almis personal blog

The Testament of Ann Lee

Mona Fastvold, die Regisseurin von The Testament of Ann Lee und ihr Mann Brady Corbet, der Regisseurs des Filmes The Brutalist arbeiten als kongeniales Duo. Gemeinsam verfassen sie Drehbücher, die dann jemals einer von ihnen als Regisseur in Szene setzt und das mit einem vergleichsweise geringen Budget – um die zehn Millionen Dollar. Ihre Filme sehen aber gleichzeitig erheblich teurer produziert aus, sind aber andererseits alles andere als Blockbuster-Material.

In The Testament of Ann Lee geht es um die Gründerin der Shaker Bewegung, nämlich eben Ann Lee (Amanda Seyfried), die im 18. Jahrhundert in Manchester aufwuchs und bald als zweiter Messias galt, und vor allem um ihren Auszug nach Amerika, um dort neue Gläubige zu gewinnen…

SPOILER MÖGLICH

In der letzten Oscar Season wurde beklagt, wieso The Testament of Ann Lee quasi übersehen wurde, während Fastvolds Mann voriges Jahr durchaus viele Nominierungen für The Brutalist erhalten hat. Und das obwohl das ein durchaus anstrengender und 215 Minuten langer Film war. Stofflich scheint es Parallelen zu geben: Im beiden Filme ziehen Menschen ins vermeintliche “land of the free” und werden von diesem bitter enttäuscht. Beide Protagonisten sind nicht sehr zugänglich und tragen egomanische Züge. Was war also bei Ann Lee los? Da kommt immer das eher fade Argument, ja weil eben eine Frau Regie führt und die gerne übersehen werden. An das glaube ich persönlich kaum, habe mich aber selbst auch gefragt, warum dieser Film auch bei mir so wenig Eindruck hinterlassen hat.

Und nach langem Nachdenken bin ich zu dem Schluss gekommen: Es gibt keine wesentliche Charakterentwicklung bei Ann Lee und plottechnisch passiert auch so gut wie nichts aufregendes. Das bedeutet, um diesen Film zu mögen, müsste man hineingezogen werden in das, was Ann Lee auch ist, nämlich eine Art Musical. Hier wird viel gesungen und getanzt, die Hände werden ekstatisch zum Himmel gereckt, bei Tag und Nacht, sogar bei Sturm auf einem Schiff. Und wenn man da reinkippt, kann ich mir vorstellen, dass er Film einen packt und man richtig mitlebt. Wenn man aber außen vor bleibt, dann sieht man sich das emotional unbeteiligt an und denkt sich: Irgendwie merkwürdig. Und so ging es mir: Ich saß die ganze Zeit da und dachte mir. Irgendwie merkwürdig, harhar.

Nun wirkt die Religion (oder Ideologie) der Shaker eigentlich fast modern. Frauen und Männer sind gleichgestellt. Die Menschen leben im Einklang mit der Natur. Sie lehnen Gewalt komplett ab. Klingt ja ganz reizvoll, wäre da nicht ein aber. Nachdem Ann Lee Sex von Kindheit an ekelhaft findet, ist den Mitgliedern der Shakern dieser verboten, und zwar auch Ehepaaren. Und hier stößt die Begeisterung natürlich an gewissen Grenzen, harhar. Außerdem ist es der Verbreitung der Religion streng genommen nicht unbedingt zuträglich, wenn sie selbst keinen Nachwuchs produziert. Deshalb gab es – wie einen der Film im Abspann informiert – im Jahr 2025 nur noch zwei (!) Mitglieder.

Und mehr hab ich dazu leider nicht zu sagen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

17 − 14 =