almis personal blog

A Summer Place

Der Trailer zum neuen Kristoffer Borgli Film The Drama ist grandios.

Borgli, der Meister der tollen Prämissen, die dann nicht aufgehen, harhar, has done it again. In The Drama geht es um ein junges Paar, das kurz vor seiner Hochzeit steht. Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Paar erzählt jeder etwas bisher Geheimes von sich. Das ist anscheinend lustig, etwas peinlich bis leicht unangenehm. Aber dann ist die Figur, die Zendaya spielt, an der Reihe und sagt etwas offensichtlich so Arges, dass die Stimmung kippt und alle erschüttert sind. Nach diesem Trailer bin ich einfach nur ur neugierig, und ich hoffe, Borgil versaut es nicht wieder. Harhar.

Was aber nebenbei noch interessant ist, in diesem Trailer kommt der Song A Summer Place vor. Da musste ich an meinen Papa denken. Er hatte die Platte und hörte sie oft. Und ich dachte daran, wie ich mich in den letzten Jahren meistens an ihn erinnert habe, mit einem gewissen Schmerz. Ich dachte fast nur noch an ihn als so etwas wie ein ungelöstes Rätsel, als Leerstelle, als jemand, der am Ende seines Lebens nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, ich sag es mal so hart. Ich dachte an seine Witwe, mit der ich beim Notar gestritten hatte – harhar, das könnte ich tatsächlich von ihm haben, er hat sich gern aufgeregt – bis sie dann eingestanden hat, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich habe mich dafür bedankt, dass sie mir das gesagt hat. Ich denke, ich bin einfach nicht der Mensch geworden, den er sich vorgestellt hat. Das ist sehr lange schmerzhaft gewesen, bis es dann eines Tages gar nichts mehr mit einem macht. Ich glaube, das nennt sich Akzeptanz. Ich habe meine Perspektive gewechselt. Ich mag nicht mehr kämpfen.

Jedenfalls hat mich dieses Lied daran erinnert, wie mein Papa auch sein konnte. Sehr lustig nämlich, er konnte super Geschichten und Erlebnisse (nach)erzählen, das haben mir manche auch bei seinem Begräbnis versichert, dass sie sich so an ihn erinnern. Er konnte gut kluge und ziemlich provokante Dinge sagen und es gab natürlich auch viele helle Momente zwischen uns, so hell wie dieser Song. Ich freue mich wirklich, dass mich dieser Trailer daran erinnert hat.

Oscar Countdown

In einer Woche findet die Oscarverleihung statt.

Nächstes Wochenende gibt es im Votiv und Gartenbaukino die Tage der nominierten Filme, nämlich die, die für “Best Film” nominiert sind. Und ich denke mir ja eh cool, aber ich habe halt alle schon gesehen. Und dann fällt mir ein: Halt, nein. Ich habe nicht alle gesehen. Mir fehlt immer noch F1 *hüstel*, der natürlich weder in dem einen noch im anderen Kino läuft. Ich muss den jetzt in den nächsten Tagen trotzdem noch irgendwo per Streaming halt in meinen Zeitplan reinquetschen.

Ja, wir haben immer noch eine gewisse Spannung im Szenario One Battle After Another versus Sinners (auf “deutsch”: Blood & Sinners). Mir haben ja beide Filme gefallen, wie heuer generell recht viel, im Gegensatz zu Wolfgang M. Schmitt, der auf Youtube den Kanal Filmanalyse hat (unbezahlte Werbung). Er findet nämlich, es sei ein eher schlechter Jahrgang. Aber gar nicht wegen F1, den er partiell lobt, vor allem seine Kameraarbeit, und der natürlich tatsächlich eh keine Chance auf den Oscar in dieser Kategorie hat.

Nein, Schmitt mag zum Beispiel – wie ich auch – Frankenstein von Guillermo del Toro gar nicht und hat das so gut formuliert, dass ich schon wieder fast neidisch bin, denn er sagt: “Del Toro nutzt die Frankenstein-Geschichte, um einmal mehr seinen Jahrmarkt der Kuriositäten und des Krimskrams (da musste ich sehr lachen!) aufzubauen. Vollgestopft ist jedes seiner marktschreierischen Bilder. Das ist keine Kunst und unterhaltsam ist es auch nicht”. Harte Worte, die aber nicht unzutreffend sind. Aber ich bin sowieso nie die Zielgruppe für solche Blut und Boden Werke, wie ich sie nenne. Ich habe es schon am liebsten, wenn ein Film in unserer heutigen Welt spielt und am besten irgendwas mit Künstlern, Liebe, (Familien)beziehungsproblemen zu tun hat, mit gewissem Humor erzählt ist, aber in der Sache hart ohne dabei bitter zu sein – mit anderen Worten: so etwas wie Sentimental Value, harhar.

Das ist natürlich fast Ragebait. Andererseits ist es schon wieder so übertrieben “offensive” von Chalamet zu behaupten, niemand interessiere sich mehr für Oper und Ballett, dass ich darüber lachen musste und wie gesagt, mir ist sowas lieber, als wenn Schauspieler ihre geopolitischen Einlassungen von Stapel lassen. Die mit den Katzen ist übrigens Jessie Buckley, sie hat ihrem Freund das Ultimatium gestellt: Ich oder die Katzen.

Was in den nächsten Tagen in der Bubble auch noch diskutiert wird: Geht der Oscar an Menschen, für das beste Schauspiel oder für das meiste Schauspiel. Oft ist es eher letzteres, deshalb wird Sentimental Value wohl auch leer ausgehen.

Father Mother Sister Brother

Wie erwähnt, habe ich am Wochenende den jüngsten Film von Jim Jarmusch namens Father Mother Sister Brother gesehen, für den er voriges Jahr mit dem goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde. Übrigens ein Jahr nach Pedro Almodovar und das Witzige ist, ich habe beide Regisseure in den letzten 30 Jahren quasi begleitet, ich kenne fast alle Filme von beiden.

Father Mother Sister Brother ist ein Triptychon oder anders gesagt ein dreiteiliger Episodenfilm. Im ersten Teil wird ein Vater von seinem erwachsenen Sohn und seiner Tochter besucht, im zweiten Teil eine Mutter von den Töchtern. Der dritte Teil schließlich zeigt ein Zwillingspaar, das nach dem Unfalltod ihrer Eltern deren Wohnung räumen muss und über “Familienverhältnisse” nachdenkt…

Menschen, die Geschichten mit einem klaren Anfang und Ende, mit einer Aussage oder einer “Botschaft” mögen, waren mit Jim Jarmusch immer schon ziemlich schlecht bedient, obwohl er mit den Jahren schon zugänglicher und auch erheblich kommerzieller geworden ist. Seine ersten Filme sind ja weitgehend dialog- und handlungslos. Es geht aber nach wie vor sehr viel um Stimmungen, um Ungesagtes, um Dinge, die zwischen Menschen passieren, ohne, dass man diese so richtig fassen kann.

So ist die erste Episode, nämlich Father, zugleich voller leisem Witz, aber auch ziemlich unangenehm für den Zuseher. Weil dauernd nach einer Möglichkeit zur Kommunikation, zu Anknüpfung gesucht wird, dies aber schmerzhaft ins Leere läuft. Zu verschieden scheinen der akkurate Sohn Jeff (herrlich Adam Driver), die etwas verkniffene Tochter Emily (Mayim Bialik) und der “Hippie” Vater (Tom Waits) zu sein. Der Vater lebt irgendwo in der Pampa in einem heruntergekommenen Haus, scheint kaum Geld, dafür aber ein Alkohol/Medikamentenproblem zu haben. Alle Beteiligten haben irgendwie das Gefühl, sie müssten sich treffen und eine Art von Beziehung haben, tatsächlich sehen sie aber den Zeitpunkt herbei, in dem sie wieder ihr eigenes Leben führen können, in dem die “family relations”, auf die Tom Waits einmal anstoßen will – Driver daraufhin: “Can you toast with tea?” – keine Rolle mehr spielen müssen. Schön ist, dass diese Episode am Ende einen sehr unerwarteten Twist hat.

Auch die zweite Episode Mother erzählt von Entfremdung, wenn auch die Mutter (Charlotte Rampling) hier die Wohlhabende, nämlich eine Bestsellerautorin ist. Obwohl sie und ihre Töchter Lilith (Vicky Krieps, ich liebe ihre rosa Haare!) und Timothea (Cate Blanchett) alle in Dublin leben, sehen sie sich nur einmal im Jahr und wissen im Grunde nichts voneinander. Oder wie die Mutter am Anfang ihrer Therapeutin am Telefon sagt, sie freue sich zwar, die Töchter zu treffen, aber sie sollen “nichts aufwühlen”. Was sie damit meint, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls ist es ein Irrglaube, dass man sich mehr zu erzählen hat, wenn man sich sehr lange nicht sieht. Im Grunde bleiben da nämlich nur die großen Meilensteine des Lebens über, wie hier “Ich wurde befördert” – “Ich habe tausend neue Follower”. Die vielen kleinen Details, die ein Leben ausmachen, die Kämpfe im Alltag bleiben außen vor, die Geheimnisse sowieso.

Die dritte Episode erzählt (endlich) von einer guten Beziehung, die der Zwillinge Billy (Luka Sabbat) und Skye (Indya Moore). Aber da sind die Eltern eben gerade gestorben. Zynisch könnte man bemerken, dass ihr Fehlen mehr Harmonie erzeugt, als die Präsenz der Eltern in den vorigen Episoden. Aber auch hier gibt es Brüche und Leerstellen. Es gibt außerdem wiederkehrende Motive in allen Episoden, beispielsweise die Farbe rot, eine Uhr, eine rätselhafte Redewendung, aber was man als Zuschauerin daraus macht oder nicht, ist Jarmusch, denke ich, komplett wurscht, harhar.

Wie gesagt, es gibt kein Fazit, es gibt nur dieses Gefühl, das nachschwingt, das irgendwie mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen resoniert. Die Figur von Adam Driver spricht einmal die recht platte Weisheit aus, dass man sich Familie nicht aussuchen kann, und so banal es ist, es hat wie alles Konsequenzen und macht uns (auch) zu der Person, die wir sind.

März

Heute bin ich das erste Mal im Garten in der Sonne gesessen. Dabei habe ich mir San Remo Songs angehört, gestern war ja Finale, ich bin um Mitternacht eingeschlafen und da wars natürlich noch lange nicht aus. Habe mich sehr darüber amüsiert, wie man den Siegertitel von Sal da Vinci namens Per sempre sì in der Facebook ESC Gruppe beschrieben hat, nämlich als “1970-ziger Schmalz mit Heiratsschwindler Vibes”. Harhar. Das ist so treffend, da bin ich immer etwas neidisch, wenn mir so etwas geniales nicht einfällt. Jemand anderer meinte: Viel Spaß in Caorle 1981, auch hübsch.

Blick in den Garten am 1.März

Dabei gab es auch sehr viele sehr moderne Songs zur Auswahl, etwa mein diesjähriger Favorit vom Duo Fedez und Marco Masini: Male necessario, Pop mit soften Rap-Anteilen. Der Titel bedeutet so etwas wie “Notwendiges Übel”. Finde ich auch total interessant. Und im Song gehts dann ums Aufknallen auf dem Boden der Tatsachen in irgendeinem Hotelzimmer und man hat gleich tausend Bilder und Assoziationen im Kopf. Richtig schön melancholisch und kraftvoll.

Am späteren Nachmittag bin ich dann ins Kino gefahren und habe mir den neuen Jarmusch Father Mother Sister Brother angesehen. Beim Hinuntergehen der Währinger Straße sind mir viele Menschen mit Iran-Fahnen entgegen gekommen, anscheinend, wie ich nachgelesen habe, gab es eine Kundgebung am Heldenplatz. Es ging dabei aber sehr ruhig und zufrieden zu, eine angenehme Begegnung. Der Film war ein typischer Jarmusch, auch sehr angenehm und ruhig und wie immer bei ihm komplett unspektakulär. Muss man mögen und ich mag es seit 30 Jahren.

Votivkirche, so schön!

Den Abend mit Sonntagszeitungen und Korrekturlesen verbracht. Guter Sonntag.

Marty Supreme

Marty Supreme heißt der erste Film von Josh Safdie, nach dem arbeitstechnischen Split von seinem Bruder Benny. Eine weitere Regiebrüder-Kollaboration, die zu Ende ging, nach den Zucker-Brüdern, den Coens (vorübergehend?), und den Wachowskis (sind jetzt Frauen!). Benny Safdie ist auch Schauspieler und war super in Oppenheimer. Sein Solo-Regiedebüt hatte er voriges Jahr mit The Smashing Machine, die Kritiken waren durchwachsen – ich habe ihn nicht gesehen. Marty Supreme dagegen hat neun Oscarnominierungen erhalten.

Der Film, in dem Timothée Chalamet in jeder Szene vorkommt, erzählt die halbfiktive Geschichte des aufstrebenden Tischtennisspielers Marty Mauser als eine Art Schelmenerzählung. Mit List, Frechheit und jeder Menge Selbstbewusstsein versucht er, sich aus prekären Verhältnissen in den 1950er Jahren zum Tischtennis-Weltmeister hinauf zu äh, schwindeln, nicht was seine Leistung betrifft, aber das Geld, um überhaupt bei Wettkämpfen antreten zu können, fehlt an allen Ecken und Enden…

SPOILER MÖGLICH

Was der Film mit The Wolf of Wall Street zu tun hat (den ich hasse) müsste mir noch jemand erklären…

Das ist schon sehr inspriert, was Safdie uns hier präsentiert. Ich habe in manchen Reviews gelesen: Schon wieder ein toxischer Mann, der in den Mittelpunkt gestellt wird. Nun polemische Anmerkung: vielleicht ist es nicht so unheimlich interessant, gendernden Veganern in ihrem politisch korrekten Alltag zuzusehen. Ich würde Marty auch gar nicht ans toxisch bezeichnen. Ja, er hat ein enormes Selbstbewusstsein bis hin zur Selbstüberschätzung, sonst hätte er aber auch absolut keine Chance auf sozialen und sportlichen Aufstieg. Ja, er tut “unmoralische” Dinge, wie im übrigen jeder in diesem Film (auch die Frauen). Aber es gibt einige Szenen, die Marty so zeigen, wie er vielleicht immer wäre, hätte er andere Voraussetzungen und wäre in ein Umfeld geboren, das ihn unterstützt und es sei nur ideell.

Auch Timothée Chalamet selbst wird vorgeworfen, dass er zum Größenwahn neigt. Weil er halt gern einen Oscar will und nicht der beste “Verlierer” ist, sagen wir so. Er sei unbescheiden, aber sind wir uns ehrlich, wohin bringt dich Bescheidenheit – gerade in Hollywood. Und mir ist das wirklich bei weitem lieber als er würde uns als x-ter Darsteller seine Einschätzung zum Gaza Konflikt mitteilen, harhar. Ich mag ihn als Schauspieler tatsächlich sehr. Ich liebe ja Call me by your name und er hat als Haupdarsteller keinen geringen Anteil daran. Er macht auch Filme bunter, in denen er nur eine kleinere Rolle hat, wie in Little Women – irgendwer schrieb damals, niemand könne sich gekonnter lässig auf eine Chaiselongue werfen als Chalemet. Und erst voriges Jahr hat er eine super Performance als Bob Dylan in A Complete Unknown abgeliefert, also ich mach nicht mit im Chalamet-dissen.

Marty Supreme ist ein atemloser Film. Dauernd passiert irgendwas, in einer extrem gut gefilmten Szene läuft Marty vor der Polizei weg, echt großes Kino, auch wenn es einfach nur eine Verfolgungsjagd ist. Die Musik hat einen großen Anteil, sie ist partiell anachronistisch. Was meine ich damit? Wenn die Protagonisten Musik hören, dann ist es solche der 1950er Jahre, wenn aber wir als Zuschauer Musik hören, die quasi über der Handlung liegt, dann hat Josh Safdie die Schönheit und transformative Kraft vom 80iger Jahre Pop erkannt und serviert uns Forever Young und Spoiler ganz am Ende Everybody wants to rule the World, was einfach so sehr das Marty-Mindset verkörpert, dass es fast wehtut. Ich werde von nun an immer ans Chalamets Gesicht denken müssen, wenn ich diesen Song höre.

Marty Supreme ist ein Film nicht über sondern mit Tischtennis, würde ich sagen. Bei letterboxd schrieb jemand, Safdie täte für PingPong, was Guadagnino in Challengers für Tennis tut. Ich denke, er tut mehr, weil Tennis von hausaus eh viel “größer” ist als Tischtennis. Marty Supreme hat auch großartige Nebendarsteller (Gwyneth Paltrow, die immer super ist, wenn sie nicht lieblich sein muss). Der Film macht einfach Freude – und er macht mich nicht so nervös wie sonstige Filme, in denen sich die Hauptfigur mehr und mehr in die Scheiße reitet. Der cineastische Genuss überwiegt eindeutig. No further notes.

Kunst ist größer

Wim Wenders hat bekanntlich versucht, die Berlinale zu “entpolitisieren”, was ich persönlich super fand.

Denn meines Erachtens geht es ja beim ESC kaum mehr um Musik, bei Olympia nicht um Sport und ja auch bei Filmfestivals nicht mehr um Filme, sondern vor allem um Empörung über was auch immer und darum, sich irgendwie positonieren zu müssen, natürlich exakt auf der “richtigen” Seite. Auch wenn man sich dazu außerstande fühlt, weil man die Materie zu wenig kennt, weil es zu komplex für eine Pressekonferenz wäre oder warum auch immer. Wenders ist sicher kein unpolitischer Mensch und es geht auch nicht darüber, politische Themen generell auszusparen, er wollte nur den “Bekenntniszwang” verhindern, denke ich, und wurde für die Aussage natürlich wiederum kritisiert ohne Ende.

Gestern ist ihm Nick Cave beigesprungen, der, finde ich, immer sehr kluge und reflektierte Worte zu solchen Dingen sagt und er sprach mir voll aus der Seele. Er erzählte vom Niedergang der Adelaide Writers Week und meinte, solche Festivals seine keine Orte des Diskurses mehr, sondern ” (…)”sucked down the sinkhole of a single monolithic ideology: one voice, one cause, one dissent.” Er meinte über Wenders: “Perhaps he also believes that art is more than the sum of its utility, it is more than a tool or a weapon. Maybe he believes, as I do, that at its core, great art exists purely for its own sake, and that at its most transformative it reveals itself subtly, ambiguously, and curiously”

Und, was ich am schönsten finde: “Perhaps his words will encourage artists to feel confident expressing how they truly see themselves, in all their radical complexity and diversity, to say: This is what I am. This is how I feel.”

Und wenn Nick Cave das hoffen kann, dann hoffe ich das auch. Die Welt mit Kunst größer machen, weiter und mutiger. Und das Publikum selbst denken lassen.

Wuthering Heights (danach)

Ich hab jetzt zwei Woche keine Reviews zu Wuthering Heights gelesen, ich wollte mir die Freude daran nicht nehmen lassen und ich ahnte, dass viele den Film hassen werden. Jetzt habe ich dann aber doch einen Blick auf die Stimmen von außen gewagt.

Zunächst finde ich diesen “Wie wirklich ist die Wirklichkeit” Aspekt sehr interessant. Denn sehr oft wird der Film mit der Buchvorlage von Emily Brontë verglichen und man könnte ja meinen, dass es zumindest hier einen Konsens gibt im Sinne von: Wird der Film der Vorlage gerecht oder nicht? Aber nein, selbst hier keine Einigkeit. Und daran muss ich immer denken, wenn Menschen die Komplexität des Lebens oder der sogenannten Wirklichkeit auf irgendwas alllgemeingültiges, universelles herunterbrechen wollen. Nein, so etwas wie eine gemeinsame Wirklichkeit gibt es tatsächlich nicht.

Ich persönlich finde, dass Fennells Film den Geist des Buches schon ganz gut transportiert, weil er vor allem aus Cathy und Heathcliff keine zwei wirklich liebenswerten Charaktere macht – da ist schon ganz viel der Ambivalenz des Buches enthalten. Klar fehlt die zweite Hälfte das Romans komplett und ein paar Figuren wurden eingespart. Ich finde aber die Konzentration auf die beiden Hauptakteure legitim.

Nach dieser philosophischen Betrachtung gleich in quasi medias res. Ich habe mehrmals gelesen, der Film wäre eine Art Softporno. Also no offense, aber liebe Leute, die ihr das meint: Habt ihr schon mal einen Softporno gesehen? Die Minimalanforderung wäre da nämlich, dass irgendjemand nackt ist, vorzugsweise sogar alle Beteiligten, aber das höchste der Gefühle in Wuthering Heights ist, dass Jacob Elordi verschwitzt ohne Oberbekleidung im Stall arbeitet. Natürlich nützt Fennell da ein bisschen die Groschenroman Klischees, auch was das Dekolleté von Margot Robbie angeht. Aber tatsächlich sehen wir hier so gut wie nichts, es vor allem eine Erotik der Blicke, der Worte, des Mangels und der Auslassung, die uns Fennell da präsentiert. Ist das manchmal “anstößig”? Na und ob! Und das ist gut so. Harhar

Ich mag, mit wie viel Spaß sich viele Kritkerinnen und Kritiker mit diesem FIlm beschäftigen, selbst dann, wenn sie ihn ganz offensichtlich nicht mögen. Da gibt es im Guardian den Titel Too hot, too greedy Adaptation guarantees bad dreams in the night – das bezieht sich auf den gleichnamigen Song von Kate Bush; und Pia Reiser von FM4 kommt gleich zur Sache, und gibt ihrer Kritik den nicht unzutreffenden Titel Die Sturmhöhepunkte. Im Podcast hat sie gesagt, das Filmjahr könnte schon zuende sein, sie ist vollkommen zufrieden harhar. Die britische Vogue stellt gleich Mal 45 Fragen “After watching Wuthering Heights” unter anderem: Frage 9: Edgar’s actually kinda sweet? Frage 13: I wanted a bit more context for the Elton John sunglasses? Frage 15: Why are the strawberries so giant? Frage 32: Does it always rain this much in Yorkshire? Harhar, super.

Kleiner Sidestep: Jacob Elordi wird gerade als möglicher Bond-Kandidat gehandelt. Dazu gibt es auch schon diverse “Bond verschwindet in der Menge” Überlegungen, denn tatsächlich ist Elordi vielleicht etwas zu auffällig für einen Geheimagenten. Er ist 1,96 Meter groß. Harhar.

Ich werde den Film sicherlich noch ein, zwei mal im Nonstop Abo anschauen. Die Ausrede ist, ich habe circa fünf Minuten verpasst, weil das WC im Apollokino einfach unfassbar weit weg vom Kinosaal ist. Und die fünf Minuten muss ich unbedingt nachholen.

The Moment

So, folgendes, es wird bisschen kompliziert. Ich kenne die Sängerin Charlie XCX so ungefähr seit zwei Wochen. Da habe ich nämlich Wuthering Heights gesehen und sie war verantwortlich für den Soundtrack. Natürlich hatte ich den Namen vorher schon mal gehört, aber nur so im Unterbewusstsein wahrgenommen. Den Soundtrack finde ich aber so gut und naja, diese Woche gibt es ein paar Vorstellungen ihrer Mockumentary The Moment.

Das Gartenbaukino war fast ausverkauft, ich habe aber in letzter Minute noch eine Karte bekommen. Und als ich dann so im Kino stehe, kam es mir irgendwie so vor als wäre ich auf einer Party, zu der ich gar nicht eingeladen worden bin. Denn ich bin nicht unter, sagen wir großzügig 33 und/oder ich bin nicht queer. Was mache ich alte (literally) Hete bei diesem Film harhar. Aber es gab zumindest noch einen anderen älteren Mann, wie mir die superwitzige Digital Creatorin Alisa Florentina heute erzählt hat, nachdem ich sie gestern dort gesehen und sie heute gleich mal einfach angeschrieben habe.

Nun zum Film, Spoiler gibt es eh nicht wirklich. The Moment handelt in einer semi-pseudo-realistischen Weise über die Konzerttournee, die Charlie XCX in Folge ihres Albums Brat und den von ihr ausgerufenen Brat Summer vorbereitet. Ich musste selbstredend Brat Summer googlen und ich mein, wie weit kann man von Jugendkultur entfernt sein, aber es ist leider so. Charlie XCX beschreibt das von ihr ins Leben gerufene Phänomen so: “Just, like, a pack of cigs, and, like, a BIC lighter and, like, a strappy white top. With no bra. That’s, like, kind of all you need.” Na gut, kein Wunder, dass ich davon keine Ahnung habe, harhar.

Jedenfalls war der Film wirklich höchst amüsant, gleichzeitig aber auch wirklich deep. Ihr seht, ich wechsle schon in so eine Art Jugendsprech. Was ich damit meine: Charlie XCX wird mit diesen Brat Summer Dings richtig erfolgreich, richtig angesagt, richtig populär. Und was kommt jetzt danach? Wie Eminem uns bereits aus seiner eigenen Erfarhung in seinem Song Lose Yourself mitteilte: “Superstardom is close to post-mortem”. Wie soll sie Brat in Szene setzen? Wie lange soll dieser Sommer dauern und was kommt danach? Und welches Publikum will sie eigentlich ansprechen? Hat sie jetzt so einen Taylor Swift Appeal und macht massentauglichen Stadienrock? Also der Inbegriff der großen Kunst versus Kommerz Kontroverse.

Im Film bilden sich mit ihrer Kreativdirektorin und Freundin Celeste (Hailey Gates), die die künstlerische Vision von Charlie XCX teilt und dem renommierten, vom Management geforderten, vor allem aber extrem arroganten deutschen Konzertfilme-Macher Johannes (Alexander Skarsgård) zwei Pole, die über die Deutungshohheit von Brat streiten. Johannes will zum Beispiel alles etwas familientauglicher und weniger “offensive” gestalten und als ihm Celeste dann sagt, Charlie singe nun mal beispielsweise über Kokain und er dann fragt, metaphorisch oder real und sie dann: “What is metaphorical cocaine?” Köstlich.

Wie das alles also vor sich geht, wie viele doppelte Böden, wie viel Selbstironie und Selbstbespiegelung, die sich selbst bespiegelt man hier vorfindet, ist ein Traum. Das liegt auch an den Schauspielern, die wieder eine Reihe von anderen Assoziationen nach sich ziehen, wie die Indie Ikone Rachel Senott oder Fleabag Weirdo Jamie Demetriou. Und es liegt natürlich vor allem daran, dass Charlie XCX charismatisch und enigmatisch ist, für mich zumindest. Ich verstehe den Hype um sie schon.

Schade und irgendwie unverständlich, dass es nur eine Handvoll Vorstellungen in Wien gibt.

Die Berlinale mit Uncut

Heute ein bisschen unbezahlte Werbung (wie immer übrigens) für die Uncut Berichterstattung von der Berlinale.

Vier Uncut Kollegen sind gerade in Berlin und berichten als österreichisches Medium quasi live – mit Berichten zu den Pressekonferenzen, vielen Fotos und Reviews zu den präsentierten Filmen.

Und ich beweise meine Begeisterung damit, dass mir Uncut Boss Harald direkt von der Pressekonferenz mit Judas Priest meinen eigenen Like zu einer Uncut Story auf seiner Smartwatch schickt, harhar, ich habe mich sehr amüsiert!

(c) Harald Zettler, www.uncut.at

In diesem Sinne: Berlinale 2026 hier entlang. Viel Spaß!

No Other Choice

Wie berichtet habe ich vor einigen Tagen No Other Choice von Park Chan-wook gesehen. Der Film wurde in Indie-Kreisen sehr gehypt und es wurde moniert, dass er bei den Oscars übergangen wurde. Nachdem ich ihn gesehen habe, verstehe ich das aber ehrlich gesagt schon irgendwie

Es geht um Man-su (Lee Byung-hun) einen Mann in mittleren Jahren, der mit Frau und zwei Kindern, sowie zwei extrem lieben Hunden in einem schönen Haus mit Garten lebt und als Manager in der Papierindustrie arbeitet. Er ist sehr zufrieden mit seinem Leben, er hat alles erreicht, als er plötzlich gekündigt wird, seine gehobene Existenz und sein ganzes Selbstverständnis steht auf dem Spiel. Nachdem die Jobs in seiner Branche rar geworden sind, versucht er, seine Konkurrenten um einen neue verantwortungsvolle Stelle ausfindig zu machen und sie zu “beseitigen”. Es bleibt ihm einfach keine andere Wahl…

ACHTUNG SPOILER

Dieser Plot hat mich an meine eigene Familiengeschichte erinnert: der Cousin meines Urgroßvaters war ein Giftmörder, genau aus diesem Grund, der Beseitigung der Konkurrenz. Aber ansonsten bin ich hier wirklich komplett außen vor geblieben, wahrscheinlich weil ich so viele Dinge hier nicht nachvollziehen konnte. Zum einen hat sich der Film in jeder Szene mehr von mir entfernt. Normalerweise fühlt man sich bei einem Film am Anfang fremd und der Regisseur oder die Regisseurin versucht einen dann mit den eigenen Mitteln immer näher zu heranzuziehen, immer mehr fühlt und versteht man dann im besten Fall, so empfinde ich das. Hier war es umgekehrt: Die erste Szene in der die Familie beim Grillen fand ich noch recht gut, die Charaktere wurden mit einfachen, wirkungsvollen Mitteln vorgestellt, doch danach entgleitet einem der Film. Die Narration ist so eigenartig, dass ich sogar gewisse Handlungspunkte erst später verstanden haben.

Gar nicht verstanden habe ich auch diesen Papierfabrik-Fetisch unserer Hauptperson. Also ok, ich verstehe schon, dass er diese Branche liebt und der Abschied schmerzt, wenn man dafür eine Leidenschaft und Expertise hat, aber er liebt auch Pflanzen. Warum hat er nicht versucht, eine Art Bellaflora (halt auf asiatisch) Manager zu werden? Ich meine, das ist immer noch besser, als potentiell, drei, vier, fünf Menschen töten zu müssen, oder? Und wie wird dieser doch recht sensible Mensch zu einem Killer, der beim ersten Mord noch recht patschert durch die Szenerie stolpert, im Laufe der Zeit aber Dinge mit den Leichen tut, für die man eine Expertise in diesem Bereich bräuchte (und die Kaltblütigkeit noch dazu). Insofern ist es schwer, sich irgendwie mit dem Protagonisten oder sonst wem zu identifizieren. Was auch nicht unbedingt sein muss, wenn der Film sonst irgendwas spannendes zu bieten hätte – man denke an Amarcord von Fellini, da gibt es gar keinen richtigen Protagonisten, der porträitiert einfach Rimini, aber es einfach extrem interessant und stimmungsvoll. Aber No Other Choice bietet für mich halt irgendwie nichts in die Richtung.

To be fair, es gibt auch in No Other Choice zwei, drei wirklich gute Szenen. Eine davon ist die, als Man-su ins Haus eines potentiellen Opfers eindringt. Dort läuft die Stereoanlage und Man-su dreht die Musik noch lauter, damit man die bald folgenden Schüsse nicht hören soll. Davor kommt es aber zu einer Konfrontation mit seinem Opfer in spe und zu einem Wortwechsel, aber niemand dreht die Musik wieder leiser, sodass sich die Kontrahenden anschreien müssen (und man die Dialoge nur noch in den Untertiteln lesen kann), das war recht skurill und komisch. Oder als Man-su versucht, jemandem mit einem Blumentopf zu erschlagen und als er diesen so über seinen Kopf hebt, rinnt unten was Wasser raus. Oder die Szene, als Man-su seinen Kindern eröffnet, man habe nicht mehr genug Geld, um alle Mäuler zu stopfen, und der große Bruder schützend den Arm um seine Schwester legt. Im Endeffekt kommen dann die Hunde zu den Großeltern.

Und das war ehrlich gesagt das Einzige, was mich an dem Film dann noch interessiert hat, können die Hunde wieder zurückkommen, die vor allem von dem kleinen Mädchen schmerzlich vermisst werden, harhar. Und das schon irgendwie süß, aber irgendwie auch ein bisschen dürftig für einen Film mit dieser Thematik und Theatralik.