almis personal blog

Oslo Stories: Sehnsucht

Apropos Träume. Nachdem ich schon den 2. Teil der Oslo Trilogie, eben Träume gesehen habe, habe ich mir gestern Sehnsucht im Votivkino angesehen.

Zwei Rauchfangkehrer sitzen im Pausenraum ihres Unternehmens. Der namenlose Teamleiter (Thorbjorn Harr) erzählt dem namenlosen Arbeiter (Jan Gonnar Roise) von einem Traum, den er in der Nacht zuvor hatte. Daraufhin erzählt ihm der Arbeiter etwas sehr intimes und daraus entwickelt sich dann die Handlung harhar sorry, man kann kaum etwas zu diesem Film sagen, ohne zu spoilern. Wobei es bei diesem Film irgendwie egal ist, weil es nicht darum geht, was großartig verraten wird, sondern um die Gespräche, die sich daraus ergeben.

TROTZDEM AB HIER SPOILER

Im Traum des Teamleiters geht es darum, dass ihm David Bowie begegnet und ihn so ansieht, als wäre er, der Teamleiter, eine Frau. Im Erlebnis des Arbeiters geht es darum, dass ihn ein Kunde (männlich) gefragt hatte, ob er Sex mit ihm haben will und der Arbeiter hat dann eingewilligt. Beide Protagonisten sind heterosexuelle Männer in ihren 40-ern, schon lange verheiratet, mit Kindern im Teenageralter.

Das Schöne an diesem Film ist, obwohl er natürlich, wenn man so will, sehr queere Themen hat, von möglicher Bisexualität bis zu Geschlechtsdysphorie: er hat überhaupt keine Agenda. Das hat mich an Jaques Audiards Emilia Perez erinnert, auch wenn die Filme sonst gar nichts gemeinsam haben. Aber in beiden wird eine Geschichte erzählt, ohne irgendeine gesamtgesellschaftliche Diskussion anstoßen oder irgendjemand von irgendwas überzeugen zu wollen. Im Gegenteil, hier geht es ganz viel darum, selbst auzuloten, was eigentlich genau passiert ist, welche Gefühle man deswegen empfindet, ob sich diese Gefühle mit der bisherigen Lebensweise vereinbaren lassen und was eigentlich die eigenen Frauen so dazu sagen.

Obwohl der Falter geschrieben hat, das wäre der sperrigste Film der Trilogie, fand ich ihn, trotz der nicht ganz unproblematischen Thematik – die Frau des Arbeiters stürzt in eine schwere Krise – sowohl sehr poetisch, wie phasenweise auch extrem witzig. Speziell im Mittelteil gibt es einige Szenen, wo das ganze Publikum laut gelacht hat. Zum Beispiel die, als über Tattoos geredet wird und das Kind vom Abteilungsleiter seiner Ärztin erzählt, dass sich sein Lehrer “I love my familiy” auf den Arm tätowiert hätte. Diese daraufhin: “Oh, grausamer Phantomschmerz getarnt als Empathie” harhar. Schön fand ich, wie der Arbeiter dem Abteilungsleiter erzählt, dass seine Frau sich mit einer Freundin trifft, um mit ihr “die Situation” zu besprechen und, dass er Angst davor hat. Der Abteilungsleiter daraufhin: Was ist diese Freundin für ein Typ? Ist sie jemand, bei der die Welt größer wird, wenn man mit ihr redet oder bei der die Welt kleiner wird?” Finde ich einen total interessanten Gedanken. Der Arbeiter darauf: Bei ihr wird die Welt weder größer noch kleiner harhar.

Ich hätte es nicht erwartet, aber dieser Film ist ein kleines Highlight in diesem bisherigen Kinojahr, das für mich aus durchwegs eher so okayen Filmen bestanden hat. Mich haben sowohl die Gespräche, die so persönlich und voller tiefer Reflexionen sind, komplett abgeholt, wie auch die unspektakulären Alltagsbilder mit kleinen Details. Einmal schwenkt die Kamera etwa über den Herd der einen Familie, daneben steht ein Pfefferstreuer und ich denke mir so, wenn bei mir ein Pfefferstreuer neben dem Herd steht, dann ist meistens auch Pfeffer auf dem Herd verstreut (harhar), auch wenn das Kochen schon lange beendet worden ist. Und genau das sehen wir hier. Das gibt uns das Gefühl, dass wir wirklich einen Alltagsschauplatz beobachten und nicht nur ein Filmset.

Große Empfehlung jedenfalls. Zumindest wenn man “Laberfilme” mag. Jetzt muss ich mir Teil 3 (bzw. eigentlich Teil 1, Liebe) wohl auch noch ansehen.

Die Wendeltreppe

Wieder und wieder habe ich diesen Traum. Ich gehe eine Wendeltreppe hinauf. Das Haus sieht immer etwas anders aus, auch die Lichtverhältnisse sind unterschiedlich, aber es ist jedes Mal eine Wendeltreppe, und ich bin nach wenigen Schritten schon atemlos vor Freude. Noch ist alles möglich.

Mit jedem Schritt komme ich ihm näher. Dann sehe ich ihn endlich, aber nur aus der Ferne, durch ein Fenster. Er ist beschäftigt und bemerkt mich nicht. Ich kann ihn auch nicht rufen, mir bleibt die Stimme weg vor Aufregung, vielleicht habe ich aber auch gar keine Sprache für diese Situation.

Es ist so schön, ihn zu sehen, aber gleichzeitig so schmerzhaft, ihm nicht näher kommen zu können. Manchmal irre ich noch eine Weile durch das Haus, nur um seine Energie weiterhin zu spüren. Mit diesem Gefühl wache ich dann auf. Nachdem ich mich beruhigt habe, kann mich entscheiden, was ich aus diesem Traum mitnehme.

Und immer entscheide ich mich für das warme, weiche, geborgene Gefühl, das ich empfunden habe. Und behalte es bei mir, so lange wie möglich.

In other news

Die letzte Schularbeit (Mathe!) ist gut vorbeigegangen. Das Kind wollte schon 20 Minuten vor dem Ende als Erster dabgeben. Ok ja, das habe ich auch manchmal gemacht, aber aus anderen Gründen harhar. Der Professor meinte dann aber so: Nein, das liest du dir jetzt nochmal durch, auch wenn du dir schon eine Pizzaschnitte kaufen gehen willst. Harhar, das finde ich sehr amüsant.

Damit ist das Schuljahr so gut wie vorbei und ich bin froh, auch das hat mich jetzt schon zunehmend geschlaucht. Nicht, dass man in der Oberstufe noch soo viel damit zu tun hat, aber es ist halt trotzdem dauernd was. Man versucht, das Kind vor Mitternacht ins Bett zu stampern, in der Früh wieder aus selbigem heraus zu bekommen und an dieses und jenes zu erinnern.

Nun steht aber etwas ganz neues an, nämlich der Führerschein. Die Motivation ist enorm, im Juli ist der Intensivkurs, da hat er auch schon etliche Fahrstunden, bevor er auf Urlaub fliegt. Wenn er erstmal den Führerschein hat, wird er mich dann überall hinbringen, sagt er. Ich so: Ur lieb, ich habe aber eh eine Jahreskarte. Und wer weiß, ob dir das Autofahren überhaupt liegt? Er: Ich werde super fahren.

So kenne ich ihn, harhar.

Die Geschichten in uns, zwei

Diesen Sommer möchte ich ja endlich meinen Langtext fertigschreiben/redigieren; derzeit hat er 274 Seiten und 75.000 Wörter. Auch deshalb habe ich mir das, hier bereits kurz vorgestellte, Buch Die Geschichten in uns von Benedict Wells gekauft. Ich möchte hier immer wieder, quasi auch als Vorbereitung für mich, ein bisschen davon erzählen, wozu Wells Autoren rät und welche Tipps er für sie hat.

Ich bin ja schon auf Wells’ schwierige Familienverhältnisse eingegangen und die Art, wie er damit umgeht. Er erzählt davon, was ihm immer ein Trost ist: Telefonate bis tief in die Nacht (gut, das verstehe ich nicht harhar), Seinfeld (!) und Musik. Er zitiert Judith Holofernes von Wir sind Helden und den Song Kaputt – so fühlt Wells sich und so fühlt sich auch sein Leben an: “So viel kaputt, aber so vieles nicht, jede der Scherben spiegelt das Licht”. Erinnert auch ein bisschen an Leonard Cohen, der sang: “There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.” Da ist dieses bewusste Wahrnehmen des Schönen (auch in Zerbrochenem), das es nun mal auch gibt; und deshalb hört Wells auch nicht auf zu schreiben.

Im Kapitel Werkzeuge bringt er uns alle mögliche Hilfsmittel näher, zunächst einmal die richtige Sprache zu wählen. Da musste ich irgendwie sofort an die Serie Braunschlag denken, die ich, als eine der wenigen Zuseherinnen, gar nicht mochte. Auch und vielleicht vor allem wegen ihrer Sprache. Weil in dieser Serie spricht jede Person, unabhängig von Background, Charakter und Bildungsniveau, absolut gleich in diesem strizzihaftem Pseudo-Niederösterreichisch. Ich habe ja die Vermutung, dass Schalko das so geschrieben hat, um der Serie einen hippen Sound zu geben, mich hat es aber komplett abgestoßen.

Wells bemerkt da etwas wichtiges, nämlich “(…) dass die Wahl der Sprache nicht uns und unserer Eitelkeit dienen soll, sondern der Geschichte und den Charakteren.” (S. 153) Er selbst schreibt mit Hard Land einen Roman über einen 17-jährigen, der auch so sprechen muss. Natürlich macht es Wells da ab und zu selbst Probleme, dass er sehr eloquente Gedanken streichen muss, weil ein Jugendlicher sich eben anders artikuliert. Das gelte auch für Situationsbeschreibungen – wenn etwas trauriges passiert, sollte man es sprachlich anders beschreiben, als wenn etwa eine Feier geschildert wird. Wells: “Im Idealfall klingen jede Figur und jede Geschichte verschieden – und nach sich selbst.” (S.153)

Noch schnell ein zweites Werkzeug, das “Schneiden” eines Textes. Wells lässt sich da vom Medium Film inspiriereny was mir ja sehr sympathisch ist. Er nennt es “nach vorne erzählen, nicht in die Breite.” (S.163) Das heißt, man sollte sich überlegen, ob jede Szene tatsächlich die Geschichte irgendwie voranbringt, oder ob man auch mal raffen kann, um Tempo hineinzubringen. Er hat selbst auch schon mal ganze 200 Seiten gestrichen und quasi in einem Satz zusammengefasst harhar, wobei mich das nicht so wundert, weil seine Romane sind generell ziemlich umfangreich.

Obwohl ich mich persönlich, denke ich, beim Schreiben eher “kurz fasse”, ist mir auch schon aufgefallen, dass manche Szenen einfach nicht funktionieren. Sie enthalten zwar Informationen, die wichtig sind, aber die Form stimmt nicht. Manchmal muss man dann wirklich gnadenlos streichen, zusammenfassen, einen zeitlichen Sprung einbauen etcetera. Aber das ist ja auch das, was das Schreiben für einen selbst so spannend und herausfordernd macht.

Im Wechsel

Heute mal etwas zu den Wechseljahren harhar, meine Leserinnen und Leser warten bestimmt gespannt darauf.

Also mir ist natürlich klar, dass viele Frauen in dieser Zeit unter allem möglichen leiden, vor allem an Hitzezuständen, doch das habe ich persönlich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich friere mehr als je zuvor. Am Wochenende habe ich in der Nacht zwei Pullover angehabt und habe immer noch gefröstelt. Daraufhin hab ich gegoogelt, ob das vielleicht irgendein Anzeichen für eine schwere Krankheit ist, aber es sind nur irgendwelche diffusen psychischen Ursachen genannt worden.

Was ich aber schon habe, und was eventuell mit den Wechseljahren zusammenhängt, obwohl man es natürlich nie wirklich sagen kann und es im Grunde auch wurscht ist, ich schlafe unheimlich schlecht. Seit ein paar Monaten habe ich eine Fitnessuhr (ausgeborgt) und messe dort meine Schlafqualität. Der Topwert wäre 100, was ich natürlich noch nie erreicht habe. Allerdings kann ich auch an einer Hand abzählen, wie oft ich einen Wert über 50 hatte. *hust* Die allermeiste Zeit liege ich so zwischen 20 und 40. Jemand hat zu mir gesagt: “Ist ja egal, was der Wert ist, Hauptsache du fühlst dich ausgeruht!” Ja, nur ist das ja eben nicht der Fall.

Ich bin schon sehr oft geschlaucht, beim Arbeiten (Korrekturlesen) fallen mir manchmal fast die Augen zu und wenn ich so durch die Welt schlendere fühle ich mich auch mitunter sehr “tramhapert.” Den Ausdruck habe ich für das Kind in Jugendsprache übersetzt und da heißt es dann “off”. Ich schlafe schlecht ein, ich wache nachts auf und liege wach und wenn ich schlafe, habe ich das Gefühl, ich würde mir selbst beim Schlafen zuschauen und feststellen, dass ich nicht gut schlafe. Aber ist halt eben so, es wird schon wieder vergehen, vielleicht von meiner Ärztin ein paar Kräuter verschreiben lassen, das nächste Mal.

Anyway. Samstagnacht wälze ich mich wieder mal hin und her, gegen vier Uhr früh, schaue eher zufällig aufs Handy, sehe eine Nachricht und fühle mich sofort besser. Ich lese sie nicht gleich, der Absender reicht mir und es ist einfach nur gut und schön, dass sie da ist und quasi neben mir liegt. Ich bin zwar trotzdem noch müde, fühle mich aber augenblicklich auch geborgen und zufrieden. Alles ist gut.

Pointe hat dieser Text jetzt leider keine, außer, dass das persönliche Wohlbefinden durch solche feinen Dingen extrem gesteigert werden kann. Gerade, doch noch eine dramaturgische Klammer, in den Wechseljahren, wo man, so gesamt gesehen, vielleicht ab und zu ein bisschen fragil ist.

ESC – aftermath

Ich wollte ja nichts mehr zum ESC schreiben, aber was bleibt mir über? Wir hatten vier glückliche Tage, bis das ganze Elend über uns hereingebrochen ist.

Auch in unserer WhatsApp Gruppe wurde die Aussage von JJ zu Israel diskutiert und ich habe geschrieben: Si tacuisses, philosophus mansisses.

Das muss man aber auch erklären. Natürlich kann JJ sagen was er möchte, immerhin haben wir Meinungsfreiheit. Und ich halte ihn wegen dieser einen Aussage nicht für einen Antisemiten, weil man darf natürlich Israels Politik und Vorgehen kritisieren. Aber ich finde gleichzeitig auch, dass man den Nahostkonflikt nicht auf ein, zwei Sätze in einem verwackelten Zoom Call herunterbrechen kann, weil das schnell unterkomplex wird. Und die Trennung von Künstlerin/Künstler und der Politik ihres Landes ist nochmal was anderes.

Aber, above all: Bitte können wir endlich wieder beim ESC über Musik reden und nicht nur andauernd über Politik? Ich habe nämlich ein bisschen Angst, dass wir, wenn es so weitergeht, in zwei, drei Jahren keinen Songcontest mehr haben werden. Weil die einen wollen ein Land (oder in weiterer Folge vielleicht auch andere Länder, wer weiß, was noch passiert) ausschließen und drohen damit, nicht teilzunehmen, wenn das nicht geschieht. Die anderen wiederum wollen nicht mehr mitmachen, wenn eben das geschieht.

Ich habe in meinem Leben schon manches loslassen müssen, das ich sehr geliebt habe, der ESC war mir da oft ein Trost. Andererseits, wie sang ausgerechnet die israelische Teilnehmerin Yuval Raphael dieses Jahr so wirklich schön: “Darkness will fade, all the pain will go by, but we will stay, even if you say goodbye….a new day will rise. New day will rise.” Da interpretiert jeder etwas anderes hinein und assoziert es mit dem, was ihn am allermeisten schmerzt. Und trotzdem geht es irgendwie weiter. Ich hatte Tränen in den Augen.

Zurück zum ESC: Das Motto ist bekanntlich United by Music. Eine schöne Phrase, die super klingt, wenns um nichts geht oder wollen wir sie doch lieber mit Bedeutung füllen?

Casual Thursday

Gestern hatte ich ein bisschen einen ruhigeren Tag, weil das Wochenende wieder etwas arbeitsintensiver wird mit Skripten-Monatsdeadline, Review zu The Phoenician Scheme fertigschreiben und einem weiteren kurzfristig aufgetauchten Projekt.

Jedenfalls war ich mit L. im Hidden Kitchen (unbezahlte Werbung), diesmal zum Mittagessen und gegen eins ist dort richtig viel los. Und es war mit Abstand mein gesündestes Mittagessen dieser Woche. Es gab Zuchini Quiche mit Kichererbsen und Cashews, sowie dazu griechischen Salat und Karotten Tricolore mit Bröseltopfen, Minze und Multiseeds. Crazy diese Zusammenstellung, aber sehr schmackhaft.

Als Nachspeise habe ich mich für den Vanilla Buttermilk Cake mit Himbeeren und Jasmin Frosting entschieden, mhmm. Dazu Cappucino. Wir haben über den ESC, Bill und Tom Kaulitz, den Schulendspurt und noch vieles anderes gesprochen, danach sind wir wieder bis Wien Mitte zu Fuß gegangen, so nett!

Zuhause habe ich mit dem Kind geredet, der am Montag seine letzte Schularbeit in diesem Semester hat. Endlich, die 7. Klasse ist schon etwas zach. Ich so zu ihm, es wäre gut, würde er Note x kriegen, dann hätte er im Zeugnis xy (ich wahre die Privatsphäre harhar), er hat mich dann erinnert, dass ich selbst die 7. Klasse wiederholt habe, ich wusste, dass mir das irgendwann auf den Kopf fällt harhar. Ich so: “Wenn du so schlecht in der Schule wärst, wie ich es gewesen bin, würde ich auch überhaupt nicht auf diese Idee kommen” Harhar. Tatsächlich ist mir das Zeugnis eh egal, es geht mir nur ums Prinzip.

Am Abend habe ich dann wieder guilty pleasure-mäßig Germany’s Next Topmodell angeschaut, was gestern sehr amüsant war. Es gab nämlich ein Nacktshooting, für das die Modells Fake Tattoos bekommen haben. Und der Tattoo Artist meinte, sie müssten sich rasieren und zwar alles weg “vom Kinn abwärts”. Die Blicke der jungen Männer, göttlich, ich musste so lachen, allein am Sofa. Hab dann meiner Mama, die auch schaut, eine Whatsapp geschickt, weil ich so amüsiert war. Der Wiener Pierre meinte dann: “Wie kann es sein, dass ich am Arsch mehr Haarwuchs habe als im Gesicht”, harhar.

Mit diesen nachdenklichen Worte wünsche ich schon mal ein schönes Wochenende.

ESC 25, Semi 1

Mahhh Portugal ist weiter, ich packs ja nicht. Ich hab geglaubt, das gefällt nur mir. harhar Eine richtig schöne Überraschung in Semifinale 1.

Ok, aber mal der Reihe nach. Unsere ESC Whatsappgruppe wurde aus dem Dornröschenschlaf geholt, und zwar von C. mit den resoluten Worten: “Ok, dann wollen wir mal. Es geht los und ich hoffe/erwarte, dass hier jeder bereits dementsprechend aufgeregt und erfreut ist.” Ich: “Absolut!” C: “Nichts anderes erwartet, Heidi.” harhar.

Von den Kandidaten hat mir gestern der Fan-Favorit der Nerds, Albanien mit dem Song Zjerm richtig gut gefallen. Die Studioversion fand ich ok, live ist das wirklich toll anzusehen und zu hören, gerade die richtige Mischung aus Drama, Ethno, Spookyness, und Sendungsbewusstsein. Lucio Corsi aus Italien vermittelt Glamrock, aber auf fragile Art und Weise. Ich glaube, das wird besser abschneiden als viele denken. Thommy Cash aus Estland trinkt seinen Espresso Macchiato gleich vorm “Winners Cafe” – sehr selbstbewusst. San Marinos Tutta l’Italia wird sicher der Sommerhit an der Adria. Schweden ist wirklich der super Favorit, auch in der Halle, die Choreografie sitzt, ich warte trotzdem immer noch darauf, mich in den Song zu verlieben. Bei der Schweiz meinte Andi Knoll: “Auch schön, wenn mal gar nichts passiert”, und so war es, nur eine Sängerin, die wie ein Gemälde aussieht. Zu Kroatien habe ich folgendes auf X gefunden:

Btw. alle Songs, die ausgeschieden sind, waren auf Englisch. Es gibt beim ESC definitiv und schon länger den Trend der Rückkehr zur Landessprache oder generell zu einer Sprachdiversität. In diesem Semifinale gab es nur einen Song, der weiterkommen ist und ausschließlich auf Englisch war, nämlich Norwegen.

Was gibts zum Gastgeber zu sagen? Die Halle in Basel ist recht klein. Die Bühne ist eher so laufstegartig angelegt und mit einer Art Bilderrahmen rundherum versehen. Mir gefällts eigentlich nicht harhar. C schrieb über die Presenter: “Also bei den Moderationen ist noch Luft nach oben. Gott sei Dank kommt die Hunziker am Samstag.” Ja das ist wirklich wahr, da haben wir schon anderes gesehen. Der Intervall Act, in dem die Schweiz behauptet sie hätte die Demokratie erfunden – Geschmackssache. Dass man den Celine Dion Siegersong Ne partez pas sans moi von Teilnehmern aus dem letzten Jahr covern lässt: super Idee. Aber warum so langsam wie einen Trauermarsch? Gerade die Empowerment Energie ist doch das, was diesen Song ausmacht. Überrascht war ich von Dions Videobotschaft, anscheinend geniert sie sich doch nicht mehr dafür, dass sie mal den ESC gewonnen hat.

Ok, hat Almi eigentlich irgendwas von der Show rund um die Acts gefallen? Oh ja! Als am Schluss einer der Olsen Bruders Fly on the Wings of Love gesungen hat. Ich habe dem Kind erzählt, dass dieses Lied im Jahr 2000 gewonnen hat, und es war so ein “Opa erzählt vom Krieg” Moment. Dann habe ich vorm Fernseher getanzt, obwohl ich komplett nüchtern war. Das Kind ist extra aus der Küche gekommen, um sich das anzuschauen und er hat gar nicht gesagt, es sei “cringe” harhar. In dem Moment war ich echt glücklich. Dieses ESC Glück, wo ich zwei, drei, vier Stunden einmal alles vergessen kann, auch das, was schmerzt. Ich würde nur gern jemand davon erzählen. Andererseits ist er sowieso immer präsent, in meinen Gedanken.

Nun steigt die Aufregung – morgen Semi 2 mit JJ.

In Cannes

Diese Woche ist nicht nur ESC – es startet auch das Filmfestival in Cannes. Und es gibt dort einige, finde ich, sehr interessante Filmpremieren.

Zunächst einmal – Out of Competition – Mission Impossible Final Reckoning. Ich habe den Vorgängerteil mit dem Kind im Kino gesehen, natürlich nicht im nonstop Abo, aber er hat uns wirklich sehr gut unterhalten. Tom Cruise schafft es irgendwie, jedesmal arge Stunts, die er großteils selbst durchführt, mit extremer Selbstironie zu verbinden. Ich meine speziell die Szene mit dem Fiat 500 in Rom. Wir kennen das ja, Actionstars steigen in präperierte Autos, die sie aber noch nie zuvor gesehen haben und fahren einfach los. Nicht so hier, zuerst geht die Tür nicht zu, dann drückt Cruise auf einen Knopf und die Scheibenwischer schalten sich ein, er drückt auf einen anderen, die Scheibenwischer werden schneller, ihm ist das vor der Frau, die ihn begleitet, peinlich, er entschuldigt sich und fährt los und touchiert gleich die Mauer, herrlich. Das könnte ich sein harhar.

In Competition finden wir natürlich den neuen Wes Anderson Film mit dem fast unaussprechlichen Titel The Phoenician Scheme, den ich nächste Woche für Uncut sehen werde. Ich bin ja Anderson-affin, was seine Weirdness betrifft, würde mir aber mal wieder einen etwas “wärmeren” Film von ihm wünschen, wo man sich auch mal mit irgendjemand identifizieren kann. Interessiert bin ich auch an dem neuen Film von Richard Linklater namens Nouvelle Vague, der sich der Entstehung des Jean Luc Godard Films Außer Atem widmet. Auch Joachim Trier hat nach seinem Überraschungserfolg The Worst Person in The World einen neuen Film, der sich Sentimental Value nennt und ein Familiendrama ist; Renate Reinsve, aus vorher genanntem Werk, spielt hier wieder mit und die fand ich damals ja sehr toll.

Die Coen Brüder haben sich quasi entzweit und machen derzeit getrennt Filme, was bis jetzt nicht unbedingt als Erfolgsrezept gelten kann harhar. Jedenfalls hat auch der neue Ethan Coen Film Honey Don’t in Cannes Premiere, mit “Nepo Baby” Margaret Qualley (auch sie finde ich richtig super). Skeptisch bin ich hingegen bei Eddington von Ari Aster, dessen Filme mich irgendwie gleichermaßen faszinieren, wie auch abschrecken. Und Eddington ist auch noch ein Western, was jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsgenre ist.

Am allermeisten freue ich mich auf The History of Sound über zwei Musikwissenschafter. Diese werden nämlich von Paul Mescal und Josh O’Connor gespielt und beide, aus UK bzw Irland stammend, sind vielleicht die interessantesten männlichen Nachwuchsschauspielstars mit Indie-Schlagseite aktuell. Mescal hat uns in Aftersun und auch All of us Strangers das Herz gebrochen, O Connor hat ähnliches in La Chimera gemacht – er war aber auch der Superstrizzi in Challengers, ich war in dieser Dreiecksgeschichte voll in seinem Team. Ein Film von beiden kann meinerseits nur zu höchsten, quasi unerreichbaren Erwartungen führen, harhar.

Bei den Dokus finde ich Orwell: 2+2=5 spannend. Der Titel spielt auf den Roman 1984 an, in der Orwell eine Welt schildert, in der die Menschen politisch und medial manipuliert werden. Immer aktuell. Eher nicht anschauen werde ich mir Bono: Stories of Surrender. Bono ist, so gesamt gesehen, eine einzige Red Flag für mich, ich halte ihn einfach nicht aus. Vor einigen Jahren ist ein Interview mit ihm auf (damals noch) Twitter diskutiert worden, das jemand als “Goldstandard für absurde Äußerungen egomanischer Altherren ohne Self-Awareness” bezeichnet hat. Obwohl ich so Aussagen a la alte weiße Männer nicht so gern mag, hier finde ich es genial formuliert.