almis personal blog

Schwiegermutter

Ich habe jetzt das dritte Buch der schwedischen Autorin Moa Herngren gelesen. Sie widmet sich quasi ausschließlich den zwischenmenschlichen Problemzonen. Mit Geschwister, Scheidung und jetzt, fast das ärgste Thema harhar, Schwiegermutter.

In Schwiegermutter geht es am Asa, die ihren Sohn Andreas alleine großgezogen und ein enges Verhältnis zu ihm hat, da ihr Mann sie schon bald nach der Geburt verlassen hat. Nun ist Andreas erwachsen und zieht aufgrund eines Notfalls in seiner eigenen Wohnung mit seiner Freundin Josefin kurzzeitig zu Asa. Doch Asa und Josefin finden keinen Draht zueinander, eher im Gegenteil, und Andreas beginnt eine Therapie, um seine recht vaterlose Kindheit aufzuarbeiten. Dabei wandelt sich auch das formals gute Verhältnis zu Asa völlig…

Herngren hat, das kann ich jetzt nach dem dritten Buch sagen, ein bestimmtes Schema, ihre Romane zu gestalten. Sie erzählt die Geschichte zunächst mal aus der Perspektive der Hauptperson, hier die von Asa, und später kommen noch die anderen Beteiligten mehr oder weniger (hier eher weniger) ausführlich zu Wort und schildern ihre Perspektive. Das finde ich sehr interessant, weil es unsere gewohnte Lesersicht aufbricht. Denn normalerweise fühlen wir mit der Protagonistin mit und sehen alles aus ihrem Blickwinkel, solidarisieren uns vielleicht sogar ein bisschen mit ihr. Herngren zwingt uns quasi, diesen Standpunkt zu überdenken und gibt uns mit, dass es nicht nur eine Perspektive auf die Dinge gibt. Leider kommt speziell in diesem Roman aber die Gegenseite etwas zu kurz und es ist so eher schwierig, herauszufinden, was genau Asa tatsächlich “falsch” gemacht hat. Dafür ist hier das Ende ziemlich überraschend und erinnert uns daran, dass hinter Sein oft sehr viel Schein steckt.

Auch Schwiegermutter ist ein richtiger Pageturner, es gibt immer wieder Konfliktsituationen, Kontaktabbrüche, Schweigen und auch einigen Schmerz, und als Leserin möchte man gerne wissen, wie das alles weitergeht, das hat sicher auch mit einer gewissen Sensationslust zu tun. Aber ein bisschen ist das auch ein Kritikpunkt an ihren Romanen, zumindest für mich. Weil ich manchmal mehr über die Seiten fliege, als die jeweiligen Szene zu sein und die Stimmung voll einzusaugen. Wenn man es nämlich genau betrachtet, dann ist es auch ein bisschen repetitiv, was Herngren uns präsentiert, indem Asa sich immer wieder auf ähnliche Weise reflektiert, diese Reflexionen aber nicht über einen gewissen Punkt hinausgehen, auch nicht hinausgehen können, weil sie, wie wir alle, die Dinge eben nur aus ihrem Blickwinkel sehen kann, selbst wenn sie sich hinterfragt.

Generell kommt mir vor, dass das Thema Schwiegereltern und die Beziehungen zu den “angeheirateten” Kindern ein in der Literatur noch wenig beackertes, aber durchaus spannendes Thema ist, weil es sehr viele Facetten hat. Tragische Aktualität erhält dieser Themenkreis übrigens gerade durch den Suizid des Schauspielers RJ Mitte, dem – laut Internet Gossip – von seiner Verlobten eine Art Ultimatum gestellt wurde: Deine Mutter oder ich. Natürlich ein grausames Extrembeispiel, sofern die Gerüchte stimmen.

In meinem Herngren Ranking liegt übrigens der Roman Geschwister ganz vorne, der chronologisch auch der letzte dieser drei ist. Hier hat die Autorin ihren Stil schon perfektioniert.

Viennale – es geht los

Gestern ging das Viennale Programm online.

Es ist immer eine Herausforderung, die Filmbeschreibungen zu lesen, denn sie sind teilweise so artsy und umständlich formuliert, dass man nach dem Lesen auch nicht unbedingt mehr darüber weiß, worum es in dem jeweiligen Film eigentlich geht. Als ich mich so durchgescrollt und Filme markiert habe – es gibt da eine super Funktion “Wishlist”, wo man die Filme dann gesammelt als Übersicht hat – habe ich mir gedacht, irgendwie heuer eh nicht so viel, das ich interessant finde. Am Ende schaue ich dann in die Wishlist: 30 Einträge harhar. Wobei ich bei manchen Filmen auch mehrere Zeiten gespeichert habe. Weil man muss sich dann ja einen Terminplan erstellen.

Wenn ich jetzt meine Favoriten nennen sollte, also worauf ich am meisten neugierig bin, dann sicher auf The Debut von Jesse Eisenberg. Obwohl ich ja von seinem letzten Film A Real Pain quasi als Einzige nicht soo sonderlich begeistert war. Aber ich sehe sein Potential und in The Debut geht es um eine ganz normale, nicht mehr ganz junge Frau, die sich als Schauspielerin versucht und die Schwierigkeiten dabei, besetzt mit Juliane Moore (und Paul Giamatti) und das klingt schon ziemlich gut. Unbedingt sehen will ich auch den neuen Film von Ira Sachs, er heißt The Man I Love. Sachs’ letzten beiden Filme Passages und Peter Hujars Day fand ich super, zweiterer ziemlich Indie (=langsam erzählt, unspektakulär). Ich mag seinen Blick auf die Welt, seine visuelle Vision und nicht zuletzt die Themen, die Sinnlichkeit, oft geht es um “queere” Themen, aber nicht auf diese angestrengte woke Weise. Hier geht es um eine Aids-Erkrankung in den 1980er Jahren, weshalb ich mich auch ein bisschen fürchte, aber ich vertraue darauf, dass das kein Miseryporn wird.

Von Behemoth! – man soll sich ja vor Rufzeichen im Titel eher hüten – habe ich in der letzten Zeit viel gelesen; den Titel muss man erstmal googeln, also was das überhaupt bedeuten soll, aber auch das finde ich interessant. Es handelt sich offenbar um eine Art Musical und Pedro Pascal spielt die Hauptrolle. Pascal der, ich zitiere Pia Reiser vom fm4 Filmpodcast, “Vom Internet geliebt wird. Bisher aber tatsächlich noch keinen wirklich ganz guten Film gemacht hat.” Harhar. Er fällt auch immer eher durch politische Äußerungen auf als durch seine berufliche Tätigkeit, was ich ja – wie allgemein bekannt – extrem schätze. Not. In Behemoth! ist auch Eva Victor zu sehen, deren Regiedebut Sorry, Baby ich ganz fürchterlich fand, auch und speziell sie in der Hauptrolle. Aber alleine deswegen interessiert mich dieser Film schon. Es kann nur besser werden.

Auch viel zuviel außerberufliches hört man in der letzten Zeit von Javier Bardem, den ich als Schauspieler sehr mag oder zumindest bis jetzt mochte. In Bunker spielt er mit seiner Ehefrau Penelope Cruz. Als Architekt soll er einen Bunker für einen Tech-Milliardär bauen und auch über Tech-Milliardäre haben wir in letzter Zeit oft erzählt bekommen und es ist fast immer ziemlich öd und/oder ziemlich deppert harhar. Mal sehen. Optional habe ich zum Beispiel noch Echo Chamber gelistet, klingt vielleicht ein bisschen prätentiös. Und auch Succedera questa notte von Nanni Moretti – der wird auf der Viennale Homepage so beschrieben: “Vernünftig handeln die Figuren in Morettis Filmen selten.” Das kann gut sein, oder auch extrem mühsam. Dann gäbe es noch Heimsuchung mit Lars Eidinger oder Fjord, mit der tollen Renate Reinsve, aber ich glaube, den bekomme ich zeitlich nicht unter.

Und ab und zu kommt ja dann noch irgendeine überraschende Entscheidung meinerseits, ein Impulskauf quasi, zustande. Lasst euch überraschen.

Primetime

Primetime erzählt die Geschichte von Chris Hansen (Robert Pattinson), dem erfolgreichen Moderator der Show To catch a Predator, die tatsächlich ab 2004 einige Jahre auf NBC lief und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Pädophile und erwachsene Menschen, die mit Minderjährigen chatten und sich für Sex verabreden, vor laufender Kamera zur Rechenschaft zu ziehen. Mit seiner Produzentin Andie (Merritt Wever) und dem neuen Lockvogel Dan (Skyler Gisondo, was für ein Name!) schickt sich Hansen an, nicht nur zu einer Art moralischen Instanz zu werden – der Zweck heiligt quasi die Mitteln – sondern selbst auch weltberühmt zu werden…

Die große Zeit der Sitcoms ist vorbei. Seinfeld ist zu Ende gegangen, ebenso Friends, wie es im Film heißt. Auch die tollen Dramaserien sehen langsam einem Ablaufdatum entgegen. Es ist der Zeit der Realityshows mit all ihren Ambivalenzen und Kontroversen. To Catch a Predator soll gegen einen der letzten Publikumsmagneten programmiert werden, nämlich gegen Lost. Und die Show soll Chris Hansen reich, vor allem aber richtig berühmt machen. Denn er ist, sagen wir wie es ist, eine richtige Rampensau.

Der Titel des Films deutet schon darauf hin, dass der Aspekt der Pädokriminalität zwar auch eine Rolle spielt, es aber nicht wirklich um Kinderschutz und Recht geht bzw. nur als Nebenprodukt. Der Plan ist vielmehr, richtig erfolgreich zu werden. Und was es am Set von To Catch a Predator tatsächlich nicht gibt, ist so etwas wie die Stimme der Vernunft. Hier sagt niemand: Hey Moment einmal, was machen wir eigentlich und was sind unsere Motive? Was wollen wir erreichen? Ist hier irgendwas nachhaltig, ändern wir wirklich etwas? Haben wir Qualitätsmaßstäbe an unser Handeln, wenn wir als vierte Gewalt praktisch die Aufnahmen von zweiter und dritter übernehmen wollen? Der NBC Boss sagt zwar deutlich: Ich mag eure Show nicht. Was er aber mag ist den Erfolg, den diese in der Selbstjusitz-affinen USA hat. Die Produzentin Andie will sich in einer männerdominierenden Branche als Frau durchsetzen und Hansen wirkt sowieso vom Ehrgeiz zerfressen. Dan will einfach nur einen Job als Schauspieler – und somit eine Existenzsicherung.

Dieser Film lebt vor allem von seiner ästhetischen Extravaganz. Ich behaupte mal, man hat noch nicht viele Filme gesehen, die so aussehen und zwar fast durchgebend. Die Farbgebung, die Bildgestaltung, der teilweise körnige und raue Look, das alles ist so düster und auch angsteinflößend, man hat teilweise sogar den Eindruck, in einen Experimentalfilm geraten zu sein, was Primetime für mich extrem aufwertet. Parallel dazu wird Hansen bzw. Pattison im Film immer dämonischer. Während er anfangs nur aalglatt und unnahbar wirkt, wird er mit Fortschreiten der Handlung immer unheimlicher, bis er selbst fast den Verstand verliert. Dan hingegen ist im Kontrast dazu die tragische Figur. Er hat eine Musicalausbildung und singt wunderschön, muss sich aber hier als Schauspieler mehr oder weniger als Mittel zum Zweck verdingen. Darüberhinaus funktioniert sein moralischer Kompass noch am besten, was bedeutet, dass er bald große Probleme mit seiner “Rolle” bekommt.

Was ich immer schwierig finde ist, auch hier, wenn tatsächliche Menschen in einer semi-fiktionalen Geschichte vorkommen. Oder wie Pia Reiser im fm4 Filmpodcast sagte: “Niemand möchte gerne als karrieregeiles Arschloch porträtiert werden.” Das gilt auch für den wirklichen Chris Hansen, der über den Film natürlich nicht begeistert ist und ich kann es ihm nicht verdenken.

Als Kunstprodukt ist dieser Film aber auf jedenfall sehenswert.

Digger

So. Der Film Digger handelt vom schwerreichen Ölmagnaten Digger Rockwell (Tom Cruise), den seine Profite selbstverständlich mehr interessieren als irgendwelche Umweltaspekte oder auch andere Menschen. Er ignoriert Warnungen von diversen Wissenschaftern, unter anderem dem ökologischen Berater Ganesh (Riz Ahmet) und entschließt sich zu einer sehr gefährlichen Bohrung in Grönland, die eine Katastrophe globalen Ausmaßes anzurichten droht. In einer eilig einberufenen Konferenz mit US Präsident Compson (John Goodman) und anderen Entscheidungsträgern versucht er, die Eskalation einzufangen und sogar zu seinen Gunsten zu nutzen…

MÖGLICHE SPOILER ABER KEINE SUBSTANTIELLEN

Ich hatte bei diesem Umweltkatastrophe Szenario ehrlicherweise Angst, dass uns Innarritu seine “Haltung” um die Ohren haut, belehrend und moralisierend auf uns einwirken wird, wie es derzeit ja in Hollywood ärgerlicherweise öfters der Fall ist. Obwohl das, meines Erachtens, auch überhaupt nicht die Aufgabe eines Regisseurs wäre. Ich finde, Kunst sollte immer zum Reflektieren einladen und verschiedene Sichtweisen vermitteln, aber ich mag von Kunst nicht erzogen oder in eine Richtung gedrängt werden. Und in Digger ist tatsächlich so, dass Innaritu das nicht tut. Es ist ein sehr offener Film, der verschiedene Perspektiven gegenüberstellt, aber nicht sagt, übrigens, die richtige Ansicht ist diese. Ich persönlich feiere das, ich habe aber schon in einigen Kritiken gelesen, dass das manche gar nicht gut finden, die wären lieber an der Hand genommen worden und möchten alles “eingeordnet” haben. Meiner Meinung nach der Tod von Kunst.

Digger hat einige tolle Momente und drei, vier große, wirklich witzige, beeindruckende auch verstörende Szenen, in denen die Arbeit von Innaritus Stamm-Kameramanns Emmanuel Lubezki enorme Wirkung hat. In einer dieser Szenen sitzt Digger mit dem US Präsidenten und sonst einigen (tatsächlich nur) mächtigen Männern an einem Verhandlungstisch . Jemand eröffnet die Sitzung und sagt “Ladies und Gentlemen” und alle schauen sich um, es gibt keine Ladies; das wird nicht kommentiert, muss es auch nicht. Die Männer beraten, wie sie zwar nicht die Realität ändern könnten, aber die Worte, die Medien verwenden oder nicht verwerden. Also gewisse Begriffe sollten quasi nicht fallen bzw. umformuliert werden. Das ist so wie aktuell die SPÖ Führungsdebatte, da sieht man das eine und hört das andere. In Digger ist zum Beispiel “Al Gore” ein solcher no-go Begriff; Gore, der mit seinem Film An Inconveniant Truth 2006 für Diskussionen um Umwelt und Klima gesorgt hat. Sehr schön ist auch ein Auftritt Diggers in einem, so scheint es, EU Gremium, wo er eine ziemliche Brandrede hält – für mich auch der Cruise-Moment von: Ich möchte gerne einen Oscar harhar – und alle europäischen Politikerinnen (hier gibt es sie) und Politiker sind komplett in grau und beige gekleidet. So als wollte uns Innaritu die Sichtweise der US Politik auf die Europäer geben: ein Haufen von unbedeutenden, quackenden und lästigen Stimmen, quasi auf den billigen Plätzen.

Nachdem ich nicht zu viel spoilen will, denn hier ist es wirklich wichtig, dass man ohne zuviel Vorab-Info in den Film geht, noch etwas zu Tom Cruise. Egal wie man den Film jetzt insgesamt findet, seine Leistung ist beachtlich. Natürlich kann man sich fragen, wieso hat Innaritu nicht einfach einen 65 jährigen genommen, der auch so aussieht, die Antwort ist vermutlich einfach: weil es so mehr Spaß macht. Cruise trägt einen naja, nicht fat suit, er ist als Digger nicht fett, er trägt einen Durchschnitts-Mitte-60 Körperbau Suit und gleich am Anfang ist er nur mit einer Boxershort bekleidet, die ihm so halb runtergerutscht ist, und es sieht so unvorteilhaft aus und deswegen so lustig. Das zeigt schon die mangelnde Eitelkeit und Fähigkeit zur Selbstironie, die Cruise ja auch in sich hat. Und das ist sehr sympathisch. Herrlich fand ich auch den wie immer wunderbaren Michael Stuhlbarg in einer kleinen, aber skurillen Rolle als Vize-Präsident. Aber ich bin generell ein Stuhlbarg Fan seit Call me by Your Name.

Also zusammengefasst: Der Film ist auf seine Art schon sperrig und fordert einen auch heraus, es ist kein Film, wo man sich entspannt zurücklehnt und einfach nur genießt. Aber ich bleibe dabei: Ich mag den Film.

Digger, Vorrede

Wie bei Gentle Monster muss ich vor meiner Betrachtung von Digger noch was sagen, vielleicht sogar mehr als ich dann zum Film sagen kann, denn die Prämisse das Filmes ist eigentlich schon ein Spoiler und ich habe deswegen aktuell noch keine Ahnung, wie ich darüber schreiben soll.

Den Regisseur von Digger, Alejandro G. Innaritu, verfolge ich schon längere Zeit. Ich bin jetzt kein die-hard Fan, aber ich mag viele Werke von ihm, besonders Birdman (or the Unexpected Virtue of Ignorance). Am Titel sieht man schon, da will einer intellektuell sein, harhar. Bei Birdman funktioniert das ausgesprochen gut. Es geht hier thematisch unter anderem auch um den Unterschied zwischen Kommerz und Kunst. Die böse, aber irgendwie auch warmherzige Satire, die vorgibt, ein one shot Film zu sein, es aber nicht ist, fand ich extrem originell, auch witzig, mit sehr guten Darstellerinnen und Darstellern.

Bardo, seinen letzten Film von 2022 musste ich nach circa 20 Minuten abbrechen. Es war so bemüht surrealistisch und gewollt “edgy”, dahinter aber nur Leere (für mich). Der Falter verstieg sich allerdings dazu, Bardo “Innaritus 8 1/2” zu nennen, in Anlehnung an den wahnsinnig tollen Film von Federico Fellini, da braucht man nix dazu sagen, so ein Kommentar disqualifiziert sich von selbst harhar. Also Bardo ging für mich gar nicht.

Dann sah ich den Trailer zu Digger und fand diesen richtig furchtbar. Ich nahm aufgrunddessen an, der Film würde genauso prätentiös werden wie Bardo nur quasi mit bekannteren Schauspielern, allen voran Tom Cruise. Dann kamen die ersten teils vernichtenden Kritiken. Bisher ist er auch ein absoluter Kassenflop. Aber, und soviel kann ich heute schon sagen: Prätentiös ist der Film nicht, auch nicht surreal, obwohl er tatsächlich nicht jedem gefallen wird, weil er auf gewisse Art und Weise schon anstrengend ist. Aber der Trailer führt einen wirklich auf eine ganz falsche Fährte.

Was in dem Film schwer auszuhalten ist:

  • Alles was Tom Cruise anhat
  • Die Katze von Tom Cruises’ Figur Digger Rockwell
  • Das Aussehen von John Goodman. Ich mein, was ist mit diesem Mann los? Okay, er musste abnehmen, aber was ist das? Er sieht aus wie ein anderer Mensch. Ich hoffe, er ist nicht krank.

Aber sonst ist vieles tatsächlich ziemlich gelungen und ich finde, man sollte sich sein eigenes Bild machen und sich nicht von der medialen Berichterstattung einschüchtern lassen.

Beste Zusammenfassung auf letterboxd:

Auch das ist richtig, harhar:

Und das:

Und auch das:

Bald mehr.

Sam’s Town

Unlängst habe ich ein Video auf Social Media von Brandon Flowers, dem Sänger der Band The Killers, gesehen, in dem er darüber spricht, dass das zweite Album der Band namens Sam’s Town jetzt dieser Tage 20 Jahre alt wird. Also es ist ein Jahr nachdem ich selbst in Vegas war entstanden.

Bei den Killers ging es mir so wie mit Pulp. Sie waren eine zeitlang meine Lieblingsband, während zeitgleich Muse die Lieblingsband meines Freundes war. Die Killers werden ja immer so ein bisschen belächelt, ich weiß gar nicht genau wieso, ich habe sie sehr geliebt und die Platte Sam’s Town besonders. Weil beim ersten Album Hot Fuss dachte man noch, ah das ist wieder eine Brit Pop/Rock Band, und da gabs diesen großen Hit Mr. Brightside. Aber die Killers waren gar nicht aus England, sie kamen aus Las Vegas. Man hörte es aber eben nicht. Das hat sich bei Sam’s Town geändert und Flowers sagt in dem aktuellen Video auch: “We didn’t know how american we were until we left America” Und “Speaking for myself, I wanted to represent, where I was from. We did the best to take in the desert and the way our parents talked and the lessons we learned.” Finde ich ur schön formuliert und sehr interessant.

Ich mein, es ist eh irgendwie komplett surreal, wie man in Las Vegas aufwachsen kann, wie man zum Beispiel von der Volksschule nach Hause geht und in der Ferne sieht man den Strip, irgendwie so ein artifiziell-kapitalistischer feuchter Traum von Investoren und Konzernen ist – bzw. noch früher der Mafia. Aber ich muss auch ehrlich sagen, die Stadt ist so gaga und drüber, dass es schon wieder spannend ist. Und generell war ich persönlich auf meiner USA/Kanada Reise am meisten fasziniert von den Städten, die am wenigsten mit Europa zu tun hatten und das waren Los Angeles und Las Vegas. Da hab ich mir immer gedacht: Wie kann man hier überhaupt leben.

Ok, zum Song Sam’s Town – der übrigens nach einem Casinokomplex benannt ist, der allerdings abseits des Strips liegt, in der Gegend, in der Flowers aufgewachsen ist. Der Song ist bombastisch-glamurös, mit Synthesizer, aber auch mit Indie-Gitarren und er hat einige Tempowechsel, was ich sehr gern mag. Ich finde es nämlich super, wenn Songs anders funktionieren als das sonst der Fall ist, wenn man sich nicht so ganz auskennt in einem Song. Und natürlich ist er, wie praktisch alle Killers Songs, irgendwie melancholisch, auf eine Art und Weise, die mich nicht übermäßig deprimiert. Flowers besingt das Vegas abseits der Touristenpfade und Klischees ebenso wie den Druck, den er nach einer Welttournee spürt: “I am sick of all my judges, so scared of what they find”. Am Ende schlägt er eine symbolische Brücke zwischen seinen Welten: “I see London, I see Sam’s Town now.”

Gentle Monster

Worum geht es also genau? Die Musikerin Lucy (Lea Seydoux) ist mit ihrem Mann Philipp (Laurence Rupp) und Sohn Johnny kürzlich aufs Land, in ein Dorf in der Nähe von München gezogen. Philipp, der in der Filmbranche arbeitet, erholt sich von einem Burnout, doch das idyllische, naturnahe Leben wird je von einem Polizeieinsatz unterbrochen. Philipp muss den Beamten aufs Kommissariat folgen. Die entgeisterte Lucy versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, wieso Philipp verhaftet wurde…

ACHTUNG MÖGLICHE SPOILER

Es tut mir leid, aber ich war von so vielen Dingen in diesem Film so enorm irritiert, die im Grunde gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, dass es mir schwerfiel, wirklich in Gentle Monster einzutauchen.

Lucy ist Pianistin und Sängerin, aber ihr Fach ist nicht die Klassik, nein, sie tritt mit Popsongs der 1980er und frühen 90er Jahre in Konzertsälen auf und die konservativ gekleideten Menschen jubeln ihr zu. Ich mein, ich liebe Popmusik dieser Zeit, aber: Wie? Warum? Der Song, mit dem der Film eröffnet wird, ist Would I Lie to You von Charles und Eddie, den ich überhaupt nicht liebe, der mir schon 1992 extrem auf die Nerven gegangen ist und der hier irgendwie für mich die Funktion hat, uns darauf zu stoßen, dass in diesem Film hier irgendwer lügt, das aber bestreitet. Später singt sie Boys Don’t Cry, einen wesentlich bessern Song von The Cure. Und Pia Reiser sagte im fm4 Filmpodcast, über the Cure wurden circa 800 Feuilletontexte geschrieben und über Charles und Eddie keiner – ja, das hat auch einen Grund, harhar.

Zweitens hat mich dieses Sprachgemisch sehr gestört. Lucy ist Französin und spricht fast nur französisch, versteht aber recht viel auf deutsch, antwortet aber dann in der Muttersprache. Dazwischen sprechen die Leute auch noch englisch. Drittens sagt Philipps Mutter einmal über ihren Sohn: “Er arbeitet zuviel”. Lucy: “Er baut sich etwas auf.” Wir sehen Philipp im Film aber praktisch nie irgendwas arbeiten. Viertens: Lucy zieht mit Johnny vorübergehend zu ihrer Mutter (übrigens Catherine Deneuve). Eines Abends sitzen sie auf dem Sofa und Lucy legt sich der Mutter auf den Schoß und weint und die Mutter sagt: “Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.” Was? Nur weil die circa 40 jährige Tochter mit dem kleinen Enkelsohn auf einmal bei dir einzieht, wortkarg ist und irgendwann anfängt zu weinen, ist gleich was nicht in Ordnung? No shit, Sherlock. Fünftens: Wieso heißt der Sohn einer Französin und eines Altausseers ausgerechnet Johnny.

Ich weiß, das klingt alles total kleinkariert, aber ich habe mir hier mit ganz viel Details einfach schwer getan. Der Film an sich war für mich wie eine überlange Tatort-Folge, vermutlich kann man einen Film über so ein Thema auch nicht gänzlich anders drehen. Weil das alles auch irgendwie zu ernst ist, für irgendwelche Experimente. Gegen Ende wurde Gentle Monster für mich aber zugegebenermaßen doch noch interessanter, weil es gab eine Rückblende, die ein bisschen diesen Ermittlungs-Duktus unterbrach und der Moment, als Lucy herausfindet, dass Philipp sie angelogen hat, war wirklich spannend inszeniert.

Im fm4 Film Podcast haben mir zwei Aussagen von Marie Kreutzer sehr gut gefallen. 1.) Sie hat Laurence Rupp besetzt, weil er als Schauspieler und Mann nichts mysteriöses hat, man kann in ihn nichts Dunkles hineinlesen. Das wollte sie vermitteln, dass er eben nicht wie ein “Verbrecher” wirkt. 2.) Bei Lucy ist mir das besonders aufgefallen, dass sie im Film ein Kleid trägt, das eine Spur zu klein und kurz ist. Kreutzer meinte, die Kostümbildner wollen das ja immer vermeiden und eine Nummer größer kaufen, aber: “Wir tragen alle mal Sachen, die uns ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß sind. Oder wir tragen auch einmal etwas, was uns eine Stylistin vermutlich nicht angezogen hätte. Das ist das Leben.” Das fand ich sehr sympathisch.

Gentle Monster, Vorrede

Bevor ich etwas zu Gentle Monster, den neuen Film von Marie Kreuzer mit dem sehr aktuellen Thema Pädokriminalität sage, muss ich ein paar Dinge erwähnen.

2022 war ein schwieriges Jahr für mich. Mach was dir Freude macht, hieß es. Aber was machte mir Freude? Ich wusste es nicht mehr. Irgendwann im Dezember, als das Jahr quasi schon verloren war, ging ich dann einmal alleine ins Kino und sah Corsage, einen Film von Marie Kreutzer, ein neuer Take zur Kaiserin Elisabeth. Und da dachte ich mir zuerst, braucht es das noch? Wir haben gefühlt alle Klischees zu Sissy/Sisi wie auch immer durch, wir haben aber auch alle Antiheldin Erzählungen erzählt bekommen, inklusive eines erfolgreichen Musicals – so schien es mir zumindest. Und dann sah ich Corsage und war ganz begeistert über diesen frechen, artifiziellen Film, der doch nochmal eine andere Perspektive aufmachte. Sogar Manuel Rubey fand ich toll, der den überheblich-prätentiösen Ludwig den Zweiten spielte, eine Traumrolle für ihn harhar.

Na gut und dann war der Teichtmeister Skandal. Zuerst tat mir Marie Kreutzer und ihr Team wirklich leid, weil der Film natürlich unter den Ereignissen litt und das wirklich nicht verdient hatte. Die Hausdurchsuchung bei Teichtmeister fand erst nach Drehschluss statt. Dann allerdings äußerte sich Kreutzer ziemlich patschert über einen anderen Darsteller von Corsage, zu dem es auch metoo Vorwürfe gab. Nämlich ja, sie habe von den Gerüchten gewusst, auch schon während der Produktion, aber es gäbe Verträge und Partner, und man kann nicht jeder unter vorab-Verdacht stellen ohne Fakten und sehr viele Menschen quasi arbeitslos machen. Das fand ich zwar durchaus nachvollziehbar, aber dasselbe gilt halt dann auch für alle anderen Filmemacher genauso.

Wie auch immer, der Nachfolgefilm zu Corsage beschäftgt sich mit einem Pädokriminellen – die Idee hatte Kreutzer aber schon 2021 zur Filmförderung eingereicht, also vor der Teichtmeister Sache. Und hier muss ich leider sagen: Der Film hat mich nicht erreicht. Aber ich fand wiederum den fm4 Podcast mit Marie Kreutzer zu Gentle Monster ungeheuer interessant und reflektiert, es war ein so spannendes Gespräch, das hat mich wiederum sehr positiv für die Regisseurin eingenommen.

Also durch und durch ambivalent, aber so ist das Leben eben auch manchmal. Bald dann noch mehr zu Gentle Monster.

Mephisto

So. Ich habe jetzt Mephisto gelesen. Kurz ein paar Fakten.

Der sechste und erfolgreichste Roman von Klaus Mann wird als Schlüsselroman über den Schauspieler Gustaf Gründgens bezeichnet, der, obwohl homosexuell, kurzzeitig mit Manns Schwester Erika verheiratet war und der im Nazi-Deutschland eine große Karriere machte, unter anderem auch deshalb, weil er sich mit dem Regime “arrangierte”. Im Buch heißt Gründgens Hendrik Höfgen und der Bezug zur porträtierten Person ist ziemlich klar, wenn gleich Mann davon spricht, nur “Typen” zu beschreiben. Beide feierten ihren größten Erfolg aber etwa als Mephisto, dem Antogonist (und Teufel, Doppeldeutung!!) in Goethes Faust. Nach dem Tod von Mann und Gründgens klagte Gründgens’ Adoptivsohn auf Verbot des Buches, ihm wurde in der sogenannten Mephisto-Entscheidung 1971 recht gegeben, das Buch durfte nicht mehr gedruckt werden. Doch die DDR ignorierte das Urteil und später wurde der Roman auch in Westdeutschland neu verlegt. Da niemand mehr Einspruch erhob, wurde nicht nur das Buch selbst zum Erfolg, sondern auch der gleichnamige Film mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle, der auch den Oscar in der Kategorien Best Foreign Language Film für Ungarn gewann.

Mephisto ist in einem ironisch-nüchternen Ton verfasst, Mann beschäftigt sich stark mit der jeweiligen Physiognomie seiner Figuren, über die er den Charakter so intensiv darstellt, dass es mit der Zeit schon etwas ermüdend wird. Höfgen selbst hat einen “aasigen” Gesichtsausdruck – der für uns heute ungebräuliche Begriff, der so etwas wie “widerlich” bedeutet, und das kommt wirklich dutzende Male vor. Emotional kommt man den Figuren dafür kaum nahe. Mann hat sich geweigert, seine Hauptfigur wie das vermeintliche Vorbild zu einem Homosexuellen zu machen, vermutlich weil er diese damals verbotene Neigung nicht noch mit einem zweifelhaften Charakter verknüpfen wollte. So ist Höfgen stattdessen in der SM-Szene unterwegs und lässt sich von der Halb-Afrikanerin Juliette regelmäßig auspeitschen. Wie Mann Juliette beschreibt, ist allerdings auch ziemlich klischeehaft, um es vorsichtig auszudrücken (Stichwort Exotik und Wildheit), aber wahrscheinlich der Zeit der 1930er Jahre geschuldet.

Gut ist, dass Höfgen nicht als der klassische “Böse” dargestellt wird, was auch sehr langweilig wäre, sondern zwar als Opportunist und Karrierist, aber auch als jemand, der durchaus ein Gewissen hat und auch als Mensch, der sich zuweilen, in manchen Momenten, selbst sehr kritisch reflektiert. Von seinen früheren kommunistischen Ansichten rückt er ab, als es Zeit dafür ist, die Seiten zu wechseln. Und man kann aus einer moralisch überheblichen Position behaupten, dass einem das selbst nicht passiert wäre oder nie passieren würde, allerdings erleben wir ja bis heute etwa zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die sich ohne Not auf die Seite von Systemen stellen, weil sie sich davon etwas versprechen. Dann erst recht, wenn man das Gefühl hat, etwas zu verlieren oder in Gefahr zu geraten.

Zu sagen ist zudem, dass Höfgen in seiner neuen Position nicht nur die Hoffnung hat, ehemalige Mitstreiter aus der Haft “herausreden” zu können, er versucht es bei einem Freund sogar zweimal tatsächlich und bringt sich damit selbst in Schwierigkeiten. In ehrlichen Momenten ist er durchaus auch hart zu sich selbst. Er bemerkt, dass er sich zwar als den besten Mephisto Darsteller betrachtet, am Hamlet aber nach eigenen Angaben gescheitert ist. Doch weil er schon so hoch gestiegen ist, kann er gar nicht mal mehr durchfallen: “Das neue Berliner Publikum beurteilte die Schauspieler weniger nach der Reinheit und Intensität ihrer künstlerischen Leistung als nach Beziehungen zur Macht.”1 Und das ist für einen ehrgeizigen Schauspieler, der nach Vollendung strebt und sich selbst immer wieder fordert, ungeheuer frustrierend.

Als nächstes werde ich einen verwandten Roman lesen, Bel Ami von Guy de Maupassant und mir dann natürlich auch den Film ansehen.

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  1. Klaus Mann: Mephisto, S. 379 ↩︎

Vaterland

Derzeit gibt es recht viel interessantes im Kino zu sehen, vorige Woche habe ich mir Vaterland, den neuen Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, angesehen.

In diesem Film geht es um eine Reise des Schriftstellers Thomas Mann (Hanns Zischler) durchs Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949, die ihn gemeinsam mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) zurück in seine Heimat führt, nachdem er 15 Jahre im Exil verbracht hat. Sowohl in Frankfurt am Main, das von den Westalliierten besetzt ist, als auch ein Weimar – dort sind die Sowjets – bekommt er den Goethe-Preis verliehen und soll Reden zum 200 Geburtstag des Dichters halten, gleichzeitig aber auch Stellung zu Deutschland beziehen.

SPOILER GIBT ES HIER NICHT WIRKLICH

Das klingt ja alles ziemlich interessant, gerade für eine Germanistin und die Bildsprache von Pawlikowski ist tatsächlich meisterhaft. Meisterhaft akademisch zumindest, hier ist alles sehr korrekt, sehr reglementiert, sehr akkurat, so als wollte Pawlikowski uns zeigen, wie Deutschland nach Kriegsende fast verzweifelt versucht, wieder eine neue Art von “Ordnung” zu schaffen. Dafür wird auch Thomas Mann gerne ja man kann sagen instrumentalisiert, er soll eine Rolle spielen, als moralische Instanz, die für ein neues Deutschland steht, die dem Land wieder eine Daseinsberechtigung gibt, geläutert und sich auf ihre alten Tugenden besinnend. Gleichzeitig zeigt uns Pawlikowski die Ambivalenz von Mann, der sich gar nicht mehr heimisch fühlt in diesem Deutschland, der außerdem zwar für das Wort steht, nicht aber für die Emotion. Und dem es letztendlich nicht einmal gelingt, in seiner eigenen Familie Harmonie oder zumindest Ausgleich zu schaffen.

Pawlikowski zeigt das exemplarisch am Suizid vom ältesten Sohn Thomas Manns, Klaus (August Diehl), der eine besonders enge Beziehung zu Erika hatte. Und hier hat der Regisseur einige künstlerische Freiheit walten lassen, denn der Tod von Klaus fand im wirklichen Leben bereits einige Zeit vor der Reise statt und die Reise hat Thomas tatsächlich gar nicht mit Erika, sondern mit seiner Ehefrau Katia unternommen. Ich finde solche eigenmächtigen Entscheidungen in einem Film, der so viel Authentizität vermitteln will und der so bekannte Personen porträtiert ehrlich gesagt immer ein bisschen schwierig. Und ein wenig habe ich auch den Eindruck, dass die Entscheidungen deswegen getroffen wurde, um dem Film irgendeine Art von Dramatik und Dringlichkeit zu geben, denn es passiert quasi sonst nichts.

Ich habe an sich kein Problem mit Filmen, in denen nichts besonderes passiert, wenn sie einen anderen Mehrwert haben, wenn sie Stimmungen vermitteln, Atmosphäre, wenn sie interessante Dialoge haben oder von Details leben, mir die Charaktere der Protagonistinnen und Protagonisten vermitteln. Doch hier bleibt einem alles fremd und seltsam auf Distanz, nicht nur dieses Nachkriegsdeutschland, auch die Manns. Pawlikowski macht also zwei breite Themenbereiche auf, holt aber aus beiden für mich ziemlich wenig heraus und das finde ich ein bisschen schade. Die Schauspielerinnen (wieder einmal Sandra Hüller!) und Schauspieler sind nämlich gut, aber sie bekommen ziemlich wenig zu tun.

Ich bin aber mit diesem Befund eher alleine, ich glaube, die meisten anderen Menschen konnten mit Vaterland mehr anfangen als ich.