almis personal blog

Andre Heller Park, by night

Noch ein paar Impressionien vom Andre Heller Park bei Nacht (ich war mittlerweile schon dreimal dort harhar)

Parkfahne mit Blick auf den Donauturm
Die Geschichtenerzählerin von Edgar Tezak

Der Märchenbach ist bei Dunkelheit noch eindrucksvoller, es fließt auch wirklich Wasser:

Perspektivenwechsel:

Wunderschön und sehr eindrucksvoll:

Es waren gestern Abend ein paar Leute unterwegs und alle waren sehr angetan.

Eine Frau meinte: Endlich kriegen wir auch mal was Schönes. Harhar.

Andre Heller Park

Morgen ist die offzielle Eröffnung, heute von mir aber schon ein paar exklusiv Fotos vom neuen Heller Park in Floridsdorf. Das alles bietet Almis Blog! Harhar.

Parkeingang

Der Park liegt bei Mühlschüttel, also für die meisten Wiener, vor allem die, die nicht in Transdanubien wohnen, am Arsch der Welt. Für mich vier Minuten Fußweg, harhar. Ich sags ehrlich, wenn die Stadt Wien irgendein Projekt ankündigt, bin ich skeptisch. Und wenn es dann noch was mit Kunst und Natur zu tun haben soll, schwierig. Die Gegend an der alten Donau war davor auch sehr schön, braucht es da noch mehr?

Andre Heller hat diesen Park mit Künstlerkolleginnen und Kollegen gestaltet, ich finde Heller sehr interessant und ich bin gegenüber der Heller Fabrik auf der Inzersdorferstraße in Favoriten aufgewachsen. Wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster geschaut habe, habe ich sie immer gesehen und den großen Heller-Schriftzug, auch wenn sie damals nicht mehr produziert hat (nur bis 1970). Heute ist es ein Industriedenkmal mit Wohnungen und einem Pflegeheim, das nur am Rande. Andre Heller meinte, der neue Park sei dazu da, um sich zum Beispiel “der Muse hinzugeben oder sich auszuzittern”. Ich habe dort tatsächlich einmal sehr geweint, es ist ein paar Jahre her, aber da wars halt Weinen ohne fancy Kunstwerke.

Wie finde ich also, nach einer ersten Besichtigung am Freitag Vormittag bei Sonnenschein, den Park? Ich finde ihn, ehrlich gesagt, echt schön und stimmungsvoll. Hier ein paar Impressionen:

Atemluft von Xenia Hausner
Passage von Susanne Karl
The Guardian von Elmgreen und Dragset
Vienna Mountain von Ugo Rondinone – ich glaub, daran muss ich mich erst gewöhnen harhar

Sehr nett, der Flüsterstuhl von Moritz Misrahi. Dazu braucht es aber zwei Menschen, die sich in je einen Stuhl setzen und sich so verständigen können. Nachdem ich alleine war, konnte ich es nicht ausprobieren. Vor mir waren aber zwei circa 14-jährigen Mädels, die meinten: “Ur geil”. Und wenn das zwei Teenagerinnen sagen, dann ist es ganz bestimmt auch wirklich ur geil.

Flüsterstuhl von Moritz Mizrahi

Meine liebsten Exponate:

Märchenbach von Peter Pongraz

Und natürlich:

Die Wasserwächterin vom Großmeister himself

Nähere Informationen zum Park findet man hier. Erster Eindruck wirklich sehr positiv. Die Gehwege sind irgendwie “weich”, es wurde hier tatsächlich eine Straße zugunsten von mehr Grün entfernt. Der Spielplatz daneben wurde auch ausgebaut.

Als ich später dem Kind die Fotos zeige, meint er: “Du bist ja ur fröhlich!” Ja, bin ich echt. War schön.

Unfortunately I Do Love…

Mein Wordle Rätsel um Mitternacht oder zum Kaffeetrinken in der Früh

Gedanken in mein Notizbuch schreiben und sie Wochen später kaum mehr entziffern können

Mit Filmpodcasts im Ohr einschlafen

Mich an jedes Detail erinnern

Artikel auf X als Lesezeichen speichern und nie Zeit finden, sie “irgendwann” zu lesen

Das Formel 1-Intro

Musik-Playlisten, die aus sechs Stunden ausschließlich ESC-Songs bestehen

Hoffnungsschimmer

Rubbelose – auch zum Verschenken, quasi mein Signature Move

Scheiben, als würde es niemand lesen.

Wer wird Millionär schauen, das Kind kommt zwischendurch immer wieder vorbei

Den Tag mit dem Gedanken an jemand beginnen und beenden


Erklärung: On TikTok and Instagram, the “Unfortunately I Do Love” trend is where users share their (guilty) pleasures.

Knausgård

Ich werde sicher noch einiges über One Battle After Another schreiben, wenn ich mich durch die “Sekundärliteratur” gearbeitet habe. Derweil war ich aber auch auf der Suche nach einem neuen Roman den ich lesen kann.

Eigentlich hab ich das Buch Lieben von Emilia Roig gesucht, aber dann hat mir die Büchereienwebseite zuerst ein anderes Werk gleichen Titels angezeigt, nämlich von Karl Ove Knausgård, einem der wichtigsten norwegischen Autoren der Gegenwart, wie ich jetzt weiß. Und nachdem ich weiter recherchiert habe, habe ich zusätzlich noch erfahren, dass Knausgårds Roman ein Teil seines autobiographischen Projekts ist. In Lieben geht es um die Zeit in seiner Ehe, als die Kinder klein waren, was immer eine ziemliche Herausforderung für Paarbeziehungen ist, so auch für seine. Solche Themen interessieren mich ungemein. Ich habe die ersten Seiten probegelesen und dann beschlossen, ich fahre in die Bücherei Billrothstraße, weil dort ist es vorrätig.

Nachdem ich aber schon wieder so schlecht schlafe und wirklich manchmal ein bisschen neben mir stehe, gehe ich also in die Bücherei und denke mir, hm, das schaut aus, als gäbe es da nur Kinderbücher. Und nachdem ich minutenlang alles absuche, muss ich feststellen: Ja, hier gibt es tatsächlich nur Kinderbücher, harhar. Ich kann mir doch nicht eingebildet haben, dass diese Buch in der Billrothstraße zu finden ist. Ich google die Büchereien-Webseite um nochmal nachzusehen, bzw ich versuche es, die Seite ist aber gerade down. Hmpf. Fragen will ich auch nicht. Na gut, denke ich, kann man nichts machen. Ich verlasse, die Bücherei, gehe ein paar Schritte weiter und siehe da, im Nebenhaus ist noch eine Bücherei. Harhar. Und zwar eine mit Erwachsenenliteratur und noch dazu sehr gut kuratiert, generell sehr viel Biografisches: Kafka und Karl Kraus und Astrid Lindgren, ich hätte am liebsten alles mitgenommen.

Tatsächlich aber dann die nächste Überraschung: Das Buch von Knausgårds ist so dermaßen dick und fett, dass ich nur dieses mitnehme und noch eines aus der biografischen Reihe, das Träumen heißt. Es gibt dann noch Kämpfen, Sterben, Leben und Spielen. Ich werde vielleicht alle sechs Bücher lesen, kommt drauf an, wie mir diese beiden gefallen, aber nicht chronologisch. Die Buchreihe heißt übrigens auf Norwegisch Min kamp (Mein Kampf), aber dieser Name eignet sich für den deutschen Buchmarkt nicht so wahnsinnig gut, harhar.

Jetzt tauche ich also ein, in die Welt von Knausgård der übrigens sagte: “Im Leben ist es sehr, sehr schlecht, sensibel zu sein, aber für einen Schriftsteller ist es sehr gut.”

One Battle After Another

Am Wochenende habe ich den enorm gehypten neuen Film von Paul Thomas Anderson im Votivkino gesehen. Er ist lose an den Roman Vineland von Thomas Pynchon angeleht. Anderson hat schon davor mit Inherent Vice einen Pynchon Roman (sehr gut, wenn auch viel sperriger) adaptiert.

In One Battle After Another geht es um den alleinerziehenden Vater Bob Ferguson (Leonardo di Caprio), der mit seiner 16 jährigen Tochter Willa (Chase Infiniti) in einer Wüstenstadt lebt. Als (wie er) früheres Mitglied einer linksextremen Bewegung, ist seine Frau Perfidia (Teyana Taylor) nach einer Staftat der Verfolgung unter Colonel Lockjaw (Sean Penn) entkommen. Bob lebt mit seiner Tochter ein verstecktes, unauffälliges Leben, da er immer noch die Rache von Lockjaw fürchtet….

ACHTUNG WIE IMMER SPOILER

Die Prämisse hat mich ein bisschen an den Film Hanna erinnert, wo ebenfalls ein Vater mit seiner Tochter vor Verfolgung fliehen musste. Allerdings geht dieser Vater dort den Weg, dass er seine Tochter zu einer Kampfmaschine erzieht, damit sie sich verteidigen und so überleben kann. Bob hat eine andere Entscheidung getroffen. Er kümmert sich liebevoll um seine Tochter, sitzt aber sonst die meiste Zeit am Sofa, kifft, trinkt sein Bier und hofft, allem durch diese komplette Unauffälligkeit zu entgehen und für lange Zeit funktioniert das auch ganz gut.

Als Lockjar ihm allerdings auf die Schliche kommt – ich mein, das ist klar, sonst gäbe es keinen Film harhar – entwickelt sich der anfangs todernste Film zu einer ja, stellenweise erstaunlich witzigen Katz- und Maus Verfolgungsjagd. Die Schwere der Situation liegt ganz auf Willa, während Bob hier extrem gut einen warmherzigen, aber auch ziemlich patscherten Protagonisten, gekleidet im kariertem Morgenmantel, abgibt, was diCaprio eindrucksvoll macht. Ein Highlight ist die Szene, als er am Telefon einen geheimen Treffpunkt mit seinen früheren Verbündeten ausmachen soll, aber diverse Codewörter vergessen hat, es ist herrlich komisch. Ich stelle jetzt die Behauptung auf, dass diCaprio tatsächlich am besten ist, wenn er keinen strahlenden Helden spielt, sondern jemand in einem humorvollen Kontext. Sean Penn dagegen, der in den Reviews gelobt wird, hat die Aufgabe einen “White Supremacist” zu spielen, was er als extreme Karikatur anlegt. Auch die andere Seite des politischen Spektrums, die von Bobs Frau verkörpert wird, ist karikaturesk gezeichnet.

Deswegen ist der Film für mich auch nicht wirklich politisch im Sinne von, dass Anderson sich klar auf eine extreme Seite stellt (Gott sei Dank!), sondern er zeigt vielmehr, dass beide politischen und vor allem ideolgischen Ränder mit den gleichen Mitteln (Hass und Gewalt) operieren und, dass das nie zum Ziel führen kann, so zumindest meine Interpretation. Ich weiß nicht, ob ich Penn wirklich gut finde, weil ich ihn mittlerweile aufgrund seines Auftretens außerhalb eines Filmes so ärgerlich finde, dass es schwer ist, diese Gefühle von meiner objektiven Einschätzung zu trennen, harhar ich geb es zu. Das ist im übrigen genau das Problem, dass ich derzeit mit vielen Schauspielern, u.a. auch Mark Ruffalo habe. Mir fehlt in der Darstellung ein bisschen die Transzendenz über das übliche Programm, das da immer heißt “Wir sind die besseren Menschen, wir hassen Trump.”

Wie auch immer, One Battle After Another ist ein wirklich guter Film, mit einem wirklichen guten Hauptdarsteller, ich glaub, mir hat diCaprio noch nie besser gefallen, untermalt von einem ewigen Song/Geräuschebett, wie wir es von Anderson eh kennen, hier oftmals atonales Klaviergeklimper. Dieser Film hat auch eine ganz außergewöhnliche Auto-Verfolgungsjagd in der Wüste, das sage ich als jemand, der wirklich nicht für Auto-Verfolgungsjagden ins Kino geht. Aber diese ist intelligent, spannend UND hoch ästhetisch und macht einmal etwas ganz anderes, was man so noch nie gesehen hat. Auch einige der Sprüche könnten sich zu Running Gags entwickeln. Als Bob einmal aus einem fahrenden Auto springen muss und sich nicht traut, ruft ihm der Sensei (immer super: Benecio de Toro) zu, na kommt, Tom Cruise macht sowas andauernd, harhar.

Also zusammengefasst: Der Hype ist gerechtfertigt, Paul Thomas Anderson, dessen Euvre insgesamt so divers (in Genre, Thematik, Tonalität) wie sehenswert ist, wird nach seinen bisherigen 11 Oscarnominierungen hier defintiv mit einer oder eher mehreren Auszeichnungen nach Hause gehen, das prophezeihe ich jetzt einmal. Jemand hat geschrieben, das wäre “the movie-est movie I’ve seen in ages” und das ist so wahr. So sehr ich kleine Produktionen schätze, es ist auch einmal schön, wenn jemand alle Register zieht, die beim Film möglich sind – und dabei trotzdem noch so etwas wie “Arthouse” macht.

Fran & die Ubahn

Letztens war in der U6 ein sehr unangenehmer Geruch.

Da musste ich an Pretent It’s a City denken und habe mir zuhause gleich eine Folge angesehen. Erstmals hab ich die Serie vor drei Jahren gesehen. Ich empfehle ungern Dinge, weil ich mir immer denke, nur weil mir etwas gefällt, heißt das ja noch nicht, dass es universell so empfunden wird. Aber tatsächlich ist die Doku-Serie von Martin Scorsese über Fran Lebowitz etwas, wo ich mir nicht vorstellen kann, dass es jemand nicht witzig oder zumindest interessant oder irgendwie bereichernd findet.

Ich bin (Sakrileg) kein großer Scorsese Fan, also was ihn als Regisseur betrifft. Ich kippe immer total schnell aus seinen Filmen raus, ich weiß auch nicht warum. Ich kann wirklich sehr wenig mit der Art, wie er erzählt, anfangen. Aber so als Mensch – soweit man das halt über Medien sagen kann – finde ich ihn sympathisch. Und die Doku, seine Gespräche mit Lebowitz sind super. Fran Lebowitz kannte ich davor gar nicht und auch jetzt kann ich schwer sagen, was sie eigentlich so ist. Sie hat zwei Bücher geschrieben, aber das war in den 1970/80er Jahren. Sie schreibt, glaub ich, nicht so wahnsinnig gern und nachdem ich beide Bücher gelesen habe muss ich sagen, sie spricht auch viel besser, nein, sie spricht sogar unheimlich gut. Also ist ihr Beruf wahrscheinlich das, Speaker. Sie sagt selbst über sich, sie wäre “filled with opinions”, das wäre aber harmlos, weil sie überhaupt nichts an irgendelchen Zuständen ändern kann. “I have no power” harhar.

Ich mag sehr an ihr, dass sie zwar starke Meinungen hat, aber überhaupt nicht dogmatisch ist. Dass sie es sehr gut aushält, dass andere Menschen andere Ansichten haben. Dass sie zwar selbst zum Beispiel mit dem Internet nichts anfangen kann, aber total versteht, dass es anderen damit ganz anders geht und das überhaupt nicht bewertet. Je älter ich werde, umso angenehmer finde ich, wenn Leute mir nicht sagen, was ich tun oder denken oder wie ich leben soll. Und bei Lebowitz hat man diesen Eindruck, gerade weil sie es sich auch nie sagen lassen würde. Außerdem stimme ich ihr in vielen Dingen total zu, etwa wenn sie meint: “I don’t need extra challenges. I find normal life challenging enough”, harhar.

Die Serie ist in sieben Kapital aufgeteilt. Natürlich geht es um New York, aber auch um Kultur, Musik, Leben, Sport, Literatur. Sie sagt, New York wäre nicht unbedingt eine schöne Stadt, aber es wäre nie langweilig. Es wäre auch nichts “permanent”, alles würde sich alles dauernd verändern. Es werden auch laufend Gebäude abgerissen, die man liebt. Sie erzählt, als sie einmal mit einem älteren Freund in einem Lokal gesessen wäre, hätte jemand um eine Unterschrift gebeten, das Lever House nicht abzureißen. Beide hätten unterschrieben und dann hätte der Freund zu ihr gesagt, er ist sich ziemlich sicher, dass er vor Jahren unterschrieben hätte, dass das Lever House nicht gebaut werden sollte. Das wäre New York, meint Lebowitz.

Und wie kam ich also von schlechtem Geruch auf die Serie? Lebowitz erzählt, dass die Ubahn Linie L in New York einmal geschlossen war, wegen üblen Geruchs. Und sie so, wie kann das überhaupt sein, weil es ohnehin immer ur stinkt. “Did someone say the train smells even worse than usual?” Jedenfalls wurde die Linie für fünf Stunden gesperrt und danach hieß es, es stinke nicht mehr so schlimm. Lebowitz daraufhin. “Of course not. It’s been empty for five hours. Let me tell you what smells horrible on the train, it’s the passengers!” harhar.

Wenn man mal traurig ist, schaut euch das an, es heitert einen so sehr auf.

Caché

Schon wieder habe ich einen Film von Michael Haneke gesehen. Mein zweiter heuer und auch insgesamt, harhar. Langsam komme ich aber auf den Geschmack. Nachdem die Theaterversion von Caché derzeit am Volkstheater aufgeführt wird, läuft der Film gerade für eine Woche auch im Votivkino, in französischer Originalsprache mit englischen Untertiteln (warum auch immer).

In Caché, was so etwas wie “verborgen” heißt, für alle, die wie ich kein französisch sprechen, geht es um den erfolgreichen TV-Moderator Georges Laurent (Daniel Auteuil), der mit seiner Frau Anne (Juliette Binoche), einer Verlegerin, und dem 12 jährigen Sohn Pierrot ein nach außen hin angepasstes und gutbürgerliches Leben führt. Bis eines Tages eine Videokassette auf der Türschwelle liegt. Auf dem zwei Stunden Video sieht man ausschließlich die Außensicht auf das Haus der Familie. Zuerst denkt das Paar an einen irren Fan oder Stalker, doch dann kommen weitere Videos an, die den Anschein erwecken, dass etwas mehr hinter der Sache steckt…

ACHTUNG ORDENTLICHE SPOILER !!

Was ich bei diesem Film von Anfang sehr interessant fand, an mir zu beobachten: Ich hatte irgendwie kaum Empathie für Georges und seine Familie. Normalerweise würde man ja annehmen, dass man als Zuseherin irgendwie sofort auf der Seite der Protagonisten ist. Es ist ja ein unheimliches Szenario, jemand, der das eigene Haus beobachtet, der das eigene Leben ausspioniert, man kann es nachempfinden. Aber dieses Gefühl wurde bei mir sofort (Dank Hanekes Erzählweise? Dank der Darsteller?) von einem anderen überlagert, nämlich dem, dass ich die Familie wirklich sehr unangenehm fand. Das Ehepaar geht bestensfalls kühl miteinander um, auch zum Sohn herrscht kaum eine emotionale Bindung, alles ist total, ja kalt, in diesem Haus. Deshalb fällt es irgendwie auch schwer, etwas für die beiden zu empfinden.

Mit Fortschreiten der Handlung kommt man dahinter, dass der Sender der Videos möglicherweise ein Bekannter von Georges ist. Georges wuchs in einer wohlhabenden Gutbesitzer-Familie auf, die Angestellte mit einem kleinen Sohn, Majid, in Georges’ Alter hatten. Nachdem Majids Eltern tragisch ums Leben gekommen waren, haben Georges Eltern mit dem Gedanken gespielt, Majid zu adoptieren. Georges wollte das nicht und dachte sich etwas wirklich furchtbares aus, um die Eltern (mit Erfolg) davon abzubringen. Majid kam in ein Waisenhaus und wir erfahren, dass er in der Gegenwart des Filmes ein Mann (sehr beeindruckend dargestellt von Maurice Bénichou) geworden ist, der in ärmlichen Verhältnissen lebt, gebrochen durch seine Erfahrungen in der Kindheit, nachdem er den Gutshof verlassen musste. Er hat sozusagen ein Motiv.

Und hier wirft Haneke eine enorm interessante Frage auf, so finde ich, nämlich: Inwieweit kann ein sechsjähriges Kind “böse” sein? Dass es nicht schuldfähig in einem rechtlichen Sinn ist, ist klar, aber kann es “Schuld” auf sich laden? Kann es für das Schicksal eines anderen Menschen verantwortlich gemacht werden? Gebrochen sind letztendlich beide Männer, meiner Meinung nach. Georges wirkt trotz seines Erfolgs nicht glücklich, nicht einmal zufrieden. Einmal besucht er seine Mutter und es klingt an, dass die beiden eine sehr distanzierte Beziehung zueinander haben. Was irgendwie extrem ernüchternd ist, wenn man bedenkt, dass er seine Eltern “für sich haben wollte” und später das Interesse an ihnen verloren hat, polemisch formuliert. Es gibt dann noch weitere Plottwists und ein weitgehend offenes Ende, das viel Raum zu Spekulation bietet. Aber im Prinzip will Haneke uns weniger davon erzählen, als wieder mal von der Schlechtigkeit des Menschens an sich, harhar.

Caché erinnert mich ein bisschen an Lost Highway von David Lynch, wenngleich Caché wesentlich konventioneller erzählt ist ist, was im Vergleich zu einem Lynch Film auf der Hand liegt, harhar. Es ist für mich insgesamt ein sehr gut gemachter, auch sehr aufwühlender Film, über den ich noch länger nachdenken muss.

Mein Jahr der Ruhe & Entspannung

Wenn man die Autorin Ottessa Moshfegh kennt, vielleicht das Buch Eileen gelesen oder den gleichnamigen Film gesehen hat, dann ahnt man natürlich, wenn “Ruhe und Entspannung” draufsteht, dann geht es wahrscheinlich um das genaue Gegenteil. Die Ausgangslage ist zwar diese, dass die Protagonistin für ein Jahr (2000-2001) in einen Dauerschlafzustand begeben will, um sich zu regenerieren und quasi “neu geboren” zu werden. Aber nachdem wir keine Bären, Murmeltiere oder Igel sind, schaffen wir das nicht auf eine physiologisch gesunde Art und Weise. Und wer, wie gesagt, Moshfegh kennt, ahnt, was kommt.

Das Cover ist super, weil es – wie der Titel – den Inhalt komplett konterkariert

Die Protagonistin von Mein Jahr der Ruhe und Entspannung schießt sich – nachdem sie eine “Therapeutin” gefunden hat, die sich ausschließlich der Medikamentenmedizin verschrieben hat – regelmäßig mit verschreibungspflichtigen Psychopharmaka, die teilweise auch noch kontraindiziert sind, ab. Natürlich nicht “einfach so”, es liegt eine schwere Depression dahinter; sie hatte eine lieblose Kindheit, dann sind die Eltern gestorben, der Lover war er Arsch, die Nebenjobs zum Studium bedeutungslos und der Sinn des eigenen Lebens will sich nicht einstellen.

Nun ist ja die Prämisse jemand will ein Jahr schlafen – fast das Gegenteil von Schlafes Bruder übrigens – vielleicht theoretisch interessant als Idee, aber funktioniert das als Roman, der ja eigentlich davon lebt, dass irgendwie doch auch erzählenswerte Dinge passieren? Meine Antwort: Nicht wirklich. Es sei denn, man hat einen Medikamentenfetisch, dann werden einen die seitenlangen Schilderungen der Wirkweise von Schmerzmittel und Barbituraten bezaubern. Sehr oft liest man auch detailiert, wie weggetreten und psychotisch die Protagonistin wird und ich fand das einerseits höchst unangenehm, weil ich selber Kontrollverlust durch Substanzen recht fürchte; andererseits aber auch ziemlich redundant und, ja, langweilig, obwohl Moshfegh gut schreibt.

Ein bisschen Abwechslung entsteht dadurch, dass es Rückblenden gibt, die Schilderungen der vereinzelten Besuche von der besten Freundin der Protagonistin und einmal verlässt sie das Haus länger, um ein Begräbnis zu besuchen. Die meiste Zeit aber versumpert sie in ihrer Wohnung, wird immer dünner und ungepflegter (bisschen Charlotte Roche Vibes hier) und man fragt sich, wie hält der menschliche Körper das aus? Gleichzeitig vermisst man aber jegliche Form von Tiefe oder “Analyse”. Ja, vermutlich ist das Absicht, weil die Protagonistin sich ja eben nicht mit ihren Problemen beschäftigen will, sondern diese ganz bewusst “wegschläft”. Konsequent, aber man bleibt als Leserin dann eben irgendwie ebenso leer zurück wie die Protagonistin.

Materialists, davor

Es wäre ja anzustreben, dass man vor einem Film überhaupt keine Meinung zu irgendwas (Darsteller, Regie) hat, aber das geht halt oft nicht wirklich. Bei Materialists hatte ich aber besonders viel davon, fast schon Vorurteile. Harhar. Und so werde ich das transparent machen, bevor ich den Film sehe.

Zuerst mal Dakota Johnson, Tochter von Don Johnson. Sie hat jetzt vielleicht kein extrem gutes Händchen, was die Wahl ihrer Projekte angeht oder es ist ihr einfach wurscht. Jedenfalls kennt man sie aus Fifty Shades of Grey und Madame Web, beides nicht gerade Sternstunden des zeitgenössischen Kinos. Das finde ich ein bisschen schade, weil sie durchaus so einen Indie-Appeal hat, wie man etwa in The Lost Daughter sehen konnte oder auch in A Bigger Splash – wobei das der Film von Luca Guadagnino ist, den ich am wenigsten mag.

Wie auch immer, dann haben wir noch Pedro Pascal. Pedro Pascal war auf einmal da, das ganze Internet sprach von ihm und ich wusste eigentlich nicht warum. Er hat vor allem in Serien gespielt, Film habe ich noch keinen von ihm gesehen. Er hat J.D.Rowling vor kurzem als “heinous loser” bezeichnet und ich finde das ginge vielleicht ein bisschen sachlicher, wenn man anderen seinerseits beleidigendes Verhalten vorwirft. Außerdem hat er gesagt, er muss bei offiziellen Anlässen immer seine Co-Schauspielerinnen anfassen und sich an ihnen festhalten, weil er so “anxiety” hätte. Und irgendwie finden das alle bei ihm süß und ich weiß nicht wieso, es ist im Grunde ziemlich übergriffig. Also sagen wir wie es ist, ich habe einen gewissen Argwohn gegenüber Pedro Pascal, harhar.

Und schließlich Celine Song. Die Regisseurin hat erst vor zwei Jahren mit Past Lives ihren vielgelobten Debütfilm abgeliefert. Es ging um eine Art Dreiecksbeziehung, über Kontinente hinweg, wenn man so will. Ich dachte mir damals, das ist ein Film für mich. Als ich ihn dann aber gesehen habe, war ich irgendwie ernüchtert. Er war zwar “technisch” sehr gut gemacht, aber ich habe einfach nichts gespürt, obwohl es so ein emotionales Thema war. Aber das Thema – eine junge Frau aus Korea, die inzwischen in den USA lebt und mit einem Amerikaner verheiratet ist, trifft ihre Jugendliebe wieder – wurde so abgeklärt und antiseptisch behandelt, dass es mich wirklich null erreicht hat. Ich habe mir dann gedacht, ich will gerade bei einem Debütfilm merken, dass da jemand noch struggelt, dass nicht alles rund ist, aber, dass der Film voller Leidenschaft und dem Gefühl ist, sich dringend der Welt mitteilen zu wollen. Wie beispielsweise Aftersun von Charlotte Wells, der kurz vor Past Lives herauskam. Das war ein Film, bei dem ich die ganze Zeit komplett ergriffen und auch in einer unbestimmten Erwartungshaltung war, als würde gleich etwas ganz Schlimmes passieren1. Und genau das liebe ich im und am Kino, dieses hineingezogen-werden.

Dann haben wir noch Chris Evans. Und Chris Evans hat Glück, ich kenne ihn überhaupt nicht, harhar.


  1. Ob etwas Schlimmes passiert? Schaut ihn an, harhar. Empfehlung. ↩︎

What We Do in the Shadows

Gestern gab es einen Patchworkfamilienausflug ins Kino. Das Votivkino feierte nämlich den 50. Geburtstag das Schauspielers und Regisseurs/Drehbuchautors Taika Waititi unter dem Titel Hari Huritau – was auf Maori soviel wie Happy Birthday heißt. Taika Waititi ist Neuseeländer. Und deshalb sahen wir What We Do in the Shadows, zu deutsch 5 Zimmer, Küche, Sarg. Außer dem Kind haben ihn alle bereits mindestens einmal gesehen – was, glaub ich, auch für die meisten Menschen im Publikum galt.

Bei What We Do in the Shadows handelt es sich um eine Mockumentary. Ein Kamerateam, dem für die Dauer der Dreharbeiten körperliche Unversehrtheit garantiert wurde (harhar), filmt eine WG aus Wellington, die aus vier Vampiren unterschiedlichen Alters besteht. Einer davon, Viago, ist Taika Waititi selbst und in der deutschen Synchro ist er ein Wiener. Wir sahen aber das Original und da ist er aus dem deutschsprachigen Raum, jedenfalls ein etwas naiver Dandy, aber sehr wohlmeinend. Ich mag ihn am allerliebsten. Viago ist etwa 400 Jahre alt, aus Europa der Liebe wegen gekommen. Petyr ist mit über 8000 Jahre der Älteste und richtig furchterregend. Deacon ist jung, noch nicht mal 200 und gilt als Rebell, er war früher auch ein Nazi; und schließlich Vladislav, ein überkandidelter Adeliger aus dem Mittelalter.

MILDE SPOILER!!

Wer sich jetzt denkt: What the fuck?! Oh ja, WTF und es ist so lustig, obwohl mein Interesse für Vampirfilme sonst eher überschaubar ist. Die erste Szene ist schon so genial, als Viago aus seinem Sarg(=Bett) “aufsteht”, man ist sofort in den Film hineingezogen.

Es werden die Probleme einer herkömmlichen WG geschildert – wer macht den Abwasch, vor allem blutiges Geschirr, wer beseitigt den “Müll” etcetera. Es wird gezeigt, wie die Vampire ausgehen, im Bus fahren, in traurigen Fast Food Lokalen sitzen. Die Outfits, die sich mit der tristen Umgebung spießen, sind so göttlich und das Problem bei Vampiren, über das man sich vielleicht noch wenig Gedanken gemacht hat: sie sehen sich nicht im Spiegel. Das bedeutet, sie wissen nicht, wie sie aussehen und deshalb zeichnen sie sich gegenseitig. Sie treffen auf die verfeindeten Werwölfe (wobei ich draufgekommen bin, dass ich über Werwölfe sehr wenig weiß). Außerdem erfährt man, was passiert, wenn Vampire versehentlich Pommes essen und das ist nicht schön. Generell habe ich mir noch nie so viel Gedanken über die recht schwierige Lebensweise dieser Wesen gemacht, wie bei diesem Film, was irgendwie auch interessant ist.

Der Film ist mit 83 Minuten eher kurz, was aber eine ziemlich gute Entscheidung ist, weil das Genre Mockumentary oft relativ schnell nervt, wenn man mal den Clou durchschaut hat. Waititi behilft sich damit, dass der typische Stil a la verwackelte Kamera nicht überstrapaziert wird und, dass auch eine tatsächliche Geschichte erzählt wird, die sogar richtig berührt. Das ist überhaupt das spannende bei diesem Werk, dass von Vampiren erzählt wird und Vampire tun eben, was diese tun, es ist also auch blutrünstig, aber trotzdem ist das so ein totaler Feelgood Film, das ist schon komisch, dass das überhaupt funktionieren kann.

Noch ein paar Worte zum Geburtstagskind: Ich finde ja, er sollte öfters auch schauspielen, er ist mühelos witzig. Seine Filmografie als Regisseur/Drehbuchautor ist ziemlich …eigen. Da gibt es eben diese kleinen Indie-Komödien – What We Do in the Shadows feierte seine Premiere bei Sundance. Dann dreht er aber auch viel für Marvel, Thor usw. was ihm auch einiges an Kritik von den Marvel-Fans einbrachte, weil die Filme halt eine sehr ironische Perspektive haben. Ich finde es aber cool von Marvel, dass sie, wenn sie schon einen solchen Regisseur wählen, ihm dann seine eigene Handschrift lassen. Ansonsten hat das ja keinen Sinn. Und Waititi hat für seine WW2-Groteske JoJo Rabbit den Oscar für das beste Drehbuch erhalten. Alles in allem also recht wenig konsistent, wenn man so will, aber immer mit viel Herz und Menschlichkeit. Sogar bei Vampiren!