almis personal blog

Ärzte & Meinungen

Eigentlich wollte ich heute mein Review zu dem Film vom Freitag If I Had Leg I’d Kick Vou schreiben, aber an einem Punkt habe ich so viel über etwas anderes geschrieben, dass ich einen extra Eintrag machen muss, weil ich mich so aufgeregt habe, harhar.

Im Film geht es ja um eine Mutter mit einem kranken Kind, das teilweise per Sonde ernährt werden muss. Was das Kind genau hat, das wird nie ganz klar. Aber es gibt ein Gespräch zwischen einer Ärztin und der Mutter, das mich so sehr an ein Gespräch mit einem Arzt und mir erinnert hat, als mein eigenes Kind gerade so neun Monate alt war und das in der “Entwicklungspsychologischen Ambulanz” stattfand. Also auf deutsch: Der Arzt war dafür da, mit mir zu besprechen, wie die Prognosen so sind.

Die ganze Atmosphäre war irgendwie seltsam und die Untersuchung fand ich sehr grob. Jedenfalls fielen am Ende so Sätze wie “Er wird vielleicht nie gehen können.” “Er wird nie eine normale Schule besuchen” und ähnliches. Und das sei halt so, wenn ihm drei Monate im Bauch fehlen, das kann ihm niemand mehr geben und so weiter. Da bin ich dann ein bisschen narrisch geworden, weil was konnte ich daran jetzt noch ändern? Mir war schon klar, was für Folgen eine Extremfrühgeburt theoretisch haben kann, da brauche ich nur googlen, und ich habe auch viel gegoogelt; und ich war nicht so naiv, dass ich das nicht wahrhaben wollte.

Aber es ging darum, das Kind auch anzuschauen, dieses eine individuelle Kind, das jetzt gerade in diesem Raum ist. Und mir dann zu sagen, das Baby sei so aufgeregt und das seien “reifgeborene” Babys nicht, also sorry allein das war ja schon extrem unglaubwürdig. Ich habe dem Arzt dann mitgeteilt, dass er bei einem Baby, das neun Monate alt ist und wo Befund-technisch alles im Rahmen ist, keine (schlechte) Prognose auf sechs Jahre abgeben kann.

Jedenfalls habe ich danach sowohl mit “unserer” Krankenschwester und auch mit der Physiotherapeutin gesprochen und beide sagten mir, es gäbe viele Beschwerden über den Arzt von Eltern, aber er sei halt so eine Koryphäe. Und da dachte ich, vielleicht verwendet man den Begriff als Hilfsausdruck oder Immunisierung, wenn im Grunde ziemlich viel schief rennt. Weil es mag schon sein, dass dieser Arzt im stillen Kämmerlei gut arbeitet, aber wenn sein Jobprofil zu einem gewissen Prozentsatz auch aus Elterngesprächen besteht, dann muss er auch kommunzieren können. Und zwar nicht so, dass Eltern, die eh schon monatelang durch eine gewisse Art von Hölle gegangen sind (und da waren wir eh noch im harmloseren Bereich, denke ich), sich nachher noch schlechter oder hoffnungsloser fühlen.

Weil was wäre passiert, hätte ich ihn ernst genommen? Ich hätte mir vielleicht jahrelang Sorgen über die Entwicklung meines Kindes gemacht, wäre zum Helikopter mutiert, hätte ihn dauernd in Panik beobachtet, gestresst oder whatever. Und letztendlich wäre das alles umsonst gewesen, weil ich ja im Endeffekt diejenige war, die recht behalten hat, das kann ich ja jetzt wohl mit Fug und Recht feststellen. Insofern kann ich kritische Betrachtung von ärztlichen “Meinungen” immer nur empfehlen.

PR für Josh O’Connor

Nächste Woche werde ich die Pressevorführung des neuesten Steven Spielberg Films Disclosure Day besuchen – der auch bereits kommende Woche dann schon anläuft, das heißt, das Review muss schnell geschrieben werden. Ich freue mich schon sehr darauf.

Einerseits Spielberg: Jein. Ich mag einige seiner Film sehr gern, bei manchen bin ich ein bisschen indifferent und beim letzten, The Fabelmans, habe ich mich gefragt, ob ich an dem Film irgendwas nicht verstehe, oder ob er tatsächlich so krude und unentschlossen ist wie ich glaube, dass er ist, harhar. Kommt selten vor, aber es gibt Filme, die laufen wirklich so komplett an mir vorbei, dass ich noch nicht mal sagen kann, ich finde sie schlecht, sondern, ich fühle einfach überhaupt nix.

Andererseits: Josh O’Connor, der in Disclosure Day eine der Hauptrollen spielt. Und ich mache jetzt wieder unbezahlte PR Arbeit. Meiner Ansicht nach ist Josh O’Connor der derzeit beste männliche global bekannte Schauspieler unter 40. Ich kann nicht Hollywood-Schauspieler sagen, weil er ist Engländer – hört man, wenn er Sundance sagt, nämlich Sundaaance und nicht Sundeeence – und weil er bis dato, bis eben zu dieser Spielberg Produktion das große Blockbuster Kino vermieden hat. Einem breiteren Publikum ist er wahrscheinlich durch seine Verkörperung des jungen Prinz Charles in der Serie The Crown bekannt.

Tatsächlich ist er extrem wandlungsfähig und hat eine Vorliebe fürs Indie-Kino. Er hat mit der (tollen) italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher La Chimera gedreht, für den er auch Italienisch gelernt hat, ich mein, wie super, ich denke, er hat einen besseren Akzent als ich harhar. Es geht in dem Film um einen englischen Kunsträuber, dargestellt eben von ihm, der bei einem neuen Coup seinen persönlichen Liebesschmerz aufarbeitet und es ist so sperrig-schön, ich sage nur magischer Realismus. Derzeit dreht er wieder mit ihr. Er hat in Luca Guadagninos Challengers einen der Beteiligten an der Dreiecksgeschichte gespielt, einen totalen Strizzi Tennisspieler und ich war sofort in seinem Team. Er hat den sonst ein bisschen faden The Mastermind komplett getragen, er hatte die Co-Hauptrolle im neuen Knives Out Wake Up Dead Man und zu History of Sound, wo er neben Paul Mescal in einer homosexuellen Liebensgeschichte spielt meinte Pia Reiser, nachdem O’Connor zur Mitte des Filmes verschwindet: “Wir sehen Paul Mescal dabei zu, wie er Josh O’Connor vermisst und wir verstehen ihn, wir vermissen ihn auch, weil er der soviel bessere Schauspieler ist.” Harhar. Nix gegen Paul Mescal, ich (und Pia) mag den auch sehr, aber O’Connor spielt halt in seiner eigenen Liga.

Ach ja und er war mal als neuer James Bond im Gespräch. Da geht es mir ein bisschen so wie mit Disclosure Day jetzt. Ich denke mir, es wäre toll, wenn er bekannter werden würde als er jetzt ist, weil er es verdient hat und weil ihn viel mehr Menschen kennen sollten; andererseits will ich ihn lieber in irgendwelchen crazy Arthouse Filmen sehen als in einer Prestige-Großproduktion. Ach ja. Wie auch immer, ich werde euch dann erzählen, wie ich seine Ausflug ins Blockbuster Fach fand.

…und ich hoffe, er unterschreibt nie bei Marvel…

Später Ruhm

Die Prämisse von Arthur Schnitzlers Novelle Später Ruhm, die erst 2014 einem breiten Publikum zugänglich wurde, ist so schlicht wie spannend.

Der Protagonist Eduard Saxberger, ein alleinstehender Mann an die 70 Jahre alt, der in jungen Jahren einen Lyrikband namens Die Wanderungen herausgebracht hat und nun aber schon seit über 40 Jahren als Beamter tätig ist, kommt eines Tages von einem Spaziergang nachhause und wird von einem jungen Mann erwartet. Er gibt sich als leidenschaftlicher Anhänger des Dichters zu erkennen und spricht von einem Zirkel seiner Freunde, die sich “Begeisterung” (sehr Fin de siecle!) nennen, sich als Künstler bezeichnen und ebenso große Bewunderer von Saxberger sind. Der erklärt sich daraufhin bereit, diesem Kreis einen Besuch abzustatten…

SPOILER

Der Daxberger auf dem Cover ähnelt irgendwie William Dafoe, den ich nächste Woche in der Verfilmung sehen werde

Mit dieser Prämisse ist ja sehr viel möglich. Mein erster Gedanke war: Ah, vielleicht ist das so wie in dem Film Un Poeta letztens, wo ein Mann in mittleren Jahren vor Jahren Gedichte publiziert hat, für die Literatur brennt, aber an seiner eigenen Schreibblockade quasi zerbrochen ist. Turns on: Nein absolut nicht. Harhar. Ja, Saxberger genießt die Bewunderung dieser jungen Männer – später kommt noch eine Frau dazu, die auf ihn eine besondere Wirkung hat. Er hat sogar das Bedürfnis, seinen “gewöhnlichen” Freunden, die abends im Gasthaus sitzen und Billard spielen, zu erzählen, wie berühmt er eigentlich ist. Aber als er sich hinsetzt, und versucht wieder zu “dichten” gelingt es ihm nicht nur nicht, er hat auch gar keinen Spaß daran.

Insofern empfinde ich Später Ruhm nicht als die Geschichte eines verkannten Genies, als die Geschichte von jemand, der das Schreiben liebt, aber mit den äußeren Umständen kämpft, sondern eher als Geschichte eines Menschen, der in jungen Jahren Gedichte geschrieben hat, wie andere halt einen Tenniskurs machen, aber dann kein Interesse mehr daran hatte. Der eher mit der Berühmtheit kokettiert, die damit verbunden sein könnte. Mir kommt es regelrecht absurd vor, dass ein schreibender Mensch – ob seine Werke nun publiziert werden oder nicht – einfach mal 40 Jahre keinen Drang danach verspürt, irgendetwas zu verfassen.

Wenn man sich nun die Gruppe der Dichter genauer ansieht – in manchen Überlegungen wird gemutmaßt, dass Schnitzler hier Menschen aus seinem eigenen künstlerischen Umfeld porträtiert, aber es funktioniert auch ohne diese Einschätzung – merkt man eines: Das sind eine Menge Poser und Möchtegerns harhar, die im Prinzip genau wie Saxberger vor allem nach Aufmerksamkeit suchen. So ergibt sich eine Art wechselweise (Selbst)bespieglung, in der sich alle versichern, wie bedeutend sie sind. Und später stellt sich heraus: So weit her war es mit der Bewunderung für Saxberger gar nicht, ja bei vielen liegt sein Gedichtband noch immer ungelesen auf dem Nachtkasterl. Das ist ein relativ böser Blick, den Schnitzler da auf Künstler wirft, aber auch ein ziemlich amüsanter, der Titel Später Ruhm wirkt irgendwie so ironisch wie der Titel The Mastermind, der Film, der im vorigen Jahr über einen Mann erzählt hat, der einen recht patscherten Heist durchführt.

Ab und zu schimmert aber doch ein Hauch von Melancholie durch, denn es gibt einen Moment, in dem Saxberger trotz Ambitionslosigkeit einen tiefen Schmerz erfährt. Mir hat auch die Lakonie gefallen, mit der Schnitzler seine Novelle beendet, als Saxberger sein vernachlässigtes Stammlokal betritt:

“Und es war ihm, als käme er von einer kurzen, beschwerlichen Reise nach Hause, in ein Heim, das er nie geliebt, in dem er aber die dumpfe und weiche Behaglichkeit von früher wiederfand. Er spürte, dass er nichts anderes mehr wollte, nichts anderes mehr brauchte”. 1

Ich mag diese vielen Schichten, die man von Schnitzler kennt, ich mag die Schilderung des Wiens um die Jahrhundertwende, die Stimmungen. Das ist eine schlanke Novelle, aber man denkt noch lange darüber nach.


  1. Arthur Schnitzer: Später Ruhm, Seite 135 ↩︎

Intimitäten

Eigentlich wollte ich mir ja den Roman Trennung von Katie Kitamura ausborgen, nachdem jemand auf Social Media davon geschwärmt hatte. Weil dieser entliehen war, habe ich Intimitäten von Kitamura mitgenommen, im Glauben, das wäre ebenfalls eine Beziehungsgeschichte. Das ist es schon auch, aber nur zum Teil.

Tatsächlich hätte ich den Roman vielleicht anders genannt, hätte ich ihn geschrieben. Nämlich “Interpretationen.” Die namenlose Protagonistin ist eine Übersetzerin oder, wie es auf Englisch heißt, Interpreter – was irgendwie noch etwas anderes suggeriert. Und genau von dieser sprachlichen Unschärfe, von dem, was wir hören und sehen, was wir glauben (sollen) oder nicht, und unsere eigene Wahrnehmung, davon handelt dieser Roman.

Die Protagonistin, eine Frau um die 40, mit asiatischem Background, aber von Kind an Weltenbummlerin, lebt erst seit kurzer Zeit in Den Haag, wo sie am internationalen Gerichtshof arbeitet. Als Dolmetscherin ist es ihr wichtig, behutsam mit Sprache umzugehen, möglichst genau auf dem Punkt zu sein, sich selbst als Person aber völlig zurückzunehmen. Ihre Aufgabe ist es, keine Position zu beziehen, sondern nur quasi als Kommunikationskanal zu funktionieren. Doch im Laufe der Zeit merkt sie, so einfach ist das gar nicht, unbeteiligt zu bleiben, nichts zu hinterfragen, neutral zu sein, nämlich für sie als reflektierender Mensch. Und will sie das überhaupt?

Und das gilt nicht nur für ihr Berufsleben. Auch in ihrem Alltag fällt es ihr zunehmend schwer, Dingen nicht mit Skepsis zu begegnen. Ihre neu gewonnene Freundin J. lädt sie beispielsweise zu sich nach Hause zum Abendessen ein und will ihr dabei das Wohnviertel schmackhaft machen, in der Hoffnung, die Protagonistin ließe sich dann ebenfalls dort nieder. J. beschreibt die Gegend als gemütlich und sicher, doch noch während des Essens werden die beiden vom Fenster aus Zeugen eines Raubüberfalls mit einem Schwerverletzten. Auch ihr Geliebter A. erzählt ihr nicht die ganze Wahrheit. Auf einer Party erfährt sie zufällig von jemand anderem, dass er zwar von seiner Frau getrennt ist, aber eine Familie hat. Als er kurz darauf nach Lissabon fährt, um die Details seiner Scheidung auszuhandeln, überlässt er ihr einerseits seine Wohnung, andererseits lässt er den Kontakt nach einer Woche abreißen. Und die Protagonistin muss wieder eine Leerstelle mit Vermutungen auffüllen.

In diesem Roman gibt es eine große Diskrepanz zwischen Dingen, die aus welchen Gründen auch immer, behauptet werden, und Dingen, die tatsächlich passieren. Auch ein bisschen eine Art Covid Szenario, wenn man so will harhar. Oder hat die Pandemie und der Umgang damit nur unseren Blick geschärft? Kitamura schreibt: “Aber wir alle sind außerstande, die Welt in der wir leben, wirklich zu sehen, eine Welt, die den Widerspruch zwischen Banalität (…) und ihren Extremen in sich trägt- wir sehen die Welt höchstens für kurze Augenblicke, und dann wieder für lange Zeit nicht, wenn überhaupt noch jemals.”1

Schön beobachtet, gut geschrieben, leicht lesbar, trotzdem der durchaus komplexen Gedankengänge.

  1. Katie Kitamura: Intimitäten, Seite 94 ↩︎

qwien, Teil 1

Ich heute im qwien (sprich: Queen)

Jeder Ausstellungsbesucher muss ein Foto vor diesem Spiegel machen, sonst war er gar nicht dort, harhar.

Eigentlich könnte hier auch ein Selfie mit Marco Schreuder und mir gepostet werden. Dazu hätte ich ihn aber darum bitten müssen, und dafür war ich leider zu überfordert.

Marco Schreuder ist Kurator der Ausstellung United by Queerness und einer der Moderatoren des ESC Podcasts Merci Cherie – und war auch mal Politiker. Wir kannten uns noch nicht persönlich, haben uns aber öfter mal geschrieben und ich war ziemlich überrascht, als er plötzlich vor mir stand und fragte: “Du bist doch Heidi oder?” Harhar. Habe ihm gleich zur tollen Ausstellung gratuliert. Er hatte dann direkt auch noch ein Interview ebendort und hat mich zum Abschied umarmt und geküsst und meinte, schön, dass wir uns mal gesehen haben und das fand ich ur lieb.

Sonntag

Heute lange überlegt, ob ich mir die Olympia Abfahrt anschaue, oder ins Kino gehe. Ich kenne ja nur Lindsey Vonn – die sehr erfolgreich wurde, während mein Kind im Krankenhaus lag. Insofern wars gut, dass ich dann doch lieber ins Burgkino gegangen bin und im Schillerpark gejausnet habe.

Früher hätte ich, glaube ich, nicht verstanden, dass Vonn nochmal antreten will, mit all diesem Risiko und den Gefahren. Heute verstehe ich sie. Das Leben ist kurz. Manche Dinge muss man einfach tun, wenn man dafür brennt, so unvernünftig sie auch sein mögen.

Das sehr chice Burgkino-Foyer

Ich habe mir No Other Choice angesehen. Zwischen mir und dem Genre “Satire” bleibt es kompliziert. Manchmal mag ich das sehr, wie beispielsweise Parasite, der mit No Other Choice verglichen wird, eher zu Unrecht. Erst kürzlich habe ich Bugonia gesehen, auch toll. Aber mit dem heutigen Film bin ich nicht warm geworden. Wenn alles irgendwie in so eine (für mich) nihilistische Richtung kippt, habe ich immer das Gefühl, dass die gesamte Energie aus mir rausgesaugt wird und nur noch eine Hülle übriggbleibt, harhar. Aber ich stehe mit diesem Befund eher alleine da.

Das Kind ist auch wieder zurück, nach seinem Urlaub, haben uns ja fast eine Woche nicht gesehen. Und er hat unter anderem berichtet, dass er bei einer Tankstelle jemanden vorgelassen hat, weil der es eilig gehabt hatte und dieser jemand meinte dann zu ihm: “Du bist ein gut erzogener junger Mann”. Okay, ich fühle mich geschmeichelt, harhar

Morgen wieder Schule, Matura-Countdown geht weiter, das saugt mir auch die Energie, harhar. Aber es hilft ja nix.

Schöne Abendgedanken. Dann schlafen.

KI und I

Wenn das Kind schnell mal ChatGPT was fragen will, dann sage ich oft: Ich scheiß auf die KI! Das erkläre ich dir harhar.

Vor allem halt, wenn es um Literatur und sowas geht. Was den ESC betrifft, ist die KI so schlecht, wir haben sie mal alles mögliche befragt und es war fast alles falsch. Aber natürlich gibt es auch Themen, wo sie sinnvoll ist. Ich mein, ich bin auch kein Kulturpessimist. Meinen Job gefährdet sie natürlich auch irgendwie, aber darüber mache ich mir nicht wirklich Sorgen, ich grüble über andere Dinge, da hab ich dafür keine Kapazitäten mehr. Und ich denke mir, irgendwie geht es schon weiter.

In letzter Zeit bemerke ich außerdem eine zunehmende Ernüchterung bei Auftraggebern, was reine KI Lösungen betrifft. Viele wollen ihre sensiblen Daten – es geht ja oft um Gespräche mit sehr vertraulichem Inhalt, auch Unternehmensinterna oder bei Namedropping – überhaupt nicht einer Maschine überantworten, wo niemand weiß, was mit diesen Daten dann geschieht. Wenn es sich um eher allgemein gehaltene Gespräch handelt, und sie es doch KI-mäßig probieren, sind sie mit den Ergebnissen oft nicht zufrieden. Oder wie ein Auftraggeber, für den ich seit 20 Jahren arbeite, mir letztens geschrieben hat: Die KI halluziniert schon wieder minutenlang. Help!

Deshalb überarbeite ich jetzt auch manchmal Texte der KI (Englisch und Deutsch) und es ist wirklich arg. Eine zeitlang passt alles und dann geht es drunter und drüber, es fehlt da und dort einfach eine halbe Minute, Fragen und Antworten gehen ineinander über, teilweise steht das Gegenteil davon da, was gesagt wird – dazu muss manchmal nur ein Wort falsch sein und so weiter. Am Schlimmsten ist es natürlich, wenn jemand undeutlich oder Dialekt spricht oder/und es laut im Hintergrund ist. Mein bisherigen Highlight: Im Interview hieß es “Es war ein Geben und Nehmen” – die KI machte daraus “Es war ein gelbes Unternehmen.” Was irgendwie schon fast wieder originell ist.

Fazit ist, ich habe so viel zu arbeiten wie schon lange nicht mehr. Letztens habe ich allerdings Blumen(zwiebel) geschenkt bekommen. Und wenn man die erste Sprossen dann fotografiert und die KI fragt, was das für Blumen sind, dann ist sie super! harhar.

Weihnachtsferien

Die letzten Tage waren trotz Melancholie schön.

Am Samstag haben wir das Weihnachtsessen mit Oma (Steak, Schokokuchen etc), das wegen Erkrankung verschoben wurde, nachgeholt und im Garten gabs tatsächlich noch Schnee und auch ein bisschen Sonne, so enstand dieses stimmungsvolle Foto.

Gestern wurde ich ein bisschen wider Willen zum Ersatzzuschauer bei Michael Niavarani im Globe Wien – Homo Idioticus 2.0. Warum Ersatz. Nun ja, auch hier wurde jemand krank und ich bin ehrlich: ich bin nicht so der Kabarettfan, weil es mich immer ur stresst, wenn ich was lustig finden muss und vom Niavarani selber bin ich mittlerweile auch etwas abgekommen, Gründe würden hier den Rahmen sprengen. Darüberhinaus mag ich den Globe als Location nicht, harhar. Grumpy Almi.

Als wir auf den Beginn gewartet habe, hab ich zum Kind gesagt: “Bitte ich könnte jetzt im Votivkino sein”, harhar. Aber letztendlich hat mir das extrem lange Programm doch gut gefallen, vor allem der zweite Teil, der nicht so derb, dafür recht philosophisch war. Und als Niavarani meinte, es sollten doch die Menschen mit guten Noten eine Klasse wiederholen und nicht die, mit schlechten: “Die hat es doch schon beim ersten Mal nicht interessiert” harhar – da hab ich zugegebenermaßen sehr gelacht.

Nach Song Sung Blue brauchte ich dringend was Süßes (vermischt mit salzigen Tränen) einen Germknödel Donut vom Maci (unbezahlte Werbung)

Heute war ich dann tatsächlich im (Haydn)Kino und habe mir Song Sung Blue angesehen, weil Alexander Horwath im fm4 Filmpodcast meinte, das wäre sein Guilty-Pleasure (Zusatz eigentlich gar nicht guilty) Lieblingsfilm des Jahres. Song Sung Blue gehört zum recht perversen (wie ich es nenne): Genre Feelgoodmovie mit deprimierender Handlung. Harhar. Was will ich damit sagen? Man könnte aus dem Stoff locker ein richtiges Drama machen, das einen tagelang runterzieht; tatsächlich wird hier fast eine Komödie daraus, jedenfalls fühlt man sich geborgen und positiv emotional. Song Sung Blue sagt schon alles: Wir sind traurig, aber wir singen trotzdem. Hier werde ich noch mehr dazu erzählen.

Über Charaktere

Man kann Charaktere in Erzählungen und Romanen sehr konventionell beschreiben, über äußere Merkmale wie Körpergröße oder Haarfarbe oder auch über Charaktereigenschaften wie Großzügigkeit oder Arroganz. Aber das ist halt auch wenig originell und lässt die Person, die man beschreiben will, jetzt nicht unbedingt sehr plastisch erscheinen, wenn man nur so Gemeinplätze widergibt. Besser ist es, hier möglichst detailliert zu werden, weil man da so viel mehr transportieren kann.

Letztens hat mir zum Beispiel jemand erzählt, dass bei einem Treffen die Stimmung sofort in den Keller ging, als eine gewisse Person auftauchte und da dachte ich mir, das wäre doch auch eine schöne Beschreibung. Jemand hat das Talent, und es ist eines, die ganze Luft aus einer Feier herauszulassen, die ganze Energie zu ziehen. Die Begabung, einen Satz zu sagen, mit dem sich jeder im Raum sofort unwohl fühlt.

Schön kann man es auch über Essgewohnheiten machen. Einen Menschen zu beschreiben, der, wenn er sein Schnitzel serviert bekommt, nicht gleich anfängt zu essen, wie wohl die meisten. Sondern, der das Schnitzel zuerst mal klein schneidet und ausgiebig salzt und dabei lustige Sachen erzählt. Ich kannte so jemanden. Oder mein Opa, der immer zuerst die ganze Suppe gegessen und sich die Suppeneinlage, Nudeln, Frittaten oder Backerbsen, aufgehoben hat. Sogar angeboten hat, mir diese Einlagen zu schenken. Das habe ich immer abgelehnt, weil ich dachte, da isst er nur die bloße Suppe und dann hat am Ende nichts davon. Es gibt auch Menschen, die in Lokalen den Tisch immer auf ihren Vornamen reservieren, als hätten sie gar keinen Nachnamen.

Jeder Mensch hat so viele kleine Eigenheiten, die ihn irgendwie liebenswert oder besonders machen. Ein Mensch, der auf seiner Musik Playliste, jeden Song etwa 15 Sekunden spielt und dann zum nächsten skippt. Ein Mensch, der unliebsame Leute in seiner Umgebung mit verschiedenen Schimpfwörtern (“Der Trottel”, “Der Arsch”) bezeichnet. So viel zum Thema liebeswert harhar. Ein Mensch, der dauernd einen Spruch zur jeweiligen Situation hat wie “Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt” oder “Durch Arbeit ist noch niemand reich geworden.” Und schließlich ein Mensch, der gerne zur U-Bahn gelaufen ist, die Stiegen oder die Rolltreppe hinunter, egal ob die Ubahn schon da war oder nicht. Schön.

Das war nur ein kleines Brainstorming meinerseits. Folgt mir für weitere Profi-Schreib-Tipps harhar.

Die Dauer der Liebe

Ich habe das Feedback bekommen, dass meine Buchbetrachtungen recht beliebt sind. Danke. Ich muss aber zugeben, ich tue mir viel leichter damit, über Filme zu schreiben als über Bücher. Ich bin noch dabei zu ergründen, warum das so ist. Weil nach fünf Jahren Basisstudium “Deutsche Phliologie” und einem f**cking Jahrzehnt anschließendem Doktorratsstudium, sollte ich es ja doch (besser) können.

Jedenfalls mache ich es transparent und sage gleich, ich tue mir schwer, etwas über Sabine Grubers Roman Die Dauer der Liebe zu schreiben, aber etwas daran hat mich trotzdem enorm inspiriert. Es geht darum, dass Bruno der Lebenspartner der Protagonistin Renata, einer Südtirolerin, die in Wien lebt, überraschend stirbt und sie nun damit und mit anderen Dingen, wie etwa die Brutalität von Brunos (Nordtiroler) Familie fertig werden muss. Es geht um Geldgier, Respektlosigkeit, ja Hartherzigkeit. Ich finde den Roman formal um einiges überzeugender als inhaltlich. Es war mir über weite Strecken zu schwer und erdrückend, aber gleichzeitig auch zu distanziert, was irgendwie ein Widerspruch zu sein scheint, für mich in diesem Fall aber nicht ist.

Es bedarf einer übermenschlichen Anstrengung, nicht dauernd zu denken: Die (Nord)Tiroler sind ein eigener Menschenschlag (harhar) und die Südtiroler aber eh auch, es wird wirklich so eine Art Binarität hergestellt. Ich kenne Nordtirol kaum, fast nur vom Durchfahren, ich kenne Südtirol ziemlich gut und ich finde, Gruber trifft den Vibe schon ziemlich, den Vibe, dem ich irgendwie immer noch unschlüssig gegenüberstehe. Vielleicht ist auch einiges einfach “lost in translation” – und damit meine ich nicht Italienisch.

Letztendlich habe ich mich in der Art, wie Renata trauert, einfach nicht ganz wiedergefunden. Es war mir etwas zu wenig “Aufarbeitung” und Weiterentwicklung. Ich habe das Gefühl, wenn ich einen so tiefen, existentiellen Schicksalschlag erfahre, noch dazu völlig überraschend, dann werde ich auch ein bisschen ein anderer Mensch, und dafür brauche ich Zeit. Renatas Umgebung meint, das ginge alles viel zu langsam bei ihr, dabei sind erst ein paar Monate vergangen. Wieso hat sie nicht schon wieder eine neue Beziehung, fragen sie. Ich habe vor einiger Zeit mit einer Freundin gesprochen, die fragte mich etwas und ich sagte darauf “Drei Jahre” und sie, das ist ja nichts. Und ja. Insofern sind ein paar Monate wirklich gar nichts. Und schon ist Renata (wenn auch halbherzig) wieder auf Tinder. Mir gibt der Roman aber gleichzeitig auch ein bisschen das Gefühl, dass mich das überhaupt nichts angeht, harhar.

Was mich inspiriert hat, ist tatsächlich das Ende, der Verweis auf den Roman Der Horizont von Patrick Modiano, weil der hat über “Jahreszeiten in den Jahreszeiten” geschrieben. Solche Beobachtungen interessieren mich immer sehr. Es heißt: “Die Romanfigur liebe den Frühling im Winter. (…) den Nachsommer im Herbst (….)” Ok, auch irgendwie komisch, dass das beste jetzt der Verweis auf ein anderes Buch ist. Aber es ist auch nicht nichts. Harhar.