almis personal blog

ESC 25 – unfassbar

JJ hat uns den Schas wieder gewonnen, ich packs nicht!

Vor dem Grand Final hab ich ehrlich nicht mit dem Sieg gerechnet, aber seine Performance heute war richtig am Punkt, noch um einiges überzeugender als im Semifinale. Trotzdem war es dann ein irre spannendes Voting. Ab einem gewissen Zeitpunkt hab ich nur noch gezittert und geschrien, es war abartig, harhar.

Mehr dann später, ich geh jetzt mal schlafen, sofern ich schlafen kann. Freude, Freude!

ESC History

Zur Einstimmung auf den heutigen Song Contest – nächste Woche wirds wieder um andere Dinge gehen, ich verspreche es – ein kleiner Abriss meiner persönlichen ESC Geschichte.

Ich habe schon als Kind den Song Contest geschaut. Zuerst mit einer Freundin in der Unterstufe und als die Schule wechselte und wir uns aus den Augen verloren, mit einer anderen. Das gestaltete sich so, dass wir Wochen bis Monate lang unsere Lieblingssongs auf einer VHS anschauten, das heißt vor und zurückspulen mussten. Kinder, ihr könnt euch das gar nicht mehr vorstellen, wie das war! harhar. Wir haben dann sogar manche Songs vom Video auf eine Musikkassette überspielt, die Qualität war sicher mehr als fragwürdig, aber wir fanden es eine super Sache.

Danach gabs eine Phase, die sogar von ESC Super Aficionado Marco Schreuder als die “dunklen Jahre” bezeichnet werden, wo der Bewerb sich quasi überlebt hatte und massiv ironisiert wurde; die Qualität der Songs war damals auch nicht die allerbeste. In diesen Jahren hab ich einmal den ESC im Auto am Heldenplatz sitzend, nur anhand der Kommentare von Grissemann und Stermann, verfolgt, was sehr lustig war, auch sehr meta, aber halt nicht für den Bewerb an sich sprach.

Als ich schwanger war, lag ich – statt zu einer ESC Party zu gehen – am Sofa, im Jahr darauf lag das Baby neben mir. Und danach gings mit dem Bewerb tatsächlich wieder extrem aufwärts, nämlich so ab dem Sieg von Lena, der Bewerb erfand sich neu, wurde relevanter und Österreich nahm auch wieder teil. Das gipfelte bald im Sieg von Conchita, den ich mit Freunden und einer kleinen Sektflasche (ich mein, was hab ich mir dabei gedacht, eine Picolloflasche für sechs Menschen, harhar) bei mir daheim verfolgte. 2015 war ich in der Wiener Stadthalle live dabei und das war so ein once in a lifetime Event.

Danach hab ich den ESC einmal sogar gar nicht gesehen, weil ich auf einer Hochzeit war, die Jahre darauf begann ich dafür, auch die Vorberichterstattung im großen Stil zu verfolgen, es entstanden in dieser Zeit diverse Podcasts und es gab die wunderbaren Songchecks vom WDR, wo die Songs ein bisschen ironisch betrachtet, gleichzeitig aber auch immer gefeiert wurden, mit enormen ESC Backgroundwissen. Leider ist auch schon wieder Geschichte. So kam es jedenfalls, dass ich am ESC Abend dann schon jeden Beitrag in- und auswendig kannte.

2020 erlebten wir alle die erste (und hoffentlich auch letzte) Absage eines Bewerbs, ich habe viele Songs aus diesem Jahr aber immer noch in meiner Playlist. Seitdem verbringe ich den Abend auch mal ganz alleine, was voll ok ist, heuer gibt es aber ein Patchwork Event mit meiner, folgenden, Auflage: “Ich mag an dem Abend von niemand hören, wie Scheiße der Songcontest ist.” Das Kind so: “Wow, Heidi wie sie sich jetzt fühlt!” Ja, ich kann auch mal bestimmend sein, ab und zu, so ein bisschen harhar. Der ESC macht mich halt glücklich und ich wills einfach nur genießen.

Happy Eurovison to all who celebrate!

ESC 25, Semi 1

Mahhh Portugal ist weiter, ich packs ja nicht. Ich hab geglaubt, das gefällt nur mir. harhar Eine richtig schöne Überraschung in Semifinale 1.

Ok, aber mal der Reihe nach. Unsere ESC Whatsappgruppe wurde aus dem Dornröschenschlaf geholt, und zwar von C. mit den resoluten Worten: “Ok, dann wollen wir mal. Es geht los und ich hoffe/erwarte, dass hier jeder bereits dementsprechend aufgeregt und erfreut ist.” Ich: “Absolut!” C: “Nichts anderes erwartet, Heidi.” harhar.

Von den Kandidaten hat mir gestern der Fan-Favorit der Nerds, Albanien mit dem Song Zjerm richtig gut gefallen. Die Studioversion fand ich ok, live ist das wirklich toll anzusehen und zu hören, gerade die richtige Mischung aus Drama, Ethno, Spookyness, und Sendungsbewusstsein. Lucio Corsi aus Italien vermittelt Glamrock, aber auf fragile Art und Weise. Ich glaube, das wird besser abschneiden als viele denken. Thommy Cash aus Estland trinkt seinen Espresso Macchiato gleich vorm “Winners Cafe” – sehr selbstbewusst. San Marinos Tutta l’Italia wird sicher der Sommerhit an der Adria. Schweden ist wirklich der super Favorit, auch in der Halle, die Choreografie sitzt, ich warte trotzdem immer noch darauf, mich in den Song zu verlieben. Bei der Schweiz meinte Andi Knoll: “Auch schön, wenn mal gar nichts passiert”, und so war es, nur eine Sängerin, die wie ein Gemälde aussieht. Zu Kroatien habe ich folgendes auf X gefunden:

Btw. alle Songs, die ausgeschieden sind, waren auf Englisch. Es gibt beim ESC definitiv und schon länger den Trend der Rückkehr zur Landessprache oder generell zu einer Sprachdiversität. In diesem Semifinale gab es nur einen Song, der weiterkommen ist und ausschließlich auf Englisch war, nämlich Norwegen.

Was gibts zum Gastgeber zu sagen? Die Halle in Basel ist recht klein. Die Bühne ist eher so laufstegartig angelegt und mit einer Art Bilderrahmen rundherum versehen. Mir gefällts eigentlich nicht harhar. C schrieb über die Presenter: “Also bei den Moderationen ist noch Luft nach oben. Gott sei Dank kommt die Hunziker am Samstag.” Ja das ist wirklich wahr, da haben wir schon anderes gesehen. Der Intervall Act, in dem die Schweiz behauptet sie hätte die Demokratie erfunden – Geschmackssache. Dass man den Celine Dion Siegersong Ne partez pas sans moi von Teilnehmern aus dem letzten Jahr covern lässt: super Idee. Aber warum so langsam wie einen Trauermarsch? Gerade die Empowerment Energie ist doch das, was diesen Song ausmacht. Überrascht war ich von Dions Videobotschaft, anscheinend geniert sie sich doch nicht mehr dafür, dass sie mal den ESC gewonnen hat.

Ok, hat Almi eigentlich irgendwas von der Show rund um die Acts gefallen? Oh ja! Als am Schluss einer der Olsen Bruders Fly on the Wings of Love gesungen hat. Ich habe dem Kind erzählt, dass dieses Lied im Jahr 2000 gewonnen hat, und es war so ein “Opa erzählt vom Krieg” Moment. Dann habe ich vorm Fernseher getanzt, obwohl ich komplett nüchtern war. Das Kind ist extra aus der Küche gekommen, um sich das anzuschauen und er hat gar nicht gesagt, es sei “cringe” harhar. In dem Moment war ich echt glücklich. Dieses ESC Glück, wo ich zwei, drei, vier Stunden einmal alles vergessen kann, auch das, was schmerzt. Ich würde nur gern jemand davon erzählen. Andererseits ist er sowieso immer präsent, in meinen Gedanken.

Nun steigt die Aufregung – morgen Semi 2 mit JJ.

Die ESC Woche

Ich hab mir schon fast Sorgen gemacht, dass wir in der diesjährigen ESC Woche nur über die Songs und die Künstler, über die Bühnenshows, sowie die Kostüme sprechen werden und dazu ein bisschen gossipen und Spaß haben. Aber nein, Vorjahressieger Nemo möchte natürlich genau jetzt lieber Israels Teilnahme am ESC diskutieren, die er falsch findet. Und vielleicht geht es sich ja doch noch aus, dass wir einen ähnlich polarisierenden Bewerb mit jeder Menge negativer Vibes bekommen wie voriges Jahr. [Roten Wut Emoji einfügen]

Ursprünglich sollte der Songcontest mal eine völkerverbindende Veranstaltung sein, in der die Politik möglichst beiseite gelassen wird und Künstler und Fans ein friedliches Fest miteinander feiern, aber das ist irgendwie ein bisschen in Vergessenheit geraten. Gott sei Dank gibt es diese Momente aber doch noch. Gestern habe ich kleine Videos gesehen, die Marco Schreuder von den Vorab-Events, die gerade in Basel stattfinden, gemacht hat. Wo der belgische, der niederländische und der österreichische Teilnehmer miteinander singen und zwar ihre Songs gegenseitig, aber auch alte Hadern wie Rise Like a Phoenix. Das ist Eurovision, wie ich es verstehe und liebe.

Ansonsten hat man von der Probenwoche wenig erfahren, da seit heuer nicht mehr alles minutiös dokumentiert werden darf, sondern nur ausgewählte Bilder und Ausschnitte freigegeben werden – was natürlich wieder Vorteile wie auch Nachteile hat. Die Wettquoten haben sich allerdings ein bisschen verändert und wie wir aus dem Eurovison Year Kalender wissen “It’s time to start paying attention to them”:

Der humoristische, aber auch wahre ESC Kalender, wenn auch nicht mehr ganz aktuell. Luxemburg ist zb. schon zurück

Schweden liegt immer noch auf dem ersten Platz, hat aber ein paar Prozentpunkte verloren, die Österreich als Zweiter gewonnen hat. Letztes Jahr wurde der Wettquoten Erste Kroatien am Ende Zweiter und die Schweiz als Quoten-Zweiter hat gewonnen. Just saying harhar.

Ich werde die kommende Woche jedenfalls genießen, denn nächsten Sonntag befinden wir uns schon wieder in der Post Eurovison Depression.

Zur Papstwahl

Ich finde es erstaunlich, dass das Kind, obwohl noch nicht mal ganz 18, jetzt schon den dritten Papst erlebt. Ich habe fast 30 Jahre nur einen Papst gekannt.

Dieser Papst wurde übrigens von meinem Papa immer nur als “der Wojtyła” bezeichnet, weshalb ich sehr lange dachte, Wojtyła wäre irgendwie eine synonyme Bezeichnung für den Titel “Papst”. Dabei sagt es eher etwas über das Verhältnis meines Vaters zur Amtskirche aus. Er war irritiert, dass ich als Kind jahrelang am Sonntag die Messe besuchte.

Als ich 15 war und auf Schüleraustausch in Italien, erschien der Papst einmal im Fernsehen und meine Austauschmutter sagte ganz fasziniert: “Lui è molto carismatico!” So etwas hätte ich natürlich von meinem Vater, aber auch von meinem Opa, meiner wichtigsten Bezugsperson, nie gehört. Obwohl mein Opa immer lebhaft mit den Zeugen Jehovas diskutierte, wenn sie anklopften – und das taten sie oft, weil im Nebenhaus meiner Großeltern ein Königreichssaal war. Da hörte ich dann schon “Wir glauben an Gott”, was ich etwas widersprüchlich, aber auch interessant fand harhar.

Wie auch immer, gestern wurde also ein neuer Papst gewählt und angeblich haben sich viele Kardinäle davor Conclave angesehen, was ich eher für gutes Marketing für den Film halte. Es wäre jedenfalls dann so etwas wie art imitating life imitating art. Im ORF wurde gestern natürlich über die Papstwahl berichtet und Kardinal Schönborn war im Studio und verwendete zwei Begriffe, die ich googlen musste, einer war “synodial”, wobei ich da ein Gefühl hatte, was das heißt, den anderen habe ich schon wieder vergessen. Ich fragte mich zunächst, weshalb er nicht bei der Wahl in Rom war, aber das beantwortete er damit, dass er zu alt sei, um mitzuwählen. Er wäre aber sehr erfreut über die Wahl von Leo XIV.

Auf Social Media wurde dann schnell darüber diskutiert, was das für ein Papst wäre, was man von ihm erwarten kann. Ich bin mittlerweile sehr zurückhaltend bei solchen Ereignissen und warte erstmal ab, bevor ich mir eine Meinung bilde. Die Berichterstattung im ORF war eigenwillig und hat mich auch ein bisschen geärgert, aber das ist eh nichts neues. Hahar.

Schön war das sanfte Abendlicht über den sakralen Bauten auf dem Petersplatz. Das jedenfalls hatte etwas friedlich-hoffnungsvolles für mich.

ESC 25 Schweden

So jetzt zum heiklen Thema Schweden beim ESC. Wie wir alle wissen, ist Schweden als Nation sehr erfolgreich. Sie haben sieben Mal gesiegt und liegen damit ex aeuqo mit Irland – Irlands Winning Streak fand aber noch im letzten Jahrtausend statt, wie wir auch alle wissen.

Ok. Heuer hat nicht der vorher hochfavorisierte Mans Zelmerlöw, ESC Sieger von 2015, den schwedischen Vorentscheid gewonnen, sondern die Gruppe KAJ mit ihrem Song Bara bada bastu, der den Schweden-Klischees (keimfrei, überproduziert, generisch) gar nicht gerecht wird. Was schon mal irgendwie gut ist, weil mal was anderes.

Es heißt aber auch nicht automatisch, dass man Bara badu bastu deshalb lieben muss. Ich zum Beispiel liebe Bara badu bastu überhaupt nicht harhar. Ja, es ist ein ganz witziger Ohrwurm über die Freuden des Saunagangs, nach dem Motto : “Yksi kaksi kolme sauna” (Eins, zwei, drei Sauna) Aber ehrlich gesagt reicht es mir, ihn einmal gehört zu haben. Ich hab nix dagegen, aber mein Leben wäre jetzt auch nicht anders, wenn ich nie von seiner Existenz erfahren hätte.

Es wurde im Februar prophezeit, dass Österreich weniger Siegchancen haben würde, wenn Zelmerlöw angetreten wäre. Aber nun hat KAJ gewonnen und liegt mittlerweile in den Quoten bei 38 Prozent – Österreich als Zweiter bei 16 Prozent. Warum? Ich weiß es ehrlich nicht. Das heißt nicht, dass für mich Österreich unbedingt gewinnen muss (obwohl… harhar), aber mir erschließt sich einfach dieser riesige Hype um Bara bada bastu nicht, ich kann nichts machen. Ich habe mir jetzt schon zahlreiche Songs des diesjährigen Bewerbs schöngehört, aber bei Schweden will es einfach nicht klappen.

Wie auch immer: Die Proben in Basel haben bereits begonnen. Die schönste Zeit des Jahres steht bevor harhar.

ESC 25 Niederlande

Ok, Thema Texte beim ESC.

Mir sind Songtexte an sich schon wichtig, ich kann aber auch damit leben, wenn sie uns jetzt nichts bahnbrechend neues erzählen. Womit ich weniger anfangen kann, sind sehr platte bis nachtssagende Lyrics, die nur aus abgegriffenen Satzbausteinen bestehen. Looking at you, Niederlande.

Ich fand Niederländisch als Sprache bei den jüngeren ESC Beiträgen sehr charmant – Europapa voriges Jahr (bin immer noch nicht drüber weg, dass der Song wegen – wie mittlerweile klar – nix disqualifiziert wurde), und auch der Mental Health Awareness Song De Diepte von 2022 war phonetisch poetisch. Ha! Französisch ist die Muttersprache des Interpreten Claude, ok. Aber warum dann nicht das ganze Lied so, warum dann noch Englisch dazu?

Die erste Zeile von besagtem Beitrag, der C’est La Vie heißt, lautet: “C’est la vie. She sang to me” Und sorry, da bin ich direkt raus. Das ist so: Reim dich oder dich fress dich in der polyglott Version. Und es wird auch nicht besser, weil es geht weiter mit Stehsätzen wie “C’est comme ci, c’est comme ça”, und “La vie en rose. La vie en noir”. Oida. Oder: “Et quelle miracle. Sometimes in love, sometimes miserable.” Nein, einfach nein! Harhar.

Für mich ist dieser Song ja sowas wie eine Abwandlung von Que Sera, Sera, das von Doris Day in einem Hitchcock Film (Der Mann, der zuviel wusste) gesungen wurde. Da geht es bekanntlich auch darum, dass die eine Mutter ihrem Kind erklärt, dass niemand weiß, was das Leben so bringen wird. Nur, dass es bei Que Sera, Sera für mich funktioniert.

Musikalisch ist der niederländische Beitrag ok, mir aber auch zu gefällig. Ich bin heute grantig, sorry Claude. Harhar. Das wird ohnehin weiter oben landen, weil mein Geschmack natürlich nicht das Maß aller Dinge ist.

Freuden!

Diese Woche ist jeden Tag Wer wird Millionär und das stundenlang. Das könnte von mir aus ja immer so sein, ich schaue sonst nichts im Fernsehen. Allerdings würde ich dann abends nie mehr zum Arbeiten kommen, auch nicht so ideal.

Gestern gab es jedenfalls diese spannende Frage:

Danke an mein Kind für das windschiefe Foto, harhar

Habe dann mit dem Kind diskutiert. Also angefangen hat es damit, dass ich “einer” gesagt habe, nämlich der Mond. Das Kind: Der Mond ist kein Planet. Ich: Sicher? Harhar. Ok nein, der Mond ist natürlich kein Planet, würde nie was anderes behaupten. *hust* Na gut, hab ich gesagt, dann ist die Antwort: “Keiner”. Und das Kind dann: Doch “einer”, die Erde, weil wir sind auf der Erde. Und ich dann so: Ja, aber wenn ein Astronaut die Erde betritt, also geboren wird, ist er ja noch kein Astronaut. Harhar. Das Kind dann: Aber der Astronaut ist auf der Erde.

Die Antwort “einer” hat übrigens gestimmt und der Kandidat hat es (mit Hilfe) dann auch genommen. Aber ich finde, da könnte man wirklich drüber streiten, das ist eine philosophische Diskussion. Das Kind: Nein da gibt’s nichts zu diskutieren. Oida! Harhar. Jedenfalls sind die gemeinsamen Quiz-schau Abende sehr lustig.

Außerdem hab ich gestern Abend eine Nachricht bekommen, ein kleines Bild von jemand, ganz unerwartet und das hat mich so glücklich gemacht, dass ich heute in der Küche herumgetanzt bin, einfach so als wäre ich nicht ganz bei Trost. Auch sehr schön!

Adolescence, weitere Gedanken

Gestern habe ich die dritte Folge Adolescence gesehen. Ja, das hat jetzt lange gedauert, weil es mich irgendwie viel Überwindung kostet, diese Serie anzuschauen. Auch diese Episode – im Prinzip ein langes Gespräch zwischen dem in Untersuchungshaft befindlichen Jungen Jamie und einer forensischen Gutachterin – hat mich leider gar nicht überzeugt.

Eines der Probleme, das ich mit dieser Serie habe ist, dass ich nicht das Gefühl habe, dass mir wirklich eine Geschichte erzählt wird. Mir fehlt die Backstory, die mir erklärt, was im Leben von Jamie so dermaßen falsch gelaufen ist, dass er (mutmaßlich) eine schwere Straftat verübt. Ich habe das Gefühl, dass mit dieser Serie eher eine Agenda vertreten werden soll und zwar die Agenda von toxischer Männlichkeit, die primär durch Social Media getriggert wird.

Und bevor mich jetzt jemand Verschwörungstheoretikerin nennt, der Schöpfer der Serie, Jack Thorne selbst fordert aufgrund seiner eigenen (fiktiven!) Serie ein generelles Social Media Verbot für Jugendliche. Das mag erklären, wieso die Hauptfigur Jamie in der Serie sehr junge 13 Jahre alt sein muss und nicht etwa 17 (was plottechnisch um einiges plausibler wäre), nämlich weil man fast-Erwachsenen nicht mehr sehr viel verbieten wird können.

Mir wurde von einem Freund die Aussage einer Psycholgin auf Insta geschickt, die ich sehr nachvollziehbar finde, sie schreibt nämlich, was sie von Jugendlichen, die in ihre Beratung kommen, nicht hört: “I was feeling great, then I saw something on social media, and out of nowhere, I wanted to hurt myself or someone else.” Stattdessen höre sie von den Problemen, die Jugendliche in ihrem Leben haben, Schwierigkeiten mit den Eltern, mit dem Umfeld, zu viel Druck von außen, zu wenig Verständnis für sie als Menschen.

Das Problem, so die Psychologin weiter, sei nicht Social Media per se, so wie es früher nicht Comicbooks (ja auch das war mal eine Bedrohung), das Fernsehen oder Videospiele gewesen seien, sondern, dass die Jugendlichen, die sich alleingelassen und die unglücklich fühlen, natürlich dann für äußere Einflüsse negativer Art empfänglicher seien. Aber ansetzen müsse man anderswo, denn die Gefahren von außen seien austauschbar und auch unvermeidbar; Verbote hin oder her. Ich persönlich denke ohnehin, dass Verbote die Dinge immer nur noch interessanter machen.

Die Art und Weise wie man diesen Gefahren und generell allen Herausforderungen des Lebens gut gegenübertreten könne, nämlich als Person, die sich an-, ernstgenommen und gehört fühlt, das sei der wirkliche Schlüssel. Unterschreib ich.

The dances I’ve had

Heute habe ich jemand sprechen hören, er hat mehr oder weniger dieselben Worte verwendet, die jeder Mensch benützt. Worte, die er in einer anderen Reihenfolge, in einem anderem Zusammenhang auch manchmal nur zu mir gesagt hat, nicht zu allen, in einem gemütlichen Zimmer.

Ich hatte ein bisschen Angst davor, ihn zu hören und auch zu sehen, weil ich weiß, dass mein Herz dann ganz schnell klopft und ich kaum atmen kann, weil alles irgendwie ein bisschen fremd und doch so vertraut ist, weil es gleichzeitig vergangen ist, aber doch immer auch so nah bei mir. Jeden Tag aufs neue, so ist es eben.

Es war aber gut, auch wenn es den einen sensiblen Punkt berührt, aber direkt daneben ist dieser Ort mit den Erinnerungen und den guten Gefühlen, der mich überallhin begleitet.

No matter what, nobody can take away the dances you’ve already had. (Gabriel García Márquez)