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Marty Supreme

Marty Supreme heißt der erste Film von Josh Safdie, nach dem arbeitstechnischen Split von seinem Bruder Benny. Eine weitere Regiebrüder-Kollaboration, die zu Ende ging, nach den Zucker-Brüdern, den Coens (vorübergehend?), und den Wachowskis (sind jetzt Frauen!). Benny Safdie ist auch Schauspieler und war super in Oppenheimer. Sein Solo-Regiedebüt hatte er voriges Jahr mit The Smashing Machine, die Kritiken waren durchwachsen – ich habe ihn nicht gesehen. Marty Supreme dagegen hat neun Oscarnominierungen erhalten.

Der Film, in dem Timothée Chalamet in jeder Szene vorkommt, erzählt die halbfiktive Geschichte des aufstrebenden Tischtennisspielers Marty Mauser als eine Art Schelmenerzählung. Mit List, Frechheit und jeder Menge Selbstbewusstsein versucht er, sich aus prekären Verhältnissen in den 1950er Jahren zum Tischtennis-Weltmeister hinauf zu äh, schwindeln, nicht was seine Leistung betrifft, aber das Geld, um überhaupt bei Wettkämpfen antreten zu können, fehlt an allen Ecken und Enden…

SPOILER MÖGLICH

Was der Film mit The Wolf of Wall Street zu tun hat (den ich hasse) müsste mir noch jemand erklären…

Das ist schon sehr inspriert, was Safdie uns hier präsentiert. Ich habe in manchen Reviews gelesen: Schon wieder ein toxischer Mann, der in den Mittelpunkt gestellt wird. Nun polemische Anmerkung: vielleicht ist es nicht so unheimlich interessant, gendernden Veganern in ihrem politisch korrekten Alltag zuzusehen. Ich würde Marty auch gar nicht ans toxisch bezeichnen. Ja, er hat ein enormes Selbstbewusstsein bis hin zur Selbstüberschätzung, sonst hätte er aber auch absolut keine Chance auf sozialen und sportlichen Aufstieg. Ja, er tut “unmoralische” Dinge, wie im übrigen jeder in diesem Film (auch die Frauen). Aber es gibt einige Szenen, die Marty so zeigen, wie er vielleicht immer wäre, hätte er andere Voraussetzungen und wäre in ein Umfeld geboren, das ihn unterstützt und es sei nur ideell.

Auch Timothée Chalamet selbst wird vorgeworfen, dass er zum Größenwahn neigt. Weil er halt gern einen Oscar will und nicht der beste “Verlierer” ist, sagen wir so. Er sei unbescheiden, aber sind wir uns ehrlich, wohin bringt dich Bescheidenheit – gerade in Hollywood. Und mir ist das wirklich bei weitem lieber als er würde uns als x-ter Darsteller seine Einschätzung zum Gaza Konflikt mitteilen, harhar. Ich mag ihn als Schauspieler tatsächlich sehr. Ich liebe ja Call me by your name und er hat als Haupdarsteller keinen geringen Anteil daran. Er macht auch Filme bunter, in denen er nur eine kleinere Rolle hat, wie in Little Women – irgendwer schrieb damals, niemand könne sich gekonnter lässig auf eine Chaiselongue werfen als Chalemet. Und erst voriges Jahr hat er eine super Performance als Bob Dylan in A Complete Unknown abgeliefert, also ich mach nicht mit im Chalamet-dissen.

Marty Supreme ist ein atemloser Film. Dauernd passiert irgendwas, in einer extrem gut gefilmten Szene läuft Marty vor der Polizei weg, echt großes Kino, auch wenn es einfach nur eine Verfolgungsjagd ist. Die Musik hat einen großen Anteil, sie ist partiell anachronistisch. Was meine ich damit? Wenn die Protagonisten Musik hören, dann ist es solche der 1950er Jahre, wenn aber wir als Zuschauer Musik hören, die quasi über der Handlung liegt, dann hat Josh Safdie die Schönheit und transformative Kraft vom 80iger Jahre Pop erkannt und serviert uns Forever Young und Spoiler ganz am Ende Everybody wants to rule the World, was einfach so sehr das Marty-Mindset verkörpert, dass es fast wehtut. Ich werde von nun an immer ans Chalamets Gesicht denken müssen, wenn ich diesen Song höre.

Marty Supreme ist ein Film nicht über sondern mit Tischtennis, würde ich sagen. Bei letterboxd schrieb jemand, Safdie täte für PingPong, was Guadagnino in Challengers für Tennis tut. Ich denke, er tut mehr, weil Tennis von hausaus eh viel “größer” ist als Tischtennis. Marty Supreme hat auch großartige Nebendarsteller (Gwyneth Paltrow, die immer super ist, wenn sie nicht lieblich sein muss). Der Film macht einfach Freude – und er macht mich nicht so nervös wie sonstige Filme, in denen sich die Hauptfigur mehr und mehr in die Scheiße reitet. Der cineastische Genuss überwiegt eindeutig. No further notes.

Kunst ist größer

Wim Wenders hat bekanntlich versucht, die Berlinale zu “entpolitisieren”, was ich persönlich super fand.

Denn meines Erachtens geht es ja beim ESC kaum mehr um Musik, bei Olympia nicht um Sport und ja auch bei Filmfestivals nicht mehr um Filme, sondern vor allem um Empörung über was auch immer und darum, sich irgendwie positonieren zu müssen, natürlich exakt auf der “richtigen” Seite. Auch wenn man sich dazu außerstande fühlt, weil man die Materie zu wenig kennt, weil es zu komplex für eine Pressekonferenz wäre oder warum auch immer. Wenders ist sicher kein unpolitischer Mensch und es geht auch nicht darüber, politische Themen generell auszusparen, er wollte nur den “Bekenntniszwang” verhindern, denke ich, und wurde für die Aussage natürlich wiederum kritisiert ohne Ende.

Gestern ist ihm Nick Cave beigesprungen, der, finde ich, immer sehr kluge und reflektierte Worte zu solchen Dingen sagt und er sprach mir voll aus der Seele. Er erzählte vom Niedergang der Adelaide Writers Week und meinte, solche Festivals seine keine Orte des Diskurses mehr, sondern ” (…)”sucked down the sinkhole of a single monolithic ideology: one voice, one cause, one dissent.” Er meinte über Wenders: “Perhaps he also believes that art is more than the sum of its utility, it is more than a tool or a weapon. Maybe he believes, as I do, that at its core, great art exists purely for its own sake, and that at its most transformative it reveals itself subtly, ambiguously, and curiously”

Und, was ich am schönsten finde: “Perhaps his words will encourage artists to feel confident expressing how they truly see themselves, in all their radical complexity and diversity, to say: This is what I am. This is how I feel.”

Und wenn Nick Cave das hoffen kann, dann hoffe ich das auch. Die Welt mit Kunst größer machen, weiter und mutiger. Und das Publikum selbst denken lassen.

Wuthering Heights (danach)

Ich hab jetzt zwei Woche keine Reviews zu Wuthering Heights gelesen, ich wollte mir die Freude daran nicht nehmen lassen und ich ahnte, dass viele den Film hassen werden. Jetzt habe ich dann aber doch einen Blick auf die Stimmen von außen gewagt.

Zunächst finde ich diesen “Wie wirklich ist die Wirklichkeit” Aspekt sehr interessant. Denn sehr oft wird der Film mit der Buchvorlage von Emily Brontë verglichen und man könnte ja meinen, dass es zumindest hier einen Konsens gibt im Sinne von: Wird der Film der Vorlage gerecht oder nicht? Aber nein, selbst hier keine Einigkeit. Und daran muss ich immer denken, wenn Menschen die Komplexität des Lebens oder der sogenannten Wirklichkeit auf irgendwas alllgemeingültiges, universelles herunterbrechen wollen. Nein, so etwas wie eine gemeinsame Wirklichkeit gibt es tatsächlich nicht.

Ich persönlich finde, dass Fennells Film den Geist des Buches schon ganz gut transportiert, weil er vor allem aus Cathy und Heathcliff keine zwei wirklich liebenswerten Charaktere macht – da ist schon ganz viel der Ambivalenz des Buches enthalten. Klar fehlt die zweite Hälfte das Romans komplett und ein paar Figuren wurden eingespart. Ich finde aber die Konzentration auf die beiden Hauptakteure legitim.

Nach dieser philosophischen Betrachtung gleich in quasi medias res. Ich habe mehrmals gelesen, der Film wäre eine Art Softporno. Also no offense, aber liebe Leute, die ihr das meint: Habt ihr schon mal einen Softporno gesehen? Die Minimalanforderung wäre da nämlich, dass irgendjemand nackt ist, vorzugsweise sogar alle Beteiligten, aber das höchste der Gefühle in Wuthering Heights ist, dass Jacob Elordi verschwitzt ohne Oberbekleidung im Stall arbeitet. Natürlich nützt Fennell da ein bisschen die Groschenroman Klischees, auch was das Dekolleté von Margot Robbie angeht. Aber tatsächlich sehen wir hier so gut wie nichts, es vor allem eine Erotik der Blicke, der Worte, des Mangels und der Auslassung, die uns Fennell da präsentiert. Ist das manchmal “anstößig”? Na und ob! Und das ist gut so. Harhar

Ich mag, mit wie viel Spaß sich viele Kritkerinnen und Kritiker mit diesem FIlm beschäftigen, selbst dann, wenn sie ihn ganz offensichtlich nicht mögen. Da gibt es im Guardian den Titel Too hot, too greedy Adaptation guarantees bad dreams in the night – das bezieht sich auf den gleichnamigen Song von Kate Bush; und Pia Reiser von FM4 kommt gleich zur Sache, und gibt ihrer Kritik den nicht unzutreffenden Titel Die Sturmhöhepunkte. Im Podcast hat sie gesagt, das Filmjahr könnte schon zuende sein, sie ist vollkommen zufrieden harhar. Die britische Vogue stellt gleich Mal 45 Fragen “After watching Wuthering Heights” unter anderem: Frage 9: Edgar’s actually kinda sweet? Frage 13: I wanted a bit more context for the Elton John sunglasses? Frage 15: Why are the strawberries so giant? Frage 32: Does it always rain this much in Yorkshire? Harhar, super.

Kleiner Sidestep: Jacob Elordi wird gerade als möglicher Bond-Kandidat gehandelt. Dazu gibt es auch schon diverse “Bond verschwindet in der Menge” Überlegungen, denn tatsächlich ist Elordi vielleicht etwas zu auffällig für einen Geheimagenten. Er ist 1,96 Meter groß. Harhar.

Ich werde den Film sicherlich noch ein, zwei mal im Nonstop Abo anschauen. Die Ausrede ist, ich habe circa fünf Minuten verpasst, weil das WC im Apollokino einfach unfassbar weit weg vom Kinosaal ist. Und die fünf Minuten muss ich unbedingt nachholen.

The Moment

So, folgendes, es wird bisschen kompliziert. Ich kenne die Sängerin Charlie XCX so ungefähr seit zwei Wochen. Da habe ich nämlich Wuthering Heights gesehen und sie war verantwortlich für den Soundtrack. Natürlich hatte ich den Namen vorher schon mal gehört, aber nur so im Unterbewusstsein wahrgenommen. Den Soundtrack finde ich aber so gut und naja, diese Woche gibt es ein paar Vorstellungen ihrer Mockumentary The Moment.

Das Gartenbaukino war fast ausverkauft, ich habe aber in letzter Minute noch eine Karte bekommen. Und als ich dann so im Kino stehe, kam es mir irgendwie so vor als wäre ich auf einer Party, zu der ich gar nicht eingeladen worden bin. Denn ich bin nicht unter, sagen wir großzügig 33 und/oder ich bin nicht queer. Was mache ich alte (literally) Hete bei diesem Film harhar. Aber es gab zumindest noch einen anderen älteren Mann, wie mir die superwitzige Digital Creatorin Alisa Florentina heute erzählt hat, nachdem ich sie gestern dort gesehen und sie heute gleich mal einfach angeschrieben habe.

Nun zum Film, Spoiler gibt es eh nicht wirklich. The Moment handelt in einer semi-pseudo-realistischen Weise über die Konzerttournee, die Charlie XCX in Folge ihres Albums Brat und den von ihr ausgerufenen Brat Summer vorbereitet. Ich musste selbstredend Brat Summer googlen und ich mein, wie weit kann man von Jugendkultur entfernt sein, aber es ist leider so. Charlie XCX beschreibt das von ihr ins Leben gerufene Phänomen so: “Just, like, a pack of cigs, and, like, a BIC lighter and, like, a strappy white top. With no bra. That’s, like, kind of all you need.” Na gut, kein Wunder, dass ich davon keine Ahnung habe, harhar.

Jedenfalls war der Film wirklich höchst amüsant, gleichzeitig aber auch wirklich deep. Ihr seht, ich wechsle schon in so eine Art Jugendsprech. Was ich damit meine: Charlie XCX wird mit diesen Brat Summer Dings richtig erfolgreich, richtig angesagt, richtig populär. Und was kommt jetzt danach? Wie Eminem uns bereits aus seiner eigenen Erfarhung in seinem Song Lose Yourself mitteilte: “Superstardom is close to post-mortem”. Wie soll sie Brat in Szene setzen? Wie lange soll dieser Sommer dauern und was kommt danach? Und welches Publikum will sie eigentlich ansprechen? Hat sie jetzt so einen Taylor Swift Appeal und macht massentauglichen Stadienrock? Also der Inbegriff der großen Kunst versus Kommerz Kontroverse.

Im Film bilden sich mit ihrer Kreativdirektorin und Freundin Celeste (Hailey Gates), die die künstlerische Vision von Charlie XCX teilt und dem renommierten, vom Management geforderten, vor allem aber extrem arroganten deutschen Konzertfilme-Macher Johannes (Alexander Skarsgård) zwei Pole, die über die Deutungshohheit von Brat streiten. Johannes will zum Beispiel alles etwas familientauglicher und weniger “offensive” gestalten und als ihm Celeste dann sagt, Charlie singe nun mal beispielsweise über Kokain und er dann fragt, metaphorisch oder real und sie dann: “What is metaphorical cocaine?” Köstlich.

Wie das alles also vor sich geht, wie viele doppelte Böden, wie viel Selbstironie und Selbstbespiegelung, die sich selbst bespiegelt man hier vorfindet, ist ein Traum. Das liegt auch an den Schauspielern, die wieder eine Reihe von anderen Assoziationen nach sich ziehen, wie die Indie Ikone Rachel Senott oder Fleabag Weirdo Jamie Demetriou. Und es liegt natürlich vor allem daran, dass Charlie XCX charismatisch und enigmatisch ist, für mich zumindest. Ich verstehe den Hype um sie schon.

Schade und irgendwie unverständlich, dass es nur eine Handvoll Vorstellungen in Wien gibt.

Die Berlinale mit Uncut

Heute ein bisschen unbezahlte Werbung (wie immer übrigens) für die Uncut Berichterstattung von der Berlinale.

Vier Uncut Kollegen sind gerade in Berlin und berichten als österreichisches Medium quasi live – mit Berichten zu den Pressekonferenzen, vielen Fotos und Reviews zu den präsentierten Filmen.

Und ich beweise meine Begeisterung damit, dass mir Uncut Boss Harald direkt von der Pressekonferenz mit Judas Priest meinen eigenen Like zu einer Uncut Story auf seiner Smartwatch schickt, harhar, ich habe mich sehr amüsiert!

(c) Harald Zettler, www.uncut.at

In diesem Sinne: Berlinale 2026 hier entlang. Viel Spaß!

No Other Choice

Wie berichtet habe ich vor einigen Tagen No Other Choice von Park Chan-wook gesehen. Der Film wurde in Indie-Kreisen sehr gehypt und es wurde moniert, dass er bei den Oscars übergangen wurde. Nachdem ich ihn gesehen habe, verstehe ich das aber ehrlich gesagt schon irgendwie

Es geht um Man-su (Lee Byung-hun) einen Mann in mittleren Jahren, der mit Frau und zwei Kindern, sowie zwei extrem lieben Hunden in einem schönen Haus mit Garten lebt und als Manager in der Papierindustrie arbeitet. Er ist sehr zufrieden mit seinem Leben, er hat alles erreicht, als er plötzlich gekündigt wird, seine gehobene Existenz und sein ganzes Selbstverständnis steht auf dem Spiel. Nachdem die Jobs in seiner Branche rar geworden sind, versucht er, seine Konkurrenten um einen neue verantwortungsvolle Stelle ausfindig zu machen und sie zu “beseitigen”. Es bleibt ihm einfach keine andere Wahl…

ACHTUNG SPOILER

Dieser Plot hat mich an meine eigene Familiengeschichte erinnert: der Cousin meines Urgroßvaters war ein Giftmörder, genau aus diesem Grund, der Beseitigung der Konkurrenz. Aber ansonsten bin ich hier wirklich komplett außen vor geblieben, wahrscheinlich weil ich so viele Dinge hier nicht nachvollziehen konnte. Zum einen hat sich der Film in jeder Szene mehr von mir entfernt. Normalerweise fühlt man sich bei einem Film am Anfang fremd und der Regisseur oder die Regisseurin versucht einen dann mit den eigenen Mitteln immer näher zu heranzuziehen, immer mehr fühlt und versteht man dann im besten Fall, so empfinde ich das. Hier war es umgekehrt: Die erste Szene in der die Familie beim Grillen fand ich noch recht gut, die Charaktere wurden mit einfachen, wirkungsvollen Mitteln vorgestellt, doch danach entgleitet einem der Film. Die Narration ist so eigenartig, dass ich sogar gewisse Handlungspunkte erst später verstanden haben.

Gar nicht verstanden habe ich auch diesen Papierfabrik-Fetisch unserer Hauptperson. Also ok, ich verstehe schon, dass er diese Branche liebt und der Abschied schmerzt, wenn man dafür eine Leidenschaft und Expertise hat, aber er liebt auch Pflanzen. Warum hat er nicht versucht, eine Art Bellaflora (halt auf asiatisch) Manager zu werden? Ich meine, das ist immer noch besser, als potentiell, drei, vier, fünf Menschen töten zu müssen, oder? Und wie wird dieser doch recht sensible Mensch zu einem Killer, der beim ersten Mord noch recht patschert durch die Szenerie stolpert, im Laufe der Zeit aber Dinge mit den Leichen tut, für die man eine Expertise in diesem Bereich bräuchte (und die Kaltblütigkeit noch dazu). Insofern ist es schwer, sich irgendwie mit dem Protagonisten oder sonst wem zu identifizieren. Was auch nicht unbedingt sein muss, wenn der Film sonst irgendwas spannendes zu bieten hätte – man denke an Amarcord von Fellini, da gibt es gar keinen richtigen Protagonisten, der porträitiert einfach Rimini, aber es einfach extrem interessant und stimmungsvoll. Aber No Other Choice bietet für mich halt irgendwie nichts in die Richtung.

To be fair, es gibt auch in No Other Choice zwei, drei wirklich gute Szenen. Eine davon ist die, als Man-su ins Haus eines potentiellen Opfers eindringt. Dort läuft die Stereoanlage und Man-su dreht die Musik noch lauter, damit man die bald folgenden Schüsse nicht hören soll. Davor kommt es aber zu einer Konfrontation mit seinem Opfer in spe und zu einem Wortwechsel, aber niemand dreht die Musik wieder leiser, sodass sich die Kontrahenden anschreien müssen (und man die Dialoge nur noch in den Untertiteln lesen kann), das war recht skurill und komisch. Oder als Man-su versucht, jemandem mit einem Blumentopf zu erschlagen und als er diesen so über seinen Kopf hebt, rinnt unten was Wasser raus. Oder die Szene, als Man-su seinen Kindern eröffnet, man habe nicht mehr genug Geld, um alle Mäuler zu stopfen, und der große Bruder schützend den Arm um seine Schwester legt. Im Endeffekt kommen dann die Hunde zu den Großeltern.

Und das war ehrlich gesagt das Einzige, was mich an dem Film dann noch interessiert hat, können die Hunde wieder zurückkommen, die vor allem von dem kleinen Mädchen schmerzlich vermisst werden, harhar. Und das schon irgendwie süß, aber irgendwie auch ein bisschen dürftig für einen Film mit dieser Thematik und Theatralik.

Der Fremde

Nachdem ich die Verfilmung von Der Fremde – nach einem Roman von Albert Camus – durch Francois Ozon gesehen habe, habe ich auch gleich noch das Buch gelesen. Es ist ein recht schmaler Band, der in Frankreich offenbar Schullektüre ist. Und es ist tatsächlich erstaunlich, in welcher “einfachen”, aber sehr poetischen Sprache hier erzählt wird, wo das Werk doch als eines der Hauptwerke des Existentialismus gilt und sich jeder denkt: Oh Camus, sicher komplett unverständlich. Was ich mich persönlich beim Lesen (und schon während des Filmes) wirklich unironisch gefragt habe: Ist das noch Existentialis- oder doch schon Autismus?

Es geht in Der Fremde um den jungen Mann Mersault – ein Vorname wird nie genannt – der in den 1930er Jahren in Algier lebt. Gerade ist seine Mutter gestorben und er muss zu ihrem Begräbnis. Dabei bleibt er allerdings weitgehend emotionslos. Es wäre ihm irgendwie schon lieber, sie würde noch leben, so reflektiert er einmal, aber Trauer verspürt er auch nicht. Was sich auch im vielleicht wichtigsten (ersten) Satz des Romanes manifestiert: “Heute ist meine Mutter gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.”

AB HIER DETAILS ZUM ROMAN

Mersault weiß vieles nicht, obwohl er keineswegs dumm ist. Er ist ein genauer Beobachter, er reflektiert dauernd,, aber als Leser hat man das Gefühl, er kommt zu keinen Ergebnissen, bleibt merkwürdig indifferent. So beginnt er am Tag nach dem Begräbnis ein Verhältnis mit der ihm schon flüchtig bekannten Marie. Als sie einige Zeit später fragt, ob er sie liebe, sagt er so was ähnliches wie: Das hat keine Bedeutung. Kaum eine Bedeutung hat auch, was zum zweitwichtigsten Satz des Romanes führt, nämlich sein Mord oder eher Totschlag eines Arabers: “Ich habe einen Araber getötet” Daraus haben The Cure übrigens einen Song Killing an Arab gemacht, der auch im Abspann des Ozon Films läuft.

Obwohl es sich bei besagtem Arbaber um einen Widersacher von Mersaults Nachbarn Raymond handelt, gibt es für den Mord keinen “Grund” – also es gibt sowieso nie eine Rechtferigung dafür, aber hier gibt es nicht mal einen besonderen Auslöser, wie zum Beispiel ein Affektzustand. Selbst der direkt betroffene Raymond geht einer Auseinandersetzung aus dem Weg. Im Prinzip hat Mersault nur die Sonne am Strand geblendet, als er diese Tat begeht. Der zweite Teil des Romans handelt vom Prozess gegen Mersault. Und obwohl Franzosen in Algier dieser Zeit bei einem Gerichtsprozess die ungleich besseren Karten hätten, scheint Mersault hier seine komplette Gleichgültigkeit auf den Kopf zu fallen. Aber auch das lässt ihn, man ahnt es, relativ kalt. Er bringt nicht einmal genug Energie auf, um eine kohärente Verteidigungslinie zu entwerfen.

Mein drittliebster Satz des Romans ist übrigens: “Mama sagte oft, dass man nie ganz und gar unglücklich sei.” Das hat irgendwie so etwas tröstliches, lebensbejahendes. Damit kann ich sehr viel anfangen, weil das Leben einfach schön ist, trotz allem, auch wenn es einem schlecht geht. Interessant ist, dass Mersault, der ja sowas wie Glück gar nicht zulässt, diesen Satz seiner Mutter so herausstreicht.

Die Ozon Verfilmung ist sehr werkgetreu und hat mir gut gefallen, wobei der Gerichtsprozess etwas fader in Szene gesetzt wird als im Buch. Der Fremde wurde schon zuvor verfilmt, ich hätte auch gerne vorige Woche die Visconti Verfilmung (Lo Straniero) mit Marcello Mastroianni im Filmmuseum gesehen, aber sie war tatsächlich ausverkauft. Allerdings, wie Pia Reiser in Podcast meinte, Visconti wollte damals eigentlich Alain Delon für die Rolle, weil der so aalglatt wirkt und man ihn bewundert, aber nicht mit ihm mitfühlt. Während Mastroianni, der die Rolle letztendlich spielte, eher fehl am Platz ist, weil er so ein warmer, herzlicher Typ ist, wenn natürlich auch sehr fesch (so Pia Reiser). Harhar, das stimmt, ich mag ihn auch sehr gern, muss aber zustimmen, so teilnahmslos wie Delon kann er nie wirken.

Wuthering Heights (jetzt)

Wenn man “Wuthering Heights Kritik” bei Google eingibt, sieht man am Montagabend um 22.40 das:

Danke Harald für den Hinweis. Ich trende, wie cool. Zumindest so lange, bis die nächsten fünfzig Kritiken eintreffen.

Das hat Emerald Fennell bzw. die Produktionsfirma schon super gemacht, einfach ein Embargo bis Montag 21 Uhr (CET) und dann schießen natürlich alle relevanten Filmberichterstatter gleichzeitig ihre Reviews raus. Ich gebe im absoluten Überschwang der Emotionen gleich mal 90 Prozent, oder wie die SZ das formuliert, siehe Screenshot: Ächz, seufz, lechz. Wie unseriös, oida! Aber stimmt schon irgendwie. Harhar. Und der Film wird ziemlich polarisieren.

Wer mein Review für Uncut lesen will, bitte hier entlang.

Ach ja und falls das nicht soo klar rauskam: Absolute Empfehlung von mir.

Pressevorstellung, zwei

Es handelt sich offenbar um ein weltweites Embargo harhar, Wahnsinn.

Ich sitze derweil hier und grüble, was ich darüber schreiben soll, mein Kopf ist so voll. Da lese ich ein Zitat von dem italienischen Avantdgarde Regisseur Michelangelo Antonino, der sagte: “Un film che si può raccontare a parole non è veramente un film”. Heißt: “Ein Film, den man mit Worten beschreiben kann, ist nicht wirklich ein Film.” Harhar, das macht uns halt alle arbeitslos, aber heute fühl ich das.

Und, was also Film Twitter so sagt (ich zitiere nur!):

Pressevorstellung

Heute echt schlecht geschlafen, trotzdem musste ich um halb sieben aufstehen, weil um 9 Uhr eine Pressevorstellung im Apollo angesagt war. Und zwar von Wuthering Heights, einen Film, auf den ich mich seit dem Tag freue, an dem ich von seiner Existenz erfahren habe, und das Buch, wie hier berichtet, habe ich auch vor drei Tagen fertig gelesen.

Das Apollokino, schon ganz im Zeichen von Wuthering Heights

Habe mich dann zur U6 geschleppt und dann vom Westbahnhof direkt zum Apollokino, das waren schon so um die 6.000 Schritte, nachher war ich halbwegs munter harhar. Dieses Mal hatte die Pressevorstellung wieder mal etwas von einer UN Sicherheitskonferenz. Das heißt: Unterschreiben, dass man bis Montag nichts über den Film sagt (also sorry gleichmal), keine Rezension veröffentlicht, und so weiter. Dann wurden die Taschen inspiziert, ich so: Ja Sie können gern reinschauen, aber da ist derart viel Klumpert drinnen, ich weiß nicht, ob sie da was sehen harhar. Außerdem mussten wir alle unsere Handys abgeben – das war früher in den PVs öfter so, jetzt aber schon ewig nicht mehr. Und bewacht wurden wir während des Films auch. Spannend! Es war auch das Who is Who der österreichischen FilmkritikerInnen anwesend — und ich harhar.

Also wie gesagt, ich würde ja echt gern etwas zum Film sagen, aber ich darf nicht. Dafür darf ich kurz – für all jene, die das Buch nicht kennen bzw. es nicht lesen wollen – den Plot umreißen. Wer davon nichts wissen will, liest bitte nicht weiter.

Wuthering Heights wurde 1847 veröffentlicht und gilt als Klassiker der englischen Literatur. Die Familie Earnshaw, Besitzer des Gutes Wuthering Heights, das im Hochmoor von Yorkshire liegt, nimmt ein Pflegekind auf, das der Vater in den Straßen Liverpools aufliest und mit seinen eigenen Kindern Hindley und Catherine aufzieht. Sie nennen den Sechsjährigen Heathcliff und es besteht sofort eine enge Beziehung zwischen ihm und Catherine, etwas wie eine kindliche Liebe. Sie sagt: “Whatever our souls are made of, his and mine are the same”. Ist jetzt vielleicht auch nicht immer ganz ideal (Anmerkung von mir, harhar).

Als der Vater stirbt, verbannt Hindley Heathcliff zum Gesinde. Hindleys Alkoholismus und seine Spielsucht stürzt die Familie später in Schulden, als Edgard Linton, Besitzer des nahegelegenen Herrenhauses Thrushcross Grange, Catherine einen Heiratsantrag macht. Catherine nimmt diesen trotz der Gefühle für Heathcliff an, in der Hoffnung, ihm damit ein sichereres Leben bieten zu können und auch, ganz ehrlich, weil ihr der Lifestyle gefällt. Heathcliff verlässt tief verletzt Wuthering Heights und kommt Jahre später als “gemachter” Mann zurück. Danach regiert Chaos, Leidenschaft, Zerstörung und Elend. Und Leidenschaft, sagte ich das schon?

Es ist durchaus lesenswert, aber auch ein bisschen gaga harhar. Ist der Film auch so oder ganz anders und ist er sehenswert? Das verrate ich nächste Woche.