almis personal blog

Thanksgiving

In Österreich wird Thanksgiving übrigens am 8. Dezember gefeiert. Na ja, zumindest bei uns. Liebe Freunde haben letztes Jahr erstmals einen großen Truthahn gebraten und wir haben geschmaust. Das hat soviel Anklang gefunden, dass es heuer ein da capo gab. Da aber ein Teil des Freundeskreies im November ausgeflogen war, wurde das Essen auf Dezember verlegt.

Übrigens hatte der Vogel 8,7 Kilo und nein, wir haben ihn zu acht nicht aufgegessen. Haben grade etwas mehr als die Hälfte geschafft. Es gab ja noch eine Menge an side dishes wie Cranberry Sauce, Erdäpfel, Kürbisauflauf mit Marshmellows, Füllung usw. Im Hintergrund liefen übrigens Football-Aufzeichnungen, wegen der Authentzität.

Fazit:

What’s it all about, zwei

Die Michael Caine Bio liest sich immer noch gut, er hat einen sehr trockenen, britischen Humor. Mittlerweile ist Caine 40 und war bereits für zwei Oscars nominiert (also im Buch, tatsächlich ist er ja schon etwas älter)

In seinem Privatleben tun sich richtig Parallelen zwischen uns – Caine und mir –  auf. Er hat nämlich auch in Las Vegas geheiratet und schildert, wie sie die Formalitäten binnen 20 Minuten im Clark County Office erledigt hatten, das Prozedere war offenbar schon 1973 so. Seine Frau und er wollten nämlich keinen Hochzeitszirkus. Ironischerweise befand sich ihre Trauungskapelle dann direkt gegenüber gleichnamigem Hotel (Circus, Circus, das es noch gibt) Sie heirateten in der Little green chapel: laut Caine war das einzig Grüne daran ein Stückchen Kunstrasen, das um die Kapelle herum drapiert war.

Seine Frau war damals schon mit der kleinen Tochter schwanger, die einige Monate später zur Welt kam. Zuerst schien alles normal, Baby und Mutter waren nach der Geburt wohlauf, doch dann kam es zu Komplikationen und die Lungen des Mädchens kollabierte. Sie wurde auf eine Neugeborenen-Intensivstation gebracht, wo Caine sie sofort besuchte und wo sie einen Finger nahm und fest drückte. Und Caine hoffte, dass sie es schaffen würde.

Als er und ich heute morgen beim Frühstück darüber redeten, hat uns das beide ziemlich erwischt. Vielleicht kein Thema für sieben Uhr morgens, aber es ist schon arg, wie präsent die eigenen Erinnerungen plötzlich wieder sind, wenn man ähnliche Geschichten hört und Geschichten mit neugeborenen Babys auf der Intensivstationen haben immer gewisse Parallelen.

Jedenfalls hat Caines Tochter ihren schwierigen Start ins Leben gemeistert und wird jetzt selbst bald vierzig.

Annie Hall

Annie Hall (Der Stadtneurotiker) von Woody Allen hat 1977 bei der Oscarverleihung Star Wars im Rennen um den besten Film-Oscar geschlagen. Und das ist schon ziemlich erstaunlich. Star Wars markierte quasi den Beginn des Blockbuster-Kinos und Roger Ebert schrieb über Annie Hall: “(it) contains more intellecual wit and cultural references than any other movie ever to win the Oscar for best picture.”

Das ist richtig. Allein die Szene, in der Alvy Singer (Allen) mit Annie (Diane Keaton) an einer Kinokassa angestellt steht und sein Hintermann sich mit seiner Frau minutenlang über die Werke von Federico Fellini unterhält, ist mutig. Nach dem Sex zitiert Alvy Balzac, Marshall Mc Luhan wird nicht nur zitiert, sondern hat quasi auch einen Auftritt auf der Metaebene. Oder wie Ebert sagt: “Alvy is smarter that the ground rules of Hollywood currently allow”. Die Protagonisten reden unentwegt. Miteinander, mit sich selbst, mit der Kamera.

Annie Hall erinnert mich von der Gesprächsdichte und Geschwindigkeit auch irgendwie an The Social Network von David Fincher. Dennoch (oder deshalb) funktioniert der Film als Film für mich deutlich weniger als Hannah und ihre Schwestern. Es zeichnet sich eher durch Vortrag (und manchmal entbehrt dieser nicht einer gewissen Arroganz) als durch Handlung aus und nutzt die visuellen Möglichkeiten des Mediums kaum. Und das hat irgendwie etwas ermüdendes.

Es mag aber auch sein, dass der Film soviele Zitate beinhaltet, die bereits in das kollektive Gedächtnis eingegangen und praktisch Allgemeingut geworden sind, dass man das Gefühl hat, man kennt das alles irgendwie schon – beispielsweise wenn Alvy Groucho Mark zitiert: “Ich möchte kein Mitglied in einem Club sein, der mich als Mitglied akzeptiert” oder “Masturbation ist Sex mit jemanden, den ich liebe.”

Und wer sich fragt, ob Diane Keaton ihr modisches Selbstverständnis (ein Hauch von Cross Dressing) durch diesen Film gefunden hat, dem muss ich sagen, es war umgekehrt. Annie Hall trägt das, was Diane Keation damals (und auch heute noch) privat gerne anzieht.

Xmas Countdown

Heute am ersten Dezembertag widme ich mich meiner vorweihnachtlichen to do-Liste, das alles liegt u.a. vor mir:

– Fotogeschenke fertigmachen

– zum Friseur (=meine Mum) gehen

– Essen mit den Ex-Arbeitskolleginnen

– Truthahnschmaus mit Freunden

– Influenzaimpfung Kind – note: in der Gemeinschaftspraxis eine Ärztin (!) verlangen

– Indoorspielplatz mit Adrians Kumpel

– Kindergeburtstagsfeier

– “Weihnachten im Winterwald”- Vorstellung besuchen

– und auf einen, zwei oder drei Weihnachtsmärkte wollen wir auch noch

Klingt nach einer Menge, aber das wird sicher alles nett. Dafür werde ich keine einzige Einkaufsstraße besuchen, sondern alles bequem online bestellen. Und krank werden wir hoffentlich auch nicht mehr, haben wir schon in der letzten Woche erledigt.

Hannah und ihre Schwestern

Woody Allen hat morgen Geburtstag. Was ihn selbst vielleicht nicht so freuen wird, mich allerdings schon, hat sich ATV2 doch zu diesem Anlass entschlossen, gestern drei Allen-Filme zu senden, nämlich Hannah und ihre Schwestern, Annie Hall und Zelig. Zu meiner Schande kenne ich alle drei noch nicht.

Kleine Spoiler möglich

Hannah und ihre Schwestern handelt von den komplizierten Strukturen und Wirkmechanismen innerhalb einer Familie, von Geschwisterreihenfolgen und -rollen und schließlich auch von den angeheirateten Männern. Die Frauen (Farrow, Wiest und die weniger bekannte Hershey) sind – jede auf ihre Weise – faszinierend, selbstbestimmt, suchend. Alles Künstlerinnen, die mit dem Platz im Leben hadern, sich ausprobieren, experimentieren. Und die Männer spielen keine so untergeordnete Rolle wie der Filmtitel vermuten lässt. Die Charaktere sind erstklassig mit Michael Caine, Max von Sydow und Woody Allen selbst besetzt.

Ich liebe Michael Caine (dessen Biografie ich ja gerade lese) dafür, dass er mit Minimalaufwand den Charakter seines Protagonisten so klar herausarbeiten kann. Da reichen ein paar Gesten, sein Mienenspiel und man weiß, was Sache ist -das ist bei so einer doch eher durchschnittlichen Figur sicherlich noch schwieriger als bei dem Exzentriker, den von Sydow zu spielen hat. Caine hat für die Rolle auch den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten.

Generell ist Hannah und ihre Schwestern ein typischer Woody Allen, nämlich insofern als er sich überhaupt kein Blatt vor den Mund nimmt. Sexualität ist ein wichtiges Thema, das permanent präsent ist, aber dann auch wieder sehr beiläufig und unaufgeregt. So ist von Masturbation ebenso nebenbei die Rede wie von künstlicher Befruchtung, die 1986 noch eine relativ neue reproduktionsmedizinische Methode darstelle.

Besonders gelungen fand ich, wie sich Woody Allens Figur mit der Suche nach dem Sinn des Lebens auseinandersetzt und dabei sogar überlegt, zum Christentum überzutreten. Seine jüdische Mutter ist verzweifelt, man sieht sie nur aufschreiend in ihr Zimmer laufen, der Vater wirkt pragmatisch und ist bereit, über diese Entscheidung zu diskutieren. Woody Allen: “Hast du dich nie gefragt, welchen Sinn zum Beispiel Nazis haben? Warum gibt es Nazis?” Der Vater: “Ich weiß nicht mal wie der Dosenöffner funktinioniert, woher soll ich wissen, warum es Nazis gibt.”

Hannah und ihre Schwestern beschäftigt sich auch mit außerehelichen Affären innerhalb der Familie, doch hey, das ist Woody Allen. Man muss sich hier nicht Tragik wie etwa bei Louis Malles’ Damage erwarten, keine Angst!

Drei Wochen Strohwitwe

Übrigens ist das Kind so glücklich, dass der Papa wieder da ist. Bei der Ankunft hat er ihn minutenlang mit geschlossenen Armen umarmt, ganz still und zufrieden. Wenn man das in einem Film sieht, findet man das tendenziell übertrieben und auf Wirkung gedrimmt, aber wenn das tatsächlich so passiert, ist es einfach nur schön und rührend.

Ich denke, ich habe die Strohwitwenzeit gut bewältigt. Aufgrund der vielen Bewegung habe ich zweieinhalb Kilo abgenommen und bin jeden Abend vor elf ins Bett gefallen. Damit nur eine Stunde nach Adrian. Aufgestanden sind wir dann auch wieder recht früh, so um halb sieben. Dazwischen in den Kindergarten fahren, auf der Bibliothek arbeiten, einkaufen, daheim dann bisschen aufräumen und spielen und Knisterbäder nehmen.

Einen Gutteil der Zeit waren wir aber auch unterwegs, Frühstücken bei einem Freund, mit einem anderen Kumpel im Kurpark Oberlaa, Ganslessen bei der Oma, Laternenfest mit Kartoffelsuppe und heißem Tee im Kindergarten, zwei Kinobesuche (Madagascar 3 und Nikko 2), Rollern bei Sturm in Wien und einiges mehr. Bisschen was neues hab ich auch gekocht (Brokkolicremesuppe, Frittatensuppe, Championschnitzel).

Die erste Woche war eigentlich am schwierigsten für uns beide, wegen des Adaptionsprozesses, danach ist die Zeit aber recht schnell vergangen. Und die Wiedersehensfreude ist auch etwas schönes!

Die natuerliche Familie

Letztens gabs auf Twitter eine Diskussion über eine neue Sexualaufklärungsbroschüre des Ministeriums für Unterricht und Kunst. Und zwar, weil in den Ganz schön Intim genannten Materalien das klassische österreichische Familienbild diskreditiert wird.

Öhm ja. Da sind also Personen zu sehen, deren Geschlecht nicht exakt definiert zu sein scheint (m.E. mit Absicht) und die sich küssen oder miteinander im Bett liegen. Und dann gibts wirklich Menschen, die finden, das bilde die Realität nicht ab, weil es nicht 60 Prozent lesbische und schwule Paare gäbe (das Geschlecht der Personen sind, wie gesagt, nicht exakt definiert). Und das ist…äh wieso genau schlimm? Ich dachte ja naiverweise, es ginge in der Broschüre um Beziehungen, Liebe und Sexualität und nicht um Normen. Sondern um Gleichberechtigung. Aber andererseits wundert es mich auch wieder nicht, wenn man bei Diskussionen in diversen Foren über zb. das Familienbild liest, dass bereits 1-Kind Familien gar keine “richtigen” Familien seien.

Meiner Ansicht nach ist das ein Anachronismus in einer Zeit, wo es nicht nur homosexuellen Menschen endlich möglich wird, ihre Beziehungen offen zu leben, sondern es auch immer mehr Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Singles und andere Lebensformen gibt. Und auch immer mehr Menschen mit Empfängnisproblemen. Menschen, die adoptieren oder Pflegeeltern werden. Die gesellschaftliche “Normfamilie” gibt es so nicht mehr, dafür Vielfältigkeit und Buntheit und Platz für neue Realitäten.

Daher ist diese Broschüre für mich kein Angriff auf die “herkömmlichen” Familien und ihre Werte, sondern einfach eine Erweiterung des Spektrums in einer offenen Gesellschaft.

Heidi@Home: Downton Abbey

Meine neue Kolumne beschäftigt sich mit der – eben auf ATV Österreich – angelaufenen Serie Downton Abbey:

 

Die Serie hat eine gewisse ähnlichkeit mit Upstairs/Downstairs (Das Haus am Eaton Place), die ich geliebt habe. Mr. Almi und ich waren 1994 sogar am Eaton Sqaure, um “das Haus” zu finden. Passend gekleidet in Mod-Jacke und Doc Martens. Also passend für England, nicht für das Haus am Eaton Place.

Auch wenn ich nicht sicher bin, ob wir wirklich das richtige Haus fotografiert haben, es gehört zu meinen kultigsten London-Erinnerungen.