almis personal blog

gebt dem kind einen schönen namen

ich finde ja, gute albumtitel sind extrem wichtig. ich glaube, viele leute lassen sich vom namen einer platte durchaus auch zum kauf verleiten. also zumindest früher als man noch platten gekauft hat, ähm.

besonders einfallslos sind traditionell die werkschauen, die meistens rund um weihnachten auf den markt geworfen werden. fällt einem künstler da wirklich nichts anderes ein als so far so good oder the (very) best of xy? die interpreten denken scheinbar es reicht völlig, sämtliche gassenhauer zu versammeln. dabei macht so ein best of album so und so wenig arbeit. da könnte man sich beim titel eigentlich schon ein wenig mühe geben, um zumindest im ansatz zu überraschen. da muss so was wie the immaculate collection drinnen sein oder von kurz nach früher bis jetze.

gute albumtitel unterstreichen beispielsweise den nimbus einer formation, wie the invisible band von travis. ein bisschen selbstironie ist nie von nachteil. frech und programmatisch kommt auch the miseducation of lauryn hill daher. the auteurs vermitteln mit after murder park was der hörer erwarten kann, nämlich dunkelgraue songs wie light aircraft on fire oder unsolved child murder. grusel. genial auch a momentary lapse of reason, eigentlich mein lieblingsalbum von pink floyd. der albumgebende titel versteckt sich beiläufig auch nochmal im song one slip.

nett ist auch, wenn irgendwie das ambiente einer platte mitschwingt wie bei queens a night at the opera oder bei innuendo. perfekt wird auch der plattentitel a pocketful of kryptonite der spin doctors mit dem ersten song auf dem album jimmy olsens blues verbunden, also die dramaturgische klammer "superman" gesetzt. intellektuelle titel wie origin of symmetry oder oder black holes and revelations von muse repräsentieren gekonnt den musikalischen facettenreichtum der band.

da tschick

gestern im promi wer wird millionär – btw. dieter bohlen kam unglaublich weit ohne joker – die frage: was meint der österreicher wenn er sagt "wuzel ma a tschick?" richtige antwort natürlich: "dreh mir eine zigarette".

aber ist die frage wirklich so korrekt gestellt? heißt es nicht eher: "wuzel man an tschick"? ich denke mal, dass man beides sagen kann, aber rein vom gefühl her, würde ich zu zweiterem tendieren. der tschick ist doch männlich. oder ist das erstere umgangssprache in der umgangssprache?

gedanken zum lifeball

gestern wurde der life ball erstmals im orf übertragen und das war eine gute entscheidung. die show, die von christian clerici und barbara schöneberger moderiert wurde, war kurzweilig, witzig und farbenfroh. hauptdesigner waren diesmal heatherette, musicacts unter anderem die scissor sisters.

das motto des diesjährigen balls war "märchen" und die lieblingsfrage der journalisten: "welches ist dein lieblingsmärchen?" meines ist ja schon immer einäuglein, zweiäuglein, dreiäuglein. und als ich gestern daran dachte, fiel mir auf, dass dieses märchen auch sehr gut zum event passt, denn schließlich geht es da um ausgrenzung und mangelnde toleranz.

anschließend an den ball lief wieder mal philadelphia im tv. ich war 1993 schwer von diesem film beeindruckt. in der schule sprachen wir gerade über indianer, ihre lebensweisen und die mangelnde akzeptanz ihrer kultur gegenüber und eine professorin betonte immer, wie wichtig es sei, hier bewusstseinsbildung zu schaffen. gleichzeitig meinte sie allerdings eines tages (eher so halblaut zu einem mitschüler) sie fände es unpassend, eine film wie philadelphia zu drehen, und homosexualität so in den mittelpunkt zu stellen.

ich hielt während meiner gesamten schulzeit nie recht viel von der sehr gehypten "mitarbeit", ich war eine ziemlich passive schülerin. aber als ich diese aussage hörte, meldete ich mich zu wort und hielt eine flammende pro philadelphia rede und wie wichtig dieser film gerade in unserer zeit wäre, wo soviele menschen immer noch vorurteile gegen homosexualität hätten. das war mir wirklich ein herzensbedürfnis. wenn meine damals 74 jährige oma diesem film wohlwollen und sympathie entgegenbrachte, dann konnte es nicht sein, dass eine gerade mal halb so alte lehrerin an einem gymnasium eine derartige doppelmoral an den tag legte.

konsumterror

abgesehen davon, dass sich die werbung im moment mit leidenschaft verdauungsproblemen in allen ihren facetten widmet, laufen derzeit auch ganz brauchbare spots bzw. gustomacher.

ich habe beispielsweise unheimlich lust auf auf den süßen glücksbringer von eskimo, obwohl ich gar nicht der größte eisfan vor dem herrn bin, aber das produkt spricht mich doch an, genauso wie der kleine sonnenschein. dieser allerdings nur rein optisch, ich mag nämlich kein marilleneis.

dann schiele ich – besitzerin eines französischen autos – schon mal rüber zu den italienern, wenn ich den hochästethischen fiat bravo spot sehe, untermalt von gianna nanninis meravigliosa creatura. ein wunderbares wesen und vorallem ein wirklich schöner spot.

immer noch gerne sehe ich den darbo fruchtsaft spot, in dem eine verschrobene familie im mittelpunkt steht, der onkel ist schmetterlingssammler, seine gattin teilt diese passion aber nicht, dann gibt es noch die reizenden zwillinge mona und lisa, "die vorallem eines können – sich vortrefflich langweilen" und einen cousin, der flieger ist, "verwandt, aber entfernt genug um ihn zu mögen." sehr schräg. dass der song von den dresden dolls, coin operated boy, inhaltlich nur semi perfekt dazu passt, ist schon wieder irgendwie stimmig.

und schließlich die kylie bademode collection bei h&m. starke farben und interessante designs zu erschwinglichen preisen.

captain jack

heute läuft der dritte teil der fluch der karibik saga in den österreichischen kinos an – at world’s end. und sind wir uns ehrlich, der wichtigste faktor, weshalb wir alle nun zum dritten mal wegen eines piratenfilms in die lichtspielhäuser gehen, ist johnny depp.

irgendwelche einwände? nein, ok, dann weiter. hätte johnny depp aus seiner rolle als captain jack sparrow das gemacht, was die disney studiobosse an sich von ihm wollten, nämlich einen konventionellen piraten gegeben, dann wäre daraus vermutlich ein ganz netter und gut gemachter actionfilm geworden, aber nicht mehr. johnny depp aber zeigt uns einen piraten, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben. und so sollte kino immer sein, das ziel sollte jeder einzelne film haben, der gedreht wird: uns, den zusehern, etwas zu zeigen, was wir so noch nie zuvor erlebt haben.

am hollywood boulevard habe ich mich an depp’s stern fotografieren lassen. nicht weil er so gut aussieht. ja ok, er sieht gut aus und er ist schlau genug, das mit seinem styling extrem herunterzuspielen. es würde sehr bald sehr langweilig werden, wenn er keine stilbrüche in seinem outfit erzeugen würde. er würde zu sehr male-modell mäßig wirken. was nicht unbedingt dauerhaft interessant ist. gut, also ich habe mich nicht dort fotografieren lassen, weil er gut aussieht, sondern weil ich von seiner karriere beeindruckt bin und davon, welche filme er macht und wie er seine rollen anlegt.

nehmen wir charlie and the chocolate factory. ein konventionell erzähltes märchen. für einen erwachsenen kein zwingender grund, ins kino zu gehen. wäre da nicht das, was depp aus willy wonka macht. einen völlig durchgeknallten schokoladenfabriksbesitzer, bekifft oder naturbreit, liebenswert verrückt. eine hinreißende performance, zu recht golden globe nominiert. oder depp als raoul duke in fear and loathing in las vegas, wo er über ein etablissement sätze sagt wie: "bazooko’s circus is what the whole hep world would be doing saturday
nights if the nazis had won the war. this was the sixth reich." oder als dead man im gleichnamigen jim jarmusch film. fast noch plotloser als fear and loathing, wenn das überhaupt möglich ist. und dann wieder rollen wie die des schriftstellers j.m. barrie in finding neverland. oder als inspektor in from hell.

dazu kommt, dass er auch privat (was man so als privat bezeichnen kann, an einem menschen, den man nur über die medien kennt) total sympathisch wirkt, seine frau und seine kinder liebt und wiederum fast spießig die freuden des familienlebens preist. schon wirklich cool, der typ.

lynch über lynch, zwei

"die sache ist die, ich liebe die vorstellung, dass etwas für unterschiedliche leute unterschiedliche bedeutung haben kann. das gilt doch für alles. zum beispiel der o.j. simpson prozeß. jeder hört diesselben worte, sieht dieselben gesichter und gesten, dieselbe wut, denselben frust, dieselben beweise und jeder kommt im kopf zu einem ganz anderen urteil. selbst einen ganz konventionellen film, in dem einem alles vorgekaut wird, erleben die leute auf unterschiedliche weise, das ist eben so.

und dann gibt es filme oder bücher, die man einmal liest und wenn man sie zehn jahre später nochmal liest, hat man viel mehr davon. man sich verändert; das werk ist das gleiche geblieben. doch plötzlich hat es viel mehr bedeutung für einen, je nach persönlicher verfassung. ich mag dinge, die einen bestimmten kern in sich tragen.

sie müssen abstrakt sein. je konkreter sie sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich diese wirkung einstellt."

chris rodley (hrsg.): lynch über lynch. frankfurt/main: verlag der autoren 2006, s. 88.

ab positiv

da die werten leser meines blogs es sicher kaum mehr erwarten können, endlich meine bis dato unbekannte blutgruppe zu erfahren: ab positiv. schade eigentlich, so kann ich hier nicht mit type-o negative herum kalauern.

diese gruppe ist anscheinend weltweit eher wenig verbreitet, wikipedia spricht von drei prozent. dafür kann ich von allen anderen blutgruppen spenden erhalten, selbst aber nur wieder der eigenen gruppe blut spenden. bin also wahrscheinlich nicht sehr begehrt für die breite masse, da rentieren sich die würstel mit semmel nicht wirklich, die man nachher dafür bekommt. dafür bin ich vielleicht in einzelfällen hilfreich.

bei der internet recherche findet man sehr viel esoterisches zeugs darüber, was die blutgruppe über den charakter aussagt. als halbwegs seriöse info habe ich erfahren, dass mein immunsystem offenbar besser ist als bei anderen blutgruppen, dafür ist das risiko für seltene krankheiten höher. hat irgendwas mit antikörpern zu tun. irgendwie hätte ich in biologie doch besser aufpassen sollen, aber als unser lehrer anfing, die mendel’schen regeln an die tafel zu zeichnen, überkam mich irgendwie so eine grenzenlose müdigkeit.

im labor

gestern vor dem blutabnehmen ein mulmiges gefühl wie immer seit ich anno 1994 einmal dabei umgekippt gibt. aber gut, damals war ich nüchtern und habe leichtsinnigerweise beim vorgang zugesehen.

diesmal habe ich mir zwar den bis dato heißesten tag des jahres ausgesucht, aber dafür auch ordentlich gefrühstückt. und sehr weit ist es zum labor auch nicht gerade, ich könnte für eine nahende ohnmacht ohne weiteres wieder kurz nachhause zurück gehen.

im warteraum sehe ich die zapfenden ärztinnen und nehme mit einer reschen blickkontakt auf. die möchte ich haben. in solchen situationen braucht man jemanden, der zupacken und ablenken kann, der nicht viel federlesen macht. ich habe glück und komme bei ihr dran. gleich zu beginn sorgt mein alter nachname für verwirrung.

"heißen sie nun s. oder s.?"
"s., eh schon seit bald zwei jahren."
"wieso führt sie unser computer dann unter s.?"
"äh…keine ahnung" (bitte tun sie mir nicht weh)

wir einigen uns darauf, dass immer die computer an allem schuld sind. und ich bekomme neue aufkleber für meine dosen ausgedruckt, denn diesmal werde ich endlich meine blutgruppe erfahren, das wird ja doch schon mal zeit. und die soll dann gleich den richtigen nachnamen erhalten. arm wird abgebunden, ärztin führt etwas smalltalk. ich habe keine ahnung, worüber sie redet, gebe mich aber entspannt und abgeklärt. nur nicht hinschauen. die übung gelingt. zwei, drei minuten auf die abzapfstelle drücken und dann ein pflaster drauf. fühle mich wie eine heldin des alltags.

texas hold ’em

am samstag lief auf atv eine poker challenge mit diversen österreichischen a- und b-promis: toni polster, adriana zartl, klaus eberhartinger, natalie alison, tanja duhovic und uwe kröger. die einteilung in die jeweilige promischicht überlasse ich dem geneigten leser. dealer war andreas daniel, bekannt aus dem letzten bondfilm, casino royale, wo er in der gleichen funktion zu sehen war. gewonnen hat übrigens der einzige nicht-promi, ein atv plus seher.

der pokerhype steuert gerade auf seinen medialen höhepunkt zu, zeitschriften und zeitungen sind voll von spielanleitungen für texas hold ’em und co, turniere werden live übertragen und auch stefan raab pokerte schon in extraausgaben von tv total. in meinem privaten umfeld dagegen waren wir – dank eines freundes – diesem hype um viele monate voraus. schon vor gut eineinhalb jahren machte er uns mit den regeln vertraut und seit damals spielen wir texas hold ’em in unregelmäßigen abständen.

wie beim südtiroler kartenspiel watten habe ich eigentlich großen spaß daran, bin aber die meiste zeit auch irgendwie überfordert. ich habe überhaupt kein pokerface und wenn ich gute karte bekomme, bricht mir der schweiß aus, vor lauter panik, das falsche zu tun. je länger ich im spiel bleibe und je weniger andere spieler dabei sind, desto luftleerer wird mein kopf und desto schwieriger wird es für mich, einen klaren gedanken zu fassen. was war nochmal schnell ein flush? soll ich bieten, oder lieber nicht? blufft der andere oder wird er mich abservieren, wenn ich mitgehe?

dem atv turnier zuzusehen war relativ witzig und auch lehrreich. ich habe beispielsweise herausgefunden, dass manche promis noch wesentlich weniger ahnung von strategie haben als ich und, dass es scheinbar spaß macht, neben dem spiel eine gulaschsuppe zu löffeln. essende menschen im tv sind einfach nur fies! interessanterweise hatten fast alle sonnenbrillen und glücksbringer mit dabei. und noch etwas war mir neu: der brauch, aufzustehen, bevor man all in geht. das hat irgendwie was.