Diese Woche habe ich nicht nur Kindheitserinnerungen aufgefrischt, ich habe auch problemlos auf der Gartenliege eingeschlafen, während die Jugendlichen die Boom Box in Betrieb hatten.
Diese Woche habe ich ein Eichkatzerl verfolgt, dass sich dann regungslos so vor mir “versteckt” hat und dabei eine farbliche Symbiose mit seinem Fluchtweg eingegangen ist:
Ich wollte ihm eh nichts tun, ich wollte nur ein Foto machen.
Diese Woche gabs ein Garten-Geburtstagsfrühstück mit M und sie hat mir einen guten Rat gegeben. Dabei war es doch ihr Geburtstag. Harhar.
Diese Woche habe ich mit meiner Mutter ihre Lieblings-Schlossbesichtungs-Sendung geschaut, Herrschaftszeiten heißt die, und ich habe mir gedacht, schon arg, wie man eh immer an jemanden denkt und dann erinnert einen der Zufall noch einmal extra.
Letztens wollte das Kind mit seinem Scooter vom Garten in die Wohnung zurückzufahren, hat sich dann aber doch entschlossen, irgendwann in meinen Bus zuzusteigen, um bis Bahnhof Floridsdorf Öffis zu fahren.
Kind steigt also ein, erste Frage: Hast du was zu trinken?
Ich: Du, ich freu mich sehr, wenn du mit mir fahrst, aber bitte nicht “Ich hab Durst, ich hab Hunger, ich muss aufs Klo, wie lange dauert es noch?” (lacht)
Kind: Der Moment, in dem man die Einzige ist, die lacht.
Diese Woche wollte das Kind bei der Fahrt in den Garten den Schienenersatzverkehr testen. Es gibt nämlich jetzt einen Bus, der zwischen Floridsdorf und Praterstern hin und her fährt.
Als wir am Vormittag einstiegen, war nicht viel los und der Bus fuhr mehr als zügig über die Donauuferautobahn, er schnitt dabei ohne Rücksicht auf Verluste über drei Spuren und schoß beinahe ein unschuldig vor sich hinfahrendes Auto ab. Der Autofahrer überholte etwas später den Bus mit lautem Hupen und sicher auch ein paar dementsprecheneden Gesten. Die Fahrt war dadurch aber kurzweilig und dauerte auch nur nur knapp zehn Minuten harhar. Dann ist man am Praterstern, nur ist dort leider tote Hose. Die S-Bahn fährt zwar Richtung Süden, nur mit viel weniger Zügen als normalerweise. Auf den nächsten Zug nach Hetzendorf mussten wir also 14 Minuten warten.
Bei der Rückfahrt – wieder lange auf die S-Bahn gewartet – stiegen wir gegen 20.20 in einen komplett überfüllten Bus Richtung Floridsdorf. Super, dachten wir, da schaffen wir noch die Anschlussverbindung. Tja, hätten wir, wenn es ein Direktbus gewesen wäre. Das ist aber nur jeder zweite. Dieser Bus hielt bei der Jägerstraße und am Handelskai und brauchte so fast 20 Minuten. Anschlussverbindung natürlich weg. Ingesamt Fahrzeit vom Garten fast zwei (!) Stunden.
Während der ganzen Fahrt informiert die ÖBB über diverse alternative Routen, es gibt aber auch eine kleine, vorwitzige Durchsage, die ein bisschen als Hinweis interpretiert werden kann, auf den eigenen PKW zurückzugreifen. Ich hab ja mit dem Autofahren abgeschlossen, aber ich glaube, für manche ist das derzeit durchaus reizvoll.
Letztens ging das Kind in der Früh vor mir aus dem Haus. Er ist in die Firma gefahren, ich in mein Garten-Büro. Überraschend treffe ich ihn eine halbe Stunde später vorm Ströck am Bahnhof, essend.
Ich: Hey Mauus, was machst du da?
Note to self: Man begrüßt einen bald 17-jährigen, der einen Kopf größer ist als man selbst, nicht mit “Maus” in der Öffentlichkeit Harhar.
Aber er hat es mir nicht übel genommen. Und er hat auf seinen Freund gewartet, der in der Nebenabteilung seinen Ferialjob macht.
Heute sind beide zu mir gekommen und zum Arbeitsabschluss in den Pool gesprungen.
Heute hat mich jemand in der Gartenanlage angesprochen mit dem ich kaum zu tun habe, und hat mich gefragt wie es denn “dem Kleinen” gehe. Ich habe geantwortet: “Gut, aber er ist schon größer als ich.” “Ja”, sagt der Mann, “ich frage, weil er ein Frühchen war.”
Da war ich erstaunt, dass er das überhaupt weiß und auch noch weiß, ich mein, das ist fast 17 Jahre her. Der Mann ist 90 Jahre alt. Fand es aber sehr lieb von ihm.
Dass das Kind ein Frühchen war, hat mich einige Jahre natürlich unmittelbar betroffen und einige weitere Jahre so beschäftigt, dass ich darüber geschrieben habe. Aber heute kommt es mir oft vor, als wäre das in einem anderen Leben gewesen.
Unlängst habe ich sogar überlegt wie der Arzt im Preyer’schen Kinderspital hieß, der mir – als das Kind ca. acht Monate alt war – prophezeit hat, dass er wahrscheinlich kaum gehen lernen und keine normale Schule besuchen werde können. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er sich wirklich mit dem Kind beschäftigt hat, er wollte vielmehr nur seine apokalyptische Prophezeiung loswerden. Das hab ich ihm dann auch gesagt, wenn ich hypothetische Schreckensszenarien wissen will, dann kann ich auch googlen. Harhar. Ich war so wütend auf diesen Arzt und jetzt weiß ich seinen Namen nicht mehr, ich glaube damit ist die Vergangenheitsbewältigung abgeschlossen.
Gestern war dann also die U6 teilweise gesperrt, weil in der Nacht ein Kran auf die Gleise gefallen ist.
Ok, also die S-Bahn ist den ganzen Sommer teilweise gesperrt, ebenso die U4 und jetzt auch noch die U6, man bekommt das Gefühl, dass das ein perfider Versuch ist, Transdanubien vom Rest Wiens abzuschneiden. Es hieß, man solle “großräumig” ausweichen, also bin ich 20 Minuten bei praller Sonne nach Kagran gegangen, um dann die völlig überfüllte U1 zu betreten, später in die U4 umzusteigen und dann noch mit dem Bus nach Atzgersdorf zu fahren. Jetzt bleib ich erstmal hier.
Gleichzeitig zu diesem Verkehrschaos, erzeugte der Stramer “IShowSpeed” ein weiteres, unter anderem auf dem Ring. Nachdem er im Prater war, wurde er von Fanmassen erst durch die Innenstadt gejagt, später ist er nach Favoriten geflüchtet und hat Döner gegessen. Das Kind schreibt mir aus der Firma, ich solle den Livestream dazu schauen, wie 150.000 andere auch. Dem Kind ist es immer wichtig, dass ich auf dem laufendem bleibe bei Dingen, die ihn interessieren. Auf meine naive Nachfrage, warum der so viele Fans hätte, antwortete er, das sei eben eine Celebrity. Celebrity weswegen? Na er streamt halt. Und die Jugend liebt ihn offenbar. Ich freu mich, dass das Kind sich freut.
Am Sonntag kam das Kind im vollen Verstappen-Fan Outfit plus Kappe in den Garten zum Formel 1 schauen.
Ich: Na, heute ist das Vertrauen in den Sieg aber nicht groß. Soll ich dir eine Red Bull Dose auch noch geben?
Harhar. Letztendlich wurde Verstappen mit einem wirklich nicht optimalem Auto in einem erstaunlich spannenden Rennen noch Zweiter und Lewis Hamilton hat gesiegt, was echt überraschend rührend war. Hamilton hat vor ziemlich genau 17 Jahren zum ersten Mal ein Formel 1 Rennen gewonnen. Das Kind wird bald 17 und damals habe ich die F1 gar nicht verfolgt. Jetzt weiß ich mehr darüber, als ich jemals für möglich gehalten hätte und ich weiß natürlich auch, dass Hamilton später Rekord-Weltmeister wurde und manchmal ein “pain in the ass” war; aber oft machen ja schwierige Zeiten einen etwas demütiger, und so wurde Hamilton zumindest mir viel sympathischer in den letzten Jahren. Und das Kind ist auch kein – nach eigener Aussage “toxic Verstappen Fan”, er mag eh praktisch alle Fahrer.
Als wir uns dann von den Emotionen erholt haben und ich aufs Handy schaute, hab ich mich sehr gefreut, wieder von jemanden zu lesen, etwas interessantes geschickt zu bekommen, das macht das Leben gleich viel schöner für mich. Und so ging das Wochenende um einiges besser zuende als es begonnen hatte.
Heute ist schon wieder ein Schulschluss. Das Kind hat einen Notendurchschnitt von 1,6 – das hat er übrigens auch nicht von mir harhar. Nach dem Zeugnis ging es für ihn direkt nach Spielberg, wo sich die Formel 1 Verantwortlichen offenbar gedacht haben, es reicht nicht nur ein Schulschluss-Verkehrskollaps, wir machen an dem Wochenende gleich auch noch das Rennen in Österreich.
Botschaft vorm Gymnasium zum Ferienbeginn
Schulschluss, auch immer so ein Tag für Reminiszenzen; ich denke an einen besonderen Menschen und die erst kürzlich erwähnten Wochenenden, wie aber eh immer. Helle, schöne Gedanken.
Ich habe noch ein bisschen gearbeitet und dann fahre ich übers Wochenende in den Garten, wo ich schreiben will und nebenbei natürlich Formel 1 schauen, ob ich das Kind vielleicht sehe und ich werde den Bachmannpreis weiterverfolgen. Humor ist auch gut für die hellen Gedanken, gestern hat Klaus Kastberger, der neue Jury-Chef gesagt: “Ich kann Texte, in denen Gegenstände sprechen, nicht ausstehen! Ich hasse den kleinen Prinzen, ich hasse Harry Potter.” Das ist natürlich keine literarische Kategorie, aber für solche Aussagen lieben wir die Jurydiskussionen ja.
Hier das beliebte Bullshit-Bingo für das heurige Jahr:
Ein paar Dinge konnten schon angekreuzt werden
Klaus Kastberger trug noch kein Fußballtrikot, aber heute dafür ein Poor Things Shirt, das ist nicht mal ergooglen konnte, ein Unikat? Wow jedenfalls.
Das Kind verbringt die letzten Schultage unter anderem mit seiner Klasse im Prater, wo er ein Video davon schickt, wie er mit einem Teufelsgerät namens Slingshot fährt.
Praktisch jeder, dem ich das Video zeige, kommentiert es mit: “Na das hat er aber nicht von dir.”
Sehr freundich, wie ihr den Begriff “Angsthase” umschrieben habt. Harhar. Aber mein Trost ist, dass er selbst unter Gleichaltrigen nur einen gefunden hat, der da mit ihm fahren wollte.
Die Bedeutung des Wochenendes ist im eigenen Leben einem gewissen Wandel unterworfen.
Als Schulkind habe ich die Wochenenden geliebt, aus den naheliegenden Gründen – ich gehörte wirklich nicht zu denen, die nach der Matura geweint haben (ja, solche gab es auch).
Als ich dann selbst ein kleines Kind hatte, waren die Wochenende ein Elend. Ich habe mir gerade einen Blogeintrag von früher wieder durchgelesen, der sehr lustig war, ich muss mich selbst loben; da schildere ich, wie ich mit dem Kind bei jedem Wetter rausgegangen bin, auch bei strömendem Regen, einfach um ihn auszupowern und dann wollte er auf der Straße “alleine gehen”, trotz Mörderverkehr und Unwetter, und ich vermerkte: “Da musste sein Willen leider gebrochen werden.” Boah, wie böse. Harhar. Also die Kleinkind-Wochenenden waren echt nicht mein Ding. Aber danach wurde es toll, als ich mit ihm essen gehen und dabei länger als fünf Minuten sitzen bleiben und richtige Gespräche führen konnte. Und dann ins Kino oder in eine Ausstellung oder ins Museum oder in den Motorikpark.
Wieder etwas später in meinem Leben gab es wunderschönen Wochenenden mit jemand besonderem, über die ich geschrieben habe, dass da “dieser kleine Raum war, in dem wir alles sagen konnten, uns alles erzählen, der einfach nur uns gehört hat”. An diese Wochenenden werde ich mich sentimental erinnern bis- ach einfach für immer. Irgendwie sind meine Blogeinträge nicht mehr so witzig-böse, dafür immer rührseliger, kommt mir vor, das ist sicher das Alter, harhar.
Und jetzt gerade lasse ich mich oft treiben; das Kind hat natürlich schon lang seinen eigenen Rhythmus und in der Zeit, wo sich unsere Wachphasen überschneiden, treffen wir uns zu Mahlzeiten oder zu Formel 1 Rennen, und dann geht er Scooter fahren und ich gehe ins Kino oder in den Garten. Manchmal sitze ich auch am Wasser, wie gestern, und trinke Holundersaft aus solchen Hipstergläsern und beim Anblick dieses Glases mit Minze und Zitrone und Eiswürfeln, was mir immer gute Laune macht, ist mir die Inspiration zu diesem Blogeintrag gekommen.