almis personal blog

Wir in zehn Jahren

Aufgrund des Titels und der Prämisse habe ich mir Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley gekauft. Eine Beziehungsgeschichte über ein Paar. die sich über eben diesen Zeitraum erstreckt. Coralie wird beruflich von Australien nach London versetzt und lernt den geschiedenen Adram kennen, der eine kleine Tochter hat.

Achtung Spoiler

Nun hab ich mir persönlich so eine eher rohe Beziehungsabrechnung erwartet, wie das so ist mit Verlieben und Zusammensein und Kinder haben und die ganzen Herauforderungen und Krisen die da so einhergehen. Die Autorin ist mir natürlich nicht schuldig, dass sie das schreibt, was ich gerne hätte harhar. Aber es hat mich schon irgendwie erstaunt, dass Boris Johnson (sic!) in diesem Roman öfter genannt wird, als die beiden Kinder, die sie selbst dann später mit Adam bekommt.

Überhaupt ist hier viel von Politik die Rede – Adam ist Journalist. Ich mag es ja an sich, wenn so aktuelle Ereignisse in die Handlung eingewoben werden, aber man kann es auch übertreiben. Nicht ganz klar ist, ob die Autorin ein bisschen kritisch die Denkweisen der, sagen wir mal, linksliberalen Protagonisten kommentiert oder sie affirmiert. Es gibt eine Szene, in der ein Freund Adam quasi darauf hinweist, dass er mit Labour ja selbst höhere Steuern gewählt hat und Adam sagt ja, aber es geht ja auch um Werte. Das halte ich persönlich für ein ärgerliches Kuriosum der heutigen Politik. Dass ein Teil des Spektrums ihre Aufgabe als erledigt ansieht, in dem sie quasi gegen rechts ist und “Werte” vermittelt, anstatt die Probleme, die es gibt, wirlich anzugehen.

Auch die Erzählökonomie, wie Bachmann-Juror Philipp Dingler sagen würde, stimmt hier gar nicht. Es gibt ein queeres Großelternpaar (natürlich) also anders gesagt zwei Omas und die Omas kommen gleich hinter Boris Johnson, was die Präsenz im Roman betrifft. Ich mein, die Omas sind eh recht amüsant, aber was haben sie in epischer Breite mit dem Thema zu tun. Ich persönlich hätte auch auf die Schilderung des Schwangerschaftsturnens verzichtet können, die außer Klischees (nehme ich an, ich habs ja nicht so weit geschafft harhar) nichts neues an Erkenntnis bringt.

Und letztendlich verägert mich das Buch auch damit, dass es am Anfang ein tragisches oder zumindest kontroversielles Ende in Aussicht stellt, was am Schluss nicht nur nicht eingelöst wird, nein, alles wird so auf süßlich-klebrige Art weggeräumt, dass ich, als jemand der irgendwie anscheinend mehr mit dem wirklichen Leben konfroniert wurde, einfach nur den Kopf schütteln kann. Nein, ein Paar muss sich nicht zwangsläufig trennen, aber Problem auf Problem zu stapeln und dann siegt doch der platte Kitsch, och nö. Harhar.