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Gentle Monster

Worum geht es also genau? Die Musikerin Lucy (Lea Seydoux) ist mit ihrem Mann Philipp (Laurence Rupp) und Sohn Johnny kürzlich aufs Land, in ein Dorf in der Nähe von München gezogen. Philipp, der in der Filmbranche arbeitet, erholt sich von einem Burnout, doch das idyllische, naturnahe Leben wird je von einem Polizeieinsatz unterbrochen. Philipp muss den Beamten aufs Kommissariat folgen. Die entgeisterte Lucy versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, wieso Philipp verhaftet wurde…

ACHTUNG MÖGLICHE SPOILER

Es tut mir leid, aber ich war von so vielen Dingen in diesem Film so enorm irritiert, die im Grunde gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, dass es mir schwerfiel, wirklich in Gentle Monster einzutauchen.

Lucy ist Pianistin und Sängerin, aber ihr Fach ist nicht die Klassik, nein, sie tritt mit Popsongs der 1980er und frühen 90er Jahre in Konzertsälen auf und die konservativ gekleideten Menschen jubeln ihr zu. Ich mein, ich liebe Popmusik dieser Zeit, aber: Wie? Warum? Der Song, mit dem der Film eröffnet wird, ist Would I Lie to You von Charles und Eddie, den ich überhaupt nicht liebe, der mir schon 1992 extrem auf die Nerven gegangen ist und der hier irgendwie für mich die Funktion hat, uns darauf zu stoßen, dass in diesem Film hier irgendwer lügt, das aber bestreitet. Später singt sie Boys Don’t Cry, einen wesentlich bessern Song von The Cure. Und Pia Reiser sagte im fm4 Filmpodcast, über the Cure wurden circa 800 Feuilletontexte geschrieben und über Charles und Eddie keiner – ja, das hat auch einen Grund, harhar.

Zweitens hat mich dieses Sprachgemisch sehr gestört. Lucy ist Französin und spricht fast nur französisch, versteht aber recht viel auf deutsch, antwortet aber dann in der Muttersprache. Dazwischen sprechen die Leute auch noch englisch. Drittens sagt Philipps Mutter einmal über ihren Sohn: “Er arbeitet zuviel”. Lucy: “Er baut sich etwas auf.” Wir sehen Philipp im Film aber praktisch nie irgendwas arbeiten. Viertens: Lucy zieht mit Johnny vorübergehend zu ihrer Mutter (übrigens Catherine Deneuve). Eines Abends sitzen sie auf dem Sofa und Lucy legt sich der Mutter auf den Schoß und weint und die Mutter sagt: “Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.” Was? Nur weil die circa 40 jährige Tochter mit dem kleinen Enkelsohn auf einmal bei dir einzieht, wortkarg ist und irgendwann anfängt zu weinen, ist gleich was nicht in Ordnung? No shit, Sherlock. Fünftens: Wieso heißt der Sohn einer Französin und eines Altausseers ausgerechnet Johnny.

Ich weiß, das klingt alles total kleinkariert, aber ich habe mir hier mit ganz viel Details einfach schwer getan. Der Film an sich war für mich wie eine überlange Tatort-Folge, vermutlich kann man einen Film über so ein Thema auch nicht gänzlich anders drehen. Weil das alles auch irgendwie zu ernst ist, für irgendwelche Experimente. Gegen Ende wurde Gentle Monster für mich aber zugegebenermaßen doch noch interessanter, weil es gab eine Rückblende, die ein bisschen diesen Ermittlungs-Duktus unterbrach und der Moment, als Lucy herausfindet, dass Philipp sie angelogen hat, war wirklich spannend inszeniert.

Im fm4 Film Podcast haben mir zwei Aussagen von Marie Kreutzer sehr gut gefallen. 1.) Sie hat Laurence Rupp besetzt, weil er als Schauspieler und Mann nichts mysteriöses hat, man kann in ihn nichts Dunkles hineinlesen. Das wollte sie vermitteln, dass er eben nicht wie ein “Verbrecher” wirkt. 2.) Bei Lucy ist mir das besonders aufgefallen, dass sie im Film ein Kleid trägt, das eine Spur zu klein und kurz ist. Kreutzer meinte, die Kostümbildner wollen das ja immer vermeiden und eine Nummer größer kaufen, aber: “Wir tragen alle mal Sachen, die uns ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß sind. Oder wir tragen auch einmal etwas, was uns eine Stylistin vermutlich nicht angezogen hätte. Das ist das Leben.” Das fand ich sehr sympathisch.

Gentle Monster, Vorrede

Bevor ich etwas zu Gentle Monster, den neuen Film von Marie Kreuzer mit dem sehr aktuellen Thema Pädokriminalität sage, muss ich ein paar Dinge erwähnen.

2022 war ein schwieriges Jahr für mich. Mach was dir Freude macht, hieß es. Aber was machte mir Freude? Ich wusste es nicht mehr. Irgendwann im Dezember, als das Jahr quasi schon verloren war, ging ich dann einmal alleine ins Kino und sah Corsage, einen Film von Marie Kreutzer, ein neuer Take zur Kaiserin Elisabeth. Und da dachte ich mir zuerst, braucht es das noch? Wir haben gefühlt alle Klischees zu Sissy/Sisi wie auch immer durch, wir haben aber auch alle Antiheldin Erzählungen erzählt bekommen, inklusive eines erfolgreichen Musicals – so schien es mir zumindest. Und dann sah ich Corsage und war ganz begeistert über diesen frechen, artifiziellen Film, der doch nochmal eine andere Perspektive aufmachte. Sogar Manuel Rubey fand ich toll, der den überheblich-prätentiösen Ludwig den Zweiten spielte, eine Traumrolle für ihn harhar.

Na gut und dann war der Teichtmeister Skandal. Zuerst tat mir Marie Kreutzer und ihr Team wirklich leid, weil der Film natürlich unter den Ereignissen litt und das wirklich nicht verdient hatte. Die Hausdurchsuchung bei Teichtmeister fand erst nach Drehschluss statt. Dann allerdings äußerte sich Kreutzer ziemlich patschert über einen anderen Darsteller von Corsage, zu dem es auch metoo Vorwürfe gab. Nämlich ja, sie habe von den Gerüchten gewusst, auch schon während der Produktion, aber es gäbe Verträge und Partner, und man kann nicht jeder unter vorab-Verdacht stellen ohne Fakten und sehr viele Menschen quasi arbeitslos machen. Das fand ich zwar durchaus nachvollziehbar, aber dasselbe gilt halt dann auch für alle anderen Filmemacher genauso.

Wie auch immer, der Nachfolgefilm zu Corsage beschäftgt sich mit einem Pädokriminellen – die Idee hatte Kreutzer aber schon 2021 zur Filmförderung eingereicht, also vor der Teichtmeister Sache. Und hier muss ich leider sagen: Der Film hat mich nicht erreicht. Aber ich fand wiederum den fm4 Podcast mit Marie Kreutzer zu Gentle Monster ungeheuer interessant und reflektiert, es war ein so spannendes Gespräch, das hat mich wiederum sehr positiv für die Regisseurin eingenommen.

Also durch und durch ambivalent, aber so ist das Leben eben auch manchmal. Bald dann noch mehr zu Gentle Monster.

Vaterland

Derzeit gibt es recht viel interessantes im Kino zu sehen, vorige Woche habe ich mir Vaterland, den neuen Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, angesehen.

In diesem Film geht es um eine Reise des Schriftstellers Thomas Mann (Hanns Zischler) durchs Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949, die ihn gemeinsam mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) zurück in seine Heimat führt, nachdem er 15 Jahre im Exil verbracht hat. Sowohl in Frankfurt am Main, das von den Westalliierten besetzt ist, als auch ein Weimar – dort sind die Sowjets – bekommt er den Goethe-Preis verliehen und soll Reden zum 200 Geburtstag des Dichters halten, gleichzeitig aber auch Stellung zu Deutschland beziehen.

SPOILER GIBT ES HIER NICHT WIRKLICH

Das klingt ja alles ziemlich interessant, gerade für eine Germanistin und die Bildsprache von Pawlikowski ist tatsächlich meisterhaft. Meisterhaft akademisch zumindest, hier ist alles sehr korrekt, sehr reglementiert, sehr akkurat, so als wollte Pawlikowski uns zeigen, wie Deutschland nach Kriegsende fast verzweifelt versucht, wieder eine neue Art von “Ordnung” zu schaffen. Dafür wird auch Thomas Mann gerne ja man kann sagen instrumentalisiert, er soll eine Rolle spielen, als moralische Instanz, die für ein neues Deutschland steht, die dem Land wieder eine Daseinsberechtigung gibt, geläutert und sich auf ihre alten Tugenden besinnend. Gleichzeitig zeigt uns Pawlikowski die Ambivalenz von Mann, der sich gar nicht mehr heimisch fühlt in diesem Deutschland, der außerdem zwar für das Wort steht, nicht aber für die Emotion. Und dem es letztendlich nicht einmal gelingt, in seiner eigenen Familie Harmonie oder zumindest Ausgleich zu schaffen.

Pawlikowski zeigt das exemplarisch am Suizid vom ältesten Sohn Thomas Manns, Klaus (August Diehl), der eine besonders enge Beziehung zu Erika hatte. Und hier hat der Regisseur einige künstlerische Freiheit walten lassen, denn der Tod von Klaus fand im wirklichen Leben bereits einige Zeit vor der Reise statt und die Reise hat Thomas tatsächlich gar nicht mit Erika, sondern mit seiner Ehefrau Katia unternommen. Ich finde solche eigenmächtigen Entscheidungen in einem Film, der so viel Authentizität vermitteln will und der so bekannte Personen porträtiert ehrlich gesagt immer ein bisschen schwierig. Und ein wenig habe ich auch den Eindruck, dass die Entscheidungen deswegen getroffen wurde, um dem Film irgendeine Art von Dramatik und Dringlichkeit zu geben, denn es passiert quasi sonst nichts.

Ich habe an sich kein Problem mit Filmen, in denen nichts besonderes passiert, wenn sie einen anderen Mehrwert haben, wenn sie Stimmungen vermitteln, Atmosphäre, wenn sie interessante Dialoge haben oder von Details leben, mir die Charaktere der Protagonistinnen und Protagonisten vermitteln. Doch hier bleibt einem alles fremd und seltsam auf Distanz, nicht nur dieses Nachkriegsdeutschland, auch die Manns. Pawlikowski macht also zwei breite Themenbereiche auf, holt aber aus beiden für mich ziemlich wenig heraus und das finde ich ein bisschen schade. Die Schauspielerinnen (wieder einmal Sandra Hüller!) und Schauspieler sind nämlich gut, aber sie bekommen ziemlich wenig zu tun.

Ich bin aber mit diesem Befund eher alleine, ich glaube, die meisten anderen Menschen konnten mit Vaterland mehr anfangen als ich.

Sowieso und überhaupt

Heute war ich bei der Pressevorstellung der Nöstlinger Dokumentation Sowieso und Überhaupt. Fast wäre ich zu spät ins Filmhaus gekommen, weil die S-Bahn, die an sich wieder bis zum Praterstern fährt, einfach fast 20 Minuten Verspätung hatte, ich sags euch.

Letztendlich ist es sich aber doch noch ausgegangen und ich konnte sogar noch ein Foto von mir machen – nein, das war am Rückweg.

Die Röcke werden länger und bald sind wieder Hosen angesagt, aber heute noch nicht

Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich schon was dazu sagen darf, ein Embargo habe ich nicht unterschrieben, aber eines kann ich zumindest verraten, Christine Nöstlinger erzählt in diesem Film in einem Interview, dass sie, Jahrgang 1936, in der privilgierten Situation war, von ihren Eltern nicht geschlagen zu werden, was damals eher eine Seltenheit war.

Da habe ich mir gedacht, mein Papa, Jahrgang 1941, wurde auch nie geschlagen, meine Großeltern, bei denen ich dann ja auch zum Teil aufgewachsen bin, haben Gewalt immer komplett abgelehnt. Öfters hat mir meine Oma, Jahrgang 1919, die Geschichte erzählt, als sie in der Volksschule war und den Federstiel, mit dem damals geschrieben wurde, gespalten hat, weil sie krank war, als der richtige Umgang damit gelehrt worden war. Daraufhin hieß es trotzdem “Hände auf die Bank” und sie wurde mit dem Rohrstab ja, verdroschen. Sie hat das dann am Abend ihren Eltern gesagt, aber es war ja damals quasi “üblich” und viele Eltern fanden das auch okay so, dass Lehrer diese “Erziehungsmethoden” anwendeten. Nicht so ihr Vater, mein Urgroßvater. Der ging am nächsten Tag in die Schule, hatte sich extra einen Anzug angezogen, suchte den entsprechenden Lehrer auf und sagte ihm, wenn er bei meiner Oma nochmal den Rohrstab einsetzt, werde er ihn anzeigen. Und meine Oma war so gücklich und stolz auf ihren Papa, dass der einfach so in die Schule marschiert ist und sich das im Niederösterreich der 1920er Jahren getraut hat. Sie wurde tatsächlich nachher niemals wieder geschlagen.

Und auch wenn meine Familie so als gesamtes ähnlich kompliziert war, wie jede andere Familie, muss ich doch sagen, eine Gewaltradition gab es in direkter Linie nicht, wenn wir jetzt einmal von den Giftmördergeschichten in den Nebenlinien absehen hahar.

Wie schön ist der Himmel überm Spittelberg und der Spittelberg selber?

So, erfolgreich das Geheimnis um den Film bewahrt harhar, mehr dann bald bei Uncut.

The Dog Stars

Der bald 89-jährige Ridley Scott, bekannt für Werke wie Blade Runner, Alien oder Gladiator, der oft einen recht pessimistischen Blick auf die Welt und die Menschheit hat, hat einen post-apokalyptischen Film gedreht, der sich The Dog Stars nennt, zu “deutsch”: Das Ende der Sterne, nach dem Titel der Buchvorlage.

Der Mechaniker Hig (Jacob Elordi), ansässig in Colorado, ist einer der Überlebenden einer großen Pandemie, sein Hund Jasper immer an seiner Seite. Er hat sich mit dem Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) zusammengetan, obwohl die beiden praktisch nichts gemeinsam haben, sie sind eine Zweckgemeinschaft in einer Welt, in der es kaum mehr Hoffnung gibt. Als Hig bei seinen Erkundungsflügen ein Funksignal erhält, glaubt er, dass es anderswo vielleicht eine bessere Zukunft geben kann…

SPOILER MÖGLICH

Man sollte sich von diesem Plakat nicht täuschen lassen. Jacob Elordi als Hig, eine Idealbesetzung für einen jungen melancholischen Mann, der vom Schicksal gezeichnet ist, steht zwar im Vordergrund mit dem Gewehr, er schießt aber tatsächlich, glaub ich, nie in diesem Film. Das macht hauptsächlich Josh Brolin, weil dafür wurde er typ-gecastet. Harhar. Aber tatsächlich wird in diesem Film überhaupt eher wenig gekämpft. Die Sache ist nur die: Wie nach Corona (natürlich die viel harmlosere Krankheit) stehen sich auch hier nach dieser Pandemie die Menschen sehr vorsichtig bis feindlich gegenüber. In diesem Fall, weil die Ressourcen schrumpfen, weil das Hab und Gut erobert oder verteidigt werden muss, weil es kaum eine Zukunft zu geben scheint.

Das Schöne an diesem Film ist, er ist über weite Strecke extrem langsam, fast elegisch erzählt. Hig fliegt mit seiner Cessna herum, die Natur hat Territorium zurückerobert, es ist, wenn man so will, die ganz große Entschleunigung eingetreten. Leider auch die ganz große Hoffnungslosigkeit. Denn die Überlebenden existieren zwar, aber viele andere Menschen scheint es nicht mehr zu geben und auch keine wirkliche Zukunft. Für Bangley reicht das, er will einfach nur irgendwie weiter leben. Da kann man reflektieren, was macht Leben eigentlich aus? Warum hängt man daran, wenn man fast alles verloren hat? Ist es genug, die Grundbedürfnisse zu erfüllen und kaum etwas darüber hinaus zu erleben, nur einen gewissen Status quo zu erhalten? Hig beschließt nein, lieber etwas wagen, anstatt weiterhin mit dem grantigen Bangley in halbwegs (!) sicheren Verhältnissen zu leben.

Mit seiner Reise nimmt der Film im wahrsten Sinn des Wortes Fahrt auf, es kommt für Hig nach einer Bruchlandung zur Begegnung mit Cima (Margret Qualley, die hier find ich ihrer Mutter Andie Mac Dowell sehr ähnlich sieht und wie immer super ist) und Pops (Guy Pearce, den ich nie erkenne, auch wenn ich ihn gut finde) und dann erlebt man zu dritt ein paar gefährliche und auch ein bisschen abartige Abenteuer und das ist ziemlich unterhaltsam, auf so eine Endzeit Art und Weise. Die tatsächliche Action – und ich bin kein großer Action Fan – ist mitreißend inszeniert und sieht nicht nach CGI aus. Eine Szene, die der Drehbuchautor der Buchvorlage eigenmächtig hinzugefügt hat, ist surreal und skurill, ich würde sie in diesem sonst ziemlich geerdeten Film nicht missen wollen.

Und nochmal ein extra Spoiler: Ridley Scott hat eine neue Botschaft für uns, und zwar wider Erwarten eine hoffnungsvolle. Wenn wir uns mit anderen zusammentun, und seien sie noch so gegensätzlich, wenn wir die Barrieren (auch in uns selbst) überwinden, dann sind wir stärker als alleine und auch glücklicher. Und das ist in Zeiten wie diesen gar nicht mal so banal wie man denken könnte.

Die Woche

Wie immer im September endet einiges und anderes beginnt (wieder).

Es war vermutlich einer der letzten Outdoor-Arbeitswochen, also sowohl am Laptop als auch im Garten selbst. Noch einmal Rasen gemäht – ich schwöre, nächstes Jahr kaufe ich einen neuen, weil der jetzige fällt fast auseinander, und ich packe es auch nicht mehr lange, 20 Meter Kabel hinter mir herzuziehen harhar. Der Pool wurde ebenfalls nochmals gereinigt, weshalb ich drinnen war, noch 27 Grad, richtig angenehm und trotz wirklich ausgedehnter Hitzewellen immer noch glasklares Wasser.

Außerdem war ich im Kino und habe mir The Dog Stars angesehen.

Bild/Text Schere, mein Film wird hier gar nicht angezeigt

Die ganze Welt so: Naja. Ich so: Hey ich mag das. Ein Film von Ridley Scott, der in post-pandemischen, post-apokalyptischen Zeiten spielt, klingt zwar grauenhaft, ist es aber meines Erachtens (!) überhaupt nicht, im Gegenteil. Pia Reiser meinte im fm4 Filmpodcast, dass er sogar witzige Momente hat. Man darf nicht vergessen, es gibt in der Welt dieses Filmes fast keine Menschen mehr, es gibt natürlich keine Kinos, keine Unterhaltungsmedien, auch keine Erwerbsarbeit, und trotzdem, so Reiser, liegt da das 1000 Seiten (und über 300 Fußnoten) Buch Infinite Jest von David Foster Wallace quasi unberührt auf dem Tisch. Also selbst wenn man auf der Welt gar nichts mehr zu tun hat außer sich ab und an vor marodierenden Banden zu verteidigen, kommt man nicht drauf, zur Zerstreuung dieses Buch zu lesen, harhar. Mehr zum Film dann bald.

Und heute endlich wieder mit L. frühstücken – so schnell, aber auch langsam sind zwei Monate vergangen.

Zweimal Egg Benedict und Cappuccino im Joseph

Eigentlich wollten wir ja durch die Stadt bummeln und uns ein Frühstückscafe suchen, aber es hat so geschüttet, dass wir dann doch quasi bei Wien Mitte geblieben sind. Das Egg Benedict war ausgezeichnet. Wir haben über unsere Sommer, unsere Kinder und uns selber geredet und es war so nett und lustig wie immer.

In Zukunft wieder öfter!

Aus Venedig

Jetzt mal was zu den Filmfestspiele in Venedig – es gibt übrigens schon Rezensionen zu den ersten Filmen dort auf Uncut zu lesen. Unter anderem stellen zwei Regisseure ihre neuen Werke vor, zu denen ich ein eher kompliziertes Verhältnis habe.

Erstens Danny Boyle. Der neue Film heißt Ink. Prinzipiell ein interessantes Thema, der Auftstieg der Zeitung The Sun in den 1960er Jahren. Aber, ich spreche offen: Ich mag das Gesamtwerk von Danny Boyle überhaupt nicht. Harhar. Sorry, aber es ist so, wird ihm auch zurecht wurscht sein. Ich kann mit seiner Art Filme zu machen einfach absolut nichts anfangen. Ob Slumdog Millionaire – einer der schlimmsten Oscar Sweeps überhaupt, meines Erachtens, und dabei mag ich Wer wird Millionär wie man weiß sogar sehr gerne. Ob 128 Hours, Trainspotting (ja auch der), Yesterday, oder auch Steve Jobs. Ich mag sie alle nicht, und lustigerweise aus ganz verschiedenen Gründen. Ich weiß noch, als Steve Jobs damals noch im TV lief und ich es parallel mit meiner Mutter schaute, whatsappte sie mir in der Werbepause: Das ist schon sehr anstrengend. Harhar. Trotz Michael Fassbender und Kate Winslet.

Endlich kann ich das Hollywood Zeichen aus dem Minimundus posten harhar

Zweitens: Martin McDonagh – auch nicht gerade mein Favorit. Obwohl ich seine Filme an sich besser finde, erzeugen sie bei mir immer ein länger anhaltendes Gefühl von Sodbrennen. 2022 zum Beispiel kamen fast nur echt schreckliche Filme heraus und einer davon war The Banshees of Inisherin. Der Trailer tat so: Haha lustig, zwei Männer, beste Freunde und einer von beiden will dem anderen jetzt die Freundschaft aufkündigen. Und es wurde so dargestellt, als wäre das eine leichtfüßige Bromance-gone-bad-Komödie. Nur war an diesem Film überhaupt gar nichts lustig, er war düster, bitter, dunkel selbst in den Nebenhandlungssträngen und auch dann, wenn sich die Menschen ausnahmsweise nichts Böses wollten (was eher selten vorkam) spielte ihnen dann noch das Schicksal übel mit. Oida.

Der neue Film von McDonagh heißt Wild Horse Nine und handelt von zwei Agenten auf den Osterinseln in den 1970er Jahren (Jössas) Und ich gönne John Malkovich, dass er bereits jetzt im Oscar-Geraune ist und ich werde mir den Film auch anschauen, aber mir schwant schon wieder Übles.

Was sonst noch geschah

Die Nachbarn aus Smarjeta 11 sind in Wien, wir haben uns leider im Rosental verpasst und so haben wir das Treffen im Katzencafe Neko in Wien nachgeholt, weil ihre Tochter liebt Katzen.

Neko heißt übrigens auf japanisch Katze, wie ich jetzt weiß. Das Cafe ist in einer schönen verwinkelten Ecke Wiens, in der Blumenstockgasse. Es ist von außen sehr unscheinbar, weshalb ich wieder mal vorbeigelaufen bin.

Ich glaube, das ist Sofie

Hier gibt es sieben Katzen in verschiedenen Formen und Farben Sie heißen Amy, Bella, Princess, Kasimir, Sofie, Ilvy und Milo. Wobei Milo (schwarz) hab ich persönlich nicht gesehen, Tarnfarbe womöglich.

Meine Bedenken, dass ich permanent Katzenhaare im Getränk haben werde (harhar) waren haltlos. Die Katzen machen großteils eh ihr eigenes Ding, haben viele Klettermöglichkeiten und Körbchen und nähern sich den menschlichen Gästen nur, wenn sie Lust dazu haben. Es gibt auch gewisse Verhaltensregeln, man darf sie nicht hochheben und nerven, was nachvollziehbar ist. Aber man darf sie streicheln, anschauen und auch fotografieren. Btw. lag der Frauenanteil in diesem Lokal, zumindest bei unserem Besuch, bei über 95 Prozent. Wir haben den Männer- und den Altersschnitt etwas angehoben.

Katze an Kuchenvitrine

Danach waren wir noch Essen, in einem anscheinend sehr neuen japanischen Lokal, Umai Ramen und Sushi.

Wunderschöner Blick nach draußen, auf die Schwarzenbergstraße

Bin ja nicht so der Spezialist der japanischen Küche, stehe dieser aber aufgeschlossen gegenüber, im Gegensatz zu vielen anderen Küchen (harhar), bin eher Purist.

Ich habe mich für Rindfleisch Bento und diverse Beilagen (Obst, Maki, Gurkensalat mit Alge) entschieden, was eine gute Entscheidung war und außerdem habe ich erstmals nur mit Stäbchen gegessen. Es war kein Besteck da und fragen wollte ich nicht. War gar nicht so schwierig wie ich mir das dachte.

Besonders hübsch und appetittlich serviert

Fazit: Es war wirklich sehr schön, dass wir uns gesehen haben. Hatten ein paar sehr lustige Stunden. Natürlich auch mit viel Kino-Content. Wir sehen uns teilweise wieder, bei der Viennale!

Sex and Death at Camp Miasma

So. Wie fang ich da an. Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist der dritte Film der nonbinären Person Jane Schoenbrun und der erste, den ich bisher gesehen habe.

Es geht um Kris (Hannah Einbinder), eine Filmregisseurin, die damit beauftragt wird, die legendäre (fiktive) Camp Miasma Horroflm-Franchise wiederzubeleben. In dieser Filmreihe geht es darum, dass Jugendliche, die ein Sommercamp besuchen, vom sogenannten “kleinen Tod”, der selbst als (trans) Kind ertränkt wurde und seitdem im See lebt und Rache nehmen will, abgeschlachtet werden. Kris soll die Franchise für die woke Gegenwart adaptieren, das heißt vor allem queerfreundlich neu denken. Für einen kreativen Gedankenaustausch trifft sie sich mit dem sogenannten final girl1 des ersten Camp Miasma Films, Billy (Gillian Anderson), die sich von der Schauspielerei zurückgezogen hat und alleine im Wald am Drehort der Filme (!) lebt….

ACHTUNG ORDENTLICHE SPOILER

Ich würde diesen Film als sehr intellektuellen Meta-Horrorfilm mit atemberaubenden Bildern bezeichnen.

Der Wald, in dem Billy wohnt, ist nämlich tatsächlich gemalt. Und zwar auf Glas, wie früher bei den Stummfilmen und verschmilzt dann vor der Kameralinse mit Aufnahmen echter Bäume. Und es sieht einfach wunderschön aus, vor allem, weil Kris diesen Wald erstmals betritt, als dieser tiefverschneit ist, was den traumhaften Eindruck noch betont. Auch darüber hinaus gelingt Schoenbrun eine Ästhetik zwischen 1980er Jahren Grobkörnigkeit und im wahrsten Sinn des Wortes leuchtendem Surrealismus. In einer Szene essen Kris und Billy Hühnchen und tunken diese in die typischen Fast Food Saucen ein, und alles wirkt hyperreal und übersexualisiert, ich mein, es ist immer noch Hühnchen harhar. In einer anderen Szene liegen die beiden vor dem Kamin, eingebettet in knallbunte Chips und Saure Drops Sackerl. Diese Bildwelt ist für mich ganz neu und kaum mit etwas anderem vergleichbar, ich fand das sehr faszinierend.

Der Film hat auch viel Mut: Die Figur der Kris – Schoenbrun sagt, sie selbst sei quasi Kris – lebt in einer polyamorösen Beziehung, erzählt Billy aber, dass dieses Partnerschaftsform sie nicht glücklich macht, dass der andere Partner ihrer Frau ihr extrem auf den Senkel geht und, dass sie an Sex selbst auch wenig Gefallen findet bzw. an dem, was sie als für sich “erlaubte” Fantasien definiert. Und hier ist schon sehr amüsant, wie Schoenbrun die woken Standards des politisch korrekten als extrem lustfeindlich dekonstruiert, wenn die primäre sexuelle Wunschvorstellung von Kris ausgerechnet die ist, dass der “kleine Tod” wie im Film auf sie lauert und sie “slashen” will, also eine absolut unkorrekte Gewaltfantasie. Und Billy bestärkt sie darin, diese Fantasie zuzulassen.

Die beiden Darstellerinnen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Wobei ich sagen muss, dass mir Hannah Einbinder bisher vor allem durch alle möglichen politischen Aussagen negativ aufgefallen ist – dieser Drang von Hollywood-Schauspielern, permanent wenig komplexe Statements zu sehr komplexen Themen zu tätigen, das geht mir auf den Senkel. Ich versuche aber, die tatsächliche schauspielerische Leistung davon zu trennen (und das ist weiß Gott nicht leicht) und in diesem Film hat mich Einbinder als verkopfte, zurückhaltend-kreative Frau tatsächlich voll überzeugt.

Das Manko, das dieser Film mit seinen dutzenden Eastereggs, Referenzen (von denen ich als kaum Horror-affine Person sicher wenig erkannt habe) und Metaebenen hat: Er befindet sich, ähnlich wie Kris, ein bisschen zu viel in seinem Kopf. Als Zuseher fühlt man sich ästhetisch eingelullt und intellektuell gefordert und das ist super spannend, aber man fühlt dabei relativ wenig. Es ist eher ein sehr schön bebildertes Thesenpapier als ein tatsächlich Film-Film. Und was den Horrofaktor betrifft: Natürlich ist dieser Film blutig, aber so überzeichnet und artifiziell, dass er weniger Grauen verbreitet, als herkömmliche Horrorfilme. Ich finde Camp Miasma ingesamt auf jedenfall sehenswert, weil es gäbe dazu noch ganz viel zu sagen. Und ich denke immer noch darüber nach.

—

  1. “Final Girl” nennt man in einem Horrofilm, vor allem in einem Slasher, die Frau, die am Ende überbleibt und überlebt ↩︎

Bye August

Gestern waren die Kids zu Besuch im Garten. Das war fein. Ich habe Pizza vom Italiener und Red Bull vom Billa geholt (unbezahlte Werbung), ich liebe die Nahversorger in meiner Pampa. Es gibt sogar eine E-Lade Station, auch so etwas, was in der letzten Zeit enorm wichtig geworden ist und gestern ebenfalls genutzt wurde.

Außerdem habe ich wie geplant das Burden Buch Fremde angefangen und ich lese es tatsächlich bisher gar nicht als Abrechnung, sondern eine Chronologie des (entsetzten) Staunens, was aus einer Beziehung, einer Ehe werden kann. Von einer Minute auf die andere ist alles vorbei und man kann nur hilflos zusehen, wie das eigene Leben ein anderes wird, ein anderes werden muss.

Am Abend dann noch kontemplatives Blumengießen. Als Jugendliche habe ich immer mit einem Buch in der Hand gegossen, weil ich es so langweilig fand, mittlerweile kann ich dabei super entspannen.

Der Garten in seiner spätsommerlichen Verwilderung

Heute bin ich mit einer WhatsApp Nachricht aufgewacht, ob ich “auf die Schnelle” einen Auftrag annehmen kann. Gibt es eine bessere Nachricht am Sonntag um 7.30? Wohl kaum. Aber ich war natürlich Willens und habe dafür dann gelesen: “Du rettest mich mal wieder”. Und dafür bin ich sehr empfänglich.

War aber dann dazwischen zweimal im Wasser, weil wer weiß wie lange noch. Das Wasser hat wieder 28 Grad und fühlt sich doch schon anders an, weil jedes Mal baden jetzt das letzte Mal sein kann und ich liebe diese Spätsommertage in ihrer Vergänglichkeit, weil sie nicht mehr diese Selbstverständlichkeit haben, sie lassen sich jetzt schon bitten.

Wegen der Arbeit habe ich einen Kinobesuch verschieben müssen. In der nächsten Zeit will ich The Dog Stars und Teenage Sex and Death at Camp Miasma sehen – manche Menschen, als ich ihnen das Plakat gezeigt habe: Ach du Scheiße! Harhar. Und ja, sehe ich eh auch so, es soll aber ein Meta-Meta Film sein, und darauf bin ich dann doch neugierig.

Morgen dann nochmal ein arbeitsmäßiger Vollgas-Tag und ich freue mich sogar darauf. Und dann ist der August schon wieder vorbei.