almis personal blog

ESC Dänemark 26

Dänemark hat beim ESC bisher, so wie ich Österreich, dreimal gewonnen.

Der Song von 1963 sagt mir, ehrlicher Weise, nichts, aber die Olsen Brother 2000 mit Fly on the Wings of Love waren so ein bisschen ein Guilty Pleasure von mir, trotz des Schunkelfaktors und auch Emmelie de Forest, die 2013 barfuß und naturverbunden Only Teardrops performte höre ich immer noch sehr gern. In den letzten Jahren war Dänemark dann weniger erfolgreich und lief ein bisschen unter dem Radar.

Dieses Jahr performt Søren Torpegaard Lund den Song Før vi går hjem – habe gestern auf Social Media gesehen, dass Andi Knoll schon die Aussprache übt harhar. Das Lied ist tatsächlich ausschließlich dänisch und der Titel bedeutet so viel wir “Bis wir nach Hause gehen”, handelt von einem gebrochenen Herzen und so etwas holt mich immer ab. Es erinnert mich thematisch an meinen Lieblingsbetrag vom ESC 2024, der Belgier Musti mit Before the party is over. Der Song war soo toll und Mitfavorit, bis Musti ihn dann erstmals live gesungen hat, ähm. Er ist dann tatsächlich im Semifinale ausgeschieden und ich find es ewig schade, konnte die Entscheidung aber leider verstehen.

Wie auch immer, Lund wird das hoffentlich nicht passieren, weil ich mag auch diesen Song sehr. Er ist in Prinzip recht unspektakulär, irgendwas zwischen Club und Kunstperformance mit diesem Aquarium, das Lund für das Staging benutzt. Das ist sehr reduziert und dennoch ziemlich wirkungsvoll. Bei den ESC Reactions meinte Marcel Stober, man hätte das Aquarium vielleicht vorher noch sauber machen können (harhar), aber mit den Kameraeinstellungen, dem Licht und den Moves von Lund und Konsorten ist es einfach irgendwie lowkey bezaubernd. Ein Trickshirt hat Lund auch an, unter dem sich ein Netzleiberl verbirgt, was ihm gut steht.

Das ist der bescheidenste Song, der heuer aus Skandinavien kommt, aber ich hätte nichts dagegen, wenn der ziemlich weit oben landet.

Girls

Apropos Lena Dunham, nachdem ich jetzt die erste drei Staffeln von Girls gesehen habe und parallel ihre Autobiografie lese, ein erstes Zwischenresümee.

Spoiler möglich

Dunham spielt ja in dieser Serie quasi ihr Alter Ego, eine junge Frau namens Hannah Horvath, die drei enge Freundinnen hat, und das erinnert natürlich jeden, der in den 2000er Jahren irgendwann einmal einen Fernseher aufgedreht hat, sofort an Sex and the City. Sehr raffiniert und auch sympathisch baut Dunham diesen Einfluss gleich in der Pilotfolge ein, als wir erstmals die Wohnung ihrer Freundin Shoshanna sehen, da hängt nämlich ein riesiges SatC Poster. Gleichzeitig ist die Ausgangslage aber eine ganz andere. Die Frauen aus SatC sind mindestens zehn Jahre älter als die aus Girls. Sie wissen zwar nicht so genau, was sie von Männern wollen, aber sie haben gute Jobs, tolle Wohnungen, superchice Kleidung und Geld ist (selten) ein Thema. Wir sehen auch ein ganz anderes New York, das ja in SatC oft als fünfter Hauptdarsteller bezeichnet wird, nämlich ein fast ausschließlich pittoreskes, in schönen Parks und Bars und Hotels und Restaurants.

Girls zeigt vier junge Frauen, die noch gar nicht wissen, was sie generell vom Leben erwarten, was sie beruflich machen sollen und überhaupt. Natürlich haben sie dasselbe Männerproblem wie in SatC, aber Männer stehen nicht so direkt im Vordergrund. Die ziemlich gute Prämisse ist hier nämlich, dass Hannah von ihren Eltern “an die Luft” gesetzt wird. Bei einem Abendessen eröffnet ihr die Mutter Lorreen (Becky Ann Baker) – die mir sofort unsympathisch ist (harhar), aber der man zu Gute halten muss, dass sie auch äußerlich eine absolut “untypische” Serienmutter verkörpert, was ja wieder interessant ist – dass sie und Hannahs Vater ihre finanzielle Unterstützung einstellen. Der Vater Tad (Peter Scolari) ist natürlich viel zu lieb und gutmütig, man weiß sofort, wer die Entscheidung getroffen hat, die Dynamiken dieser Familie liegen offen auf dem Tisch. Hannahs Ex-Freund Elijah bemerkt bald einmal “Your father is gay” – und circa 20 Folgen später wird sich Tad auch als gay outen, worauf Elijah zu Hannah sagt, er habe ihr das schon vor langer Zeit gesagt und sie so: “You never said that” und wir als Zuschauer: Dooooch, hat er! Sowas mag ich ja sehr. harhar.

Jedenfalls will Hannah schreiben, aber sie weiß gleichzeitig, dass das kein Job ist (ach ja) und wir sehen ihr dann dabei zu, wie sie dieses Problem angeht. Hannah hat außerdem nicht die typische Hollywood-Seriendarstellerinnen Figur zumindest damals vor Body Positivity, sie trägt nie Stöckelschuhe, die Wohnungen sind oft ein bisschen chaotisch und schauen halt aus, wie normale Wohnungen ausschauen und Schausplatz ist nicht Manhattan, sondern Williamsburg. Diesen Stadtteil kenne ich aus der Serie Unorthodox, er ist bekannt für seine (ja eben) ultaorthodoxe jüdische Gemeinde. Ultraorthodox ist in Girls niemand, die Religion schimmert nur ein bisschen durch, am ehesten natürlich bei Shoshanna Shapiro, deren Name das ja auch suggeriert. Aber ich würde sagen, so kulturell und “Vibe-mäßig” ist da schon viel jüdisches dabei, während das Judentum in SatC ja irgendwie so etwas exotisches war, man erinnert sich, als Charlotte wegen ihres Mannes konvertiert ist.

Ach ja und noch schnell die Männer, also besonders Adam Sackler (Adam Driver), der Typ, mit dem Hannah eine ziemlich eigenartige Beziehung führt. Das ist ja das lustige, wenn man die Serie erst 15 Jahr später sieht und Driver aus Star Wars, Marriage Story und vielen Jarmusch Filmen kennt. Hier ist er in der ersten Staffel quasi durchgehend kaum bekleidet und ein richtiger Arsch, so auf den ersten Blick. Aber bei manchen Menschen lohnt es sich, genauer hinzusehen, weshalb sie sich so verhalten und so ist Adam bei genauerer Betrachtung natürlich auch viel mehr als dieser erste Eindruck.

Soweit mal fürs erste.

Lena Dunham

Was die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Lena Dunham betrifft, zäume ich jetzt das Pferd quasi von hinten auf.

Im vergangenen Sommer habe ich ja Too Much gesehen, die damals neue Mini-Serie von Dunham, und ich fand sie echt ziemlich schrecklich, sorry. Sehr unsympathische Charaktere, sehr woke, auch, ganz ehrlich, nicht besonders witzig. Ich weiß aber auch, dass sie mit der Serie Girls einen riesen Erfolg hatte. Die Serie, die von 2012 bis 2017 lief, habe ich aber nie gesehen, es war irgendwie damals keine Zeit fürs Serienschauen und außerdem waren die Protagonistinnen alle mindestens zehn Jahre jünger als ich und hatten kein kleines Kind. Es hat nicht mehr so in mein Leben gepasst wie Jahre zuvor Sex and the City.

Vor kurzem hat Dunham ihre Biografie Famesick veröffentlicht, und das war echt überall in meiner timeline. Es ging auch irgendwie um Adam Driver, ihr Co-Star in Girls. Ich bin bei den Artikeln hängen geblieben. Weil Lena Dunham auch irgendwie ein bisschen “lost” wirkt und, ich sage wie es ist, extrem zugenommen hat. Und ich denke mir, da muss was dahinterstehen. Ich habe auch in Zeiten der Trauer in meinem Leben zugenommen, vor fast vier Jahren acht Kilo, habe diese aber wieder abgenommen (aber kein Gramm mehr, wie gemein, harhar). Mich interessieren Menschen, die durch Krisen gehen, weil ich wissen wie, wie sie damit weiterleben.

Jedenfalls habe ich jetzt entdeckt, dass es Girls auf einem meiner Kanäle streamt und ich dachte mir na gut, schaust du den Piloten. Ich war der Meinung, ich würde vielleicht gar keine ganze Folge schaffen, weil wenn mir was nicht gefällt, breche ich schnell wieder ab. Aber siehe da: Die Serie ist super, ich war sofort “hooked” und habe mittlerweile die ganze erste Staffel gebingt, *hüstel* Was ich jetzt schon sagen kann: Diese Serie hat alles das, was Too Much meiner Meinung nach fehlt.

Ich arbeite mich da jetzt rein, ich habe vor, alle fünf Staffeln zu sehen, und zwar ohne mich selbst zu spoilern, weil man könnte natürlich den ganzen Inhalt auch schon vorab lesen. Und ich habe mir ihr Buch Famesick bestellt. Ich werde weiter berichten, harhar.

ESC Rumänien/Schweiz 26

So jetzt wirds anspruchsvoll, es folgt eine Textanalyse.

Zur Geschichte Rumäniens beim ESC muss man jetzt nicht so viel sagen. Die Sängerin Alexandra Căpitănescu tritt jedenfalls dieses Jahr mit einem Songs namens Choke Me an. Wie man sich denken kann, hat dieser Titel für Aufregung und Zensurwünsche (das aktuelle non plus ultra der Diskurskultur) gesorgt. Căpitănescu hat betont, sie meine die Sache im übertragenen Sinn und mit kritischem Unterton. Trotzdem haben Gegner des Beitrags wieder von toxischer Männlichkeit gesprochen und sorry, aber wie kommt jetzt der toxische Mann sofort ins Spiel, wenn eine Frau irgendwelche Unterwerfungsfantasien hat? Ja, man könnte halt meinen, der Mann “an sich” nimmt sich ein Beispiel an dem Text, Reflexionsfähigkeit wird ihm offensichtlich nicht zugetraut. Außerdem: Wenn ich einen dementsprechenden Kink habe, ist das jetzt “erlaubt” oder müssen meine persönlichen sexuellen Präferenzen erst durch einen Wertekatalog überprüft werden? Und abgesehen davon: Es gab auch schon Todesfälle von Männern, in diesem Zusammenhang.

Im Gegensatz dazu gibt es viel Lob für die Schweiz, ein Land, das in den letzten Jahren zahlreiche ambitionierte Songs zum Bewerb beigesteuert hat, nicht nur Nemo als Sieger ist in Erinnerung, für mich vor allem auch Gjon’s Tears. Veronica Fusano besingt heuer in Alice ein Verbrechen an einer Frau aus der Perspektive eines Mannes. Und rein inhaltlich ist das jetzt nicht so sonderlich weit von Choke me entfernt, ich finde den Text sogar um einiges schockierender. Hier wird aber insistiert, dass es sich um einen Song mit gesellschaftskritischem Anspruch beziehungsweise um Kritik an Gewalt handelt und deshalb wäre das nicht nur okay, es ist sogar vorbildlich.

Ich verstehe nur persönlich den Gedankengang nicht. Bei Choke me traut man einem männlichen Hörer nicht zu, den Text quasi auf eine Metaebene zu heben und von dieser aus zu betrachten, bei Alice funktioniert das dann aber ohne betreute Interpretation? Obwohl man da viel mehr um die Ecke denken muss? I doubt it.

Generell finde ich ja beide Songs an sich ganz gut und wie ich auch schon öfters geschrieben habe, Texte über den politisch korrekten Menschen und die tadellose Lebensführungs sind halt in erster Linie ein bisschen fad. Ob jetzt das Thema Gewalt, egal ob “affirmativ” oder kritisch, das passende in einem ESC Rahmen, das kann jeder finden wie er will.

Post-Oscar

Okay, ich nehme zur Kenntnis, dass die Academy nicht meiner Meinung ist, was Sean Penn betrifft.

Wenigstens war er nicht anwesend, um eine politische Rede zu halten harhar. Ich wollte schon den Witz machen, dass er sicher bei Selensky sei, da lese ich heute, er ist tatsächlich in Kiew. Give me a break! Aber obwohl ich ihn nicht sonderlich mag, fand ich auch eher weird, dass ein anderer der nominierten Personen in dieser Kategorie, Delroy Lindo nämlich, nicht mal geklatscht hat, als Penns Name als Gewinner vorgelesen wurde. Aber Timothée Chalamet ist dann immer der schlechte Verlierer, oder wie? Der übrigens seinem Konkurrenten heute sehr freundlich applaudiert hat. Ich entwickle mich immer mehr zu seiner Verteidigerin kommt mir vor, harhar.

Das Opening der Verleihung fand ich recht witzig, in dem Moderator Conan O’Brien in Verkleidung der gruseligen Aunt Gladys (aus dem Film Weapons) durch viele der nominierten Filme im wahrsten Sinne des Wortes via Montage stolpert. Da freut man sich dann immer, wenn man alles gesehen hat, dass man auch alles wiedererkennt. Unter anderem sitzt O’Brien dann Stellan Skarsgard gegenüber bzw. wurde halt in die Szene editiert und spricht norwegisch. Am Ende sagt er, auf Norwegisch: “I can’t believe I learned Norwegian for this” Auch sein Witz in Richtung Timontee Chalamet, dass die Security erhöht werden mussten, weil Opern- und Ballettverbände sich quasi radikalisiert hätten war witzig, besonders die Anmerkung: “They’re just mad you left out Jazz”.

Das In Memoriam Segment war heuer gigantisch ausführlich und quasi viergeteilt, weil Diane Keaton, Robert Redford und Rob Reiner (und seine Frau Michelle) noch eine eigene Würdigung erhalten haben. Letztere wurde übrigens von Billy Crystal auf eine Art und Weise vorgetragen, die ich als Mensch der Schrift, weniger des Wortes, echt bewundere und wo ich mich wieder erinnern kann, warum er so ein guter Oscar Host war. Er sprach frei, so als würde er das Ganze gerade in diesem Augenblick improvisieren, es war rührend, ohne aber irgendwie pathetisch zu sein, man war in keiner Weise unangenehm berührt und das wäre auch gut möglich gewesen, weil ihr Tod ja kein “normaler” war.

Ansonsten gabs natürlich schon ein paar peinliche Momente und diskussionswürdige Begebenheiten, aber das ist eh jedes Jahr so. Insgesamt wurden die Preise aber relativ harmonisch über das Feld verteilt, ich bin dann aber irgendwann eingeschlafen, harhar.

Gerne lese ich auf Social Media nach, das fand ich besonders witzig:

Und gerne schaue ich mir auch schon die ersten Predictions für die Oscars in einem Jahr an, harhar.

Freut euch mit mir auf die neue Season!

ESC: Vienna Calling

Ich wollte noch was zu Vienna Calling schreiben, der Sendung, in der am Freitag der ESC Beitrag für 2026 gewählt wurde.

Und zwar das: Nächstes Mal machen wir lieber wieder eine interne Ausscheidung, gö? Harhar.

Nicht wegen dem Siegersong Tanzschein von Cosmo, den ich tatsächlich catchy und originell finde, noch dazu mal in deutscher Sprache – man kann als Fixstarter auch etwas wagen, und ich finde es gut, dass der Song ganz anders ist als der voriges Jahr. Aber der Rest der Show… anstrengend!

Ich bin sowieso immer eher für eine interne Wahl, auch weil Eberhard Forcher, der das die letzten Jahre ja ziemlich erfolgreich gemacht hat, in einem Interview gesagt hat, dass viele Acts abwinken, wenn sie sich einem öffentlichen Voting stellen müssen. Und da bewerben sich dann halt oft eher Menschen, die, sagen wir mal, nix zu verlieren haben. Das finde ich ja prinzipiell mutig und alles, aber viele wissen halt offenbar nicht, dass ein ESC-Song jetzt nicht nur ein Lied ist, das zufällig drei Minuten dauert.

Eine Mini-Kontroverse gab es heuer zu dem Song Wenn ich rauche von Sidrit Vokshi. Ist es misogyn? Weil Vokshi singt von einem frisch getrennten Mann, der sich in unbedeutende Affären flüchtet, folgendes: “Doch ich lieg’ mit ‘ner andern (…) ‘ne Frau, die ich nicht kenn’, stets der gleiche Lauf. Ich nehm’ sie mit und in der Früh schmeiß’ ich sie raus.” Ich hab mir auch kurz gedacht na servas. “Schmeiß ich sie raus” klingt nicht sehr konsensual.

Aber trotzdem darf man natürlich auch jemand besingen, der sich nicht korrekt verhält und das lyrische Ich muss nicht die Haltung des Sängers widerspiegeln. Mich hat der Songtext ein bisschen an Laura non c’e (=Laura ist nicht mehr da) von Nek erinnert. Ähnliche Gedankengänge, nur damals keine Aufregung, weil 1990er Jahre und zu wenig verstehen italienisch, harhar.

Fazit der Show insgesamt: Ausbaufähig. Oder eben eher lieber ganz weglassen, nächstes Jahr.

…versus Barbapapa

Weil jemand mich gefragt hat, wie ich das mit Hamnet und den Barbapapas meinte.

Nun ja, hier die Szene aus Hamnet:

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Und zum Vergleich, Barbapapa, Staffel 1, Episode 8:

Ich mein, das ist doch unübersehbar! Harhar.

Das hat mich als Kind bei den Barbapapas so fasziniert, dass sie ihren Nachwuchs einfach im Garten gepflanzt und gegossen haben. Und die Barbamama zieht Barbabo (quasi eine Steißgeburt) einfach selbst aus der Erde, ja so einfach wäre das! Harhar.

Barbabo, der strubbelige Künstler, natürlich verkehrt herum (siehe Pfeil)

Pia Reisner hat Hamnet übrigens im gestrigen fm4 Filmpodcast wortwörtlich als “Käse” bezeichnet und wer sie kennt weiß, das sagt sie nicht leichtfertig.

Die Welt ist also sehr gespalten, was diesen Film angeht. Im Gegensatz zu den Barbapapas.

Meine F1 Historie

Meine Formel 1 Historie umfasst frühe Erinnerungen an diverse Sommertage im Garten, wo mein Papa sich die Rennen auf einem winzigen Fernseher angesehen hat. Dieses charakteristische Dröhnen der Motoren begleiteten mein Spielen mit einer Gartenfreundin. Und wie sehr sich mein Papa über die Kommentare von Heinz Prüller aufgeregt hat, das weiß ich auch noch gut, das habe ich immer sehr amüsant gefunden.

Als ich 18 war, verunglückte Ayrton Senna tödlich, nachdem zwei Tage zuvor schon der Österreicher Roland Ratzenberger beim Training verstorben war. Auch wenn ich die Formel 1 immer noch recht wenig aktiv verfolgte, fand ich das schlimm, dass Menschen gestorben waren. Ich habe darüber am drauffolgenden Montag mit meiner damaligen Tischnachbarin im Gymnasium gesprochen – ich absolvierte gerade die 7. Klasse zum zweiten Mal – und sie meinte nur: Geschieht ihm recht, ist eh schlecht für die Umwelt. Ich war echt schockiert von der Härte dieser Aussage und bin es in gewisser Weise bis heute. Aber offensichtlich wollte man sich auch damals schon gern in einer moralisch überlegenen Position präsentieren. (> aus der Rubrik: Welche Momente mir den Charakter von Menschen deutlich machten)

Ein paar Jahre später habe ich mit anderen zusammen zum F1 Finale bei einem Freund in Niederösterreich übernachtet. Das Rennen war sehr früh am Morgen und ich habe fast alles verschlafen. Irgendwann wurde ich geweckt und mir wurde gesagt, dass Schumacher Weltmeister geworden sei, um mich zu erschrecken. Tatsächlich hatte eh Hakkinen gewonnen. “Wir” waren damals alle keine Schumacher-Fans, ich habe das nicht weiter hinterfragt, weil es mir wurscht war, harhar. Danach spielte die Formel 1 in meinem Leben kaum mehr eine Rolle, außer dass mir nach der Geburt des Kindes aufgefallen ist, dass ein Formel 1 Fahrer im Jahr 2007 Adrian hieß.

Dann passierte lange nix, bis zum Herbst 2021. Damals kam ich von einem der wunderbarsten Sonntage nach Hause und das Kind (bis zu dem Zeitpunkt kein Formel 1 Fan) erzählte mir aufgeregt, dass Verstappen Weltmeister geworden sei und es wäre so spannend gewesen. Und ich so: Was Jos Verstappen fährt noch? Eine der blöderen Fragen, die ich in meinem Leben gestellt habe, harhar. 2022 wurde ich zu einer Art Formel 1 Profi, durch das Kind, mit dem ich gemeinsam viele Rennen schaute. Seitdem kenne ich alle Fahrer und Teams und vor allem den Gossip und die Hintergründe, weil ich einfach an seinen Interessen auch Anteil nehmen möchte.

Heute war wieder ein WM Finale, bei dem es um was ging, “wir” sind ja Verstappen Fans (und jetzt interessiert mich das mehr als bei Schumacher damals harhar). Das Kind fuhr dann spontan zu einem Freund, um mit ihm das Rennen zu verfolgen, worauf ich meinte, ich schaue dann gar nicht, mir ist das echt zu spannend. Das Kind: Du bist der einzige Mensch, der keine Fights will, sondern einfach, dass Max immer einen Start/Ziel Sieg einfährt. Ich so: Ja richtig, so ist es. Ich bin im Sommer auch gerne während des Rennens in den Pool gegangen, wenn eh nix passierte, harhar.

Na ja, am Ende hat es knapp nicht gereicht, aber das Kind hat auf Instagram schon bald die Postings zum neuen Weltmeister gelikt, sehr fair, so ist er immer. Jetzt gibts ein paar Wochen Klagen, dass die Formel 1 Pause macht, auch das kenne ich schon, aber immerhin kann er jetzt in der Zeit selber Auto fahren, harhar.

ESC Winner of the Winners, zwei

Am Wochenende mit dem Kind über meine Top 10 ESC Gewinner diskutiert, darüber könnte ich ja stundenlang reden.

Das Kind outete seine Vorliebe für Heroes von Mans Zelmerlöw. Finde ich ok, aber kein Top 10 Material. Am meisten mag ich den Text, der hat irgendwie so was leicht abseitiges, wenn Mans von seinen inneren Dämonen singt – was mittlerweile ja auch ein bisschen traurige Aktualität in seinem tatsächlichen Leben erlangt hat – oder gleich am Anfang, wenn es heißt: “Don’t tell the gods I left a mess. I can’t undo what has been done. Let’s run for cover.” Das hat irgendwie etwas bedrohliches, aber auch interessantes.

Apropos bedrohlich, das führt direkt zu 1944, dem Siegersong der Urkraine von 2016, performt von Jamala. Dieser beginnt mit den Zeilen: “When strangers are coming, they come to your house, they kill you all, and say we’re not guilty” oder wie ein Freund damals meinte, ein richtiger Feelgood Song, harhar. Hier versagte jedenfalls die vielzitierte politische Neutralität des ESC auf ganzer Linie. Ich mag 1944 unter anderem deshalb überhaupt nicht, genausowenig wie die anderen beiden ukranischen Siegersongs. Was komisch ist, weil die Ukraine sonst oft wirklich sehr gute Songs geschickt hat. Aber Wild Dances von 2005 ist belanglos und das Kalush Orchestra mit Stefania? Don’t get me started.

UK und Irland sind mittlerweile hochgradige “Problemkandidaten” des ESC, was den Erfolg betrifft, eigentlich seit 1999 alle Nationen in englischer Sprache singen dürfen. Früher waren sie eine Bank. Irland hat in den 1990er Jahren viermal gewonnen, davon ein Hattrick, der letzte Sieg von UK war 1997 mit Katrina and the Waves, die gefühlt zwei Hits insgesamt hatten, Walking on Sunshine und eben Love Shine a Light, über den Grissemann damals meinte, “Jetzt kommt der Geheimtipp. Oder wie heißt das, wenn alle sagen, das wird Erster?” Harhar.

Es wurden auch Weltkarrieren mithilfe eines ESC Sieges gestartet, berühmtestes Beispiel natürlich ABBA Waterloo 1974), aber auch Celine Dion, 1987 für die Schweiz und zuletzt die italienische Rockband Maneskin (2021 mit Zitti e buoni) auf deren Konzert in der Stadthalle ich 2023 war. Dann gibt es aber auch die Beispiele von Siegern, von denen man nachher nie wieder hört. Duncan Laurence zum Beispiel, der 2019 mit Arcade gewonnen hat, war für mich immer so ein Michael Tschugnall von Starmania Moment. Tschugnall, der damals vor Christina Stürmer siegte, weil er uns an unsere Wunden erinnert hat. In dem einen Moment haben wir es alle gefühlt, wie auch bei Duncan, aber tatsächlich wäre der Zweite Mahmood vielleicht die nachhaltigere Wahl gewesen.

Gerne habe ich mich auch wieder an Aserbaidschans Running Scared von Ell & Nikki erinnert. Wir hatten damals eine ESC Party und ein Freund meinte, als die beiden ziemlich überzeugend performten, leider kommt Österreich in der Startreihenfolge genau danach, harhar. Und auch die “Männer in den Wechseljahren” (Grissemann), die Olsen Brothers mag ich mit Fly on the Wings of Love, auch wenn ich weiß, dass es ur schlagerig ist und generell ziemlich guilty pleasure.

Naja, wie ich gesagt habe, ich könnte ewig über den ESC reden, aber für heute reicht es dann auch.

Verstörende Videos, acht

Im Zuge von One Battle After Another hab ich mich wieder an das Video Babe von Take That erinnert. Ich werde die Assoziationskette nicht erläutern, ich will nicht spoilern. Jedenfalls passt das sehr gut in meine sehr unregelmäßige Rubrik Verstörende Videos, nämlich sowohl inhaltlich als auch visuell.

Worum geht es in dem Song, den ich wochenlang in der wunderbaren MTV Sendung Dial MTV gesehen habe, weil er dort (siehe Sendungstitel) immer wieder vom Publkum gewählt wurde. Also der männliche Protagonist des Songs ist “back again”, wie er seiner ehemaligen Geliebten erfreut mitteilt, es sind so zwei, zweieinhalb Jahre vergangen. Und ich gebrauche den Begriff toxische Beziehung wirklich ungern, weil er so inflationär verwendet wird – nur weil man sich irgendwann trennt, war davor nicht alles automatisch toxisch. Aber hier passt er schon, weil ER offenbar einfach ohne jede Erklärung verschwunden ist. Wohin? Warum? Wieso kein Lebenszeichen? Und jetzt ist er wieder zurück und alle sollen sich freuen.

Beim Zusammentreffen mit IHR muss er feststellen, dass er ein Kind hat, das eben so eineinhalb oder zwei Jahre alt ist und ihm ähnlich sieht. Als Babe damals erschienen ist, wurde dieses Faktum sehr kritisiert, dass der Mann plötzlich zurück ist und sich quasi aufspielt. Irgendeine Frauenband hat sogar angekündigt, einen Antwortsong herauszubringen, der “Don’t need you now” heißen sollte, keine Ahnung, ob das wirklich passiert ist.

Wie auch immer, der Song alleine schon wirft also diverse Fragen auf, denen das Video noch einige weitere hinzufügt.

Denn diesmal singt Mark Owen, der angezogen ist, als würde er in irgendeinem Jahrhundertwende Period Piece mitspielen. Es ist kalt und es schneit und er schaut mit seiner Pelzmütze aus wie ein melancholischer Russe. Er macht sich auf die Suche nach seiner Ex, die von einer eher bescheidenden Bleibe anscheinend in ein Märchenschloss gezogen ist. Und in diesem riesigen Schloss liegt Schnee und es dürfte genauso kalt sein wie draußen, was zwar hübsch ausschieht, aber natürlich extrem unpraktisch und ungemütlich ist. Und die Ex trägt komischerweise nix besonders wärmendes, außer so eine Art Doc Martens Stiefel und ein Kleid mit ziemlich viel Organza, hübsch, aber für den Sommer.

Dann das dramatische Zusammentreffen mit seinem kleinen Sohn. Die Verzweilfung seiner Ex. Und dann haben sich Take That selbst vielleicht gedacht, ok, das ist echt zu unglaubwürdig und cheesy (harhar) wir brechen das Ganze, indem wir das Video als das zeigen, was es ist, ein artifizielles Produkt. Und dann sieht man eben die Kameraleute und die Beleuchter und Take That wie sie herumblödeln und damit ist alles irgendwie aufgelöst, ohne dass man wirklich irgendwelche Fragen beantworten muss, harhar.

Ach mir fehlt die Zeit von rätselhaften Musikvideos irgendwie.