almis personal blog

Intimacy

Jemand hat mir vom Film Intimacy erzählt und dann bin ich draufgekommen, dass ich den in meinem Prime Abo gerade gratis anschauen kann. Also hab ich das gestern kurzerhand gemacht.

Ich kann mich noch erinnern, dass der Film bei seiner Premiere einen ziemlichen Skandal ausgelöst hat, weil die Sexszenen sehr explizit waren. Oder anders gesagt: zumindest die Szene, in denen die Protagonisten Jay (Mark Rylance) und Claire (Kerry Fox) Oralsex haben, ist echt. Und wenn man mich fragt: Auch der Rest sieht zumindest ziemlich authentisch aus. Echten Sex darzustellen ist – abseits von pornografischen Filmen – immer noch ein großes Tabu. Also ist Intimacy einerseits spannend, weil der Film sich ganz klar über diese Grenze hinwegsetzt, andererseits geschieht das um den Preis, als dass Kritik und Publikum eher davon sprechen und schreiben als über den tatsächlichen Plot. Denn in Intimacy geht es eben genau darum: wann hört eine Sexbeziehung auf, eine reine Sexbeziehung zu sein? Wann geht es nicht mehr nur darum?

Jay und Claire treffen sich jeden Mittwoch Nachmittag. Sie läutet bei ihm, sie reden ein paar belanglose Sätze und dann haben sie in seinem Keller ziemlich übergangslos Geschlechtsverkehr, um mal ein anderes Wort zu verwenden. Es wird nicht gestreichelt oder gekuschelt, es gibt keinerlei “Vorspiel”, ein paar “Knöpfe” drücken und das reicht, weil Sex ja auch – gerade wenn er den Nimbus des Verbotenen hat – genau so funktioniert, durch reine Leidenschaft. Da braucht es keine Zärtlichkeit und keine – eben – Intimität. Doch wie lange geht das so? Entweder es nützt sich nach einer Zeit ab und mensch wechselt zu einem anderen Partner/Partnerin oder mensch verliebt sich und will mehr. Ab diesem Zeitpunkt geht es darum, den anderen wirklich kennenzulernen, seine Persönlichkeit, seinen Charakter, die ganze Person. Aber was, wenn nur einer der Beteiligten diesen Schritt gehen möchte? In diesem Fall ist es Jay, der mehr möchte, weshalb er Claire eines Tages folgt, als sie ihn verlässt und so nach und nach in ihr Leben einbricht.

Der Film erzählt von Menschen im mittleren Alter. Menschen, die schon öfters gescheitert sind, die Fehler gemacht haben, die auch schon ordentlich desillusioniert wurden, von ihrem Leben, ihren Beziehungen, ihrem Beruf, letztendlich ganz normalen Menschen, mit Sehnsüchten und Hoffnungen. Letztendlich hofft jeder, erlöst zu werden, auf die eine oder andere Art, gesehen und angenommen wie er oder sie ist. Aber das Leben ist kein Märchen. Letztendlich ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen. Diese Erkenntnis bildet Intimacy sehr gut ab.

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