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Gentle Monster

Worum geht es also genau? Die Musikerin Lucy (Lea Seydoux) ist mit ihrem Mann Philipp (Laurence Rupp) und Sohn Johnny kürzlich aufs Land, in ein Dorf in der Nähe von München gezogen. Philipp, der in der Filmbranche arbeitet, erholt sich von einem Burnout, doch das idyllische, naturnahe Leben wird je von einem Polizeieinsatz unterbrochen. Philipp muss den Beamten aufs Kommissariat folgen. Die entgeisterte Lucy versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, wieso Philipp verhaftet wurde…

ACHTUNG MÖGLICHE SPOILER

Es tut mir leid, aber ich war von so vielen Dingen in diesem Film so enorm irritiert, die im Grunde gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, dass es mir schwerfiel, wirklich in Gentle Monster einzutauchen.

Lucy ist Pianistin und Sängerin, aber ihr Fach ist nicht die Klassik, nein, sie tritt mit Popsongs der 1980er und frühen 90er Jahre in Konzertsälen auf und die konservativ gekleideten Menschen jubeln ihr zu. Ich mein, ich liebe Popmusik dieser Zeit, aber: Wie? Warum? Der Song, mit dem der Film eröffnet wird, ist Would I Lie to You von Charles und Eddie, den ich überhaupt nicht liebe, der mir schon 1992 extrem auf die Nerven gegangen ist und der hier irgendwie für mich die Funktion hat, uns darauf zu stoßen, dass in diesem Film hier irgendwer lügt, das aber bestreitet. Später singt sie Boys Don’t Cry, einen wesentlich bessern Song von The Cure. Und Pia Reiser sagte im fm4 Filmpodcast, über the Cure wurden circa 800 Feuilletontexte geschrieben und über Charles und Eddie keiner – ja, das hat auch einen Grund, harhar.

Zweitens hat mich dieses Sprachgemisch sehr gestört. Lucy ist Französin und spricht fast nur französisch, versteht aber recht viel auf deutsch, antwortet aber dann in der Muttersprache. Dazwischen sprechen die Leute auch noch englisch. Drittens sagt Philipps Mutter einmal über ihren Sohn: “Er arbeitet zuviel”. Lucy: “Er baut sich etwas auf.” Wir sehen Philipp im Film aber praktisch nie irgendwas arbeiten. Viertens: Lucy zieht mit Johnny vorübergehend zu ihrer Mutter (übrigens Catherine Deneuve). Eines Abends sitzen sie auf dem Sofa und Lucy legt sich der Mutter auf den Schoß und weint und die Mutter sagt: “Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.” Was? Nur weil die circa 40 jährige Tochter mit dem kleinen Enkelsohn auf einmal bei dir einzieht, wortkarg ist und irgendwann anfängt zu weinen, ist gleich was nicht in Ordnung? No shit, Sherlock. Fünftens: Wieso heißt der Sohn einer Französin und eines Altausseers ausgerechnet Johnny.

Ich weiß, das klingt alles total kleinkariert, aber ich habe mir hier mit ganz viel Details einfach schwer getan. Der Film an sich war für mich wie eine überlange Tatort-Folge, vermutlich kann man einen Film über so ein Thema auch nicht gänzlich anders drehen. Weil das alles auch irgendwie zu ernst ist, für irgendwelche Experimente. Gegen Ende wurde Gentle Monster für mich aber zugegebenermaßen doch noch interessanter, weil es gab eine Rückblende, die ein bisschen diesen Ermittlungs-Duktus unterbrach und der Moment, als Lucy herausfindet, dass Philipp sie angelogen hat, war wirklich spannend inszeniert.

Im fm4 Film Podcast haben mir zwei Aussagen von Marie Kreutzer sehr gut gefallen. 1.) Sie hat Laurence Rupp besetzt, weil er als Schauspieler und Mann nichts mysteriöses hat, man kann in ihn nichts Dunkles hineinlesen. Das wollte sie vermitteln, dass er eben nicht wie ein “Verbrecher” wirkt. 2.) Bei Lucy ist mir das besonders aufgefallen, dass sie im Film ein Kleid trägt, das eine Spur zu klein und kurz ist. Kreutzer meinte, die Kostümbildner wollen das ja immer vermeiden und eine Nummer größer kaufen, aber: “Wir tragen alle mal Sachen, die uns ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß sind. Oder wir tragen auch einmal etwas, was uns eine Stylistin vermutlich nicht angezogen hätte. Das ist das Leben.” Das fand ich sehr sympathisch.

Gentle Monster, Vorrede

Bevor ich etwas zu Gentle Monster, den neuen Film von Marie Kreuzer mit dem sehr aktuellen Thema Pädokriminalität sage, muss ich ein paar Dinge erwähnen.

2022 war ein schwieriges Jahr für mich. Mach was dir Freude macht, hieß es. Aber was machte mir Freude? Ich wusste es nicht mehr. Irgendwann im Dezember, als das Jahr quasi schon verloren war, ging ich dann einmal alleine ins Kino und sah Corsage, einen Film von Marie Kreutzer, ein neuer Take zur Kaiserin Elisabeth. Und da dachte ich mir zuerst, braucht es das noch? Wir haben gefühlt alle Klischees zu Sissy/Sisi wie auch immer durch, wir haben aber auch alle Antiheldin Erzählungen erzählt bekommen, inklusive eines erfolgreichen Musicals – so schien es mir zumindest. Und dann sah ich Corsage und war ganz begeistert über diesen frechen, artifiziellen Film, der doch nochmal eine andere Perspektive aufmachte. Sogar Manuel Rubey fand ich toll, der den überheblich-prätentiösen Ludwig den Zweiten spielte, eine Traumrolle für ihn harhar.

Na gut und dann war der Teichtmeister Skandal. Zuerst tat mir Marie Kreutzer und ihr Team wirklich leid, weil der Film natürlich unter den Ereignissen litt und das wirklich nicht verdient hatte. Die Hausdurchsuchung bei Teichtmeister fand erst nach Drehschluss statt. Dann allerdings äußerte sich Kreutzer ziemlich patschert über einen anderen Darsteller von Corsage, zu dem es auch metoo Vorwürfe gab. Nämlich ja, sie habe von den Gerüchten gewusst, auch schon während der Produktion, aber es gäbe Verträge und Partner, und man kann nicht jeder unter vorab-Verdacht stellen ohne Fakten und sehr viele Menschen quasi arbeitslos machen. Das fand ich zwar durchaus nachvollziehbar, aber dasselbe gilt halt dann auch für alle anderen Filmemacher genauso.

Wie auch immer, der Nachfolgefilm zu Corsage beschäftgt sich mit einem Pädokriminellen – die Idee hatte Kreutzer aber schon 2021 zur Filmförderung eingereicht, also vor der Teichtmeister Sache. Und hier muss ich leider sagen: Der Film hat mich nicht erreicht. Aber ich fand wiederum den fm4 Podcast mit Marie Kreutzer zu Gentle Monster ungeheuer interessant und reflektiert, es war ein so spannendes Gespräch, das hat mich wiederum sehr positiv für die Regisseurin eingenommen.

Also durch und durch ambivalent, aber so ist das Leben eben auch manchmal. Bald dann noch mehr zu Gentle Monster.

Mephisto

So. Ich habe jetzt Mephisto gelesen. Kurz ein paar Fakten.

Der sechste und erfolgreichste Roman von Klaus Mann wird als Schlüsselroman über den Schauspieler Gustaf Gründgens bezeichnet, der, obwohl homosexuell, kurzzeitig mit Manns Schwester Erika verheiratet war und der im Nazi-Deutschland eine große Karriere machte, unter anderem auch deshalb, weil er sich mit dem Regime “arrangierte”. Im Buch heißt Gründgens Hendrik Höfgen und der Bezug zur porträtierten Person ist ziemlich klar, wenn gleich Mann davon spricht, nur “Typen” zu beschreiben. Beide feierten ihren größten Erfolg aber etwa als Mephisto, dem Antogonist (und Teufel, Doppeldeutung!!) in Goethes Faust. Nach dem Tod von Mann und Gründgens klagte Gründgens’ Adoptivsohn auf Verbot des Buches, ihm wurde in der sogenannten Mephisto-Entscheidung 1971 recht gegeben, das Buch durfte nicht mehr gedruckt werden. Doch die DDR ignorierte das Urteil und später wurde der Roman auch in Westdeutschland neu verlegt. Da niemand mehr Einspruch erhob, wurde nicht nur das Buch selbst zum Erfolg, sondern auch der gleichnamige Film mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle, der auch den Oscar in der Kategorien Best Foreign Language Film für Ungarn gewann.

Mephisto ist in einem ironisch-nüchternen Ton verfasst, Mann beschäftigt sich stark mit der jeweiligen Physiognomie seiner Figuren, über die er den Charakter so intensiv darstellt, dass es mit der Zeit schon etwas ermüdend wird. Höfgen selbst hat einen “aasigen” Gesichtsausdruck – der für uns heute ungebräuliche Begriff, der so etwas wie “widerlich” bedeutet, und das kommt wirklich dutzende Male vor. Emotional kommt man den Figuren dafür kaum nahe. Mann hat sich geweigert, seine Hauptfigur wie das vermeintliche Vorbild zu einem Homosexuellen zu machen, vermutlich weil er diese damals verbotene Neigung nicht noch mit einem zweifelhaften Charakter verknüpfen wollte. So ist Höfgen stattdessen in der SM-Szene unterwegs und lässt sich von der Halb-Afrikanerin Juliette regelmäßig auspeitschen. Wie Mann Juliette beschreibt, ist allerdings auch ziemlich klischeehaft, um es vorsichtig auszudrücken (Stichwort Exotik und Wildheit), aber wahrscheinlich der Zeit der 1930er Jahre geschuldet.

Gut ist, dass Höfgen nicht als der klassische “Böse” dargestellt wird, was auch sehr langweilig wäre, sondern zwar als Opportunist und Karrierist, aber auch als jemand, der durchaus ein Gewissen hat und auch als Mensch, der sich zuweilen, in manchen Momenten, selbst sehr kritisch reflektiert. Von seinen früheren kommunistischen Ansichten rückt er ab, als es Zeit dafür ist, die Seiten zu wechseln. Und man kann aus einer moralisch überheblichen Position behaupten, dass einem das selbst nicht passiert wäre oder nie passieren würde, allerdings erleben wir ja bis heute etwa zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die sich ohne Not auf die Seite von Systemen stellen, weil sie sich davon etwas versprechen. Dann erst recht, wenn man das Gefühl hat, etwas zu verlieren oder in Gefahr zu geraten.

Zu sagen ist zudem, dass Höfgen in seiner neuen Position nicht nur die Hoffnung hat, ehemalige Mitstreiter aus der Haft “herausreden” zu können, er versucht es bei einem Freund sogar zweimal tatsächlich und bringt sich damit selbst in Schwierigkeiten. In ehrlichen Momenten ist er durchaus auch hart zu sich selbst. Er bemerkt, dass er sich zwar als den besten Mephisto Darsteller betrachtet, am Hamlet aber nach eigenen Angaben gescheitert ist. Doch weil er schon so hoch gestiegen ist, kann er gar nicht mal mehr durchfallen: “Das neue Berliner Publikum beurteilte die Schauspieler weniger nach der Reinheit und Intensität ihrer künstlerischen Leistung als nach Beziehungen zur Macht.”1 Und das ist für einen ehrgeizigen Schauspieler, der nach Vollendung strebt und sich selbst immer wieder fordert, ungeheuer frustrierend.

Als nächstes werde ich einen verwandten Roman lesen, Bel Ami von Guy de Maupassant und mir dann natürlich auch den Film ansehen.

—

  1. Klaus Mann: Mephisto, S. 379 ↩︎

Vaterland

Derzeit gibt es recht viel interessantes im Kino zu sehen, vorige Woche habe ich mir Vaterland, den neuen Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, angesehen.

In diesem Film geht es um eine Reise des Schriftstellers Thomas Mann (Hanns Zischler) durchs Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949, die ihn gemeinsam mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) zurück in seine Heimat führt, nachdem er 15 Jahre im Exil verbracht hat. Sowohl in Frankfurt am Main, das von den Westalliierten besetzt ist, als auch ein Weimar – dort sind die Sowjets – bekommt er den Goethe-Preis verliehen und soll Reden zum 200 Geburtstag des Dichters halten, gleichzeitig aber auch Stellung zu Deutschland beziehen.

SPOILER GIBT ES HIER NICHT WIRKLICH

Das klingt ja alles ziemlich interessant, gerade für eine Germanistin und die Bildsprache von Pawlikowski ist tatsächlich meisterhaft. Meisterhaft akademisch zumindest, hier ist alles sehr korrekt, sehr reglementiert, sehr akkurat, so als wollte Pawlikowski uns zeigen, wie Deutschland nach Kriegsende fast verzweifelt versucht, wieder eine neue Art von “Ordnung” zu schaffen. Dafür wird auch Thomas Mann gerne ja man kann sagen instrumentalisiert, er soll eine Rolle spielen, als moralische Instanz, die für ein neues Deutschland steht, die dem Land wieder eine Daseinsberechtigung gibt, geläutert und sich auf ihre alten Tugenden besinnend. Gleichzeitig zeigt uns Pawlikowski die Ambivalenz von Mann, der sich gar nicht mehr heimisch fühlt in diesem Deutschland, der außerdem zwar für das Wort steht, nicht aber für die Emotion. Und dem es letztendlich nicht einmal gelingt, in seiner eigenen Familie Harmonie oder zumindest Ausgleich zu schaffen.

Pawlikowski zeigt das exemplarisch am Suizid vom ältesten Sohn Thomas Manns, Klaus (August Diehl), der eine besonders enge Beziehung zu Erika hatte. Und hier hat der Regisseur einige künstlerische Freiheit walten lassen, denn der Tod von Klaus fand im wirklichen Leben bereits einige Zeit vor der Reise statt und die Reise hat Thomas tatsächlich gar nicht mit Erika, sondern mit seiner Ehefrau Katia unternommen. Ich finde solche eigenmächtigen Entscheidungen in einem Film, der so viel Authentizität vermitteln will und der so bekannte Personen porträtiert ehrlich gesagt immer ein bisschen schwierig. Und ein wenig habe ich auch den Eindruck, dass die Entscheidungen deswegen getroffen wurde, um dem Film irgendeine Art von Dramatik und Dringlichkeit zu geben, denn es passiert quasi sonst nichts.

Ich habe an sich kein Problem mit Filmen, in denen nichts besonderes passiert, wenn sie einen anderen Mehrwert haben, wenn sie Stimmungen vermitteln, Atmosphäre, wenn sie interessante Dialoge haben oder von Details leben, mir die Charaktere der Protagonistinnen und Protagonisten vermitteln. Doch hier bleibt einem alles fremd und seltsam auf Distanz, nicht nur dieses Nachkriegsdeutschland, auch die Manns. Pawlikowski macht also zwei breite Themenbereiche auf, holt aber aus beiden für mich ziemlich wenig heraus und das finde ich ein bisschen schade. Die Schauspielerinnen (wieder einmal Sandra Hüller!) und Schauspieler sind nämlich gut, aber sie bekommen ziemlich wenig zu tun.

Ich bin aber mit diesem Befund eher alleine, ich glaube, die meisten anderen Menschen konnten mit Vaterland mehr anfangen als ich.

Violeta

Wenn ein Autor, eine Autorin ein großes Euvre hat und man bisher noch nichts davon gelesen, dann ist oft die Frage, womit fängt man an, um quasi die “Essenz” zu verstehen? Was Isabel Allende betrifft, wurde mir schon vor einiger der Roman Violeta geborgt und so habe ich diesen, der 2022 erschienen ist, erst kürzlich als ersten Roman von ihr gelesen, was wahrscheinlich nicht die beste Idee war. Dieses Werk hatte, wie ich jetzt im Nachhinein erfahre, sehr gemischte Reaktionen und das ist auch das, was ich am Ende empfunden hat, eine doch beträchtliche Ambivalenz, obwohl ich ihren Schreibstil an sich mochte.

In diesem Roman erzählt die bald 100 jährige Violeta del Valle, erfolgreiche Unternehmerin und selbsternannte Feministin, ihrem Enkelsohn Camillo die Geschichte ihres Lebens, das zu Zeiten der spanischen Grippe in einem unbekannten südamerikanischen Land (das Chile ähnelt) begann und quasi zu Corona endete, was ja recht charmant ist, so als dramaturgische Klammer. Diese Parallele beschreibt aber schon auch sehr gut, wie es mir beim Lesen gegangen ist. So gefährlich wie die spanische Grippe war, so mitreißend und inspiriert beginnt das Buch, so interessant finde ich die ersten, sagen wir, 150 Seiten, es geht um etwas, es ist spannend. Im Vergleich dazu ist Corona ziemlich lauwarm und so fühlte mich mich auch am Ende dieses Buches.

Spoiler!!

Denn was am Anfang interessant ist, die skurille Familie, die vielen merkwürdigen Menschen, denen Violeta begegnet, die irgendwo zwischen Idealismus und Kriminal, zwischen Kapitalismus und Esoterik stehen, die sind anfangs erfrischend. Ihr erster Mann Fabian, den sie gegen ihr Bauchgefühl heiratet, aber bald für Julian verlässt, einem windigen Piloten, von dem sie außer sexueller Erfüllung nichts erwarten kann, das läuft sich in den unendlichen Wiederholungen irgendwann tot. Violeta entgleiten gar beide Kinder – der Sohn in die Ideologie, die Tochter in die Drogensucht – letztendlich versucht sie eine Rettung, aber es ist halt alles sehr viel Drama und blinder Aktionismus, und ich finde, sie stellt immer sich selbst in den Mittelpunkt, nicht andere Menschen, auch wenn sie das vorgibt. Es findet wenig psychologische Analyse statt, wieso es soweit kam, dass sie zu den Kindern nie eine wirkliche Verbindung aufbauen konnte. Violeta generiert sich immer irgendwo zwischen Versager- und Märtyererin und auch wenn ich Antihelden mag, das nervt mich.

Bezeichnend ist dafür der Tod der Tochter Nieves, die sie während ihrer ungeplanten Schwangerschaft unterstützt. Nieves geht für ihr ungeborenes Kind durch einen Entzug und Violeta ist während dieser Zeit an ihrer Seite und betreut sie in Los Angeles (!). Violeta gibt ihr eigenes Leben eine zeitlang auf, erzählt sie doch mit einigem Stolz, um für ihre Tochter da zu sein. Aber ein Lover geht sich nebenbei doch noch aus harhar. Als das Baby schließlich als Notfall geboren wird, stellt sich heraus, dass Nieves an Eklampsie erkrankt war, sie verstirbt unmittelbar nach der Geburt. Eklampsie ist bis heute eine gefährliche Schwangerschaftskomplikation, die aber beherrschbar ist und schon in den 1960er Jahren war, wie ich recherchierte, speziell an einem Ort wie Kalifornien. Und das ist irgendwie bezeichend für die Figur der Violeta, die sich immer wieder rühmt, wie beruflich erfolgreich sie war, wie wohlhabend, wie fortschrittlich: Warum hat sie ihre Tochter nicht besser medizinisch betreuen lassen, Stichwort Vorsorgeuntersuchung? Gerade mit der Vorgeschichte als Suchtkranke. Eine Früherkennung hätte ihr vielleicht das Leben gerettet. Aber das ist typisch Violeta: “too late, too little”.

Zuweilen versorgt uns Violeta mit Paolo Coehlo-artigen Weisheiten a la “Der Weg entsteht im Gehen” oder “Wir kriegen nichts geschenkt, wir müssen es uns nehmen und gut darauf aufpassen, sonst wird es uns wieder gestohlen.” Was aber einige Rezensenten und vor allem auch -innen beklagen, dass Allende hier die Sexualität einer über 80 jährigen beschreibt, ihre hängenden Brüste, das finde ich ziemlich kleinkariert, auch wenn die Rezensenten nichts davon hören mögen: überprüft mal euer Frauenbild im Jahr 2026. Das ist nicht das Problem des Romans, dass Violeta bis ins hohe Alter sexuelle Beziehungen hat. Der Roman hat genug andere Schwächen, harhar.

Fazit: Mitreißend angefangen, leider stark nachgelassen. Vielleicht ist der Roman auch einfach nur zu lang. Der Fairness halber werde ich aber noch etwas anderes von Allende lesen.

The Dog Stars

Der bald 89-jährige Ridley Scott, bekannt für Werke wie Blade Runner, Alien oder Gladiator, der oft einen recht pessimistischen Blick auf die Welt und die Menschheit hat, hat einen post-apokalyptischen Film gedreht, der sich The Dog Stars nennt, zu “deutsch”: Das Ende der Sterne, nach dem Titel der Buchvorlage.

Der Mechaniker Hig (Jacob Elordi), ansässig in Colorado, ist einer der Überlebenden einer großen Pandemie, sein Hund Jasper immer an seiner Seite. Er hat sich mit dem Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) zusammengetan, obwohl die beiden praktisch nichts gemeinsam haben, sie sind eine Zweckgemeinschaft in einer Welt, in der es kaum mehr Hoffnung gibt. Als Hig bei seinen Erkundungsflügen ein Funksignal erhält, glaubt er, dass es anderswo vielleicht eine bessere Zukunft geben kann…

SPOILER MÖGLICH

Man sollte sich von diesem Plakat nicht täuschen lassen. Jacob Elordi als Hig, eine Idealbesetzung für einen jungen melancholischen Mann, der vom Schicksal gezeichnet ist, steht zwar im Vordergrund mit dem Gewehr, er schießt aber tatsächlich, glaub ich, nie in diesem Film. Das macht hauptsächlich Josh Brolin, weil dafür wurde er typ-gecastet. Harhar. Aber tatsächlich wird in diesem Film überhaupt eher wenig gekämpft. Die Sache ist nur die: Wie nach Corona (natürlich die viel harmlosere Krankheit) stehen sich auch hier nach dieser Pandemie die Menschen sehr vorsichtig bis feindlich gegenüber. In diesem Fall, weil die Ressourcen schrumpfen, weil das Hab und Gut erobert oder verteidigt werden muss, weil es kaum eine Zukunft zu geben scheint.

Das Schöne an diesem Film ist, er ist über weite Strecke extrem langsam, fast elegisch erzählt. Hig fliegt mit seiner Cessna herum, die Natur hat Territorium zurückerobert, es ist, wenn man so will, die ganz große Entschleunigung eingetreten. Leider auch die ganz große Hoffnungslosigkeit. Denn die Überlebenden existieren zwar, aber viele andere Menschen scheint es nicht mehr zu geben und auch keine wirkliche Zukunft. Für Bangley reicht das, er will einfach nur irgendwie weiter leben. Da kann man reflektieren, was macht Leben eigentlich aus? Warum hängt man daran, wenn man fast alles verloren hat? Ist es genug, die Grundbedürfnisse zu erfüllen und kaum etwas darüber hinaus zu erleben, nur einen gewissen Status quo zu erhalten? Hig beschließt nein, lieber etwas wagen, anstatt weiterhin mit dem grantigen Bangley in halbwegs (!) sicheren Verhältnissen zu leben.

Mit seiner Reise nimmt der Film im wahrsten Sinn des Wortes Fahrt auf, es kommt für Hig nach einer Bruchlandung zur Begegnung mit Cima (Margret Qualley, die hier find ich ihrer Mutter Andie Mac Dowell sehr ähnlich sieht und wie immer super ist) und Pops (Guy Pearce, den ich nie erkenne, auch wenn ich ihn gut finde) und dann erlebt man zu dritt ein paar gefährliche und auch ein bisschen abartige Abenteuer und das ist ziemlich unterhaltsam, auf so eine Endzeit Art und Weise. Die tatsächliche Action – und ich bin kein großer Action Fan – ist mitreißend inszeniert und sieht nicht nach CGI aus. Eine Szene, die der Drehbuchautor der Buchvorlage eigenmächtig hinzugefügt hat, ist surreal und skurill, ich würde sie in diesem sonst ziemlich geerdeten Film nicht missen wollen.

Und nochmal ein extra Spoiler: Ridley Scott hat eine neue Botschaft für uns, und zwar wider Erwarten eine hoffnungsvolle. Wenn wir uns mit anderen zusammentun, und seien sie noch so gegensätzlich, wenn wir die Barrieren (auch in uns selbst) überwinden, dann sind wir stärker als alleine und auch glücklicher. Und das ist in Zeiten wie diesen gar nicht mal so banal wie man denken könnte.

Aus Venedig

Jetzt mal was zu den Filmfestspiele in Venedig – es gibt übrigens schon Rezensionen zu den ersten Filmen dort auf Uncut zu lesen. Unter anderem stellen zwei Regisseure ihre neuen Werke vor, zu denen ich ein eher kompliziertes Verhältnis habe.

Erstens Danny Boyle. Der neue Film heißt Ink. Prinzipiell ein interessantes Thema, der Auftstieg der Zeitung The Sun in den 1960er Jahren. Aber, ich spreche offen: Ich mag das Gesamtwerk von Danny Boyle überhaupt nicht. Harhar. Sorry, aber es ist so, wird ihm auch zurecht wurscht sein. Ich kann mit seiner Art Filme zu machen einfach absolut nichts anfangen. Ob Slumdog Millionaire – einer der schlimmsten Oscar Sweeps überhaupt, meines Erachtens, und dabei mag ich Wer wird Millionär wie man weiß sogar sehr gerne. Ob 128 Hours, Trainspotting (ja auch der), Yesterday, oder auch Steve Jobs. Ich mag sie alle nicht, und lustigerweise aus ganz verschiedenen Gründen. Ich weiß noch, als Steve Jobs damals noch im TV lief und ich es parallel mit meiner Mutter schaute, whatsappte sie mir in der Werbepause: Das ist schon sehr anstrengend. Harhar. Trotz Michael Fassbender und Kate Winslet.

Endlich kann ich das Hollywood Zeichen aus dem Minimundus posten harhar

Zweitens: Martin McDonagh – auch nicht gerade mein Favorit. Obwohl ich seine Filme an sich besser finde, erzeugen sie bei mir immer ein länger anhaltendes Gefühl von Sodbrennen. 2022 zum Beispiel kamen fast nur echt schreckliche Filme heraus und einer davon war The Banshees of Inisherin. Der Trailer tat so: Haha lustig, zwei Männer, beste Freunde und einer von beiden will dem anderen jetzt die Freundschaft aufkündigen. Und es wurde so dargestellt, als wäre das eine leichtfüßige Bromance-gone-bad-Komödie. Nur war an diesem Film überhaupt gar nichts lustig, er war düster, bitter, dunkel selbst in den Nebenhandlungssträngen und auch dann, wenn sich die Menschen ausnahmsweise nichts Böses wollten (was eher selten vorkam) spielte ihnen dann noch das Schicksal übel mit. Oida.

Der neue Film von McDonagh heißt Wild Horse Nine und handelt von zwei Agenten auf den Osterinseln in den 1970er Jahren (Jössas) Und ich gönne John Malkovich, dass er bereits jetzt im Oscar-Geraune ist und ich werde mir den Film auch anschauen, aber mir schwant schon wieder Übles.

Sex and Death at Camp Miasma

So. Wie fang ich da an. Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist der dritte Film der nonbinären Person Jane Schoenbrun und der erste, den ich bisher gesehen habe.

Es geht um Kris (Hannah Einbinder), eine Filmregisseurin, die damit beauftragt wird, die legendäre (fiktive) Camp Miasma Horroflm-Franchise wiederzubeleben. In dieser Filmreihe geht es darum, dass Jugendliche, die ein Sommercamp besuchen, vom sogenannten “kleinen Tod”, der selbst als (trans) Kind ertränkt wurde und seitdem im See lebt und Rache nehmen will, abgeschlachtet werden. Kris soll die Franchise für die woke Gegenwart adaptieren, das heißt vor allem queerfreundlich neu denken. Für einen kreativen Gedankenaustausch trifft sie sich mit dem sogenannten final girl1 des ersten Camp Miasma Films, Billy (Gillian Anderson), die sich von der Schauspielerei zurückgezogen hat und alleine im Wald am Drehort der Filme (!) lebt….

ACHTUNG ORDENTLICHE SPOILER

Ich würde diesen Film als sehr intellektuellen Meta-Horrorfilm mit atemberaubenden Bildern bezeichnen.

Der Wald, in dem Billy wohnt, ist nämlich tatsächlich gemalt. Und zwar auf Glas, wie früher bei den Stummfilmen und verschmilzt dann vor der Kameralinse mit Aufnahmen echter Bäume. Und es sieht einfach wunderschön aus, vor allem, weil Kris diesen Wald erstmals betritt, als dieser tiefverschneit ist, was den traumhaften Eindruck noch betont. Auch darüber hinaus gelingt Schoenbrun eine Ästhetik zwischen 1980er Jahren Grobkörnigkeit und im wahrsten Sinn des Wortes leuchtendem Surrealismus. In einer Szene essen Kris und Billy Hühnchen und tunken diese in die typischen Fast Food Saucen ein, und alles wirkt hyperreal und übersexualisiert, ich mein, es ist immer noch Hühnchen harhar. In einer anderen Szene liegen die beiden vor dem Kamin, eingebettet in knallbunte Chips und Saure Drops Sackerl. Diese Bildwelt ist für mich ganz neu und kaum mit etwas anderem vergleichbar, ich fand das sehr faszinierend.

Der Film hat auch viel Mut: Die Figur der Kris – Schoenbrun sagt, sie selbst sei quasi Kris – lebt in einer polyamorösen Beziehung, erzählt Billy aber, dass dieses Partnerschaftsform sie nicht glücklich macht, dass der andere Partner ihrer Frau ihr extrem auf den Senkel geht und, dass sie an Sex selbst auch wenig Gefallen findet bzw. an dem, was sie als für sich “erlaubte” Fantasien definiert. Und hier ist schon sehr amüsant, wie Schoenbrun die woken Standards des politisch korrekten als extrem lustfeindlich dekonstruiert, wenn die primäre sexuelle Wunschvorstellung von Kris ausgerechnet die ist, dass der “kleine Tod” wie im Film auf sie lauert und sie “slashen” will, also eine absolut unkorrekte Gewaltfantasie. Und Billy bestärkt sie darin, diese Fantasie zuzulassen.

Die beiden Darstellerinnen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Wobei ich sagen muss, dass mir Hannah Einbinder bisher vor allem durch alle möglichen politischen Aussagen negativ aufgefallen ist – dieser Drang von Hollywood-Schauspielern, permanent wenig komplexe Statements zu sehr komplexen Themen zu tätigen, das geht mir auf den Senkel. Ich versuche aber, die tatsächliche schauspielerische Leistung davon zu trennen (und das ist weiß Gott nicht leicht) und in diesem Film hat mich Einbinder als verkopfte, zurückhaltend-kreative Frau tatsächlich voll überzeugt.

Das Manko, das dieser Film mit seinen dutzenden Eastereggs, Referenzen (von denen ich als kaum Horror-affine Person sicher wenig erkannt habe) und Metaebenen hat: Er befindet sich, ähnlich wie Kris, ein bisschen zu viel in seinem Kopf. Als Zuseher fühlt man sich ästhetisch eingelullt und intellektuell gefordert und das ist super spannend, aber man fühlt dabei relativ wenig. Es ist eher ein sehr schön bebildertes Thesenpapier als ein tatsächlich Film-Film. Und was den Horrofaktor betrifft: Natürlich ist dieser Film blutig, aber so überzeichnet und artifiziell, dass er weniger Grauen verbreitet, als herkömmliche Horrorfilme. Ich finde Camp Miasma ingesamt auf jedenfall sehenswert, weil es gäbe dazu noch ganz viel zu sagen. Und ich denke immer noch darüber nach.

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  1. “Final Girl” nennt man in einem Horrofilm, vor allem in einem Slasher, die Frau, die am Ende überbleibt und überlebt ↩︎

Die Woche bisher

Die Woche läuft gut soweit. Am Montag nach einem 10 Stunden Arbeitstag – der mit der Mail: “Du bist ein Wahnsinn, danke” belohnt wurde – habe ich Wer wird Millionär gesehen, wieder da, nach der Sommerpause. Ich schaue die Sendung tatsächlich schon seit 25 Jahren. Es war auch das erste mal in diesem Sommer, dass ich den Fernseher aufgedreht habe.

Und ich habe gleich etwas gelernt:

Wer wird Millionär vom 31.August 2026

Weil ich wusste zwar, dass es die Programmiersprache Python gibt, das Kind hatte das sogar als Themenbereich bei der Informatikmatura, aber ich hatte absolut keine Ahnung, dass der Name von Monty Python kommt. Ich habe immer an die Schlange gedacht. Und dieses Wissen gebe ich hiermit hier weiter.

Am Dienstag gab es ein Geburtstagstreffen mit M in Wien Mitte. Wir waren supergut asiatisch essen, leider habe ich kein Foto gemacht, weil wir so ins Gespräch vertieft waren und danach waren wir noch an der frischen Luft und haben uns einen Mango bzw. Orangen Spritz gegönnt. Ein total schöner Nachmittag.

Lässiges Chillen in Wien Mitte

Heute habe ich es dann ins Kino geschafft – wie ich Teenage Sex and Death at Camp Miasma fand, ein andermal, nur das: der Film ist ungefähr so verkopft wie sein Titel. Davor war ich aber noch in der Severingasse auf Lokalaugenschein. Und jetzt wird sich jeder denken, wie, was? Nun ja, diese Gasse spielt in meinem Roman eine Rolle und ich wollte sie mal wieder begehen.

Die mystische Severingasse am 2. September 2026

Ich habe dort einmal die Vorlesung Medizinische Psycholgie besucht haben, das Institut war damals in dem Backsteinhaus links. Ich habe sie als Wahlfach wegen meiner Dissertation ausgewählt, eigentlich war es eine Lehrveranstaltung für Medizinstudenten im zweiten Studienabschnitt. Ich habe mir gedacht, hm, wie werde ich als Geisteswissenschaftlerin da mithalten können. Und es ist tatsächlich eines der Dinge, auf die ich wirklich stolz bin, dass ich den Test mit der Note “Sehr gut” bestanden habe (ich hab auch ur viel gelernt, weil ich mich nicht blamieren wollte, harhar)

Die Gasse mag ich aus dem Grund, weil ich, als ich sie erstmal sah dachte, wow, die ist wie aus einer anderen Welt. Oder zumindest aus einem anderen Ort als Wien. Und ich frage mich bis heute, wieso ich das so empfinde. Sowas finde ich immer total spannend. Ich könnte über Straßenzüge, Gegenden und Häuser ewig nachdenken. Auch wenn ich (noch) keine Worte dafür habe.

Four great albums

Folgende Frage habe ich auf Facebook reingespült bekommen. Und ich beschäftige mich ja gerne mit solchen Sachen, wo es um nichts geht, es aber trotzdem spannend ist, darüber nachzudenken.

Also ich habe von allen vier Bands Songs in meiner Indie Playliste. Aber keinen vom Album Parklife. Blur ist damit gleichmal raus. Abgesehen davon hatte ich bei Damon Albarn irgendwie das Gefühl, er macht sich über sich selbst, uns und vielleicht sogar das Leben an sich lustig. Ist okay, holt mich aber nicht hundertprozentig ab.

Definitely Maybe fand ich im Jahr 1994 einfach einen extrem super Albumtitel. Und ich habe Live Forever rauf und runter gehört, weil in diesem Jahr habe ich meine Nachprüfung nicht geschafft und bin quasi das erste Mal im großen Stil gescheitert. Es sollte nicht das letzte Mal sein. Jedenfalls kamen mir die Zeilen: “Maybe I will never be/ All the things that I wanna be/ Now is not the time to cry/ Now’s the time to find out why” sehr gelegen. Auch wenn ich damals natürlich wusste warum, wegen Mathe nämlich harhar. Generell waren mir die Gallaghers und zwar beide aber ein bisschen zu nonchalant-arrogant und ein bisschen zu gelangweilt, bei fast allem was sie taten.

Bleiben Pulp und Suede. Mein Freund hat damals Suede entdeckt und ich etwas später Pulp. Was soll ich sagen, Jarvis Cocker war einfach der beste Frontman für mich. Diese Attitüde der Kauzigkeit, der zelebrierten Peinlichkeit, aber auch der Intellektualität, die irgendwie nicht genau wusste, wo sie hinsoll im England der Working Class, das er ja auch gerne besang, das war genau meines. Und Do You Remember The First Time ist immer noch einer meiner Lieblingssongs.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, und ich weiß nicht, ob ich das damals war, weil ich wollte ja “meine” Band verteidigen harhar, dann muss ich zugeben, dass Suede insgesamt die bessere Band war und vor allem ist Dog Man Star das beste Album.

Diesen epischen Songs, die Zivilisationskritik übten – “Let the nuclear wind blow away my sins”, die Einsamkeit in Satellitenstädten adressierten und (auch illegale) Formen des Eskapismus thematisierten, denen kann man sich kaum entziehen. Ich meine alleine die Dualität eines Songs wie Heroine – spricht Sänger Brett Anderson hier über seine Heldin oder vielleicht doch die Droge – hat mich komplett in den Bann gezogen und dabei habe ich nicht mal geraucht. Aber ich bin der Meinung, darüber müssen Bands erzählen, über die großen Themen, über alles Düstere, das, was uns Angst macht und alles, was wehtut. Solche Zeilen wie: “I belong to a world that is gone, it’s the english disease” Großes Kino.

Heute ist mir vieles zwar zu schwer, Musik kann mich sehr runterziehen, aber trotzdem habe ich es sowohl Pulp als auch Suede ziemlich übelgenommen, dass sie später Alben mit Titeln wie We Love Life und A New Morning herausgebracht haben, weil in den Park gehen kann ich selber auch, harhar.

Ja, erstaunlicherweise war das jetzt ein Musik-Posting ohne ESC Content. Und das obwohl morgen offiziell die neue ESC Saison startet.