almis personal blog

Paul Celan. 100.

Heute wäre der 100. Geburtstag von Paul Celan – eigentlich Ancel, sein Name ist ein Anagram.

Ich habe auf der Uni ein thematisches Proseminar zu Paul Celan besucht, es hieß “Wahr spricht, wer Schatten spricht – Lyrik und Poetologie bei Paul Celan”. Und dann noch ein anderes Proseminar, das sich nicht nur um Celan drehte, aber auch einen Zitat aus einem seiner Gedicht im Titel hat: “Gelobt seist du Niemand – Psalmen im Zeitalter des Nihilismus.” Ja und genau deshalb hab ich Germanistik studiert, wegen dieser und ähnlicher abgedrehten Seminare. Ich hab auch den Briefwechsel zwischen Nelly Sachs und Paul Celan gelesen. Über ein Treffen mit ihr hat Celan das Gedicht Zürich, zum Storchen geschrieben.

Ja, jeder kennt die Todesfuge, sie wurde wahrlich genügend analysiert in den Gymnasien, aber Celan ist soviel mehr. Er ist schwer zu rezipieren, aber seine Lyrik ist unheimlich eindrucksvoll, auch wenn man ihn gar nicht zu verstehen versucht: seine Sprache ist mächtig und beklemmend zugleich. Und wunderschön-traurig.

Wie im Gedicht Sprich auch du.

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Manchmal beginnt die erste Videokonferenz bereits um acht. Gähn. Symbolbild:

Ich habe mit The Crown begonnen. Gleich mit der aktuellen vierten Staffel, die ersten drei hab ich ausgelassen, mich interessiert vor allem der Gossip-Part harhar. Die erste Folge war dann aber so zäh, dass ich mir gedacht habe, ich habe wohl als Kind zuviel “Neue Post” bei meiner Oma gelesen, sodass mich das nicht vom Hocker haut. Aber dann die zweite Folge, Respekt, war wirklich spannend. Da gehts drum, dass Margret Thatcher mit ihrem Mann auf Schloss Balmoral eingeladen wird und quasi den “Balmoral Test” zu bestehen hat: das heißt, sich elegant durch die Etikette des englischen Königshauses zu bewegen. Ich weiß nicht, wieviel Fiktion in der Folge beinhaltet ist, aber amüsant was das sehr, das muss ich sagen. Jetzt gehts dann mit Diana und Charles’ Hochzeit weiter.

Fabulous PC des Teenies

Außerdem hab ich beim Kochen wieder den Frauenfragen Podcast von Mari Lang gehört. Die zweite Folge mit Ali Mahlodji war mir etwas zu gewollt. Ja, der Mann macht offenbar alles mustergültig aus feministischer Sicht aber, na ja. Die dritte Folge mit Christian Kern hat mir dagegen sehr gut gefallen. Mensch kann ja über Kern denken, was er will, aber er ist ein reflektierter Mann, der sympathisch rüberkommt und der, trotzdem er jahrelang alleinerziehend war, nicht glaubt, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Ich hoffe, jetzt kommt bald die Folge mit Dirk Stermann.

Aja, apropos Stermann, böser Witz aus der letzten Willkommen Österreich Folge: Die Schulen sind offen, aber es findet kein Unterricht statt. – Also wie immer in der Waldorfschule.

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Gestern Tag eins im neuerlichen Lockdown: Mir kommen sehr viele Menschen mit Nordic Walking Stöcken entgegen. Beim Billa gehts zu wie vorm heiligen Abend. Und der Teenie hat diverse Videokonferenzen und sogar einen kleinen Test online.

Das Homeschooling Ding funktioniert um einiges besser als im Frühjahr. Es gibt einen Stundenplan, der täglich ca. drei Stunden Videokonferenzen beinhaltet. Schön ist, dass kaum eine vor neun Uhr startet. Die LehrerInnen sind bemüht, die SuS engagiert, was ich so am Rande mitkriege. Sie helfen sich – falls nötig – untereinander mit den Hausübungen, per Videokonferenz. Ich kann recht ungestört arbeiten und dann auf dem Sofa, bei einer Facebook Achtsamkeitsübung kurz einnicken. Weiß nicht wie achtsam das war, es war jedenfalls erholsam.

Den ersten Lockdown-Abend habe ich dann mit Sex and the City auf Sixx verbracht. Obwohl ich das alles kenne, bin ich so versunken in den Plot, dass mich der Teenie kurz nach 23 Uhr fragt: “Mama, soll ich nicht ins Bett gehen?” Ja bitte, geh ins Bett. Harhar. Also schon am ersten Tag die Kontrolle über den Tagesablauf verloren. Harhar.

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Gestern also um 16.30 die Pressekonferenz der Regierung zum Lockdown, in der bekanntgegeben wurde, was wir eh schon alle wussten

Vorher hatte der ORF den Bockerer im Programm und nachdem ich viel zu früh den Fernseher eingeschalten habe, habe ich dann noch eine Stunde davon gesehen. Immer wieder sehenswert, meine Lieblingsszene ist die, als der Bockerer (Karl Merkatz) seinen Freund, den Juden Rosenblatt (Heinz Marecek) zum Bahnhof begleitet, als dieser emigiert. Dabei wird er von einem Polizisten (Teddy Podgorski) skeptisch beobachtet und nachher ins Kreuzverhör genommen. Das ganze gipfelt dann in der Frage des Polizisten: “Kennen sie nicht Mein Kampf“. Und der Bockerer daraufhin: “Earnen Kampf? I kenn jo ned amoi sie söba, wie soll ich earnen Kampf kennen?”

Dann also, wie gesagt, die Pressekonferenz wo eh alles beim alten ist. Als Fassmann sprich, fragt der Teenie, ob am Montag noch Nachmittagsturnen ist. Diese Frage hat Fassmann dann nicht beantwortet, allerdings wissen wir jetzt, dass es wesentlich mehr Videokonferenzen geben wird, als im Frühjahrslockdown und, dass alle Tests und Schularbeiten dieser Zeit verschoben werden. Da bin ich dann froh, dass der Teenie schon von jedem Hauptfach schon eine Schularbeit hatte.

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Aja falls ihr euch Nägelkauend gefragt habt, was mit Dancing Stars ist, im Lockdown: es wird ganz ohne Zuschauer fortgesetzt.

Ich habe am Freitag jetzt immer langen Fernsehabend, weil der Teenie das Ende der Schulwoche zelebriert. Also schau ich das, irgendwie entspannend, die eh schon einkalkulierten, oft passiv-aggressiven Fehden der TeilnehmerInnen mit der Jury und teilweise wirklich sehenswertes Tanzen. Währenddessen backe ich Kuchen und danach schau ich Was gibt es Neues – wo letztens jemand “infisziert” gesagt hat und jemand anderer: “Das heißt infiziert” und Person 1: “Wir sind in Österreich”. Harhar. Und danach hab ich noch Die Perle Anna geschaut, mit Elfriede Ott, wieder eine Hausangestellte, die die Seitensprünge “ihres” Ehepaares konterkariert, das war thematisch offenbar wirklich mal “a thing.”

Am Wochenden hab ich den den Lockdown Text von Eva Menasse gelesen, der in den sozialen Medien abgefeiert wurde, und der hat mich leider gar nicht abgeholt, wie man so schön auf neudeutsch sagt. Ich tu mir generell schwer mit Texten, die mir auf doch eher plumpe, gleichzeitig aber auch reichlich selbstzufriedene Art – garniert mit einer Prise Kulturpessmismus – sagen wollen, was ich fühlen soll. Dabei hab ich noch nicht mal das Gefühl, dass mir Jahre gestohlen werden, wie Menasse suggeriert, bin aber der Meinung, dass man das Ganze nicht runterbrechen kann, auf eine kuschelige Wellness-Auszeit für Besserverdiener und Privilegierte, sowie Menschen im “richtigen” Alter. Denn Menasse ist, wie ich selbst, in einem relativ komfortablen Alter für eine Pandemie. Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass die folgende Zeit nicht unsere finale Lebensphase sein werden.

Anyway, wirklich abholt gefühlt hab ich mich dafür bei folgendem Tweet:

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Die Eurovision Songcontest Seite auf Facebook betreibt fortgeschrittenen Eskapismus und fragt nach Songs, die in den Qualifikationsrunden ausgeschieden sind, es aber ins große Finale des ESC hätten schaffen müssen/sollen.

Da fällt mir sofort ein Song ein, bei dem ich es bis heute nicht verstehe, warum er ausgeschieden ist (und diese Einschätzung teile ich mit Marco Schreuder), nämlich Time von Izabo, Kandidat 2012 für Israel:

Den hab ich seit geraumer Zeit auf meiner Songcontest-Playlist und finde ihn immer noch super und total underrated.

Was gibts noch außer Corona und Terror? Ich habe den neuen Podcast von Mari Lang gehört, Frauenfragen. In diesem Podcast wird Lang Männer treffen und sie mit typischen Fragen konfrontieren, die sonst noch Frauen gestellt werden – beispielsweise nach den Designern, die sie gerade tragen oder nach Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Interessantes Konzept, in der ersten Folge war Armin Assinger zu Gast und es war ein ziemlich idealer erster Gast, würde ich sagen. Er war auch sehr offen und hat nur einen Joker von dreien gebraucht. Ja, in diesem Podcast gibt es auch Joker, immer dann, wenn man eine Frage nicht beantworten will. Dann kann man die Frage entweder abwählen, jemand anrufen oder die Frage der Moderatorin zurückspielen, die sie stattdessen beantworten muss.

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Ich hab eigentlich keine geistigen und emotionalen Kapazitäten mehr für die US-Wahl. Zuviele andere Themen.

Aber weil wir es gerade eh nicht so lustig haben, ein wirklich amüsanter Tweet, der daran erinnert, dass Al Gore fast einmal Floridsdorf gewonnen hat:

Gestern hab ich noch eine wirklich gut gemachte Doku über Donald Trump und Joe Biden gesehen – ihre Lebensläufe sind ja denkbar unterschiedlich, erklären aber ganz gut ihr Auftreten und ihr “Mindset”. Trump hat sich – aufgrund einer dysfunktionalen Familienstruktur – Bestätigung und Zuwendung immer von außen holen müssen und liebte es von Kindheit an, sich mit anderen zu messen. Selbst mit seiner ersten Frau Ivana trat er in einen Konkurrenzkampf, wenn sie ihm zu erfolgreich wurde. Wenn sie allerdings Misserfolge zu verzeichnen hatte, ertrug er das aber auch schlecht.

Bidens Leben hingegen ist von schweren Schicksalsschlägen geprägt. So starb seine erste Frau und seine einjährige Tochter 1972 bei einem Autounfall und er wurde zum allererziehenden Vater von zwei Söhnen. 2015 schließlich starb sein ältester Sohn an einem Gehirntumor. Was ihn zum empathischen Redner, beispielsweise auf dem Begräbnis eines erschossenen Polizisten machte. Er wird aber auch als jemand charakterisiert, der nicht immer für geglückte Formulierungen bekannt war; ich wusste zum Beispiel nicht mehr, dass er Barack Obama anfangs folgendermaßen charakterisierte: “I mean, you got the first mainstream African-American who is articulate and bright and clean and a nice-looking guy. ” Dass er später dessen Vizepräsident wurde zeigt aber, dass mit dieser Aussage das letzte Wort nicht geprochen war.

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Kann man jetzt umbennen in LIZVCUT (und Terror)

Montagabend ist das passiert, was man sich in Wien eigentlich kaum vorstellen konnte. Es ereignete sich ein Terroranschlag am Schwedenplatz. Am letzten, lauen Abend vor dem Lockdown, die Gastgärten waren vollbesetzt mit Menschen. Meine Mutter war eine Stunde zuvor selbst noch dortgewesen, war aber dann müde und ist entgegen der Planungen nicht mehr mit einer Freundin noch was trinken gegangen – glücklicherweise, wie man jetzt weiß. Denn: Ein (mutmaßlicher) Einzeltäter tötete und verletzte wahllos Passanten sowie Einsatzkräfte. Und versetzte die ganze Stadt in einen Ausnahmezustand, der wohl – zumindest emotional – noch länger andauern wird.

Ich weiß gar nicht genau, was ich dazu schreiben soll. Ich war Montagnacht bis ein Uhr auf, hab mich vergewissert, dass liebe Menschen in Sicherheit sind, und dann schon wieder um halb sechs, bis dann klar wurde, dass am Dienstag die Schulpflicht ausgesetzt sein würde. Deshalb hab ich das Kind gar nicht geweckt und bin selbst nochmal eingeschlafen. Den restlichen Tag hab ich großteils vor dem TV verbracht und mich erst gegen Abend getraut, wieder rauszugehen, um einzukaufen. Fassbar ist das alles nicht, da wir aber nun eine nächtliche Ausgangssperre haben, wird man wohl nicht so schnell in die Situation kommen, abends wieder auszugehen. Aktuell kann ich mir gar nicht vorstellen, irgendwann mal wieder unbeschwert im Bermudadreieck zu sitzen, aber unbeschwert ist momentan generell schwierig und es ist alles noch sehr frisch.

Heute ist wieder Schule, wo mit dem Kind, das ich wohl lieber in Zukunft Teenie nennen werde, auch über den Anschlag gesprochen werden wird. Darauf hat er sich heute Morgen sogar gefreut, denn er macht sich natürlich seine Gedanken, ist dabei aber weniger ängstlich als ich, wie ich denke. Und das ist auch gut so.

Literatur-Nobelpreis

Mit dem Literatur-Nobelpreis verbinde ich lustige Erinnerungen.

2004 gewann Elfriede Jelinek den Nobelpreis, was damals noch via Zettel am Germanistikinstitut ausgehängt wurde. Ich hatte ein schönes Telefonat mit meinem Papa, den ich anrief, um ihn raten zu lassen, wer wohl den Preis gewonnen hatte. Und vor allem: um seine Reaktion zu hören. Denn ich wusste, wie er reagieren würde.

Er: “Na hoffentlich nicht der Handke.”

Ich: “Nein, DER nicht.”

Er: “Aber jemand aus Östrreich?”

Ich: “Ja.”

Er: “Oh mein Gott…”

Und weil er soviel Glück hat, hat dann bekanntermaßen Peter Handke letztes Jahr auch noch den Preis bekommen.

Heuer, bei der Verkündigung des Preises, wieder die alte Frage: Ist das noch Schwedisch oder war das schon der Name? Heuer aktueller denn je, denn als ich den Namen hörte, hab ich ihn zuerst mal falsch gegoogelt. Nämlich Klik. Tatsächlich heißt die Dame allerdings Louise Glück.

Jemand hat mal geschrieben, dass manche Literatur-Nobelpreisträger gleichsam aus der Welt gefallen sein (aka: niemand kennt sie) und das fand ich brilliant formuliert. Le Clezio etwa oder Tomas Tranströmer. Und ich denke, Louise Glück verdient dieses Prädikat auch. Denn: