almis personal blog

Palmsonntag

Am Freitag fand die allerallerletzte Schularbeit statt (Mathe) und das Kind und ich so: Yeah super, Party. Und dann dachte ich an die Friends Folge The One Where Rachel Has a Baby, Part 1, wo bei Rachel die Fruchtblase platzt und Ross fährt mit ihr ins Krankenhaus und sagt dort ganz erleichtert: “We made it! From home to the hospital in seven minutes”. Und sie ganz trocken: “The hard part is truely over” Harhar. Genauso ist es jetzt irgendwie. Die achte Klasse quasi beendet und jetzt kommt halt eh “nur” noch die Matura.

Am Samstag kam dann die Freundin vom Kind und wir haben Hitster Guilty Pleasure gespielt, was ich ja zum Geburtstag bekommen habe. Hier darf man ein Startjahr ziehen und dann werden Songs vorgespielt und man muss immer raten, entstand der jeweilige Song davor oder danach. Am Anfang leicht, aber wenn dann schon 15 Jahre liegen, wirds knifflig. Aber es war sehr lustig.

Danach bin ich in den Garten gefahren, wo die “Kids” dann abends auch wieder auf Besuch waren. Und ich so: Ich plane nächste Woche fünfmal ins Kino zu gehen. Und habe dann allen erzählt, was ich mir anschauen will, und manche Filme sind nicht auf großes Interesse gestoßen, sage ich mal so harhar.

Heute ging es dann gleich los mit Blue Moon von Richard Linklater und was soll ich sagen, er war gleichermaßen lustig, klug und melancholisch. Das habe ich echt nicht erwartet, dass dieser Film mich so berühren wird. Aber es war so. Bald dann mehr.

Beim Heimgehen dann den blühenden Magnolienbaum bewundert:

Wetter zwar nicht gut, trotzdem ein schönes Foto, finde ich

Ein guter Start in die Osterferien. Ich werde nicht nichts arbeiten (müssen), aber etwas gemütlicher wird es schon zugehen.

Vielseitig einsetzbar

Apropos Musik – vor einigen Tagen habe ich den Film Miroirs No. 3 von Christian Petzold gesehen, und Petzold tut da etwas, was ich persönlich nicht so gerne mag. Er nimmt ein für den Film zentrales Musikstück, das “man” bereits als zentrales Musikstück aus einem anderen Film kennt. Dieses Stück heißt Une barque sur l’océan und stammt aus dem Liedzyklus Miroirs von Maurice Ravel. Und es ist sooo schön (traurig). Es kommt aber eben ziemlich prominent schon in ja tatsächlich einem meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre Call me by your Name vor. Und nicht nur das, in beiden Filme wird relativ viel Rad gefahren und zwar am Land und das verwirrt mich noch zusätzlich. Wenn jetzt jemand bei Petzold in der Uckermark am Rad sitzt, muss ich dauernd an Sonne in der Lombardei und an (schon wieder) Timothee Chalamet denken, harhar. Und das war halt schon bissi sexier als die Uckermark sorry.

Etwas ähnliches ist erst vor kurzem in Hamnet passiert. Da hat Regisseurin Chloé Zhao sich offenbar gedacht, ich nehme ein Musikstück von Max Richter, nämlich Nature of Daylight, und füge es meinem eh schon relativ emotional manipulativen Tearjerker bei, weil, wie Pia Reiser es im fm4 Filmpodcast gesagt hat, dieses Lied übermittelt einem quasi einen Wein-Befehl. Nur hat man halt potentiell schon zehnmal vorher geweint, in Arrival, Shutter Island, The Handmade’s Tale und so weiter. Und da denke ich mir, ist es für mich als Regisseurin nicht reizvoller, ein Musikstück zu wählen, das noch keine dementspechende Vorgeschichte hat, sondern das ganz meinem Film “gehört”?

Ur schrecklich wurde In the Still of the Night in Scorseses The Irishman eingesetzt. Bitte zu diesem Lied haben Patrick Swayze und Jennifer Gray in Dirty Dancing geschmust und Scorsese nimmt es für einen Szene, die uns die Figur des gebrechlichen Robert di Niro in einem Pflegeheim vorstellt. Ich mein: Warum? Gut, vielleicht hat Scorsese nie Dirty Dancing gesehen, das kann ich mir sogar vorstellen. Sehr unpassend fand ich auch, dass das wunderschöne Let Go von Frou Frou aus dem tollen Film Garden State im recht schlechten “Erotik”thriller Deep Water verwendet wurde. Auch da: Warum? Passt auch null zu der Szene.

Umgekehrt hat der wirklich sehr bekannte Song Auld Lang Syne, der beispielsweise der Schlusssong in Harry und Sally am Silvesterabend ist, und der auch in Ist das Leben ist schön und in Forrest Gump vorkommt, den eher enttäuschenden Sex and the City Film ein bisschen gerettet. Auch hier wird es zu Silvester gespielt, als die traurige Carrie spontan Miranda besucht, die Szene hat mich vor allem wegen des Songs berührt.

Es gibt sicher noch mehr Beispiele, diese sind mir spontan eingefallen.

The Bride

Ich bin wieder mal aus meiner Komfortzone rausgegangen und habe mir The Bride angesehen. Eine Figur aus dem Frankenstein Umfeld, das mich ja bekanntermaßen nicht besonders interessiert, aber ich hatte die Hoffnung, dass die zweite Regiearbeit von Maggie Gyllenhaal, die man ja vor allem als Schauspielerin kennt, irgendwas ganz neues interessantes aus dem Stoff macht, im Gegensatz zu Guillermo del Toro erst kürzlich, der ja einen sehr klassischen Zugang gewählt hat.

Worum geht es also? Zunächst spricht Frankenstein-Autorin Mary Shelley (Jessie Buckley) quasi meta-mäßig zu uns. Ihr zu früher Tod hätte verhindert, dass sie uns mehr über die Figur “The Bride” erzählt, die ja irgendwie nur als Fußnote vorkommt. Nun soll Abhilfe geschaffen werden. Wir befinden uns mittlerweile, warum auch immer, im Jahr 1936. Frankensteins Monster (Christian Bale) ist einsam und sucht eine Gefährtin. Er wendet sich an die nerdige Wissenschafterin Dr. Euphronious (Annette Benning) und bittet sie, die vor kurzem erst verstorbene Ida (auch Jessie Buckley) für ihn zum Leben zu erwecken…

SPOILER MÖGLICH

Im Kino hab ich merkwürdiges erlebt: Ich sah diesen Film im eher spärlich besuchten de France und hatte so viele Fragen, die permanent mehr wurden. Beispielsweise saß hinter mir eine junge Frau, die immer wieder einmal gelacht hat und ich habe mich jedes einzelne Mal gefragt, lacht sie, weil sie die Szene gerade witzig findet oder ist es ein ironisches Meta-Lachen. Und ich finde, das sagt schon recht viel über den Film aus.

Während Christopher Nolan aus dem Stoff rund um die Comicfigur Batman einen extrem starkes, dreiteilige Neo-Noir Drama gemacht hat, dass nur noch mit genauem Blick als Genrewerk zu erkennen ist, geht Gyllenhaal (die übrigens in eben dieser Nolan Trilogie mitgespielt hat) quasi den umgekehrten Weg und macht aus dem dunklen Frankenstein Stoff eine schrille und stark überzeichnete Graphic-“Novel”. Das ist irgendwie reizvoll, irgendwie lädt es aber auch dazu ein, den Film von der humoristischen Seite aus zu rezipieren, was ja okay wäre, sich aber damit beißt, dass der Film sich selbst oft so wahnsinnig ernst nimmt. Etwa in seinem, sagen wir, 1990er Jahre Feminismus, in dem es vor allem darum geht, wessen fu***** Bride Buckley nun sei, also wem sie “gehöre” und anderen formale Spitzfindigkeiten. Als Dr. Euphronius die Bride zum Leben erweckt und ihr Frankensteins Monster quasi als Love Interest schmackhaft machen will, meint the Bride: “Then why don’t you marry him?” Ich finde das eine durchaus berechtigte Frage.

Gyllenhaal mixt hier (zu)viele verschiedene Elemente zusammen: Es gibt einen Subplot um einen Mafiaboss, der Frauen die Zungen aus dem Mund schneidet, und dem das Handwerk gelegt werden soll. Es gibt die Stimme von Mary Shelley aus dem Off, die irgendwo zwischen semantisch-philosophischer Auslotung von Sprache und extremer Wortfindungsstörung changiert. Und es gibt das Detektivpaar Myrna (Penelope Cruz) und Jake (Peter Sarsgaard), das ein einziges 1930-er Jahre Klischee in Aussehen, Habitus und Funktion ist, mir als Element aber, dank der guten Chemie der beiden Schauspieler miteinander, dennoch am besten in diesem Film gefallen hat. Während Christian Bale, der zweifellos ein toller Darsteller ist, hier komplett verloren erschien, so als wisse er auch nicht genau, was er hier eigentlich macht.

Fazit: Während die erste Regiearbeit von Gyllenhaal, The Lost Daughter, ein sehr ruhiger, durchaus auch ein bisschen sperriger Indie-Film war, den ich persönlich ziemlich gerne mochte, überhebt sie sich hier sowohl im Genre und auch in der Thematik. Ihre Begabung schimmert aber immer wieder durch. Ich hoffe, sie macht weiterhin Filme, gleichzeitig muss es aber nicht noch mal ein Comic-Zugang sein finde ich, harhar.

Schöner Tag

Heute war ein schöner Tag. Wenn man wissen will, was bei mir ein schöner Tag ist – also da ist erstmal ein Arbeitsmeeting am späten Vormittag (Ja! Neue Projekte!) Danach Essen bei Ikea, weil ich in der Nähe vom Westbahnhof war und weil ich die Kottbular mit Püree sehr gerne mag. Und die Mandeltorte. Und den Holundersaft – der dort wirklich immer rosa ist, warum? Will ich es wissen? Harhar.

Weil die Sonne so schön gescheint hat, bin ich dann noch kurz rauf, aufs Ikea-Dach und hab ein Foto gemacht. Zwar ein toller Foto Spot, aber es sind immer zu viele Säulen im Weg.

Danach gings Richtung de France Kino, und weil noch etwas Zeit war, obwohl ich die ganze Währingerstraße zu Fuß hinuntergegangen bin, war ich einen Sprung im Thalia, um nach neuen Büchern zu schauen:

Buchtitel: so wichtig! Hier gleich ein paar interessante.

Und danach, quasi um die Ecke, ins De France:

Habe mir The Bride angesehen, aus zwei Gründen. 1. Regisseurin Maggie Gyllenhaal. 2. Die ur schlechten Kritiken. Harhar. Wie hat er mir gefallen? Werde ich bald erzählen.

Auf der Heimfahrt hab ich etwas gelesen, was mir sehr gut getan hat. Und zwar wurde Ethan Hawke bei den Oscars gefragt, was er zu unerwiderter Liebe sagt – sein neuer Film Blue Moon beschäftigt sich offenbar damit. Er sagt nämlich erstaunlicherweise: “The one who is in love always wins. When you are feeling, you are alive. The sun does not care whether the grass appreciates the rays. It just keeps shining.”

Schön zu hören, dass es keinen Grund gibt, sich dafür zu schämen. Danke Ethan.

Post-Oscar

Okay, ich nehme zur Kenntnis, dass die Academy nicht meiner Meinung ist, was Sean Penn betrifft.

Wenigstens war er nicht anwesend, um eine politische Rede zu halten harhar. Ich wollte schon den Witz machen, dass er sicher bei Selensky sei, da lese ich heute, er ist tatsächlich in Kiew. Give me a break! Aber obwohl ich ihn nicht sonderlich mag, fand ich auch eher weird, dass ein anderer der nominierten Personen in dieser Kategorie, Delroy Lindo nämlich, nicht mal geklatscht hat, als Penns Name als Gewinner vorgelesen wurde. Aber Timothée Chalamet ist dann immer der schlechte Verlierer, oder wie? Der übrigens seinem Konkurrenten heute sehr freundlich applaudiert hat. Ich entwickle mich immer mehr zu seiner Verteidigerin kommt mir vor, harhar.

Das Opening der Verleihung fand ich recht witzig, in dem Moderator Conan O’Brien in Verkleidung der gruseligen Aunt Gladys (aus dem Film Weapons) durch viele der nominierten Filme im wahrsten Sinne des Wortes via Montage stolpert. Da freut man sich dann immer, wenn man alles gesehen hat, dass man auch alles wiedererkennt. Unter anderem sitzt O’Brien dann Stellan Skarsgard gegenüber bzw. wurde halt in die Szene editiert und spricht norwegisch. Am Ende sagt er, auf Norwegisch: “I can’t believe I learned Norwegian for this” Auch sein Witz in Richtung Timontee Chalamet, dass die Security erhöht werden mussten, weil Opern- und Ballettverbände sich quasi radikalisiert hätten war witzig, besonders die Anmerkung: “They’re just mad you left out Jazz”.

Das In Memoriam Segment war heuer gigantisch ausführlich und quasi viergeteilt, weil Diane Keaton, Robert Redford und Rob Reiner (und seine Frau Michelle) noch eine eigene Würdigung erhalten haben. Letztere wurde übrigens von Billy Crystal auf eine Art und Weise vorgetragen, die ich als Mensch der Schrift, weniger des Wortes, echt bewundere und wo ich mich wieder erinnern kann, warum er so ein guter Oscar Host war. Er sprach frei, so als würde er das Ganze gerade in diesem Augenblick improvisieren, es war rührend, ohne aber irgendwie pathetisch zu sein, man war in keiner Weise unangenehm berührt und das wäre auch gut möglich gewesen, weil ihr Tod ja kein “normaler” war.

Ansonsten gabs natürlich schon ein paar peinliche Momente und diskussionswürdige Begebenheiten, aber das ist eh jedes Jahr so. Insgesamt wurden die Preise aber relativ harmonisch über das Feld verteilt, ich bin dann aber irgendwann eingeschlafen, harhar.

Gerne lese ich auf Social Media nach, das fand ich besonders witzig:

Und gerne schaue ich mir auch schon die ersten Predictions für die Oscars in einem Jahr an, harhar.

Freut euch mit mir auf die neue Season!

Pre-Oscar

Heute noch schnell gediegen bei Wolfgang Puck in Los Angeles mittaggegessen…

…na gut, es war doch eher Drei Linden am Rosenhügel, harhar. Aber es war sehr gut!

Und:

Ich habe jetzt 10/10 Filmen, die in der Kategorie “Best Film” nominiert sind gesehen, also in Worten alle! Harhar. Das wäre vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Da kamen die Filme teilweise erst Monate nach den Oscars bei uns ins Kino, wenn überhaupt. Wobei ganz stimmt es nicht: Frankenstein und Train Dreams waren nur in Einzelvorstellungen zu sehen. Solche Filme – auch wenn ich die beiden jetzt nicht so besonders mochte – gehören auf eine große Leinwand und zwar nicht nur einmal.

Ich habe auf Uncut auch meine Oscar-Prognose abgegeben, aber sind wir uns ehrlich, das ist heuer ein reines Ratespiel. Außer beste Hauptdarstellerin sind alle großen Kategorien mehr oder weniger offen. Die Erzählung, dass Timothée Chalamet mit seinen Aussagen zu Ballett und Opern seine Chancen geschwächt hat, sind auch Schwachsinn, er sagte das am letzten Tag der Abstimmungsfrist. Und außerdem soll man ja seine Leistung beurteilen und nicht, wie sehr man mit seinen Ansichten übereinstimmt oder wie sympathisch er einem ist.

Da rede ich natürlich wieder groß, obwohl ich ja auch damit kämpfe, dass ich Sean Penn so überhaupt nicht (mehr) leiden kann und ihn in One Battle After Another dann auch nicht besonders gut fand, obwohl der Film insgesamt toll war. Und dann kommt er eh nicht und/oder schenkt Selensky seinen Oscar. Die Frage ist trotzdem, find ich ihn nicht so gut, weil er mir auf die Nerven geht? Oder kann ich (halbwegs) objektiv sagen, dass die anderen in der Kategorie besser waren? Jedenfalls stehe ich nicht alleine mit meiner Meinung:

Und jetzt bleib ich noch ein bisschen auf.

A Summer Place

Der Trailer zum neuen Kristoffer Borgli Film The Drama ist grandios.

Borgli, der Meister der tollen Prämissen, die dann nicht aufgehen, harhar, has done it again. In The Drama geht es um ein junges Paar, das kurz vor seiner Hochzeit steht. Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Paar erzählt jeder etwas bisher Geheimes von sich. Das ist anscheinend lustig, etwas peinlich bis leicht unangenehm. Aber dann ist die Figur, die Zendaya spielt, an der Reihe und sagt etwas offensichtlich so Arges, dass die Stimmung kippt und alle erschüttert sind. Nach diesem Trailer bin ich einfach nur ur neugierig, und ich hoffe, Borgil versaut es nicht wieder. Harhar.

Was aber nebenbei noch interessant ist, in diesem Trailer kommt der Song A Summer Place vor. Da musste ich an meinen Papa denken. Er hatte die Platte und hörte sie oft. Und ich dachte daran, wie ich mich in den letzten Jahren meistens an ihn erinnert habe, mit einem gewissen Schmerz. Ich dachte fast nur noch an ihn als so etwas wie ein ungelöstes Rätsel, als Leerstelle, als jemand, der am Ende seines Lebens nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, ich sag es mal so hart. Ich dachte an seine Witwe, mit der ich beim Notar gestritten hatte – harhar, das könnte ich tatsächlich von ihm haben, er hat sich gern aufgeregt – bis sie dann eingestanden hat, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich habe mich dafür bedankt, dass sie mir das gesagt hat. Ich denke, ich bin einfach nicht der Mensch geworden, den er sich vorgestellt hat. Das ist sehr lange schmerzhaft gewesen, bis es dann eines Tages gar nichts mehr mit einem macht. Ich glaube, das nennt sich Akzeptanz. Ich habe meine Perspektive gewechselt. Ich mag nicht mehr kämpfen.

Jedenfalls hat mich dieses Lied daran erinnert, wie mein Papa auch sein konnte. Sehr lustig nämlich, er konnte super Geschichten und Erlebnisse (nach)erzählen, das haben mir manche auch bei seinem Begräbnis versichert, dass sie sich so an ihn erinnern. Er konnte gut kluge und ziemlich provokante Dinge sagen und es gab natürlich auch viele helle Momente zwischen uns, so hell wie dieser Song. Ich freue mich wirklich, dass mich dieser Trailer daran erinnert hat.

Oscar Countdown

In einer Woche findet die Oscarverleihung statt.

Nächstes Wochenende gibt es im Votiv und Gartenbaukino die Tage der nominierten Filme, nämlich die, die für “Best Film” nominiert sind. Und ich denke mir ja eh cool, aber ich habe halt alle schon gesehen. Und dann fällt mir ein: Halt, nein. Ich habe nicht alle gesehen. Mir fehlt immer noch F1 *hüstel*, der natürlich weder in dem einen noch im anderen Kino läuft. Ich muss den jetzt in den nächsten Tagen trotzdem noch irgendwo per Streaming halt in meinen Zeitplan reinquetschen.

Ja, wir haben immer noch eine gewisse Spannung im Szenario One Battle After Another versus Sinners (auf “deutsch”: Blood & Sinners). Mir haben ja beide Filme gefallen, wie heuer generell recht viel, im Gegensatz zu Wolfgang M. Schmitt, der auf Youtube den Kanal Filmanalyse hat (unbezahlte Werbung). Er findet nämlich, es sei ein eher schlechter Jahrgang. Aber gar nicht wegen F1, den er partiell lobt, vor allem seine Kameraarbeit, und der natürlich tatsächlich eh keine Chance auf den Oscar in dieser Kategorie hat.

Nein, Schmitt mag zum Beispiel – wie ich auch – Frankenstein von Guillermo del Toro gar nicht und hat das so gut formuliert, dass ich schon wieder fast neidisch bin, denn er sagt: “Del Toro nutzt die Frankenstein-Geschichte, um einmal mehr seinen Jahrmarkt der Kuriositäten und des Krimskrams (da musste ich sehr lachen!) aufzubauen. Vollgestopft ist jedes seiner marktschreierischen Bilder. Das ist keine Kunst und unterhaltsam ist es auch nicht”. Harte Worte, die aber nicht unzutreffend sind. Aber ich bin sowieso nie die Zielgruppe für solche Blut und Boden Werke, wie ich sie nenne. Ich habe es schon am liebsten, wenn ein Film in unserer heutigen Welt spielt und am besten irgendwas mit Künstlern, Liebe, (Familien)beziehungsproblemen zu tun hat, mit gewissem Humor erzählt ist, aber in der Sache hart ohne dabei bitter zu sein – mit anderen Worten: so etwas wie Sentimental Value, harhar.

Das ist natürlich fast Ragebait. Andererseits ist es schon wieder so übertrieben “offensive” von Chalamet zu behaupten, niemand interessiere sich mehr für Oper und Ballett, dass ich darüber lachen musste und wie gesagt, mir ist sowas lieber, als wenn Schauspieler ihre geopolitischen Einlassungen von Stapel lassen. Die mit den Katzen ist übrigens Jessie Buckley, sie hat ihrem Freund das Ultimatium gestellt: Ich oder die Katzen.

Was in den nächsten Tagen in der Bubble auch noch diskutiert wird: Geht der Oscar an Menschen, für das beste Schauspiel oder für das meiste Schauspiel. Oft ist es eher letzteres, deshalb wird Sentimental Value wohl auch leer ausgehen.

Father Mother Sister Brother

Wie erwähnt, habe ich am Wochenende den jüngsten Film von Jim Jarmusch namens Father Mother Sister Brother gesehen, für den er voriges Jahr mit dem goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde. Übrigens ein Jahr nach Pedro Almodovar und das Witzige ist, ich habe beide Regisseure in den letzten 30 Jahren quasi begleitet, ich kenne fast alle Filme von beiden.

Father Mother Sister Brother ist ein Triptychon oder anders gesagt ein dreiteiliger Episodenfilm. Im ersten Teil wird ein Vater von seinem erwachsenen Sohn und seiner Tochter besucht, im zweiten Teil eine Mutter von den Töchtern. Der dritte Teil schließlich zeigt ein Zwillingspaar, das nach dem Unfalltod ihrer Eltern deren Wohnung räumen muss und über “Familienverhältnisse” nachdenkt…

Menschen, die Geschichten mit einem klaren Anfang und Ende, mit einer Aussage oder einer “Botschaft” mögen, waren mit Jim Jarmusch immer schon ziemlich schlecht bedient, obwohl er mit den Jahren schon zugänglicher und auch erheblich kommerzieller geworden ist. Seine ersten Filme sind ja weitgehend dialog- und handlungslos. Es geht aber nach wie vor sehr viel um Stimmungen, um Ungesagtes, um Dinge, die zwischen Menschen passieren, ohne, dass man diese so richtig fassen kann.

So ist die erste Episode, nämlich Father, zugleich voller leisem Witz, aber auch ziemlich unangenehm für den Zuseher. Weil dauernd nach einer Möglichkeit zur Kommunikation, zu Anknüpfung gesucht wird, dies aber schmerzhaft ins Leere läuft. Zu verschieden scheinen der akkurate Sohn Jeff (herrlich Adam Driver), die etwas verkniffene Tochter Emily (Mayim Bialik) und der “Hippie” Vater (Tom Waits) zu sein. Der Vater lebt irgendwo in der Pampa in einem heruntergekommenen Haus, scheint kaum Geld, dafür aber ein Alkohol/Medikamentenproblem zu haben. Alle Beteiligten haben irgendwie das Gefühl, sie müssten sich treffen und eine Art von Beziehung haben, tatsächlich sehen sie aber den Zeitpunkt herbei, in dem sie wieder ihr eigenes Leben führen können, in dem die “family relations”, auf die Tom Waits einmal anstoßen will – Driver daraufhin: “Can you toast with tea?” – keine Rolle mehr spielen müssen. Schön ist, dass diese Episode am Ende einen sehr unerwarteten Twist hat.

Auch die zweite Episode Mother erzählt von Entfremdung, wenn auch die Mutter (Charlotte Rampling) hier die Wohlhabende, nämlich eine Bestsellerautorin ist. Obwohl sie und ihre Töchter Lilith (Vicky Krieps, ich liebe ihre rosa Haare!) und Timothea (Cate Blanchett) alle in Dublin leben, sehen sie sich nur einmal im Jahr und wissen im Grunde nichts voneinander. Oder wie die Mutter am Anfang ihrer Therapeutin am Telefon sagt, sie freue sich zwar, die Töchter zu treffen, aber sie sollen “nichts aufwühlen”. Was sie damit meint, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls ist es ein Irrglaube, dass man sich mehr zu erzählen hat, wenn man sich sehr lange nicht sieht. Im Grunde bleiben da nämlich nur die großen Meilensteine des Lebens über, wie hier “Ich wurde befördert” – “Ich habe tausend neue Follower”. Die vielen kleinen Details, die ein Leben ausmachen, die Kämpfe im Alltag bleiben außen vor, die Geheimnisse sowieso.

Die dritte Episode erzählt (endlich) von einer guten Beziehung, die der Zwillinge Billy (Luka Sabbat) und Skye (Indya Moore). Aber da sind die Eltern eben gerade gestorben. Zynisch könnte man bemerken, dass ihr Fehlen mehr Harmonie erzeugt, als die Präsenz der Eltern in den vorigen Episoden. Aber auch hier gibt es Brüche und Leerstellen. Es gibt außerdem wiederkehrende Motive in allen Episoden, beispielsweise die Farbe rot, eine Uhr, eine rätselhafte Redewendung, aber was man als Zuschauerin daraus macht oder nicht, ist Jarmusch, denke ich, komplett wurscht, harhar.

Wie gesagt, es gibt kein Fazit, es gibt nur dieses Gefühl, das nachschwingt, das irgendwie mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen resoniert. Die Figur von Adam Driver spricht einmal die recht platte Weisheit aus, dass man sich Familie nicht aussuchen kann, und so banal es ist, es hat wie alles Konsequenzen und macht uns (auch) zu der Person, die wir sind.

März

Heute bin ich das erste Mal im Garten in der Sonne gesessen. Dabei habe ich mir San Remo Songs angehört, gestern war ja Finale, ich bin um Mitternacht eingeschlafen und da wars natürlich noch lange nicht aus. Habe mich sehr darüber amüsiert, wie man den Siegertitel von Sal da Vinci namens Per sempre sì in der Facebook ESC Gruppe beschrieben hat, nämlich als “1970-ziger Schmalz mit Heiratsschwindler Vibes”. Harhar. Das ist so treffend, da bin ich immer etwas neidisch, wenn mir so etwas geniales nicht einfällt. Jemand anderer meinte: Viel Spaß in Caorle 1981, auch hübsch.

Blick in den Garten am 1.März

Dabei gab es auch sehr viele sehr moderne Songs zur Auswahl, etwa mein diesjähriger Favorit vom Duo Fedez und Marco Masini: Male necessario, Pop mit soften Rap-Anteilen. Der Titel bedeutet so etwas wie “Notwendiges Übel”. Finde ich auch total interessant. Und im Song gehts dann ums Aufknallen auf dem Boden der Tatsachen in irgendeinem Hotelzimmer und man hat gleich tausend Bilder und Assoziationen im Kopf. Richtig schön melancholisch und kraftvoll.

Am späteren Nachmittag bin ich dann ins Kino gefahren und habe mir den neuen Jarmusch Father Mother Sister Brother angesehen. Beim Hinuntergehen der Währinger Straße sind mir viele Menschen mit Iran-Fahnen entgegen gekommen, anscheinend, wie ich nachgelesen habe, gab es eine Kundgebung am Heldenplatz. Es ging dabei aber sehr ruhig und zufrieden zu, eine angenehme Begegnung. Der Film war ein typischer Jarmusch, auch sehr angenehm und ruhig und wie immer bei ihm komplett unspektakulär. Muss man mögen und ich mag es seit 30 Jahren.

Votivkirche, so schön!

Den Abend mit Sonntagszeitungen und Korrekturlesen verbracht. Guter Sonntag.