie sich jetzt fühlt!” Ja, ich kann auch mal bestimmend sein, ab und zu, so ein bisschen harhar. Der ESC macht mich halt glücklich und ich wills einfach nur genießen.

Happy Eurovison to all who celebrate!