Das Wochenende habe ich großteils mit Arbeit verbracht. Das brauche ich jetzt nicht an jedem Wochenende, aber diesmal war es ganz ok, es war eh eiskalt draußen. Am Montag am Vormittag habe ich dann alles abgegeben, weshalb ich jetzt ein “Schatz” bin, das hört man ja auch nicht ungern. harhar.
Dann gleich noch eine neue Arbeit angefangen und schnell mittaggegessen, bevor ich zu meinem “Vorstellungsgespräch” aufgebrochen bin.
Dafür musste ich zum Franz Josefs Bahnhof fahren, es war immer noch kalt und grau, aber ich habe daran gedacht, wie ich vor einiger Zeit dort öfters mittagessen war, und in einem Gastgarten gesessen bin und dann sind wir die Alserbachstraße hinauf gebummelt, es war geborgen und lustig. Das waren so schöne Erinnerungen, dass ich mich gleich richtig gut gefühlt habe.
Das Gespräch war dann sehr nett. Lustig mal wieder, jemanden gegenüber zu sitzen, der den eigenen Lebenslauf vor sich hat. Fragen zu beantworten und Fragen zu stellen. Nach zehn Minuten war aber eh schon alles klar und ich habe jetzt einen neuen Auftraggeber und ich freue mich sehr darüber und darauf.
Am letzten Tag des letzten Jahres war ich noch einmal Frühstücken. Das ist eine gute Idee, weil dann das Mittagessen ausfällt und man am langen Abend tendenziell eh zu viel isst.
Ein neues Wort zum Jahresende gelernt: “Industrieschnee”, der angeblich gefallen ist
Ich habe ein Gespräch geführt, von dem ich mir im nachhinein gedacht habe, dass es vielleicht ernster war, als von mir angenommen. Dass ich es nur unter einem gewissen jovialen Gesichtspunkt interpretiert und dementsprechend reagiert habe, weil mein Gegenüber Sachverhalte sehr pointiert und witzig geschildert hat.
Dass das Gespräch tatsächlich aber auch eine ganz andere Abzweigung hätte nehmen können, wenn ich anders reagiert bzw. konkret danach gefragt hätte. Vielleicht wäre das notwendig gewesen. Vielleicht war ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt.
Naschmarkt, 31.Dezember 2024
Ich halte mich ja an sich schon für eine gute Zuhörerin, sollte aber vielleicht daran denken, dass Menschen, die in anderen Lebenszusammenhängen als ich leben, nach außen hin also ganz “normal” und in scheinbar viel “geordneteren” Verhältnissen und nicht so “zersprengelt” wie ich (mich fühle), dennoch genauso viele Baustellen haben können und am Leben (ver)zweifeln können wie ich selbst.
Kurz vor Silvester haben wir wieder einen Ferienausflug mit Oma gemacht.
Zuerst waren wir Mittagessen im Vapiano Herrengasse. Ich habe zu Weihnachten Gutscheine bekommen yeah. Das Vapiano war allerdings ganz und gar nicht ganz auf den Massenansturm an Touristen vorbereitet und es war alles sehr chaotisch. Aber es war schon wieder so chaotisch, das es insgesamt lustig war. Und das Essen war sehr gut.
Risotto al Funghi
Danach machten wir uns auf den Weg zum Theatermuseum am Lobkowitzplatz, wo ich noch nie war. Dabei kamen wir an der Stallburg vorbei und das erste Mal in meinem Leben sah ich dort tatsächlich auch Pferde.
Pferd und Weihnachtsbaum
Während sich unvorstellbare Massen an Menschen durch die Innenstadt schoben war im Theatermuseum absolut nichts los. Das war zwar angenehm, aber ich muss sagen, es war nicht gerechtfertigt.
2025 ist ja das Johann Strauss Jahr und die derzeit laufende Ausstellung ist sehr interessant gemacht – und barrierefrei zugänglich. Der Besucher/die Besucherin erfährt sehr viel aus dem Leben von Johann und den anderen Sträussen, es gibt einen Raum, aufbereitet mit der gesamten Strauss-Biografie, es gibt diverse Exponate wie Kleidung der Zeit oder Programmhefte und man hört die ganze Zeit Strauss-Musik. Außerdem sind diverse interaktive Elemente vorhanden- beispielsweise kann man sich ein und dasselbe Lied mit verschienden Besetzungen anhören; kammermusikalisch, mit voll besetztem Orchester etcetera, siehe:
Ich lausche
Ich weiß, Johann Strauss hat eine Menge unvergesslicher Musik komponiert – wobei der Radetzkymarsch btw. von seinem Vater ist – aber selbst wenn er nur die Fledermaus geschrieben hätte, wäre ich komplett zufrieden gewesen. Früher war es für meinen musikbegeisterten Papa ein Pflichtprogramm, diese Operette zu Silvester anzusehen und ich kann bis heute alle Texte und ich liebe die Musik. Ich würde gerne sagen, dass das Motto der Fledermaus “Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist” auch meines wäre. Aber leider bin ich viel zu sehr overthinker.
Wenn man sich nicht die ganze Fledermaus anschauen will, kann man sich aber auch “nur” die Ouvertüre anhören, da kommen auch alle Motive vor, so eine Art Hitpanorama. Basiswissen: Prinz Orlovsky wird meist von einer Frau gespielt und die Figur des Frosch kommt nur um dritten Akt vor und ist niemals ein Sänger, sondern eine komödiantische Sprechrolle mit oftmals aktuellen Anspielungen zum Beispiel an die Politik.
Am Ende waren wir noch im Souveniershop und Oma hatte die Spendierhosen an. So bekam das Kind eine kleine Fledermaus und ich das Begleitbuch zur Ausstellung, was mich sehr gefreut hat. (unbezahlte Werbung wie immer).
So sehr ich mich auf das Strauss-Jahr freue, so sehr befürchte ich auch, dass wir in einem Jahr absolut nichts mehr von Strauss hören und sehen können. Deshalb lieber bald die Ausstattung anschauen.
Gestern haben wir einen Patchworkfamilienausflug zum Großmugl gemacht. Wir sind den dortigen Sternenweg hinaufgegangen.
Nun steht auf der Infoseite, dass der Weg für Jung und Alt geeignet ist, was an sich stimmt, er ist nicht sehr steil. Allerdings ist er halt auch vollkommen unbeleuchtet und holprig und man soll selbst wenig Lichtquellen verwenden. Das heißt, man sollte halt schon relativ trittsicher sein und im Dunklen zumindest rudimentär sehen können. Von der Ortschaft geht man ungefähr 20 Minuten hinauf. Oben angekommen, steht man quasi neben dem “Mugl” – einem Massengrab aus der Hallstatt-Zeit.
Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick in den Sternenhimmel. Es ist ruhig und weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen oder hören – zumindest im Winter um 22 Uhr, in der wärmeren Jahreszeit wird vermutlich auch dort oben mehr los sein.
Ich denke im Angesicht der überwältigenden Natur und des Himmels immer an jemanden und das fühlt sich sehr friedlich an.
Am Samstag habe ich mir All We Imagine as Light angesehen, den indischen Film von Regisseurin Paypal Kapadia, der diesen Jahr den Großen Preis der Jury beim Filmfestival in Cannes gewonnen hat.
Es geht in diesem Film um drei Frauen in Mumbai, eine etwas jüngere, eine “mittelalterliche” und eine etwas ältere, die befreundet sind und im einem Krankenhaus arbeiten. Die Jüngste, Anu, soll von ihren Eltern verheiratet werden, liebt aber einen Muslim, was ihre Eltern nie tolerieren würden. Prabhas Ehemann ist nach Deutschland gegangen und meldet sich nicht mehr bei ihr. Parvaty ist verwitwet und im Begriff delongiert zu werden. Es geht in All We Imagine as Light um das Alltagsleben als alleinstehenden Frau in einer überbevölkerten, anoymen Stadt, um die Wünsche und Hoffnungen von Frauen, deren Wünsche und Hoffnungen der Gesellschaft weitgehend egal sind.
All We Imagine as Light ist als Film irgendwie außerhalb meiner Komfortzone. Die indische Kultur ist mir ziemlich fremd und – auch wenn das natürlich böse, sehr böse ist – ich schaue mir am liebsten Filme an, mit denen ich irgendwie direkte Bezüge zu mir selbst herstellen kann. Eine Frau im Sari finde ich interessant, ich denke mir aber automatisch auch: wie viel oder eher wenig hat sie mit mir gemeinsam? Komischerweise ist das, was in den ersten Szenen in dieser überfüllten, etwas heruntergekommen Stadt ins Auge fällt als das, was einem “materiell” am vertrauesten ist, das Smartphone. Menschen in Mumbai haben sehr moderne Smartphones und tippen darauf herum, wie wir auch.
Aber die Themen, die Frauen in ihrem Leben haben, sind natürlich völlig andere. Es gibt einen anderen moralischen Kodex als in Europa, alleine das Motiv der arrangierten Ehe ist uns ja hierzulande im Jahr 2024 völlig fremd. Frauen sollen, obwohl sie alle im Berufsleben stehen, sich also versorgen können, noch immer vor allem gut verheiratet werden. Was Frauen selbst für ihr Leben wollen, das spielt hier offensichtlich sehr wenig Rolle. Eine gewisse Schwermut liegt über dem Leben von Anu, Prabha und Parvaty, eine Schwermut, in denen es trotzdem einzelne Momente der Freude, der Zuversicht und der Leichtigkeit gibt. Das ist auch genau das, worauf der Filmtitel anspielt. Manchmal stellen wir uns das Licht vor (oder die Leichtigkeit?), müssen es uns vorstellen, weil gerade alles finster ist, und machmal, wenn auch selten, erleben wir bzw. diese drei Frauen das auch, dieses Licht, diese Leichtigkeit.
Das ist das, was dieser Film sehr gut kann, kleine poetische Bilder und Stimmungen einfangen, lyrische Sätze einstreuen, Charakter detailliert zeichnen. Dennoch ist der Film für mich auch, und das sage ich wirklich selten, zu langsam erzählt. Er verliert sich in unfokussiertem Geplänkel, und schwächt seinen Narrativ dabei selbst. Wäre alles etwas kompakter, würden manche Erzähstränge näher beleuchtet werden, hätte All We Imagine as Light einen noch eindrücklicheren Eindruck bei mir hinterlassen.
Am Freitag haben L. und ich uns vom Hidden Kitchen Park verabschiedet. Das ist bereits unser zweite Stammlokal, das schließt.
Während der Kindergartenzeit unserer Kinder waren wir öfters im T-Centro. Dort gab es ein günstiges und supergutes Pasta-Mittagsmenü und der Kellner hat uns dann manchmal noch auf einen Cappuccino eingeladen. Das war so ein Zeitpunkt zum Durchatmen und ruhig da sitzen, zwischen Arbeit und Kinder abholen, Kraft sammeln. Vor dem Weg durch das T-Center Areal, wo uns vier Kinder im Klein(st)kindalter davonliefen oder später mit den Rollern davondüsten, zwischen diesen riesigen Betonsäulen, wo auch Autos kreuz und quer fuhren, neben dem lauten Rennweg. Manchmal lachten die Kinder und manchmal weinten sie, sie trotzten und stritten sich, es war heiß, es war eiskalt, es gab Schnee, Starkregen. Vor dem Autohaus gegenüber wurde mit Kieselsteinen geschmissen, bis das Autohaus dezent die Kieselsteine entfernte. harhar. Bis zur Schnelllbahn brauchen wir schon auch mal 45 Minuten.
Nachdem das erstaunlicherweise alle überlebt hatten, verließen L. und ich das T-Centro mit dem Schulbeginn der Ältesten und wechselten vom Mittagessen zum Frühstücken ins Hidden City Park, gleich bei Wien Mitte.
Der vorletzte Tag des Hidden Kitchen Park
Manchmal saßen andere Frauen bei uns, mit ihren Themen, die manchmal andere waren als unsere. Auch hier gab es Cappuccino und für mich jedes Mal “Pink Egg Florentine”, das ist getoastetes Schwarzbrot mit rote Rüben Sauce, Ei und Lachs. L. aß gerne das Priscilla Porrige mit weichem Ei und manchmal tranken wir noch einen frischgepressten Orangensaft und wenn wir ganz arg waren, dann gab es ein “böses” Croissant mit circa tausend Kalorien. Nach dem Frühstück bummelten wir noch ein bisschen durch die Mall, sahen uns die Bücher bei Thalia an oder gingen im Frühling im Stadtpark spazieren. Das Hidden Kitchen war ein Fixpunkt, ein Anker, wenn das Leben schön war, und auch, wenn einmal nicht so schön war.
Nun ist das in dieser Form vorbei, weil sich das Leben immer wieder ändert, ob man will oder nicht. Die Kinder sind fast erwachsen. Irgendwann verschwinden Lokale eben, so wie die Matchboxautos aus den Handtaschen verschwinden und der Sand von den Förmchen für die Sandkiste, wie Zusammenhänge und Vorstellungen verschwinden, genau wie die schönsten Samstagabende, die bis zum Sonntagabend dauern. Manches bemerkt man kaum, wenn es geht, über anderes kommt man schwer hinweg.
Nach dem Frühstück haben wir zufällig M. getroffen, die mit ihrer Klasse im Village Kino war, und das war schön, weil wir ein Lokal verabschiedet haben, aber sich zwei meiner Freundinnen kennengelernt haben. Ab März gibt es im Hidden Kitchen im ersten Bezirk auch Frühstück, das werden wir uns auf alle Fälle ansehen. Aber treffen werden wir uns ohnehin weiterhin und reden. Über die neuesten Themen. Über das Leben und uns.
Das Internet liefert immer wieder Gedankenanstöße, die ich gerne sammle und speichere und ab und zu, wenn ich ein bisschen traurig oder nachdenklich bin, durchlese.
Heute habe ich das hier gefunden:
Das gefällt mir, weil es irgendwie Geborgenheit vermittelt. Und, weil ich diese Hoffnung auch manchmal habe. Dass er es spürt.
Diese Woche habe ich mir wieder einmal gedacht, dass manche Gespräche einfach aufhören geführt zu werden, wenn das Gegenüber nicht mehr da ist. Viele Gespräche sind bereits nicht mehr geführt worden und es kommen immer noch weitere ungeführte Gespräche dazu.
Es gibt diese Sätze nicht mehr, die ich nur ihm sagen konnte, auf genau diese Art und Weise. Die wie von selbst entstanden sind, weil er so zugehört, so geantwortet hat, wie er das eben getan hat, wie es mir vertraut war. Dass ich einfach in die Dunkelheit hinein sprechen konnte und da war so viel Aufmerksamkeit, Wärme und Geborgenheit.
Es gibt andere Gespräche, gute Gespräche, interessante Gespräche, aber diese eben nicht mehr.
Die Literatur kann helfen, denn manches ist vielleicht verloren, aber nicht alles. Diese Woche habe ich gelesen, dass Stefan Zweig geschrieben hat: “Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart.” Das gefällt mir.
Ich habe es eigentlich nicht so mit Big Brother, aber es gibt eine Ausnahme: Die Spotify Charts.
Jedes Jahr Anfang Dezember berichtet einem der Musikdienst über die eigenen Hörgewohnheiten. Bei mir ist eigentlich immer nur die Frage: Schafft es ein Song außerhalb des ESC in meine Top 5 oder nicht? Diese Frage kann heuer mit ja beantwortet werden, es ist nämlich auch was aus San Remo dabei.
Nämlich Mahmood (der allerdings auch schon zweimal beim ESC war, harhar). Ihn habe ich nun auch schon zum dritten Mal in meinen Charts, ich glaub, ich muss ein anderes mal mehr über ihn schreiben, da gibts nämlich einiges zu sagen.
Sonst Business as usual, mit leichter Europop-Schlagseite. Aber ich schäme mich nicht, auf X hat jemand fünf Songs aus dem Film Wonka (da singt unter anderem Hugh Grant) unter den Top 5 und jemand anderer beglückwünschte ihn dazu, sich getraut zu haben, das auch noch zu posten, harhar.
Zu meinem Sieger muss man sagen: Er hat es leider – trotzdem er anfänglich zum erweiteren Favoritenkreis zählte – nicht ins Grand Finale in Malmö geschafft. Und, das muss man leider auch sagen, nicht ganz grundlos. Er war offenbar massiv mit der Bühnensituation überfordert und hatte danach auch eine Krise, weil er eben “gescheitert” ist. Ach, ich auch schon, Mustii, ich auch. Dabei geht es im Song eh schon um innere Kämpfe, schön-traurige Songzeile: “I can see all the pain, in the way that you move”. Ich hoffe, es geht ihm mittlerweile besser. Ich höre den Song immer noch gerne.