almis personal blog

the drugs do not work, sechs

die ersten tage verliefen also gut und dann kam alles irgendwie zusammen. 

es war freitag, adrian war zehn tage alt. unser neonatologe war auf urlaub. unsere zimmernachbarn bereiteten sich auf die entlassung vor. a. wurde mit ihrem sohn nach brixen verlegt. für ihn war es der vorletzte tag vor der rückreise nach wien. und adrian ging es schlechter.

nachdem seine beatmungsintensität die letzten tage kontinuierlich verringert werden konnte, tat er sich plötzlich wieder schwerer. er wirkte angestrengt und nicht so lebhaft wie sonst. wir waren bei einem beinahe-notfall dabei, als adrians o2 sättigung plötzlich extrem abfiel und erstmals auch den herzschlag beeinflusste. ein paar schwestern kamen gelaufen und wir verließen das zimmer. standen draußen auf dem gang. konnte nicht sprechen, sahen uns nur an. was war nur los? was passierte mit ihm? wie sollten wir damit umgehen? wieso konnten wir ihm nicht helfen? heimfahren an dem tag war furchtbar. daheim fragen zu beantworten war furchtbar. schlafen war furchtbar. der ganze körper schmerzte und brannte. wir lagen einfach am bett. nicht mal fähig, das licht abzuschalten.

samstag erfuhren wir, dass sich der ductus wieder geöffnet hatte. dabei war die linke lunge kollabiert und arbeitete nicht mehr richtig. wenigstens gab es jetzt eine erklärung. doch der zustand war kritisch. adrian wurde mit einer elektrischen zahnbürste massiert, damit sollte die lunge wieder angeregt werden. sonntag lagen wir nach dem krankenhausbesuch wieder auf dem bett herum, bevor er fahren musste. draußen spielte eine blasmusikkappelle, es war ein sehr sonniger, warmer oktobertag. aber uns ging es schlecht, wirklich schlecht. ich hatte wahnsinnige schuldgefühle. irrational. aber sie begleiteten mich noch viele wochen und monate. 

dann musste er fahren. wir standen in der garage herum. die katze hatte gemerkt, dass sie ihren platz wechseln sollte und sprang von der motorhaube unseres autos auf die motorhaube des autos neben uns und rollte sich dort zusammen. je kälter es wurde, desto mehr genoss sie die warmen autos, das beobachteten wir dann ende november sehr oft. jedenfalls musste er fahren. es würde bald dämmern. ich wusste nicht, wie ich die folgende nacht schlafen sollte. mein sohn kämpfte in bozen und er fuhr bald über den brenner und dann immer weiter weg. 

am nächsten tag dann mit einem alles oder nichts-gefühl nach bozen, mir war sehr übel. unser neonatologe war wieder im dienst und als er mich sah, rief er mir zu: "die lunge ist wieder ok". fast wäre ich im um den hals gefallen. der ductus müsse aber nun per operation verschlossen werden. noch diese woche. trotzdem fühlte ich mich enorm erleichtert.

2 comments

  1. Ich verstehe ja eines nicht. Wenn man das alles durchgemacht und erfolgreich durchstanden hat, wenn man die Staerke, die man nicht hatte, trotzdem irgendwo her nehmen musste, wie koennen einem da heute aergerliche Kleinigkeiten etwas anhaben? Oder wie koennen Selbstzweifel entstehen?

  2. kannst du es mir nicht sagen? schließlich hab ich dir schon das eine oder andere ohr abgekaut. 😉

    gute und berechtigte frage, die ich nicht wirklich beantworten kann. das mit den selbstvorwürfen ist aber schon erheblich besser geworden, denke ich.

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