almis personal blog

das waren die oscars, eins

“extremly loud and incredible close – that’s how my relatives watch the oscars” – billy crystals eingangsstatement gab den ton vor.

bei der 84. oscarverleihng handelte es sich nicht gerade um die innovativste show der geschichte, aber im gegensatz zu vergangenen jahren kam sie auf den punkt, ohne auszuufern, war solide, recht unpolitisch, doch ziemlich unterhaltsam und kurzweilig. die zeichen standen den ganzen abend über auf “nostalgie” – was sowohl sich sowohl in scorseses hugo als auch im gewinner des abends – the artist – widerspiegelte. weniger worte, dafür mehr emotion.

überraschungen gab es an dem abend kaum, die größte war interessanterweise der oscar für meryl streep, was irgendwie eigenartig ist, da sie zum 17. mal nominiert war und ein award also nicht generell “out of the blue” kommen kann. die schöne laudatio hielt colin firth, den ich bitte auch als laudator haben möchte, wenn ich mal nominiert werden sollte – zu streep (in anspielung auf den gemeinsamen film): “mamma mia. we were in greece, we danced, i was gay and we were happy”. danced übrigens mit a ausgesprochen. und dann betonte er ihre leistungen mit warmherzige worten.

hach ja, da musste sogar meryl eine träne verdrücken. um nachher selbst die beste acceptance speech des abends zu halten: “when they call my name i had this feeling, that i could hear half of america going oh no, oh come on why her again..” und dann mit wegwerfender handbewegung “…but whatever…” . um im anschluss daran ihrem mann zu danken und die bedeutungen von freundschaften im filmbusiness hevorzuheben.

das war schön und stimmungsvoll und wurde in meiner twitter-timeline von praktisch jeder frau über 30 goutiert. o-ton: wenn ich mal 62 bin, will ich auch noch so cool sein.

oscar-vorschau

der diesjährige oscar-moderator billy crystal twittert übrigens kaum.

eine gute entscheidung, wenn man bedenkt, wieviel james franco voriges jahr getwittert hat, sogar während der show, und wie bescheiden seine leistung dann war, um es vorsichtig auszudrücken. und zwar wirklich objektiv gesehen. es war keine leistung wie die von ellen, also ganz ok und einfach geschmackssache, sondern es war wirklich richtig schlecht. anne hathawy natürlich eingeschlossen.

die verleihung dieses jahr könnte relativ spannend werden, dann es gibt keine extrem klaren favoriten. den oscar für den besten film könnten sowohl the artist als auch hugo oder auch the descendants (immerhin außenseiterchancen) erhalten. beim best actor gibts offenbar ein kopf an kopf rennen zwischen george clooney und jean dujadin, der in der letzten zeit ein paar wichtige vor-oscar preise gewonnen hat. allerdings bemerkte bret easton ellis auf twitter, dass er niemand kennt, der für dujadin gevotet hat (ich weiß allerdings nicht, wieviele juroren easton ellis kennt).

auch beim best actress award dürfte es eng zwischen viola davis (the help) und meryl streep (the iron lady) werden. hier geht es darum, ob die rekordhalterin an nominierungen endlich mal wieder, nach 1983, einen award mit nachhause nehmen darf oder ob die bei uns noch eher unbekannte viola davis sich ins bewusstsein der menschen beamt. ich sehe da aber leichte vorteile bei streep, auch wenn sie selbst hofft, dass davis die anerkennung bekommt, denn sie, streep, “brauche” den oscar ja nun nicht mehr wirklich; was auch stimmt, jeder weiß, wie gut streep ist.

die besten nebendarsteller dürften mit christopher plummer und ocatvia spencer feststehen. bei originaldrehbuch und bei regie könnte es eine kleine ehrung für die altmeister woody allen und martin scorsese geben. ich glaube jedenfalls daran.

carnage

carnage von roman polanski ist die verfilmung des kult theater-stückes god of carnage von yasmina reza. und roger ebert fragt in seinem review – nicht ganz zu unrecht – ist es notwendig, das stück in einen film zu verwandeln. meine antwort: wenn man solche schauspieler dafür gewinnen kann ja, auf jeden fall.

carnage ist ein kammerspiel für zwei ehepaare. der sohn der einen familie hat den sohn der anderen einen zahn ausgeschlagen. und man trifft sich, um die dinge zu regeln. zivilisiert und erwachsen, schließlich ist man abgeklärt, hat einen gewissen status erarbeitet, ist kultiviert und gebildet. und so eine große sache ist das nun auch wieder nicht. doch das treffen entwickelt sich dann doch anders als vorgestellt…

drei der vier darsteller haben einen oder mehrere oscars zuhause stehen. und der vierte darsteller wurde oscarnominiert. das merkt man. was wir hier sehen können, sind brilliante performances, ganz und gar typgerecht. dabei ist nichts so wie es im ersten moment scheint. je kunstvoller die fassade, desto erschreckener die entblätterung. allianzen werden geschlossen und wieder aufgelöst, wenn eine andere option attraktiver erscheint. gruppendynamische prozesse werden en passent beleuchtet, ein panoptikum der emotionen präsentiert. und niemand will (wie in bunuels würgeengel) die wohnung verlassen. es scheint so, als würden alle beichten wollen.

interessant ist, dass die figur der jodie foster kunstaffin ist und einen kokoschka bildband auf dem cocktailtisch liegen hat und jeder in der deutschen übersetzung den namen des malers auf der 2. silbe betont. während man in wien hingegen die erste silbe hervorhebt. das klingt für unsere ohren so befremdlich, dass mir erst nach einigen minuten aufgefallen ist, über wen sie da sprechen.

carnage ist sehr kurz, nur knapp 80 minuten lang und ich hätte noch länger mit interesse zugesehen. allerdings ist es nicht gerade wenig, was einem in dieser kurzen zeit geboten wird. man muss den film nicht unbedingt am big screen sehen, aber ansonsten auf jedenfall eine empfehlung!

es wird spannend

nun ja, richtig viele überraschungen gab es bei den gestrigen oscar nominierungen zugegebenermaßen nicht.

ein paar aber dann doch, beispielsweise die nominerung für demian bechir (ich gebe es zu, ich kenne ihn nicht, aber er hatte zb. eine rolle in weeds), der offenbar fixstarter leo aus dem feld gekickt hat. es passiert eher selten, dass jemand für den oscar nominiert wird, der nicht vorher schon für den golden globe in betracht gezogen wurde. und es beweist einmal mehr, dass di caprio bei der oscar jury nicht gerade viele fans hat, er wird sehr oft übersehen bzw. nach einer golden globe nom nicht “übernommen”.

nicht ganz so überraschend, aber doch eine eher außergewöhnliche entscheidung der jury: melissa mc carthys (sookie! gilmore girls!) nominierung für ihre rolle in bridesmaids. eine nomierung vor allem für unerschrockenheit und schmerzbefreitheit, was peinliche szenen betrifft. wer den film gesehen hat, weiß, wovon ich spreche. bridesmaids beweist durch seine 2. nominierung (drehbuch), das popcorn komödien beim oscar sehr wohl eine chance auch in wichtigeren kategorien haben, wenn sie intelligent gemacht sind.

eigenartig finde ich, dass es diesmal nur 2 songs in der kategorie best song gibt -eine davon für den muppets-film. und hier zeigt sich: das ist das jahr, in dem die seriendarsteller den big screen “unterwandern”. der muppets song wird nämlich von jason segel performt (darsteller in how i met your mother). dazu, wie schon erwähnt behir aus weeds, mc carthy aus gilmore girls, nicht zu vergessen michelle williams (hauptrollen-nom für my week with marilyn und insgesamt schon die 3. nominierung für williams) aus dawson’s creek und wenn man so will auch george clooney (ER).

hm, wenn man eine serienkolumne schreibt, wäre das vielleicht ein thema fürs nächste monat…

lesestoff

hurra, meine zu weihnachten bestellten ebert-bücher sind da!

die da wären: die roger ebert bio und die dritte ausgabe seiner great movies – ich war besonders gespannt, welche filme eingang in die sammlung gefunden haben und das sind u.a. werke wie babel, groundhog day, dark city, l.a. confidental, magnolia, blade runner und the shining.

roger ebert hat ein extrem breit gefächertes filmwissen und schreibt sehr pointiert, ich freue mich schon auf das lesevergnügen.

p.s. wieso die bio in large print geschickt wurde (hab ich das so bestellt?) weiß ich zwar nicht, aber oh ja… trägt den hinweis nicht zu unrecht. wer also mal auf die brille verzichten will, ich borge ihm gerne das buch. harhar.

rushmore

rushmore ist aus mindestens zwei gründen filmgeschichtlich interessant: zum einen ist es der film, mit dem regisseur wes anderson seinen durchbruch schaffte, zum anderen markiert rushmore bill murrays wechsel vom klamaukkomiker ins independent fach, quasi seine zweite, sehr erfolgreichreiche karriere.

kurz zum plot: der 15 jährige max fischer (jason schwartzman), dem seine schule – das private rushmore college – alles bedeutet, wird vom direktor an die luft gesetzt. er ist zwar passionierter autor von theaterstücken und gründer zahlreicher vereine für schüler, doch im unterricht ist er schwach und leistet sich zuviel gegenüber den lehrern. nach dem rausschmiss hängt fischer in der luft – wird sein väterlicher freund hermann (murray) ihm helfen können, wieder zurückzulehren? wird er das herz seiner lehrerin (olivia wilde) erobern können?

zugegeben, wenn man das so liest, fragt man sich: was um himmels willen soll daraus werden? aber – wie rogert ebert es ausdrückt: “anderson and wilson (owen wilson, co-drehbuchautor anm. der red.) are good offbeat filmmakers. they fill the corners of their story with nice touches.” es ist keine große geschichte, die hier erzählt wird, aber eine, die tief geht. die figuren sind gebrochen, sie haben verluste erlitten, auch max hat viel mehr verloren als nur seine schule; aber diese verluste haben sie nicht zerstören können. die melancholie ihrer lebenswege schimmert in ihren augen, aber sie stehen auf und machen weiter, sie hören nicht auf zu träumen und zu hoffen.

wes andersons hat viel verständnis und ein großes herz für seine figuren. max ist wie ein etwas älterer bruder für einen igby (igby goes down), bill murray ist auf unheimlich tollpatschige art lebensklug und liebenswert, rosemary eine nachdenkliche poetin. anderson betrachtet sie und die vielen kleinen nebencharaktere wohlwollend, trotz all ihrer defizite, immer mit großer sympathie. dabei etabliert er gewisse trademarks, die auch in seinen weiteren filmen wie the royal tenenbaums (einer meiner lieblingsfilme) und the life aquatic auftauchen wie etwa die obsession für das meer und das tauchen, die erfindung obskurer vereine, der prägnante einsatz von musik, der gezielte einsatz von slow motion.

anderson schafft es, einen wirklich warmherzigen film zu schaffen, der zwar durchaus dunkle töne anschlägt, dabei aber immer positiv und lebensbejahend bleibt.

vertigo

vertigo – einer der hitchcocks klassiker, aus dem jahr 1958 – ist ein psychothriller mit sehr moderner optik, einem irritierenden plot-aufbau und einem ungleichen leinwandpaar, james stewart (damals 50) und kim novak (damals 25).

wenn man langsam den eindruck gewinnt, als wäre jimmi stewart für hitch sowas wie leonardo di caprio für scorsese heute, dann entspricht das durchaus den tatsachen. nur, dass nach vertigo damit schluss war, weil hitchcock stewarts alter die schuld daran gab, warum der film damals kein erfolg war. stewart sieht man sein alter überdeutlich an, man gibt ihm sogar noch einige jahre dazu. stewart ist da so alt wie george clonney jetzt, unfassbar. cary grant ist der clooney seiner zeit, der es sogar schafft, in north by northwest einen sohn zu spielen, der de facto nur sieben jahre jünger war als seine filmmutter. aber genug offtopic.

kim novak fand hitchcock übrigens ebenfalls fehlbesetzt. wen man langsam den eindruck gewinnt, als wäre alfred hitchcock nicht gerade der umgänglichste zeitgenosse gewesen, dann entspricht das durchaus den tatsachen.

minmale spoiler möglich

die ausgangssituation: detektiv john ferguson (stewart) hat nach einem beinahe tödlichen unfall höhenangst (>vertigo) und quittiert seinen dienst. daraufhin wird er von einem ehemaligen schulkollegen dazu angeheuert, dessen frau (kim novak) zu beschatten, da der diese für geisteskrank hält und fürchtet, sie könnte den freitod wählen. was für ferguson zuerst einen eher lästiger freundschaftsdienst bedeutet, beginnt schnell, ihn ganz in den bann zu ziehen…

der charakter fergusons wird in der rezeption oft als alter ego hitchcocks gelesen; als figur, in der sich der regisseur offenbart, seine wahren schwächen zeigt, sein frauenbild kritisch hinterfrägt und sich seinen obsessionen stellt. wenn man hitchcocks bio kennt und sich mit seinem verhältnis zu frauen beschäftigt, ist das durchaus vorstellbar. auf der anderen seite fragt man sich in vertigo: was sind die motive der frau, so zu agieren, wie sie das tut? was hat sie dazu gebracht, die zu werden, die sie ist? oder zu sein scheint? diese fragen stehen im film mehr im vordergrund, als action oder suspense.

san francisco als schauplatz der handlung erscheint etwas anders als gewohnt; die stadt erinnert sich an seine wurzeln, schlüsselszenen spielen an orten mit spanischer tradition und der coit tower (been there, and it was’nt that bad) wird als hässlich bezeichnet.

insgesamt ein mysteriöser film, der konsequent gegen die sehererwartungen arbeitet.