Jetzt noch ein bisschen was zur ESC Ausstellung im qwien United by Queerness. Was war dort noch los, abgesehen davon, dass ich Marco Schreuder getroffen habe? Harhar.

Also zunächst mal hat auch Schreuder selbst auf die Anmerkung eines Users geschrieben, der meinte, es gäbe ja nicht nur Queerness beim ESC, sondern auch beispielsweise religös beeinflusste Lieder, es gab einige evangelikale Performer, das wäre richtig. Nur fokussiere die Ausstellung eben auf diesen Aspekt, weil sie im Queerzentrum stattfinde.

Die Ausstellung erzählt über früher versteckte, quasi nur mittels Codes erkennbare homosexuelle Teilnehmer ebenso wie über solche, die im Gegenteil mit Versatzstücken spielen, obwohl sie gar nicht aus der Community stammen.
Ich habe erfahren, dass der Isländer Paul Oscar mit seinem Song Minn hinsti dans, der erste offene Gay Act war. Mir war das nicht bewusst, es war 1997, für meine Begriffe schon eine “aufgeschlossene” Zeit. Er trug halt so ein Lackoutfit und Eyeliner, neben ihm tanzende Frauen, auch in Lack, war es schon etwas “Drag” wie man heute sagen würde. Grissemann meinte damals über Oscar: “So sympathisch er hier auch scheint, er kommt hassenswerter Weise auch vom Musical, wie so viele Teilnehmer leider.” Harhar. Derzeit wären es übrigens Castingshows. Minn Hinsti Dans ist bis heute eines meiner ESC Lieblingslieder, auch wenn Paul Oscar damals nur 20. wurde. Ich habe es auf meinem Videorecorder (!) immer wieder zurückgespult und nochmal angesehen. Der Song ist so gut gealtert, dass man meinen könnte, er wäre seiner Zeit vielleicht auch etwas voraus gewesen.
Bereits ein Jahr später gewann Dana International, eine Transperson mit dem Song Diva und gegen den zuerst großen Protest von Teilen der orthodoxen israelischen Bevölkerung. Ihr Sieg vereinte das Land dann allerdings auf wundersame Weise. 2007 dann die Travestie Ikone Verka Serduckha, die am Ende Zweite hinter der lesbischen Teilnehmerin aus Serbien Marija Serifovic wurde, die übrigens ein Beisl in Wien Favoriten hatte (harhar wirklich) Ich glaube, niemand, der Serduckhas Auftritt gesehen hat, wird Dancing Lasha Tumbai vergessen haben, es war so eingängig und lustig, Lyrics: “Me English nix verstehen, let’s speak dance.” 2008 erlebten wir (also ich nur im Halbschlaf, hatte ein Baby) den Drag King Sébastien Tellier mit Divine an – er wurde nur 18., allerdings begann mit dem ESC sein Aufstieg aus der Undergroundszene. Tja und über Conchita 2014 brauche ich eh nicht viel zu erzählen.
Ausschnitte aus dem ESC Merci Cherie Podcast, die damalige U-Bahn Durchsage von Conchita zum ESC in Wien, sowie die Regenbogenampel runden die Ausstellung ab.

Fazit: Wirklich sehr liebevoll und nerdig, mit vielen kleinen Details gestaltet, trotz Handicaps (beleidigte Künstler die Exponate wegen Isreals Teilnahme zurückzogen *augenroll*). Habe aber vom Duo Schreuder/Vlassakakis nichts anderes erwartet. Wenn die zwei nicht verbindend wirken, wer dann.

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