almis personal blog

Elternsprechtag

Heute war Elternsprechtag.

Weil ich vor einer Woche, als man sich anmelden musste, anscheinend in sehr kommunikativer Stimmung war, habe ich mich bei 9 (in Worten: neun) Professoren angemeldet, was ziemlich viel ist, wenn man bedenkt, dass es bei 0 (in Worten: null) notwendig gewesen wäre. Ich finde es aber schon wichtig, dass man mit jedem zumindest irgendwannn einmal ein Gespräch geführt hat, man hat eine ganze andere Basis, und bei manchen sagt das Kind auch: Ich fände es schön, wenn du diese oder jenen kennenlernst. Wobei neun auf einmal war schon ein wenig übertrieben. harhar.

Jedenfalls gehe ich gerne zum Elternsprechtag, weil ich in der privilegierten Situation bin, dass das für mich immer sehr erfreulich ist. Manchmal tut es einfach gut zu hören, dass, ich zitiere, das Kind ein freundlicher und angenehmer, toller junger Mann ist. Witzig ist auch, wie schnell man mit manchen Menschen auf einer Wellenlänge ist und mit anderen weniger. Insgesamt bin ich ein paar tausend Schritte mehrmals quer durchs Schulhaus gegangen, mittlerweile kenne ich mich ja gut aus. Dazwischen habe ich dem Kind gewhatsappt. Und ein paar Nachbarn bzw. andere bekannte Eltern habe ich auch getroffen.

Am Ende war ich dann schon sehr erschöpft, aber damit endet der Tag ja nicht, wie mir klar ist, denn nach dem Nachhausekommen muss ich immer nochmal Bericht erstatten und zwar zu jedem einzelnen Detail. Aber auch das mag ich. Es ist eine kleine Tradition, die bald zu Ende sein wird.

Interessant

Gestern hatte meine Mutter Geburtstag und hat zwei Freundinnen, das Kind und mich zum Ganslessen in ein Lokal beim Garten eingeladen.

Gleich am Anfang wurde festgestellt, dass meine Mutter fast ein halbes Jahr jünger als Trump wäre und somit noch alles mögliche werden könnte. Danach wurde ich von den Freundinnen bezüglich der neuesten Filme befragt. Ich hatte am Vorabend The Room Next Door gesehen. Beide sagten unabhängig voneinander, dass das wohl schwere Kost wäre, und ich meinte dann ja schon, aber es sei eben auch Almodovar, da ist alles nicht ganz so tragisch wie es sein könnte. The Room Next Door ist ein sehr berührender Film, dabei aber nicht deprimierend. Diese Balance schafft Almodovar gut.

Während das Kind zur Feier des Tages Cola Rum bestellte, wurden dann diverse “Familienthemen” angeschnitten, sodass ich mir am liebsten auch gleich ein Cola Rum bestellt hätte. Zum Beispiel erwähnte meine Mutter, dass ich für sie so fremd und anders sei, während sie und das (=mein) Kind viel mehr gemeinsam hätten. Ich würde alles so schwer nehmen und hinterfragen, vor allem mich selbst und bla bla. Ich mein, es ist eh nicht falsch. Harhar. Ich sagte nichts weiter dazu, weil es ja ihr Geburtstag war und außerdem hatte ich zuvor eine Podcast Folge gehört, in der gesagt wurde, man solle Dinge einfach mal so nehmen, wie sie kämen, ohne sie zu bewerten. Und nur so etwas denken wie: “Hm, interessant.”

Dann meinte die eine Freundin meiner Mutter, dass mein Vater früher immer so kluge und amüsante Dinge erzählt hätte und sie ihn dafür sehr geschätzt hatte, aber, dass sie es nicht verstehen könne, wieso er mich speziell am Ende seines Lebens so “verlassen” hätte. Ich antwortete dann wahrheitsgemäß, dass ich das auch nicht wisse. Und die Freundin dann, ich könne nächstes Jahr gerne mit meiner Mutter ins Burgenland zu ihr auf Besuch kommen, sie hätte noch ein Zimmer frei; es gäbe zwar dort nichts besonderes, aber wir können ja über Filme und Bücher und Theater reden. Das fand ich sehr nett.

Danach waren wir noch im Haus, das eine gemütliche Wärme ausstrahlte, das Kind legte sich hin und schlief zwei Stunden und wir tranken Kaffee und plauderten noch ein bisschen. Ich dachte mir, irgendwann schreibe ich einen Roman über Familie. Aber zuerst schreibe ich mein derzeitiges Buch fertig, an dem ich irgendwie auch so gern festhalte, weil es eine Verbindung zu jemanden ist, an den ich immer denke. Aber wahrscheinlich wird auch alles weitere, was ich jemals schreibe, diese Verbindung beinhalten.

Dann dachte ich, irgendwann in der Zukunft werde ich alles verstehen und alles wird Sinn ergeben. Oder auch nicht und ich denke mir einfach weiterhin: “Hm, interessant.” Harhar.

Memes

Sowas schickt mir das Kind übrigens auch:

Das stimmt leider wirklich, weil ich entweder nichts erkenne (ich brauche mittlerweile zum Lesen eine Brille) und/oder den Witz einfach nicht checke.

Ich habe dann aber heute mit einem Gen X Meme gekontert, das garantiert kein Jugendlicher mehr versteht. Man hat vermutlich vom Habeckschen ich will Kanzler werden Propaganda Video gehört, aber es können oder wollen sich wahrscheinlich nur noch gewisse ältere Menschen an das Eminem Video zu Stan erinnern, auf das hier angespielt wird.

Zum Vergleich ein Screenshot zu Stan:

Denn das Video bzw. der Text zu Stan ist so bitter und dunkel, dass man eigentlich wünscht, man hätte es nie gesehen bzw. angehört, also bitte nicht nachholen, wenn man bisher davon nichts gewusst hat, es ist zu eurem Besten.

Aber das Meme fand ich trotzdem sehr witzig.

Better

Heute war ich immer noch ziemlich niedergeschlagen.

Eine Freundin hat mir einen Link zu einer Literaturagentur geschickt, denen man eine kurze Leseprobe schicken kann und sie geben Feedback. Ich habe also meinen Mut zusammengenommen und ein Kapitel aus meinem “Langtext” hingeschickt, das ich als ziemlich fertig erachte. Bin neugierig, ob wirklich jemand zurückschreibt, aber das hat meine Laune ein bisschen gehoben.

Dann habe ich beschlossen, ins Kino zu gehen, weil ich mich dort immer wohl und geborgen fühle. Ich habe mir den österreichischen Film Mond von Kurtwin Ayub angesehen, der mir recht gut gefallen hat. Und wie immer, wenn es im Saal dunkel wird, fühle ich mich tatsächlich besser, da muss der Film noch gar nicht angefangen haben.

Zum Heimfahren hatte ich zwei Nachrichten. Das Kind hat mir ein Reel geschickt, das mir sagte, dass er keinen Lottogewinn braucht, weil er hat die beste Mama. Und dann habe ich von jemanden, der mir sehr wichtig ist, wieder etwas interessantes geschickt bekommen. Beides hat mir sehr gut getan. Vielleicht ist mir die eine oder andere Träne in der U6 über die Wangen gelaufen, aber näheres weiß man nicht.

The Brutalist, Overtüre

Es ist kein Spoiler, dass die Protagonisten von The Brutalist, László Tóth (Adrien Brody) und Harrison van Buren (Guy Pearce) einmal nach Carrara fahren, um Marmor zu kaufen, weil es kommt auch im Trailer vor.

Und dann sitzen sie, Kaffee trinkend, quasi dort, wo ich auch mal gesessen bin. Das Kind war damals vier Jahre alt, und fand die Lastautos, die da enorm waghalsig in den Steinbrüchen hin und her fuhren, natürlich toll.

Steinbrüche von Carrara im Juli 2012

Jedenfalls warten die beiden auf einen Geschäftspartner, der mit ihnen ein Marmor-Deal machen will und sie warten. Und warten.

Achtung Witz-Spoiler.

Irgendwann sagt Van Buren zu Tóth: “That is why I don’t wanna do business with italiens. They are the mexicans of Europe”.

Harhar. Und das war dann eigentlich schon das einzige lustige an diesem Film. Morgen dann mehr dazu.

Allerheiligen

Slow morning mit Kaffee, Ei, Toast mit Erdbeermarmelade, Wordle und Zeitungen lesen

Am Kräuter- und Gewürze Skriptum für einen Auftraggeber weiterarbeiten

Darüber informiert werden, dass wird endlich neue (und nette!) Gartennachbarn haben

Eine große Runde durchs Donaufeld machen

Allerheiligen im Donaufeld, 1. November 2024

Mit dem Kind und dessen Freund auf ein spätes Mittagessen zu Vapiano gehen

Diverse Herbsturlaubsthreads auf diversen Social Media Kanälen durchscrollen

Formel 1 Sprint Quali mit der Patchworkfamilie schauen

Diesen Blogeintrag schreiben, wie immer an jemanden denken, in Frieden mit allem sein

Feiertag fertig.

Happy Halloween

Ich hab mit Halloween ja nicht so viel am Hut, aber…

Und Süßes gibts auch:

Schon etwas geplündertes Süßigkeiten-Arsenal

Es waren Vierjährige da, die ich leider anlügen musste und ihnen sagen, wie ur gruselig sie sind – in Wahrheit waren sie total süß, harhar. Aber die Jugendlichen sind wirklich sehr scary.

Jetzt lege ich mich wieder aufs Sofa und lese (heute sehr) stilecht American Psycho weiter!

Vorlesen

Ich hab es ja nicht so mit “Erziehungsideologien”, aber gestern berichtete orf.on, dass Vorlesen wohl gut für Kinder ist (No shit, Sherlock!) und dem kann ich jetzt nicht widersprechen. Obwohl das beim Kind erst mit der Volksschule angefangen hat. Davor, so mit drei, vier Jahren, ist er einfach aus dem Zimmer gegangen, wenn ich zu lesen angefangen habe.

Dann aber, mit Schulstart, haben wir abends immer eine Stunde gelesen, also ich, in der Hoffnung, dass er einschläft, was aber nie passiert ist. Wir haben den ganzen Kanon gelesen, Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger (ich habe wirklich viele Bücher von beiden), Momo, Die unendliche Geschichte, Die fünf Freunde, diverses von Erich Kästner, Mira Lobe und Märchen und Sagen und einiges aus der Bücherei, es war ein sehr schönes Ritual, dass eher meiner mütterlichen Kernkompetenz entsprach, als einem Kleinkind nachzulaufen harhar.

Einmal, da war das Kind krank und hat hoch gefiebert, habe ich ihm die halbe Nacht vorgelesen, mit seinem Kopf an meinem Oberarm. Da ist er dann aber tatsächlich irgendwann eingeschlafen und weil das Buch so spannend war – ich erinnere mich leider nicht mehr daran, welches es war – habe ich einfach noch eine Weile weiter laut vor mich hingelesen und das war trotz allem dann gemütlich und heimelig.

Lesen kann schon sehr glücklich machen. (No shit, Sherlock!)

Viennale, 4

Nachdem ich von Anora also recht enttäuscht war, hatte ich am Samstagabend, meinem letzten Viennale-Tag, schon Bedenken, dass mir etwas ähnliches bei The Brutalist passieren könnte. Die Vorstellung war ausverkauft und meine einzige wirkliche Abendvorstellung.

Vorm Gartenbaukino zur Viennale Zeit

Erfreulicherweise gab es keinen Grund dazu. The Brutalist ist ein großartiger, wenn auch durchaus recht sperriger Film, mit einem überragenden Adrien Brody, der hier eine sehr ambivalente Persönlichkeit verkörpert, keinen so klaren Sympathieträger wie in The Pianist. Dennoch gibt es viele Parallelen zwischen Lazlo Toth und Wladyslaw Sziplman. Beide sind Osteuropäer, beide sind jüdischer Abstammung und Genies auf ihrem Gebiet. Beide arbeiten mit den Händen und gehen durch Phasen großer Verzweiflung und auch körperlicher Transformation (vor allem dramatische Gewichtsabnahme). Es sind Rollen, die sehr zum Method Acting einladen, ich denke, Brody hat das zumindest bei The Pianist gemacht. Wird er wieder für den Oscar nominiert werden? Das ist nicht mehr die Frage, die Frage ist nur noch, ob er nochmal gewinnen wird.

Ich werde noch mehr zum Film schreiben, aber jetzt muss ich mich erstmal für heuer von der Viennale verabschieden. Ich bereue fast, nicht noch mehr Filme gesehen zu haben, aber irgendwann muss man ja auch arbeiten und kochen (und zum Zahnarzt hmpf). Schön finde ich, dass bei der Viennale am Ende des jeweiligen Films immer geklatscht wird, auch wenn es ungefähr so sinnvoll ist wie das Klatschen nach der Landung eines Flugzeugs. Aber trotzdem hat es was.

The Brutalist war übrigens um 0.15 Uhr aus, das Kind hat mich um 0.45 Uhr mit seinem Freund vom Bahnhof Floridsdorf abgeholt und nach Haus begleitet. Die zwei sind dann noch weiter herumgefahren. Habe mich mit “Danke ihr Mäuse” verabschiedet – ich war schon sehr müde, harhar.

Die gesammelten Uncut-Kritiken kann man übrigens hier lesen.

Fernblick

Nachdem das Kind nächstes Jahr einen Hardcore Wanderurlaub macht, muss er trainieren.

Ich mache zwar keinen Hardcore Wanderurlaub, aber ich habe auch frische Luft gebraucht und etwas Fernblick, etwas Abschalten. Deshalb waren wir auf der Habsburgwarte.

Die Habsburgwarte, per Wendeltreppe zu besteigen, zum Glück hat sie nicht so viele Stiegen wie der Stephansdom

Von oben hat man einen schönen Blick auf Wien – auch wenn es heute ziemlich windig war.

Und beim Runtergehen sieht man Esel und Pferde grasen… wenn das nicht beruhigend ist!

Wo sich Fuchs und Hase, äh Esel und Haflinger gute Nacht sagen