almis personal blog

News beim ESC

In der letzten Woche gab es zwei Neuigkeiten, den ESC betreffend, die ich beide mit so eher gemischten Gefühlen aufgenommen habe.

Die erste: Ab nächstem Jahr ist Kanada dabei. Und da bin ich jetzt nicht gerade vor Freude an die Decke gesprungen. Nun muss die erste Reaktion ja nicht zwangsläufig immer die “richtige” sein oder unverändlich, aber es war eben mein spontanes Gefühl dazu und ich habe natürlich nix gegen Kanada an sich. Aber ich finde mehr ist nicht immer gleich besser und es ist auch so ein bisschen ein Jumping the shark Moment, zumindest die Gefahr eines solchen, aber Eurovision überlebt eh viel.

Habe mir dann dazu eine ESC Kompakt Folge angehört, wo erklärt wird, wie das überhaupt möglich ist, dass jetzt Kanada dabei sein. Das Land war bisher assoziiertes Mitglied beim Zusammenschluss der öffentlich rechtlichen Sender und nun ist es ein Vollmitglied. Das bedeutet tatsächlich einen anderen Status als Australien, das immer quasi als Gast eingeladen werden muss und im Fall eines Sieges den Bewerb auch nicht austragen darf. Natürlich werden hier wohl auch ökonomische Gründe vorliegen, denk ich mir. Mir persönlich wäre es halt trotzdem lieber, man holt die Länder zurück, die jetzt wegen des elenden Boykotts abgesprungen sind – Niederlande und Slowenien vor allem, aus musikalischer Sicht, mochte die Beiträge der letzten Jahre aus diesen Ländern sehr. Ich würde mich auch freuen, wenn Nationen wie Ungarn oder Bosnien wieder mitmachen. Ich persönlich finde das Euro in Eurovision nämlich nicht obsolet.

Die zweite Änderung betrifft San Remo und ist mir mindestens genauso unverständlich. San Remo war ja bisher kein ESC Vorentscheid, wie ich hier obergescheit immer wieder gepostet habe, sondern einfach das italienische Musikfestival, dessen Sieger zum ESC fahren durfte (nicht musste). Nun übernimmt Stefano De Martino als neuer (junger!) Leiter das Festival und er will am Freitag – das Festival läuft ja fünf Tage – zu einem ESC Abend machen, wo es auch um die Inszenierung der Songs geht.

Und ja, wenn Italien – das immerhin erfolgreichste ESC Land der letzten zehn Jahre – etwas nicht kann, dann ist es die Inszenierung. Im besten Fall fällt sie einfach nicht auf, wie zum Beispiel bei Lucio Corsi, der einfach zwei meterhohe Verstärker hinter sich platziert hat oder bei Il Volo, die irgendwelche Objekte aus dem Kolloseum in Rom eingeblendet haben. Marco Mengoni hat überhaupt nur ein Trampolin mitgebracht, auf dem zwei Männer relativ unmotiviert herumgesprungen sind. Das war die “Bühnenshow” harhar. Im schlechtesten Fall sind die Inszenierungen so überladen, dass sie dem Song tendenziell eher schaden – siehe Francesco Gabbani oder Mahmood (der trotzdem Zweiter wurde) oder heuer auch Sal da Vinci, der beim eigenen Staging ja nur eine Nebenrolle spielte. Wie gesagt: Platzierungsmäßig heißt “schaden” aber immer noch Top 6.

Wie sich das San Remo konkret vorstellt, 20 verschiedene Spezial-Inszenierungen auf der eher kleinen Bühne des Teatro Ariston zu präsentieren, frage ich mich schon. Und letztlich ist Italien immer gut damit gefahren, sich nicht an den Songcontest anzubiedern, was bei Schweden und seinem Melodifestivalen zu einem häufig etwas seelenlosen Einheitsbrei führt. Aber vielleicht irre ich mich ja auch, es wäre nicht das erste mal (harhar) und alles wird ur toll.

Die Verluste

Kürzlich habe ich Die Verluste von Florian Scheibe fertiggelesen, einen Roman, den die Buchhändlerin Petra Hartlieb auf ihrer Facebookseite empfohlen hatte. Ich mag schwierige Familiengeschichten sehr gerne und Die Verluste ist eine solche, zumindest beginnt sie so.

Griffig zusammengefasst kann ich sagen: es war durchaus unterhaltsam und kurzweilig zu lesen, dennoch habe ich ein paar Einwände. Worum geht es genau? Ausgangspunkt ist der bevorstehende 80. Geburtstags des Familien/Firmenoberhauptes Klaus Werner. Finanziell sorglos mit seiner Frau in einem großen Haus mit Garten der Schweiz lebend, überkommen ihn plötzlich diffuse Ängste. Durch eine Werbung wird auf auf das Konzept des “Luxusbunkers” aufmerksam, für den Fall des Falles (Atomkrieg oder ähnliches) und er beschließt, sein ganzes Vermögen in einen solchen zu investieren, während die beiden Söhne – ein akkurater Arzt und ein schrauchelnder Schriftsteller – bereits auf ihr Erbe warten, und die Tochter, eine Umweltaktivistin, seit geraumer Zeit alle Bücken zu ihrer Familie abgebrochen hat…

Dieser Roman hebt zu einem Epos im Jonathan Franzen’schen Sinne an – ich habe vor vielen Jahren Die Korrekturen sehr gerne gelesen – löst die Prämisse aber nicht wirklich ein. Vielleicht fehlen dem Roman die gut 200 Seiten mehr, die Franzen sich genommen hat, jedenfalls werden hier, meines Erachtens, zu viele Geschichten auf zu wenig Raum erzählt. Natürlich interessiert einen manches auch mehr als anderes. Auf den Teil mit der Tochter, die irgendwie unterwegs ist, die Welt zu retten, hätte ich persönlich sehr gut verzichten können. Weil Scheibe hier halt auch nicht wirklich mehr einfällt als das, was man von den “Weltrettern” unserer Zeit eh schon gut kennt: Das vor sich hertragen des eigenen “moralischen” Handelns wie eine Monstranz zum Beispiel; und ziemlich unterkomplexe Lösungswege. Die beiden Söhne finde ich interessanter, weil sie jeweils an einem Tiefpunkt ihres Lebens stehen und es spannend ist, dass ökonomischer Erfolg (der eine hat ihn, der andere nicht) damit gar nichts zu tun hat. Immer dann, wenn Scheibe Charaktere genauer beschreibt, ist der Roman sehr stark.

Viele große Themen des Romans entfalten sich dagegen nicht ganz so wie geplant. Der Luxusbunker vom Anfang ist eher ein Mac Guffin. Aber auch der Brief, den die Mutter von Klaus hinterlassen hat und der erst nach ihrem Tod gelesen wird, der die große Überraschung am Ende ist, hat mich eher kalt gelassen, weil er meiner Meinung nach nicht wirklich viel mit den Dynamiken innerhalb der Familie zu tun hat. Interessanter ist die Reflexion über das berühmte Tolstoi Zitat aus Anna Karenina: “Alle glücklichen Familien gleichen einander; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.” Scheibe lässt seine Protagonisten darüber nachdenken, ob es nicht eher genau umgekehrt ist. Dass es schwierig ist herauszufinden, wie man glücklich sein kann.

Scheibe hat in einem Interview gesagt, das Ende seines Romanes entwickelte sich versöhnlicher als geplant. Für ein bisschen Hoffnung am Ende einer Geschichte bin ich immer zu haben. Aber wenn jahrezehntealte Traumata, die ja im sehr schweren Titel “Die Verluste” ganz bewusst adressiert werden, dann binnen einigen Seiten glattgebügelt bis nivelliert werden, tröstet das alle andere dysfunktionale Familien da draußen nicht wirklich.

Feiertag

Den heutigen Tag habe ich teilweise im Literaturmuseum Wien verbracht. Hui, diese Woche ist die Woche der Ausstellungen bei mir.

Es gibt dort nämlich gerade eine über Thomas Bernhard, über die ich ein anderes mal erzählen werde. Spoiler: Ihr könnt sie aber auf alle Fälle schon mal anschauen gehen, sie ist genauso gut gemacht wie die letzten Ausstellungen, die ich dort gesehen habe – nämlich eine über Ingeborg Bachmann und eine über Herkunft. Ich habe heute zwei Stunden im Museum verbracht.

Zum Abschied etwas von Grillparzer zum Nachdenken

Anschließend bin ich ins Vapiano Mittagessen gefahren, ich habe immer noch Gutscheine und das ist das beste Lokal zum alleine essen gehen finde ich, weil es jedem wurscht ist, wenn man solo dort sitzt. Und ich liebe einfach das Pilzrisotto.

…und bestes Zitronen Minze Soda

Am Nachmittag habe ich das erst gestern ausgeliehene Schlingensief Buch auch schon wieder fertiggelesen. Es ist schön, sehr erschütternd und traurig natürlich auch. Aber es ist auch sehr positiv, was Schlingensief da über das Leben reflektiert, ich mag seine Art der Wahrnehmung und des darüber Berichtens sehr.

Ein feiner Tag.

Im MAK, zwei

Also ich bin gestern bei der Christoph Schlingensief Ausstellung stehengeblieben – die ist übrigens oben im MAK, wenn man über diese Brücke geht – sie nennt sich: Es ist nicht mehr mein Problem. Laut Aussage der Kuratoren (unter anderem Schlingensiefs Witwe) soll es keine Retrospektive sein.

Beim Eingang der Ausstellung

In einigen ziemlich großen Räumen werden die bekanntesten Aktionen und Exponate von Schlingensief ausgestellt, hier fällt vor allem natürlich der Ausländer raus Container auf, der zur Aktion Bitte liebt Österreich gehört. Man erinnert sich, damals fanden zwei Dinge quasi gleichzeitig statt, und zwar die erste Big Brother Staffel und die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich. Schlingensief verband diese beiden Ereignisse, und ließ neben die Staatsoper einen Container mit tatsächlichen Asylwerbern stellen, von denen täglich einer oder eine “herausgevotet” werden konnte. Wenn man sich daran zurückerinnert, fragt man sich, wieso sich die Festwochen heuer davor anscheißen ängstigen, ein Gespräch mit Peter Thiel zu führen.

Der Ausländer Raus Container von der Aktion im Jahr 2000

Diese Aktion hat Schlingensief Anfeindungen von wirklich allen Seiten gebracht. Natürlich in erster Linie von der FPÖ, aber auch von linken Gruppen, die ihm unter anderem Instrumentalisierung der Geflüchteten und Verharmlosung vorwarfen. Und das für einen Künstler natürlich schon super, denn es bedeutet, du hast dich zwischen sämtliche Stühle gesetzt, wo du von niemand vereinnahmt werden kannst und dich einer stringenten (=banalen) Interpretation entzogen. Tatsächlich sind Schlingensiefs Motive für mich bis heute auch schwer fassbar, ging es ihm wirklich um die Sache, wollte er provozieren, tatsächlich politisch etwas bewegen? Die Idee an sich ist ja in erster Linie mutig, an sich sind aber die Reaktion und die Partizipation von anderen fast interessanter als die Aktion selbst.

In der Ausstellung gibt es ein rund 20 Minuten langes Interview mit ihm zu diesem Thema (aufgenommen vor der Oper) anzusehen, was ich auch in voller Länge gemacht habe, und selbst danach war ich nicht wirklich schlauer, was aber dazu einlädt, sich noch mehr mit Schlingensief zu beschäftigen. Er ist für mich eine ziemlich ambivalente Figur.

Schlingensief im Interview vor der Oper, Juni 2000

Ansonsten stellt die Ausstellung Freakstars 3000 vor, eine Talkshow von Schlingensief mit Menschen mit Behinderung. Seine Hamlet Inszenierung mit aussteigewilligen Neonazis und Church of Fear, als Reaktion auf den Terroranschlag auf die Twin Towers und die Frage, wie sehr Angst die Menschen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst. Und ob Angst so etwas wie eine Ersatzreligion geworden ist. Ich finde, gerade dieses Thema ist auch heute noch extrem gegenwärtig, weil die mediale Angstmache wirklich teilweise bizarre Blüten treibt. Das haben wir aktuell auch immer wieder mit dem Klimawandel. Bin kein “Leugner” (sowieso so ein bescheuerter Kampfbegriff) aber wenn uns zum Beispiel erzählt wird, es war im vergangenen Sommer viel heißer als wir das empfunden hätten, dann grenzt das für mich schon ein bisschen an Gaslighting. Und was genau bringt es, Herausforderungen in der Welt mit Angst zu begegnen? Da hätte Schlingenschief viel zu tun und ich wäre gespannt, wie er sich diesem Thema genähert hätte.

Das wäre doch ein Spruch für die Kandidatinnen und Kandidaten zur ORF Generaldirektorwahl

Die Ausstellung als solche fand ich sehr interessant gemacht, im Sinne von: es gibt recht viel Informationen und die Exponante von damals zu sehen, aber gleichzeitig ist sie ziemlich spartanisch und auch irgendwie so gestaltet, dass sie sehr unbequem wirkt, also es hat visuell nichts anheimelndes. Das passt dazu, dass Schlingensief Kunst nicht als Antwort sah, sondern als Prozess des immer wieder Hinterfragens, was mir ja wieder sympathisch ist.

Im Museumsshop habe ich in Schlingensiefs Krebs-Tagebuch hineingelesen und es mir gleich in der Bücherei ausgeborgt, zusammen mit zwei anderen Werken von/mit ihm.


Danke liebe A. für die Anmerkung, dass man mit der NÖ Card das MAK gratis besuchen kann und es auch Ermäßigungen mit der Stadt Wien Card gibt. Auch für Öffi Jahreskartenbesitzer.

Famesick

Jetzt habe ich Famesick von Lena Dunham fertig gelesen und ich würde am liebsten gleich wieder von vorne anfangen, weil es so interessant und gut geschrieben ist.

Am angenehmsten an diesem Buch fand ich, dass es nicht belehrend ist und keine derzeit so übliche Propaganda enthält. Also Propaganda in dem Sinn als, dass zum Beispiel die Witwe von Paul Auster, Siri Hustvedt – ich mag beide wirklich als Autoren – in den Interviews zum Buch über ihren Mann laufend von Trump redet. Und ich denk mir, wenn mein Mann stirbt, mit dem ich 50 Jahre zusammen war, hätte ich, glaube ich, der Welt was anderes mitzugeben. Das hat mich irgendwie so abgeturnt, dass ich weder das Buch lesen wollte, noch ihren Film sehen.

Anyway: Dunham hat natürlich ihre Weltanschauung wie wir alle, sie drückt sie dir allerdings nicht aufs Auge und sie ist auch ziemlich selbstkritisch. 2016 hat sie beispielsweise den Wahlkampf von Hillary Clinton aktiv unterstützt. In A Memoir schreibt sie: “And I know now, I wish I’d just posted a BERNIE sign in my window instead. “1 Sie sieht auch kritisch, dass sie einen Autor von Girls gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt hat, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht wissen konnte, was tatsächlich passiert ist. Sie habe diese Erklärung nach einer schweren Operation abgegeben. Dunham ist chronisch krank, hatte zahlreiche Operationen und musste wegen einer daraus resultierenden Suchtmittelabhänigkeit auch auf Entzug.

Was mir noch besonders gut an ihrem Buch gefällt, die gnadenlose Ehrlichkeit was “Vereinbarkeit” betrifft. Das wird uns ja immer suggeriert, wir können alles haben, eine super Ehe, ein paar Kinder, eine tolle Karriere, Hobbies, Zeit für Freunde, Sport etcetera, es geht alles gleichzeitig. Als Dunham ihre Operationen hat, ist ihr damaliger Partner, Jack Antonoff auf dem Zenit seiner Weltkarriere. Jetzt werden viele denken, WTF, wer ist Jack Antonoff. Naja, er hat den Song We are Young mitgeschrieben – ja genau den, ihr summt richtig- und war zu der Zeit quasi einer der gefragtesten Musiker, hat mit Pink, Taylor Swift et al gearbeitet. Natürlich saß Antonoff deshalb nicht immer im Wartezimmer. Nach der Trennung hatte sie kurz einen anderen Partner, der immer da war und ihr Arzt meinte daraufhin auf die Art, ah der Mann ist besser, der ist für sie da. Worauf Dunham trocken vermerkt, naja, er ist arbeitslos, er ist Alkoholiker, er ist bei ihr eingezogen, er hat nichts anderes zu tun. Sie schreibt, dass Antonoff nicht der unempathische Ungustl war, für den ihn ihr Arzt gehalten hat, dass es eben komplizierter ist, wie so vieles im Leben.

Das mag ich alles sehr. Ich werde ein anderes mal noch mehr davon erzählen.


  1. Lena Dunham: Famesick, S.207 ↩︎

Pre-Oscar

Heute noch schnell gediegen bei Wolfgang Puck in Los Angeles mittaggegessen…

…na gut, es war doch eher Drei Linden am Rosenhügel, harhar. Aber es war sehr gut!

Und:

Ich habe jetzt 10/10 Filmen, die in der Kategorie “Best Film” nominiert sind gesehen, also in Worten alle! Harhar. Das wäre vor einigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Da kamen die Filme teilweise erst Monate nach den Oscars bei uns ins Kino, wenn überhaupt. Wobei ganz stimmt es nicht: Frankenstein und Train Dreams waren nur in Einzelvorstellungen zu sehen. Solche Filme – auch wenn ich die beiden jetzt nicht so besonders mochte – gehören auf eine große Leinwand und zwar nicht nur einmal.

Ich habe auf Uncut auch meine Oscar-Prognose abgegeben, aber sind wir uns ehrlich, das ist heuer ein reines Ratespiel. Außer beste Hauptdarstellerin sind alle großen Kategorien mehr oder weniger offen. Die Erzählung, dass Timothée Chalamet mit seinen Aussagen zu Ballett und Opern seine Chancen geschwächt hat, sind auch Schwachsinn, er sagte das am letzten Tag der Abstimmungsfrist. Und außerdem soll man ja seine Leistung beurteilen und nicht, wie sehr man mit seinen Ansichten übereinstimmt oder wie sympathisch er einem ist.

Da rede ich natürlich wieder groß, obwohl ich ja auch damit kämpfe, dass ich Sean Penn so überhaupt nicht (mehr) leiden kann und ihn in One Battle After Another dann auch nicht besonders gut fand, obwohl der Film insgesamt toll war. Und dann kommt er eh nicht und/oder schenkt Selensky seinen Oscar. Die Frage ist trotzdem, find ich ihn nicht so gut, weil er mir auf die Nerven geht? Oder kann ich (halbwegs) objektiv sagen, dass die anderen in der Kategorie besser waren? Jedenfalls stehe ich nicht alleine mit meiner Meinung:

Und jetzt bleib ich noch ein bisschen auf.

qwien, Teil 2

Jetzt noch ein bisschen was zur ESC Ausstellung im qwien United by Queerness. Was war dort noch los, abgesehen davon, dass ich Marco Schreuder getroffen habe? Harhar.

Der Schauraum der United By Queerness Ausstellung, man sieht schon den fliederfarbenen Anzug von Thomas Forstner und den türkisen von Guildo Horn

Also zunächst mal hat auch Schreuder selbst auf die Anmerkung eines Users geschrieben, der meinte, es gäbe ja nicht nur Queerness beim ESC, sondern auch beispielsweise religös beeinflusste Lieder, es gab einige evangelikale Performer, das wäre richtig. Nur fokussiere die Ausstellung eben auf diesen Aspekt, weil sie im Queerzentrum stattfinde.

Eine der Frage, die man mittels schwarzem Klebepunkt beantworten kann. Wer mich kennt, wird ahnen, in welchem Feld mein Punkt klebt harhar

Die Ausstellung erzählt über früher versteckte, quasi nur mittels Codes erkennbare homosexuelle Teilnehmer ebenso wie über solche, die im Gegenteil mit Versatzstücken spielen, obwohl sie gar nicht aus der Community stammen.

Ich habe erfahren, dass der Isländer Paul Oscar mit seinem Song Minn hinsti dans, der erste offene Gay Act war. Mir war das nicht bewusst, es war 1997, für meine Begriffe schon eine “aufgeschlossene” Zeit. Er trug halt so ein Lackoutfit und Eyeliner, neben ihm tanzende Frauen, auch in Lack, war es schon etwas “Drag” wie man heute sagen würde. Grissemann meinte damals über Oscar: “So sympathisch er hier auch scheint, er kommt hassenswerter Weise auch vom Musical, wie so viele Teilnehmer leider.” Harhar. Derzeit wären es übrigens Castingshows. Minn Hinsti Dans ist bis heute eines meiner ESC Lieblingslieder, auch wenn Paul Oscar damals nur 20. wurde. Ich habe es auf meinem Videorecorder (!) immer wieder zurückgespult und nochmal angesehen. Der Song ist so gut gealtert, dass man meinen könnte, er wäre seiner Zeit vielleicht auch etwas voraus gewesen.

Bereits ein Jahr später gewann Dana International, eine Transperson mit dem Song Diva und gegen den zuerst großen Protest von Teilen der orthodoxen israelischen Bevölkerung. Ihr Sieg vereinte das Land dann allerdings auf wundersame Weise. 2007 dann die Travestie Ikone Verka Serduckha, die am Ende Zweite hinter der lesbischen Teilnehmerin aus Serbien Marija Serifovic wurde, die übrigens ein Beisl in Wien Favoriten hatte (harhar wirklich) Ich glaube, niemand, der Serduckhas Auftritt gesehen hat, wird Dancing Lasha Tumbai vergessen haben, es war so eingängig und lustig, Lyrics: “Me English nix verstehen, let’s speak dance.” 2008 erlebten wir (also ich nur im Halbschlaf, hatte ein Baby) den Drag King Sébastien Tellier mit Divine an – er wurde nur 18., allerdings begann mit dem ESC sein Aufstieg aus der Undergroundszene. Tja und über Conchita 2014 brauche ich eh nicht viel zu erzählen.

Kaiserin Conchita, Kronzprinz JJ (oder so)

Ausschnitte aus dem ESC Merci Cherie Podcast, die damalige U-Bahn Durchsage von Conchita zum ESC in Wien, sowie die Regenbogenampel runden die Ausstellung ab.

Guido Horns Outfit. Es gab auch Cesar Sampson’s hässliche Hose, die kommt auf dem Foto aber nicht so richtig rüber, bei Interesse googlen, wer sich nicht mehr erinnert harhar war damals eine Kontroverse, ach das waren noch schöne Kontroversen

Fazit: Wirklich sehr liebevoll und nerdig, mit vielen kleinen Details gestaltet, trotz Handicaps (beleidigte Künstler die Exponate wegen Isreals Teilnahme zurückzogen *augenroll*). Habe aber vom Duo Schreuder/Vlassakakis nichts anderes erwartet. Wenn die zwei nicht verbindend wirken, wer dann.

ESC: Vienna Calling

Ich wollte noch was zu Vienna Calling schreiben, der Sendung, in der am Freitag der ESC Beitrag für 2026 gewählt wurde.

Und zwar das: Nächstes Mal machen wir lieber wieder eine interne Ausscheidung, gö? Harhar.

Nicht wegen dem Siegersong Tanzschein von Cosmo, den ich tatsächlich catchy und originell finde, noch dazu mal in deutscher Sprache – man kann als Fixstarter auch etwas wagen, und ich finde es gut, dass der Song ganz anders ist als der voriges Jahr. Aber der Rest der Show… anstrengend!

Ich bin sowieso immer eher für eine interne Wahl, auch weil Eberhard Forcher, der das die letzten Jahre ja ziemlich erfolgreich gemacht hat, in einem Interview gesagt hat, dass viele Acts abwinken, wenn sie sich einem öffentlichen Voting stellen müssen. Und da bewerben sich dann halt oft eher Menschen, die, sagen wir mal, nix zu verlieren haben. Das finde ich ja prinzipiell mutig und alles, aber viele wissen halt offenbar nicht, dass ein ESC-Song jetzt nicht nur ein Lied ist, das zufällig drei Minuten dauert.

Eine Mini-Kontroverse gab es heuer zu dem Song Wenn ich rauche von Sidrit Vokshi. Ist es misogyn? Weil Vokshi singt von einem frisch getrennten Mann, der sich in unbedeutende Affären flüchtet, folgendes: “Doch ich lieg’ mit ‘ner andern (…) ‘ne Frau, die ich nicht kenn’, stets der gleiche Lauf. Ich nehm’ sie mit und in der Früh schmeiß’ ich sie raus.” Ich hab mir auch kurz gedacht na servas. “Schmeiß ich sie raus” klingt nicht sehr konsensual.

Aber trotzdem darf man natürlich auch jemand besingen, der sich nicht korrekt verhält und das lyrische Ich muss nicht die Haltung des Sängers widerspiegeln. Mich hat der Songtext ein bisschen an Laura non c’e (=Laura ist nicht mehr da) von Nek erinnert. Ähnliche Gedankengänge, nur damals keine Aufregung, weil 1990er Jahre und zu wenig verstehen italienisch, harhar.

Fazit der Show insgesamt: Ausbaufähig. Oder eben eher lieber ganz weglassen, nächstes Jahr.

Faust, vereinfacht

Das Kind musste sich diese Woche für ein viertes Fach entscheiden, in dem er zur mündlichen Matura antritt. Das war gar nicht so einfach.

Ich war natürlich gerne mit Tipps behilflich, harhar. Ich habe ihm von Deutsch vorgeschwärmt, wie toll das war. Nur zwei, die damals angetreten sind, naja nach der schriftlichen waren wir drei, und stundenlang über Faust reden, das Motiv der Kindermörderin in verschiedenen Texten verfolgen und 25 Bücher durfte man auch lesen. Ich bekam zur mündlichen Matura einen Auszug aus einem Schnitzler Stück, in dem ich die ganzen Subtexte markieren und analysieren sollte. Das war das Beste an der ganzen Schulzeit, harhar.

In Berlin wird derweil darüber geredet, dass deutsche Literatur zu schwer rezipierbar wär. Und ob man da echt noch Klassiker lesen soll. Oder lieber in einfacher Sprache. Oida! Anna Schneider, Journalistin der Welt und manchmal ähnlich wütend wie ich, dabei aber viel eloquenter, hat gesagt, damit reduzieren wir Literatur auf Zusammenfassungen und nehmen ihr das, was sie ausmacht, nämlich die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Sicher kann das anstrengend sein, es bringt einen aber auch weiter. Schneider außerdem: “Wenn ein Lehrer jetzt sagt, na gut, lesen wir die einfache Version – es gibt keine einfache Version von Faust.” Harhar. Einfach nur richtig. Und ich würde noch ergänzen, man muss auch nicht immer alles bis ins Detail kapieren. Das bereitet einen gut aufs Leben vor, wo man später auch nie alles verstehen wird, was einem so widerfährt.

Das Kind nimmt jetzt aber doch ein anderes Fach, harhar.

Spotify Jahrescharts 2025

Heute wars endlich soweit. Auch wenn ich sonst so big brother überwachungsmäßige Dinge nicht mag, eine Ausnahme bilden die Spotify Jahrescharts, die mir sagen, was ich in den vergangenen zwölf Monaten so gehört habe. Wobei richtig überraschend ist es eh nie und so wundert sich auch wirklich niemand, dass meine Top 5 des Jahres 2025 allesamt ESC Songs sind, harhar.

Und zwar diese:

Oder auch: Österreich (Platz 1), Italien (Platz 5), Schweden (Platz 4), Portugal (Platz 21) und Deutschland (Platz 15). Wobei eines doch halbwegs erstaunlich ist, nämlich, dass Bara Badu Bastu so weit oben ist, dafür, dass ich es ja anfangs so darüber gemeckert habe und erst auf den Geschmack gekommen bin, als der Songcontest schon vorbei war. Die Zeilen Yksi, kaksi, kolme, sauna haben mich dann doch überzeugt.

Außerdem habe ich drüber nachgedacht, wieso auch in meinen Top 100 ESC und San Remo Songs massiv überrepräsentiert sind. Ich denke es liegt daran, dass mich Musik an sich irgendwie sehr verletzlich machen kann, dass ich so viel damit assoziiere und mir das auf Stimmung schlägt, dass es eher heikel ist, das öfter zu hören oder im normalen Alltag, wo man doch funktionieren muss. Ich fühle eh schon so viel zu viel. ESC Songs dagegen erinnern mich hingegegen oft eben nur an den ESC und irgendwelche Statistiken und Trivia harhar, und daher sind diese “unbelastet”.

Mein Lieblingspodcast übrigens, auch ur offensichtlich:

Ich höre ihn immer zum Einschlafen und das mache ich dann auch irgendwann (einschlafen) und so läuft der Podcast auch manchmal, nicht mehr wirklich wach bin weiter, deshalb diese Minutenanzahl. Aber ich finde ihn super und höre jede Folge, wie soll ich sagen, öfters.

Addendum, weil ich jetzt schon mehrfach gefragt wurde, mein musikalisches Alter auf Spotify ist 59. Harhar