almis personal blog

Die Berlinale mit Uncut

Heute ein bisschen unbezahlte Werbung (wie immer übrigens) für die Uncut Berichterstattung von der Berlinale.

Vier Uncut Kollegen sind gerade in Berlin und berichten als österreichisches Medium quasi live – mit Berichten zu den Pressekonferenzen, vielen Fotos und Reviews zu den präsentierten Filmen.

Und ich beweise meine Begeisterung damit, dass mir Uncut Boss Harald direkt von der Pressekonferenz mit Judas Priest meinen eigenen Like zu einer Uncut Story auf seiner Smartwatch schickt, harhar, ich habe mich sehr amüsiert!

(c) Harald Zettler, www.uncut.at

In diesem Sinne: Berlinale 2026 hier entlang. Viel Spaß!

No Other Choice

Wie berichtet habe ich vor einigen Tagen No Other Choice von Park Chan-wook gesehen. Der Film wurde in Indie-Kreisen sehr gehypt und es wurde moniert, dass er bei den Oscars übergangen wurde. Nachdem ich ihn gesehen habe, verstehe ich das aber ehrlich gesagt schon irgendwie

Es geht um Man-su (Lee Byung-hun) einen Mann in mittleren Jahren, der mit Frau und zwei Kindern, sowie zwei extrem lieben Hunden in einem schönen Haus mit Garten lebt und als Manager in der Papierindustrie arbeitet. Er ist sehr zufrieden mit seinem Leben, er hat alles erreicht, als er plötzlich gekündigt wird, seine gehobene Existenz und sein ganzes Selbstverständnis steht auf dem Spiel. Nachdem die Jobs in seiner Branche rar geworden sind, versucht er, seine Konkurrenten um einen neue verantwortungsvolle Stelle ausfindig zu machen und sie zu “beseitigen”. Es bleibt ihm einfach keine andere Wahl…

ACHTUNG SPOILER

Dieser Plot hat mich an meine eigene Familiengeschichte erinnert: der Cousin meines Urgroßvaters war ein Giftmörder, genau aus diesem Grund, der Beseitigung der Konkurrenz. Aber ansonsten bin ich hier wirklich komplett außen vor geblieben, wahrscheinlich weil ich so viele Dinge hier nicht nachvollziehen konnte. Zum einen hat sich der Film in jeder Szene mehr von mir entfernt. Normalerweise fühlt man sich bei einem Film am Anfang fremd und der Regisseur oder die Regisseurin versucht einen dann mit den eigenen Mitteln immer näher zu heranzuziehen, immer mehr fühlt und versteht man dann im besten Fall, so empfinde ich das. Hier war es umgekehrt: Die erste Szene in der die Familie beim Grillen fand ich noch recht gut, die Charaktere wurden mit einfachen, wirkungsvollen Mitteln vorgestellt, doch danach entgleitet einem der Film. Die Narration ist so eigenartig, dass ich sogar gewisse Handlungspunkte erst später verstanden haben.

Gar nicht verstanden habe ich auch diesen Papierfabrik-Fetisch unserer Hauptperson. Also ok, ich verstehe schon, dass er diese Branche liebt und der Abschied schmerzt, wenn man dafür eine Leidenschaft und Expertise hat, aber er liebt auch Pflanzen. Warum hat er nicht versucht, eine Art Bellaflora (halt auf asiatisch) Manager zu werden? Ich meine, das ist immer noch besser, als potentiell, drei, vier, fünf Menschen töten zu müssen, oder? Und wie wird dieser doch recht sensible Mensch zu einem Killer, der beim ersten Mord noch recht patschert durch die Szenerie stolpert, im Laufe der Zeit aber Dinge mit den Leichen tut, für die man eine Expertise in diesem Bereich bräuchte (und die Kaltblütigkeit noch dazu). Insofern ist es schwer, sich irgendwie mit dem Protagonisten oder sonst wem zu identifizieren. Was auch nicht unbedingt sein muss, wenn der Film sonst irgendwas spannendes zu bieten hätte – man denke an Amarcord von Fellini, da gibt es gar keinen richtigen Protagonisten, der porträitiert einfach Rimini, aber es einfach extrem interessant und stimmungsvoll. Aber No Other Choice bietet für mich halt irgendwie nichts in die Richtung.

To be fair, es gibt auch in No Other Choice zwei, drei wirklich gute Szenen. Eine davon ist die, als Man-su ins Haus eines potentiellen Opfers eindringt. Dort läuft die Stereoanlage und Man-su dreht die Musik noch lauter, damit man die bald folgenden Schüsse nicht hören soll. Davor kommt es aber zu einer Konfrontation mit seinem Opfer in spe und zu einem Wortwechsel, aber niemand dreht die Musik wieder leiser, sodass sich die Kontrahenden anschreien müssen (und man die Dialoge nur noch in den Untertiteln lesen kann), das war recht skurill und komisch. Oder als Man-su versucht, jemandem mit einem Blumentopf zu erschlagen und als er diesen so über seinen Kopf hebt, rinnt unten was Wasser raus. Oder die Szene, als Man-su seinen Kindern eröffnet, man habe nicht mehr genug Geld, um alle Mäuler zu stopfen, und der große Bruder schützend den Arm um seine Schwester legt. Im Endeffekt kommen dann die Hunde zu den Großeltern.

Und das war ehrlich gesagt das Einzige, was mich an dem Film dann noch interessiert hat, können die Hunde wieder zurückkommen, die vor allem von dem kleinen Mädchen schmerzlich vermisst werden, harhar. Und das schon irgendwie süß, aber irgendwie auch ein bisschen dürftig für einen Film mit dieser Thematik und Theatralik.

Der Fremde

Nachdem ich die Verfilmung von Der Fremde – nach einem Roman von Albert Camus – durch Francois Ozon gesehen habe, habe ich auch gleich noch das Buch gelesen. Es ist ein recht schmaler Band, der in Frankreich offenbar Schullektüre ist. Und es ist tatsächlich erstaunlich, in welcher “einfachen”, aber sehr poetischen Sprache hier erzählt wird, wo das Werk doch als eines der Hauptwerke des Existentialismus gilt und sich jeder denkt: Oh Camus, sicher komplett unverständlich. Was ich mich persönlich beim Lesen (und schon während des Filmes) wirklich unironisch gefragt habe: Ist das noch Existentialis- oder doch schon Autismus?

Es geht in Der Fremde um den jungen Mann Mersault – ein Vorname wird nie genannt – der in den 1930er Jahren in Algier lebt. Gerade ist seine Mutter gestorben und er muss zu ihrem Begräbnis. Dabei bleibt er allerdings weitgehend emotionslos. Es wäre ihm irgendwie schon lieber, sie würde noch leben, so reflektiert er einmal, aber Trauer verspürt er auch nicht. Was sich auch im vielleicht wichtigsten (ersten) Satz des Romanes manifestiert: “Heute ist meine Mutter gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.”

AB HIER DETAILS ZUM ROMAN

Mersault weiß vieles nicht, obwohl er keineswegs dumm ist. Er ist ein genauer Beobachter, er reflektiert dauernd,, aber als Leser hat man das Gefühl, er kommt zu keinen Ergebnissen, bleibt merkwürdig indifferent. So beginnt er am Tag nach dem Begräbnis ein Verhältnis mit der ihm schon flüchtig bekannten Marie. Als sie einige Zeit später fragt, ob er sie liebe, sagt er so was ähnliches wie: Das hat keine Bedeutung. Kaum eine Bedeutung hat auch, was zum zweitwichtigsten Satz des Romanes führt, nämlich sein Mord oder eher Totschlag eines Arabers: “Ich habe einen Araber getötet” Daraus haben The Cure übrigens einen Song Killing an Arab gemacht, der auch im Abspann des Ozon Films läuft.

Obwohl es sich bei besagtem Arbaber um einen Widersacher von Mersaults Nachbarn Raymond handelt, gibt es für den Mord keinen “Grund” – also es gibt sowieso nie eine Rechtferigung dafür, aber hier gibt es nicht mal einen besonderen Auslöser, wie zum Beispiel ein Affektzustand. Selbst der direkt betroffene Raymond geht einer Auseinandersetzung aus dem Weg. Im Prinzip hat Mersault nur die Sonne am Strand geblendet, als er diese Tat begeht. Der zweite Teil des Romans handelt vom Prozess gegen Mersault. Und obwohl Franzosen in Algier dieser Zeit bei einem Gerichtsprozess die ungleich besseren Karten hätten, scheint Mersault hier seine komplette Gleichgültigkeit auf den Kopf zu fallen. Aber auch das lässt ihn, man ahnt es, relativ kalt. Er bringt nicht einmal genug Energie auf, um eine kohärente Verteidigungslinie zu entwerfen.

Mein drittliebster Satz des Romans ist übrigens: “Mama sagte oft, dass man nie ganz und gar unglücklich sei.” Das hat irgendwie so etwas tröstliches, lebensbejahendes. Damit kann ich sehr viel anfangen, weil das Leben einfach schön ist, trotz allem, auch wenn es einem schlecht geht. Interessant ist, dass Mersault, der ja sowas wie Glück gar nicht zulässt, diesen Satz seiner Mutter so herausstreicht.

Die Ozon Verfilmung ist sehr werkgetreu und hat mir gut gefallen, wobei der Gerichtsprozess etwas fader in Szene gesetzt wird als im Buch. Der Fremde wurde schon zuvor verfilmt, ich hätte auch gerne vorige Woche die Visconti Verfilmung (Lo Straniero) mit Marcello Mastroianni im Filmmuseum gesehen, aber sie war tatsächlich ausverkauft. Allerdings, wie Pia Reiser in Podcast meinte, Visconti wollte damals eigentlich Alain Delon für die Rolle, weil der so aalglatt wirkt und man ihn bewundert, aber nicht mit ihm mitfühlt. Während Mastroianni, der die Rolle letztendlich spielte, eher fehl am Platz ist, weil er so ein warmer, herzlicher Typ ist, wenn natürlich auch sehr fesch (so Pia Reiser). Harhar, das stimmt, ich mag ihn auch sehr gern, muss aber zustimmen, so teilnahmslos wie Delon kann er nie wirken.

Wuthering Heights (jetzt)

Wenn man “Wuthering Heights Kritik” bei Google eingibt, sieht man am Montagabend um 22.40 das:

Danke Harald für den Hinweis. Ich trende, wie cool. Zumindest so lange, bis die nächsten fünfzig Kritiken eintreffen.

Das hat Emerald Fennell bzw. die Produktionsfirma schon super gemacht, einfach ein Embargo bis Montag 21 Uhr (CET) und dann schießen natürlich alle relevanten Filmberichterstatter gleichzeitig ihre Reviews raus. Ich gebe im absoluten Überschwang der Emotionen gleich mal 90 Prozent, oder wie die SZ das formuliert, siehe Screenshot: Ächz, seufz, lechz. Wie unseriös, oida! Aber stimmt schon irgendwie. Harhar. Und der Film wird ziemlich polarisieren.

Wer mein Review für Uncut lesen will, bitte hier entlang.

Ach ja und falls das nicht soo klar rauskam: Absolute Empfehlung von mir.

Pressevorstellung, zwei

Es handelt sich offenbar um ein weltweites Embargo harhar, Wahnsinn.

Ich sitze derweil hier und grüble, was ich darüber schreiben soll, mein Kopf ist so voll. Da lese ich ein Zitat von dem italienischen Avantdgarde Regisseur Michelangelo Antonino, der sagte: “Un film che si può raccontare a parole non è veramente un film”. Heißt: “Ein Film, den man mit Worten beschreiben kann, ist nicht wirklich ein Film.” Harhar, das macht uns halt alle arbeitslos, aber heute fühl ich das.

Und, was also Film Twitter so sagt (ich zitiere nur!):

Pressevorstellung

Heute echt schlecht geschlafen, trotzdem musste ich um halb sieben aufstehen, weil um 9 Uhr eine Pressevorstellung im Apollo angesagt war. Und zwar von Wuthering Heights, einen Film, auf den ich mich seit dem Tag freue, an dem ich von seiner Existenz erfahren habe, und das Buch, wie hier berichtet, habe ich auch vor drei Tagen fertig gelesen.

Das Apollokino, schon ganz im Zeichen von Wuthering Heights

Habe mich dann zur U6 geschleppt und dann vom Westbahnhof direkt zum Apollokino, das waren schon so um die 6.000 Schritte, nachher war ich halbwegs munter harhar. Dieses Mal hatte die Pressevorstellung wieder mal etwas von einer UN Sicherheitskonferenz. Das heißt: Unterschreiben, dass man bis Montag nichts über den Film sagt (also sorry gleichmal), keine Rezension veröffentlicht, und so weiter. Dann wurden die Taschen inspiziert, ich so: Ja Sie können gern reinschauen, aber da ist derart viel Klumpert drinnen, ich weiß nicht, ob sie da was sehen harhar. Außerdem mussten wir alle unsere Handys abgeben – das war früher in den PVs öfter so, jetzt aber schon ewig nicht mehr. Und bewacht wurden wir während des Films auch. Spannend! Es war auch das Who is Who der österreichischen FilmkritikerInnen anwesend — und ich harhar.

Also wie gesagt, ich würde ja echt gern etwas zum Film sagen, aber ich darf nicht. Dafür darf ich kurz – für all jene, die das Buch nicht kennen bzw. es nicht lesen wollen – den Plot umreißen. Wer davon nichts wissen will, liest bitte nicht weiter.

Wuthering Heights wurde 1847 veröffentlicht und gilt als Klassiker der englischen Literatur. Die Familie Earnshaw, Besitzer des Gutes Wuthering Heights, das im Hochmoor von Yorkshire liegt, nimmt ein Pflegekind auf, das der Vater in den Straßen Liverpools aufliest und mit seinen eigenen Kindern Hindley und Catherine aufzieht. Sie nennen den Sechsjährigen Heathcliff und es besteht sofort eine enge Beziehung zwischen ihm und Catherine, etwas wie eine kindliche Liebe. Sie sagt: “Whatever our souls are made of, his and mine are the same”. Ist jetzt vielleicht auch nicht immer ganz ideal (Anmerkung von mir, harhar).

Als der Vater stirbt, verbannt Hindley Heathcliff zum Gesinde. Hindleys Alkoholismus und seine Spielsucht stürzt die Familie später in Schulden, als Edgard Linton, Besitzer des nahegelegenen Herrenhauses Thrushcross Grange, Catherine einen Heiratsantrag macht. Catherine nimmt diesen trotz der Gefühle für Heathcliff an, in der Hoffnung, ihm damit ein sichereres Leben bieten zu können und auch, ganz ehrlich, weil ihr der Lifestyle gefällt. Heathcliff verlässt tief verletzt Wuthering Heights und kommt Jahre später als “gemachter” Mann zurück. Danach regiert Chaos, Leidenschaft, Zerstörung und Elend. Und Leidenschaft, sagte ich das schon?

Es ist durchaus lesenswert, aber auch ein bisschen gaga harhar. Ist der Film auch so oder ganz anders und ist er sehenswert? Das verrate ich nächste Woche.

Sorry, Baby

Ich habe mich jetzt über ein Monat darum gedrückt, etwas über Sorry, Baby, den Debütfilm der nonbinären Person Eva Victor zu schreiben. Weil ich mich eigentlich nur in die Nesseln setzen kann, wenn ich meine ehrliche Meinung darüber schreibe, die fast allem widerspricht, was ich über diesen Film so lese. Ach ich sage einmal worum es geht.

In Sorry, Baby wird über das Leben der jungen Literaturwissenschafterin Agnes (Eva Victor selbst) erzählt, die ein traumatisches Erlebnis erfahren hat und dieses bewältigen muss. Die Zeitebenen wechseln, konstant bleibt aber die Freundschaft zu ihrer Freundin Lydie (Naomie Ackie), die gerade von ihrer nonbinären Partnerperson schwanger ist…

ACHTUNG MASSIVE SPOILER UND GRÜNDE SICH ÜBER MICH AUFZUREGEN FOLGEN

Agnes ist zum Zeitpunkt des einsetzens der Handlung Mitte 20 Jahre alt und gerade dabei ihr Studium abzuschließen, in dem sie extrem erfolgreich ist und auch die Aussicht auf eine Festanstellung hat. Sie ist ein bisschen in ihren Professor verliebt, der ihre Dissertation betreut und es gibt ein Gespräch mit Lydie, über eine gewisse sexuelle Spannung zwischen ihnen. Agnes ist ausdrücklich ambivalent, sollte es zu einer Annährung kommen, sie ist nicht klar ablehnend, sie fühlt sich auch geschmeichelt. Kurze Zeit später findet eine Besprechung beim Professor zuhause (!) statt. Es kommt zu Küssen, die Agnes nicht abwehrt. Sie wird nicht festgehalten oder bedroht, das erzählt sie nachher wiederum Lydie, aber verlässt sein Haus trotzdem nicht. Sie artikuliert auch nicht ihren Widerwillen. Als er mehr will, schiebt sie seine Hand zwar weg, küsst ihn aber weiter. Irgendwann kommt es zum Versuch des GV, den Agnes allerdings sofort beendet. Dann verlässt sie sein Haus, zurück bleibt ein Trauma, das Jahre anhalten soll.

Ich bin ehrlich, ich mag es nicht, wie hier eine erwachsene Frau als komplett wehrloses Opfer der Situation und der Umstände dargestellt wird, die sie schon vorher mit ihrer Freundin andiskutiert (also irgendwie antizipiert), und in die sie sich letztendlich freiwillig begibt. Ich verstehe nicht, wieso sie einen Mann zu Hause besucht, bei dem sie sich unwohl fühlt oder den Eindruck hat, es könnte etwas geschehen, was sie nicht möchte. Wobei sie ja nicht wirklich sicher ist,was genau sie möchte und was nicht. Ich finde, ich habe als erwachsene Frau, noch dazu mit einer gewissen “Awareness”, auch eine Selbstverantwortung, wenn ich mich freiwillig in unklare Situationen begebe und in diesen verharre. Agnes liest zwei Jahre später mit ihren dann eigenen Studentinnen und Studenten Lolita von Nabokov, was mich auch verstört hat. Zieht sie irgendwelche Parallelen zwischen sich und einem 12-jährigen Kind?

Die Vergleiche, die in manchen Rezensionen zu Frauenfiguren wie Fleabag oder einigen der Figuren, die Greta Gerwig verkörpert hat, gezogen werden, verstehe ich ebenfalls überhaupt nicht. Ja, auch diese Protagonistinnen kämpfen mit ihrem Leben, dem Platz in der Welt und teilweise riesigen Selbstzweifeln. Man denke nur an diese Entscheidung, die Fleabag getroffen hat, die sich als fatal herausstellte, und mit der sie fortan aber für den Rest ihrer Tage leben muss. Es kam aber nie der Punkt, an dem Fleabag angefangen hat, sich selbst nur noch zu bemitleiden oder jegliche (Mit)Verantwortung dafür von sich zu weisen. Das hat mir an ihrer Figur gefallen und gerade deshalb war sie so sympathisch und authentisch. Nicht, weil sie immer alles “richtig” gemacht hat, sondern weil sie sich selbst reflektiert hat, weil sie sich weiterentwickelt hat. Und das sehe ich bei Agnes überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, ohne jetzt den schmierigen Professor zu entschuldigen, der von Anfang an irgendwie “fishy” wirkt.

Ich habe mich gefragt, ob uns der Film vielleicht unterhalb der Oberfläche erzählen will, dass Agnes autistisch, “auf dem Spektrum” ist, dass sie vielleicht gar nicht so selbsbestimmt sein kann wie man annehmen könnte. Das würde für mich dann schon Sinn ergeben, wenn es etwas gäbe, dass sie in ihrer Handlungsfähigkeit klar einschränkt. Allerdings ist das eine reine Vermutung von mir aus lauter Ratlosigkeit, es wird nirgendwo erzählt, nicht einmal in einer kurzen Bemerkung.

So jetzt habe ich ur lange über diese Prämisse geschrieben und sonst nix. Aber das ist halt leider das Problem, dass alles andere zweitrangig ist, wenn man schon solche Schwierigkeiten mit der Ausgangssituation hat. Sorry Baby ist ein Indie-Film und als solcher erzähltechnisch okay, wenn man das mag. Er hat zwei, drei interessante Regieentscheidungen, er hat eine wirklich gute Szene mit John Caroll Lynch, der sonst immer irgendwie die kalblütigen Typen und Mörder spielt und in diesem Film nur in diesen paar Minuten vorkommt, diesmal aber einen netten Herren von nebenan verkörpern darf. Es gibt dann auch leider noch etliche andere Dinge, die mir in diesem Film überhaupt nicht gefallen haben, auf die ich jetzt gar nicht eingehen will, sonst kriege ich noch einen Shitstorm, harhar.

Fazit: Sorry, Baby!

Wuthering Heights (vorher)

Nächste Woche werde ich die Pressevorführung von Wuthering Heights (Sturmhöhe) besuchen und so bereite ich mich in meiner Garten-Leseecke darauf vor:

Das ist Einsatz, oder? Ein paar Worte zum jetzigen Zeitpunkt:

Ich bin ein großer Fan der Regisseurin Emerald Fennell, die als Kind gesagt haben soll, sie wolle einmal Schauspielerin werden und über Liebe und “Murder” schreiben, was sie ja eindrucksvoll geschafft hat. Ich habe alle ihre (bisher zwei harhar) Filme gesehen und ich fand speziell Saltburn toll, toll, toll. Ein bestechendes und überborderndes Setdesign, wahnsinnige Stimmungsbilder, und generell auch komplett Bonkers vom Plot her, aber extrem unterhaltsam. Wenn es gut gemacht ist und nix anderes sein will als es ist, finde sowas super. Auch Pia Reiser vom fm4 Filmpodcast liebt das – wir haben generell einen recht ähnlichen Geschmack – und sie sagte zwei Dinge über Fennell, 1. dass sie immer sehr genau auswählt, welchen Font sie für ihr Titeldesign verwendet, Zitat Reiser: “Sie nimmt nicht einfach das, was im Word als erstes auftaucht” harhar und 2. “Fennell spricht Pop.” Genauso ist es.

Deshalb wird das Werk von Emily Brontë natürlich niemals eine klassisch-betuliche Literaturverfilmung werden, ich mein, es ist denkunmöglich. Deshalb wird beim Trailer zu Wuthering Heights natürlich viel kritisiert, weil man kann das alles auch sehr leidenschaftlich hassen, verstehe ich auch vollkommen. Wir haben zwei schöne Menschen (Margot Robbie, Jacob Elordi), die natürlich auch zu alt für ihre Rollen sind, da hätte man fast Teenager gebraucht und Robbie ist auch nicht so schlank wie normalerweise, weil sie direkt davor ein Kind (in echt) bekommen haben. Beide sprechen ein schönes Englisch, die Bilder sind wieder überwältigend, die Musik kommt von Charli xcx, einer sehr heutigen Musikerin – ich kannte sie bis dato nicht, ich bin auch zu alt dafür1, harhar.

Wuthering Heights wird im Trailer als “die größte Liebesgeschichte ever” transportiert, was irgendwie total zutreffend sein kann oder auch ganz im Gegenteil – je nachdem wie viel Toxizität und Zerstörungskraft man Liebesgeschichten zubilligt, die man als “echt” bezeichnen möchte. Es gibt ja auch Menschen, die “echte Liebe” nur dann verorten, wenn sie letztlich unerfüllt bleibt oder wenn sie mit ganz viel Kampf und Trauer, Sehnsucht und Verzicht konnotiert wird.

Wuthering Heights als Buch ist natürlich ein Klassiker der englischen Literatur, auch das einzige Buch von Emily Brontë, aber – so viel kann ich jetzt schon sagen – es ist auch in sich recht gaga. Ja, man kann es psychologisch durchdrungen nennen, ein Charakter- und Persönlichkeitsportrait, es hat aber erzähltechnisch auch ein bisschen was von Reich und Schön (sorry), also warum dann nicht einen absolut überkandidelten Film daraus machen? Das mal als erster Stimmungsbericht, ich werde dann zu Buch und Film noch mehr sagen, sobald ich beides fertiggelesen bzw. gesehen habe.


  1. Habe mein Kind dazu gefragt, er hat einen Song von ihr auf seiner Playliste ↩︎

…versus Barbapapa

Weil jemand mich gefragt hat, wie ich das mit Hamnet und den Barbapapas meinte.

Nun ja, hier die Szene aus Hamnet:

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Und zum Vergleich, Barbapapa, Staffel 1, Episode 8:

Ich mein, das ist doch unübersehbar! Harhar.

Das hat mich als Kind bei den Barbapapas so fasziniert, dass sie ihren Nachwuchs einfach im Garten gepflanzt und gegossen haben. Und die Barbamama zieht Barbabo (quasi eine Steißgeburt) einfach selbst aus der Erde, ja so einfach wäre das! Harhar.

Barbabo, der strubbelige Künstler, natürlich verkehrt herum (siehe Pfeil)

Pia Reisner hat Hamnet übrigens im gestrigen fm4 Filmpodcast wortwörtlich als “Käse” bezeichnet und wer sie kennt weiß, das sagt sie nicht leichtfertig.

Die Welt ist also sehr gespalten, was diesen Film angeht. Im Gegensatz zu den Barbapapas.

Hamnet

Hamnet ist der neue Film der chinesischen Regisseurin Chloé Zhao und wurde vergangene Woche für acht Oscars nominiert, und hier folgt mein Veriss, harhar. Zhao adaptierte den gleichnamigen Roman von Maggie O’Farell, der sich mit dem Tod des Sohnes von William Shakespeare und seiner Frau Agnes, namens eben Hamnet, auseinandersetzt. Was wie ein riesengroßer Spoiler wirkt, wird genau so vermarktet.

Übrigens, auch das wird gleich am Anfang verraten: Die Namen “Hamnet” und “Hamlet” wurden damals quasi synonym verwendet.

SPOILER

Zunächst einmal: Viele haben sich beschwert, dass es so gemein wäre, Chloé Zhao quasi vorzuwerfen, einen manipulativ-überrührseligen Tearjerker produziert zu haben, das sei nur deshalb der Fall, weil sie eben eine Frau wäre, also dieser Vorwurf bla bla. Nein, ich fand auch Million Dollar Baby von Clint Eastwood aus dem Grund schrecklich, wie auch Manchester by the Sea von Kenneth Lonergan. Auch wenn diese Filme natürlich unterschiedlich funktionieren, eint sie doch ein allgegenwärtiges und umfassendes Elend. Männer sind genauso dazu imstande, solche Filme zu produzieren, die einem die Botschaft mit dem Holzhammer übermitteln wollen.

Vielleicht ist es hier schon das Problem des Romans, das kann ich nicht sagen, da ich ihn nicht gelesen habe. Aber mir ist das alles zu viel (und von anderem wie Plot oder Charakterentwicklung ist es zu wenig, aber das bedingt sich ja oft gegenseitig). Von Agnes (Jessie Buckley) wird gesagt, dass sie die Tochter einer Hexe sei und tatsächlich ist sie sehr in dieser Naturmystik-Heilpraktiker-Ecke zuhause. Ich kann jetzt mit Naturheilkunde an sich schon sehr viel anfangen. Aber bei Agnes hat das alles schon recht übersinnliche Züge. Sie “sieht” die Zukunft, sie bringt ihr Kind selbstverständlich alleine im Wald zur Welt ohne irgendjemand Bescheid zu sagen (was, sind wir uns ehrlich, bis heute lebensgefährlich ist), alles ist so archaisch an ihr. Und natürlich ist die Liebe zu William Shakespeare magisch, wie auch zu den Kindern, aber das wird halt alles eher behauptet als wirklich dargestellt.

Natürlich ist es schrecklich, eines der schlimmsten Dinge, die einem passieren können, wenn das eigene Kind stirbt. Für diese Erkenntnis alleine brauche ich aber keinen 126 Minuten Film anzuschauen. Ich nehme Agnes (bzw. Buckley) diesen, ihren Schmerz zwar komplett ab, sie ist sehr überzeugend; aber es ist eben auch ihr Schmerz, sie lässt mich nicht in ihre Gefühlswelt hinein, sie hält mich auf Distanz. Ich konnte zu niemandem dieser Menschen irgendeine Art von Beziehung aufbauen, auch zum Kind Hamnet nicht, der generell eher blass bleibt. Mich hat es emotional jetzt mehr aufgeregt, dass Agnes William (Paul Mescal) nach dem Tod von Hamnet beschimpft, dass er nicht da gewesen wäre. Dabei war sie es, die ganz am Anfang ihrer Ehe gesagt hatte, er müsse nach London gehen, er müsse schreiben, sonst würde er und sie sich auch als Paar verlieren. Dass es dann halt Zeit braucht, von London ohne Auto ins hinterletzte Kaff Stratford-upon-Avon zu gelangen – wo Agnes gegen den Wunsch von William bleiben wollte, weil Natur! – ist auch klar.

Die letzten 15, 20 Minuten des Films beinhalten eine Aufführung von Hamlet im Londoner Globe Theater; das Stück schrieb Shakespeare zur Aufarbeitung dieses Schicksasschlages. Der Falter Filmkritiker Michael Omasta nennt das eine “faule” Entscheidung. Ich stimme ihm grundsätzlich zu, muss aber sagen, dass es allerdings auch der Teil ist, wo der Film tatsächlich am besten für mich funktioniert hat, mit den Worten und Emotionen Shakespeares nämlich. Auch auf Uncut wurde der Film (positiv) besprochen und ich habe unserem Kritiker dann geschrieben, mir gefiele sein Review wesentlich besser als der Film, harhar. Wir haben uns dann gegenseitig versichert, dass wir den Standpunkt des anderen grundsätzlich verstehen.

P.S. Dieser Film hat wirklich gar keinen Moment des Humors, aber ich selbst musste trotzdem einmal schmunzeln, als Agnes am Anfang zusammengerollt in der Erde liegt. Sah so aus wie bei den Barbapapas früher, die ja in der Erde gewachsen sind, harhar. Sorry.