almis personal blog

…versus Barbapapa

Weil jemand mich gefragt hat, wie ich das mit Hamnet und den Barbapapas meinte.

Nun ja, hier die Szene aus Hamnet:

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Und zum Vergleich, Barbapapa, Staffel 1, Episode 8:

Ich mein, das ist doch unübersehbar! Harhar.

Das hat mich als Kind bei den Barbapapas so fasziniert, dass sie ihren Nachwuchs einfach im Garten gepflanzt und gegossen haben. Und die Barbamama zieht Barbabo (quasi eine Steißgeburt) einfach selbst aus der Erde, ja so einfach wäre das! Harhar.

Barbabo, der strubbelige Künstler, natürlich verkehrt herum (siehe Pfeil)

Pia Reisner hat Hamnet übrigens im gestrigen fm4 Filmpodcast wortwörtlich als “Käse” bezeichnet und wer sie kennt weiß, das sagt sie nicht leichtfertig.

Die Welt ist also sehr gespalten, was diesen Film angeht. Im Gegensatz zu den Barbapapas.

Hamnet

Hamnet ist der neue Film der chinesischen Regisseurin Chloé Zhao und wurde vergangene Woche für acht Oscars nominiert, und hier folgt mein Veriss, harhar. Zhao adaptierte den gleichnamigen Roman von Maggie O’Farell, der sich mit dem Tod des Sohnes von William Shakespeare und seiner Frau Agnes, namens eben Hamnet, auseinandersetzt. Was wie ein riesengroßer Spoiler wirkt, wird genau so vermarktet.

Übrigens, auch das wird gleich am Anfang verraten: Die Namen “Hamnet” und “Hamlet” wurden damals quasi synonym verwendet.

SPOILER

Zunächst einmal: Viele haben sich beschwert, dass es so gemein wäre, Chloé Zhao quasi vorzuwerfen, einen manipulativ-überrührseligen Tearjerker produziert zu haben, das sei nur deshalb der Fall, weil sie eben eine Frau wäre, also dieser Vorwurf bla bla. Nein, ich fand auch Million Dollar Baby von Clint Eastwood aus dem Grund schrecklich, wie auch Manchester by the Sea von Kenneth Lonergan. Auch wenn diese Filme natürlich unterschiedlich funktionieren, eint sie doch ein allgegenwärtiges und umfassendes Elend. Männer sind genauso dazu imstande, solche Filme zu produzieren, die einem die Botschaft mit dem Holzhammer übermitteln wollen.

Vielleicht ist es hier schon das Problem des Romans, das kann ich nicht sagen, da ich ihn nicht gelesen habe. Aber mir ist das alles zu viel (und von anderem wie Plot oder Charakterentwicklung ist es zu wenig, aber das bedingt sich ja oft gegenseitig). Von Agnes (Jessie Buckley) wird gesagt, dass sie die Tochter einer Hexe sei und tatsächlich ist sie sehr in dieser Naturmystik-Heilpraktiker-Ecke zuhause. Ich kann jetzt mit Naturheilkunde an sich schon sehr viel anfangen. Aber bei Agnes hat das alles schon recht übersinnliche Züge. Sie “sieht” die Zukunft, sie bringt ihr Kind selbstverständlich alleine im Wald zur Welt ohne irgendjemand Bescheid zu sagen (was, sind wir uns ehrlich, bis heute lebensgefährlich ist), alles ist so archaisch an ihr. Und natürlich ist die Liebe zu William Shakespeare magisch, wie auch zu den Kindern, aber das wird halt alles eher behauptet als wirklich dargestellt.

Natürlich ist es schrecklich, eines der schlimmsten Dinge, die einem passieren können, wenn das eigene Kind stirbt. Für diese Erkenntnis alleine brauche ich aber keinen 126 Minuten Film anzuschauen. Ich nehme Agnes (bzw. Buckley) diesen, ihren Schmerz zwar komplett ab, sie ist sehr überzeugend; aber es ist eben auch ihr Schmerz, sie lässt mich nicht in ihre Gefühlswelt hinein, sie hält mich auf Distanz. Ich konnte zu niemandem dieser Menschen irgendeine Art von Beziehung aufbauen, auch zum Kind Hamnet nicht, der generell eher blass bleibt. Mich hat es emotional jetzt mehr aufgeregt, dass Agnes William (Paul Mescal) nach dem Tod von Hamnet beschimpft, dass er nicht da gewesen wäre. Dabei war sie es, die ganz am Anfang ihrer Ehe gesagt hatte, er müsse nach London gehen, er müsse schreiben, sonst würde er und sie sich auch als Paar verlieren. Dass es dann halt Zeit braucht, von London ohne Auto ins hinterletzte Kaff Stratford-upon-Avon zu gelangen – wo Agnes gegen den Wunsch von William bleiben wollte, weil Natur! – ist auch klar.

Die letzten 15, 20 Minuten des Films beinhalten eine Aufführung von Hamlet im Londoner Globe Theater; das Stück schrieb Shakespeare zur Aufarbeitung dieses Schicksasschlages. Der Falter Filmkritiker Michael Omasta nennt das eine “faule” Entscheidung. Ich stimme ihm grundsätzlich zu, muss aber sagen, dass es allerdings auch der Teil ist, wo der Film tatsächlich am besten für mich funktioniert hat, mit den Worten und Emotionen Shakespeares nämlich. Auch auf Uncut wurde der Film (positiv) besprochen und ich habe unserem Kritiker dann geschrieben, mir gefiele sein Review wesentlich besser als der Film, harhar. Wir haben uns dann gegenseitig versichert, dass wir den Standpunkt des anderen grundsätzlich verstehen.

P.S. Dieser Film hat wirklich gar keinen Moment des Humors, aber ich selbst musste trotzdem einmal schmunzeln, als Agnes am Anfang zusammengerollt in der Erde liegt. Sah so aus wie bei den Barbapapas früher, die ja in der Erde gewachsen sind, harhar. Sorry.

Der Rest vom Wochenende

Gestern Nachmittag habe ich mich recht spontan mit M. getroffen.

Sie hat vorgeschlagen, dass wir in den GleisGarten gehen (unbezahlte Werbung), das ist die alte Badner Bahn Remise, die vor zwei Jahren zu einer Art Foodhall umgebaut wurde. Und wenn Foodhalls auch manchmal den Nachteil haben, dass sie ziemlich steril und unpersönlich wirken, so war ich total positiv von dieser Halle im 12. Bezirk überrascht. Es ist zwar natürlich wirklich groß, aber es ist trotzdem total gemütlich und auch warm! Man kann theoretisch stundenlang dort sitzen, Bücher lesen, arbeiten, sich Spiele ausborgen, plaudern die Kinder rennen herum und es gibt verschiedene Essenstationen und Bars, wo man sich kulinarisch versorgen kann.

Ich habe zuhause dann noch nichts gegessen und so haben wir uns am Spätnachmittag bei der Asia Station etwas geholt, Nudeln mit Gemüse. Es war wirklich extrem gut und schmackhaft, also nix mit Fast Food. Wir waren drei Stunden dort harhar. Ur nett wars.

GleisGarten Indoor

Dann bin ich in den Garten gefahren und nach einem kurzen Besuch vom Kind und Begleitug habe ich mich wie geplant in meine Leseecke zurückgezogen und habe fast in einem Die Vegetarierin von Han Kang gelesen. Ich weiß nicht, irgendwie ziehen mich ihre Romane so rein, dass ich gar nicht aufhören kann.

Cosy Leseecke

Denn endlich mal wieder gut geschlafen, den Sonntag über gearbeitet und dann war ich noch “schnell” im Votivkino und habe mir Der Fremde (nach Albert Camus) angesehen. Und zwar aus dem dritten Grund, weswegen ich ins Kino gehen, nämlich wenn ein Film im fm4 Filmpodcast besprochen wird, harhar. Die erste Hälfte hat mir richtig gut gefallen, dann wars ein bisschen gemischt. Aber defintiv ein Film, über den man länger nachdenken kann und quasi ein Standardwerk des Existentialismus.

Und jetzt gehe ich schlafen, mit den Gedanken von gestern.

Awards-Season, zwei

Ok, das mit Tânia Maria hat leider nicht funktioniert, dennoch haben die heutigen Oscar Nominierungen doch ein paar kleinere Überraschungen gebracht.

Zunächst einmal hat Sinners den Rekord an Gesamt-Nominierungen gebrochen und das war in dieser Souvernität nicht zu erwarten und zwar mit 16 Nominierungen. Ja, es gibt auch eine neue Kategorie (Bestes Casting). Und ja, damit wird es für Paul Thomas Anderson und One Battle After Another doch noch ziemlich eng. Ich muss ja ehrlich sagen, nachdem ich das halbe Jahr gesudert habe, dass die Filmsaison nur so mittelmäßig ist, ging es im Herbst Schlag auf Schlag und ich mag sowohl Sinners (obwohl Vampir Horror!) als auch OBAA richtig gerne – und auch noch einige andere, natürlich allen voran Sentimental Value. Ich möchte die Nonstop Kinos hiermit auch bitten, Sinners nochmals ins Programm zu nehmen. Ich habe ihn ja gestreamt, aber das ist defintiv ein Film für die große Leinwand. Auch wenn es im Kino sicher extrem bedrohlich ist.

Hier alle Nominierten in der Kategorie bester Film:

Und hier kann ich erfreulicherweise sagen, dass ich fast alles tatsächlich schon kenne, außer Marty Supreme (der läuft bei uns erst im Februar an) und F1 *hust*, einen Film, den mein Kind bereits dreimal gesehen hat. harhar.

Auch in den Schauspielkategorien gab es ein paar kleinere Überraschungen. Kate Hudson als Beste Hauptdarstellerin im so liebenswerten Underdog-Film Song Sung Blue zum Beispiel. Auch Ethan Hawke als Bester Hauptdarsteller für Blue Moon war eher ein Wackelkandidat, der Film kommt leider erst im Frühling in unsere Kinos. Delroy Lindo hat es noch in die Beste Nebendarsteller Kategorie geschafft, für mich komplett nachvollziehbar, weil ich nämlich während des Filmes gegoogelt habe, wer das ist, weil er so beeindruckend war. Wagner Moura (The Secret Agent) war dagegen eine Bank, allerdings ist er der erste Brasilianer, der in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert wurde. Stellan Skarsgard war auch quasi fix, aber – ebenfalls interessant – er ist der der erste Nebendarsteller, der für einen internationalen Film nominiert wurde.

Und überhaupt Sentimental Value, hach ja, der ganze Cast wurde nominiert,

Ein ziemlich erfreulicher Trend in den letzten Jahren: zum dritten Mal wurde alle Menschen, die für einen Oscar in der Kategorie Beste Regie nominiert sind, auch in der Kategorie Bestes Drehbuch (adaptiert oder Original) nominiert. Was nichts anderes heißt als: Der Auteur ist zurück. Und das finde ich sehr schön.

Ich hätte ja noch dutzende Facts und Stats, aber ich glaube abgesehen von mir interessiert das niemanden soo sehr, harhar. Morgen gibts ein anderes Thema, versprochen.

P.S. Ah ja, Votivkino hat mich schon prophylaktisch erhört und bringt Sinners im Rahmen des Black History Month. Hey Gartenbau, bei euch geht auch noch was! Harhar.

Awards-Season

That time of the year:

Wenn man Film und Filmpreise ein bisschen verfolgt, weiß man in vielen Fällen schon, was da ungefähr auf einen zukommen wird, an Nominierungen (morgen: die Oscars). Aber jeder wünscht sich insgeheim auch, dass es irgendwo eine Überraschung gibt, dass jemand nominiert wird, der einen total überzeugt hat, aber bei den bisherigen Awards und Nominierungen übersehen wurde.

Vor einigen Tagen hat sich auf X eine Fanbase von Tânia Maria gebildet, einer 79 jährigen brasilianischen Schauspielerin, die quasi vor sieben Jahr in diesem Job angefangen hat harhar. Filmkritiker Brian Rowe schreibt: “One of the most inspired shocker Oscar nominations that could happen (..) is Tânia Maria in Best Supporting Actress for The Secret Agent.” Und er hat recht. Kaum erscheint sie auf der Leinwand hat man das Gefühl, es mit einer realen Person zu tun zu haben. Einer schrulligen Südamerikanerin in Blümchenkleid mit Flip Flops, die permanent eine Zigarette zwischen Fingern hat. Sie spielt eine Pensioniswirtin für Menschen, die zu Außenseitern geworden sind, die vor irgendetwas oder irgendjemanden flüchten. Sie ist warmherzig, aber auch herb, sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, sie hat schon alles im Leben gesehen, nichts kann sie schockieren. Und es ist ihr komplett egal, was andere von ihr denken.

Die Chancen, dass sie nominiert wird, sind jetzt nicht wahnsinnig groß, das “Campaigning” für sie hat spät angefangen und sie ist auf keiner großen Prediction-Seite gelistet, wenn ich das recht überblicke. Andererseits hat The Secret Agent gerade ein enormes Momentum. Und in der Kategorie Beste weibliche Nebenrolle gibt es nur zwei sichere “Fixstarterinnen”, nämlich Teyana Taylor (One Battle After Another) und Amy Madigan (Weapons), wobei ich hoffe, dass Inga Ibsdotter Lilleaas (Sentimental Value), auch dabei sein wird, meine Lieblings-weibliche-Nebenrollen Performance dieses Jahr. Jedenfalls ist es aber eine Kategorie, die relativ volatil ist, in den anderen Kategorien sind meistens mindestens vier Plätze schon “sicher”.

Ich glaube, irgendwo recherchieren Journalisten zur Sicherheit schon, wann das früher mal passiert ist. Da kann ich helfen, das letzte Mal ist gar nicht so lange her, Andrea Risborough wurde 2023 out of the blue für To Leslie nominiert, da gabs damals aber eine Kontroverse. Auch Marcia Gay Harden in Pollock war bei den größeren Filmpreisen vor dem Oscar völlig ignoriert worden und gewann 2001 dann sogar. Soviel zu meinem unnützen Oscar-Wissen, harhar. Aber es ist doch auch mal schön, sich mit solchen sinnlosen Dingen zu beschäftigen.

Ich würds ihr jedenfalls gönnen.

“Asiatisches” Wochenende

Am Freitagabend hab ich über die Stränge geschlagen und mir einfach so ein Buch fürs Wochenende gekauft, ich bin so oarg. Harhar. Und zwar das, was ich das Wochenende davor beim Morawa angelesen habe, Han Kang – die Nobelpreisträgerin von 2024 und das Buch Deine kalten Hände.

Ich bin in den Garten gefahren, habe mich in meine Leseecke oben gesetzt. Jemand hat früher einmal zu mir gesagt, als der Stock noch nicht eingerichtet war, ich werde schon spüren, was hierhin kommen soll. Und ich habe irgendwann gespürt, nachdem das Leben mich vollkomen durchgeschüttelt hat, es soll eine Leseecke sein. Jetzt finde ich sie so gemütlich. Jedenfalls habe ich am Freitag die Stehlampe eingeschaltet, habe mir was zum Trinken und Naschen geholt und habe gleich mal hundert Seiten gelesen.

Sanftes Licht in meiner Leseecke – dazu das wunderschöne Cover von Deine Kalten Hände

Es ist einfach so gut geschrieben und gibt einem so viel zum Nachdenken, bin hin und weg und auch bald fertig. Danach habe ich wie erschlagen mal wieder halbwegs gut geschlafen.

Am Morgen sah es dann so aus:

Glatt und hier sieht man noch die Weihnachtsdeko, die dann kurz drauf von mir entfernt wurde

Einer dieser Tage, in denen es gar nicht richtig hell wird. Ich war einkaufen und am Friedhof und habe weitergelesen, bis es Zeit war, ins Filmcasino zu fahren, zum Preview von Hamnet. Ich war wieder mal ein bisschen zu früh dran und bin in der Gegend herumgestreift, zu der ich wenig Bezug habe.

Haus vom Silberwirt

Ich mag das gerne, in Stadtvierteln herumgehen und zu überlegen, was sie ausmacht. Warum es sich zwei Straßen weiter schon ganz anders anfühlt, anders riecht, die Menschen einen anderen Gesichtsausdruck haben. Die Gegend um das Filmcasino, so mein erstes Fazit, besteht aus einigen Geschäften, die zahlreiche sonderbare Dinge anbieten, die schon ein bisschen älter sind, an der Grenze von geschmacklos und unendlich hip, harhar.

Total hübsche Plakatpräsentation im Filmcasino

Dann also ins sehr volle Kino. Was soll ich sagen? Ich hatte meine Vorbehalte und Regisseurin Chloé Zhao hat sie eindrucksvoll bestätigt, harhar.

Die Darsteller spielen sehr gut, aber als Film ist es absolut nicht meines, es ist so ein gewollter Tränendrüsendrücker-Naturmystik-Kitsch für mich, ja das klingt gemein. Aber ich habe vor einigen Tagen einen anderen Film einer Asiatin (Hikari) gesehen, Rental Family, durchausnicht unkonventionell, will nix neu erfinden, aber mit kleinen Indie- Einsprengseln, stringent und warmherzig erzählt, da sind mir fünfmal die Tränen gekommen, weil es einfach so schön war. Hier, obwohl als großer Film der Empfindsamkeit angekündigt, null. Es hat mich so wenig berührt, dass es schon wieder erstaunlich ist. Mehr zu beiden Filmen bald.

Heute dann spät mit dem Kind mittaggegessen, viel Arbeit aufgeholt, wieder gelesen. Und meinen besonderen Sonntagabendgedanken nachgehangen.

Showing Up

Wie schon kurz erwähnt, habe ich mir während der kleinen Kelly Reichardt-Retrospektive im Stadtkino ihren Film Showing Up angesehen.

Es geht hier um die recht introvertierte bildende Künstlerin Lizzy (Michelle Williams), die sich auf eine kleine Vernissage vorbereitet. Ein paar Tage in ihrem Leben werden porträtiert, das zwischen Erwerbsarbeit im Büro – sie arbeitet für ihre Mutter im administrativen Bereich der Kunstuni – dem täglichen Chaos mit ihrer Vermieterin und Freundin Jo (Hong Chau), die ebenfalls Künstlerin ist, einer verletzten Taube, sowie dem “Crashout” ihres Bruders Sean (John Magaro) und die Gespräche mit ihrem Vater (Jude Hirsch) oszilliert.

Kelly Reichardt ist bekannt für ihr sehr, sehr kontemplatives Tempo des Filmemachens. Sie nimmt sich ganz viel Zeit dafür, im Grunde genommen ziemlich wenig zu erzählen. In ihrem letzten Film The Mastermind hat das vor allem wegen Josh O’Connor funktioniert. Showing Up aus dem Jahr 2022 hat da schon mehr interessantes Personal und hat so einen schönen leisen Witz, dass mich dieser Film wirklich einfach nur glücklich gemacht hat, harhar.

Nämlich, was ich so toll daran finde. Sie stellt diese Art von Künstler-Community dar, die man eh schon irgendwie “kennt”. Leicht neurotische, sonderbare, oft auch depressive Menschen, die sehr viel Nabelschau betreiben und sich auf gewisse Weise für den Mittelpunkt der Welt halten. Aber sie tut das nicht, wie man es auch kennt, auf so eine sehr überzeichnete, karikatureske Art und Weise, sondern Reichhardt hat ganz viel Verständnis für ihre Figuren, ohne ihre manchmal auch überbordernde Schrulligkeit und Selbstgerechtigkeit dabei zu sehr zu “entschuldigen”. Es gibt eine sehr tolle Szene, in der sich Lizzi bei Jo beschwert, dass das Warmwasser in ihrer Wohnung sein Tagen nicht funktioniert, und sie sich doch gerade auf ihre Ausstellung vorbereitet. Jo hängt inzwischen einen Autoreifen an einen Baum, warum wird nicht erörtert (ist das auch ein Kunstprojekt?) schaukelt und erklärt Lizzi, sie hätte gerade so viel zu tun, sie habe sogar zwei Ausstellungen “which is insane!”. Die ganze Szene hat irgendwie so eine unaufdringliche Komik und Hong Chau mag ich so gerne, sie hat so viel Charisma, gleichzeitig denkt man aber auch, jetzt nimm dich halt nicht so wichtig harhar.

Auch Michelle Williams mag ich sehr, finde aber besonders erstaunlich, wie sie hier agiert. Als komplett graue Maus, mit einer recht eigenwilligen Auffassung von Mode, fast ganz in sich gekehrt, aber total glaubwürdig. Man könnte ihr hier stundenlang zuschauen, wie sie ihre Keramik bemalt, keine Ahnung warum das irgendwie interessant ist, aber es hat etwas mediatives. Im gleichen Jahr hat Williams übrigens in The Fabelmans für mich überraschend furchtbar gespielt und nachdem ich jetzt Showing Up gesehen habe, der unmittelbar vorher gedreht wurde, bin ich überzeugt, dass wirklich sehr eigenartige Regieanweisungen von Steven Spielberg gekommen sein müssen, weil sie kann spielen.

Showing Up jedenfalls ist ein wunderschöner kleiner Film, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Eternity

Einer der Filme, die ich am Wochenende gesehen habe, war Eternity.

Die Prämisse ist total interessant. Das alte Ehepaar Joan und Larry stirbt fast zeitgleich und trifft sich in einer Art Vorzimmer des Himmels wieder. Dort wartet aber schon – seit 67 Jahren – Joans erster Ehemann Luke, ihre große Liebe, mit dem sie aber nur kurz verheiratet war, bevor er im Korea Krieg getötet wurde. Er möchte mit ihr die Ewigkeit verbringen, genauso wie Larry, mit dem sie eine große Familie hat. Joan muss sich nun nicht nur für ihre persönliche Ewigkeit entscheiden, sondern auch, mit wem sie den Rest ihres äh Todes zusammensein möchte…

ACHTUNG IMMENSE SPOILER

Zunächst mal fand ich es sehr lustig, dass der Vorraum oder das Hotel zur Ewigkeit – früher nannte man es Fegefeuer harhar – durch und durch kommerzialisiert ist und den Gesetzen unserer kapitalistischen Gesellschaft folgt. Wie bei Netflix gibt nämlich eine schier endlose Auswahl an “Programmen”, die recht marktschreierisch beworben werden, wie man weiterexistieren kann. Es gibt auch einen Afterlife Coordinator. Man kann einen immerwährenden Strandurlaub ebenso wählen wie eine Holzhütte am Berg. Man kann auch etwas extravaganter sein, etwa die Ewigkeit im Museum verbringen oder, meine absolute Lieblingsidee, in der “Weimar World”. Also im Deutschland der 1930er Jahren, aber ohne Nazis, wie betont wird harhar.

Der Film ist irrsinnig kreativ im Set-Design und er hat so viele originelle Ideen, dass man in zahlreichen Szenen weiß, man versäumt jetzt auch einiges, weil man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann. In jeder Welt gibt es auch die sogenannten “Archives”. Das ist so etwas wie ein Kino der eigenen Vergangenheit. Hier kann man einen Spaziergang machen und die Meilensteine des Daseins, beispielsweise sein erstes Date oder die Geburt eines Kindes nocheinmal erleben. Schön ist auch, als Joan (Elisabeth Olsen) einmal (verbotenerweise) hinter die Kulissen blickt und da die eher traumatischen Aspekte ihres Lebens nochmal aufflackern sieht. Also das, was man mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat.

Weniger gelungen fand ich die Geschichte an sich, oder sagen wir so, das fand ich insgesamt fast etwas zu konventionell. Auf letterboxd schrieben manche: Where is Luca Guadagnino when you need him? In Anspielung darauf, dass Guadagnino im Film Challengers quasi eine Dreiecksbeziehung zwischen zwei Männer und einer Frau schildert, die tatsächlich in alle Richtungen geht harhar. Das würde das Problem vielleicht wirklich lösen.

Während des Films habe ich eine Theorie entwickelt, die aber entweder falsch ist oder bewusst nicht auserzählt wird. Wenn man hier stirbt, kommt man nämlich in dem Alter seines Lebens zurück, in dem man am glücklichsten war. Was ja in gewisser Weise ein Indikator für Joans Entscheidung sein könnte. Das bemerkenswerte ist, dass Joan (Elisabeth Olsen) anfangs übel ist, und sie sich noch darüber wundert, dass man das als Tote auch erleben kann. Ungefähr eine Stunde später erzählt dann Clark (Miles Teller), dass er sich immer als “Trost” empfunden hat und es wenige Momente gab, in denen er wirklich das Gefühl hatte, sie wären eine Einheit gewesen. Einer davon war bei einem Abendessen in eine Restaurant, als Joan gerade mit dem zweiten Kind schwanger war. Ha! Übelkeit, nicht? Aber wie gesagt: es wird nicht aufgelöst.

Auch sonst regt Eternity sehr zum Nachdenken an. Vielleicht hat man selbst den Traum, irgendwie ewig zu existieren, aber wäre das möglicherweise vielleicht auch auf Dauer einfach auch sehr, sehr fad? Harhar. Einmal ein erfrischend anderer Ansatz.

The Magic of Cinema

Heute Nacht wurden die Golden Globes verliehen.

Ich habe es mir nicht angeschaut, einerseits, weil es nirgends übertragen wurde harhar, aber auch, weil ich die Befürchtung hatte, mich nur ärgern zu müssen, weil viele Schauspieler sich nicht an dem orientieren, was Ricky Gervais in seiner wirklich genialen Anmoderatorin der Globes 2020 zu den Anwesenden gesagt hat: “If you do win an award tonight, do not use it as a platform to make a political speech. You’re in no position to lecture the public about anything. You know nothing about the real world. Most of you spent less time in school than Greta Thunberg” harhar, immer wieder grandios.

Sehr schön fand ich aber dann heute die Rede von Stellan Skarsgård, der sich daran gehalten hat und trotzdem oder deswegen etwas wunderbares gesagt hat. Skarsgård wurde in der Kategorie “Bester Nebendarsteller” für meinen Lieblingsfilm 2025, Sentimental Value, der übrigens auch der Lieblingsfilm von Paul Thomas Anderson war, ausgezeichnet. By the way habe ich heute den Nachbarn getroffen, der auch viel ins Kino geht und er meinte zu mir, er würde ja nie im Kino weinen, aber jetzt hat er Sentimental Value gesehen harhar…na jedenfalls sagte Skarsgård, er freue sich, dass so ein kleiner norwegischer Film, ohne viel Geld für Marketing hier vertreten ist und ihn so viele sehen. Außerdem:

“And hopefully, you’ll see it in a cinema. Because they are an extinguished species now. In a cinema, where the lights go down and eventually you share the pulse with some other people. That’s magic. Cinema should be seen in cinemas”

Hach ja, wie schön schnüff. Solche Reden wollen wir hören, genau solche.

Winterwochenende

Dieses Wochenende wars so kalt, die Arbeit stapelt sich ohnehin und das Kind war auch auswärts, so hätte ich zwei Tage nur daheim am PC sitzen können. Habe mich dann aber doch anders entschieden. Ich war an beiden Nachmittagen im Kino harhar. Und zwar im Filmhaus am Spittelberg.

Ich habe einen “geheimen” Weg entdeckt, zwischen dem Kino…

Wokes Kino, aber gemütlich harhar

…an der Benko Ruine vorbei:

Das war notwendig, dafür das alte Leiner Haus abzureißen, oder?

…zum Morawa (am Samstag)…

Recht angetan von meinen kurzen Leseproben dieser Literaturnobelpeisträgerin

…bzw. Vapiano, heute

Zu gierig bzw. um 15.30 zu hungrig für ein “vorher” Foto harhar

Schön wars, gemütlich wars und hat meiner “Mental Health” sehr gut getan. Zum Arbeiten hatte ich auch noch genug Zeit.

Dazwischen zwei Highlights:

1.) Kind kommt für 30 Minuten heim. Ich so: Das hat sich jetzt aber nicht ausgezahlt! Kind so: Ich wollte dich sehen. Ich: Ok, was ist der echte Grund? Kind: Ja wirklich, deshalb. Ich: Ohhh! Harhar.

2.) Wieder ein wunderschöner, komplett unrealistischer Traum letzte Nacht. Und auch wenn ich das weiß, habe ich es auch diesmal einfach genossen, jemanden zu sehen und mit jemandem so zu reden wie früher, mich genauso zu fühlen, wie damals, neben ihm.

Gutes Wochenende.