almis personal blog

Sommerpläne 2

Ein Posting von A. auf Instagram, führt mit zu meinen Sommerplänen, Teil 2. Sie hat nämlich das Buch Der Sommer meiner Mutter empfohlen, ich habe gegoogelt, ob es das in meiner Bücherei gibt und habe es mir dann, gleich mit noch drei weiteren Büchern, ausgeborgt. Alles wieder einmal unbezahlte Werbung.

Nachdem ich sie in der Bücherei entliehen hatte, musste ich länger auf den Bus waren, und habe Der Sommer meiner Mutter an der Haltestelle zu lesen begonnen, als mich irgendwann eine mir unbekannte Frau antippte und meinte, ob ich nicht mitfahren will, der Bus wäre jetzt da, das Buch scheint ja sehr spannend zu sein, harhar. Ja, gibt’s ein besseres Zeichen?

Was hat das mit meinen weiteren Sommerplänen zu tun, nun die sind (auch) lesen. Vom Julie Zeh Buch erwarte ich mir eloquente Renitenz harhar, ich mag sie und ihre Ansichten sehr. Den Roman von Vera Zischke habe ich auch bei jemanden von Insta gesehen, es geht um ein Thema, an dem sich schon viele Autorinnen abgearbeitet haben, nämlich wie das geht Frau und Mutter gleichzeitig sein, aber ich gebe solchen Romanen trotzdem immer wieder eine Chance. 22 Bahnen wiederum hab ich mir vor allem wegen L. ausgeborgt, wir wollen den Film, der darauf beruht, im Herbst ansehen.

Ich möchte mir auch noch zwei oder drei neuere Bücher kaufen, einfach so, wegen der Urlaubsstimmung, ohne in Urlaub zu fahren. Ich habe da Alles wovor ich Angst habe, ist schon passiert im Auge, was ich mir bei meinem letzten Buchkauf schon fast ausgesucht hätte. Klingt ja voll nach Urlaubsfeeling, oder? Harhar. Ich finde den Titel aber super. Ich möchte gerne wissen, was andere Menschen tun, wenn das Leben sie einmal so richtig aus der Spur geworfen hat.

Außerdem möchte ich mir ein Buch von Bachmann Juror Philipp Tinger aussuchen, einfach weil ich jetzt auch wissen will, wie er schreibt. Das wird sicher irgenwas hippes aus Berlin sein und mal sehen, wie mir das gefällt. Dazu noch den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Heinrich Böll, der Was machen wir aus unserem Leben heißt.

Ziemlich spannend finde ich auch etwas ganz anderes, nämlich Sprechende Fassaden von dem diese Woche leider verstorbenen “Fassadenleser” Klaus-Jürgen Bauer. Das brauche ich, im weitesten Sinne, auch aus Recherchezwecken, wegen meines eigenen Buchprojekts.

Ferienstart

Am Freitag gabs ein erfreuliches Zeugnis (Notenschnitt 2,0 irgendwas, knaaapp, harhar).

Danach hatte ich kurz einmal acht junge Männer in der Wohnung, die quasi ihre Zeugnisse irgendwohin warfen, sich Badesachen anzogen und in die alte Donau schwimmen gingen. So startet man die Ferien! An diesem Tag sah sich das Kind dann auch noch den F1 Film an. Sein Fazit: Witzig, aber unrealistisch. Na gut, Brad Pitt ist ja schon mal ungefähr 20 Jahre zu alt für einen Formel 1 Rennfahrer. Der Hund von Lewis Hamilton, Roscoe, hat auch einen Acting-Credit bekommen, das finde ich süß.

Am Samstag habe ich, wie schon erwähnt, Bachmannpreis geschaut. Letztendlich hat Natascha Gangl mit Da Sta gewonnen. Das war wirklich ein guter Text für eine Performance, mit seinen ganzen Sprachspielereien, aber so für mich zum Lesen war das irgendwie zu experimentell. Meine beiden Favoriten haben aber eh auch Preise bekommen.

Die Jurorenrunde der TDDL auf meinem Laptop

Diesmal waren die Jury-Diskussion nicht so extrem hart wie sie das früher schon einmal waren. Ich möchte übrigens, dass Philipp Tingler Juror bleibt, ich finde ihn so amüsant und edgy, wobei auf Social Media anscheinend Leute festgestellt hatten, er habe sich verändert. Moderator Fässlacher zu Tingler: Ist das gut? Tingler: Eine Veränderung ist nicht per se gut, man kann ja auch zum Monster werden. Harhar.

Außerdem darf ich jetzt den ganzen Sommer mit der U6 hin und her pendeln, weil die Schnellbahn ja (wieder) gesperrt ist. Das macht mich nicht besonders froh. Und es lädt immer ein bisschen dazu ein, fast wie Geburtstag und Neujahr, darüber zu reflektieren: Wie war das Leben vor einem Jahr? Wie ist es mir da gegangen, als ich (endlos) in der Ubahn gesessen bin? Habe ich mich weiterentwickelt? Ich denke schon, aber manchmal kommt es mir viel zu langsam vor. Immer wieder stecke ich doch in ähnlichen Gedankenspiralen fest. Manchmal bin ich ratlos.

Manches will ich aber, auch immer, nah bei mir haben. Es sind, man ahnt es, die Erinnerungen an den einen Menschen. Das hat sich nicht geändert.

TDDL 25, drei

Am heutigen Tag waren alle vier Texte lesenswert, meiner Ansicht nach.

Es gab wieder einen netten Juryschlagabtausch über Daughter Issues, den Thomas Strässle vorgeschlagen hat und über den Klaus Kastberger gar sagte “Das ist ein Siegertext”.

Strässle: Ich war eigentlich darauf vorbereitet, dass ich diesen Text hier verteidigen muss, jetzt muss ich meine Strategie ein bisschen ändern.

Tingler: Sie können ja mich erstmal noch reden lassen.

Strässle: Dann soll mal Tingler hier seine Vorbehalte anbringen.

Tingler: Herr Tingler äußert seine Vorbehalte.

Meine zwei Lieblingstexte des ganzen Bewerbs sind aber Kindheitsbenzin von Boris Schumatsky und Fast eine Geschichte von Almut Tina Schmidt. Wobei diese beiden Texte an sich ziemlich unterschiedlich sind.

Schmidt schildert im Prinzip in Alltagssprache das Leben in einem Mietshaus und es passiert, siehe Titel eigentlich gar nichts. Aber wie Schmidt die Beziehungen der Bewohner porträtiert, wie man die anderen Mieter eben auch so mehr oder weniger kennt, welche Allianzen geschlossen (und wieder aufgelöst) werden, dass man zwar sehr nahe wohnt, aber nur Ausschnitte aus dem Leben der anderen beobachtet, wie man im Endeffekt ähnliche Leben führt (Hochzeit/Kinder/Scheidung/Krankheit), ähnlich scheitert, sich begegnet und wieder zurückzieht, das gelingt ihr, finde ich, hervorragend. Außerdem gibt es in diesem Text den grandiosen Satz: “Sibylle trug eine Frisur, die ich noch nie an irgendjemand gesehen hatte.” Schon sehr schön.

Schumatsky hat, wenn man so will, das staatstragendere Thema, im wahrsten Sinn des Wortes, als russischer Schriftsteller in Berlin, dessen betagte Mutter noch in Moskau ist und er immer überlegt, ob er zu ihr fliegen soll, was ein gewisses Risiko für ihn bedeuten würde, oder stattdessen einfach darüber schreibt, dass er zu ihr fliegt. Das ist alles sehr poetisch, von vielen Reflexionen über die (Mutter)sprache begleitet, auch über das Schreiben: “Ich schreibe deutsche Prosa, in die ich meine Wahrheit übersetze oder scheitere”, heißt es einmal. Oder auch. “Meine Mutter spricht eine Sprache, die Angst vor ihren eigenen Wörtern hat.” Und einmal, fast lakonisch: “In Moskau war Tauwetter, kein politisches, überall lag noch Schnee”.

Morgen ist dann die Preisverleihung.

TDDL 25, zwei

Beim Text Die Jäger von Chitwan von Verena Stauffer hab ich mir gedacht, ich verstehe die Geschichte irgendwie überhaupt nicht. Etwas peinlich, aber kann ja mal passieren. Gott sei Dank bin ich keine Jurorin.

Umso witziger war es, dass Juror Philipp Tingler zu Klaus Kastberger, der die Autorin eingeladen hat, gesagt hat: Ich möchte eine schlichte Frage stellen. Worum geht’s? Harhar

Kastberger daraufhin: Heiner Müller hat einmal gesagt, wenn ich Welt-Unterrichtsminister wäre, würde ich die eine Frage verbieten lassen und zwar die Frage “Was will der Text uns sagen?”

Daraufhin entspann sich eine halbwegs hitzige Diskussion zwischen den Juroren, in der Jurorin Brigitte Schwens-Harrant den schönen Satz sagte: “Ich habe nichts gegen Sätze.” Man einigte sich darauf, dass dieser Text eine Diskursfläche im Elfriede Jelinek’schen Sinne ist.

Am Ende dann wieder Philipp Tingler: Ich möchte fürs Protokoll festhalten, vielleicht ist das eine altmodische, aber meine unumstößliche Überzeugung, dass sich ein literarischer Text die Frage gefallen lassen muss, “Worum geht es?”

Thomas Strässle: Wenn man eine Lehre ziehen will, alles hängt mit allem zusammen und alles kann in alles umschlagen.

Tingler: Aber wussten wir das nicht schon vorher?

Strässle: Wir ahnten es.

Harhar, das ist meine Art von Diskussion, ich finde das höchst amüsant. Und ja, ich bin da auch altmodisch.

TDDL 25, eins

Die Bachmannpreisträgerin von 2021 Nava Ebrahimi hat gestern mit dem Text Drei Tage im Mai den heurigen Bewerb, die Tage der deutschsprachigen Literatur, eröffnet, und ich hab mit dem Text so viele Probleme – ein nicht ganz unerhebliches davon ist, dass der Text sich überhaupt nicht mit Literatur beschäftigt – dass ich das mal gesondert behandeln muss.

Kommen wir stattdessen zur allseits beliebten Bachmannpreis Bingo Karte dieses Jahres:

Sehr hübsch wieder, ich bin auch immer neidisch auf Mara Delius wegen des Colas harhar, und diesen Punkt kann man tatsächlich schon abhaken.

Was ich bei dieser Bingokarte noch ergänzt hätte, wäre “Prätentiöses Vorstellungsvideo einer Autorin/ eines Autors”. Hätte man heute auch bereits (mehrfach) gehabt. Mir ist schon klar, jede und jeder möchte sich von seiner besten Seite zeigen und in die fünf Minuten alles reinpacken, aber es ist halt oft einfach viel zu gewollt und anstrengend.

Am heutigen ersten Lesetag wurde gleich bei der ersten Autorin Fatima Khan darüber reflektiert, was man bei Literatur in Briefform bedenken muss. Sowas ist ja immer so eine Art Germanistikseminar (in humorvoll) und ich liebe das natürlich total. Hier ging es darum, dass man einen Brief an jemandem schreibt und nicht über jemanden. Sprich: Wenn man den Lesern etwas erzählen will und diese Informationen in den Brief hineinpackt, der Adressat diese Informationen aber schon hat. In dem Fall ging es um Aspekte des islamischen Glaubens, die man den Lesern näherbringen will, nachdem der Vater (als Adressat) aber ein Islamwissenschafter ist, muss man diese ihm ja nicht erklären – was die Autorin aber teilweise gemacht hat.

Es fielen aber auch schöne Sätze wie “Ich bin in einem salzarmen Haushalt großgeworden” und “Über eine Familie wie unsere werden normalerweise keine Bücher geschrieben.” Oder nachdenkenswert, die Protagonistin ist Kunsthistorikerin: “Erinnerung ist eine Form von Architektur”.

Replik von Juror Klaus Kastberger: “Ich hätte mir in diesem Text mehr Sichtbeton gewünscht” harhar schön.

Die Leykam Kontroverse

Der Leykam Verlag geriet in den letzten Tagen in die Schlagzeilen.

Falls es jemand nicht mitgekriegt hat, die Autorin Mareike Fallwickl gibt in Kürze mit Eva Reisinger ein Buch heraus, das sich Das Penismuseum (sic!) nennt und in dem mehrere Autorinnen ihre Sicht auf Frau sein in der heutigen Zeit schildern. Die Beschreibung lautet: “Wütend, unberechenbar und ungezähmt – die Frauenfiguren von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger haben genug. Sie lassen sich nichts mehr gefallen, verhalten sich anders, als die Gesellschaft es von ihnen erwartet, sie leben anders, lieben anders, hassen anders.”

Ich mochte Die Wut, die bleibt von Mareike Fallwickl überhaupt nicht, vor allem nicht die “Lösungen”, für die der Roman steht. Ich habe aber noch extra anderes von ihr gelesen, das ich erheblich besser fand, weil weniger orthodox. Ideologie frisst oft Verhältnismäßigkeit und manchmal auch Literatur. Und das lässt sich auch 1:1 auf das übertragen, was gerade bei Leykam los ist. Denn eigentlich hätte auch die Autorin Gertraud Klemm einen Beitrag zu Das Penismuseum leisten sollen, aber sie wurde nun gecancelt, weil random Menschen im Internet sie transfeindlich finden, dabei geht es unter anderem um den Begriff “Frau”. Deshalb wurde sie von Leykam und den Co-Autorinnen sofort reflexhaft vor den Bus geworfen.

Man kann sich gerne die inkriminierten Passagen von Klemm durchlesen, die Presse hat sie abgedruckt, und sich selbst eine Meinung bilden. Sie werden als “trans-ausschließend, radikalfeministisch” bezeichnet. Natürlich ist es nicht notwendig, die Ansichten von Klemm zu teilen. Aber seit wann schaffen wir es nicht mehr, Perspektiven, die nicht den unseren entsprechen, zuzulassen? Seit wann wird nicht mal mehr diskutiert? Es kann und soll doch nicht nur eine Einheitsmeinung geben und alles, was vom aktuellen Meinungs-Mainstream abweicht, gebrandmarkt werden als in letzter Konsequenz dann immer rechts(radikal), faschistisch. Das kennen wir ja schon von Corona, es ist das Totschlagargument schlechthin.

Ich erachte das als ganz gefährliche Entwicklung und, was die derzeitigen Protagonisten und in dem Fall vor allem -Innen, die im Moment auf der “richtigen” Seite stehen, vergessen: Auch sie können jederzeit, sollten sie etwas “Unvernünftiges” sagen oder schreiben, oder irgenwann vor zig Jahren geschrieben oder geäußert haben, was dem dann aktuellen Narrativ zuwiderläuft, genau dasselbe Schicksal wie Klemm erleiden. Ich persönlich möchte nicht in einer Welt leben, in der der Meinungskorridor immer enger und enger wird und damit die Welt selbst.

Pfingstwochenende

Das Pfingstwochenende begann gefühlt Donnerstagabend, als bei Germany’s Next Topmodell das Driving Bed Shooting (oder so ähnlich) am Programm stand. Hierfür müssten sich die je fünf verbleibenden Frauen und Männer zu einem Paar zusammentun, das sich dort am Bett etwas näher kommt und dabei durch L.A. fährt. Davor sahen sie ein Musikvideo, wo Heidi K. etwas ähnliches mit Pedro Pascal tut. Alle waren so schockiert, es war schon wieder sehr lustig. Und wenn man dann Fotos mit jemand machen muss, den man nicht leiden kann – klappt das nicht wirklich. Manche konnten sich aber leiden, harhar.

Am Freitag war ich mit L. bei Joseph auf der Landstraße frühstücken. Sie haben dort eine neue Karte, wir haben uns aber wie meistens für einen Ei-Muffin entschieden, uns dann aber noch ein Müsli mit Emmer, Einkorn, Joghurt und frischen Früchten geteilt, mhmm, sehr gut.

Freitagsfrühstück bei Josephbrot – halb drinnen, halb draußen sitzend

Danach sind wir noch in die Innenstadt zu NewOne gefahren (unbezahlte Werbung), L. wollte Armbänder kaufen und so kam es, dass ich am Ende – out of the blue – auch ein Freundschaftsarmband bekommen habe, danke <3 Habe eine große Freude damit und werde es wohl nie wieder abnehmen, schon alleine deshalb, weil es mir die Verkäuferin ganz genau angepasst und dann verschlossen hat und ich keine Ahnung habe, wie es wieder aufgeht harhar.

Am Wochenende war das Wetter “quasi quasi”, wie meine italienische Schüleraustauschpartnerin es immer treffend bezeichnet hat. Ich war trotzdem im Garten und habe bei strömendem Regen und nassem Eichhörnchen am Baum daneben geschrieben, Malina gelesen und Podcasts gehört. Am Sonntag lief außerdem eine Doku von Ostfilm, an der ich wieder mitgearbeitet habe und zwar ist das Thema diesmal, recht aktuell auch, Hachschara – Israels Pioniere aus Österreich. Hierfür habe ich viele englische Interviews von Jüdinnen und Juden gehört und transkribiert.

Besonders berührt hat mich ein älterer Mann, der erzählt hat, dass sein Vater damals im zweiten Weltkrieg mit der Jugendbewegung nach Israel gekommen ist, dessen Vater wiederum, also sein Großvater, es aber nicht geschafft hat, er wurde mutmaßlich auf der Reise in einem Lager ermordet. Und dieser Mann hat bis zu seinem Tod darauf gewartet, trotzdem er selbst schon Kinder und Enkelkinder hatte, dass sein eigener Vater doch auch noch irgendwann in Israel ankommt und er ihn wiedersehen kann. Ich finde, das erzählt auch etwas darüber, wie sehr ehrliche Hoffnung jeder Logik und Vernunft trotzen kann. Manchmal braucht man diese Art der Hoffnung auch einfach, um weiterleben zu können.

Blick von der Rahlstiege in Richtung Top Kino und Bar

Zum Abschluss des Wochenendes ging es ins Top Kino, wo ich ewig nicht war und wo ich mich, wie im Schikander, recht deplatziert gefühlt habe. Jedenfalls habe ich endlich Oslo Stories: Liebe gesehen. Und das war tatsächlich für mich der sperrigste Teil der Trilogie. In Kürze dann mehr dazu.

Literatur und Herkunft, zwei

Ich habe mich übrigens nicht auf der “Where are you from” Wand verewigt, weil ich dachte, ich bin halt ein Einzelkind einer Mittelschicht Familie aus Wien, ur fad. Mir ist auf die Schnelle nichts poetisches oder skurilles in den Sinn gekommen, was mich interessanter machen hätte können. harhar.

Beim näheren Nachdenken ist mir immerhin eingefallen, dass ich väterlicherseits Vorfahren aus Osteuropa habe, wie eh die meisten Wiener. Mütterlicherseits gibt es dagegen einen Giftmörder und “generell sehr viele Wahnsinnige” – wie es mein Vater gern formuliert hat. Politisch korrekt würde man sie eher suchtkrank oder depressiv nennen. Meine Großmutter (mütterlicherseits) wurde von ihrem ersten Mann angeschossen und durfte sich deshalb in den 1930er Jahren scheiden lassen und hat dann meinen Großvater geheiratet, der damals gerade verwitwert war. Ich habe beide nicht mehr kennengelernt, sie waren über 15 Jahre älter als meine anderen Großeltern.

Ich selbst bin vorwiegend bei meinen Großeltern (väterlicherseits) aufgewachsen und das war sehr schön. Ich habe mich aber auch früh darauf vorbereitet, dass sie mich auf meinem Weg nicht allzu lange begleiten würden können. Glücklicherweise war ich aber bereits erwachsen, als ich sie loslassen musste. Das Verhältnis zu meinen Eltern würde den Rahmen hier sprengen und, um mit Thom York zu sprechen, ich will es nicht trivialisieren.

Als Mädchen war ich im Ballett – nicht unbedingt weil ich das wollte oder ein spezielles Talent dafür hatte, sondern weil meine Eltern es gut fanden, dass ich beschäftigt war. Die Ballettschule wurde von einem netten Ehepaar geleitet und wir mussten immer unsere Mitgliedskarte abstempeln lassen, wobei mich der Mann oft mit: “Oh unsere lyrische Heidi” begrüßte. Ich wusste echt sehr lange nicht, was er damit meinte. Aber wahrscheinlich bestand ein Zusammenhang damit, dass ich wirklich sehr viele Stunden am Tag in einer Art Traumwelt lebte. Das haben mir einige Leute mit anderen Worten immer wieder mal gesagt, ich sei eben eine “Künstlerin”.

Das hat sich aber nicht im Tanz, sondern im Schreiben manifestiert, mein Leben ist irgendwie untrennbar damit verbunden. Deshalb gibt es auch diesen Blog und dafür, dass mir im Museum nichts eingefallen ist, habe ich mich hier aber ganz schön ausgelassen. Harhar

Literatur und Herkunft

Gestern habe ich es noch schnell ins Literaturmuseum mit freiem Eintritt geschafft.

Obwohl diese Aktion jetzt vorbei ist, kann ich die aktuelle Ausstellung Woher wir kommen. Literatur und Herkunft nur sehr empfehlen. Wie auch schon bei der Ingeborg Bachmann-Schau vor zwei Jahren ist das Thema ungeheuer interessant und auch umfangreich aufbereitet. Ich war fast eineinhalb Stunden dort und da war ich schon recht zügig unterwegs.

Ich, wie ich Christine Nöstlinger lausche – bei uns im Bau und nemau, Tia an Tia, lem Leid wia mia.

Das Thema Herkunft wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Sowohl auf die “Klassenzugehörigkeit” und die ökonomischen Möglichkeiten bezogen, wie auch auf die jeweilige Familiensituation/Konstellation, oder auch in Hinblick auf den kulturellen Background, einen etwaiger Migrationshintergrund bzw. Mehrsprachigkeit. Vorgestellt werden dabei verschiedende Autoren bzw. Autorinnen und ihre dazu passenden Texte (oft handschriftlich), wie auch Alltagsgegenstände und private Fotos, die das Thema illustrieren.

Mir gefällt das sehr gut, wie das Museum es schafft, auch visuell gewisse Stimmungen zu vermitteln:

Wir lesen, dass das Überwinden der eigenen Klassengrenzen ein Hauptthema bei der Nobelpreisträgerin Annie Ernaux war. Wir lesen über die Südtiroler Autorin Anita Pichler, die über “die zwei Orte” reflektiert, zwei Sprachen, zwei Lebensweisen und wie sie diese Binärität auch in ihrem weiteren Leben immer wieder sucht. Wir erfahren natürlich über Ingeborg Bachmann und Klagenfurt, über Peter Handke und seine Rückkehr nach Griffen nach dem Suizid seiner Mutter. Die ganze Ausstellung dreht sich um die Pole: Ankommen, wegfahren, anderswo ankommen, zurückkehren. Herkunft wieder finden, von ihr fliehen.

Eine spannende Frage, die ich mir selbst tatsächlich so noch nie gestellt habe – also was den Ort betrifft

Es gibt auch sehr inkonventionelle Interpretationen von Herkunft. In einem Gedicht von Wilhelm Szabo heißt es: “Mein Vater der Regen, meine Mutter der Wind, ich bin des Nebels, des Graugewölks Kind. (…) Ich bin gebürtig aus jeglichem Land, entsprosse den Tundren, den Hainen, dem Sand.”

Lustig ist Ödon von Horvaths Kurzbeschreibung seines Lebens. Er schildert gewisse Ereignisse in Bezug zu seiner jeweiligen Körpergröße: “Mein Interesse für Kunst, insbesonders für die schöne Literatur, regte sich relativ spät, bei einer Höhe von 1,70 Meter. Mit 1,69 hatte ich mein erstes ausgesprochen sexuelles Erlebnis (…) Heute gehe ich nur mehr in die Breite, aber hierüber kann ich Ihnen noch nichts mitteilen, denn ich bin mir halt noch zu nah.”

Am Ende kann man noch über seine eigene Herkunft reflektieren:

Es gibt dann noch auf zwei Stöcken eine Dauerausstellung über die (österreichische) Literaturgeschichte, da war ich aber nur kurz, weil schon so voller Eindrücke. Ich werde sie mir mal separat ansehen.

Wochenstart

Nach einem schönen und auch nachdenklichen Wochenende wie dem letzten geht es in eine neue Woche.

Es ist ok, Dinge zu fühlen. Es ist ok, darüber zu schreiben, egal was andere darüber denken mögen. Mir ist gar nicht mehr wichtig, was andere über mich denken. Es hat eh keiner was gesagt, harhar, nur so allgemein.

Wie auch immer, diese Woche gibt es jedenfalls auch wieder ein paar Highlights aus dem niederen (siehe: mir ist egal, was andere denken harhar) und höheren Kulturbereich, die mir Freude machen werden. Heute endlich wieder mal Wer wird Millionär und einen Fm4 Filmpodcast zum Film Austroschwarz. Da habe ich den Trailer bereits mehrfach gesehen, weiß aber ehrlich gesagt nicht so recht, was ich davon halten soll. Außerdem will ich es bis Mittwoch noch ins Literaturmuseum schaffen, weil freier Eintritt und es gibt eine Ausstellung zum Thema Literatur und Herkunft, was für mich sehr interessant klingt.

Ins Kino “muss” ich auch in Kürze, Oslo Stories – Liebe. Und dann ist ja noch Germanys Next Topmodell, die “Knutschfolge” und ganz viel Arbeit habe ich im übrigen eh auch immer noch. Wobei es heute schon etwas weniger geworden ist, ich sitze seit sechs Uhr früh am Schreibtisch und es geht voran. Das ist auch ein gutes Gefühl, was zu schaffen und zu erledigen.

Außerdem hatte das Kind heute einen Kurs und schrieb mir: Gleich zwei neue Freunde gefunden. Und ein paar Minuten später: Dritten Freund gefunden. Ich freue mich, dass es so einfach für ihn ist. Zu mir hat die Billa-Kassiererin heute gesagt: “Ich hab sie schon lange nicht gesehen. Wie schön, dass Sie wieder einmal da sind.” Da habe ich mich auch gefreut. Und jetzt am Abend regnet es, ganz beruhigend.

Und ja, die Erinnerungen sind sowieso bei mir und der letzte Gedanke jeden Tag gilt immer jemandem. Auch wenn ich dann von Wendeltreppen träume ist das schön. Ich bin wieder in der Spur.