almis personal blog

Allegro Pastell

Was Allegro Pastell betrifft, habe ich es so gemacht: Ich habe ungefähr die Hälfte des Romans gelesen. Dann habe ich mir den Film angesehen, für den Autor Leif Randt auch das Drehbuch geschrieben hat. Anschließend habe ich den Roman weitergelesen. Ich finde sowohl den Film, als auch das Buch sehr interessant, wenn beide auch recht unterschiedlich funktionieren.

Besonders viel Plot gibt es nicht: Die Autorin Tanja (Sylvaine Faligant) und der Webdesigner Jerome (Jannis Niewöhner) führen eine privilegierte und hoch reflektierte Fernbeziehung. Als die Dinge ernster zu werden beginnen, müssen sie entscheiden, ob es wirklich das ist, was sie wollen….

Der Roman von Leif Randt strotzt nur so von wunderschönen Sätzen. Die beiden Protagonisten beobachten sich quasi andauernd selbst und gegenseitig; sie ziehen die Schlussfolgerungen über ihre guten, finanziell abgesicherten, im Endeffekt wieder fast bürgerlichen Leben, weil ihre Leben genaue “Codes” haben. Sie wollen so enorm individuell sein, sind es aber so überhaupt nicht, nur halt mit anderer Schlagseite. Einmal thematiseren sie die Leere ihres Lebens; da sie keine Kinder wollen, sollten sie sich andere Ziele stecken, so meinen sie selbst, leben aber das Leben, dass sie schon vor zehn Jahren gelebt haben: Endlose Parties, Drogen – ich persönlich habe von modernen Suchtmittel überhaupt keine Ahnung, Ketamin, was? – und vor allem selbstkreiertes Beziehungsdrama. Tanja kriegt zum Beispiel gerne von einem auf den anderen Moment schlechte Laune, wenn jemand sie schief anschaut und das ist soo anstrengend. Harhar.

Der Roman hat natürlich viel mehr Backstory, während der Film ein “Vibe” ist, der allerdings auch mit guten Zitaten aus dem Buch angereichert wird. Von Party zu Party. Momentaufnahmen. Musik, Looks, Statements. Berlin. Lissabon. Eine Stadt übrigens, die ich persönlich als pittoresk, aber sehr distanziert wahrgenommen habe, als ich 1998 dort war, und das passt sehr gut zu der Haltung, die hier alle vermitteln. Die zwei Protagonisten, die quasi ein Abbild der Generation Millenial sein sollen, aber ich denke, sie sind nur Millenials eines ganz speziellen Milieus, sind so dermaßen selbstzentriert, affektiert und voller Posen, dass ich sie total unsympathisch empfinde.

Auch wenn ich vieles an der Lebenswelt von Tanja und Jerome nicht verstehe, ich mag die Filme, die sie ansehen zum Beispie Call me by yout name. Und einmal geht Tanja auf ein Conan Osiris Konzert, der im gleichen Jahr 2019 mit seiner avandgartistischen Performance für Portugal am Eurovision Songcontest teilgenommen hat. Da schließen sich wieder alle Kreise. Harhar

Ein andermal werde ich noch mehr zu den schönen Sätzen erzählen.