almis personal blog

Xmas Markt, 25

Einen Patchworkfamilienausflug mit zwei erwachsenen “Kindern”, das heißt mit Schularbeiten und Prüfungsterminen, dazu Geschäftsreisen und diverse Weihnachtsfeiern der anderen – das zu planen, das ist gar nicht einmal so leicht. Ich bin die Einzige, die gefühlt eh immer Zeit hat, harhar. Jedenfalls gab es dann genau einen Termin und der war heute. Gerade noch geschafft.

Die Anreise erfolgte an Maria am Gestade vorbei, zum Christkindlmarkt am Hof.

Meine Probleme mit Christkindlmärkten sind: Mir ist immer kalt. Dem habe ich dieses Jahr mit dem Tragen einer Leggings, einem Top, einem dünnen Pulli, einem dicken Kapuzenpulli, einer Fleecejacke und der normalen Jacke plus Legwarmers halbwegs entgegen gewirkt. Tatsächlich wars heute wirklich erträglich. Und zweitens: Ich vertrage so gut wie keinen Alkohol. Tja, da kann man nix machen, harhar. Ich habe heuer aber den Glühwein woanders als letztes Jahr getrunken, der diesmal war nicht so stark.

Weiter gehts zum Graben…

…und Stephansdom:

Außerdem: ein bisschen Currywurst gekostet, ein bisschen Käsespätzle gegessen und (erstmals diesen Advent!) einen riesen Schokoschaumbecher, mein Highlight, mhmm so gut, vor allem, weil es wohl der einzige dieses Jahr sein wird. Vor zwei Jahren musste ich wegen meines Bandscheibenvorfalls quasi therapeutisch Gehen und habe von der Wohnung bis zum Christkindlmarkt Flodo 45 Minuten gebraucht (normal eher so 18 Minuten), da habe ich mich jedesmal mit einem Schaumbecher belohnt harhar.

Wicheln und Elche und außerdem gesehen. Pamela Rendi-Wagner und Paulus Manker

Zurück ging es dann wieder über den tiefen Graben, mit der hohen Brücke:

Immer denke ich an jemanden, als wäre er hier. Can’t help it. Sehr fein war’s.

The Secret Agent

The Secret Agent, im Original O Agente Secreto ist ein Film des Regisseurs Kleber Mendonça Filho, den ich, muss ich zugeben, bisher nicht kannte.

Der Thriller spielt im Brasilien des Jahres 1977, als dort eine Militärdikatur herrschte, gesprochen wird demzufolge Portugiesisch und der Film handelt von Marcelo (Wagner Moura), der – nun ja, wie formuliere ich das ohne zu spoilern – gewisse Dinge erlebt. Dinge, die Jahre später von zwei Transkribientinnen (yeah, I am feeling seen!) an einer Uni aufgearbeitet werden, Ort der Handlung ist Recife, der Heimatstadt des Regisseurs.

Und ab hier gibt es Spoiler, weil man sonst nichts schreiben kann

Ich finde, das ist ein ganz gutes Beispiel für ein ikonisches Filmplakat, du spürst alles, was der Film vermitteln will

Einer der besten Filme des Jahres, wie das Filmplakat sagt? Nun ja, auf jedenfall einer der wagemutigsten, die ich da kurz vor Jahresende noch gesehen habe. Und ich sage es gleich, ich liebe an diesem Film neben dem super Hauptdarsteller, den ich bisher nur aus Civil War kannte (wo er sich recht unauffällig verhalten hat) und dem wirklich tollen Vibe der 1970er (Musik, Bilder, Mode) Jahre, vor allem die formalen Finessen die uns dieser Film zu bieten hat. Er ist eventuell eine Spur zu lang aber sein Regisseur tut absolut nichts, was wir von ihm erwarten und das finde ich tendenziell immer super, vor allem, wenn es dabei nicht prätentiös ist.

Zunächst einmal geht es gar nicht um einen Geheimagenten. Es geht aber um Korruption und um die, die die Regeln machen können, weil sie in den dementsprechend Positionen sitzen, und diese Regeln haben überhaupt nichts mit Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu tun. Es geht um Bespitzelung und Auftragsmord. Es geht überhaupt viel um den Tod, der hier oft so nebenbei passiert, das alles andere wichtiger scheint – vor allem der Karneval, der wiederum auch wieder über 90 Todesopfer fordert. Es geht darum eine Geschichte von ihren Rändern her zu erzählen, was ein langsames Erkennen bei den Zusehern auslöst. Der dramaturgische Höhepunkt findet quasi abseits der Kamera statt, wir erfahren von ihm über einen Umweg. Und es geht teilweise absurd bis grotesk zu, dementsprechende Elemente (ich sage nur abgetrenntes Bein, ich sage nur VW Käfer, ich sage nur zweiköpfige Katze) fügen sich erstaunlich gut in die Haupthandlung ein.

Und so fühlt man an einem kalten Dezembertag die schwüle brasilianische Hitze, die einem durch Männer mit permanent bis zum Bauchnabel offenen Hemden und Frauen ohne BH vermittelt wird, und man denkt sich, wie schön nicht alles sein könnte, wären manche Menschen nicht solche Monster, aber dann gibt es noch die anderen, die selbstlos füreinander da sind.

Und so denken wir vielleicht über die Welt als Ganzes nach und kommen wahrscheinlich zu keinem Schluss, fühlen uns aber trotzdem bereichert.

Frühstück Verde

Ein letztes Frühstück in diesem Jahr und vor den Ferien haben L. und ich heute im Verde, nahe der Ubahn Station Herrengasse (Erinnerungen…) eingenommen. Das Verde habe ich zufällig auf Insta entdeckt und ich war nicht die Einzige, denn ab zehn, halb elf war das Cafe/Restaurant bummvoll, weshalb man auch reservieren sollte, am besten telefonisch (Pro Tipp von mir und unbezahlte Werbung.)

Auch im Verde weihnachtet es schon “dezent”

Wir haben uns diesmal für “Avocado” entschieden – Nomen est Omen – bzw. ich habe wieder mal, nach längerer Zeit Egg Benedict gegessen. Es war ur viel und wirklich sehr gut. Im Frühling und Sommer kann man übrigens sehr nett draußen sitzen, das haben wir schon geplant harhar.

Köstlich!

Gut wars, dass wir uns nochmal getroffen haben, denn nachdem unser beider Leben erst eine Woche zuvor eher bisschen chaotisch erschien, sind jeweils gute Sachen in den letzten Tagen bei uns beiden passiert, sodass wir das Jahr doch noch versöhnlich ausklingen lassen können.

Im Schein der Lampe ist gut reden

Danach noch etwas bummeln und shoppen und das Wochenende kann beginnen.

Mein Movie-Tracker

Nachdem ich mir schon neue Winterschuhe gekauft habe, hab ich mir gedacht, ich schenke mir auch selbst was zu Weihnachten.

Das Geschenk kam aber eine Woche zu früh, genau an meinem Namenstag, weshalb ich es zum Namenstagsgeschenk umgewidmet habe, damit ich es direkt auspacken kann. Meinen Namenstag, den es im Prinzip eh nicht wirklich gibt, kennt aber praktisch niemand, außer die Shopapotheke, die mir komischerweise immer gratulieren.

Hier mein Geschenk an mich selbst

Ich habe das auf Etsy entdeckt und finde es total süß. Zu Weihnachten werde ich es in den Garten mitnehmen und dort auf meine Kommode im ersten Stock stellen.

Das Kind so: Und schaffst du noch die 100 heuer? Ehrlicherweise: Wahrscheinlich eher 95.

Und by the way, eine Weltüberleitung: In den nächsten Tagen wird die Uncut-Redaktion ihre Topfilme des Jahres 2025 enthüllen, man darf gespannt sein. Ich weiß selbst noch nicht, was die anderen so wählen werden. Bei mir ist die Frage: Wie viele Filme aus Norwegen werden auf dieser Liste sein? Also ich weiß es eh schon, harhar. Stay tuned!

Meine Norwegen-Schuhe

Heuer habe ich fünf norwegische Filme gesehen und sechs norwegische Bücher gelesen. Ich habe dabei viel über das Land gelernt, zu dem ich bisher wenig Bezug hatte.

In dem norwegischen Film, der mir davon am wenigsten gefallen hat, nämlich Lovable, habe ich aber permanent die coolen Winterschuhe der Hauptdarstellerin bewundert – auch das kann ein Aspekt eines gelungenen Abends sein harhar. Und wer ist kompetenter als Menschen aus Skandinavien, wenn es um Winterkleidung geht?

Nachdem ich eh auch keine Winterschuhe mehr hatte, habe ich mir vorige Woche meine “norwegischen” bestellt, allerdings in braun, statt in schwarz:

Taking dumb pictures of my feet (c) Lost in Translation

Schaue jetzt noch “wolliger” aus, aber das Outfit macht mir irgendwie gute Laune.

Jay Kelly

Jay Kelly ist der neue Film des Regisseurs Noah Baumbach (The Squid and the Whale, Frances Ha, Mistress America, Marriage Story – habe ich alle gesehen, mochte ich auch alle), der hierzulande leider keinen Kinostart bekommen hat und nur auf Netflix zu sehen ist.

Jay Kelly (George Clooney) ist ein berühmter Hollywood-Star, immer umgeben von seiner Entourage, an der Spitze sein warmherziger Manager Ron (Adam Sandler) und seine zunehmend genervte PR-Frau Liz (Laura Dern), hat scheinbar alles, was man sich erträumen kann. Beruflich höchst erfolgreich und beliebt, sind die Beziehungen zu seinen beiden Töchtern und seinem Vater allerdings komplizierter. Auf einer Europareise beginnt er, seine Lebensentscheidungen zu hinterfragen…

WIRKLICHE SPOILER GIBT ES KAUM, WEIL EH NIX PASSIERT

Das ist einer dieser Filme, bei denen die Besprechung im fm4 Filmpodcast interessanter war als das Werk an sich, sorry Mr. Baumbach. Pia Reiser meinte, für sie fangen die Probleme schon beim Namen an. “Wenn man sich einen Namen ausdenken kann, von allen Namen in der Welt, warum dann Jay Kelly?” harhar, das stimmt irgendwie.

Ich persönlich habe mich gefragt, wohin Baumbach mit diesem Film eigentlich will. Für eine Komödie ist er weder witzig noch zynisch genugt, für eine Charakterstudie ist er zu oberflächlich, vor allem aber ist er vollkommen unfokussiert. Baumbach will nicht nur das komplizierte Verhältnis zu gleich zwei Töchtern beleuchten, nein, auch Jays Vater muss ins Spiel kommen, gleichzeitig beginnnt aber auch eine generelle Sinnsuche und Identitätskrise. Es ist einfach zu viel (und gleichzeitig zu wenig)

Auch stilistisch ist das nicht meine Baustelle. Baumbach entscheidet sich für Rückblicke auf das Leben des jungen Jay, die so eine plumpe weichzeichnerische Ästhetik haben, dass ich mich irgendwie manipuliert gefühlt habe. Ähnliches gilt für den Moment, als Jay auf einer großen Leinwand Filmausschnitte seiner alten Filme ansieht – es sind übrigens lauter Clooney Werke (ohne Emergency Room) Clooney ist also quasi von Clooney ergriffen, das ist mir irgendwie zu nahe an der Realität, harhar. Auf X schrieb jemand, Baumbach sei zu jung für so eine weinerliche Lebensrückschau und Clooney ist das im Grunde ebenfalls. Obwohl, wie es im Film heißt: “Du bist nicht mehr 25. Du bist auch nicht mehr 55”. Okay, das war lustig. Pia Reiser und Christian Fuchs haben auch die klischeebeladene Szene in einem italienischen Zug sehr schrecklich gefunden. Reiser: “Ich hab mir überlegt, ob ich vielleicht irgendeine Fellini Referenz da nicht verstanden habe.” harhar

Dazu kommt, dass George Clooney das tut, was er immer macht, es ist nicht sehr überraschend. Anders liegt der Fall bei Adam Sandler, der hier in einem der Filme zu sehen ist, die zeigen, dass er um einiges vielschichtiger ist als wofür er meistens besetzt wird. Tatsächlich hätte mich die Beziehung zwischen Jay und ihm, dem Manager, wohl auch deshalb am meisten interessiert. Vielleicht wäre ein Film, der die Perspektive von Ron eingenommen hätte, auch ein spannenderer gewesen, weil die Figur von Ron einfach die komplexere und besser gespielte ist.

Jemand auf letterboxd schrieb über Jay Kelly: “The Netflixication of Sentimental Value.” Das ist wahr, gleiches Thema, komplett anderer Outcome, oder:

Jay Kelly hat mich dagegen nicht überzeugt. Leider.

Vor-Weihnachten

Aufgrund des Lesevergnügens am Wochenende habe ich mir heute gleich einen “neuen” Paul Auster Roman 4 3 2 1 aus der Bücherei ausgeborgt, schlappe 1200 Seiten für die Weihnachtsferien dann, harhar.

Sein opus magnum, die great american Novel, eine Geschichte mit vier verschiedenen Perspektiven

Weihnachten und das Jahresende überrollen mich heuer einerseits ein bisschen, weil so viel zu erledigen ist gerade, andererseits war ich irgendwann davor auch mal ganz gut organisiert und habe schon länger alle Geschenke beisammen, auch das andere Weihnachtszeug herausgekramt und freue mich auf eine ruhigere Zeit.

Nachdem ich erfahren habe, dass ich in den Ferien ein paar Tage “alleine” sein werde, hab ich natürlich Kino geplant – es gibt unter anderem ein Schnitzler Special im Metro, eine Kelly Reichard Retrospektive im Stadtkino, die letzten Filmneustarts des Jahres, und dann wie gesagt lesen und natürlich schreiben. Mein Roman ist heuer zwar nicht komplett fertig geworden, aber immerhin die Rohversion mit 81.000 Wörtern und es geht ans Überarbeiten. Und ganz ehrlich gesagt, tut es mir gerade auch gut, mich an ihm festzuhalten und mit dem Text Zeit zu verbringen und mit den Figuren, vor allem mit dieser einen Figur, die dann immer bei mir sein kann. Als schreibender Mensch ist man schon auch ein bisschen gaga, aber auf eine gute Art, sag ich mal, harhar.

Auf Insta habe ich in einem Astro-Reel (apropos gaga) über Fische in meiner Planeten-Konstellation gelesen, meine Begabung: You turn feelings into art. Pain, joy, love, loss. You take what you feel and create something beautiful that helps other people feel less alone.

Ja, das wäre schön.

Nacht des Orakels

Sorry an die Menschen, die hier gerne mehr Buchbesprechungen sehen würden, in letzter Zeit bin ich kaum zum Lesen gekommen, das wird sich wieder ändern. Vor einigen Tagen ist mir jedenfalls, beim Kramen in Erinnerungen (!), der Roman Nacht des Orakels von Paul Auster in die Hände gefallen und nachdem ich überhaupt nicht mehr wusste worum es darin geht, konnte ich nicht widerstehen. Paul Auster hab ich vor 25 Jahren an diversen Stränden gerne gelesen, als mein Leben noch Strandurlaube beinhaltet hat. Es kommt mir fast vor, als würde Sand herausrieseln und das Buch schaut auch irgendwie so aus, harhar.

Nacht des Orakels ist, wenn man so will, ein ziemlich typischer Auster Roman, mit Motiven wie Selbstreferenz, Zufall, Identität, Schreiben und Räume. Ich finde, dieser Roman hat auch etwas Lynch-eskes. Meine mangelnde Erinnerung an die Inhalte mag darin liegen, dass hier so viel passiert. Der eigentliche Protagonist des Romans heißt Sidney Orr, ein Schriftsteller, der mithilfe eines neu gekauften Notizbuches Krankheit und Schreibblockade hinter sich lässt und eine Erzählung verfasst, in der er selbst verschwindet – seine Frau blickt in sein Schreibzimmer und sieht ihn nicht – und in der es wiederum auch um einen Roman geht.

Das heißt, wir sehen Auster zu, wie er seiner Hauptfigur zusieht, die wiederum ihrem Protagonisten über die Schulter blickt. Und weil das anscheinend nicht komplex genug ist, hat Auster noch jede Menge Fußnoten eingebaut, die wieder auf andere Werke referenzieren und diverse Assoziationen auslösen. Ach ja und der wichtigste Nebencharakter im Buch heißt John Trause (A-u-s-t-e-r, Anagramm Alarm!) und ist, wie Auster zum Zeitpunkt des Schreibens, 56 Jahre alt. Trotzdem, und das finde ich spannend, sind Austers Werke nie anstrengende intellektuelle Kopfgeburten, sondern recht leicht lesbar und teilweise richtig gemütlich, wenn wir mit der Hauptfigur in dem Cafe um die Ecke ein Käsesandwich essen oder in einem Schreibwarengeschäft namens Paper Palace (was für ein toller Name!) stöbern.

Der Geschäftsbesitzer sagt: “Alle machen Wörter. Alle schreiben Dinge auf. Kinder in der Schule benutzen meine Bücher. Lehrer schreiben Noten hinein, Liebesbriefe werden in Umschlägen von mir verschickt. (…) Notizbücher für Einkaufslisten, Terminkalender für den Wochenplan” (S. 13) Orr schreibt, wie gesagt, eine Erzählung in sein neues Notizbuch, sein Protagonist lässt versehentlich eine Tür zufallen. Die Tür zu einem unterirdischen Bunker, die nur von außen geöffnet werden kann. Dort sitzt seine Romanfigur dann fest und wartet darauf, dass der einzige Mensch, der diese Tür öffnen kann, wieder zurückkommt ohne zu wissen, dass dieser gerade überirdisch verstorben ist. Wie Auster das beschreibt, gibt einem einen Eindruck davon, selbst irgendwo eingeschlossen zu sein und keine Luft zu bekommen, zumindest habe ich mich kurz so gefühlt.

Und wie löst Orr diese missliche Lage auf? Nun, Spoiler, gar nicht. Er gibt zu, dass er sich als Autor in eine Sackgasse geschrieben hat, die er nur auf banale oder komplett uninteressante Weise wieder entwirren könnte. Also zerreißt er sein Notizbuch, und macht die Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes ungeschehen. Oder geht das etwa nicht? Hängt er selbst schon zu tief mit drinnen? Am besten selbst nachlesen, harhar.