almis personal blog

The Piano Tuner

Sowohl fm4 Filmpodcasterin Pia Reiser wie auch mein Sohn empfahlen mir den Film Tuner. Auf “deutsch” übrigens: The Piano Tuner. Und jetzt empfehle ich ihn euch.

Worum geht’s? Niki (Leo Woodall) betreibt mit seinem väterlichen, mittlerweile schwerhörigen Freund Harry (Dustin Hoffman) ein Klavierstimmer-Unternehmen in New York. Im Gegensatz zu Harry leidet Niki seit einem Unfall unter Hyperakusis, schon Alltagsgeräusche sind zu laut für ihn und er trägt, wenn er nicht arbeitet, fast immer Kopfhörer. Ist das der Grund, warum er seine vielversprechende musikalische Karriere beendet hat? Und was passiert, als er entdeckt, dass sein Talent auch zum Knacken von Safes eingesetzt werden kann?

ACHTUNG SPOILER

Zunächst mal: der Film hätte wahrscheinlich auch meinem Papa gefallen. Dann gleich am Anfang läuft ein Stück, das andere Kinder als “Panoptikum Signation” bezeichneten, während mein Papa mir schon, während ich noch den Kindergarten besuchte, erklärte, das sei Unsquare Dance von Dave Brubeck. Er hatte natürlich die Platte, er war ein großer Jazzfan. Zu seinem Leidwesen wurde ich selbst nie zu einem solchen, wobei Unsquare Dance ist, wie auch Take Five, natürlich super.

Wie auch immer, ich dachte dieser Film sei eine Art schrullige Gangsterkomödie. Und sie beginnt auch so. Als Niki eine Bande osteuropäischer Safeknacker auf frischer Tat – beim Aufbohren eines Tresors nämlich – ertappt, beschwert sich deren Boss über Nikis Fremdenfeindlichkeit. Was, sagt er, nur weil wir einen Akzent haben, sind wir gleich Verbrecher? Woraufhin Niki darauf hinweist, dass er eher durch die beobachtete Tätigkeit auf diese Idee kam. Harhar. Er könne das jedenfalls leiser erledigen. Dieses Gaunertrio agiert einerseits herrlich menschlich, sie haben einen kleinen Hund, um den sie sich liebevoll kümmern, einer von ihnen hat immer ein Chipssackerl in der Hand; im nächsten Moment kann aber schon die Stimmung komplett kippen. Das hat mich ein bisschen an den Balanceakt erinnert, den James Gandolfini als Mafia Capo Tony Soprano meisterhaft geleistet hat.

Der Film hat so viele Tonalitäten (pun intended). Er ist ziemlich witzig, ich meine wie toll ist Hoffman, der immer noch irgendwie lausbubenhaft wirkt, mit seiner verschmitzten Art, das Leben zu nehmen wie es kommt. Der Film ist musikalisch, hat wie gesagt einen tollen Soundtrack und weist ganz nebenbei darauf hin, welche Expertise als Klavierstimmer notwendig ist, obwohl manche Kunden von Harry und Niki denken, sie könnten, wenn sie schon mal da sind, genauso gut gleich das tropfende WC reparieren. Der Film ist aber auch phasenweise wirklich sehr unbarmherzig und hart, denn wir befinden uns dann doch in der Unterwelt und deren Protagonisten sind dementsprechend nicht zimperlich.

The Piano Tuner ist aber auch romantisch denn, das habe ich noch nicht erwähnt, Niki lernt die Pianistin Ruthie (Havana Rose Liu) kennen, eine sensible Künstlerin, die ihn heraufordert, sein Leben ganz neu zu denken. Sie ist super, auch Woodall ist super. Obwohl ich ihn bisher nicht so wirklich überzeugend fand, er hat praktisch immer den süß-sexy Sidkick von irgendwem gespielt, aber hier macht er etwas ganz anderes, er vermittelt die Schwere und Melancholie seiner Figur so glaubwürdig und wahrhaftig, dass es beeindruckend ist.

Filme wie The Piano Tuner sind tatsächlich mittlerweile zur Mangelware geworden: Innovative und kluge Crowdpleaser nämlich, mit Anspruch, außerhalb des Marvel Cinematic Universe und anderer Franchises. Einfach ein schöner, geradliniger Film mit Stil.