Zum heutigen Geburtstag von Matthew Perry, unvergessen als Chandler Bing in Friends, ein paar seiner Zitate. Diese wurden heute auf Social Media zusammengetragen. Am besten natürlich, wenn man sich den Habitus und Tonfall dazu vorstellen kann, weil man alle Folgen mehrfach gesehen hat.
Aber auch so einfach Chandler-esk.
Als Rachel Chandler um einen Ratschlag zu ihrem Liebesleben bittet:
“I’m not great at the advice. Can I interest you in a sarcastic comment?”
Als Ross ihm erzählt, dass er sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden kann:
“Oh, no! Two women love me. They are both gorgeous and sexy. My wallet is too small for my fifties, and my diamond shoes are too tight”
Als Ross viel zu stark gebräunt vorbeikommt und vorwurfsvoll zu Chandler sagt: “I went to the tanning place your wife suggested”
Chandler: “Was that place…the sun?”
Als Joey zu ihm kommt und meint: “I kinda had a dream”
“What if Martin Luther King had said that..? I.. kinda had a dream?”
Als Phoebe darüber spricht, wie man um die Hand einer Frau anhält und Chandler draufhin:
“Well if I were a guy… did I just say if I were a guy?
Als Monica ein Video aus der Zeit zeigt, in der sie übergewichtig war und anmerkt: “Don’t forget, the camera adds ten pounds”
“Right and how many camera are actually on you right now?”
Und mein Lieblingszitat. Als Phoebe ihren enthusiastischen neuen Freund auf eine Feier mitgebracht hat und dieser in seiner überschwänglichen Art zu allen sagt, er möchte den Moment festhalten und tut so, als würde er eine Kamera bedienen: “It’s like, I want to take a mental picture of you all. Click!”
Es wurde ja schon alles zu Stockers Aussage über die Kinderbetreuung gesagt, nur noch nicht von allen. In diesem Sinn, meine Ansicht.
Ja, da war vielleicht keine sehr geglückte Formulierung von unserem Bundeskanzler, von mir aus. Allerdings finde ich es schon interessant, dass jetzt Protest auch von der Seite kommt, die sonst schnell von “Herdprämie” spricht, wenn es finanzielle Erleichertungen für Mütter geben soll. Wenn es Frauen also ermöglicht werden soll, länger in Karenz zu gehen und bei den Kindern zu bleiben. Wie oft habe ich gelesen, dass Frauen dann im Kinderzimmer bzw. in der Küche “versauern” würden. Klingt das wirklich danach, als ob Kinderbetreuung gleichermaßen respektiert und wertgeschätzt wird wie “Lohnarbeit”?
Private Anekdote am Rand: L. und ich haben unsere Kinder immer so um 14 Uhr aus dem Kindergarten, der ein Betriebskindergarten war, abgeholt. Irgendwann haben wir von Gerüchten gehört, dass wir als “Glucken” bezeichnet werden, weil wir unseren Nachwuchs eben immer so früh abholen würden. Ich gebs zu, ich war damals ur sauer. Das haben wir dann mal einer befreundeten Mutter dort erzählt. Und eines Tages, als wir gerade mit den Kids wieder “so früh” aus der Einrichtung kommen, begegnen wir dieser Mutter und sie meinte: “Ach die zwei Glucken wieder”. Da musste ich so lachen und das Thema war für mich erledigt.
Fazit: Im besten Fall bringt uns diese Debatte dazu, andere weniger zu bewerten und vor allem unser Leben so zu führen, wie wir das möchten, egal was andere davon halten.
Ja Hirsch und Danzer Aufregung, dies, das. Ich hab eh schon hundertmal über Rollenprosa und Kontext geschrieben. Aber dennoch etwas zu dem, was Verena Bogner auf fm4 zur Causa geschrieben hat. Vor allem ihr letzter Satz:
“Nicht jeder menschliche Abgrund muss in Songform erfoscht und vor einem Massenpublkukum wiedergegeben werden.” Und wenn wir diesen Satz sehr kritisch betrachten, klngt das fast ein bisschen totalitär.
Denn wer soll denn bestimmen, was erforscht und einem Massenpublikum zugemutet werden kann und was nicht. Der Staat? Die Zensurbehörde? Das Wahrheitsministerium? Ich würde nämlich sagen: Erstmal darf alles Thema sein. Denn jedes “umstrittene” Thema hat Menschen, die sich davon getriggert fühlen, das ist leider so. Das fängt ja nicht bei Pädophilie an, es gibt genug Menschen, die wahrscheinlich auch nichts über Abtreibungen und Fehlgeburten, Gewaltverbrechen und Missbrauch oder auch einfach nur von solch alltäglichen Katastrophen wie Trennung und Scheidung hören wollen. Und das ist auch völlig okay so.
Es kann aber nicht die Aufgabe von Kunst sein, jeden Trigger zu vermeiden. Nein, man muss sich nicht alles anhören, man muss schon gar nicht alles gut finden. Man darf sich selbst schützen. Es muss aber in einer freien Gesellschaft möglich sein, auch kontroversielle Dinge anzusprechen, vor allem in einem künstlerischen Kontext. Kunst hat nämlich auch immer die Aufgabe, umbequem zu sein, Fragen zu stellen und den Finger in die Wunde zu legen. Das kann unangenehm und anstrengend sein, manchmal auch ärgerlich sein. Ich finde auch nicht alles ur super.
Kunst ist aber kein Safe Space und keine Komfortzone und das sollte von ihr auch nicht verlangt werden, denn sonst schafft man sie ab.
Gestern wurde Wien von der UNESCO roten Liste gefährdetes Weltkulturerbe gestrichen, auf der sie wegen des Projekts beim Heumarkt seit mehreren Jahren waren. Warum das vielleicht keine ausschließlich positive Nachricht ist, haben 50 Fachleute in einem offenen Brief beschrieben, der im ersten ORF- Bericht noch verlinkt war, was ich sehr wichtig fand. Im zweiten Bericht dann nicht mehr.
Auf meine dementsprechende Frage an die Redaktion, wurde mir heute zuerst mitgeteilt, dass der ORF einer gesetzlichen Längenbegrenzung unterliegt. Ähm, einen Link kann man doch einfach unter jeden Text drunterlegen, was hat das mit Länge zu tun. Und wieso werden dann andere Links ergänzt? Ich mein ehrlich, halten die uns alle für deppert?? Wollte schon pampert antworten, habe dann aber etwas später noch eine weitere Mail erhalten, in dem mir geschrieben wurde, der Link ist jetzt wieder drinnen. Noch mal die Kurve gekratzt. Falls jemand nachlesen will, hier der Artikel (mit Link zum offenen Brief).
Vom nochmal abgewendeten Ärger über den ORF direkt zum Ärger auf die Stadt Wien
Lets agree to disagree
Ja ich weiß, Bauarbeiten sind notwendig. Aber zwei Monate? Und überall in der Stadt gleichzeitig? Den ganzen Sommer lang? Wenn man mit der U6 fährt, muss man derzeit den Weg von der Volksoper bis zum Votivkino zu Fuß zurücklegen. Das kann ich, mache ich auch sonst häufig, zumindest abwärts, aber das gilt ja nicht für alle Menschen.
Gleisbauarbeiten auf der Währingerstraße, die gleich sieben Straßenbahnlinien lahmlegen
Dann war es aber endlich soweit und ich habe Die Odyssee gesehen. Übrigens englisch mit deutschen Untertitel und quasi erstmals in der Geschichte ist die deutsche Synchro vielleicht seriöser als das Original, denn hier hört man in der Adaption von Homers Epos Sätze wie “What about your daddy” und “Get the fuck out of here” Harhar. Aber was soll ich sagen? Die Geschichte interessiert mich an sich wirklich null, (harhar) aber Nolan gelingt es ein weiteres Mal, und da war ich diesmal wirklich sehr skeptisch, dass ich nach 30 Minuten komplett fasziniert und total dabei bin.
Doch noch ein sehr schöner Tagesabschluss. Mehr zum Film dann bald.
Heute wurde mir beim Frühstück auf Facebook ein Video der Wir sind Helden Sängerin Judith Holofernes angezeigt, das ich mir beim Kaffee trinken angeschaut habe. Und ich habe mir gedacht, ich finde es gleichermaßen eigenartig, wenn Menschen immer so tun als hätten sie permanent das allerbeste Leben, aber auch gleichzeitig das Gegenteil: wenn so überreagiert wird und Dinge beklagt werden, die – let’s face it – so dramatisch auch nicht sind.
Holofernes hat ein Video aufgenommen, in dem sie beklagt, wie schwer ihr Reisen fällt. Also die Planung, alles berücksichtigen, auf jeden Teilnehmer Rücksicht nehmen, einfach an alles zu denken etcetera. Und ich verstehe das an sich eh recht gut, obwohl ich diesen Sommer auch wegfahre und mich sehr darauf freue. Aber große Reisen, wo man vielleicht auch noch in ein Flugzeug steigen muss (harhar) und sehr viel koordinieren, das finde ich auch eher anstrengend. Ich habe Menschen in meiner timeline, die gefühlt von Anfang Juli bis Ende August unterwegs sind und ich mag es zwar, deren Fotos anzusehen, aber für mich wäre es Horror pur. Oder wie Fran Lebowitz sagt: “I find real life challenging enough.”
Wenn Holofernes übers Reisen spricht, nehme ich extremen Stress und Überforderung wahr. Da denke ich mir dann wieder: Bitte reg dich ab. Du musst nicht den Nahost-Konflikt lösen. Du musst nur auf Urlaub fahren. Oder eben auch nicht, wenn du keinen Bock hast. Das soll jetzt nicht ur überheblich klingen, a la: Anderswo leben Menschen im Krieg, und du regst dich über so einen Schmarrn auf, nein (da hätten wir vergleichsweise alle keine Probleme). Aber meiner Erfahrung tut es schon gut, sein aktuelles Elend ab und zu mal einem gewissen Realitycheck zu unterziehen. Und vor allem zu schauen: Was rede ich mir vielleicht ein tun zu müssen, was mir im Grunde aber überhaupt nicht (mehr) entspricht? Und warum tue ich das dann überhaupt (noch)? Oder aber: Es stresst mich zwar voll, aber ich liebe es so sehr, dass es das wert ist. Quasi ein Perspektivenwechsel.
Das war mein wertvoller Hinweis an Judith Holofernes, um den sie mich gar nicht gebeten hat. Harhar.
In der letzten Woche gab es zwei Neuigkeiten, den ESC betreffend, die ich beide mit so eher gemischten Gefühlen aufgenommen habe.
Die erste: Ab nächstem Jahr ist Kanada dabei. Und da bin ich jetzt nicht gerade vor Freude an die Decke gesprungen. Nun muss die erste Reaktion ja nicht zwangsläufig immer die “richtige” sein oder unverändlich, aber es war eben mein spontanes Gefühl dazu und ich habe natürlich nix gegen Kanada an sich. Aber ich finde mehr ist nicht immer gleich besser und es ist auch so ein bisschen ein Jumping the shark Moment, zumindest die Gefahr eines solchen, aber Eurovision überlebt eh viel.
Habe mir dann dazu eine ESC Kompakt Folge angehört, wo erklärt wird, wie das überhaupt möglich ist, dass jetzt Kanada dabei sein. Das Land war bisher assoziiertes Mitglied beim Zusammenschluss der öffentlich rechtlichen Sender und nun ist es ein Vollmitglied. Das bedeutet tatsächlich einen anderen Status als Australien, das immer quasi als Gast eingeladen werden muss und im Fall eines Sieges den Bewerb auch nicht austragen darf. Natürlich werden hier wohl auch ökonomische Gründe vorliegen, denk ich mir. Mir persönlich wäre es halt trotzdem lieber, man holt die Länder zurück, die jetzt wegen des elenden Boykotts abgesprungen sind – Niederlande und Slowenien vor allem, aus musikalischer Sicht, mochte die Beiträge der letzten Jahre aus diesen Ländern sehr. Ich würde mich auch freuen, wenn Nationen wie Ungarn oder Bosnien wieder mitmachen. Ich persönlich finde das Euro in Eurovision nämlich nicht obsolet.
Die zweite Änderung betrifft San Remo und ist mir mindestens genauso unverständlich. San Remo war ja bisher kein ESC Vorentscheid, wie ich hier obergescheit immer wieder gepostet habe, sondern einfach das italienische Musikfestival, dessen Sieger zum ESC fahren durfte (nicht musste). Nun übernimmt Stefano De Martino als neuer (junger!) Leiter das Festival und er will am Freitag – das Festival läuft ja fünf Tage – zu einem ESC Abend machen, wo es auch um die Inszenierung der Songs geht.
Und ja, wenn Italien – das immerhin erfolgreichste ESC Land der letzten zehn Jahre – etwas nicht kann, dann ist es die Inszenierung. Im besten Fall fällt sie einfach nicht auf, wie zum Beispiel bei Lucio Corsi, der einfach zwei meterhohe Verstärker hinter sich platziert hat oder bei Il Volo, die irgendwelche Objekte aus dem Kolloseum in Rom eingeblendet haben. Marco Mengoni hat überhaupt nur ein Trampolin mitgebracht, auf dem zwei Männer relativ unmotiviert herumgesprungen sind. Das war die “Bühnenshow” harhar. Im schlechtesten Fall sind die Inszenierungen so überladen, dass sie dem Song tendenziell eher schaden – siehe Francesco Gabbani oder Mahmood (der trotzdem Zweiter wurde) oder heuer auch Sal da Vinci, der beim eigenen Staging ja nur eine Nebenrolle spielte. Wie gesagt: Platzierungsmäßig heißt “schaden” aber immer noch Top 6.
Wie sich das San Remo konkret vorstellt, 20 verschiedene Spezial-Inszenierungen auf der eher kleinen Bühne des Teatro Ariston zu präsentieren, frage ich mich schon. Und letztlich ist Italien immer gut damit gefahren, sich nicht an den Songcontest anzubiedern, was bei Schweden und seinem Melodifestivalen zu einem häufig etwas seelenlosen Einheitsbrei führt. Aber vielleicht irre ich mich ja auch, es wäre nicht das erste mal (harhar) und alles wird ur toll.
Kürzlich habe ich Die Verluste von Florian Scheibe fertiggelesen, einen Roman, den die Buchhändlerin Petra Hartlieb auf ihrer Facebookseite empfohlen hatte. Ich mag schwierige Familiengeschichten sehr gerne und Die Verluste ist eine solche, zumindest beginnt sie so.
Griffig zusammengefasst kann ich sagen: es war durchaus unterhaltsam und kurzweilig zu lesen, dennoch habe ich ein paar Einwände. Worum geht es genau? Ausgangspunkt ist der bevorstehende 80. Geburtstags des Familien/Firmenoberhauptes Klaus Werner. Finanziell sorglos mit seiner Frau in einem großen Haus mit Garten der Schweiz lebend, überkommen ihn plötzlich diffuse Ängste. Durch eine Werbung wird auf auf das Konzept des “Luxusbunkers” aufmerksam, für den Fall des Falles (Atomkrieg oder ähnliches) und er beschließt, sein ganzes Vermögen in einen solchen zu investieren, während die beiden Söhne – ein akkurater Arzt und ein schrauchelnder Schriftsteller – bereits auf ihr Erbe warten, und die Tochter, eine Umweltaktivistin, seit geraumer Zeit alle Bücken zu ihrer Familie abgebrochen hat…
Dieser Roman hebt zu einem Epos im Jonathan Franzen’schen Sinne an – ich habe vor vielen Jahren Die Korrekturen sehr gerne gelesen – löst die Prämisse aber nicht wirklich ein. Vielleicht fehlen dem Roman die gut 200 Seiten mehr, die Franzen sich genommen hat, jedenfalls werden hier, meines Erachtens, zu viele Geschichten auf zu wenig Raum erzählt. Natürlich interessiert einen manches auch mehr als anderes. Auf den Teil mit der Tochter, die irgendwie unterwegs ist, die Welt zu retten, hätte ich persönlich sehr gut verzichten können. Weil Scheibe hier halt auch nicht wirklich mehr einfällt als das, was man von den “Weltrettern” unserer Zeit eh schon gut kennt: Das vor sich hertragen des eigenen “moralischen” Handelns wie eine Monstranz zum Beispiel; und ziemlich unterkomplexe Lösungswege. Die beiden Söhne finde ich interessanter, weil sie jeweils an einem Tiefpunkt ihres Lebens stehen und es spannend ist, dass ökonomischer Erfolg (der eine hat ihn, der andere nicht) damit gar nichts zu tun hat. Immer dann, wenn Scheibe Charaktere genauer beschreibt, ist der Roman sehr stark.
Viele große Themen des Romans entfalten sich dagegen nicht ganz so wie geplant. Der Luxusbunker vom Anfang ist eher ein Mac Guffin. Aber auch der Brief, den die Mutter von Klaus hinterlassen hat und der erst nach ihrem Tod gelesen wird, der die große Überraschung am Ende ist, hat mich eher kalt gelassen, weil er meiner Meinung nach nicht wirklich viel mit den Dynamiken innerhalb der Familie zu tun hat. Interessanter ist die Reflexion über das berühmte Tolstoi Zitat aus Anna Karenina: “Alle glücklichen Familien gleichen einander; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.” Scheibe lässt seine Protagonisten darüber nachdenken, ob es nicht eher genau umgekehrt ist. Dass es schwierig ist herauszufinden, wie man glücklich sein kann.
Scheibe hat in einem Interview gesagt, das Ende seines Romanes entwickelte sich versöhnlicher als geplant. Für ein bisschen Hoffnung am Ende einer Geschichte bin ich immer zu haben. Aber wenn jahrezehntealte Traumata, die ja im sehr schweren Titel “Die Verluste” ganz bewusst adressiert werden, dann binnen einigen Seiten glattgebügelt bis nivelliert werden, tröstet das alle andere dysfunktionale Familien da draußen nicht wirklich.
Den heutigen Tag habe ich teilweise im Literaturmuseum Wien verbracht. Hui, diese Woche ist die Woche der Ausstellungen bei mir.
Es gibt dort nämlich gerade eine über Thomas Bernhard, über die ich ein anderes mal erzählen werde. Spoiler: Ihr könnt sie aber auf alle Fälle schon mal anschauen gehen, sie ist genauso gut gemacht wie die letzten Ausstellungen, die ich dort gesehen habe – nämlich eine über Ingeborg Bachmann und eine über Herkunft. Ich habe heute zwei Stunden im Museum verbracht.
Zum Abschied etwas von Grillparzer zum Nachdenken
Anschließend bin ich ins Vapiano Mittagessen gefahren, ich habe immer noch Gutscheine und das ist das beste Lokal zum alleine essen gehen finde ich, weil es jedem wurscht ist, wenn man solo dort sitzt. Und ich liebe einfach das Pilzrisotto.
…und bestes Zitronen Minze Soda
Am Nachmittag habe ich das erst gestern ausgeliehene Schlingensief Buch auch schon wieder fertiggelesen. Es ist schön, sehr erschütternd und traurig natürlich auch. Aber es ist auch sehr positiv, was Schlingensief da über das Leben reflektiert, ich mag seine Art der Wahrnehmung und des darüber Berichtens sehr.
Also ich bin gestern bei der Christoph Schlingensief Ausstellung stehengeblieben – die ist übrigens oben im MAK, wenn man über diese Brücke geht – sie nennt sich: Es ist nicht mehr mein Problem. Laut Aussage der Kuratoren (unter anderem Schlingensiefs Witwe) soll es keine Retrospektive sein.
Beim Eingang der Ausstellung
In einigen ziemlich großen Räumen werden die bekanntesten Aktionen und Exponate von Schlingensief ausgestellt, hier fällt vor allem natürlich der Ausländer raus Container auf, der zur Aktion Bitte liebt Österreich gehört. Man erinnert sich, damals fanden zwei Dinge quasi gleichzeitig statt, und zwar die erste Big Brother Staffel und die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich. Schlingensief verband diese beiden Ereignisse, und ließ neben die Staatsoper einen Container mit tatsächlichen Asylwerbern stellen, von denen täglich einer oder eine “herausgevotet” werden konnte. Wenn man sich daran zurückerinnert, fragt man sich, wieso sich die Festwochen heuer davor anscheißen ängstigen, ein Gespräch mit Peter Thiel zu führen.
Der Ausländer Raus Container von der Aktion im Jahr 2000
Diese Aktion hat Schlingensief Anfeindungen von wirklich allen Seiten gebracht. Natürlich in erster Linie von der FPÖ, aber auch von linken Gruppen, die ihm unter anderem Instrumentalisierung der Geflüchteten und Verharmlosung vorwarfen. Und das für einen Künstler natürlich schon super, denn es bedeutet, du hast dich zwischen sämtliche Stühle gesetzt, wo du von niemand vereinnahmt werden kannst und dich einer stringenten (=banalen) Interpretation entzogen. Tatsächlich sind Schlingensiefs Motive für mich bis heute auch schwer fassbar, ging es ihm wirklich um die Sache, wollte er provozieren, tatsächlich politisch etwas bewegen? Die Idee an sich ist ja in erster Linie mutig, an sich sind aber die Reaktion und die Partizipation von anderen fast interessanter als die Aktion selbst.
In der Ausstellung gibt es ein rund 20 Minuten langes Interview mit ihm zu diesem Thema (aufgenommen vor der Oper) anzusehen, was ich auch in voller Länge gemacht habe, und selbst danach war ich nicht wirklich schlauer, was aber dazu einlädt, sich noch mehr mit Schlingensief zu beschäftigen. Er ist für mich eine ziemlich ambivalente Figur.
Schlingensief im Interview vor der Oper, Juni 2000
Ansonsten stellt die Ausstellung Freakstars 3000 vor, eine Talkshow von Schlingensief mit Menschen mit Behinderung. Seine Hamlet Inszenierung mit aussteigewilligen Neonazis und Church of Fear, als Reaktion auf den Terroranschlag auf die Twin Towers und die Frage, wie sehr Angst die Menschen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst. Und ob Angst so etwas wie eine Ersatzreligion geworden ist. Ich finde, gerade dieses Thema ist auch heute noch extrem gegenwärtig, weil die mediale Angstmache wirklich teilweise bizarre Blüten treibt. Das haben wir aktuell auch immer wieder mit dem Klimawandel. Bin kein “Leugner” (sowieso so ein bescheuerter Kampfbegriff) aber wenn uns zum Beispiel erzählt wird, es war im vergangenen Sommer viel heißer als wir das empfunden hätten, dann grenzt das für mich schon ein bisschen an Gaslighting. Und was genau bringt es, Herausforderungen in der Welt mit Angst zu begegnen? Da hätte Schlingenschief viel zu tun und ich wäre gespannt, wie er sich diesem Thema genähert hätte.
Das wäre doch ein Spruch für die Kandidatinnen und Kandidaten zur ORF Generaldirektorwahl
Die Ausstellung als solche fand ich sehr interessant gemacht, im Sinne von: es gibt recht viel Informationen und die Exponante von damals zu sehen, aber gleichzeitig ist sie ziemlich spartanisch und auch irgendwie so gestaltet, dass sie sehr unbequem wirkt, also es hat visuell nichts anheimelndes. Das passt dazu, dass Schlingensief Kunst nicht als Antwort sah, sondern als Prozess des immer wieder Hinterfragens, was mir ja wieder sympathisch ist.
Im Museumsshop habe ich in Schlingensiefs Krebs-Tagebuch hineingelesen und es mir gleich in der Bücherei ausgeborgt, zusammen mit zwei anderen Werken von/mit ihm.
Danke liebe A. für die Anmerkung, dass man mit der NÖ Card das MAK gratis besuchen kann und es auch Ermäßigungen mit der Stadt Wien Card gibt. Auch für Öffi Jahreskartenbesitzer.
Jetzt habe ich Famesick von Lena Dunham fertig gelesen und ich würde am liebsten gleich wieder von vorne anfangen, weil es so interessant und gut geschrieben ist.
Am angenehmsten an diesem Buch fand ich, dass es nicht belehrend ist und keine derzeit so übliche Propaganda enthält. Also Propaganda in dem Sinn als, dass zum Beispiel die Witwe von Paul Auster, Siri Hustvedt – ich mag beide wirklich als Autoren – in den Interviews zum Buch über ihren Mann laufend von Trump redet. Und ich denk mir, wenn mein Mann stirbt, mit dem ich 50 Jahre zusammen war, hätte ich, glaube ich, der Welt was anderes mitzugeben. Das hat mich irgendwie so abgeturnt, dass ich weder das Buch lesen wollte, noch ihren Film sehen.
Anyway: Dunham hat natürlich ihre Weltanschauung wie wir alle, sie drückt sie dir allerdings nicht aufs Auge und sie ist auch ziemlich selbstkritisch. 2016 hat sie beispielsweise den Wahlkampf von Hillary Clinton aktiv unterstützt. In A Memoir schreibt sie: “And I know now, I wish I’d just posted a BERNIE sign in my window instead. “1 Sie sieht auch kritisch, dass sie einen Autor von Girls gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt hat, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht wissen konnte, was tatsächlich passiert ist. Sie habe diese Erklärung nach einer schweren Operation abgegeben. Dunham ist chronisch krank, hatte zahlreiche Operationen und musste wegen einer daraus resultierenden Suchtmittelabhänigkeit auch auf Entzug.
Was mir noch besonders gut an ihrem Buch gefällt, die gnadenlose Ehrlichkeit was “Vereinbarkeit” betrifft. Das wird uns ja immer suggeriert, wir können alles haben, eine super Ehe, ein paar Kinder, eine tolle Karriere, Hobbies, Zeit für Freunde, Sport etcetera, es geht alles gleichzeitig. Als Dunham ihre Operationen hat, ist ihr damaliger Partner, Jack Antonoff auf dem Zenit seiner Weltkarriere. Jetzt werden viele denken, WTF, wer ist Jack Antonoff. Naja, er hat den Song We are Young mitgeschrieben – ja genau den, ihr summt richtig- und war zu der Zeit quasi einer der gefragtesten Musiker, hat mit Pink, Taylor Swift et al gearbeitet. Natürlich saß Antonoff deshalb nicht immer im Wartezimmer. Nach der Trennung hatte sie kurz einen anderen Partner, der immer da war und ihr Arzt meinte daraufhin auf die Art, ah der Mann ist besser, der ist für sie da. Worauf Dunham trocken vermerkt, naja, er ist arbeitslos, er ist Alkoholiker, er ist bei ihr eingezogen, er hat nichts anderes zu tun. Sie schreibt, dass Antonoff nicht der unempathische Ungustl war, für den ihn ihr Arzt gehalten hat, dass es eben komplizierter ist, wie so vieles im Leben.
Das mag ich alles sehr. Ich werde ein anderes mal noch mehr davon erzählen.