almis personal blog

Day-Lewis is back

Daniel Day-Lewis kehrt auf die Leinwand zurück.

Er ist ja 2017 quasi im normalen Rentenalter in Pension gegangen, und zwar nur einige Tage nachdem ich hier am Blog geschrieben habe, dass ich kein großer Fan von ihm bin. Wenn auch nicht deswegen harhar.

Jedenfalls ist Day-Lewis ja sowas wie das männliche Äquivalent zu Meryl Streep, weil beide haben drei Schauspiel-Oscars bisher und es gibt jetzt nicht so extrem viele Menschen, die das von sich behaupten können. Jack Nicholson fällt mir spontan noch ein. Aber wenn meine Mutter über Leonardo di Caprio in The Great Gatsby gesagt hat: “Na Redford is a kana”, so gilt das umso mehr für Day-Lewis, als er in einem quasi Remake von 8 1/2 (einer meiner Lieblingsfilme), nämlich Nine die Rolle von Marcello Mastroianni gespielt hat. Mastroianni ist er definitiv keiner! Eine krassere Fehlbesetzung gibt es eigentlich nicht, denn Day-Lewis ist sicher viel, aber kein italienischer Lebemann.

Ich muss aber zugeben, ich habe kürzlich mal seinen bis dato letzten Film Phantom Thread von Paul Thomas Anderson gesehen, in dem Day-Lewis einen richtig unangenehmen Kontrollfreak spielt, der seine Aggressivität und ungute Art nur mühsam unter Kontrolle halten kann, und das hab ich ihm wirklich voll abgenommen harhar.

Jedenfalls spielt er jetzt in Anemone, dem Debütfilm seines Sohnes Ronan, die Hauptrolle. Es geht um eine komplizierte Vater/Sohn Beziehung (autobiografisch?), was ja zumindest recht interessant klingt. Auf X hat jemand geschrieben: “Getting Daniel Day-Lewis in your debut feature because he’s your dad might be the most powerful use of nepotism we’ve ever seen”. Super formuliert. Und ich glaube, den Film werde ich mir ansehen.

E-Bow the Letter

Apropos Patti Smith, auch wenns konstruiert klingt: ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder einen Song gehört, der gleichzeitig eh der einzige Song ist, den ich von ihr kenne, nämlich E-Bow the Letter. Eigentlich ist es ein REM Song, Smith singt hier die Backing Vocals und wurde von der Band als große Einflussgröße genannt.

Der Song war die erste Single aus dem REM Album New Adventures in Hi-Fi aus dem Jahr 1996 und als solche völlig ungeeignet. Weil sie ist ur lang, über fünf Minuten, sperrig und er hat halt auf keiner Ebene das Zeug zum Ohrwurm, was ja die erste Single schon immer haben sollte, wenn man nach den Pop-Markt-Gesetzmäßigkeiten geht. Das Video ist ebenfalls sehr Arthouse (verwackelt, unscharf, etc) und es geht viel ums (Weg)Fahren und unterwegs sein.

Ich mag E-Bow the Letter aber immer schon sehr gerne, weil der Song etwas tut, was ich total schätze. Und zwar, komplett unmusikwissenschaflich erklärt: Die Musik macht das eine, der Sänger (hier Michael Stipe) singt irgendwie daneben vorbei und in diesem Fall gibt es eben noch Patti Smith, die auch wiederum ihr eigenes Ding macht. Es ist niemals ein Zusammenspiel von mehreren Komponenten, sondern ein parallel geführter Alleingang, jeder könnte gefühlt auf einem anderen Planeten sitzen, wenn man so will, es ist aber trotzdem stimmig.

Ich hab jetzt recherchiert und Stipe hat den Song für den verstorbenen Schauspieler River Phoenix geschrieben, mit dem er befreundet war. Es ist ein frei assoziierender Brief und der “E-Bow” ist, habe ich auch erst jetzt herausgefunden, ein Zusatzgerät bei einer E-Gitarre, das die Saite in elektromagnetische Schwingungen versetzt und damit einen lang anhaltender Ton erzeugt. Also quasi ein Brief, der schwingt, vielleicht?

Der Text ist irrsinnig schwer zu dechiffrieren, man könnte sagen, Stipe philisophiert über Sucht und Ruhm und Sinn. Er erschuf hier die extrem strange, aber auch interessante Zeile: “This fame thing, I don’t get it. I wrap my hand in plastic to try to look through it” Diese Zeile spürt man eher, als man sie versteht. Er singt auch, sehr berührend: “I wear my own crown of sadness and sorrow” und er stellt fest: “Aluminum tastes like fear.” Alles irgendwie eigenartig, aber wirklich schön.

Der Wiener Kreis

Weil ich in der Nähe war, habe ich mir gleich die Ausstellung Orte des Wiener Kreises in der Wienbibliothek im Rathaus angesehen.

Ich dachte, das wird wieder so eine Mini-Ausstellung wie Karl Kraus vor einem Jahr, tatsächlich ist diese aber doch eine Spur umfangreicher und auch ansprechender gestaltet. Es gibt einen eigenen “Ausstellungsgang”, aka Kabinett, den man selbstständig abgehen kann, auch mit audiovisueller Unterstützung. Insofern empfehlenswert, wenn man in der Gegend ist und ein bisschen Zeit mitbringt.

Überraschend war für mich, hier auch die Musikerin Patti Smith zu sehen, die auf der Philosphenstiege der Hauptuni, wo Moritz Schlick, der Gründer des Wiener Kreises, 1936 erschossen wurde, eine Meditation ihm zu Ehren abgehalten. Eine Verbindung der beiden ist irgendwie skurill, die Google KI weiß gar nichts davon harhar, aber Smith hat tatsächlich sogar einen Kurzfilm über diese “Begegnung” mit Schlick gedreht.

Bei der Ausstellung werden, Nomen est Omen, die Orte porträtiert, an denen der Wiener Kreis tätig war. Es gibt in der Ausstellung dementsprechend verschiedene Sektionen wie unter anderem die Universität selbst, die Boltzmanngasse 6, wo das Mathematikinstut beheimatet war, das Kaffeehaus an sich (siehe auch Kaffeehausliteraten), die Privatwohnungen, das Palais Epstein und das Volksheim in Ottakring – alles Orte, an denen sich die Wissenschafter regelmäßig getroffen und ihre Gedanken ausgetauscht haben. Der Wiener Kreis wurde übrigens so genannt, um positive Assoziationen zum Beispiel zum “Wiener Walzer” zu evozieren.

Nebenbei wird auf vielen Schautafeln erklärt, worum es dem Wiener Kreis eigentlich ging, was aber schon eine recht komplexe Materie ist. Grundsätzlich verband die Teilnehmer “(…) der Versuch einer Verwissenschaftlichung der Philosophie mit den Mitteln der modernen Logik und das Bekenntnis zu den Werten der Aufklärung” (siehe wikipedia)

Viele, nicht alle, Protagonisten des Wiener Kreises wollten auch das Wissen quasi demokratisieren und unterstützen das Entstehen von Volksbildungsstätten und die Entwicklung von Volkshochschulen.

Der harte Kern des Wiener Kreises umfasste 19 Personen, interessant dabei war, dass auch Studenten und verhältnismäßige viele Frauen Teilnehmerinnen bei den Treffen waren.

Die Ausstellung wird sehr lebendig durch die Tagebuchaufzeichnungen einiger Teilnehmer wie Rudolf Carnap und Kurt Gödel, die über die Zusammenkünfte berichteten. Carnap notierte zum Beispiel: “Wittgenstein scharf gegen Popularisierung der Wissenschaft. Waismann dafür aufgrund seiner Volksheimerfahrung. Nachher beide gegen Okkultismus, Wittgenstein sehr heftig ” Und Gödel philosophierte: “Je mehr ich über Sprache nachdenke, desto mehr wundert es mich, dass die Menschen sich je verstehen”

Eine gewisse menschliche Note erhält das Ganze auch durch ein Zitat von Karl Popper, der dem Wiener Kreis nicht angehörte, allerdings, wie er sagte, nicht aus Ablehnung, sondern: “Tatsache ist einfach, daß Schlick mich nicht eingeladen hat, an dem Seminar teilzunehmen. Das war nämlich die Form, in der man Mitglied des Wiener Kreises wurde.” Irgendwie interessant, dass es in allen Gesellschaftschichten und quer durch die Bildungsniveaus Ressentiments und auch ein gewisses “Gatekeeping” gibt.

Letztendlich wurde der Wiener Kreis durch das Emporkommen der NSDAP und der Emigration vieler Proponenten langsam ausgehöhlt. Das Ende fand die Gruppe, wie gesagt, in der Ermordung von Moritz Schlick.

Funny Games

Ich habe bisher noch keinen Michael Haneke Film gesehen. Ich weiß, es ist arg, sich als Cineastin zu bezeichnen und Haneke zu boykottieren, weil man auf gewisse Weise Angst vor seinem Werk hat. Gestern habe ich es aber doch, mit viel Unwohlsein, endlich gewagt, weil im Arthouse Kanal gerade Funny Games läuft.

Funny Games erzählt die Geschichte einer gutsituierten österreichischen Familie, bestehend aus Mutter Anna (Susanne Lothar), Vater Georg (Ulrich Mühe) und dem Sohn Georg junior, genannt Schorschi (Stefan Clapczynski). Sie fahren mit dem Hund in ihr Landhaus, um ein paar unbeschwerte Sommertage zu verbringen, Golf zu spielen, und Ausfahrten mit dem Boot auf dem nahegelegenen See zu unternehmen. Die befreundeten Nachbarn, die sie beim Ankommen treffen, haben offensichtlich Besuch von zwei jungen Männern Peter und Paul. Peter (Frank Giering) kommt schon kurze Zeit später bei der Familie vorbei, um sich im Auftrag der Nachbarn Eier zu borgen, doch dabei handelt es sich nur um einen Vorwand, tatsächlich hat er ein ganz anderes Ansinnen…

ACHTUNG MASSIVE SPOILER

Nachdem ich jetzt also endlich diesen Film gesehen habe, habe ich eigentlich nur eine dringende, aber, wie ich finde, sehr sachliche und wohlreflektierte Verständnisfrage: Was soll dieser kranke Scheiß? Harhar.

Gut, der Fairness halber möchte ich sagen, dass man diese Frage auch Clockwork Orange von Stanley Kubrick stellen könnte. Einem Film, den ich extrem schätze (lieben kann man bei dem Thema kaum sagen), und, der meine unmittelbare Assoziation zu Funny Games war, weil es da wie dort um extrem gewalttätige Home-Invasions geht. Aber als ich Clockwork Orange zum ersten Mal gesehen habe, war ich erheblich jünger, habe, glaub ich, noch mehr ausgehalten und war von Beethoven abgelenkt (bei Haneke ist es Händel). Kubrick hat zwar einen ähnlichen Ansatz, macht aber aus der Problematik skrupellose, wahnsinnige, weiß gekleidete (!) junge Männer, die Gewaltorgien veranstalten, dann doch etwas völlig anderes. Clockwork Orange ist artifiziell überhöht und für mich auch irrsinnig ästhetisch. Der Film wirbelt die Frage nach Schuld und Sühne so komplett durcheinander, dass man am Ende erstmal nicht weiß, wo oben und unten ist.

Das ist bei Haneke anders. Funny Games ist sehr naturalistisch, extrem langsam erzählt, und Fragen werden innerhalb dieses Settings im Prinzip nicht gestellt. Die Fragen gehen nach außen. Man kann Funny Games als Versuchsanordnung sehen, im Sinne von: Ist es nicht das, was wir als Zuseher im Kino sehen wollen, ungeschminkte Brutalität und Gewalt? Sollten wir, wären wir bei Verstand nicht aufspringen, unseren Unmut äußern und diesen Film schon im Ansatz boykottieren? Macht es uns nicht zu Komplizen der Täter, wenn wir einfach gar nichts tun, außer weiter zuzusehen? Auf dieser Ebene funktioniert Funny Games tatsächlich zumindest als Experiment ganz gut. Andererseits könnte man aber auch sagen, Haneke spielt sich als moralische Instanz auf, sein Film macht aber dann formal auch nichts anderes als das von ihm kritisierte.

Tatsächlich haben mir bei Funny Games die, eher seltenen, subtilen Elemente am besten gefallen. Gleich ganz zu Beginn etwa, als die Familie in ihrem Domizil ankommt und über den Zaun hinweg mit den Nachbarn redet. Die Nachbarn verhalten sich körpersprachlich und in ihrer Art zu sprechen so eigenartig, dass das auch für den Zuseher ganz merkwürdig erscheint. Anna und Georg artikulieren diese Beobachtung und suchen die Schuld gleich mal bei sich. Sind die Nachbarn sauer, haben sie selbst vielleicht etwas falsch gemacht? Tatsächlich, und das merkt man dann im weiteren Verlauf des Filmes, haben Peter und Paul einfach zu diesem Zeitpunkt die Nachbarn schon in ihrer Gewalt, tun das, was sie bald darauf mit Anna, Georg und Georg Junior machen werden, nämlich kranke “Spiele” spielen. Die Vorstellung finde ich jedenfalls extrem unangenehm, dass niemanden geholfen werden kann, obwohl die anderen ja noch “frei” waren. Und: Während Peter irgendwie ein Komplexler ist, der gefühlsmäßig in diese “Sache” irgendwie hineinstolpert, ist Paul (Arno Frisch) das personifizierte Böse und das macht er sehr gut.

Haneke hat zehn Jahre später eine US Version dieses Filmes gedreht, die offenbar Szene für Szene komplett gleich aufgebaut ist, nur eben mit amerikanischen Schauspielern, warum weiß ich nicht.

Zum Abschluss eine Überlegung, die ein letterboxd User angestellt hat, und sie ist nicht ganz unberechtigt: “Has Michael Haneke ever experienced a positive emotion in his life?” Harhar.

22 Bahnen

Der Roman 22 Bahnen der deutschen Autorin Caroline Wahl wurde 2023 medial enorm gefeiert, ich habe von einigen Menschen sehr positives darüber gehört und auf Amazon gibt es hunderte begeisterte Leserrezensionen. Ich glaube, da ist es ok, wenn ich sage: Das Buch hat mir jetzt gar nicht einmal so gut gefallen. Aber wie Philipp Tingler bei den TDDL sagte, Literaturkritik muss mehr leisten als die eigene Befindlichkeit über einen Text zum Ausdruck zu bringen und so möchte ich das hier versuchen.

22 Bahnen handelt von der jungen Frau Tilda, einer Mathematikstudentin und ihrer zehnjährigen Schwester Ida. Tilda ist die Ersatzmutter von Ida, da die wirkliche Mutter schwer alkohlkrank ist und sich nicht nur nicht um ihr Kind kümmert, sie gefährdet ihre kleinere Tochter auch mit ihrem mitunter aggressivem Verhalten und ist, qua Sucht, generell ziemlich verantwortungslos: Stichwort Topf auf dem eingeschalteten Herd vergessen. Tilda, die nebenbei an der Supermarktkassa arbeitet und zum Frustabbau Schwimmen geht (22 Bahnen!) sorgt dafür, dass Ida überlebt. Nebenbei gibt es noch den Russen Viktor, der Tilda interessiert und seine eigene tragische Lebensgeschichte im Gepäck hat…

Also erstmal: Das ist mir einfach too much. One tragic event at a time! Harhar. Ich finde, es wird auch zu beliebig, wenn man parallel mit mehreren Personen mitfühlen soll. Zumal das Zentrum der Tragödie, die suchtkranke Mutter, für sich schon nicht besonders gut ausgearbeitet ist. Es werden eine Menge an Alkohliker-Klischees abgearbeitet, die auch Menschen geläufig sind, die mit Alkoholismus noch wenig in Berührung gekommen sind, und das macht mich misstrauisch, weil die Autorin, die sich eines solch großes Themas annimmt, mehr darüber wissen sollte als ich. Es fehlt außerdem die ganze Hintergrundgeschichte. Wieso hat sich das alles so entwickelt? Was für ein Mensch ist diese Mutter? Warum hat sie diese Wahl getroffen? Ich verstehe zwar, dass Tilda sie auf gewisse Weise hasst, aber auch das ist mir zu eindimensional. Es ist für mich immer wesentlich interessanter, wenn Texte die Ambivalenz einer Situation wiedergeben und nicht nur auf die offensichtlichen Reflexe rekurrieren.

Die Beziehung der beiden Schwestern zueinander ist für mich das Kernelement des Romans und der Teil, der noch am besten funktioniert. Allerdings gibt es auch da die typischen Coming of Age Roman Tropen: Das kleine, künstlerisch-begabte, altkluge Mädchen hier, die wilde, emotional beschädigte, aber kämpferische, junge Frau dort. Und dann schauen sie sich auch noch gemeinsam Die Tribute von Panem an, was – minus der Abstraktionsebene – ein direktes Vorbild für 22 Bahnen zu sein scheint. Viktor wiederum ist (natürlich, Russe, er hat die ganze Dostojewski Schwere im Rücken!) emotional unzugänglich, wenn es darauf ankommt aber dann doch auch warmherzig und pragmatisch-anteilnehmend, und das ist mir einfach auch zu sehr Retter-in-der-Not und Märchenprinz. Das würde ich zumindest ein bisschen ironisieren, wäre ich die Autorin.

Auch auf sprachlicher Ebene konnte ich persönlich nicht anknüpfen, es ist halt recht flapsig-rotzig geschrieben und dafür bin ich zu alt. Ziemlich gut hat mir aber ein erzählerischer Kniff gefallen, bei dem immer aufgezählt wird, was vor Tilda so am Supermarktkassenband liegt und wie Tilda die Produkte analysiert und auf die Person rückschließt, die diese Sachen eben gerade gekauft hat. Das hatte für mich mehr Tiefgang als praktisch alles andere in diesem Roman. Schließlich kam mir der Gedanke, dass 22 Bahnen im Grunde ein okayes Jugendbuch wäre oder ist, das einfach über Gebühr zur Offenbarung der neuen deutschen Literaturszene hochgejazzt wurde und dem dieser Ballast, meiner Meinung nach, nicht guttut.

Und ja, that’s it. Bin jetzt auf den Film gespannt.

Teamchefs

Stell dir vor, du bist 20 Jahre Red Bull Team Teamchef, hast sechs Konstrukteurs- und acht Fahrertitel gewonnen, dein Team hat 124 Rennsiege zu Buche stehen, du warst der Boss von Sebastian Vettel und Max Verstappen, die mit deinem Team mehrfach Weltmeister wurden etcetera und der Hollywood Reporter macht nach deiner doch ziemlich überraschenden Kündigung das daraus:

Also 1) Ehemann, 2) Star einer Dokuserie, 3) Beiläufige Erwährung deines eigentlichen Jobs. Ich frage mich, ist das ironisch gemeint, so auf die Art, deine Frau ist trotzdem der Weltstar oder ist das die Aufzählung in absteigender Form, nach den Komponenten, für die Horner eben bei einem US-amerikanischen Publikum bekannt ist?

Eine Freundin schrieb mir dann: “Ich mochte den eh nie. Und du?” Es kommt selten vor, aber ich hab da echt keine Meinung. Harhar.

Ich mag als Teamchef Toto Wolff gern, der jedesmal zwei Stunden extrem stoisch das jeweilige Rennen verfolgt, egal was passiert. Manchmal zuckt er aber auch aus und schmeißt sein Headset auf den Boden, vor Wut. Und ich mag sein Englisch mit diesem echt breiten Wienerisch drinnen. Hab mal zum Kind gesagt, dass Wolff genauso Englisch spricht wie ich, also vom Akzent her, und das Kind darauf: “Der spricht schlechter als du!”, harhar na dann.

Bond?

Hier kommt er, der Blogeintrag quasi ohne Expertise, harhar.

Einige Menschen haben mich auf den neuen Bond Regisseur Denis Villeneuve angesprochen und was ich dazu sage. Die Nerds feiern das ja ziemlich.

Also ich fühle mich jetzt ehrlich gesagt nicht als James Bond Kenner. Ich habe schon recht viele Bonds gesehen, einige aber auch komplett auf Autopilot, weil ich der Handlung nicht folgen konnte und/oder sie mir wurscht war. Von Denis Villeneuve kenne ich nicht allzuviel, das was ich kenne, ist aber ziemlich gut. Ich würde sagen, er ist ein Suspense Regisseur mit Arthouse Schlagseite. Das heißt, er inszeniert schon gewaltvolle Filme, aber mit echt schönen, fast romantischen Bildern und oft auch nachdenklich, differenziert gezeichneten Protagonisten, also er bricht ein bisschen das Genre, wenn man so will.

Im FM4 Filmpodcast meinte Pia Reiser, das werden keine lustigen Bonds werden. Ich hoffe aber, es wird auch nicht so dröge (ein Wort, das ich eigentlich nicht in meinem aktiven Wortschatz habe) wie Skyfall, den ja viele für besten Bond aller Zeiten halten. Ich fand aber wirklich jeden anderen Daniel Craig Bond besser, sogar den schon im Titel sperrigen Quantum of Solace, weil Skyfall war (für mich) soo bemüht ernsthaft und auch so hoffnungslos-depressiv, absolut ohne (Selbst)ironie; das ist Bond als Charakter für mich jetzt auch nicht.

Anyway, noch gibt es ja weder ein Buch, noch einen Hauptdarsteller, harhar. Und da haben Pia Reiser und Christian Fuchs überlegt, wer es denn werden könnte und Pia Reiser so: “Ich wäre für Josh O’Connor, weil der halt auch irgendwie so eine, ich nenne es mal deppert, Softness hat und so ein anderer Männertyp irgendwie ist.” Ja, ja, ja, sage ich dazu nur. Einerseits. Anderseits würde ich lieber noch mehr Josh O’Connor Indiefilme, unter anderem von Alice Rohrwacher sehen, als ihn jahrelang von der Bond Franchise verschluckt wissen. Ich glaube aber eh, dass er nicht mehr im Rennen ist, vielleicht auch, weil er nicht will.

Wir werden sehen.

Menschlich?

Heute in der Früh hab ich mich fast am Kaffee verschluckt, als ich zum Frühstück las, dass die FDP Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Janusz-Korczak-Preis für Menschlichkeit erhalten hat.

Strack-Zimmermann, die permanent für Aufrüstung und Waffenlieferungen trommelt und zu Neuausrichtung der Bundeswehr und in Bezug auf Russland sagt: „Was wir brauchen – das mag martialisch klingen – Sie brauchen, um aus Sicht der Bundeswehr zu agieren, ein Feindbild.” (zitiert nach ihrer Wikipedia Seite)

Also Menschlichkeit habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Das hat schon einiges von 1984.

Es hat mich auch an ein Interview (leider hinter Schloss) von Harald Schmidt mit der ZEIT von vor zwei Jahren erinnert, indem er über die, sagen wir mal, oft fragwürdige Vergabe von Auszeichnungen und Preisen spricht. Er selbst hat ja vor vielen Jahren ebenfalls den Grimmepreis erhalten.

Dazu sagt er über 20 Jahre später:

Es tut mir heute weh, daran zu denken, mit welchem Stolz ich den Preis damals nach Hause getragen habe. Der Fernsehdirektor vom WDR hatte recht – als ich ihm von meiner Nominierung erzählt habe, sagte er zu mir: Da musst du dir überlegen, was du falsch gemacht hast.

Aus: “Haltung zeigen kostet gar nichts. Null” – Interview in der ZEIT Nr. 37/2023

Harhar, ja sagt irgendwie alles.

TDDL 25, drei

Am heutigen Tag waren alle vier Texte lesenswert, meiner Ansicht nach.

Es gab wieder einen netten Juryschlagabtausch über Daughter Issues, den Thomas Strässle vorgeschlagen hat und über den Klaus Kastberger gar sagte “Das ist ein Siegertext”.

Strässle: Ich war eigentlich darauf vorbereitet, dass ich diesen Text hier verteidigen muss, jetzt muss ich meine Strategie ein bisschen ändern.

Tingler: Sie können ja mich erstmal noch reden lassen.

Strässle: Dann soll mal Tingler hier seine Vorbehalte anbringen.

Tingler: Herr Tingler äußert seine Vorbehalte.

Meine zwei Lieblingstexte des ganzen Bewerbs sind aber Kindheitsbenzin von Boris Schumatsky und Fast eine Geschichte von Almut Tina Schmidt. Wobei diese beiden Texte an sich ziemlich unterschiedlich sind.

Schmidt schildert im Prinzip in Alltagssprache das Leben in einem Mietshaus und es passiert, siehe Titel eigentlich gar nichts. Aber wie Schmidt die Beziehungen der Bewohner porträtiert, wie man die anderen Mieter eben auch so mehr oder weniger kennt, welche Allianzen geschlossen (und wieder aufgelöst) werden, dass man zwar sehr nahe wohnt, aber nur Ausschnitte aus dem Leben der anderen beobachtet, wie man im Endeffekt ähnliche Leben führt (Hochzeit/Kinder/Scheidung/Krankheit), ähnlich scheitert, sich begegnet und wieder zurückzieht, das gelingt ihr, finde ich, hervorragend. Außerdem gibt es in diesem Text den grandiosen Satz: “Sibylle trug eine Frisur, die ich noch nie an irgendjemand gesehen hatte.” Schon sehr schön.

Schumatsky hat, wenn man so will, das staatstragendere Thema, im wahrsten Sinn des Wortes, als russischer Schriftsteller in Berlin, dessen betagte Mutter noch in Moskau ist und er immer überlegt, ob er zu ihr fliegen soll, was ein gewisses Risiko für ihn bedeuten würde, oder stattdessen einfach darüber schreibt, dass er zu ihr fliegt. Das ist alles sehr poetisch, von vielen Reflexionen über die (Mutter)sprache begleitet, auch über das Schreiben: “Ich schreibe deutsche Prosa, in die ich meine Wahrheit übersetze oder scheitere”, heißt es einmal. Oder auch. “Meine Mutter spricht eine Sprache, die Angst vor ihren eigenen Wörtern hat.” Und einmal, fast lakonisch: “In Moskau war Tauwetter, kein politisches, überall lag noch Schnee”.

Morgen ist dann die Preisverleihung.

TDDL 25, zwei

Beim Text Die Jäger von Chitwan von Verena Stauffer hab ich mir gedacht, ich verstehe die Geschichte irgendwie überhaupt nicht. Etwas peinlich, aber kann ja mal passieren. Gott sei Dank bin ich keine Jurorin.

Umso witziger war es, dass Juror Philipp Tingler zu Klaus Kastberger, der die Autorin eingeladen hat, gesagt hat: Ich möchte eine schlichte Frage stellen. Worum geht’s? Harhar

Kastberger daraufhin: Heiner Müller hat einmal gesagt, wenn ich Welt-Unterrichtsminister wäre, würde ich die eine Frage verbieten lassen und zwar die Frage “Was will der Text uns sagen?”

Daraufhin entspann sich eine halbwegs hitzige Diskussion zwischen den Juroren, in der Jurorin Brigitte Schwens-Harrant den schönen Satz sagte: “Ich habe nichts gegen Sätze.” Man einigte sich darauf, dass dieser Text eine Diskursfläche im Elfriede Jelinek’schen Sinne ist.

Am Ende dann wieder Philipp Tingler: Ich möchte fürs Protokoll festhalten, vielleicht ist das eine altmodische, aber meine unumstößliche Überzeugung, dass sich ein literarischer Text die Frage gefallen lassen muss, “Worum geht es?”

Thomas Strässle: Wenn man eine Lehre ziehen will, alles hängt mit allem zusammen und alles kann in alles umschlagen.

Tingler: Aber wussten wir das nicht schon vorher?

Strässle: Wir ahnten es.

Harhar, das ist meine Art von Diskussion, ich finde das höchst amüsant. Und ja, ich bin da auch altmodisch.