almis personal blog

Neues vom ESC

Mir sind heute schon ein paar Tränen über die Wangen gelaufen. Ich fühl mich gerade eh nicht so stark und heute war ein bewegender Tag.

Abgesehen von den guten Neuigkeiten wurde bekanntgegeben, dass die geplante Abstimmung über den Verbleib Israels als Teilnehmerland beim ESC abgesagt worden ist. Ich weiß schon, das ist nicht die allerwichtigste Meldung am Tag des (hoffentlich nachhaltigen) Friedens im Nahen Osten. Aber ich bin trotzdem froh darüber, weil ich diese Abstimmung ohnehin extrem beschissen unklug gefunden habe. Man würde jetzt im Dezember die neue Lage diskutieren, heißt es.

Ich weiß nicht, was man da diskutieren will. Es ist eh kein Geheimnis, dass ich persönlich generell gegen irgendwelche Ausschlüsse von Ländern bin. Ich war übrigens auch bei Russland dagegen, eine Einschätzung, mit der ich ziemlich sicher zu einer Minderheit gehöre, aber das ist mir erstens wurscht (harhar), zweitens bin ich immer dafür, an den Slogan United by Music zu denken, der ja mehr sein soll als nur eine abgegriffene Floskel, oder nicht?

Es soll ja genau um die Kunst gehen, die verbindet, abgekoppelt von der Politik. Bei Armenien und Aserbaidschan hat es im übrigen auch keinen interessiert, die jahrelang miteinander im Krieg waren und trotzdem Jahr für Jahre beide (!) am Songcontest teilgenommen haben. Wenn wir nun anfangen Länder auszuschließen, aus welchen Gründen auch immer, dann entsteht ein Dominofeffekt und wir diskutieren bei jeder Eskalation. Da wird es immer irgendwen geben, der ein Land aus den verschiedensten Gründen rauskicken will, andere Länder nehmen dann aus Protest dagegen nicht teil, etcetera. Und um Musik geht es überhaupt nicht mehr.

Und dann können wir (und das sage ich, obwohl mir der ESC sehr wichtig ist) den Bewerb gleich begraben. Dann sind wir gescheitert.

ESC: Das neue Logo

So, Wien wird also Austragungsort vom ESC nächstes Jahr. Was für ein Schocker. Harhar.

Viel mehr Aufsehen hat das neue ESC Logo erregt. Warum eigentlich ein neues Logo, das alte war doch völlig in Ordnung finde ich. Es gibt auch schon eine Petition dagegen. Ich mein, nicht, dass es lebenswichtig wäre… Ein paar Fanstimmen über das Logo, die ich gelesen habe:

Ist schon der erste April?

Das ist Martin Österdahls Rache an uns allen 1. (harhar)

Ich möchte es mögen, kann mich aber nicht dazu durchdringen2.

Da kommt gepflegtes Comic Sans Feeling auf.

Mich persönlich erinnert das Logo an den ikonischen Intervall Act von 2016, den Song Love Love Peace Peace. Dieser sehr amüsante Song, den ESC Sieger Mans Zelmerlöw und die schwedische Komikerin Petra Mede performt haben, handelt davon, wie das geht, das perfekte ESC Gewinnerlied zu schreiben. Nämlich eben zum Beispiel über Love und/oder Peace zu singen, einen Mann im Hamsterrad laufen zu lassen oder alte Damen auf die Bühne zu holen, die Brot backen. Man könne aber auch ein Signalhorn einsetzen oder eine Geige mitbringen – “In Eurovision, nothing says winner like a violin”. Und dann heißt es, falls das aber zu altmodisch wäre : “This can easily be fixed by adding a DJ who pretends to scratch. In real life of course, this is 30 years old, but in Eurovision, it will give your number a contemporary feeling”. Harhar.

Ich finde, musikalisch gilt das für den Songcontest nicht mehr in dieser Form, der hat sich doch sehr weiterentwickelt, aber was das neue Logo angeht, trifft es voll zu. Die Designer dachten sicher, sie machen was ultamodernes, aber tatsächlich wirkt es ur altbacken. Ich mein, es fehlen nur noch diese rot/grünen 3D-Brillen aus den 1980er Jahren für die optimale Tiefenwirkung.


  1. Martin Österdahl, der ehemalige Song Contest Chef, bei den Fans unbeliebt und kritisiert; im Juni von seiner Funktion zurückgetreten ↩︎
  2. Also ich möchte es nicht mal mögen. ↩︎

ESC Update

So, in der quiet season doch auch wieder mal was zum ESC. Weil am 20. August wird bekannt gegeben, ob der Songcontest nächstes Jahr in Wien oder in Innsbruck stattfindet. Ich habe da weniger Gefühle dazu als vermutlich haben sollte. Meine Ticket-Connection von 2015 gibt es leider nicht mehr, daher werde ich wohl da wie dort nicht live dabei sein können. Es sei denn, jemand schenkt mir eine Karte, damit ich darüber berichte, harhar dream on.

Marco Schreuder hat jedenfalls einen sehr guten Logo-Vorschlag für den ESC nächstes Jahr gepostet:

(c) Marco Schreuder und Aston Matters

Harhar, ja so passend.

Das Motto 2015 war eben Building Bridges, es gab dazu auch den gleichnamigen Song, den ich live in der Stadthalle gehört habe. Da hieß es, diese Brücken” (…) will stand the test of time (!). We can build a bridge until it reaches out, across the borderlines.” Damals dachte ich so ja, eh catchy der Song, aber halt auch bissl abgegriffene Plattitüden, das empfinde ich jetzt anders, weil es nicht mehr selbstverständlich ist, eben auch nicht beim ESC. Ich erinnere mich, damals haben noch so viele Fans ihre israelischen Fahnen vor der Stadthalle gewachelt, das kann man sich momentan gar nicht vorstellen.

Ach ja und es wird diesmal einen öffentlichen Vorentscheid über den österreichischen Beitrag geben, da sind die ESC Ultras natürlich extrem begeistert, weil das in der Vergangenheit immer sehr erfolgreich war harhar, not. Aber ich nehme an, der ORF will den ESC Hype ausnutzen und denkt sich, es werden sich total viele Menschen dafür interessieren und demzufolge ORF schauen. Ich bin da nicht jetzt nicht ganz so sicher. Ich mein, ich persönlich schaue natürlich fix alles. Außerdem wollen “wir” sicher nicht zweimal hintereinander gewinnen und das werden wir so auch eher nicht.

Über Mahmood

Nachdem jetzt der italienische Sänger Mahmood mit Sarah Jessica Parker Werbung für Zalando (unbezahlte Werbung harhar) macht – eine relativ überraschende Paarung – habe ich endlich einen Vorwand, über ihn zu schreiben, was ich schon lange machen wollte.

Mahmood ist 2019 am außer-italienischen Radar aufgetaucht. Er hat 2019 San Remo mit dem Song Soldi gewonnen und ist dann zum ESC gefahren. Das hat dem Politiker Matteo Salvini nicht so gut gefallen, was wieder eine Kontroverse ausgelöst hat etcetera. Bei den ESC Songchecks meinte Constantin Zöller damals über Mahmood: “Ich finde er hat so eine seltsame Aura. Absolut nicht sympathisch.” Harhar, das ist wirklich eine zutreffende Beschreibung. Und über Soldi sagte er: “Das ist so abwechslunsgreich und anders, und dann noch auf Italienisch. (…) Wenn es nach mir geht, gewinnt er.” Gewonnen hat schließlich Arcade von Duncan Lawrence, weil alle mitgelitten haben, bei dessen Song über eine tragische Liebesgeschichte. Der musikalisch interessantere Song war aber Soldi, ein Lied über den Vater (ein Kernthema des ESC), der den Sohn verlassen hat und ihn, als er erwachsen ist, nach Geld (Soldi!) fragt. Unsterbliche Zeile: “Beve champagne sotto Ramadan” – “Er trinkt Champagner im Ramadan.” Mahmood wurde Zweiter.

2022 trat Mahmood mit dem Jungstar Blanco wieder bei San Remo an und gewann erneut. Diesmal sangen die beiden über eine tragische Liebesgeschichte. Der Song hieß Brividi (Schaudern), polarisierte aber stark, weil beide teilweise sehr hoch sangen und das nicht unbedingt die Komfortzone von Mahmood ist. Man fragte sich immer: Schafft er den nächsten hohen Ton auch noch? Ich persönlich fand das aber total stimmig, weil es geht in dem Lied ja auch ums Scheitern: “E ti vorrei amare, ma sbaglio sempre” – Ich will dich lieben, aber ich scheitere immer.” Und das hat sich nach dem Prinzip “form follows function” eben auch in der Darbietung widergespiegelt und für mich funktioniert. Live war der San Remo Auftritt aber deutlich besser als der beim ESC. Die beiden erreichten den sechsten Platz.

Zwei Jahre später, nämlich 2024, trat Mahmood nochmal bei San Remo an, mit dem Song Tuta Gold (Goldener Jogginganzug, das ist mal ein Songtitel). Viele meinten, das wäre sein bester Song bis dato, ich neige durchaus dazu, dem zuzustimmen, aber er gewann San Remo diesmal trotzdem nicht, obwohl es ein super ESC Lied gewesen wäre. Aber Italien hat eh nie Mangel an guten Beiträgen.

Mahmood im Tuta Gold Video

Das Interessante an Tuta Gold ist unter anderem das Video. Denn Mahmood hat einen arabischen Vater und ist homosexuell. In dem Video inszeniert er sich aber als, naja sagen wir Mann der Straße, mit seinen Kumpels, er trägt naja, sagen wir Streetwear und Goldzähne und irgendwie flirtet ein bisschen mit dem Klischee des toxischen Talahons – so ich habs geschrieben; was natürlich durch seinen Background alles doppelt bricht. In dem Video kommen außerdem leicht brutalistische Plattenbauten und aber auch Kühe vor, die dort grasen. Ich weiß nicht warum sie das tun, aber ich finde es interessant.

Wir werden sicher noch einiges von Mahmood hören.

ESC – aftermath

Ich wollte ja nichts mehr zum ESC schreiben, aber was bleibt mir über? Wir hatten vier glückliche Tage, bis das ganze Elend über uns hereingebrochen ist.

Auch in unserer WhatsApp Gruppe wurde die Aussage von JJ zu Israel diskutiert und ich habe geschrieben: Si tacuisses, philosophus mansisses.

Das muss man aber auch erklären. Natürlich kann JJ sagen was er möchte, immerhin haben wir Meinungsfreiheit. Und ich halte ihn wegen dieser einen Aussage nicht für einen Antisemiten, weil man darf natürlich Israels Politik und Vorgehen kritisieren. Aber ich finde gleichzeitig auch, dass man den Nahostkonflikt nicht auf ein, zwei Sätze in einem verwackelten Zoom Call herunterbrechen kann, weil das schnell unterkomplex wird. Und die Trennung von Künstlerin/Künstler und der Politik ihres Landes ist nochmal was anderes.

Aber, above all: Bitte können wir endlich wieder beim ESC über Musik reden und nicht nur andauernd über Politik? Ich habe nämlich ein bisschen Angst, dass wir, wenn es so weitergeht, in zwei, drei Jahren keinen Songcontest mehr haben werden. Weil die einen wollen ein Land (oder in weiterer Folge vielleicht auch andere Länder, wer weiß, was noch passiert) ausschließen und drohen damit, nicht teilzunehmen, wenn das nicht geschieht. Die anderen wiederum wollen nicht mehr mitmachen, wenn eben das geschieht.

Ich habe in meinem Leben schon manches loslassen müssen, das ich sehr geliebt habe, der ESC war mir da oft ein Trost. Andererseits, wie sang ausgerechnet die israelische Teilnehmerin Yuval Raphael dieses Jahr so wirklich schön: “Darkness will fade, all the pain will go by, but we will stay, even if you say goodbye….a new day will rise. New day will rise.” Da interpretiert jeder etwas anderes hinein und assoziert es mit dem, was ihn am allermeisten schmerzt. Und trotzdem geht es irgendwie weiter. Ich hatte Tränen in den Augen.

Zurück zum ESC: Das Motto ist bekanntlich United by Music. Eine schöne Phrase, die super klingt, wenns um nichts geht oder wollen wir sie doch lieber mit Bedeutung füllen?

ESC 25 – unfassbar, drei

So, ein paar abschließende Betrachtungen, obwohl ich noch wochenlang über die ESC schreiben könnte, aber dann hab ich irgendwann keine Leser mehr harhar.

Wir sind voll in der ESC Depression angekommen, also nicht in Österreich, da wird diskutiert, ob der ESC in Wels, Oberwart oder auch Innsbruck realistisch ist, aber sonst stimmt alles, was so in den Tagen nach dem ESC, laut “Kalender” passiert:

  • Will Austrialia participate next year?
  • Many countries are displeased about the results: “We might not take part next year”
  • Voting scandals and conspiracy theories emerge

Vor allem das israelische Ergebnis des Televotings schlägt hohe Wellen. Und natürlich die üblichen Proteste gegen die Teilnahme des Landes.

Es wäre ja jetzt super, wenn man einen EBU Chef hätte, der mal auf den Tisch klopft und eine Ansage macht, so oder so. Aber leider haben wir Martin Österdahl, der sich nicht mal mehr beim ESC live sprechen traut, aus Angst ausgebuht zu werden. Menschlich verständlich, ich bin auch nicht zur Führungskraft geboren, aber wenn ich den Job mache, dann sollte ich irgendwas tun. Ich persönlich war sowieso generell immer dagegen irgendein Land auszuschließen, weil wir dann genau in diese Situation kommen, dass “wir” dann jedesmal diskutieren müssen, wer dabei sein “darf” und wer nicht. Da kommt dann die “Moral” und das Virtue Signaling und alles, was die öffentlichen Debatten oft unerträglich machen. Und ich finde auch, dass Musikerinnen und Musiker nicht für die Politik ihres Landes verantwortlich gemacht werden sollten. Es heißt ja schließlich “United by Music” nicht umsonst. Na schau, ich kann mehr Klartext reden als Österdahl. harhar.

Und: Langsam wächst Schwedens Beitrag Bara Bada Bastu bei mir, jetzt wo er nicht gewonnen hat. Noch 20 Mal hören und ich mag es wirklich harhar.

Ich stehe heute in der Küche und singe: ” (….) Ohhhhhohhoohhho Bada Bastu jåå”

Das Kind: “Sauna.”

Harhar, ich glaube, wir haben jetzt den Vibe, als sehr Spätadopter.

ESC 25 – unfassbar, zwei

Heute zwar früh ‘wach’ gewesen, aber nicht ausgeschlafen. Zuviel Adrenalin.

Ich wollte mir gestern Notizen zum Abend machen, habe aber nur genau eine Sache aufgeschrieben, nämlich, dass bei unserem ESC Event jemand gesagt hat, dass der italienische Song nach Urlaub klingt und jemand anderer drauf: Ja, aber wie der letzte Urlaubstag bevor man wieder heimfährt, harhar. Das war übrigens, glaub ich, die einzige Prognose, mit der ich letztendlich richtig gelegen bin, nämlich dass Italien besser sein wird als die Quoten vorhersagten, sogar am Ende Platz 5 für eine supersympathische, “kleine” Performance.

Na gut, was war sonst noch los? Hunziker war endlich da – eine Wohltat, nicht nur visuell (die Kleider meine ich!!). Sie hat im Greenroom mit dem italienischen Kandidaten gesprochen und die Deutschen interviewt. “Hallo Stefan” (Raab) hat sie gesagt, der saß neben Arbor und Tynna. Und dann so auf die Art, sie darf nicht zu parteiisch sein harhar. Celine Dion war hingegen nicht anwesend, obwohl am Nachmittag sehr viele Gerüchte gestreut wurden, sie wäre in Basel gelandet. Wer allerdings da war, war Nemo. Erstens, um seinen Siegersong vom vorigen Jahr noch einmal zu singen, fair enough, dann aber auch, um seinen neuen Song zu promoten, und sorry aber, das hat ja die Loreen Performance ihres Nachfolgesongs von Tattoo voriges Jahr noch um Längen getoppt an Skurrilität und Dings, wirklich extrem verstörend. Und warum Nemo in diesem Outfit auf die Bühne “darf”, während andere Künstlerinnen wegen Familienfreundlichkeit der Show ihre Kostüme ändern mussten, ist mir auch nicht vollends klar.

Dafür waren die Showacts sonst wirklich super – einerseits einige Schweizer ESC Kandidaten der letzten ja, 60 Jahre (Paola Felix, Luca Hänni etc), anderseits, besonders beliebt bei der Unter-25 Fraktion der Zuseher, zumindest in meinem Wohnzimmer, ein Mash Up der beiden Zweitplatzierten Kärija (Zweiter aus Finnland im Jahr 2023) und Baby Lasagna (Zweiter aus Kroatien im Jahr 2024). Sie haben, in einer Art Kampfring als Boxer stehend, ihre beiden Banger Cha Cha Cha bzw. Rim Tim Taga Tim performt, einzeln, dann durcheinander, das war schon sehr amüsant und mitreißend, ein richtiger ESC Moment, der wieder mal die Nationen schön geeint hat.

Bei den Kandidaten selbst entstand bei mir zumindest heuer der Eindruck, dass es wirklich sehr kurzweilig war. Recht wenig schiefe Töne, interessante Bühnenshows, “Comedy Acts” neben kleineren Indie Nummern, große Balladen neben Radiohits, quasi für jeden etwas dabei. Wie immer gabs Performances, die in den Semis besser gezündet haben als im großen Finale – bei Österreich wars Gott sei Dank umgekehrt. Natürlich spielt auch die Auftrittsreihenfolge eine gewisse Rolle. Und, wie auch immer, versteht man manches überhaupt nicht. Die Schweiz wurde zum Beispiel Jury-Zweiter, bekam vom Publikum aber exakt null Punkte. Schweden, bei den Wettquoten hochfavorisiert, wurde nur Publikums-Dritter. Und wieso bei Polen beim Schnelldurchlauf, wo alle Länder nochmal in einem kurzen Einspieler präsentiert werden, eine Stelle im Song gezeigt wird, in dem die Sängerin gar nicht singt, sondern nur an Ringen hängt, also das verstehe auch wer will.

Am Ende wars ein großer, verdienter Sieg von JJ. Oder wie das Kind sagte: Ganz objektiv gesprochen, er war der Beste. Harhar. Schön war, wie Conchita sich ehrlich gefreut hat (sah zumindest so aus harhar) wie die anderen Teilnehmer ihm gratuliert haben, es sind da schon Freundschaften entstanden, und dann bei seiner Performance mitgetanzt, das ist der Spirit von Eurovision. Und auch, dass jeder ESC Fan auch irgendwie alle Songs feiert, seine ganz persönlichen Favoriten hat, das hat immer schon etwas sehr verbindendes und das liebe ich an dem Bewerb.

P.S. Respekt für Marco Schreuder, der praktisch jedes Jahr den Sieger vorhersagt, so auch heuer.

P.P.S. Ich wurde gestern mit meinem obergescheiten Insiderwissen als “Heinz Prüller des Song Contests” bezeichnet und ich lasse das mal als Kompliment gelten, harhar.

ESC 25 – unfassbar

JJ hat uns den Schas wieder gewonnen, ich packs nicht!

Vor dem Grand Final hab ich ehrlich nicht mit dem Sieg gerechnet, aber seine Performance heute war richtig am Punkt, noch um einiges überzeugender als im Semifinale. Trotzdem war es dann ein irre spannendes Voting. Ab einem gewissen Zeitpunkt hab ich nur noch gezittert und geschrien, es war abartig, harhar.

Mehr dann später, ich geh jetzt mal schlafen, sofern ich schlafen kann. Freude, Freude!

ESC History

Zur Einstimmung auf den heutigen Song Contest – nächste Woche wirds wieder um andere Dinge gehen, ich verspreche es – ein kleiner Abriss meiner persönlichen ESC Geschichte.

Ich habe schon als Kind den Song Contest geschaut. Zuerst mit einer Freundin in der Unterstufe und als die Schule wechselte und wir uns aus den Augen verloren, mit einer anderen. Das gestaltete sich so, dass wir Wochen bis Monate lang unsere Lieblingssongs auf einer VHS anschauten, das heißt vor und zurückspulen mussten. Kinder, ihr könnt euch das gar nicht mehr vorstellen, wie das war! harhar. Wir haben dann sogar manche Songs vom Video auf eine Musikkassette überspielt, die Qualität war sicher mehr als fragwürdig, aber wir fanden es eine super Sache.

Danach gabs eine Phase, die sogar von ESC Super Aficionado Marco Schreuder als die “dunklen Jahre” bezeichnet werden, wo der Bewerb sich quasi überlebt hatte und massiv ironisiert wurde; die Qualität der Songs war damals auch nicht die allerbeste. In diesen Jahren hab ich einmal den ESC im Auto am Heldenplatz sitzend, nur anhand der Kommentare von Grissemann und Stermann, verfolgt, was sehr lustig war, auch sehr meta, aber halt nicht für den Bewerb an sich sprach.

Als ich schwanger war, lag ich – statt zu einer ESC Party zu gehen – am Sofa, im Jahr darauf lag das Baby neben mir. Und danach gings mit dem Bewerb tatsächlich wieder extrem aufwärts, nämlich so ab dem Sieg von Lena, der Bewerb erfand sich neu, wurde relevanter und Österreich nahm auch wieder teil. Das gipfelte bald im Sieg von Conchita, den ich mit Freunden und einer kleinen Sektflasche (ich mein, was hab ich mir dabei gedacht, eine Picolloflasche für sechs Menschen, harhar) bei mir daheim verfolgte. 2015 war ich in der Wiener Stadthalle live dabei und das war so ein once in a lifetime Event.

Danach hab ich den ESC einmal sogar gar nicht gesehen, weil ich auf einer Hochzeit war, die Jahre darauf begann ich dafür, auch die Vorberichterstattung im großen Stil zu verfolgen, es entstanden in dieser Zeit diverse Podcasts und es gab die wunderbaren Songchecks vom WDR, wo die Songs ein bisschen ironisch betrachtet, gleichzeitig aber auch immer gefeiert wurden, mit enormen ESC Backgroundwissen. Leider ist auch schon wieder Geschichte. So kam es jedenfalls, dass ich am ESC Abend dann schon jeden Beitrag in- und auswendig kannte.

2020 erlebten wir alle die erste (und hoffentlich auch letzte) Absage eines Bewerbs, ich habe viele Songs aus diesem Jahr aber immer noch in meiner Playlist. Seitdem verbringe ich den Abend auch mal ganz alleine, was voll ok ist, heuer gibt es aber ein Patchwork Event mit meiner, folgenden, Auflage: “Ich mag an dem Abend von niemand hören, wie Scheiße der Songcontest ist.” Das Kind so: “Wow, Heidi wie sie sich jetzt fühlt!” Ja, ich kann auch mal bestimmend sein, ab und zu, so ein bisschen harhar. Der ESC macht mich halt glücklich und ich wills einfach nur genießen.

Happy Eurovison to all who celebrate!

ESC 25, Semi 2

So die erste Etappe ist geschafft:

Lange Zittern musste JJ nicht, die Freude ist auch auf diesem, vom mir erstklassig verwackelten Foto zu erkennen

Waren wir in Semifinale 1 noch alle überrascht, dass Portugal unvermutet weitergekommen ist, so kam man bei Semi 2 gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Speziell Litauen und Lettland waren meines Erachtens beides interessante Acts, die ich aber weder vom Song noch vom Staging her als besonders publikumswirksam empfand – und in den Semifinali gibt es ja keine Jurybeteiligung mehr. Die Bühnenshow von Lettland war im Prinzip der Schnürlvorhang von der Ikono Ausstellung. Harhar. Ein richtiger Schocker war das Ausscheiden von Tschechien. Kiss Kiss Goodbye war heuer sogar einer meiner persönlichen Favoriten. Marcel Stober von eurovision.de:

Ja mein Gott, das kann doch aber auch mal passieren in der Aufregung harhar. Jedenfalls ur schade, war in den Wettquoten auch in den Top 10 zuletzt.

Was war sonst noch so los? Deutschland. Puh, was soll ich sagen. Ich mag den Song sehr gerne. Auch das Staging war gut. Aber ihre Stimme ist halt schon ziemlich dünn und…ach ich weiß auch nicht. Frankreich entschied sich Bühnenshow-technisch für Sand, sehr viel Sand und ich kann sagen: Ja, nach drei Minuten haben wir alle kapiert, dass die Zeit sehr schnell verrinnt. Bei Israel hatte ich Angst, dass gleich jemand die Bühne stürmt. Das ist Gott sei Dank nicht passiert und wir sehen den Song auch nochmal im Finale. Tja und Finnland, also Andi Knoll hatte ziemlich Spaß damit, glaube ich. Ich komme (Songtitel) war ja der letzte Act gestern und Andi Knoll so: Und wer bis jetzt nicht gekommen ist, hat am Samstag nochmal die Chance dazu, harhar. Außerdem zu bemerken: Das Trickkleid ist zurück!

Der Intervall Act war diesmal eine schöne Idee und zwar hat man vier der “Lost Songs” aus 2020 auftreten lassen. Allerdings waren es mit Gjons Tears, The Roop et al Künstler, die 2021 eh auch nochmal aufgetreten sind, was ja nicht bei allen Ländern der Fall war, manche haben den Act ja geändert. Der Clou wäre hier natürlich gewesen, wenn man Island geholt hätte, die 2020 mit Thinking About Things ziemlich sicher in diesem Jahr gewonnen hätten; gut vielleicht hatte Dadi auch keine Zeit. Jedenfalls wars ein sehr stimmungsvolles Segment. Ganz am Ende hat Moderatorin Sandra Studer eher “random” Insieme von Toto Cutugno gesungen und hier merkt man, wie sehr der Song mit eben Cutugno verbunden war, no offense.

Nach diesem Semi traue ich mir, ehrlich gesagt, überhaupt keine Prognose mehr für Samstag zu. Ich dachte, dass Schweden, die im Finale ziemlich am Schluss drankommen, einen Vorteil haben, habe aber auch schon jede Menge anderer Verschwörungstheorien dazu gelesen. Österreich startet jedenfalls als Neunter. Und: Es werden tatsächlich insgesamt nur fünf Songs im Finale ausschließlich in englischer Sprache sein.

Ich freu mich jedenfalls sehr auf morgen.