almis personal blog

News beim ESC

In der letzten Woche gab es zwei Neuigkeiten, den ESC betreffend, die ich beide mit so eher gemischten Gefühlen aufgenommen habe.

Die erste: Ab nächstem Jahr ist Kanada dabei. Und da bin ich jetzt nicht gerade vor Freude an die Decke gesprungen. Nun muss die erste Reaktion ja nicht zwangsläufig immer die “richtige” sein oder unverändlich, aber es war eben mein spontanes Gefühl dazu und ich habe natürlich nix gegen Kanada an sich. Aber ich finde mehr ist nicht immer gleich besser und es ist auch so ein bisschen ein Jumping the shark Moment, zumindest die Gefahr eines solchen, aber Eurovision überlebt eh viel.

Habe mir dann dazu eine ESC Kompakt Folge angehört, wo erklärt wird, wie das überhaupt möglich ist, dass jetzt Kanada dabei sein. Das Land war bisher assoziiertes Mitglied beim Zusammenschluss der öffentlich rechtlichen Sender und nun ist es ein Vollmitglied. Das bedeutet tatsächlich einen anderen Status als Australien, das immer quasi als Gast eingeladen werden muss und im Fall eines Sieges den Bewerb auch nicht austragen darf. Natürlich werden hier wohl auch ökonomische Gründe vorliegen, denk ich mir. Mir persönlich wäre es halt trotzdem lieber, man holt die Länder zurück, die jetzt wegen des elenden Boykotts abgesprungen sind – Niederlande und Slowenien vor allem, aus musikalischer Sicht, mochte die Beiträge der letzten Jahre aus diesen Ländern sehr. Ich würde mich auch freuen, wenn Nationen wie Ungarn oder Bosnien wieder mitmachen. Ich persönlich finde das Euro in Eurovision nämlich nicht obsolet.

Die zweite Änderung betrifft San Remo und ist mir mindestens genauso unverständlich. San Remo war ja bisher kein ESC Vorentscheid, wie ich hier obergescheit immer wieder gepostet habe, sondern einfach das italienische Musikfestival, dessen Sieger zum ESC fahren durfte (nicht musste). Nun übernimmt Stefano De Martino als neuer (junger!) Leiter das Festival und er will am Freitag – das Festival läuft ja fünf Tage – zu einem ESC Abend machen, wo es auch um die Inszenierung der Songs geht.

Und ja, wenn Italien – das immerhin erfolgreichste ESC Land der letzten zehn Jahre – etwas nicht kann, dann ist es die Inszenierung. Im besten Fall fällt sie einfach nicht auf, wie zum Beispiel bei Lucio Corsi, der einfach zwei meterhohe Verstärker hinter sich platziert hat oder bei Il Volo, die irgendwelche Objekte aus dem Kolloseum in Rom eingeblendet haben. Marco Mengoni hat überhaupt nur ein Trampolin mitgebracht, auf dem zwei Männer relativ unmotiviert herumgesprungen sind. Das war die “Bühnenshow” harhar. Im schlechtesten Fall sind die Inszenierungen so überladen, dass sie dem Song tendenziell eher schaden – siehe Francesco Gabbani oder Mahmood (der trotzdem Zweiter wurde) oder heuer auch Sal da Vinci, der beim eigenen Staging ja nur eine Nebenrolle spielte. Wie gesagt: Platzierungsmäßig heißt “schaden” aber immer noch Top 6.

Wie sich das San Remo konkret vorstellt, 20 verschiedene Spezial-Inszenierungen auf der eher kleinen Bühne des Teatro Ariston zu präsentieren, frage ich mich schon. Und letztlich ist Italien immer gut damit gefahren, sich nicht an den Songcontest anzubiedern, was bei Schweden und seinem Melodifestivalen zu einem häufig etwas seelenlosen Einheitsbrei führt. Aber vielleicht irre ich mich ja auch, es wäre nicht das erste mal (harhar) und alles wird ur toll.

Moulin Rouge

Nachdem es gerade auf Netflix wieder läuft, habe ich mir nach langer Zeit Moulin Rouge aus dem Jahr 2001 noch einmal angeschaut. Es war mein Lieblingsfilmmusical, bevor es 2017 von La La Land abgelöst wurde. Und das, obwohl ich damals mit dem Gedanken ins Kino gegangen bin, dass dieses “Jukebox” Musical ein furchtbares Kitschfeuerwerk wird und ich ja alles andere als frankophil bin. Nun, es ist tatsächlich ein Kitschfeuerwerk und ich bin immer noch nicht frankophil, aber dennoch liebe es immer noch sehr! Es mag daran liegen, dass der Regisseur Baz Luhrmann einfach völlig durchgeknallt ist, harhar.

Worum geht es? Die Handlung spielt im Jahr 1899, als der arme Poet Christian (Ewan Mc Gregor) nach Paris geht, um dort als Schriftsteller zu arbeiten. Eben erst angekommen, schließt er sich einer Künstlertruppe um Toulouse-Lautrect (John Leguziamo) an und schreibt mit ihnen ein Musical, das im Moulin Rouge aufgeführt werden soll. Er verliebt sich in die Hauptdarstellerin, die Sängerin und Prostituierte Satine (Nicole Kidman). Der böse Duke erklärt sich bereit, die Finanzierung zu übernehmen, wenn Satine “sein” wird. Im Stück selbst muss sich Satine übrigens zwischen einem armen Poeten und dem bösen Maharadscha (Metaebene!!!) entscheiden….

Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, die Sache geht nicht gut aus. Denn bereits in Filmminute fünf, als Christian in einer unfassbar ästhetischen Szene mit tollen Kamerafahrten über ein dann schon stilisiert-heruntergekommenes Paris gesanglich vorgestellt wird – “There was a boy, a very strange entchanted boy, a little shy and sad of eye, but very wise was he…” – eigentlich ein Song von Nate King Cole – also in Minute drei sagt Christian: “The woman I love is…dead.” Satine ist bereits als er sie kennenlernt an Tuberkulose erkrankt und wir brauchen hier eine Menge suspension of diesbelief. Nämlich, dass er es bis fast zum Schluss nicht merkt, sie nicht ihn und alle anderen ansteckt und, dass sie zwar ab und zu hustet und etwas blass ist, aber die Krankheit ihre Schönheit und Zerbrechlichkeit nur noch unterstreicht. Ich kenne jemand, der hat über so etwas eine Doktorarbeit geschrieben *hust*

Nach diesem eher düsteren Anfang wird aber erstmal voll aufgedreht. Als Christian in Paris ankommt, ist nämlich noch alles mehr als super. Es hat zwar niemand Geld, aber man macht Party und trinkt Absinth und wird dabei fröhlich (noch nicht traurig). Es ist der Sommer der Boheme – Friede, Freiheit, Liebe, alle feiern das Leben und die Musik. Und wie ginge das besser als mit Songs wie Up where we belong, All you need is love, I will always love you und so weiter. Dass das alles extrem anachronistisch ist, macht die Sache erst so richtig gut und “Camp”. Auf dem Papier liest es sich furchtbar, tatsächlich ist man als Zuschauerin aber komplett hingerissen, wenn Ewan Mc Gregor, der tatsächlich richtig gut singen kann, Elton Johns Your Song für Kidman schmachtet. Hach ja!

Und es geht rasant weiter. Die hektischen Bühnenproben wechseln sich mit intimen Momenten zwischen Christian und Satine ab; Satine, die sich erst ganz enorm gegen die Beziehung sträubt, weil sie sich ein Leben mit Christian einfach nicht “leisten” kann: “A girl has got to eat” macht sie ihm die profanen ökonomischen Bedingungen klar, während er schon auf Wolke sieben schwebt. Aber irgendwann gibt sie mit den Worten “You’re going to be bad for business. I can tell” auf. Die beiden, die ihre Liebe verstecken müssen, haben ein Lied Come what may (der eine Song, der extra für den Film komponiert wurde ), das sie singen, um sich das gegenseitig zu versichern. Und der Song ist schon so melancholisch, dass man als Zuseherin spätestens da wüsste, was es geschlagen hat, wenn man nicht eh schon seit Minute fünf im Bilde wäre. Ein weiteres Highlight ist der Tango de Roxanne (eigentlich ein Police Song), in dem ur toll getanzt wird, während in Christian die Eifersucht brodelt, es ist der Abend, als Satine den Duke zum Abendessen trifft.

Und so geht es weiter bis zum emotionalen over-the-top Finale. Wie Hitchcock sagte, ein Film muss mit einer Explosion starten und sich dann immer weiter steigern. Ist defintiv das Motto vom Regisseur. Letterboxd reviewer meinen unter anderem: Who needs drugs when Baz Luhrmann films exist? Harhar. Oder A movie set in France without any french people. Is this the perfect film?

Ich kann es nur nochmal sagen: Es ist ein Fiebertraum, wie die jungen Menschen heute sagen, aber ein sehr, sehr guter.

Mother Mary

Auch noch gesehen in der letzten Zeit: Mother Mary von Regisseur David Lowery.

In diesem Film geht es um einen fiktiven Popstar namens eben “Mother Mary”, dargestellt von Anne Hathaway, die das Outfit für ihre neue Tour präsentiert bekommt und zusammenbricht, weil es unglaublich schiach ist. In einer Nacht und Nebel Aktion sucht sie ihre ehemals beste Freundin, die Desigerin Sam (Michaela Cole) auf, die früher ihren Look kreiert hat, um sie um Grunde genommen nur darum zu bitten, ihr ein neues Kleid zu entwerfen, das sie zeigen soll, wie sie wirklich ist. Im Zuge der Begegnung kommt es aber zu einem Kammerspiel-artigen Dialog von gut zwei Stunden, in welchem beide die Probleme thematisieren, die sie eigentlich miteinander haben…

Was diesen Film betrifft, kann ich mich nur Pia Reiser anschließen, die meinte, er wäre etwas für sehr geduldige Menschen, die sich gerne über eine Laufzeit von 110 Minuten teilweise auch recht prätentiöses Gelaber anhören möchten, harhar. Das trifft es ziemlich genau, wenngleich der Film audiovisuell eine wirkliche Wucht ist. Denn derzeit extrem angesagte Musikerinnen und Musiker wie Charli XCX und Jack Antonoff (wir erinnern uns, der Ex von Lena Dunham) haben den Soundtrack beigesteuert und weil Mother Mary ja einen Star im Taylor Swift’schen Ausmaß verkörpert, sollten die Songs auch richtige Banger sein, die sofort ins Ohr gehen und das sind sie tatsächlich. Dazu sind die Kostüme wirklich originell und opulent und es macht Spaß, in Sams Fundus mitzustöbern und in der Schönheit der fantasievollen Stoffe zu schwelgen.

Im Kern geht es bei Mother Mary darum, was Beziehungen in unserem Leben bedeuten und durch welches Tal wir gehen, wenn eine für uns wichtige Verbindung aus welchen Gründen auch immer endet. Hier hat Mother Mary sich im Zuge dessen, dass sie sich neu erfunden hat, wie bei Popstars ja durchaus üblich, auch quasi von ihrer früheren Kostümbildnerin getrennt, die aber auch leider gleichzeitig ihre beste Freundin war. Sam schildert Mary sehr eindrücklich ihren Schmerz über diesen Verlust, wie schwer er in ihrem Körper auch gelebt hat. Und hier hat Regisseur Lowery die Entscheidung getroffen, diesen Schmerz als eine Art (roten) Geist zu symbolisieren, der eines abends, als Sam beschließt, ihn endlich loszulassen, quasi ihren Körper verlässt und über Berg und Tal fliegt, um nun von Mother Mary Besitz zu ergreifen. Das kann man jetzt interpretieren wie man möchte: Für mich stellt es sich so dar, also würde Sam mit ihrer Situation Frieden machen und ihre Gefühle gehen zu lassen, und Mother Mary kommt in genau dieser Nacht darauf was sie verloren hat und nun beginnt sie zu leiden.

Gibt es so etwas, dass die Energie des Loslassen bei einer Person bei einer anderen als Verlust ankommt? Weil sie vielleicht spürt, dass ihr nicht mehr hinterhergetrauert/gesehnt wird? Oder ist das komplett gaga? Harhar. Es ist jedenfalls ein durchaus interessantes Gedankenspiel.

Die letterboxd Kommentare waren hier, wenn wundert es, mal wieder enorm amüsant. Es gibt eine Szene, in der Sam mit einer Schneiderkreide einen großen Kreis auf den Boden zeichnet, in dem sie und Sam sitzen sollen, um den Geist auszutreiben, und jemand schrieb: “No way she free-hand drew that perfect circle on a floor made up of separated wooden planks.” Das waren ganz genau meine Gedanken, als ich das gesehen habe!!! Bzw ich dachte mir: Also ich könnte das nicht. Jemand anderer merkt an: “Phantom Thread for lesbians”. Das spielt auf den Film von Paul Thomas Anderson an, in dem Daniel Day Lewis einen Schneider spielt, der eine ziemliche toxische Beziehung zu Vicky Krieps hat.

Und mein absoluter Liebling: “All this just to look like a Eurovision finalist.”

Ya Ya Ya

So, wie lange hat Almi es jetzt ausgehalten, ohne ESC Content, naja doch immerhin 13 Tage harhar, bin stolz auf mich.

Ich muss jetzt nämlich was für mich peinliches, aber auch lustiges erzählen; ich habe mich sehr über mich selbst amüsiert. Am ESC Abend wurde ja von Andi Knoll behauptet, dass der norwegische Teilnehmer Jonas Lovv mit seinem Song Ya Ya Ya an die italienische Rockband Maneskin erinnert. Für alle, die es nicht wissen, Maneskin waren ESC Sieger 2021, dann Weltkarriere. Ich mag ja Knoll und ich habe diesen norwegischen Song ehrlicherweise, euphemistisch ausgedrückt, nie auf Heavy Rotation gehabt. Weil es gibt immer ein paar Lieder, die ich so ein bisschen ignoriere, weil es sind einfach so viele Songs. Ich habe aber am Finalabend dennoch extrem obergescheit behauptet: “Das Einzige, was bei Jonas Lovv an Maneskin erinnert, sind die Hosen.”

Na ja und jetzt höre ich ja beim Einkaufen gehen und Schnellbahn fahren und so immer Musik über die Earpods, natürlich zu 95 Prozent im weitesten Sinn ESC-related. Wenn das Handy in meiner Tasche ist, gestaltet sich die Playlist etwas “random”, ich weiß also nicht, welche Songs hintereinander drankommen. Und da spielt es eben kürzlich einen Song, der mir im ersten Moment nur flüchtig bekannt vorkommt und ich denke mir so, ah das ist sicher einer dieser englischen Maneskin-Songs.

Ratet. Harhar.

P.S. Sorry Andi!

Semifinale 2, ESC 26

Heute habe ich mich mit sehr lieben Menschen zum Mittagessen getroffen, die extra aus dem Süden Österreichs angereist sind, um gestern die Semi 2 Nachmittagsshow zu sehen. Ich habe mir natürlich alle Details erzählen lassen. Super nett wars!

Ansonsten war das Semi gestern nicht wahnsinnig überraschend – die zehn Songs, die laut Quoten weiterkommen sollten, sind auch weiter gekommen. Ich finde es ja immer faszinierend, dass ich selbst am Ende jedes ESC Jahres sage, Schluss, aus, ich werde mich nicht mehr an den Quoten orientieren und jedes Jahr tue ich es dann doch aufs neue, harhar. Naja, gestern hat es jedenfalls gestimmt.

Interessanter – oder vielmehr ärgerlicher, zumindest meines Erachtens – war die Erstellung der tatsächlichen Startreihenfolge morgen. Die Musiker ziehen ja an sich, wo sie starten werden, allerdings nur eingeteilt in “First Half”, “Second Half” und “Producers Choice” (aka “Deliberate Fraud” harhar, Witz bevor mich wer klagt) Ja, mir ist schon klar, dass man nicht drei Balladen hintereinander platzieren will oder vier Banger aus showtechnischen Gründen, aber es ist auch klar, dass die Songs, die in der ersten Hälfte drankommen, einen Nachteil haben und je früher, umso größer ist dieser. Und in diesem Zusammenhang dann Dänemark auf Startplatz 1 zu setzen, ist schon, wie Jugendliche sagen würden, Ragebait.

Ich verstehe es auch showtechnisch nicht wirklich, weil das für mich auch kein klassischer Eröffnungssong ist. Jedenfalls dürften damit Dänemarks kleine Siegeschancen dahin sein. Fakt ist außerdem, dass von Startplatz 2 aus noch nie ein ESC gewonnen wurde. Diesen undankbaren Platz hat dieses Jahr Deutschland zugewiesen bekommen. Dafür hat Australien gerade ein gewisses Momentum, kommt mir vor. Gestern hat man gesehen, dass Goodrem ein absoluter Profi ist, mir ist es trotzdem zu glatt. Cosmo startet übrigens als Letzter, quasi als Comic Relief nach Rumäniens Choke me, harhar.

Schön fand ich gestern, wie sich die Künstler verschiedenener Nationen gegenseitig gratuliert haben und sich miteinander freuen. Das ist genau der ESC-Spirit, den wir sehen wollen. Und nicht die ganze Cancel-Boykott Kacke, harhar. Sorry, aber ist ja so.

Feiertag

Obwohl Feiertag ist, habe ich heute erstmal was gearbeitet und dann schon ein bisschen die Wohnung aufgeräumt und geputzt. Am Samstag gibt es eine kleine Patchwork ESC-Party und wie ich heute erfahren habe: sogar mit einem Stargast, einer kleinen Katze. Freue mich sehr, natürlich auch auf die anderen Gäste harhar.

Am Nachmittag bin ich ins Filmhaus am Spittelberg gefahren und habe mir Un Poeta angeschaut. Es geht hier um einen alternden eher erfolglosen Dichter in Kolumbien – habe sofort connected harhar – der eine junge Frau aus armen Verhältnissen als Talent entdeckt. Aber ich habe mir das alles ein bisschen mehr “uplifting” und positiv vorgestellt. Der Film hat zwar sogar witzige Momente, aber der Vibe ist mir generell zu düster gewesen, das war alles so schwer und desolat, das passiert mir selten, dass ich mir sowas ansehe und es nicht im Vorfeld schon ahne und auslasse.

Also direkt vom Filmhaus zu Fuß zum Rathausplatz gegangen.

Das Wetter in dieser ESC Woche ist übrigens genauso beschissen bescheiden wie es das 2015 auch war

Wegen dem Eurovillage Feeling, ich wollt zumindest mal in der Nähe sein. Es war gerade ein ESC Quiz und ich konnte die Fragen ohne Auswahlmöglichkeiten beantworten, ich glaube, das ist irgendwie bedenklich harhar. Ausserdem habe ich Miriana Conte aus Malta vom letzten Jahr performen gehört.

Dann wieder daheim natürlich das zweite ESC Semifinale geschaut – ein garantierter Stimmungsaufheller. Und zum Einschlafen an jemand denken. Das sowieso.

Semifinale 1, ESC 26

Nächste Obsession: ESC.

Also gestern war ja das erste Semifinale und was soll man sagen, die Bühne der Stadthalle war schon mal ganz cool, finde ich:

Mir gefällt diese Bühne ehrlich gesagt besser als die von 2015, wo ich live vor Ort war

Die Moderatoren hm. Wie sang Jendrick, der deutsche ESC Kandidat von 2021: “I don’t feel hate, I just feel sorry”. Nein, ich habe irgendwie keine richtige Meinung dazu und das ist ja auch mal ganz angenehm.

Zu den Songs. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass Litauen dann doch weitergekommen ist und ich weiß, Lion Ceccah mit Sólo quiero más ist ein Minderheitenprogramm oder wie jemand in den ESC Reactions meinte: Litauen bringt heuer den Beitrag, der am lautesten Kunsthochschule schreit. Dafür ist normalerweise eher Portugal zuständig. Aber mir gefällt das wirklich gut, ich fand auch das Staging interessant. Apropos Staging: In unserer ESC Gruppe wurde der Abend zusammengefasst als: Grusel, Hexen, Monster & Zauberer und das stimmt auch, es war ziemlich düster, ziemlich viel rot und schwarz, natürlich das übliche Feuer, stellenweise sehr martialisch.

Lion Ceccah nachdem er zwei Minuten vor allem litauisch gesungen hat, harhar.

Kontrastprogramm dazu Akylas aus Griechenland mit Ferto, ein Mitfavorit und ich habe es leider bis jetzt nicht geschafft, mir den Song schönzuhören, ich habe es wirklich versucht. Mir ist das irgendwie zu anstrengend und die Bühnenshow (nix für Epileptiker) verstärkt das noch. Da hat man den Eindruck, nachdem man sich Akylas drei Minuten angesehen hat, jetzt würde man sich gern mal ein halbes Stündchen hinlegen, harhar. Aber natürlich ist Griechenland weiter. Nicht weiter ist hingegen San Marino, wo die ESC Veteranin Senhit diesmal Boy George im Schlepptau hatte und ich finde es erstaunlich, dass sie immer noch nicht zu wissen scheint, wie dieser Bewerb funktioniert. Dass nämlich große Stars außerhalb des ESC nicht unbedingt ein Erfolgsgarant sind, zumindest wenn der Song nix kann.

Die EBU hat sich heuer dafür entschieden, die Geräusche in der Halle, sprich den Unmut gegen Israel, nicht herauszufiltern und dann passierte das:

Wirklich so, so laut selbst im TV zu hören, sehr unangenehm, glücklicherweise eine singuläre Erscheinung.

Finnland als überdrüber Favorit ist natürlich auch weiter, dazu gab es ja eine kleine Kontroverse, da dem Wunsch der Geigerin Linda Lampenius stattgegeben wurde, die Geige live zu spielen. Das war eine Sensation, denn es war tatsächlich das erste Mal seit … vorigem Jahr. Okay, hear me out: Natürlich hat der Italiener Lucio Corsi letztes Jahr auch seine Mundharmonika spielen dürfen, aber es dauerte ungefähr 15 Sekunden, bis Corsi das angesabberte Instrument (hab ich mir immer gedacht harhar) seinem Co-Musiker wieder zurückgibt. Und davor war das letzte live Instrument tatsächlich 1998 (!) im Einsatz. Weil es eben da verboten wurde.

Morgen dann schon das zweite Semi, mit meinen beiden Lieblingssongs aus Tschechien und Dänemark.

ESC Dänemark 26

Dänemark hat beim ESC bisher, so wie ich Österreich, dreimal gewonnen.

Der Song von 1963 sagt mir, ehrlicher Weise, nichts, aber die Olsen Brother 2000 mit Fly on the Wings of Love waren so ein bisschen ein Guilty Pleasure von mir, trotz des Schunkelfaktors und auch Emmelie de Forest, die 2013 barfuß und naturverbunden Only Teardrops performte höre ich immer noch sehr gern. In den letzten Jahren war Dänemark dann weniger erfolgreich und lief ein bisschen unter dem Radar.

Dieses Jahr performt Søren Torpegaard Lund den Song Før vi går hjem – habe gestern auf Social Media gesehen, dass Andi Knoll schon die Aussprache übt harhar. Das Lied ist tatsächlich ausschließlich dänisch und der Titel bedeutet so viel wir “Bis wir nach Hause gehen”, handelt von einem gebrochenen Herzen und so etwas holt mich immer ab. Es erinnert mich thematisch an meinen Lieblingsbetrag vom ESC 2024, der Belgier Musti mit Before the party is over. Der Song war soo toll und Mitfavorit, bis Musti ihn dann erstmals live gesungen hat, ähm. Er ist dann tatsächlich im Semifinale ausgeschieden und ich find es ewig schade, konnte die Entscheidung aber leider verstehen.

Wie auch immer, Lund wird das hoffentlich nicht passieren, weil ich mag auch diesen Song sehr. Er ist in Prinzip recht unspektakulär, irgendwas zwischen Club und Kunstperformance mit diesem Aquarium, das Lund für das Staging benutzt. Das ist sehr reduziert und dennoch ziemlich wirkungsvoll. Bei den ESC Reactions meinte Marcel Stober, man hätte das Aquarium vielleicht vorher noch sauber machen können (harhar), aber mit den Kameraeinstellungen, dem Licht und den Moves von Lund und Konsorten ist es einfach irgendwie lowkey bezaubernd. Ein Trickshirt hat Lund auch an, unter dem sich ein Netzleiberl verbirgt, was ihm gut steht.

Das ist der bescheidenste Song, der heuer aus Skandinavien kommt, aber ich hätte nichts dagegen, wenn der ziemlich weit oben landet.

ESC Australien 26

Australien, unser Lieblingsland in Europa, ist seit 2015 beim ESC dabei, also seit dem Songcontest aus der Wiener Stadthalle. Sie haben mit sehr gefälligem Pop begonnen und gleich einmal den fünften Platz belegt, sicher auch ein bisschen als “warm welcome” gemeint. Nach einigen Jahren hat das Land dann aber festgestellt, dass mit eingängigem Pop alleine kein Staat zu machen ist. Die Popera Künstlerin – jemand nannte sie ESC Prinzessin – Kate Miller-Heinke (plus Backgroundsängerinnen) wurde daraufhin auf einer meterhohen, herumschwingenden Stange platziert und dabei hat sie postnatale Depressionen besungen. Ja! will man Australien da zurufen, jetzt nähern wir uns der Sache an, harhar Erstaunlicherweise holte diese ikonische Performance “nur” den 9. Platz.

Danach wurde es etwas experimentell. Die Sängerin Montaigne konnte wegen den Reisebeschränkungen 2021 nicht nach Rotterdam und schickte ein Video, das nicht nachbearbeitet werden durfte. Sie bewies leider eindrucksvoll, dass dem tatsächlich so war, denn es klang ziemlich schief. Australien schied erstmals im Semifinale aus. 2022 hatten wir mit Sheldon Riley und Not the same die überfällige Selbstermächtigungshymne, während 2023 mit Voyager echt Spaß machte, inklusive Toyota M2 aus den 1980er Jahren auf der Bühne. Im Jahr darauf erinnerte sich Australien an seine Aborigines-Wurzeln und schickte das Lied One Milkali (One Blood) dessen Vibe war: Wir haben uns alle ur lieb, wir sind sind nonbinär und naturverbunden. Ja von mir aus, aber ein interessanter Song wäre mir lieber gewesen, harhar. Über letztes Jahr können wir gern den Mantel des Schweigens breiten.

Heuer ist Australien zurück mit der ganz großen Geste.Eclipse von dortigen Superstar Delta Goodrem, die auch, wie praktisch jeder, den man aus Australien kennt, in der Serie Neighbours mitgespielt hat, ist ohne Frage ein “perfekter” Song. Goodrem ist schön, braungebrannt, und barfuß, trägt im Video ein goldenes “Kleid” in der Wüste, singt super, sicherlich auch live. Aber obwohl Australien heuer tatsächlich zum Favoritenkreis für den Sieg gehört: Es ist schon auch ein bisschen zu poliert, zu wenig überraschend, da fehlen mir persönlich die Ecken und Kanten.

Der Song ist ein bisschen so wie ihr Kleid – da ist sie nicht nackt drunter, mit dementsprechendem Risiko, wenn der Wind geht harhar, sondern sie hat diese hautfarbene Stoffschicht eingezogen, damit nix schiefgeht. Das ist mir zu aseptisch und auf Sicherheit bedacht. Weniger wäre hier tatsächlich im doppelten Sinn besser gewesen.

ESC Italien 26

Kommen wir zu meinem Lieblingsland beim ESC: Italien.

Italien hat ja sein San Remo Festival, das den Italienern tatsächlich viel wichtiger ist als der Song Contest. San Remo ist kein ESC Vorentscheid, selbst wenn das auch Menschen, die es besser wissen müssten, immer wieder behaupten. Aber dem Sieger wird der Einfachheit halber halt angeboten, zum ESC zu fahren, was dieser allerdings nicht immer tut, zum Beispiel voriges Jahr. In diesem Fall kommt der Zweitplatzierte an die Reihe. Italien hatte von 1998 bis 2010 eine längere ESC Pause, aber seit sie zurück sind, waren sie bis auf zweimal immer in den Top 10 (diese beiden Male performten übrigens Frauen ähm) und was noch erstaunlicher ist, mit ganz unterschiedlichen Genres. Wir hatten natürlich Pop, wir hatten Popera, wir hatten Cantautore, wir hatten Jazz, wir hatten Indie, Rap und sogar Rock – Maneskin haben nach ihrem Sieg 2021 tatsächlich eine globale Karriere gemacht. Und ich war bei ihrem Konzert in der Stadthalle 2023.

Auch dieses Jahr gab es irrsinnig tolle und innovative Musik beim San Remo Festival. Gewonnen hat allerdings Sal Da Vinci, harhar.

Sein Song “Per sempre si” (Für immer ja) ist eine Ode an die lebenslange Liebe und insgesamt extrem schmalzig, schlagerig und auch schon ein bisschen angestaubt. In der ESC Facebook Gruppe schrieb die Journalistin Eva Haslinger, er hätte Heiratsschwindler-Vibes und ich finde diese Formulierung immer noch genial, weil sie so sehr ins Schwarze trifft.

Sal da Vinci selbst – ich weiß nicht, wie man den schönen Namen Salvatore tragen kann und sich dann “Sal” nennt – ist heuer einer der ältesten Teilnehmer, was ja super ist, dass auch Menschen weit jenseits der 50 langsam beim ESC sichtbar werden. Dass er in Würde altert, würde ich jetzt aber nicht unbedingt behaupten harhar, dafür ist er zu braun gebrannt, die Zähne sind zu weiß, die Haare zu schwarz bzw sind es auch viel zu viele, es ist hier alles einfach “too much”. Und das ist dann schon wieder so penetrant, dass es irgendwie doch wieder typisch italiensch ist, so nach dem Motto: Mir doch egal, ich ziehe hier mein Ding durch, ganz egal was andere davon halten. Und das finde ich ja ziemlich sympathisch.

Der Song ist natürlich total aus der Zeit gefallen, aber wie jemand beim ESC Compact Reaction sagte: “Aber schau dir doch die heutige Zeit mal an, da bin ich doch froh, wenn ich an eine andere Zeit erinnert werde.” Und auch wenn das witzig ist, hat es doch im Kern eine Wahrheit. Und insofern stehen die Chancen nicht schlecht, dass Italien auch heuer wieder recht weit vorne landen wird.