almis personal blog

Wochenende, gemischt

Am Freitag Abend habe ich Late Fame gesehen, die von mir schon mit Neugier erwartete Adapation der Schnitzler Novelle mit William Dafoe, im stimmungsvollen Gartenbaukino.

Davor habe ich im Stadtpark Abend gegessen und ein bisschen gechillt.

Zwei Wochen kann man Late Fame jetzt (nur in englischer Originalfassung) im Gartenbaukino sehen

Dafoe hat ein charmantes Reel für das Kino eingesprochen. Sehr schön, wenn ein amerikanischer Schauspieler “Arthur Schnitzler” sagt. Jedenfalls bin ich recht begeistert von diesem kleinen, stillen Film, der sehr nahe an seiner literarischen Vorlage ist, obwohl er statt in Wien um die Jahrhundertwende gut 130 Jahre später in New York spielt. Mehr bald.

Ansonsten habe ich zweimal den Moment verpasst, in den Pool zu gehen.

Gewittersturm im Garten

Außerdem darf ich mich derzeit wieder mit der Welt der Psychologie/Philosophie beschäftigen #ausgründen und das freut mich sehr. Habe extra meine eigenen Maturafragen aus dem Jahr *hust* ausgegraben. Ich hab damals die Philosophiefrage gewählt, weil bei mir alle guten Psychologiefragen schon weg waren, das Schicksal,wenn dein Nachname mit “S” beginnt harhar. Heutzutage läuft die mündliche Matura ganz anders ab, ich sage nur vier Prüfungen an vier verschiedenen Tagen und das im schwarzen Anzug.

Aufgeregt habe ich mich dieses Wochenende auch, nämlich über Influencerinnen, die ohne medizinische Expertise mit Ende 30 für Hormonersatztherapien “werben”. Prinzipiell ist es ja jedem selbst überlassen, was er sich so reinzieht. Jede Frau hat eine andere Konstitution und ich bin immer sehr für Selbstbestimmung. Ich finde nur den Trend dazu, die Wechseljahre zu einer Art Krankheitszustand hochzujazzen, den man behandeln muss, ein bisschen gefährlich, weil Erwartungshaltung und so. Ich persönlich kann sagen, die Wechseljahre können auch komplett unspektakulär ablaufen, dass man fast gar nichts davon mitkriegt.

Soweit mein Wort zum Wochenende.

Michael

Es ist im Kino gerade ein bisschen Saure Gurken Zeit, wie immer nach den Oscars und bevor die Festivals beginnen, bei denen neue Filme vorgestellt werden. Aber ich habe mir zumindest kürzlich Michael angesehen, den Film über den manche sagen, Regie führten die Anwälte, aber formal war Antoine Fuqua der Regisseur.

Michael beleuchtet die Zeitspanne des Lebens von Jackson ab 1966, von seinen Anfängen bei den Jackson 5, bis hin zu seinen ersten Solokonzerten Ende der 1980er Jahre. Was auch den Vorteil hat, dass man sich zu späteren Kontroversen gar nicht erst nicht äußern muss….

SPOILER …NAJA, WENN MAN NICHTS ÜBER MICHAEL JACKSON WEISS

Das Genre Biopic ist eine Geschichte voller Missverständnisse harhar. Nein, ernsthaft, ich fände es toll, wenn jemand mal darüber eine Dissertation oder ähnliches schreiben würde. Muss der Anspruch an Wahrheit und Realitätsbezug erfüllt sein und geht das überhaupt? Sind Biopics entweder “Fanservice”, eine huldvolle Verbeugung oder eben umgekehrt knallharte Abrechnung und Abarbeitung an Menschen, die man verachtet? Meine diesbezüglichen Reflexionen über The Apprentice, das sich um Donald Trump und seinen Entdecker Roy Cohn dreht, wurden in den Wikipedia Artikel über diesen Film aufgenommen. Wahrscheinlich glaubt jetzt jeder, ich trage privat eine MAGA Kappe, harhar. Ich stehe dazu: Es ist genauso fad und uninteressant, einen Menschen eindimensional als eine Art Monster darzustellen wie umgekehrt eine unreflektierte Heldenverehrung. Worauf sich übrigens offenbar alle bei Michael einigen konnten – der Regisseur, der Jackson Clan, die Anwälte ist, dass Michaels Vater Joseph Jackson (dargestellt vom sonst sympathischen Coleman Domingo) ein ziemliches Arschloch war.

Man kann sich aber abseits aller Biopic Überlegungen fragen: Funktioniert der Film für mich, wenn ich diese Bezüge weglasse und so tue, als würde über eine fiktive Person berichtet werden? Und da muss ich sagen, schneidet Michael gar nicht schlecht ab. Audiovisuell ist er nämlich stellenweise beeindruckend und der Hauptdarsteller Jaafar Jackson, tatsächlich ein Neffe von Michael, ist überzeugend und vor allem tanzt er irrsinnig gut. Und ich habe ja schon eine kleine Schwäche für Tanzen im Film. Die Szene, in der das Making of Thriller geschildert wird, ist ein Highlight. Ich würde diese Choreografie auch sehr gerne mal gelernt bekommen.

Super ist auch die Szene, als Jackson mit dem CBS Records Chef (dargestellt von Mike Myers) darüber debattiert, warum MTV seine Videos nicht zeigt. Es ist nämlich wirklich wahr und tatsächlich erschreckend, dass noch in den 1980er Jahren keine Videos von schwarzen Musikern on air gingen. Erst als der CBS Boss ein Telefongespräch führt und MTV damit droht, alle seine anderen Stars wie Bruce Springsteen und Cyndi Lauper abzuziehen, lenkte man ein. Diesem Druckmittel verdankte Jackson (und alle schwarzen Künstler, die nach ihm kamen) seine MTV Präsenz. Dieser Moment ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie manche Darsteller nur in einer einzigen Szene in Erscheinung treten, die aber so prägend für den Film ist, das genau diese im Gedächtnis bleibt. Und das sage ich mit der Bemerkung, dass ich Mike Myers während des Films tatsächlich überhaupt nicht erkannt habe.

Was ich an Michael nicht mochte ist der unnötige Einsatz von CGI. Bei den Konzertszenen ist es ja noch irgendwie halbwegs ok. Aber muss ich bitte einen CGI Affen generieren, wenn da draußen jede Menge echte Affen verfügbar sind? Gerade wenn Affen wirklich nicht die unkooperativsten Tiere sind, wenn es um die Interaktion mit Menschen geht. Und Bubbles hat ja in diesem Film nicht viel mehr zu tun, als von Jackson getragen zu werden und ein bisschen mit ihm zu spielen.

Insgesamt wahrscheinlich in gewisser Weise ein Märchen, ist Michael doch unterhaltsam und die Songs sind halt einfach super.

Famesick, zwei

Übrigens: So beantwortet man depperte Fragen bei einer Pressekonferenz:

Wenn das Bild von Adam Driver, das Lena Dunham von ihm, ihrer großen Liebe in ihrer Serie Girls gezeichnet hat – und es ist ja nur ein Bild von außen, das man sich über jemanden machen kann – auch nur zu einem geringen Prozentsatz akkurat ist, wird Driver ganz sicher niemals ein Buch über sich selbst schreiben, harhar.

Obwohl ich nicht die PR Beauftragte von Lena Dunham bin, finde ich es sagenhaft, was hier wieder für ein Pseudo-Skandal konstruiert wird. Ich empfinde das, was Dunham in Famesick über Driver schreibt, überhaupt nicht als Abrechnung. Vielmehr macht sie deutlich, wie sehr sie selbst daran gescheitert ist, ihn zu verstehen. Der Mensch Adam Driver nämlich, zu dem Dunham große Zuneigung verspürte und dessen schauspielerisches Talent sie immer wieder herausstreicht, ist ihr bis zuletzt trotzdem auch fremd geblieben.

In Famesick beschreibt sie sein Casting und seine Art zu arbeiten – durchaus rau, dominant, ein bisschen an der Grenze zur Aggression, einmal schreit er sie an, als sie ihren Text vergessen hat und wirft dabei einen Sessel gegen die Wand. Aber gleichzeitig betont sie immer, dass künstlerisches Arbeiten eben auch manchmal eine Grenzüberschreitung sein muss, sie hatte Driver quasi selbst die Erlaubnis dafür gegeben: “It was the rare situation where, in the lack of boundaries, there was a safety.”1 Interessant ist, dass der Adam, den Driver spielt, so viel mit dem realen Adam gemein zu haben scheint.

Einmal gab es die Chance, dass Dunham und Driver ein Paar werden, doch sie hat die Notbremse gezogen, aus Gründen, die vor allem die Serie betreffen. Eine weitere Zusammenarbeit wäre ihr unmöglich erschienen. Als Girls schließlich nach sechs Staffeln, endete, beschreibt Dunham die letzte Begegnung mit ihm, wo sie ihm quasi ihre Selbstzweifel ihm gegenüber gesteht, dass sie nicht “gut genug” für ihn war. Und er dann: “It was just as it needed to be” – he said, sounding like a Jedi (maybe he picked up a few tricks.) I hope you know, I will always love you.”2 Sie denkt darüber nach, wie sie sich weiterhin treffen werden, sie ihm vielleicht eine neue, andere Rolle schreiben wird: “But I never heard from him again.”

Und auch so ist das Leben. In diesem Moment hatten sie wahrscheinlich die besten Absichten und sie haben es so gemeint, aber wenn etwas endet, gelingt es manchmal nicht, etwas neues entstehen zu lassen. Und so hat sich nicht nur Driver jemals wieder gemeldet, auch sie hat es nicht getan. Für mich klingt eine gewisse Traurigkeit durch, wenn sie von ihm erzählt, auch immer eine Ratlosigkeit und manchmal sind es eben genau die Menschen, die man nie ganz versteht, die einen unendlich faszinieren und von denen man nicht los kommt.


  1. Lena Dunham: Famesick, S. 62 ↩︎
  2. Lena Dunham: Famesick, S. 205 ↩︎

Kampf der PED

Montag nach dem Grand Finale setzt natürlich bald einmal die PED ein, die Post Eurovision Depression. Aber dagegen kann man einiges machen. Und mein Rezept dagegen ist immer Film und Literatur.

Seit einigen Tagen läuft ja das Cannes Filmfestivat und Uncut berichtet in seinem Cannes Schwerpunkt sehr informativ und kurzweilig darüber. Marie Kreutzers neuer Film Gentle Monster hatte eben Premiere, ebenso Almodovars Amarga Navidad, diesmal wieder mit spanischen Darstellern. Sandra Hüller, die ich als Darstellerin sehr mag, wurde anlässlich der Premiere von Vaterland gefragt, ob sich Deutsche wegen der Nazis immer noch schuldig fühlen (sollen) und sie sagte: “Yes, I feel the guilt every day. And also I never get bored of it, to feel the guilt because it’s necessary to act right.” Sich der Vegangenheit und Geschichte bewusst sein ja unbedingt, aber schuldig fühlen, für etwas, das 40 Jahre vor der eigenen Geburt stattgefunden hat? Weiß nicht, wem das irgendwas bringen soll, aber die Frage an sich war auch schon saublöd. Vielleicht sollte man in so einem Fall einfach sagen, auf so blöde Fragen antworte ich grundsätzlich nicht.

Ein anderer Uncut Kollege hat gerade die Odyssee zu lesen begonnen, weil im Sommer kommt natürlich Christopher Nolans Adaption dieses Werkes von Homer in die Kinos. Der Kollege meinte, es liest sich besser als erwartet, was ich toll finde, weil ich bin schon nach zwei Sätzen auf Wikipedia ein kleines bisschen überfordert und tue mir mit solchen Stoffen ehrlich gesagt schon ziemlich schwer. Aber ich habe mir auch bei Oppenheimer gedacht, wen außer Physikerinnen und Physiker soll das interessieren, was theoretische Physiker (weniger -innen) drei Stunden miteinander reden. Und dann wars ein ungeheuer spannender Blockbuster, weil das Nolan schon sehr gut kann, sperrige Stoffe publikumswirksam aufzubereiten.

Ich selbst lese tatsächlich gerade etwas anderes und das mit großer Freude, in Vorbereitung auf den Film Late Fame, der nächste Woche anscheinend ausschließlich im Gartenbau zu sehen sein wird. Late Fame beruht nämlich auf Arthur Schnitzlers Novelle Später Ruhm, ein Werk, das ich tatsächlich noch nicht kannte, herausgegeben von Wilhelm Hemecker, bei dem ich in den 1990er Jahren einige Seminare auf der Uni besuchte. Im Film wird die Handlung vom Wien der Jahrhundertwende ins New York der Gegenwart verlegt (spannend!) Der immer erfreulich weirde William Dafoe spielt die Hauptrolle von Eduard bzw. Ed Saxberger, der in seiner Jugend einen Gedichtband verfasst hat und quasi 50 Jahr später von einer Gruppe junger Literaten wiederentdeckt wird.

Es gehört zu meinen liebsten Beschäftigungen, mich mit solchen Querverbindungen Buch/Film zu beschäftigen, aber auch zum Beispiel Filme zu vergleichen, die denselben Stoff haben. Vor einigen Jahren habe ich mir alle möglichen Gefährliche Liebschaften Verfilmungen angesehen und danach so tolle Gespräche mit jemand geführt. Daran erinnere ich mich ur gerne.

Speak no Evil

Apropos Horrorfilm, vorige Woche habe ich im Streaming Speak no Evil nachgeholt, das amerikanische Remake eines erst zwei Jahre zuvor erschienenen dänischen Films, der, so sagten mir einige, wirklich absolut grausam und verstörend sei. Und mir ist schon klar, dass solche US-Remakes meistens ein Abklatsch und ein bisschen auf Massentauglichkeit gedrimmt sind, aber ehrlich gesagt vertrage ich bei Horrorfilmen so wenig, dass mir das in dem Fall auch schon irgendwie reicht, harhar.

Worum geht es? Zwei englische Familien, mit je einem halbwüchsigen Kind mit “Handicap” lernen sich im Urlaub in der Toskana kennen. Louise und Ben, wohnhaft in London, gehen gerade durch eine veritable Krise, weshalb sie auf die joviale Art des anderen Vaters, Paddy (James McAvoy) anspringen, und mit dieser Familie Zeit verbringen, ehe Paddy sie am Ende des Urlaubs kurzerhand für ein paar Tage zu ihnen nach Südengland einlädt. Als sie zu dieser Reise aufbrechen, nimmt das Schicksal seinen Lauf….

ACHTUNG GRÖBERE INHALTSSPOILER FOLGEN

Also erstmal: Bei mir fängt der Horror hier nicht mit den naja, “Gewohnheiten” eines Serienmöders an, sondern schon viel, viel früher. Ich meine Paddy würde ich im echten Leben keine fünf Minuten aushalten. Er ist der Typ Mensch, der jedem Gegenüber permanent die Welt erklärt, das aber auf so eine pseudo-kameradschaftliche, gönnerhafte Art. Er ist unfassbar nervig und für mich absolut unausstehlich, und das hätte jetzt mich persönlich tatsächlich vor seinen weiteren Taten gerettet, weil mir wäre nicht im Traum eingefallen, zu diesem Trottel auf Besuch zu fahren, harhar.

Wobei man sagen muss, auch Louise ist Paddy nicht wirklich ganz koscher, aber sie merkt, dass ihr schwermütiger Mann immer aufblüht, wenn er mit Paddy zusammen ist. Und so reist die Familie eben hin und das Haus von Paddy und Co ist natürlich komplett entlegen und fernab von jeder Zivilisation, Handyempfang gibt es auch keinen, was nie ein gutes Zeichen ist, siehe Heretic, The Menue, Triangle of Sadness et al. Und dann bleibt Speak no Evil relativ lange ein Horrorfilm, wie ich ihn mag. Die bedrohlichen Elemente sind nämlich sehr subtil, aber genau deshalb so wirkungsvoll. Da ist zum Beispiel die Bettwäsche in den Gästezimmern dreckig. Da kommt spontan ein “Babysitter” für die Kinder, der nicht unbedingt vertrauenserweckend wirkt. Da lädt Paddy einmal zum Essen in ein Lokal ein und lässt dann frech Ben die Rechnung übernehmen. Da findet Louise ihre Tochter eines nachts im Bett der Gastgeber.

Am Schlimmsten aber ist, wie Paddy seinen eigenen Sohn behandelt. Grob, ohne jegliche Empathie, damit “einmal etwas aus ihm wird.” Die Aussage ist besonders lächerlich, da kurz zuvor klar wurde, dass Paddy nicht bei Ärzte ohne Grenzen ist, was der dem anderen Paar in Italien erzählt hat und was natürlich jemandem irgendwie einen Vertrauensvorschuss gibt, weil man denkt, das muss ja dann ein “guter” Mensch sein; nein, Paddy verdient Geld mit Verkauf von Gras und diversen Betrügereien. Und natürlich haben wir dann auch das Motiv der versuchten Flucht der Besuchsfamilie, was aber, klassisch, durch eine Kleinigkeit vereitelt wird, damit wir den entsprechenden Showdown erhalten. Auf den Showdown könnte ich ja immer irgendwie verzichten, aber davor macht der Film für mich schon einiges richtig.

Ich glaube, ich schaue mir jetzt doch noch das dänische Original an.

Is This Thing On?

Bradley Cooper ist ein Phänomen. Zuerst wegen seines durchaus guten Aussehens eher als romantischer Protagonist gecastet, was ich persönlich ja immer ur fad finde, hat er selbst den Spieß umgedreht und uns in allen möglich recht schrägen, witzigen, herausfordernden Rollen überrascht, vom Scharfschützen zu einem psychisch Kranken bis hin zum Zirkusartisten. Nebenbei hat er begonnen, Regie zu führen. Seine beiden ersten Werke A Star is Born und Maestro waren “Larger than life”, so groß und wuchtig, inklusive ihm in einer der Hauptrollen. Insgesamt brachte ihm das schon zwölf Oscarnominierungen in den unterschiedlichsten Kategorien ein. Und dann kommt dieser kleine Film fast unter der Wahrnehmungsgrenze mit einem Fragezeichen im Titel, was ja nie ein gutes Zeichen ist harhar. Hier ist Cooper, “Balls”, ein Nebencharakter.

Is This Thing On? erzählt die Geschichte von Alex (Will Arnett), der gerade an einem Wendepunkt seines Lebens steht. Seine Ehe mit Tess (Laura Dern) ist an einem toten Punkt angelangt, er zieht aus, weg auch von seinen beiden kleinen Söhnen. Er fühlt sich recht niedergeschlagen und orientierungslos, als er an einem Abend in New York eine Bar betritt, wo gerade Stand-Up Comedy stattfindet. Und weil er kein Bargeld für die Eintrittsgebühr dabei hat, lässt er sich kurzerhand selbst auf die Teilnehmerliste setzen…

Stand Up Comedy als Krisenbewältigung, das ist mal eine gute, erfrischende Idee. Dieser peinliche Moment, wenn man erstmals auf eine Bühne geht, etwas lustig sagen soll, gar nichts vorbereitet hat, und einfach zu reden beginnt, von seinem Leben erzählt. Und irgendwie funktioniert es und Alex hat Blut geleckt und plötzlich eine neue Leidenschaf in seinem Leben entdeckt. Die Dialoge dieses Filmes sind überhaupt hervorragend. Sie umschiffen gekonnt die Stereotypen, die gerne gebracht werden, wenn von Ehekrise, Beziehungsproblemen, Kommunikationsschwierigkeiten erzählt wird, und eröffnen oft ganz neue Blickwinkel.

“Leider” ist allerdings Bradley Cooper der eigentliche Star hier, der den besten Freund von Alex spielt, und den wir erst vor zwei Jahren als Leonhard Bernstein gesehen haben, wie er in der Sonne sitzt und uns mitteilt: “If summer does not sing in you, then nothing sings in you”. Hier ist es komplett crazy, er spielt einen richtigen Exzentriker, dabei aber warmherzig und erstaunlich ehrlich zu sich selbst. Wie er geht, wie er schaut, wie er seine Sätze spricht, es ist so amüsant, eine Freude, ihm zuzusehen. Oder wie jemand auf Letterboxd schreibt: “And if I said Bradley Cooper als Balls is one of the best supporting performances of the year? What then?” Es ist so.

Ich habe aber nicht alle Entscheidungen bei diesem Film verstanden. Irgendwie ist mir Will Arnett unsympathisch, gut das ist mein Problem, harhar. Ein größeres Ding ist, dass die Hauptdarsteller zu alt für ihre Rollen sind. Ja okay, Menschen bekommen heute später Kinder. Tess war noch dazu Spitzensportlerin gut und schön. Aber mit fast 60 Jahren Kinder im Volksschulalter zu haben, come on. Das führt zur skurillen Situation, dass die Großeltern dieser Kinder gefühlt auch nur einen Hauch älter als die Eltern sind. Und ich verstehe das nicht: Wieso muss dieses Paar so kleine Kinder haben? Wäre es nicht viel spannender, einmal ein Paar zu zeigen, dass sich im Zuge des Empty Nest Phänomens trennt, ein Feld, das noch nicht so sehr beackert ist?

Tatsache ist aber, ich will noch viel mehr Filme von Bradley Cooper sehen, in denen er Regie führt und mitspielt. Und ich habe keine Ahnung, welchem Stoff er sich als nächstes widmen wird. Da kann im Prinzip alles kommen und ich bin an Bord.

Sunny Friday

Endlich T-Shirt Wetter und nachdem ich am Wochenende arbeiten muss – zwar auch in der Sonne, aber trotzdem – war ich heute mit L. essen. Sollte langsam zur Vapiano Spokesperson werden, glaube ich. Aber wie üblich unbezahlte Werbung.

L. hat Spargelpasta probiert, und ich habe bei ihr gekostet, ich glaube, das traue ich mich auch nächstes Mal. Zum Tiramisu gabs heute eine Erdbeere dazu, sehr nett. Haben über die bevorstehende Matura unserer Kinder gesprochen, noch sind wir nicht nervös, harhar. Danke außerdem für den irre guten Tipp, was die Installation von der ID Austria auf meinem neuen Handy betrifft, den ich gern weitergebe, weil ich dran gescheitert bin. App einfach löschen und neu installieren, läuft.

Am Abend ging es ins gestern (!) neu eröffnete Bellaria Kino hinter dem Volkstheater, das jetzt seit 2019 wegen Renvierung geschlossen war. Sieht ja wunderschön aus, sowohl von außen als auch von innen, allerdings ist es drinnen ziemlich dunkel und man wird mit clubartiger Musik beschallt, das gefällt mir nicht so gut. Ich will nicht so gerne in ein Kino gehen, das cooler ist als ich, da kann ich gleich das Schikaneder besuchen, harhar.

Sehr schönes Bellaria-Kino neu

Ein Kunstfoto vom Foyer:

Aber der Saal selbst war nett und gemütlich. Der isländische Film The Love That Remains allerdings ein ziemlicher Metaphernfriedhof. Und dagegen habe ich per se jetzt nichts, aber es wäre schon schön, wenn man den Zuschauern auch die Möglichkeit gibt, diese irgendwie enträtseln zu können.

Dann in der lauen Abendluft heimgegangen. Schön.

The Drama

Diesmal hat es Kristoffer Borgli geschafft und aus einer echt spannenden Prämisse auch einen ziemlich guten Film gemacht. Noch mal zur Erinnerung die Ausgangslage:

Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) sind ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit steht. Bei einem Probeessen mit dem befreundeten Paar Rachel (Alana Haim) und Mike (Mahmoudou Athie), die auch die Trauzeugen sind, hat Rachel die Idee, dass jeder der Anwesenden das Schlimmste erzählen soll, was er jemals getan hat. Nachdem alle von ihren nicht so besonders netten Geschichten berichtet haben, die aber irgendwie als “Jugendsünde” durchgehen können, kommt Emma an die Reihe. Und was Emma erzählt ist… ARG

ACHTUNG SPOILER – ABER DAS GEHEIMNIS AN SICH WERDE ICH NICHT VERRATEN

Es ist starker Tobak. Es ist definitiv nichts, was man so einfach wegwischen kann. Deshalb stürzt Charlie auch zurecht in eine gewisse Krise, bei der er hinterfragt, ob er Emma mit diesem neuen Wissen überhaupt richtig kennt und in Folge dessen: ob er sie noch heiraten kann oder will.

Ich mag an diesem Film, dass Borgli wirklich ein Thema anrührt, wo die meisten Menschen nachzudenken und zu diskutieren beginnen. Mir ging es auch so. Weil es eben nicht nur eine Handlung im Affekt war, wo man halt einmal eine Aussetzer hatte, sondern es geht viel viel tiefer. Und der Diskurs, der seitdem auf Social Media geführt wird, ist auch interessant. Die Entscheidung nämlich, dass hier eine Frau ein solches Bekenntnis ablegt, sorgt für, würde ich sagen, mildernde Umstände und manchmal sogar Verständnis, weil es ist ja schon 15 Jahre her und wer hat nicht seltsame Ideen als Jugendlicher. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Diskurs in eine komplett andere Richtung gehen würde, hätte Charlie dieses Geständnis gemacht, vor allem in der heutigen Zeit der viel zitierten “toxischen Männlichkeit”. Und insofern finde ich schon alleine diese Doppelstandards sehr bemerkenswert.

Ich glaube, das ist der erste Film, wo mir Pattison richtig gut gefällt, Zendaya noch besser und am prägnantesten ist vielleicht Alana Haim – die auf Social Media auch schon leidenschaftlich gehasst wird, ein gutes Zeichen – als “bitchy” Freundin nämlich, die sich nach dem von ihr initiierten Outing als eine Art höhere moralische Instanz generiert. Das ist zuweilen wirklich unangenehm anzuschauen, weil sie sich in keiner Weise darum bemüht, herauszufinden, warum Emma das getan hat, sondern nur scharf darüber urteilt. Und natürlich hat Rachel diesen ultranetten und verständnisvollen Mann, der immer versucht, auszugleichen, er hat mir ein bisschen leid getan harhar.

Ist das die Rückkehr der RomCom mit einem Twist? Ja schon. Denn dieser Film ist abseits dieses großen Themas stellenweise wirklich auch süß und ziemlich witzig, ich sage nur Hochzeitsfotografin, die ein vollkommen derangiertes Paar vor sich hat (ohne natürlich den Grund zu kennen) und Stimmung machen soll oder auch die Szene mit Charlies Assistentin, der er sich anvertraut, was in einer ziemlich bizarren Situation endet. Jedenfalls ist das Borglis stringentester Film bis dato und nicht so zerfasert und nihilistisch wie die Vorgängerwerke.

P.S Heute hab den Film mit den Kids nochmal gesehen. Gefällt definitiv auch der U20 Zielgruppe.

Project Hail Mary

Hier kommt nun der Überraschungsmegaerfolg des bisherigen Jahres, der bereits 420 Millionen Dollar eingespielt hat und wie alle wissen, bin ich ja ein großer Blockbuster-Fan, harhar. Aber an dem Film gibt es tatsächlich kein Vorbeikommen und prinzipiell tut es dem Kino gut, wenn viele Menschen ein solches besuchen. Project Hail Mary (zu deutsch: Der Astronaut) ist die Verfilmung des gleichnamigen Roman von Andy Weir, der ja mit The Martian schon mal ein später verfilmtes Buch verfasst hat, wo ich den Film sehr mochte.

Wieder einmal muss die Welt gerettet werden. Grob gesagt, ist durch eine Art intergalaktische Pandemie die Sonne vom Sterben bedroht und somit auch die Menschheit. Lediglich ein Stern im Sonnensystem ist anscheinend immun, weshalb die Taskforce der Vereinten Nationen unter Leitung der ostdeutschen Eva Stratt (Sandra Hüller) ein dreiköpfiges Team, Kapitän, Techniker und Molekularbiologe auf diesen Stern schicken möchte, um die Situation zu untersuchen. Der Haken daran: Rückfahrtticket gibt es aus logistischen Gründen keines. Ryland Grace (Ryan Gosling), der eigentlich Biologielehrer ist, aber eine der Materie verwandte und dem damaligen wissenschaftlichen Konsens widersprechende Masterarbeit verfasst hat, wird als externer Berater angeheuert, um diese Mission von der Erde aus zu begleiten…

ACHTUNG SPOILER MÖGLICH

Und es ist jetzt kein großer Spoiler, dass dieser Ryland letztendlich nicht auf der Erde bleibt, weil sonst würde der Film nicht Der Astronaut heißen, harhar. Ryland ist nachvollziehbarer Weise ganz und gar nicht einverstanden, er sagt – was nur im englischen Original funktioniert: “I am not an Astronaut. I put the “not” in Astronau(o)t.” Und hier muss man sagen, trifft der Film eine absolute Anti-Mainstream/ All-American-Hero Entscheidung und das hat natürlich meine vollste Sympathie, weil es den Film, die Figur so viel interessanter macht. Wie es dazu kommt, dass Ryland im All landet, das ist nämlich mehr Arthouse-Denke, und ich werde es jetzt nicht verraten, da Menschen in meinem Umfeld diesen Film noch immer nicht gesehen haben. Looking at you, A., weshalb ich auch meine absolute Lieblingsszene nicht spoilern kann. Zweite Anti-Mainstream Entscheidung: Es gibt keine Liebesbeziehung zwischen Protagonistin und Protagonist. Auch die Erzählweise des Filmes ist nicht linear, aber gut zu verfolgen.

Apropos Protagonisten. Pia Reiser hat im fm4 Filmpodcast zwei spannende Dinge gesagt: Erstens, sie verstehe nicht, wieso sich so viele Menschen für den Weltraum interessieren (harhar) zweitens, schon vor einiger Zeit: “Ich fürchte, wir verlieren Ryan Gosling an die Ironie”. Ryan Gosling war ja am Anfang seiner Karriere in düsteren bis absolut pessimistischen Feel Bad Movies unterwegs, von denen ich selbst nicht alle gesehen habe, weil ich das nicht aushalte. Aber aus der Indie-Ikone wurde spätestens mit La La Land jemand, der sich selbst auch gerne mit Augenzwinkern inszenierte, bis dann halt irgendwann gar nichts mehr Dunkles übrigblieb. Gosling ist aber, das zeigt dieser Film wieder, wirklich super darin, einen so richtig in die Handlung mitzuziehen, denn Project Hail Mary ist über weite Strecken eine One Man Show (plus naja Alien).

Sandra Hüller wiederum schickt sich an, als Deutsche eine Christoph Waltz-artige Karriere in Hollywood zu machen, nur hat sie ein bisschen mehr schauspielerische Range als dieser. 2023 wurde sie bereits für Anatomy of a Fall für den Oscar nominiert und spielte auch im Holocaustfilm done different The Zone of Interest die Frau eines hochrangigen Nazis. Hier ist sie eine ostdeutsche Wissenschafterin, und es ist so angenehm, einmal jemand zu sehen, der nicht operiert/gebotoxt/sonstiges ist und einfach ein “normales” Gesicht hat. Hüllers Mitwirken hier soll unterstreichen, dass diese Weltrettungsmission nationenübergreifend ist, weshalb am hier bereits erwähnten Karaokeabend auch Wind of Change und Pata Pata gesungen wird.

Insgesamt ist Project Hail Mary (was übrigens so viel heißt wie Himmelfahrtskommando) ein Sci/Fi-Wissenschaft-light Film, auch für nicht-Nerds nachvollziehbar, bildgewaltig, höchst unterhaltsam, erstaunlich rührend und voller popkultureller Referenzen (man beachte Rylands Cats T-Shirt) Auch wenn man zuweilen eine Menge Suspension of Disbelief braucht – die Szene in der Ryland im All aus einer Art Koma erwacht hat wahrscheinlich so viel mit medizinischen Realitäten zu tun wie Geburtsszenen im Film und TV und übrigens wie duscht man im All? – hat mich dieser Film echt positiv überrascht.

Blue Moon

Bei der letzten Viennale liefen gleich zwei Filme des Regisseurs Richard Linklater und aus Termingründen konnte ich nur einen besuchen. Ich habe mich damals für Nouvelle Vague entschieden, den wir zu viert von Uncut sahen und der uns sehr gut gelaunt aus dem Gartenbaukino gehen ließ, weil er das Kino gefeiert hat und einfach so ein Konsens-Film ist, der nicht aneckt. Ich habe aber zugegebenermaßen auch keinen weiteren Tag über Nouvelle Vague nachgedacht. Nun kam der zweite Linklater Film in die Kinos und zwar Blue Moon.

Wie es so schön im Trailer heißt: Der Beginn des legendären Komponisten/Texter Teams Rodgers and Hammerstein ist gleichzeitig das Ende von Rodgers und Hart. Und eben dieser Lorenz Hart (Ethan Hawke), der Texter von unter anderem Blue Moon (und My funny Valentine und The Lady is a Tramp…) ist die Hauptfigur dieses Films. Wir erleben ihn in der Bar des bekannten New Yorker Restaurant Sardi’s nach der Premiere des ersten Rodgers/Hammerstein Musicals Oklahoma!, wie er dem Bartender, dem Pianisten und praktisch jedem, der es hören will, von seinen Ansichen zu Kunst, Kultur, der Liebe und seinem patscheren Leben erzählt…

Das Kammerspiel – ja Blue Moon spielt fast ausschließlich an diesem Abend in einer Bar – startet fulminant. Lorenz Hart betritt das Etablissment und beginnt zu reden. Schnell wird klar, dass er die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Umfelds wie die Luft zum Atmen braucht, doch dieser Abend ist nicht sein Abend. Es ist der Abend von Oklahoma! oder wie er pointiert-bissig formuliert: Ein Stück, dass ein Ausrufezeichen im Titel trägt ist unbedingt zu meiden. Und dann gleich der selbstironische Hinweis, ja, aus ihm spreche auch der Neid. Weiter geht es mit der klugen und witzigen Analyse der gegenwärtigen Kulturszene bis hin zu “Bester Satz in Casablanca“, “Schlechtester Satz in Casablanca” – ich persönlich liebe ja so etwas.

Aber Hart ist nicht nur witzig und klug, natürlich ist er auch eine gebrochene Persönlichkeit, alkoholabhängig, frustriert über seinen Körpergröße, sein schütteres Haar, sein Unglück in der Liebe – hier in Gestalt von Elisabeth (Margaret Qualley), sonst aber wohl auch seine eigentliche (?) Homosexualität betreffend, zu der er sich nicht bekennen mag/kann. Und wie dieser Film diese Balance zwischen Humor und tiefsten Schmerz schafft, das ist schon außergewöhnlich gut. Außergewöhnlich gut ist auch Ethan Hawke, der hier wenn schon nicht bis zur Unkenntlichkeit, dann doch bis zu einem Punkt gestylt wurde, an dem man als Zuseher vergisst, dass man hier Hawke zusieht, den man ja eher als flott-feschen Gen X’ler im Kopf hat und nicht als äußerlich unscheinbare Ikone der 1920, 1930-er Jahre.

Der Illusion, dass das doch noch ein gutes Ende nimmt mit Lorenz Hart, dass sein großes Talent über die Sucht und Selbstzweifel siegt und das auch er einen so großen Erfolg wie sein Partner Rodgers (ein freundlich-aalglatter Andrew Scott) erlebt, die nimmt uns Regisseur Linklater schon in der ersten Szene. Denn tatsächlich hat Hart diesen Abend nur noch um ein paar Monate überlebt und sein Ende mit nicht einmal 50 Jahren ist so verlaufen, wie es zu befürchten war. Linklater hat ihm mit diesem Film ein schönes, berührendes Denkmal gesetzt.