almis personal blog

vicky cristina barcelona

im kino gesehen: vicky cristina barcelona, der neue von woody allen. eventuelle spoiler können folgen (allerdings nichts zum filmausgang).

allen hat wieder mal den filmschauplatz gewechselt, diesmal ist spanien dran. und: ist woody allen wirklich 73 jahre alt? vicky cristina barcelona ist ein junger, frischer film geworden, sehr sommerlich-sexy. witzig und leichtfüßig, obwohl die behandelten themen wohl eher schwere kost wären, würde man sie unter einem nebelverhangenen londoner oder new yorker himmel betrachten.

cristina (scarlett johannson) und vicky (rebecca hall) verbringen den sommer aus studien- und selbstfindungsgründen in der spanischen metropole am meer. cristina, blond und freigeistig, sieht das leben und die liebe locker. sie weiß nicht was sie will, dafür aber ganz genau, was sie nicht will. vicky hingegen ist verlobt und steht kurz vor ihrer hochzeit mit einem konservativen new yorker businessmann. während für cristina alles möglich ist, hat vicky konkrete pläne für die zukunft. dann auftritt juan antonio (javier bardem). stadtbekannter maler, eben erst unter handgreiflichkeiten von seiner ehefrau maria elena (grandios-furios penelope cruz) getrennt. der fackelt nicht lange und lädt die beiden zu einem wochenend-ausflug ein. und zwar: "um zu lachen, gut zu essen und zu trinken, die sonne genießen und sich zu lieben."

und damit beginnen die fragen: wird eine derart plumpe anmache automatisch besser, wenn jemand vorgibt, offen und ehrlich zu sein? sollte man darauf reflexartig strikt ablehnend wie vicky reagieren oder vor begeisterung nach luft schnappen wie cristina? oder sollte man sich besser diesen juan antonio, offensichtlich latin lover, eventuell hochstapler, einmal genauer ansehen. je länger der film dauert, desto mehr entzaubert sich juan antonio selbst, drischt hohle phrasen, gibt den verständnisvollen zuhörer (ohne eigene meinung) ebenso schablonenhaft-angelernt wie den künstler-lebemann. in mir löst juan antonio aggressivität aus, doch die damenwelt im film stört seine masche wenig, schließlich haben sie ihre projektionsfläche gefunden. von liebe ist andauernd die rede. doch wie sagt la rochefoucauld: "den geringsten anteil an der liebelei hat die liebe". auch wenn sie noch so oft bemüht wird. kann liebe nur romantisch sein, wenn sie unerfüllt bleibt, wie maria elena das sagt? oder ist es nicht vielmehr so, dass unerfülltes begehren gerne mit liebe verwechselt wird, weil eine solche sehnsucht sich nicht im alltag beweisen muss?

woody allen ist ein genauer und feinsinniger menschenbeobachter, der abgesehen von den angesprochenen mainthemes des films viele kleine witzige anspielungen einbaut, etwa wenn er vickys ehemann einen "alten witz" erzählen lässt bzw. nur den anfang desselben und man als zuschauer tatsächlich schon die pointe kennt. vicky cristina barcelona macht spaß und besticht mit hervorragenden schauspielern. auch wenn der mediale fokus der betrachtung diesmal nicht auf ihr ruht, sehe ich scarlett johansson doch irgendwie am liebsten zu. der soundtrack könnte von pedro almodovar beigesteuert worden sein.

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