almis personal blog

Außerhalb der Zeit

Dieser Tage sind es fünf Jahre, dass Corona über uns hereingebrochen ist.

Vorige Woche hab ich Hors du temps gesehen, einen sehr kleinen französischen Film, der zu Anfang der Coronazeit spielt, zwei Paare sind in einem Landhaus gemeinsam, sie haben ziemlich unterschiedliche Ansichten zur Pandemie, aber weil es noch die Anfangszeit ist, als wir alle noch eine große Familie waren, sind es eher niedliche Streitereien Die Frau des einen Paares fragt den Mann des anderen, der einkaufen war, ob er auch beim Bäcker gewesen wäre und der entgegnete nein, er sei psychisch noch nicht bereit dazu, und sie dann so: “Ok dachte ich mir, dass die Bäckerei noch etwas zu schwierig ist” Harhar. Süß.

Irgendwie stimmt das, was Charles Dickens in einem völlig anderen Zusammenhang geschrieben hat: “Es war die beste und die schlimmste Zeit, ein Jahrhundert der Weisheit und des Unsinns, eine Epoche des Glaubens und des Unglaubens, eine Periode des Lichts und der Finsternis.” Anscheinend gab es solche Erfahrungen also immer schon.

Ich habe mich oft schrecklich gefühlt, was interessanterweise aber nie mit der Krankheit selbst zusammenhing, die ich dann erst im Juli 2022 bekam. Ich hatte einen Tag Fieber, am nächsten habe ich dann wieder langsam zu arbeiten begonnen, weil etwas dringend war, aber auch, weil es mir nicht schlecht ging. Es war die allerletzte Woche, in der man in Quarantäne gehen musste, weshalb ich auch demonstrativ viel Zeit am Sofa verbrachte und Seinfeld gebingt habe. Als ich dann wieder raus durfte, es war ein Sonntag, bin ich spazieren gegangen und habe dabei die ganze Zeit geweint, es war einfach alles zuviel. Seitdem war ich gar nicht mehr richtig krank. Ich habe mich aber oft auch außergewöhnlich glücklich gefühlt, in der Coronazeit, das hing nur indirekt mit dieser Ausnahmesituation zusammen, sondern einfach mit einem Menschen. Davon zehre ich bis heute. Wahrscheinlich sogar für immer.

Im Rückblick greift man dann immer auf so abgegriffene Phasen zurück, vieles hat sich geändert, durch diese Zeit, der Blick auf die Welt, auf die Medien, auch auf andere Menschen. Aber es ist halt so, zumindest für mich. Ich muss mich manchmal zurückhalten, nicht in einem “state of rage” zu sein, weil es irgendwie schon so ist, als wären mir die Augen geöffnet worden. Andererseits, nächste abgegriffene Phase, bin ich auch “gewachsen”. Es ist mir oft wurscht, was andere Leute von mir denken, das war früher nicht so.

Manchmal denke ich an Rilke (sowas schreiben auch nur Germanistinnen harhar): “Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken. Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste.”

Annie Ernaux

Ich habe jetzt bereits drei Bücher von Annie Ernaux gelesen und bin wirklich sehr begeistert von ihrer Literatur.

Ernaux wird 1940 in der Normandie als Kind von Arbeitern geboren, die später ein kleines Geschäft haben. Ihre größere Schwester ist bereits vor ihrer Geburt gestorben, was sie nur zufällig erfährt, da ist sie schon zehn Jahre alt. Ernaux studiert nach der Schule in Bordeaux und will eigentlich Journalistin werden, ist dann aber vor allem als Lehrerin und schließlich als Schriftstellerin tätig. Sie hat zwei Söhne und lebt heute in der Nähe von Paris. 2022 erhält sie den Nobelpreis: ” (…) für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Fesseln der persönlichen Erinnerung aufdeckt”

Wobei das fast etwas zu prätentiös formuliert ist, für den Stil, den Ernaux selbst verfolgt. Sie bezeichnet ihre Arbeiten auch als “Autosoziobiografien”, was wiederum etwas zu sachlich klingt. Denn ja, ihre Bücher sind leicht lesbar, sie verzichtet darauf, ihre Gedanken zu verkomplizieren, da ist nichts maniertes oder eitles in ihren Texten. Aber da ist, für mich, doch auch eine Menge an Poesie, die immer mitschwingt.

Ernaux empfindet sich als Archäolgin ihrer selbst, was ich eine sehr spannende Beschreibung finde. Ähnlich wie der Autor Stewart O’Nan, der auf die Frage, ob er nicht manchmal davor zurückschreckt, dieses oder jenes zu schreiben, weil es zu persönlich ist, geantwortet hat: “Natürlich gibt es diesen Widerstand, aber genau der ist auch das Indiz dafür, dass man etwas Gefährliches gefunden hat, etwas, was die Leser bewegen wird”, scheint Ernauxs Maxime die absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu sein.

Gleichzeitig versucht sie aber auch immer, ihr Erinnerungen, ihr Schreiben zu reflektieren:

Ich spüre, wie die Erzählung mich mitreißt und gegen meinen Willen einen Sinn erzeugt, den eines unaufhaltsam seinen Lauf nehmenden Unglücks. Ich zwinge mich dazu, dem Drang zu widerstehen, durch Tage und Wochen zu hasten, und versuche mit allen Mitteln (…) die endlose Langsamkeit einer Zeit wiederzugeben, die sich verdichtete, ohne voranzuschreiten (…)

Das Ereignis, S. 40

Ich weiß nicht, in welcher Reihenfolge man ihre Bücher lesen “sollte”. Ich habe mich für die unkonventionelle Vorgehensweise entschieden, das bedeutet, ich lese, was gerade in der Bücherei verfügbar ist harhar. Und so kam es, dass ich ihr letztes Buch von 2022, Der junge Mann, als erstes gelesen habe. Aber weil irgendwie eh alles mit allem verbunden ist und eines ins andere greift, ist es kein Problem.

Zu den einzelnen Werken werde ich dann in Zukunft immer wieder einmal berichten.

Die letzten Tage

In den letzten Tagen überschlagen sich die Ereignisse und ich überlege unter anderem hin und her, wen ich beim Oscar Tippspiel von Uncut (unbezahlte Werbung) wählen soll. Also es geht wirklich um wichtige Dinge! harhar.

Letztes Jahr hatte ich 20 von 23 Kategorien richtig, das wird heuer fix nicht passieren. Das Rennen ist so offen. Wie immer bin ich in einem emotionalen Zwiespalt, zum Beispiel bei “Bester Film”. Soll ich den Film wählen, der ganz gute Chancen hat und mir sehr gut gefällt (The Brutalist) oder den Film, der vermutlich die besten Chancen hat und mir nicht so gut gefällt (Anora). Ähnliches gilt für beste Hauptdarstellerin, aus gewissen sentimentalen Gründen bin ich ja schon für Demi Moore, alleine, weil sich ihre Töchter bei den Preisverleihungen immer so freuen – es gibt da Videos auf Social Media.

Was war noch los? Also der Opernball. Ich hab nicht viel gesehen, aber die Eröffnung. Dann ruft mich meine Mama an und schwärmt mir von den Kostümen vor. Ich so: “Bitte das ist der schönste Walzer aller Zeiten und wieso haben die solche Kostüme?” Meine Mama: “Warum, das sah toll aus, wie Samurais” Ich: Ich fand sie ur schiach! Die sollen was duftiges, pastelliges tragen, nicht sowas, wo man keine Beine sieht.” Mama: “Seit wann bist du so konservativ?” Ich: “Das Material verwendet man sonst für diese Decken, die man im Winter über Motorräder legt” Harhar.

Außerdem: Gestern hat das Wiener Duo Abor und Tynna die deutsche Vorentscheidung Chefsache ESC unter der Leitung von Stefan Raab beim Publikumsvoting gewonnen. Wow, da haben wir quasi gleich ja zwei österreichische Acts beim ESC und diese beiden singen auch noch deutsch – obwohl man jetzt nicht wahnsinnig viel versteht. Ich hab mir die Sendung nicht angesehen, weil ich Barbara Schöneberger nicht aushalte, aber ich finde der Song hat was. Mal schauen, wie sich die Wettquoten jetzt entwickeln, Österreich ist ja aktuell auf dem 5. Platz (warum auch immer), obwohl wir ja nicht mal noch den Song kennen.

Und: Ich lese gerade Tante Jolesch von Friedrich Torberg. Immer wieder super. Die Tante Jolesch macht die besten Krautfleckerl von allen, ihre ganze Familie kommt von überall her, wenn es Krautfleckerl gibt und als sie nach ihrem Geheimtipp dafür gefragt wird, sagt sie: Es ist immer zuwenig (davon vorhanden). Ich kenne jemand, der meinte damals, das sei auch sein Geheimtipp – in Bezug auf meiner Zuneigung zu ihm. Nun. Ich persönlich glaube fest daran, dass die Krautfleckerl der Tante Jolesch einfach wirklich die allerbesten waren. Analogie intended.

Und jetzt widme ich mich wieder der Oscar-Tipperei oder auch: Bauch gegen Kopf.

Auf Wiedersehen, Toulouse

Toulouse ist gestorben. Toulouse war einer von den beiden “lustigen Hunden”. Er gehört der Schwester einer Bekannten, die immer Videos von ihren Australian Shephards auf Instagram stellt und in den letzten Jahren sehr viel Freude und positive Energie damit verbreitet hat.

Wenn das Kind früher krank war, sind wir im Bett gelegen und haben uns die Videos von den “lustigen Hunden” angeschaut. Millow hat zum Beispiel irgendein abgestandes Wasser geschlabbert und die Besitzerin zu ihm: “Hör auf dieses Grindwasser zu trinken” harhar. Er hat sich im Schlamm gewälzt und generell oft nicht gehört. Toulouse war die ausgleichende Kraft, immer bemüht, zwischen allen zu vermitteln, ein fröhlicher, sensibler, verbindender Hund. Das kranke Kind haben die Videos immer aufgemuntert und mich auch, besonders an nicht so guten Tagen.

Und jetzt ist Toulose gestorben, es ging ihm schon länger nicht gut. Die Besitzerin hat so ein schönes, trauriges Video davon gemacht, dass mir jedesmal, wenn ich es angeschaut habe, die Tränen heruntergeronnen sind, ich kann es nicht ändern. Ich hab es trotzdem fünf oder sechsmal gesehen. Dann haben wir miteinander geschrieben. Sie geht stark damit um, hat überhaupt immer einen sehr positiven Blick auf die Welt, in der aber auch Schmerz “erlaubt” ist, Schmerz gezeigt, zugegeben werden kann.

Danke für die viele positive Energie von Touluse und auch dafür, uns daran zu erinnern, dass neben Trauer auch immer auch noch Schönes existieren kann, in unserem Leben, gleichzeitig, und, dass immer etwas zurückbleibt, wenn jemand geht, das uns nie ganz verlässt.

Frühstück Cafe Diglas

Heute Nacht hab ich was geträumt, von dem ich schon im Traum wusste, dass es leider nicht “wahr” ist. Es war trotzdem ur schön. Und dann bin ich aufgewacht und wollte nur zurück in den Traum, und dem Mann im Traum noch was sagen, ach ja. Dementsprechend zerknittert sah ich in der Früh aus, hab mich dann extra mehr geschminkt als sonst.

Es stand nämlich Frühstücken auf dem Programm. Diesmal haben L. und ich uns für das Cafe Diglas (unbezahlte Werbung) auf der Wollzeile entschieden, an dem wir bei unserem letzten Frühstücksausflug schon vorbeigegangen waren. Es sieht schon von außen aus wie ein typisches altes Wiener Cafe:

Innen auch, es gibt sogar ein Klavier:

Die Frühstücksauswahl besteht aus Klassikern wie Wiener Frühstück (in verschiedenen Größen) und Müslis, bisschen extravaganter ist Avocado auf Schwarzbrot, Porrigde und Shashuka. Wir haben uns für Eierspeisbrot und Chiapudding, sowie Ham and Eggs entschieden. Und es war ausgesprochen gut und auch sehr gemütlich zum Sitzen.

Eierspeisbrot, Ham and Eggs mit Kornspitz, sowie Cappucchino

Es gibt dort auch “Oma’s Ingwer Infusion”. Das hat mich an den Film Pfau erinnert, den ich gestern bei der Premiere im Votivkino gesehen habe. Wo jemand in das Dienstleistungsvermittlungsbüro kommt und die Empfangsdame fragt: “Kann ich Ihnen was bringen, Kaffee? Einen Gurken-Ingwer Shot?” Genauso skurill ist der ganze Film, ich werde noch darüber schreiben.

Direkt gegenüber dem Cafe Diglas ist übrigens der Morawa, wo wir länger gestöbert haben. Schön ist das, nach dem Frühstück in eine Buchhandlung zu gehen und zu schauen, was es neues gibt und den Freitagvormittag gemütlich ausklingen zu lassen. Und vielleicht eine Spur weniger zerknittert.

Der Sinn

Warum die Mutter das mit den Flugdaten wissen will ist, weil sie plant, in dieser Zeit eine Schreibwoche einzulegen. Harhar.

Praktisch wird es wahrscheinlich eh schwierig, weil garantiert dringende Aufträge in diesen Tagen kommen werden, aber man kann es sich ja trotzdem mal vornehmen. Vor kurzem hat mir eine Freundin geschrieben, dass ein Blogeintrag hier so sei “als würde ich in einem Kapitel in einem Buch lesen…” – das fand ich sehr lieb und sehr motivierend, weiterzumachen, an meinem Buch, danke.

Ich finde es immer interessant, welche Dinge Menschen brauchen, um glücklich zu sein. Im Song The Dark of The Matinee von Franz Ferdinand, gibt es ein Paar, wo der Mann sich über den Grant auf alles definiert und sie hört sich das an und er schildert das, was sie ihm entgegensetzt dann folgendermaßen: “You smile, mention something that you like. And how you’d have a happy life, if you did the things you like.” Da fühle ich mich immer sehr angesprochen, wenn ich das höre.

Ich schau mir gern an, was andere mögen. Für ganz viele ist es das Reisen oder der Urlaub, sie sind glücklich, wenn sie regelmäßig irgendwohin fahren oder fliegen können. Andere haben das Pole Dancing für sich entdeckt, das Feuerschlucken oder das Fotografieren. Da gibt es Menschen, die Autos lieben, ihre Pferde oder Hunde, Wanderungen, Gaming-Welten, Konzert- und Kinosäle oder alte Häuser. Ich kenne einen wunderbaren Menschen, der von letzterem begeistert ist, so etwas finde ich faszinierend.

Und weil ich das und anderes festhalten will, ist es bei mir ein Notizbuch und ein Kugelschreiber, was mich immer schon irgendwie gerettet hat. Wenn ich darüber nachdenken kann, wie ich das Leben beschreiben soll, wie ich anderen schildern soll, was in mir vorgeht oder welche Gedanken ich habe, und zwar so, dass sie das im besten Fall auch fühlen können, dann macht mich das wirklich zufrieden und ist eine Herausforderung, die nie endet.

Valentin

Rosen auf der Pawlatsche.

Das Rad schieben, während man Hand in Hand geht. Zur Ubahn laufen, egal ob sie schon da ist oder nicht. Jedes Räuspern, jedes “Gut…” bevor eine Geschichte anfängt. Die Frage, welches Kaffeehäferl man möchte. Aus der Zeitung vorlesen, die Zeitungsseiten umknicken. Eine Fußsohle auf einem Fußrücken. Die Art, wie ein Schlüsselbund erklärt wird. Die Art, wie man das Licht ausschaltet. Immer alles sagen wollen. Immer alles sagen können.

Schnee auf der Pawlatsche.

Nichts von all dem und mehr je vergessen wollen.

Maria

Wenn ich etwas von Angelina Jolie lese, muss ich immer an Chris Rock denken. Chris Rock hat einmal für die Oscars eine Umfrage vor einem “schwarzen” Kino in Compton, einem Vorort von L.A. gemacht. Und da hat er die Leute, die aus dem Kino kamen, diverse Dinge gefragt. Unter anderem eine junge Frau: “What is your favorite white movie of the year?” Und sie antwortete: “By the Sea with Brad Pitt and Angelina Jolie.” Chris Rock daraufhin: “Wow! Not even they would say that” harhar, fand ich so witzig damals, weil er so verblüfft über die Antwort war. By the Sea war der letzte gemeinsamer Pitt/Jolie-Film vor der Trennung, es ging da auch um eine arge Beziehung und er war weder gut besucht noch gut besprochen.

Ich bin ja jetzt nicht immer restlos überzeugt von Angelina Jolie, aber bei Maria verhält es sich umgekehrt zu vielen anderen Trailern – dieser Trailer hat mich, trotz Jolie und oft auch einer gewissen Biopic Skepsis – neugierig auf den Film gemacht. Maria ist der letzte Film der “Frauen-Trilogie” vom chilenischen Regisseur Pablo Larraín. Zuvor hatte er mit Jackie und Spencer ebenfalls zwei weibliche quasi “Larger than life”-Persönlichkeiten porträtiert. Hier geht es (natürlich) um Maria Callas, genauer gesagt, um die letzten Lebenstage im September 1972 in Paris…

WIE IMMER SPOILER MÖGLICH!

Zunächst mal: Ich kenne Maria Callas als Person nur recht oberflächlich – im Gegensatz zum Beispiel zu Diana, die ja Leute meiner Generation quasi permanent miterlebt haben. Aber ich finde Jolies Darstellung an sich zumindest für mich sehr authentisch und hat mich einfach “mitgenommen”. Und es kann ja bei einer Persönlichkeit wie dieser eh immer nur eine gewisse Annährung sein. Larraín geht es auch, meines Erachtens, viel weniger um Imitation, als um das Aufzeigen von gewissen Strukturen, Stimmungen, auch um das Künstlersein an sich. Und ich finde seinen Ansatz sehr kreativ, auch sehr zurückgenommen und “Indie”. Denn auch wenn Callas die größte Sängerin war, Larraín geht es nicht darum, den plakativsten Film zu drehen, sondern vielleicht den kleinsten und intimsten.

Natürlich sehen wir die Callas auf der Bühne stehen und singen- in Erinnerungen. Aber die meiste Zeit erleben wir sie mit ihrem Diener Ferrucio (Pierfancesco Favino) und dem Hausmädchen Bruna (eben Alba Rohrwacher), die wie Freunde sind, oder wie Callas sagt: “Bruna is my mother and my sister and my daughter and my maid. Ferruccio is my father and my son and my brother and my butler. It is a terribly crowded apartment!” Solche überraschenden, interessanten Beobachtungen äußert Callas hier oft. Sie sagt Dinge wie: “There is no reason for opera” und “There is no life away from the stage”. Was auch schon die Situation erklärt, in der sie mit erst 53 Jahren eben gerade ist. Wir sehen ihren Alltag mit den Hunden und den Spaziergängen, auch den (verhassten) Arztbesuchen und den Versuchen, mit einem Dirigenten wieder an ihre frühere stimmliche Leistungsfähigkeit anzuknüpfen.

Außerdem gibt es einen Film im Film: Ein Journalist kommt mit einem Kameramann vorbei und stellt Callas viele Fragen; es scheint ihr Spaß zu machen, diese zu beantworten, obwohl sie sich reserviert gibt. Der Journalist (Kodi Smit-McPhee) heißt Mandrax – der Name eines ihre starken Medikamente. Da kommen dann schon enorme Zweifel auf, wie real dieser Charakter tatsächlich ist. Überhaupt vermischt sehr oft Phantasie und “Realität”. Die schönste diesbezügliche Szene war für mich die, wo die Callas vor einem alten Pariser Palais steht und plötzlich kommen lauter Japanerinnen mit kleinen Schirmchen und es regnet und sie singen gemeinsam etwas aus Madame Butterfly. Diese Szene ist für mich die reine filmische Poesie.

Einmal besucht Maria ihren ehemaligen Geliebten Aristoteles Onassis am Krankenbett und weicht einer Konfronation mit dessen Frau Jackie Kennedy aus – hier wäre ein kurzer Cameo von Natalie Portman sehr witzig gewesen. Aber um Witz geht es hier natürlich nicht. Ich habe jetzt aber große Lust, mir die anderen beiden Filme auch anzusehen.

Die Fotos des Regisseurs mit seinen Hauptdarstellerinnen finde ich sehr süß:

Sonntag lernen

Wenn eine neue Lebensphase beginnt, ändert sich vieles, oft ganz schlagartig und manchmal kommt es einem so vor, als würde man an einem Tag sehr viel gelernt und “verstanden” haben. Aber wenn ein neuer Morgen da ist, ist da auch manchmal das Gefühl, man steht wieder ganz am Anfang, kennt sich nicht aus und muss wieder von vorne beginnen.

So ist es auch mit dem Wochentag Sonntag. So viele hat man erlebt, aber immer noch ist man unschlüssig, was man mit diesem doch manchmal schwierigen Tag machen soll. Ausschlafen oder extra früh aufstehen. Daheim bleiben oder weit gehen. Alleine sein oder Menschen treffen. Relaxen oder arbeiten. Lesen oder schreiben. Zeitungen holen oder ignorieren. Die Welt draußen wahrnehmen oder sich komplett von ihr zurückziehen.

Mein Cappuccino und ich auf der Währingerstraße, am Weg zum Frühstücksfilm Maria im Votivkino

Den perfekten Sonntag gibt es schon, ich habe ihn erlebt und oft hatte er mit Nähe, langem Frühstücken und viel reden zu tun.

Nun experimentiere ich herum, vor allem im Winter, wo ich nicht im Garten sitze. Gestern war das Kind in der Therme, und ich daher in der Stadt, die auch eine andere ist am Sonntag, mit einem Coffee to go (unbezahlte Werbung!) und Kino zu Mittag. Das war fein. Danach habe ich Leute in den Schanigärten sitzen sehen, für die es noch viel zu kalt war, aber die Sonne hat gescheint. Ich habe auch die vielen Leben wahrgenommen, die dort ausgestellt waren. Zugehörig war ich da nicht, das Sonntagsgefühl konnte ich auch nicht ganz abschütteln, aber einiges war doch auch sehr ok, vor allem meine Gedanken und meine Perspektive auf Dinge.

Mein Wort zum Sonntag. Am Montag.

Die Ferien

Die Semesterferien waren auch nach der Ikono Ausstellung schön.

Einmal war ich mit M. beim superen Chinabuffet neben der der Messerverbotszone Reumannplatz. Wir haben uns sehr gut unterhalten. Ich habe von ihr das Buch Hallo, du Schöne bekommen und gleich zu lesen begonnen.

Auch mit dem Kind war ich beim Asiaten – in der SCN. Danach haben uns Companion angesehen; wir waren -inkusive uns beiden – zu viert im Saal. Das Kind hat sich dann noch schnell Nachos gekauft und als er zurückkam hab ich zu ihm gesagt: “Jetzt hast du die woke Werbung versäumt”. Harhar. Companion ist übrigens natürlich wieder ein Horrorfilm, aber ein interessanter. Nachher sind wir durchs komplett verlassene und etwas gruselige SCN zur Straßenbahn gegangen, es ist schon ein bisschen in the middle of nowhere.

Außerdem habe ich Der Spatz im Kamin im Stadtkino gesehen, während das Kind beim Figlmüller war und You are cordially invited auf prime. Dazu werde ich sicher noch das eine oder andere schreiben. Bei letzterem war definitiv der Abspann am besten und das meine ich gar nicht böse. Ich finde, Reese Witherspoon und Will Ferell sollten öfter zusammen singen.

Uuund: es sieht so aus, als würde ich ein paar hundert Euro, die mir ein Auftraggeber noch schuldet (lange Geschichte), nach eineinhalb Jahren doch bekommen. Geld, das ich schon völlig abgeschrieben habe. Das ist schon eine schöne Überraschung.

Dazwischen hab ich gearbeitet, aber wegen der Ferien gab’s keine dringenden Deadlines.

Diese Woche hatte ich fast das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben harhar.