almis personal blog

Sully

Heute werden ja im Laufe des Tages die Nominierungen für die Golden Globes bekannt gegeben und am Freitag hab ich einen Kandidaten, Sully, gesehen.

Sully, man erinnert sich, das ist dieser Pilot, der eigentlich Chesley Sullenberger heißt und 2009 als erster Mensch überhaupt eine Notwasserung mit einem Flugzeug – auf dem New Yorker Hudson River – geschafft hat. Nun könnte man sich denken ich und Fliegen, soll ich mir sowas überhaupt ansehen? Aber ja, ich kann sagen, ich hab nach dem Film jetzt nicht mehr Flugangst als vorher (wenn ich auch beschlossen habe, ab jetzt ausschließlich mit Mr. Sullenberger als Pilot zu fliegen harhar).

Der Film ist schon ziemlich nervenaufreibend, wenn er zeigt, was da so im Cockpit und im Passagierraum, bei den Fluglotsten am Kontrollturm und überhaupt im Umfeld dieses Ereignisses an diesem eisaklten Jännertag passiert ist. Was man in Europa vielleicht weniger mitbekommen hat: Sully war zwar der Held, wurde aber danach von der Flugsicherheitsbehörde quasi auseinandergenommen, weil infrage gestellt wurde, ob seine Landung am Hudson tatsächlich nötig war (und kein enormes Risiko) und ob es nicht doch möglich gewesen wäre, zurück zum JFK Airport zu kehren oder in New Jersey zu landen, was ja damals auch angedacht wurde. Diesen Fragen widmet sich der Film hauptsächlich.

Sehr erstaunlich war, dass Sully (Regie: Clint Eastwood) eigentlich komplett nüchtern erzählt wird. Auch wenn der Pilot zweifelsohne ein Held war und ist, und das natürlich auch thematisiert wird, ist das alles andere als das Abfeiern eines amerikanischen Übermenschens, der noch dazu von Tom Hanks verkörpert wird – obwohl es bei einer Geschichte wie dieser so naheliegen würde, das zu tun. Es ist Eastwoods Sachlichkeit zu verdanken, dass der Film komplett andere Schwerpunkte setzt als ein pathethisches Epos zu zeichen, und hierbei hilft auch der Haupdarsteller. Dass dieser anders könnte und ein kleines nationales Heiligtum spielend darstellen würde, wenn das gefragt wäre, wissen wir. Daher finde ich die Zurückhaltung eine große Leistung. Eventuell war das auch dem tatsächlichen Mr. Sullenberger ein Anliegen – sein Buch liegt dem Drehbuch ja auch zugrunde.

Interessant war, dass der Film sich so kurz einfühlt, obwohl er doch an die 100 Minuten lang ist. Das Ende war sehr plötzlich da, ich glaube, da ging es anderen im Kinosaal auch so. Wir haben dann überlegt, ob Sully auch auf der alten Donau landen hätte können, gleich hinterm Birner Brückerl zum Beispiel harhar. Aber die alte Donau dürfte zu schmal sein, vielleicht hätte er auf der neuen Donau eine Chance gehabt.

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