almis personal blog

This is forty

Seth McFarlane hat bei der Oscar-Verleihung ein bisschen über Hanekes Amour gewitzelt, der den Untertitel “This is ninety” trage. Das war eine Anspielung auf den Film This is forty, den ich gestern gesehen habe, und der den eher doofen deutschen Titel “Immer Ärger mit 40” bekommen hat.

Es handelt sich hierbei um eine Judd Apatow Komödie, und der Mann steht bekanntermaßen für intelligente Hollywood-Unterhaltung, mit einem Schuß Indie und einer manchmal ordentlichen Prise Fäkalhumor. This is 40 ist zunächst einmal eine doch relativ genaue Beobachtung der Situation von Menschen in dieser Altersgruppe. Ich bin zwar erst (bald, sehr bald) 37, zähle mich aber schon dazu. Denn es geht um meine persönliche Lebenssituation. Man ist verheiratet, hat Kind(er), Berufe, man versucht alles auf die Reihe zu kriegen, man will im Job durchstarten (denn wenn man es bis 40 nicht schafft…), genauso wie ein tolles Familien- und auch Beziehungsleben. Man ist nicht alt, merkt aber schön langsam, dass man auch nicht ewig Zeit hat, sein Leben zu leben. Und genau deshalb ist man in diesem Alter permanent irgendwie gestresst.

Der Film zeigt: Menschen um die 40 liegen selten auf dem Sofa. So auch nicht Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann), ein normales Ehepaar aus der gehobenen Mittelschicht. Sie schwanken zwischen Glücksgefühlen, wenn sie ihre Kinder ansehen, und Genervtheit über die beiden Mädels (die permanent streiten oder bocken, aber auch sehr süß sein können), zwischen Selbstverwirklichung und Geldsorgen, zwischen dem Wunsch, fit zu bleiben und den Cupcakes und Pommes-Gelüsten. Einmal fahren sie ein Wochenende weg und da, in diesem Moment, wo die beiden im Pool sind, sich mit nassen Haaren umarmen und küssen, da wette ich, dass jeder Elter im Kinosaal, in diesem Alter seufzt und denkt: oh ja, das mag ich auch mal wieder machen, denn das fühlte sich doch so verdammt gut an, damals… Doch ein Paar sind die beiden (und wir Zuseher) nun schon länger nicht mehr und auch das macht gewisse Probleme. Denn da ist schon wieder dieser Zwiespalt, einerseits ist es wunderbar, eine Nacht zu zweit, fernab von daheim, zu verbringen, andererseits fehlen einem am Morgen die Kinder wie verrückt. Man will ja nicht mehr anders leben, weil man noch nie so glücklich war, nur ab und zu durchschnaufen, das wäre schön. Aber kann man sich das leisten?

Es ist Apatows besondere Leistung, die Ambivalenzen in diesem Alter sehr genau darzustellen und den Finger dorthinzulegen, wo es wehtut. Da ist ein großes Stück Autobiografie dabei – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Hauptdarstellerin Leslie Mann Apatows Ehefrau und die beiden Mädchen seine eigenen Kinder sind. Der Film ist witzig, wenn für mich auch fast die ernsten Untertöne überwiegen. Wenn etwas daran nicht so gelungen ist, dann das, dass der Regisseur den Fokus der Geschichte wieder und wieder aus den Augen verliert. Es sind soviele Themen, die er einbringt, soviele Handlungsebenen, dass in diesem ohnehin schon überlangen Film immer noch das Gefühl bleibt, es wurde manches nur sehr oberflächlich gestreift. Das ist doch ein wenig schade, auch wenn es dafür sehr viele tolle Nebendarsteller gibt, u.a. Jason Segel (How I met your mother) als erotisch-esoterischen Fitnesstrainer und Melissa McCarty (Gilmore Girls, Bridesmaids) als hysterische Mutter in den Wechseljahren. Eine originelle Cameo-Performance gibt es von Green-Day Frontmann Billie Joe Armstrong.

Im großen und ganzen kann man sich bei diesem Film gut und solide unterhalten (vor allem, wenn man um die 40 ist) – seine zeitweilig derben Witzchen hätte This is 40 allerdings ebensowenig nötig, wie das angesprochene Überangebot an Themen. Aber Apatow ist auf einem guten Weg zu This is 50.

3 comments

  1. Ich finde es ein bisschen schade, dass die anderen Lebenssituationen von Menschen in diesem Alter in deinem Eintrag nicht erwähnt werden. Nicht alle Menschen führen ein Leben wie die handelnden Personen in dem Film oder wie in deiner derzeitigen Lebenssituation: “Man ist verheiratet, hat Kind(er), Berufe, man versucht alles auf die Reihe zu kriegen, man will im Job durchstarten…”
    Das ist jetzt überhaupt nicht böse gemeint, aber mich stört etwas der Ausdruck “man” weil dieser doch verallgemeinernd ist. Es gibt genügend Beispiele von Personen in diesem Alter die in anderen Lebenssituationen sind – z.B. Single, Beziehung aber (noch) keine Kinder bzw. Zusammenwohnen, etc. Gerade unsere heutige Generation tendiert doch dazu, vieles auf später zu verschieben, weil sie noch nicht so schnell erwachsen werden will oder sich erwachsen fühlt. Aber ich denke, der Druck der Gesellschaft ist oftmals noch da, ein bestimmtes Rollenbild zu erfüllen.

    1. Das tut mir leid, so sollte es eigentlich nicht rueberkommen. Das man bezog ich jetzt auf Leute, die dieses Modell leben und damit aehnlichen Fragestellungen gegenueberstehen.

      Natuerlich kann “man” auch ganz anders leben und tun ja auch viele. Gsd haben wir ja heute vielfaeltige Moeglichkeiten zu leben. Das wollte ich nicht in Abrede stellen.

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