almis personal blog

Feiertag

Den heutigen Tag habe ich teilweise im Literaturmuseum Wien verbracht. Hui, diese Woche ist die Woche der Ausstellungen bei mir.

Es gibt dort nämlich gerade eine über Thomas Bernhard, über die ich ein anderes mal erzählen werde. Spoiler: Ihr könnt sie aber auf alle Fälle schon mal anschauen gehen, sie ist genauso gut gemacht wie die letzten Ausstellungen, die ich dort gesehen habe – nämlich eine über Ingeborg Bachmann und eine über Herkunft. Ich habe heute zwei Stunden im Museum verbracht.

Zum Abschied etwas von Grillparzer zum Nachdenken

Anschließend bin ich ins Vapiano Mittagessen gefahren, ich habe immer noch Gutscheine und das ist das beste Lokal zum alleine essen gehen finde ich, weil es jedem wurscht ist, wenn man solo dort sitzt. Und ich liebe einfach das Pilzrisotto.

…und bestes Zitronen Minze Soda

Am Nachmittag habe ich das erst gestern ausgeliehene Schlingensief Buch auch schon wieder fertiggelesen. Es ist schön, sehr erschütternd und traurig natürlich auch. Aber es ist auch sehr positiv, was Schlingensief da über das Leben reflektiert, ich mag seine Art der Wahrnehmung und des darüber Berichtens sehr.

Ein feiner Tag.

Im MAK, zwei

Also ich bin gestern bei der Christoph Schlingensief Ausstellung stehengeblieben – die ist übrigens oben im MAK, wenn man über diese Brücke geht – sie nennt sich: Es ist nicht mehr mein Problem. Laut Aussage der Kuratoren (unter anderem Schlingensiefs Witwe) soll es keine Retrospektive sein.

Beim Eingang der Ausstellung

In einigen ziemlich großen Räumen werden die bekanntesten Aktionen und Exponate von Schlingensief ausgestellt, hier fällt vor allem natürlich der Ausländer raus Container auf, der zur Aktion Bitte liebt Österreich gehört. Man erinnert sich, damals fanden zwei Dinge quasi gleichzeitig statt, und zwar die erste Big Brother Staffel und die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich. Schlingensief verband diese beiden Ereignisse, und ließ neben die Staatsoper einen Container mit tatsächlichen Asylwerbern stellen, von denen täglich einer oder eine “herausgevotet” werden konnte. Wenn man sich daran zurückerinnert, fragt man sich, wieso sich die Festwochen heuer davor anscheißen ängstigen, ein Gespräch mit Peter Thiel zu führen.

Der Ausländer Raus Container von der Aktion im Jahr 2000

Diese Aktion hat Schlingensief Anfeindungen von wirklich allen Seiten gebracht. Natürlich in erster Linie von der FPÖ, aber auch von linken Gruppen, die ihm unter anderem Instrumentalisierung der Geflüchteten und Verharmlosung vorwarfen. Und das für einen Künstler natürlich schon super, denn es bedeutet, du hast dich zwischen sämtliche Stühle gesetzt, wo du von niemand vereinnahmt werden kannst und dich einer stringenten (=banalen) Interpretation entzogen. Tatsächlich sind Schlingensiefs Motive für mich bis heute auch schwer fassbar, ging es ihm wirklich um die Sache, wollte er provozieren, tatsächlich politisch etwas bewegen? Die Idee an sich ist ja in erster Linie mutig, an sich sind aber die Reaktion und die Partizipation von anderen fast interessanter als die Aktion selbst.

In der Ausstellung gibt es ein rund 20 Minuten langes Interview mit ihm zu diesem Thema (aufgenommen vor der Oper) anzusehen, was ich auch in voller Länge gemacht habe, und selbst danach war ich nicht wirklich schlauer, was aber dazu einlädt, sich noch mehr mit Schlingensief zu beschäftigen. Er ist für mich eine ziemlich ambivalente Figur.

Schlingensief im Interview vor der Oper, Juni 2000

Ansonsten stellt die Ausstellung Freakstars 3000 vor, eine Talkshow von Schlingensief mit Menschen mit Behinderung. Seine Hamlet Inszenierung mit aussteigewilligen Neonazis und Church of Fear, als Reaktion auf den Terroranschlag auf die Twin Towers und die Frage, wie sehr Angst die Menschen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst. Und ob Angst so etwas wie eine Ersatzreligion geworden ist. Ich finde, gerade dieses Thema ist auch heute noch extrem gegenwärtig, weil die mediale Angstmache wirklich teilweise bizarre Blüten treibt. Das haben wir aktuell auch immer wieder mit dem Klimawandel. Bin kein “Leugner” (sowieso so ein bescheuerter Kampfbegriff) aber wenn uns zum Beispiel erzählt wird, es war im vergangenen Sommer viel heißer als wir das empfunden hätten, dann grenzt das für mich schon ein bisschen an Gaslighting. Und was genau bringt es, Herausforderungen in der Welt mit Angst zu begegnen? Da hätte Schlingenschief viel zu tun und ich wäre gespannt, wie er sich diesem Thema genähert hätte.

Das wäre doch ein Spruch für die Kandidatinnen und Kandidaten zur ORF Generaldirektorwahl

Die Ausstellung als solche fand ich sehr interessant gemacht, im Sinne von: es gibt recht viel Informationen und die Exponante von damals zu sehen, aber gleichzeitig ist sie ziemlich spartanisch und auch irgendwie so gestaltet, dass sie sehr unbequem wirkt, also es hat visuell nichts anheimelndes. Das passt dazu, dass Schlingensief Kunst nicht als Antwort sah, sondern als Prozess des immer wieder Hinterfragens, was mir ja wieder sympathisch ist.

Im Museumsshop habe ich in Schlingensiefs Krebs-Tagebuch hineingelesen und es mir gleich in der Bücherei ausgeborgt, zusammen mit zwei anderen Werken von/mit ihm.


Danke liebe A. für die Anmerkung, dass man mit der NÖ Card das MAK gratis besuchen kann und es auch Ermäßigungen mit der Stadt Wien Card gibt. Auch für Öffi Jahreskartenbesitzer.

Famesick

Jetzt habe ich Famesick von Lena Dunham fertig gelesen und ich würde am liebsten gleich wieder von vorne anfangen, weil es so interessant und gut geschrieben ist.

Am angenehmsten an diesem Buch fand ich, dass es nicht belehrend ist und keine derzeit so übliche Propaganda enthält. Also Propaganda in dem Sinn als, dass zum Beispiel die Witwe von Paul Auster, Siri Hustvedt – ich mag beide wirklich als Autoren – in den Interviews zum Buch über ihren Mann laufend von Trump redet. Und ich denk mir, wenn mein Mann stirbt, mit dem ich 50 Jahre zusammen war, hätte ich, glaube ich, der Welt was anderes mitzugeben. Das hat mich irgendwie so abgeturnt, dass ich weder das Buch lesen wollte, noch ihren Film sehen.

Anyway: Dunham hat natürlich ihre Weltanschauung wie wir alle, sie drückt sie dir allerdings nicht aufs Auge und sie ist auch ziemlich selbstkritisch. 2016 hat sie beispielsweise den Wahlkampf von Hillary Clinton aktiv unterstützt. In A Memoir schreibt sie: “And I know now, I wish I’d just posted a BERNIE sign in my window instead. “1 Sie sieht auch kritisch, dass sie einen Autor von Girls gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt hat, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht wissen konnte, was tatsächlich passiert ist. Sie habe diese Erklärung nach einer schweren Operation abgegeben. Dunham ist chronisch krank, hatte zahlreiche Operationen und musste wegen einer daraus resultierenden Suchtmittelabhänigkeit auch auf Entzug.

Was mir noch besonders gut an ihrem Buch gefällt, die gnadenlose Ehrlichkeit was “Vereinbarkeit” betrifft. Das wird uns ja immer suggeriert, wir können alles haben, eine super Ehe, ein paar Kinder, eine tolle Karriere, Hobbies, Zeit für Freunde, Sport etcetera, es geht alles gleichzeitig. Als Dunham ihre Operationen hat, ist ihr damaliger Partner, Jack Antonoff auf dem Zenit seiner Weltkarriere. Jetzt werden viele denken, WTF, wer ist Jack Antonoff. Naja, er hat den Song We are Young mitgeschrieben – ja genau den, ihr summt richtig- und war zu der Zeit quasi einer der gefragtesten Musiker, hat mit Pink, Taylor Swift et al gearbeitet. Natürlich saß Antonoff deshalb nicht immer im Wartezimmer. Nach der Trennung hatte sie kurz einen anderen Partner, der immer da war und ihr Arzt meinte daraufhin auf die Art, ah der Mann ist besser, der ist für sie da. Worauf Dunham trocken vermerkt, naja, er ist arbeitslos, er ist Alkoholiker, er ist bei ihr eingezogen, er hat nichts anderes zu tun. Sie schreibt, dass Antonoff nicht der unempathische Ungustl war, für den ihn ihr Arzt gehalten hat, dass es eben komplizierter ist, wie so vieles im Leben.

Das mag ich alles sehr. Ich werde ein anderes mal noch mehr davon erzählen.


  1. Lena Dunham: Famesick, S.207 ↩︎

Pre-Oscar

Heute noch schnell gediegen bei Wolfgang Puck in Los Angeles mittaggegessen…

…na gut, es war doch eher Drei Linden am Rosenhügel, harhar. Aber es war sehr gut!

Und:

Ich habe jetzt 10/10 Filmen, die in der Kategorie “Best Film” nominiert sind gesehen, also in Worten alle! Harhar. Das wäre vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Da kamen die Filme teilweise erst Monate nach den Oscars bei uns ins Kino, wenn überhaupt. Wobei ganz stimmt es nicht: Frankenstein und Train Dreams waren nur in Einzelvorstellungen zu sehen. Solche Filme – auch wenn ich die beiden jetzt nicht so besonders mochte – gehören auf eine große Leinwand und zwar nicht nur einmal.

Ich habe auf Uncut auch meine Oscar-Prognose abgegeben, aber sind wir uns ehrlich, das ist heuer ein reines Ratespiel. Außer beste Hauptdarstellerin sind alle großen Kategorien mehr oder weniger offen. Die Erzählung, dass Timothée Chalamet mit seinen Aussagen zu Ballett und Opern seine Chancen geschwächt hat, sind auch Schwachsinn, er sagte das am letzten Tag der Abstimmungsfrist. Und außerdem soll man ja seine Leistung beurteilen und nicht, wie sehr man mit seinen Ansichten übereinstimmt oder wie sympathisch er einem ist.

Da rede ich natürlich wieder groß, obwohl ich ja auch damit kämpfe, dass ich Sean Penn so überhaupt nicht (mehr) leiden kann und ihn in One Battle After Another dann auch nicht besonders gut fand, obwohl der Film insgesamt toll war. Und dann kommt er eh nicht und/oder schenkt Selensky seinen Oscar. Die Frage ist trotzdem, find ich ihn nicht so gut, weil er mir auf die Nerven geht? Oder kann ich (halbwegs) objektiv sagen, dass die anderen in der Kategorie besser waren? Jedenfalls stehe ich nicht alleine mit meiner Meinung:

Und jetzt bleib ich noch ein bisschen auf.

qwien, Teil 2

Jetzt noch ein bisschen was zur ESC Ausstellung im qwien United by Queerness. Was war dort noch los, abgesehen davon, dass ich Marco Schreuder getroffen habe? Harhar.

Der Schauraum der United By Queerness Ausstellung, man sieht schon den fliederfarbenen Anzug von Thomas Forstner und den türkisen von Guildo Horn

Also zunächst mal hat auch Schreuder selbst auf die Anmerkung eines Users geschrieben, der meinte, es gäbe ja nicht nur Queerness beim ESC, sondern auch beispielsweise religös beeinflusste Lieder, es gab einige evangelikale Performer, das wäre richtig. Nur fokussiere die Ausstellung eben auf diesen Aspekt, weil sie im Queerzentrum stattfinde.

Eine der Frage, die man mittels schwarzem Klebepunkt beantworten kann. Wer mich kennt, wird ahnen, in welchem Feld mein Punkt klebt harhar

Die Ausstellung erzählt über früher versteckte, quasi nur mittels Codes erkennbare homosexuelle Teilnehmer ebenso wie über solche, die im Gegenteil mit Versatzstücken spielen, obwohl sie gar nicht aus der Community stammen.

Ich habe erfahren, dass der Isländer Paul Oscar mit seinem Song Minn hinsti dans, der erste offene Gay Act war. Mir war das nicht bewusst, es war 1997, für meine Begriffe schon eine “aufgeschlossene” Zeit. Er trug halt so ein Lackoutfit und Eyeliner, neben ihm tanzende Frauen, auch in Lack, war es schon etwas “Drag” wie man heute sagen würde. Grissemann meinte damals über Oscar: “So sympathisch er hier auch scheint, er kommt hassenswerter Weise auch vom Musical, wie so viele Teilnehmer leider.” Harhar. Derzeit wären es übrigens Castingshows. Minn Hinsti Dans ist bis heute eines meiner ESC Lieblingslieder, auch wenn Paul Oscar damals nur 20. wurde. Ich habe es auf meinem Videorecorder (!) immer wieder zurückgespult und nochmal angesehen. Der Song ist so gut gealtert, dass man meinen könnte, er wäre seiner Zeit vielleicht auch etwas voraus gewesen.

Bereits ein Jahr später gewann Dana International, eine Transperson mit dem Song Diva und gegen den zuerst großen Protest von Teilen der orthodoxen israelischen Bevölkerung. Ihr Sieg vereinte das Land dann allerdings auf wundersame Weise. 2007 dann die Travestie Ikone Verka Serduckha, die am Ende Zweite hinter der lesbischen Teilnehmerin aus Serbien Marija Serifovic wurde, die übrigens ein Beisl in Wien Favoriten hatte (harhar wirklich) Ich glaube, niemand, der Serduckhas Auftritt gesehen hat, wird Dancing Lasha Tumbai vergessen haben, es war so eingängig und lustig, Lyrics: “Me English nix verstehen, let’s speak dance.” 2008 erlebten wir (also ich nur im Halbschlaf, hatte ein Baby) den Drag King Sébastien Tellier mit Divine an – er wurde nur 18., allerdings begann mit dem ESC sein Aufstieg aus der Undergroundszene. Tja und über Conchita 2014 brauche ich eh nicht viel zu erzählen.

Kaiserin Conchita, Kronzprinz JJ (oder so)

Ausschnitte aus dem ESC Merci Cherie Podcast, die damalige U-Bahn Durchsage von Conchita zum ESC in Wien, sowie die Regenbogenampel runden die Ausstellung ab.

Guido Horns Outfit. Es gab auch Cesar Sampson’s hässliche Hose, die kommt auf dem Foto aber nicht so richtig rüber, bei Interesse googlen, wer sich nicht mehr erinnert harhar war damals eine Kontroverse, ach das waren noch schöne Kontroversen

Fazit: Wirklich sehr liebevoll und nerdig, mit vielen kleinen Details gestaltet, trotz Handicaps (beleidigte Künstler die Exponate wegen Isreals Teilnahme zurückzogen *augenroll*). Habe aber vom Duo Schreuder/Vlassakakis nichts anderes erwartet. Wenn die zwei nicht verbindend wirken, wer dann.

ESC: Vienna Calling

Ich wollte noch was zu Vienna Calling schreiben, der Sendung, in der am Freitag der ESC Beitrag für 2026 gewählt wurde.

Und zwar das: Nächstes Mal machen wir lieber wieder eine interne Ausscheidung, gö? Harhar.

Nicht wegen dem Siegersong Tanzschein von Cosmo, den ich tatsächlich catchy und originell finde, noch dazu mal in deutscher Sprache – man kann als Fixstarter auch etwas wagen, und ich finde es gut, dass der Song ganz anders ist als der voriges Jahr. Aber der Rest der Show… anstrengend!

Ich bin sowieso immer eher für eine interne Wahl, auch weil Eberhard Forcher, der das die letzten Jahre ja ziemlich erfolgreich gemacht hat, in einem Interview gesagt hat, dass viele Acts abwinken, wenn sie sich einem öffentlichen Voting stellen müssen. Und da bewerben sich dann halt oft eher Menschen, die, sagen wir mal, nix zu verlieren haben. Das finde ich ja prinzipiell mutig und alles, aber viele wissen halt offenbar nicht, dass ein ESC-Song jetzt nicht nur ein Lied ist, das zufällig drei Minuten dauert.

Eine Mini-Kontroverse gab es heuer zu dem Song Wenn ich rauche von Sidrit Vokshi. Ist es misogyn? Weil Vokshi singt von einem frisch getrennten Mann, der sich in unbedeutende Affären flüchtet, folgendes: “Doch ich lieg’ mit ‘ner andern (…) ‘ne Frau, die ich nicht kenn’, stets der gleiche Lauf. Ich nehm’ sie mit und in der Früh schmeiß’ ich sie raus.” Ich hab mir auch kurz gedacht na servas. “Schmeiß ich sie raus” klingt nicht sehr konsensual.

Aber trotzdem darf man natürlich auch jemand besingen, der sich nicht korrekt verhält und das lyrische Ich muss nicht die Haltung des Sängers widerspiegeln. Mich hat der Songtext ein bisschen an Laura non c’e (=Laura ist nicht mehr da) von Nek erinnert. Ähnliche Gedankengänge, nur damals keine Aufregung, weil 1990er Jahre und zu wenig verstehen italienisch, harhar.

Fazit der Show insgesamt: Ausbaufähig. Oder eben eher lieber ganz weglassen, nächstes Jahr.

Faust, vereinfacht

Das Kind musste sich diese Woche für ein viertes Fach entscheiden, in dem er zur mündlichen Matura antritt. Das war gar nicht so einfach.

Ich war natürlich gerne mit Tipps behilflich, harhar. Ich habe ihm von Deutsch vorgeschwärmt, wie toll das war. Nur zwei, die damals angetreten sind, naja nach der schriftlichen waren wir drei, und stundenlang über Faust reden, das Motiv der Kindermörderin in verschiedenen Texten verfolgen und 25 Bücher durfte man auch lesen. Ich bekam zur mündlichen Matura einen Auszug aus einem Schnitzler Stück, in dem ich die ganzen Subtexte markieren und analysieren sollte. Das war das Beste an der ganzen Schulzeit, harhar.

In Berlin wird derweil darüber geredet, dass deutsche Literatur zu schwer rezipierbar wär. Und ob man da echt noch Klassiker lesen soll. Oder lieber in einfacher Sprache. Oida! Anna Schneider, Journalistin der Welt und manchmal ähnlich wütend wie ich, dabei aber viel eloquenter, hat gesagt, damit reduzieren wir Literatur auf Zusammenfassungen und nehmen ihr das, was sie ausmacht, nämlich die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Sicher kann das anstrengend sein, es bringt einen aber auch weiter. Schneider außerdem: “Wenn ein Lehrer jetzt sagt, na gut, lesen wir die einfache Version – es gibt keine einfache Version von Faust.” Harhar. Einfach nur richtig. Und ich würde noch ergänzen, man muss auch nicht immer alles bis ins Detail kapieren. Das bereitet einen gut aufs Leben vor, wo man später auch nie alles verstehen wird, was einem so widerfährt.

Das Kind nimmt jetzt aber doch ein anderes Fach, harhar.

Spotify Jahrescharts 2025

Heute wars endlich soweit. Auch wenn ich sonst so big brother überwachungsmäßige Dinge nicht mag, eine Ausnahme bilden die Spotify Jahrescharts, die mir sagen, was ich in den vergangenen zwölf Monaten so gehört habe. Wobei richtig überraschend ist es eh nie und so wundert sich auch wirklich niemand, dass meine Top 5 des Jahres 2025 allesamt ESC Songs sind, harhar.

Und zwar diese:

Oder auch: Österreich (Platz 1), Italien (Platz 5), Schweden (Platz 4), Portugal (Platz 21) und Deutschland (Platz 15). Wobei eines doch halbwegs erstaunlich ist, nämlich, dass Bara Badu Bastu so weit oben ist, dafür, dass ich es ja anfangs so darüber gemeckert habe und erst auf den Geschmack gekommen bin, als der Songcontest schon vorbei war. Die Zeilen Yksi, kaksi, kolme, sauna haben mich dann doch überzeugt.

Außerdem habe ich drüber nachgedacht, wieso auch in meinen Top 100 ESC und San Remo Songs massiv überrepräsentiert sind. Ich denke es liegt daran, dass mich Musik an sich irgendwie sehr verletzlich machen kann, dass ich so viel damit assoziiere und mir das auf Stimmung schlägt, dass es eher heikel ist, das öfter zu hören oder im normalen Alltag, wo man doch funktionieren muss. Ich fühle eh schon so viel zu viel. ESC Songs dagegen erinnern mich hingegegen oft eben nur an den ESC und irgendwelche Statistiken und Trivia harhar, und daher sind diese “unbelastet”.

Mein Lieblingspodcast übrigens, auch ur offensichtlich:

Ich höre ihn immer zum Einschlafen und das mache ich dann auch irgendwann (einschlafen) und so läuft der Podcast auch manchmal, nicht mehr wirklich wach bin weiter, deshalb diese Minutenanzahl. Aber ich finde ihn super und höre jede Folge, wie soll ich sagen, öfters.

Addendum, weil ich jetzt schon mehrfach gefragt wurde, mein musikalisches Alter auf Spotify ist 59. Harhar

Wicked, good?

Ich bin gerade im Rückstand, was aktuelle Filme angeht, weil ich ziemlich viel Arbeit habe und sonst ist auch immer was, das mich vom Kino abhält. Nicht lachen, es schlägt mir langsam auf die Psyche, ich merke das. Wenn ich ins Kino gehe, auch wenn mir der Film dann gar nicht (so) gefällt, fühle ich mich automatisch besser.

Weil mir aber noch so viele Filme fehlen, die ich unbedingt sehen möchte, werde ich mir den zweiten Teil Wicked (for Good) ganz sicher erst nach Bugonia, Die my Love, Eddington, Franz K., In die Sonne schauen, Stiller usw ansehen. Und wenn ich mir die gerade aufpoppenden Reviews so durchlese, Kompliment Pia Reiser von fm4 für den Titel Nix los in Oz harhar, habe ich es damit nicht so eilig.

Ich wollte ja schon ersten Teil nicht unbedingt so dringend sehen. Mir war das alles irgendwie zu drüber, vor allem das Setdesign. Und Ariana Grande und Cynthia Erivo waren auf ihrer Tour für den Film auch immer ein bisschen sonderbar. Trotzdem muss ich sagen, dass mich der Film dann mehr mitgenommen und gerührt hat, als ich das erwartet habe. Und zwar ausdrücklich trotz des Setdesigns harhar, das ich nämlich tatsächlich immer noch recht schrecklich finde.

Der Comedian Grindig von Insta, mit dem ich ab und zu schreibe, harhar, hat gestern was über Wicked, Teil 1 erzählt. Nämlich: “Wie finden wir den Film? Kommt drauf an, wie finden wir Musicals allgemein, weil viel mehr Musical geht nicht”. True. Und Weiter: “Jedes Frame ist vollgestopft mit Details, es ist wirklich a lot – nachher brauchst einen Tschick.” Außerdem: “Das Design schaut aus als würde es auf einer Playstation 4 laufen, oder sagen wir Playstation 4 pro, aber mit der Sättigung ganz runtergedreht” harhar. “Ihr merkt, ich bin kein großer Fan vom Look des Filmes, von den Performances allerdings schon.” Grindig also voll meiner Meinung.

Und am Ende meint er: “Was ist dein Lieblingsmusical? Wenn deine Antwort Moulin Rouge ist, dann hast sicher einen Tschick für mich.”

Ich würde sagen, Moulin Rouge ist wahrscheinlich mein zweitliebstes Filmmusical. Mein liebstes (natürlich):

Die Tasche habe ich immer noch und hänge sehr an ihr

ESC Winner of the Winners

Wieder fordert uns Nerds Marco Schreuder, bzw. der Merci Cherie Podcast bzw. die OEAG Austria auf, bei einem Voting mitzutun. Diesmal geht es darum, die besten 10 ESC Sieger zu küren, die Winner of the Winners sozusagen.

Jetzt ist schon klar, dass nicht immer das Siegerlied der persönliche Favorit eines Jahres ist, dennoch sprechen wir hier von 69 Songs bzw. Interpreten, die zur Auswahl stehen. Wie soll man sich da entscheiden? Nach dem, was einem selbst am besten gefällt, auch wenns guilty pleasure ist? Oder soll man etwas wählen, was richtungsweisend für den ESC war und ist, Songs, die die meiste Resonanz gefunden haben, die den ESC am besten repräsentieren? Und was ist mit dem Regency Bias? Was mit dem eigenes-Heimatland Bias? Bewerten wir die Studioversion oder den Live-Auftritt? Und ist es ok, alle drei Siegertitel von Italien in die Wertung zu nehmen? Bei meinen “Hass”-Gewinnern würde ich mir jedenfalls sehr leicht tun, harhar.

Ich hab mir gestern den sogenannten Schnelldurchlauf angesehen, der immerhin auch fast 30 Minuten dauert, und da wurden mir zumindest ein paar Dinge bewusst. Es ist absolut richtig, was in Love Love Peace Peace – dem Intervall Act von 2016, bei dem beschrieben wird, wie man den ESC gewinnen kann – gesungen wird: “Nothing says winner like a violine.” Denn auch wenn man natürlich weiß, dass Alexander Rybak 2009 bei Fairytale eine Geige dabei hatte, es kam tatsächlich auch bei Dima Bilan mit Believe (für Russland, 2008), bei Secret Garden mit Nocturne (für Norwegen 1995, fast ein Instrumentalstück) und auch bei Eimear Quinn und The Voice (Irland 1997) vor.

Barfuß übrigens auch immer eine gute Idee! Das Trickkleid kann man ebenfalls mehrmals bei der Arbeit beobachten. Und bei Helena Paparizous My Number One (für Griechenland 1995) und den Lyrics “You’re my lover, undercover, you’re my secret passion, and I have no other” musste ich an den Tweet denken, in dem jemand schrieb, wenn man als Textdichter struggelt, sollte man dran denken, dass mit diesen Zeilen tatsächlich ein Wettbewerb gewonnen wurde, harhar.

Dann diese Songs, die gefühlt nur aus dem Refrain bestehen wie Making your mind up (Bucks Fizz 1981), Diggi-Loo Diggy-Ley (Herreys, Schweden 1984) oder La det swinge (Bobbysocks Norwegen 1985). Die Selbstgeiselungsballade Why me? (Linda Martin, Irland 1992) versus die Selbstermächtigungshymne Ne partez pas sans moi (Celine Dion Schweiz 1988), das “Überraschungsgenre” Rock Hard Rock Halleluja (Lordi, Finnland 2006) und Zitti e Buoni (Maneskin Italien 2021), die Wiederholungstäter Johnny Logan und Loreen…. und die ganz stillen Molitva (Marija Šerifović Serbien 2007) oder Amar pelos dois (Salvador Sobral Portugal 2017) – der kommt übrigens fix in meine Wertung, das weiß ich schon.

So, lange Rede, kurzer Sinn, das wird wieder anstrengend werden. Harhar. Wer mitvoten will, bis zum 10. Dezember hier.