almis personal blog

The Drama

Diesmal hat es Kristoffer Borgli geschafft und aus einer echt spannenden Prämisse auch einen ziemlich guten Film gemacht. Noch mal zur Erinnerung die Ausgangslage:

Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) sind ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit steht. Bei einem Probeessen mit dem befreundeten Paar Rachel (Alana Haim) und Mike (Mahmoudou Athie), die auch die Trauzeugen sind, hat Rachel die Idee, dass jeder der Anwesenden das Schlimmste erzählen soll, was er jemals getan hat. Nachdem alle von ihren nicht so besonders netten Geschichten berichtet haben, die aber irgendwie als “Jugendsünde” durchgehen können, kommt Emma an die Reihe. Und was Emma erzählt ist… ARG

ACHTUNG SPOILER – ABER DAS GEHEIMNIS AN SICH WERDE ICH NICHT VERRATEN

Es ist starker Tobak. Es ist definitiv nichts, was man so einfach wegwischen kann. Deshalb stürzt Charlie auch zurecht in eine gewisse Krise, bei der er hinterfragt, ob er Emma mit diesem neuen Wissen überhaupt richtig kennt und in Folge dessen: ob er sie noch heiraten kann oder will.

Ich mag an diesem Film, dass Borgli wirklich ein Thema anrührt, wo die meisten Menschen nachzudenken und zu diskutieren beginnen. Mir ging es auch so. Weil es eben nicht nur eine Handlung im Affekt war, wo man halt einmal eine Aussetzer hatte, sondern es geht viel viel tiefer. Und der Diskurs, der seitdem auf Social Media geführt wird, ist auch interessant. Die Entscheidung nämlich, dass hier eine Frau ein solches Bekenntnis ablegt, sorgt für, würde ich sagen, mildernde Umstände und manchmal sogar Verständnis, weil es ist ja schon 15 Jahre her und wer hat nicht seltsame Ideen als Jugendlicher. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Diskurs in eine komplett andere Richtung gehen würde, hätte Charlie dieses Geständnis gemacht, vor allem in der heutigen Zeit der viel zitierten “toxischen Männlichkeit”. Und insofern finde ich schon alleine diese Doppelstandards sehr bemerkenswert.

Ich glaube, das ist der erste Film, wo mir Pattison richtig gut gefällt, Zendaya noch besser und am prägnantesten ist vielleicht Alana Haim – die auf Social Media auch schon leidenschaftlich gehasst wird, ein gutes Zeichen – als “bitchy” Freundin nämlich, die sich nach dem von ihr initiierten Outing als eine Art höhere moralische Instanz generiert. Das ist zuweilen wirklich unangenehm anzuschauen, weil sie sich in keiner Weise darum bemüht, herauszufinden, warum Emma das getan hat, sondern nur scharf darüber urteilt. Und natürlich hat Rachel diesen ultranetten und verständnisvollen Mann, der immer versucht, auszugleichen, er hat mir ein bisschen leid getan harhar.

Ist das die Rückkehr der RomCom mit einem Twist? Ja schon. Denn dieser Film ist abseits dieses großen Themas stellenweise wirklich auch süß und ziemlich witzig, ich sage nur Hochzeitsfotografin, die ein vollkommen derangiertes Paar vor sich hat (ohne natürlich den Grund zu kennen) und Stimmung machen soll oder auch die Szene mit Charlies Assistentin, der er sich anvertraut, was in einer ziemlich bizarren Situation endet. Jedenfalls ist das Borglis stringentester Film bis dato und nicht so zerfasert und nihilistisch wie die Vorgängerwerke.

P.S Heute hab den Film mit den Kids nochmal gesehen. Gefällt definitiv auch der U20 Zielgruppe.

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