almis personal blog

ESC – aftermath

Ich wollte ja nichts mehr zum ESC schreiben, aber was bleibt mir über? Wir hatten vier glückliche Tage, bis das ganze Elend über uns hereingebrochen ist.

Auch in unserer WhatsApp Gruppe wurde die Aussage von JJ zu Israel diskutiert und ich habe geschrieben: Si tacuisses, philosophus mansisses.

Das muss man aber auch erklären. Natürlich kann JJ sagen was er möchte, immerhin haben wir Meinungsfreiheit. Und ich halte ihn wegen dieser einen Aussage nicht für einen Antisemiten, weil man darf natürlich Israels Politik und Vorgehen kritisieren. Aber ich finde gleichzeitig auch, dass man den Nahostkonflikt nicht auf ein, zwei Sätze in einem verwackelten Zoom Call herunterbrechen kann, weil das schnell unterkomplex wird. Und die Trennung von Künstlerin/Künstler und der Politik ihres Landes ist nochmal was anderes.

Aber, above all: Bitte können wir endlich wieder beim ESC über Musik reden und nicht nur andauernd über Politik? Ich habe nämlich ein bisschen Angst, dass wir, wenn es so weitergeht, in zwei, drei Jahren keinen Songcontest mehr haben werden. Weil die einen wollen ein Land (oder in weiterer Folge vielleicht auch andere Länder, wer weiß, was noch passiert) ausschließen und drohen damit, nicht teilzunehmen, wenn das nicht geschieht. Die anderen wiederum wollen nicht mehr mitmachen, wenn eben das geschieht.

Ich habe in meinem Leben schon manches loslassen müssen, das ich sehr geliebt habe, der ESC war mir da oft ein Trost. Andererseits, wie sang ausgerechnet die israelische Teilnehmerin Yuval Raphael dieses Jahr so wirklich schön: “Darkness will fade, all the pain will go by, but we will stay, even if you say goodbye….a new day will rise. New day will rise.” Da interpretiert jeder etwas anderes hinein und assoziert es mit dem, was ihn am allermeisten schmerzt. Und trotzdem geht es irgendwie weiter. Ich hatte Tränen in den Augen.

Zurück zum ESC: Das Motto ist bekanntlich United by Music. Eine schöne Phrase, die super klingt, wenns um nichts geht oder wollen wir sie doch lieber mit Bedeutung füllen?

ESC 25 – unfassbar, drei

So, ein paar abschließende Betrachtungen, obwohl ich noch wochenlang über die ESC schreiben könnte, aber dann hab ich irgendwann keine Leser mehr harhar.

Wir sind voll in der ESC Depression angekommen, also nicht in Österreich, da wird diskutiert, ob der ESC in Wels, Oberwart oder auch Innsbruck realistisch ist, aber sonst stimmt alles, was so in den Tagen nach dem ESC, laut “Kalender” passiert:

  • Will Austrialia participate next year?
  • Many countries are displeased about the results: “We might not take part next year”
  • Voting scandals and conspiracy theories emerge

Vor allem das israelische Ergebnis des Televotings schlägt hohe Wellen. Und natürlich die üblichen Proteste gegen die Teilnahme des Landes.

Es wäre ja jetzt super, wenn man einen EBU Chef hätte, der mal auf den Tisch klopft und eine Ansage macht, so oder so. Aber leider haben wir Martin Österdahl, der sich nicht mal mehr beim ESC live sprechen traut, aus Angst ausgebuht zu werden. Menschlich verständlich, ich bin auch nicht zur Führungskraft geboren, aber wenn ich den Job mache, dann sollte ich irgendwas tun. Ich persönlich war sowieso generell immer dagegen irgendein Land auszuschließen, weil wir dann genau in diese Situation kommen, dass “wir” dann jedesmal diskutieren müssen, wer dabei sein “darf” und wer nicht. Da kommt dann die “Moral” und das Virtue Signaling und alles, was die öffentlichen Debatten oft unerträglich machen. Und ich finde auch, dass Musikerinnen und Musiker nicht für die Politik ihres Landes verantwortlich gemacht werden sollten. Es heißt ja schließlich “United by Music” nicht umsonst. Na schau, ich kann mehr Klartext reden als Österdahl. harhar.

Und: Langsam wächst Schwedens Beitrag Bara Bada Bastu bei mir, jetzt wo er nicht gewonnen hat. Noch 20 Mal hören und ich mag es wirklich harhar.

Ich stehe heute in der Küche und singe: ” (….) Ohhhhhohhoohhho Bada Bastu jåå”

Das Kind: “Sauna.”

Harhar, ich glaube, wir haben jetzt den Vibe, als sehr Spätadopter.

ESC 25 – unfassbar

JJ hat uns den Schas wieder gewonnen, ich packs nicht!

Vor dem Grand Final hab ich ehrlich nicht mit dem Sieg gerechnet, aber seine Performance heute war richtig am Punkt, noch um einiges überzeugender als im Semifinale. Trotzdem war es dann ein irre spannendes Voting. Ab einem gewissen Zeitpunkt hab ich nur noch gezittert und geschrien, es war abartig, harhar.

Mehr dann später, ich geh jetzt mal schlafen, sofern ich schlafen kann. Freude, Freude!

ESC 25, Semi 2

So die erste Etappe ist geschafft:

Lange Zittern musste JJ nicht, die Freude ist auch auf diesem, vom mir erstklassig verwackelten Foto zu erkennen

Waren wir in Semifinale 1 noch alle überrascht, dass Portugal unvermutet weitergekommen ist, so kam man bei Semi 2 gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Speziell Litauen und Lettland waren meines Erachtens beides interessante Acts, die ich aber weder vom Song noch vom Staging her als besonders publikumswirksam empfand – und in den Semifinali gibt es ja keine Jurybeteiligung mehr. Die Bühnenshow von Lettland war im Prinzip der Schnürlvorhang von der Ikono Ausstellung. Harhar. Ein richtiger Schocker war das Ausscheiden von Tschechien. Kiss Kiss Goodbye war heuer sogar einer meiner persönlichen Favoriten. Marcel Stober von eurovision.de:

Ja mein Gott, das kann doch aber auch mal passieren in der Aufregung harhar. Jedenfalls ur schade, war in den Wettquoten auch in den Top 10 zuletzt.

Was war sonst noch so los? Deutschland. Puh, was soll ich sagen. Ich mag den Song sehr gerne. Auch das Staging war gut. Aber ihre Stimme ist halt schon ziemlich dünn und…ach ich weiß auch nicht. Frankreich entschied sich Bühnenshow-technisch für Sand, sehr viel Sand und ich kann sagen: Ja, nach drei Minuten haben wir alle kapiert, dass die Zeit sehr schnell verrinnt. Bei Israel hatte ich Angst, dass gleich jemand die Bühne stürmt. Das ist Gott sei Dank nicht passiert und wir sehen den Song auch nochmal im Finale. Tja und Finnland, also Andi Knoll hatte ziemlich Spaß damit, glaube ich. Ich komme (Songtitel) war ja der letzte Act gestern und Andi Knoll so: Und wer bis jetzt nicht gekommen ist, hat am Samstag nochmal die Chance dazu, harhar. Außerdem zu bemerken: Das Trickkleid ist zurück!

Der Intervall Act war diesmal eine schöne Idee und zwar hat man vier der “Lost Songs” aus 2020 auftreten lassen. Allerdings waren es mit Gjons Tears, The Roop et al Künstler, die 2021 eh auch nochmal aufgetreten sind, was ja nicht bei allen Ländern der Fall war, manche haben den Act ja geändert. Der Clou wäre hier natürlich gewesen, wenn man Island geholt hätte, die 2020 mit Thinking About Things ziemlich sicher in diesem Jahr gewonnen hätten; gut vielleicht hatte Dadi auch keine Zeit. Jedenfalls wars ein sehr stimmungsvolles Segment. Ganz am Ende hat Moderatorin Sandra Studer eher “random” Insieme von Toto Cutugno gesungen und hier merkt man, wie sehr der Song mit eben Cutugno verbunden war, no offense.

Nach diesem Semi traue ich mir, ehrlich gesagt, überhaupt keine Prognose mehr für Samstag zu. Ich dachte, dass Schweden, die im Finale ziemlich am Schluss drankommen, einen Vorteil haben, habe aber auch schon jede Menge anderer Verschwörungstheorien dazu gelesen. Österreich startet jedenfalls als Neunter. Und: Es werden tatsächlich insgesamt nur fünf Songs im Finale ausschließlich in englischer Sprache sein.

Ich freu mich jedenfalls sehr auf morgen.

ESC 25, Semi 1

Mahhh Portugal ist weiter, ich packs ja nicht. Ich hab geglaubt, das gefällt nur mir. harhar Eine richtig schöne Überraschung in Semifinale 1.

Ok, aber mal der Reihe nach. Unsere ESC Whatsappgruppe wurde aus dem Dornröschenschlaf geholt, und zwar von C. mit den resoluten Worten: “Ok, dann wollen wir mal. Es geht los und ich hoffe/erwarte, dass hier jeder bereits dementsprechend aufgeregt und erfreut ist.” Ich: “Absolut!” C: “Nichts anderes erwartet, Heidi.” harhar.

Von den Kandidaten hat mir gestern der Fan-Favorit der Nerds, Albanien mit dem Song Zjerm richtig gut gefallen. Die Studioversion fand ich ok, live ist das wirklich toll anzusehen und zu hören, gerade die richtige Mischung aus Drama, Ethno, Spookyness, und Sendungsbewusstsein. Lucio Corsi aus Italien vermittelt Glamrock, aber auf fragile Art und Weise. Ich glaube, das wird besser abschneiden als viele denken. Thommy Cash aus Estland trinkt seinen Espresso Macchiato gleich vorm “Winners Cafe” – sehr selbstbewusst. San Marinos Tutta l’Italia wird sicher der Sommerhit an der Adria. Schweden ist wirklich der super Favorit, auch in der Halle, die Choreografie sitzt, ich warte trotzdem immer noch darauf, mich in den Song zu verlieben. Bei der Schweiz meinte Andi Knoll: “Auch schön, wenn mal gar nichts passiert”, und so war es, nur eine Sängerin, die wie ein Gemälde aussieht. Zu Kroatien habe ich folgendes auf X gefunden:

Btw. alle Songs, die ausgeschieden sind, waren auf Englisch. Es gibt beim ESC definitiv und schon länger den Trend der Rückkehr zur Landessprache oder generell zu einer Sprachdiversität. In diesem Semifinale gab es nur einen Song, der weiterkommen ist und ausschließlich auf Englisch war, nämlich Norwegen.

Was gibts zum Gastgeber zu sagen? Die Halle in Basel ist recht klein. Die Bühne ist eher so laufstegartig angelegt und mit einer Art Bilderrahmen rundherum versehen. Mir gefällts eigentlich nicht harhar. C schrieb über die Presenter: “Also bei den Moderationen ist noch Luft nach oben. Gott sei Dank kommt die Hunziker am Samstag.” Ja das ist wirklich wahr, da haben wir schon anderes gesehen. Der Intervall Act, in dem die Schweiz behauptet sie hätte die Demokratie erfunden – Geschmackssache. Dass man den Celine Dion Siegersong Ne partez pas sans moi von Teilnehmern aus dem letzten Jahr covern lässt: super Idee. Aber warum so langsam wie einen Trauermarsch? Gerade die Empowerment Energie ist doch das, was diesen Song ausmacht. Überrascht war ich von Dions Videobotschaft, anscheinend geniert sie sich doch nicht mehr dafür, dass sie mal den ESC gewonnen hat.

Ok, hat Almi eigentlich irgendwas von der Show rund um die Acts gefallen? Oh ja! Als am Schluss einer der Olsen Bruders Fly on the Wings of Love gesungen hat. Ich habe dem Kind erzählt, dass dieses Lied im Jahr 2000 gewonnen hat, und es war so ein “Opa erzählt vom Krieg” Moment. Dann habe ich vorm Fernseher getanzt, obwohl ich komplett nüchtern war. Das Kind ist extra aus der Küche gekommen, um sich das anzuschauen und er hat gar nicht gesagt, es sei “cringe” harhar. In dem Moment war ich echt glücklich. Dieses ESC Glück, wo ich zwei, drei, vier Stunden einmal alles vergessen kann, auch das, was schmerzt. Ich würde nur gern jemand davon erzählen. Andererseits ist er sowieso immer präsent, in meinen Gedanken.

Nun steigt die Aufregung – morgen Semi 2 mit JJ.

Zur Papstwahl

Ich finde es erstaunlich, dass das Kind, obwohl noch nicht mal ganz 18, jetzt schon den dritten Papst erlebt. Ich habe fast 30 Jahre nur einen Papst gekannt.

Dieser Papst wurde übrigens von meinem Papa immer nur als “der Wojtyła” bezeichnet, weshalb ich sehr lange dachte, Wojtyła wäre irgendwie eine synonyme Bezeichnung für den Titel “Papst”. Dabei sagt es eher etwas über das Verhältnis meines Vaters zur Amtskirche aus. Er war irritiert, dass ich als Kind jahrelang am Sonntag die Messe besuchte.

Als ich 15 war und auf Schüleraustausch in Italien, erschien der Papst einmal im Fernsehen und meine Austauschmutter sagte ganz fasziniert: “Lui è molto carismatico!” So etwas hätte ich natürlich von meinem Vater, aber auch von meinem Opa, meiner wichtigsten Bezugsperson, nie gehört. Obwohl mein Opa immer lebhaft mit den Zeugen Jehovas diskutierte, wenn sie anklopften – und das taten sie oft, weil im Nebenhaus meiner Großeltern ein Königreichssaal war. Da hörte ich dann schon “Wir glauben an Gott”, was ich etwas widersprüchlich, aber auch interessant fand harhar.

Wie auch immer, gestern wurde also ein neuer Papst gewählt und angeblich haben sich viele Kardinäle davor Conclave angesehen, was ich eher für gutes Marketing für den Film halte. Es wäre jedenfalls dann so etwas wie art imitating life imitating art. Im ORF wurde gestern natürlich über die Papstwahl berichtet und Kardinal Schönborn war im Studio und verwendete zwei Begriffe, die ich googlen musste, einer war “synodial”, wobei ich da ein Gefühl hatte, was das heißt, den anderen habe ich schon wieder vergessen. Ich fragte mich zunächst, weshalb er nicht bei der Wahl in Rom war, aber das beantwortete er damit, dass er zu alt sei, um mitzuwählen. Er wäre aber sehr erfreut über die Wahl von Leo XIV.

Auf Social Media wurde dann schnell darüber diskutiert, was das für ein Papst wäre, was man von ihm erwarten kann. Ich bin mittlerweile sehr zurückhaltend bei solchen Ereignissen und warte erstmal ab, bevor ich mir eine Meinung bilde. Die Berichterstattung im ORF war eigenwillig und hat mich auch ein bisschen geärgert, aber das ist eh nichts neues. Hahar.

Schön war das sanfte Abendlicht über den sakralen Bauten auf dem Petersplatz. Das jedenfalls hatte etwas friedlich-hoffnungsvolles für mich.

Zur Wahl

Gestern: Die Wien Wahl.

Nach der Hochrechung um 17 Uhr, stellt Peter Filzmaier sinngemäß fest: Die FPÖ hat zwar circa 14 Prozent dazugewonnen, aber es ist eh wurscht, weil niemand mit ihr eine Koalition eingehen will.

Aha.

Vor der Wahl: Bitte geht wählen, jede Stimme zählt.

Nach der Wahl: Außer, wenn ihr FPÖ wählt.

Ich weiß nicht, aber ich glaub, man muss kein FPÖ Sympathisant sein um sich zu denken: Demokratie hab ich mir früher irgendwie anders vorgestellt.

Freuden!

Diese Woche ist jeden Tag Wer wird Millionär und das stundenlang. Das könnte von mir aus ja immer so sein, ich schaue sonst nichts im Fernsehen. Allerdings würde ich dann abends nie mehr zum Arbeiten kommen, auch nicht so ideal.

Gestern gab es jedenfalls diese spannende Frage:

Danke an mein Kind für das windschiefe Foto, harhar

Habe dann mit dem Kind diskutiert. Also angefangen hat es damit, dass ich “einer” gesagt habe, nämlich der Mond. Das Kind: Der Mond ist kein Planet. Ich: Sicher? Harhar. Ok nein, der Mond ist natürlich kein Planet, würde nie was anderes behaupten. *hust* Na gut, hab ich gesagt, dann ist die Antwort: “Keiner”. Und das Kind dann: Doch “einer”, die Erde, weil wir sind auf der Erde. Und ich dann so: Ja, aber wenn ein Astronaut die Erde betritt, also geboren wird, ist er ja noch kein Astronaut. Harhar. Das Kind dann: Aber der Astronaut ist auf der Erde.

Die Antwort “einer” hat übrigens gestimmt und der Kandidat hat es (mit Hilfe) dann auch genommen. Aber ich finde, da könnte man wirklich drüber streiten, das ist eine philosophische Diskussion. Das Kind: Nein da gibt’s nichts zu diskutieren. Oida! Harhar. Jedenfalls sind die gemeinsamen Quiz-schau Abende sehr lustig.

Außerdem hab ich gestern Abend eine Nachricht bekommen, ein kleines Bild von jemand, ganz unerwartet und das hat mich so glücklich gemacht, dass ich heute in der Küche herumgetanzt bin, einfach so als wäre ich nicht ganz bei Trost. Auch sehr schön!

Die Lichterkette

Vor bald drei Jahren, als ich den ersten Stock meines Hauses neu gestaltet habe, wusste ich, da muss eine Lichterkette her.

Es war die Zeit, als ich mir von allen möglichen Dingen irgendwie eine Lösung erwartet habe, so auch von der armen kleinen Lichterkette, so weit außerhalb ihres Kompetenzbereichs harhar. Da sollten nicht nur Fotos drangehängt werden, sondern auch Impulse, Gedanken, schöne Sätze, die ich über die Zeit hin auf Facebook und in anderen Foren gefunden und die mich angesprochen haben. Ich habe diese dann auf Fotos im Retroformat drucken lassen.

Diese Woche war es wieder soweit und ich habe mir ein paar neue bestellt. Hier eine Auswahl:

Sie machen mir eine Menge Freude und morgen werde ich ein paar davon dazuhängen.

Adolescence, weitere Gedanken

Gestern habe ich die dritte Folge Adolescence gesehen. Ja, das hat jetzt lange gedauert, weil es mich irgendwie viel Überwindung kostet, diese Serie anzuschauen. Auch diese Episode – im Prinzip ein langes Gespräch zwischen dem in Untersuchungshaft befindlichen Jungen Jamie und einer forensischen Gutachterin – hat mich leider gar nicht überzeugt.

Eines der Probleme, das ich mit dieser Serie habe ist, dass ich nicht das Gefühl habe, dass mir wirklich eine Geschichte erzählt wird. Mir fehlt die Backstory, die mir erklärt, was im Leben von Jamie so dermaßen falsch gelaufen ist, dass er (mutmaßlich) eine schwere Straftat verübt. Ich habe das Gefühl, dass mit dieser Serie eher eine Agenda vertreten werden soll und zwar die Agenda von toxischer Männlichkeit, die primär durch Social Media getriggert wird.

Und bevor mich jetzt jemand Verschwörungstheoretikerin nennt, der Schöpfer der Serie, Jack Thorne selbst fordert aufgrund seiner eigenen (fiktiven!) Serie ein generelles Social Media Verbot für Jugendliche. Das mag erklären, wieso die Hauptfigur Jamie in der Serie sehr junge 13 Jahre alt sein muss und nicht etwa 17 (was plottechnisch um einiges plausibler wäre), nämlich weil man fast-Erwachsenen nicht mehr sehr viel verbieten wird können.

Mir wurde von einem Freund die Aussage einer Psycholgin auf Insta geschickt, die ich sehr nachvollziehbar finde, sie schreibt nämlich, was sie von Jugendlichen, die in ihre Beratung kommen, nicht hört: “I was feeling great, then I saw something on social media, and out of nowhere, I wanted to hurt myself or someone else.” Stattdessen höre sie von den Problemen, die Jugendliche in ihrem Leben haben, Schwierigkeiten mit den Eltern, mit dem Umfeld, zu viel Druck von außen, zu wenig Verständnis für sie als Menschen.

Das Problem, so die Psychologin weiter, sei nicht Social Media per se, so wie es früher nicht Comicbooks (ja auch das war mal eine Bedrohung), das Fernsehen oder Videospiele gewesen seien, sondern, dass die Jugendlichen, die sich alleingelassen und die unglücklich fühlen, natürlich dann für äußere Einflüsse negativer Art empfänglicher seien. Aber ansetzen müsse man anderswo, denn die Gefahren von außen seien austauschbar und auch unvermeidbar; Verbote hin oder her. Ich persönlich denke ohnehin, dass Verbote die Dinge immer nur noch interessanter machen.

Die Art und Weise wie man diesen Gefahren und generell allen Herausforderungen des Lebens gut gegenübertreten könne, nämlich als Person, die sich an-, ernstgenommen und gehört fühlt, das sei der wirkliche Schlüssel. Unterschreib ich.