almis personal blog

Yellow

Heute in der Früh aus einem dieser so schönen Träume aufgewacht, die sich so echt und innig anfühlen und von denen man schon im Schlaf weiß, dass sie leider nicht real sind. Wie viele Wendeltreppen bin ich schon hinaufgelaufen…

Den ganzen Tag im Freien verbracht und das Motto war irgendwie gelb.

Now playing: Yellow by Coldplay

Ich hatte ein semi-gelbes Shirt an, ich habe das gelbe Buch von Lena Dunham gelesen (es ist so gut!) und auf Empfehlung des Kindes das neue gelbe Red Bull (Sudachi-Lime) getrunken. Es schmeckt tatsächlich nach Sommer in den 1980er Jahren, und das ist was gutes.

Habe mich noch etwas erholt, denn die nächste Woche wird bekanntlich ein bisschen aufregend, aber bei “uns” geht die Matura erst Dienstag los. Und deswegen wird morgen was Gutes gekocht und nochmal in Ruhe alles wiederholt.

Und heute träume ich hoffentlich wieder.

Girls

Apropos Lena Dunham, nachdem ich jetzt die erste drei Staffeln von Girls gesehen habe und parallel ihre Autobiografie lese, ein erstes Zwischenresümee.

Spoiler möglich

Dunham spielt ja in dieser Serie quasi ihr Alter Ego, eine junge Frau namens Hannah Horvath, die drei enge Freundinnen hat, und das erinnert natürlich jeden, der in den 2000er Jahren irgendwann einmal einen Fernseher aufgedreht hat, sofort an Sex and the City. Sehr raffiniert und auch sympathisch baut Dunham diesen Einfluss gleich in der Pilotfolge ein, als wir erstmals die Wohnung ihrer Freundin Shoshanna sehen, da hängt nämlich ein riesiges SatC Poster. Gleichzeitig ist die Ausgangslage aber eine ganz andere. Die Frauen aus SatC sind mindestens zehn Jahre älter als die aus Girls. Sie wissen zwar nicht so genau, was sie von Männern wollen, aber sie haben gute Jobs, tolle Wohnungen, superchice Kleidung und Geld ist (selten) ein Thema. Wir sehen auch ein ganz anderes New York, das ja in SatC oft als fünfter Hauptdarsteller bezeichnet wird, nämlich ein fast ausschließlich pittoreskes, in schönen Parks und Bars und Hotels und Restaurants.

Girls zeigt vier junge Frauen, die noch gar nicht wissen, was sie generell vom Leben erwarten, was sie beruflich machen sollen und überhaupt. Natürlich haben sie dasselbe Männerproblem wie in SatC, aber Männer stehen nicht so direkt im Vordergrund. Die ziemlich gute Prämisse ist hier nämlich, dass Hannah von ihren Eltern “an die Luft” gesetzt wird. Bei einem Abendessen eröffnet ihr die Mutter Lorreen (Becky Ann Baker) – die mir sofort unsympathisch ist (harhar), aber der man zu Gute halten muss, dass sie auch äußerlich eine absolut “untypische” Serienmutter verkörpert, was ja wieder interessant ist – dass sie und Hannahs Vater ihre finanzielle Unterstützung einstellen. Der Vater Tad (Peter Scolari) ist natürlich viel zu lieb und gutmütig, man weiß sofort, wer die Entscheidung getroffen hat, die Dynamiken dieser Familie liegen offen auf dem Tisch. Hannahs Ex-Freund Elijah bemerkt bald einmal “Your father is gay” – und circa 20 Folgen später wird sich Tad auch als gay outen, worauf Elijah zu Hannah sagt, er habe ihr das schon vor langer Zeit gesagt und sie so: “You never said that” und wir als Zuschauer: Dooooch, hat er! Sowas mag ich ja sehr. harhar.

Jedenfalls will Hannah schreiben, aber sie weiß gleichzeitig, dass das kein Job ist (ach ja) und wir sehen ihr dann dabei zu, wie sie dieses Problem angeht. Hannah hat außerdem nicht die typische Hollywood-Seriendarstellerinnen Figur zumindest damals vor Body Positivity, sie trägt nie Stöckelschuhe, die Wohnungen sind oft ein bisschen chaotisch und schauen halt aus, wie normale Wohnungen ausschauen und Schausplatz ist nicht Manhattan, sondern Williamsburg. Diesen Stadtteil kenne ich aus der Serie Unorthodox, er ist bekannt für seine (ja eben) ultaorthodoxe jüdische Gemeinde. Ultraorthodox ist in Girls niemand, die Religion schimmert nur ein bisschen durch, am ehesten natürlich bei Shoshanna Shapiro, deren Name das ja auch suggeriert. Aber ich würde sagen, so kulturell und “Vibe-mäßig” ist da schon viel jüdisches dabei, während das Judentum in SatC ja irgendwie so etwas exotisches war, man erinnert sich, als Charlotte wegen ihres Mannes konvertiert ist.

Ach ja und noch schnell die Männer, also besonders Adam Sackler (Adam Driver), der Typ, mit dem Hannah eine ziemlich eigenartige Beziehung führt. Das ist ja das lustige, wenn man die Serie erst 15 Jahr später sieht und Driver aus Star Wars, Marriage Story und vielen Jarmusch Filmen kennt. Hier ist er in der ersten Staffel quasi durchgehend kaum bekleidet und ein richtiger Arsch, so auf den ersten Blick. Aber bei manchen Menschen lohnt es sich, genauer hinzusehen, weshalb sie sich so verhalten und so ist Adam bei genauerer Betrachtung natürlich auch viel mehr als dieser erste Eindruck.

Soweit mal fürs erste.

Erster Mai

Ein 1. Mai zwischen…

… die Blumenpracht genießen und im Liegestuhl chillen

Meinen Roman überarbeiten – writing is re-writing, wie schon mein Englischprofessor immer sagte. Vieles passt schon, manches ist noch nicht ganz am Punkt.

Wiederholung der Textsorten für die Deutschmatura am Dienstag (hui!) mit dem Kind. Freu mich, wenn er meine diesbezügliche Expertise (harhar) in Anspruch nehmen möchte.

Famesick lesen, die Memoiren von Lena Dunham – habe ich gestern bekommen und ich war sofort am Haken. Ich meine alleine wegen dieses einen Satzes, in dem Dunham beschreibt, wie sie das erste Mal das Studio von HBO besucht. HBO, der Sender, der dann später ihre eigene Serie Girls produzieren wird: “Looking around the double-height lobby, with posters of shows that formed me The Sopranos, Sex and the City and Six Feet Under, whose finale I could still weep about on command.” Same! Das beste Serienfinale, das ich kenne, die letzten fünf Minuten sind einfach so unbeschreiblich schön (traurig/tröstlich gleichzeitig).

Viel an jemand denken, natürlich auch bisschen aufgewühlt.

Ein guter Tag

Speak no Evil

Apropos Horrorfilm, vorige Woche habe ich im Streaming Speak no Evil nachgeholt, das amerikanische Remake eines erst zwei Jahre zuvor erschienenen dänischen Films, der, so sagten mir einige, wirklich absolut grausam und verstörend sei. Und mir ist schon klar, dass solche US-Remakes meistens ein Abklatsch und ein bisschen auf Massentauglichkeit gedrimmt sind, aber ehrlich gesagt vertrage ich bei Horrorfilmen so wenig, dass mir das in dem Fall auch schon irgendwie reicht, harhar.

Worum geht es? Zwei englische Familien, mit je einem halbwüchsigen Kind mit “Handicap” lernen sich im Urlaub in der Toskana kennen. Louise und Ben, wohnhaft in London, gehen gerade durch eine veritable Krise, weshalb sie auf die joviale Art des anderen Vaters, Paddy (James McAvoy) anspringen, und mit dieser Familie Zeit verbringen, ehe Paddy sie am Ende des Urlaubs kurzerhand für ein paar Tage zu ihnen nach Südengland einlädt. Als sie zu dieser Reise aufbrechen, nimmt das Schicksal seinen Lauf….

ACHTUNG GRÖBERE INHALTSSPOILER FOLGEN

Also erstmal: Bei mir fängt der Horror hier nicht mit den naja, “Gewohnheiten” eines Serienmöders an, sondern schon viel, viel früher. Ich meine Paddy würde ich im echten Leben keine fünf Minuten aushalten. Er ist der Typ Mensch, der jedem Gegenüber permanent die Welt erklärt, das aber auf so eine pseudo-kameradschaftliche, gönnerhafte Art. Er ist unfassbar nervig und für mich absolut unausstehlich, und das hätte jetzt mich persönlich tatsächlich vor seinen weiteren Taten gerettet, weil mir wäre nicht im Traum eingefallen, zu diesem Trottel auf Besuch zu fahren, harhar.

Wobei man sagen muss, auch Louise ist Paddy nicht wirklich ganz koscher, aber sie merkt, dass ihr schwermütiger Mann immer aufblüht, wenn er mit Paddy zusammen ist. Und so reist die Familie eben hin und das Haus von Paddy und Co ist natürlich komplett entlegen und fernab von jeder Zivilisation, Handyempfang gibt es auch keinen, was nie ein gutes Zeichen ist, siehe Heretic, The Menue, Triangle of Sadness et al. Und dann bleibt Speak no Evil relativ lange ein Horrorfilm, wie ich ihn mag. Die bedrohlichen Elemente sind nämlich sehr subtil, aber genau deshalb so wirkungsvoll. Da ist zum Beispiel die Bettwäsche in den Gästezimmern dreckig. Da kommt spontan ein “Babysitter” für die Kinder, der nicht unbedingt vertrauenserweckend wirkt. Da lädt Paddy einmal zum Essen in ein Lokal ein und lässt dann frech Ben die Rechnung übernehmen. Da findet Louise ihre Tochter eines nachts im Bett der Gastgeber.

Am Schlimmsten aber ist, wie Paddy seinen eigenen Sohn behandelt. Grob, ohne jegliche Empathie, damit “einmal etwas aus ihm wird.” Die Aussage ist besonders lächerlich, da kurz zuvor klar wurde, dass Paddy nicht bei Ärzte ohne Grenzen ist, was der dem anderen Paar in Italien erzählt hat und was natürlich jemandem irgendwie einen Vertrauensvorschuss gibt, weil man denkt, das muss ja dann ein “guter” Mensch sein; nein, Paddy verdient Geld mit Verkauf von Gras und diversen Betrügereien. Und natürlich haben wir dann auch das Motiv der versuchten Flucht der Besuchsfamilie, was aber, klassisch, durch eine Kleinigkeit vereitelt wird, damit wir den entsprechenden Showdown erhalten. Auf den Showdown könnte ich ja immer irgendwie verzichten, aber davor macht der Film für mich schon einiges richtig.

Ich glaube, ich schaue mir jetzt doch noch das dänische Original an.

Am Semmering

Für alle, die es nicht erraten haben: Ich war gestern am Semmering, auf eine Feier zu einem 55. Geburtstag.

Tradtionelle Semmering-Architektur

Das Geburtstagskind arbeitet dort im Semmering 2026+ Projekt mit, das die Gegend revitalisieren soll/will und deshalb gab es nicht eine Feier im herkömmlichen Sinn, sondern zuerst mal einen dreistündigen Kulturspaziergang, von der Passhöhe bis zum Golfplatz. Ich hab mir zuerst ehrlicherweise gedacht, au weia, das mag ich ja nicht soo gern, wenn man irgendwo landet, wo man dann am Ende nur mit einem Shuttle zurück zum Auto bzw. Bahnhof gebracht werden kann, das ist so ein typisches Horrorfilm Szenario harhar, aber es war wirklich sehr kurzweilig und nett und lustig.

Das bekannte Hotel Panhans

Dazu kam, dass ich einige Personen, die ebenfalls eingeladen habe, schon ungefähr zehn Jahre nicht mehr gesehen habe. Und ich habe das Gefühl, sie haben ein paar meiner “Versionen” gar nicht mitbekommen bzw. ich auch ihre nicht. Und manchmal tut mir das leid, dass sie manches nie kennengelernt haben, aber an diesem Nachmittag wars “egal”, ich war einfach ich und sie waren sie und das reicht. Dazu kam, dass bei letzten Treffen gefühlt lauter Volksschüler herumsprangen und jetzt die “Kinder” alle so gut wie erwachsen sind und an einem Samstagnachmittag ganz andere, eigene Pläne haben.

Das Sporthotel

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich habe kaum Fotos gemacht, weil ich so mit Plaudern beschäftigt war, harhar. Gottseidank kriegen wir dann irgendwann noch offzielle Fotos, wo wir vor allem beim Essen waren, sicher sehr vorteilhaft, harhar. Ich habe lange mit I. geplaudert, und mich mit C. lebhaft über den Songcontest unterhalten, wir kennen schon alle Songs und hören dieselben Podcasts, er war damals auch in der Stadthalle 2015 dabei; wie ich kotzen auch ihn die ganzen Demos und politischen Debatten etcetera an, aber wir haben beschlossen, wir lassen uns in unserer ESC Whatsapp Gruppe den Spaß nicht madig machen und schauen einfach wie immer “gemeinsam”.

Das Südbahnhotel, wo Paulus Manker “Alma” aufführt und wo man auch super eine Neuadaption von “The Shining” drehen könnte

Bei der Führung wurde uns vor allem, wie man sieht, die Geschichte der alten Hotels in der Region näherbrachte, die alle renoviert wurden/werden, aber noch geschlossen sind, aber im Zuge des Semmering neu denken Projektes einen zweiten Frühling erleben sollen. Mich interessiert das ja sehr, das Wort “denkmalgeschützt” hat für mich einen sehr schönen, auch ein bisschen schmerzlichen Beigeschmack und das wird vermutlich eh immer so bleiben. Es gibt Dinge, die man erlebt, die einen nie wieder ganz verlassen werden (und das ist auch gut so, denn das zeigt, wie viel sie bedeuten haben und immer noch bedeuten).

Endstation Golfplatz

Am Schluss landeten wir auf dem Golfplatz, wo wir irgendwelche alkoholischen Hipstergetränke bekamen und ein Foodtruck für das leibliche Wohl sorgte. Das Essen – kleine Portionen von verschiedenen Gerichten wir Lachwraps, Flammkuchen, Pulled Pork Burger, Asia Nudeln, Backhendel – war wirklich sehr, sehr gut. Und ich bin natürlich eine emanzipierte Singlefrau, die eh immer irgendwie alles alleine macht, aber ich fand es schön, dass mir diesmal das Essen gebracht wurde, und ich einfach auf der Wiesen sitzen bleiben konnte, harhar.

Pulled Pork Burger

Danach wurde es kühl und müde war ich auch schon sehr. Indoor wurden aber noch Geschenke ausgepackt und sich am Holzofen gewärmt, bevor sich die Gesellschaft dann langsam auflöste und ich irgendwann in mein Bett im Garten plumpste.

Sneak Peek

Den Tag heute hier verbracht:

Entweder man weiß bescheid, man googelt oder wartet einfach bis morgen, bis ich mehr davon erzähle, harhar.

Jetzt bin ich nämlich nach stundenlang gehen und stehen und reden und essen und trinken – es war ein Geburtstagsfest – komplett fix und fertig und schaff es nur noch, ins Bett zu gehen. Aber sehr fein wars.

Gute Nacht.

Book Crawl

Die liebe A. hat mich dankenswerter Weise auf den diese Wochen stattfindenden Book Crawl aufmerksam gemacht, der sonst wirklich spurlos an mir vorübergegangen wäre. Unbezahlte Werbung.

In dieser Woche haben sich 40 unabhängige Buchhandlungen in Österreich (die meisten in Wien) zusammengeschlossen, um an dieser Aktion teilzunehmen. Und das geht so: Man druckt sich den Stempelpass aus, besucht fünf Buchhandlungen (kein Kaufzwang), lässt sich jeweils einen Stempel geben und bekommt in der letzten Buchhandlung einen zehn Euro Gutschein, für eben diese Buchhandlung. Das habe ich aber erst im vorletzten Geschäft erfahren. Tatsächlich ging es mir vor allem um das Kennenlernen und die Experience, an einem ur sonnigen Tag durch für mich neue Buchhandlungen zu streifen.

Ich hatte allerdings nur heute dafür Zeit und da auch nur ungefähr drei Stunden (An- und Abreise schon inbegriffen). Puh, hab ich mir gedacht, da muss ich mir einen guten Marschplan zurechtlegen und auch alles schnell finden, was nicht so unbedingt meine Stärke ist, ich verlaufe mich auch mit Google Maps.

Jedenfalls habe ich mich für eine Tour im 9. Bezirk entschieden, weil die Buchhandlungs-Dichte da recht hoch ist. Ausgestiegen bin ich Nußdorferstraße und nachdem die Buchhandlung dort noch geschlossen war, bin ich zur Buchhandlung List auf der Porzellangasse weitergegangen. Das war schon mal ein schwerer strategischer Fehler, aber sehr schön zum Spazierengehen, harhar.

Die Verkäuferin dort war sehr lieb und meinte, “Oh wir sind die Ersten”, ja irgendwo muss man anfangen, harhar. Gekauft habe ich mir dort gleich ein Buch, aber mir war klar, ich kann jetzt nicht jedesmal ein Buch kaufen, aber ein bisschen wollte ich doch jede unterstützen. Es war ein angemessener Beginn, diese Buchhandlung fand ich von außen am schönsten.

Weiter ging es dann in die Buchhandlung Orlando, auf der Liechtensteinstraße, da habe ich drei Postkarten erstanden.

In der Buchhandlung Orlando

Sehr gemütlich innen und viel Auswahl. Von dort aus ging ich die Berggasse hinunter, so Richtung Servitenviertel, bis ich vor Oechsli Buchhandlung stand. Ein sehr kleines, aber ur liebevoll gestaltetes Geschäft, mit diesen netten Buchzitaten in der Vitrine. Dem Akzent der Verkäuferin nach zu schließen, handelt es sich hierbei um eine Vorarlberger Buchhandlung. Auch hier kaufte ich zwei Postkarten, eine hat mich an meine Frühstücksdates erinnert, aber mehr wird nicht verraten, L. liest vielleicht mit, harhar.

Ur schöne Texte, beim Eingang von Oechsli

Danach ging es die Berggasse wieder hinauf, in die Buchhandlung Löwenherz – eine Buchhandlung für Schwule und Lesben. Ich bin zwar keines von beiden, aber der Verläufer/Besitzer (?) war trotzdem ausgesprochen freundlich und hat mir gleich weitere Buchhandlungen in der Nähe für meine Tour empfohlen und mir eben gesagt, dass ich beim fünften Stempel dann einen Gutschein bekomme.

Queer Buchhandlung Löwenherz bei der Berggasse

Die letzte Buchhandlung war die Südwind in der Schwarzspanierstraße. Da entdeckte ich dieses süßes Plakat:

Bücherei Südwind, in der Schwarzspanierstraße

Und – no offense- aber dort wusste die Verkäuferin über die ganze Aktion nicht so genau Bescheid, vor allem nichts über einen Gutschein und die Chefin war nicht da. Wir haben uns dann drauf geeinigt, dass ich nächste Woche nochmal komme, ich mein, die Buchhandlung liegt eh fast direkt neben dem Votivkino, und dann kann ich mir den Gutschein holen – und eventuell gleich einlösen.

Das habe ich mir schriftlich geben lassen, denn ehrlich gesagt, wenn ich schon fünf Buchhandlungen schaffe, in 52 Minuten (!) und ich habe in jeder ein bisschen gestörbert, dann will ich jetzt auch diesen Gutschein harhar. Nach der ganzen Geherei hab ich mir gedacht, ich hab meine Bandscheiben jetzt schon seit Wochen nicht mehr gespürt. Mir geht es schon lange wieder recht gut damit, aber jetzt tatsächlich spüre ich sie nicht mal mehr ein bisschen. Das alles hat dazu beigetragen, dass ich mich echt gut gefühlt habe, heute.

Die Ausbeute:

Lena Dunham

Was die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Lena Dunham betrifft, zäume ich jetzt das Pferd quasi von hinten auf.

Im vergangenen Sommer habe ich ja Too Much gesehen, die damals neue Mini-Serie von Dunham, und ich fand sie echt ziemlich schrecklich, sorry. Sehr unsympathische Charaktere, sehr woke, auch, ganz ehrlich, nicht besonders witzig. Ich weiß aber auch, dass sie mit der Serie Girls einen riesen Erfolg hatte. Die Serie, die von 2012 bis 2017 lief, habe ich aber nie gesehen, es war irgendwie damals keine Zeit fürs Serienschauen und außerdem waren die Protagonistinnen alle mindestens zehn Jahre jünger als ich und hatten kein kleines Kind. Es hat nicht mehr so in mein Leben gepasst wie Jahre zuvor Sex and the City.

Vor kurzem hat Dunham ihre Biografie Famesick veröffentlicht, und das war echt überall in meiner timeline. Es ging auch irgendwie um Adam Driver, ihr Co-Star in Girls. Ich bin bei den Artikeln hängen geblieben. Weil Lena Dunham auch irgendwie ein bisschen “lost” wirkt und, ich sage wie es ist, extrem zugenommen hat. Und ich denke mir, da muss was dahinterstehen. Ich habe auch in Zeiten der Trauer in meinem Leben zugenommen, vor fast vier Jahren acht Kilo, habe diese aber wieder abgenommen (aber kein Gramm mehr, wie gemein, harhar). Mich interessieren Menschen, die durch Krisen gehen, weil ich wissen wie, wie sie damit weiterleben.

Jedenfalls habe ich jetzt entdeckt, dass es Girls auf einem meiner Kanäle streamt und ich dachte mir na gut, schaust du den Piloten. Ich war der Meinung, ich würde vielleicht gar keine ganze Folge schaffen, weil wenn mir was nicht gefällt, breche ich schnell wieder ab. Aber siehe da: Die Serie ist super, ich war sofort “hooked” und habe mittlerweile die ganze erste Staffel gebingt, *hüstel* Was ich jetzt schon sagen kann: Diese Serie hat alles das, was Too Much meiner Meinung nach fehlt.

Ich arbeite mich da jetzt rein, ich habe vor, alle fünf Staffeln zu sehen, und zwar ohne mich selbst zu spoilern, weil man könnte natürlich den ganzen Inhalt auch schon vorab lesen. Und ich habe mir ihr Buch Famesick bestellt. Ich werde weiter berichten, harhar.

Is This Thing On?

Bradley Cooper ist ein Phänomen. Zuerst wegen seines durchaus guten Aussehens eher als romantischer Protagonist gecastet, was ich persönlich ja immer ur fad finde, hat er selbst den Spieß umgedreht und uns in allen möglich recht schrägen, witzigen, herausfordernden Rollen überrascht, vom Scharfschützen zu einem psychisch Kranken bis hin zum Zirkusartisten. Nebenbei hat er begonnen, Regie zu führen. Seine beiden ersten Werke A Star is Born und Maestro waren “Larger than life”, so groß und wuchtig, inklusive ihm in einer der Hauptrollen. Insgesamt brachte ihm das schon zwölf Oscarnominierungen in den unterschiedlichsten Kategorien ein. Und dann kommt dieser kleine Film fast unter der Wahrnehmungsgrenze mit einem Fragezeichen im Titel, was ja nie ein gutes Zeichen ist harhar. Hier ist Cooper, “Balls”, ein Nebencharakter.

Is This Thing On? erzählt die Geschichte von Alex (Will Arnett), der gerade an einem Wendepunkt seines Lebens steht. Seine Ehe mit Tess (Laura Dern) ist an einem toten Punkt angelangt, er zieht aus, weg auch von seinen beiden kleinen Söhnen. Er fühlt sich recht niedergeschlagen und orientierungslos, als er an einem Abend in New York eine Bar betritt, wo gerade Stand-Up Comedy stattfindet. Und weil er kein Bargeld für die Eintrittsgebühr dabei hat, lässt er sich kurzerhand selbst auf die Teilnehmerliste setzen…

Stand Up Comedy als Krisenbewältigung, das ist mal eine gute, erfrischende Idee. Dieser peinliche Moment, wenn man erstmals auf eine Bühne geht, etwas lustig sagen soll, gar nichts vorbereitet hat, und einfach zu reden beginnt, von seinem Leben erzählt. Und irgendwie funktioniert es und Alex hat Blut geleckt und plötzlich eine neue Leidenschaf in seinem Leben entdeckt. Die Dialoge dieses Filmes sind überhaupt hervorragend. Sie umschiffen gekonnt die Stereotypen, die gerne gebracht werden, wenn von Ehekrise, Beziehungsproblemen, Kommunikationsschwierigkeiten erzählt wird, und eröffnen oft ganz neue Blickwinkel.

“Leider” ist allerdings Bradley Cooper der eigentliche Star hier, der den besten Freund von Alex spielt, und den wir erst vor zwei Jahren als Leonhard Bernstein gesehen haben, wie er in der Sonne sitzt und uns mitteilt: “If summer does not sing in you, then nothing sings in you”. Hier ist es komplett crazy, er spielt einen richtigen Exzentriker, dabei aber warmherzig und erstaunlich ehrlich zu sich selbst. Wie er geht, wie er schaut, wie er seine Sätze spricht, es ist so amüsant, eine Freude, ihm zuzusehen. Oder wie jemand auf Letterboxd schreibt: “And if I said Bradley Cooper als Balls is one of the best supporting performances of the year? What then?” Es ist so.

Ich habe aber nicht alle Entscheidungen bei diesem Film verstanden. Irgendwie ist mir Will Arnett unsympathisch, gut das ist mein Problem, harhar. Ein größeres Ding ist, dass die Hauptdarsteller zu alt für ihre Rollen sind. Ja okay, Menschen bekommen heute später Kinder. Tess war noch dazu Spitzensportlerin gut und schön. Aber mit fast 60 Jahren Kinder im Volksschulalter zu haben, come on. Das führt zur skurillen Situation, dass die Großeltern dieser Kinder gefühlt auch nur einen Hauch älter als die Eltern sind. Und ich verstehe das nicht: Wieso muss dieses Paar so kleine Kinder haben? Wäre es nicht viel spannender, einmal ein Paar zu zeigen, dass sich im Zuge des Empty Nest Phänomens trennt, ein Feld, das noch nicht so sehr beackert ist?

Tatsache ist aber, ich will noch viel mehr Filme von Bradley Cooper sehen, in denen er Regie führt und mitspielt. Und ich habe keine Ahnung, welchem Stoff er sich als nächstes widmen wird. Da kann im Prinzip alles kommen und ich bin an Bord.

ESC Rumänien/Schweiz 26

So jetzt wirds anspruchsvoll, es folgt eine Textanalyse.

Zur Geschichte Rumäniens beim ESC muss man jetzt nicht so viel sagen. Die Sängerin Alexandra Căpitănescu tritt jedenfalls dieses Jahr mit einem Songs namens Choke Me an. Wie man sich denken kann, hat dieser Titel für Aufregung und Zensurwünsche (das aktuelle non plus ultra der Diskurskultur) gesorgt. Căpitănescu hat betont, sie meine die Sache im übertragenen Sinn und mit kritischem Unterton. Trotzdem haben Gegner des Beitrags wieder von toxischer Männlichkeit gesprochen und sorry, aber wie kommt jetzt der toxische Mann sofort ins Spiel, wenn eine Frau irgendwelche Unterwerfungsfantasien hat? Ja, man könnte halt meinen, der Mann “an sich” nimmt sich ein Beispiel an dem Text, Reflexionsfähigkeit wird ihm offensichtlich nicht zugetraut. Außerdem: Wenn ich einen dementsprechenden Kink habe, ist das jetzt “erlaubt” oder müssen meine persönlichen sexuellen Präferenzen erst durch einen Wertekatalog überprüft werden? Und abgesehen davon: Es gab auch schon Todesfälle von Männern, in diesem Zusammenhang.

Im Gegensatz dazu gibt es viel Lob für die Schweiz, ein Land, das in den letzten Jahren zahlreiche ambitionierte Songs zum Bewerb beigesteuert hat, nicht nur Nemo als Sieger ist in Erinnerung, für mich vor allem auch Gjon’s Tears. Veronica Fusano besingt heuer in Alice ein Verbrechen an einer Frau aus der Perspektive eines Mannes. Und rein inhaltlich ist das jetzt nicht so sonderlich weit von Choke me entfernt, ich finde den Text sogar um einiges schockierender. Hier wird aber insistiert, dass es sich um einen Song mit gesellschaftskritischem Anspruch beziehungsweise um Kritik an Gewalt handelt und deshalb wäre das nicht nur okay, es ist sogar vorbildlich.

Ich verstehe nur persönlich den Gedankengang nicht. Bei Choke me traut man einem männlichen Hörer nicht zu, den Text quasi auf eine Metaebene zu heben und von dieser aus zu betrachten, bei Alice funktioniert das dann aber ohne betreute Interpretation? Obwohl man da viel mehr um die Ecke denken muss? I doubt it.

Generell finde ich ja beide Songs an sich ganz gut und wie ich auch schon öfters geschrieben habe, Texte über den politisch korrekten Menschen und die tadellose Lebensführungs sind halt in erster Linie ein bisschen fad. Ob jetzt das Thema Gewalt, egal ob “affirmativ” oder kritisch, das passende in einem ESC Rahmen, das kann jeder finden wie er will.