almis personal blog

Moulin Rouge

Nachdem es gerade auf Netflix wieder läuft, habe ich mir nach langer Zeit Moulin Rouge aus dem Jahr 2001 noch einmal angeschaut. Es war mein Lieblingsfilmmusical, bevor es 2017 von La La Land abgelöst wurde. Und das, obwohl ich damals mit dem Gedanken ins Kino gegangen bin, dass dieses “Jukebox” Musical ein furchtbares Kitschfeuerwerk wird und ich ja alles andere als frankophil bin. Nun, es ist tatsächlich ein Kitschfeuerwerk und ich bin immer noch nicht frankophil, aber dennoch liebe es immer noch sehr! Es mag daran liegen, dass der Regisseur Baz Luhrmann einfach völlig durchgeknallt ist, harhar.

Worum geht es? Die Handlung spielt im Jahr 1899, als der arme Poet Christian (Ewan Mc Gregor) nach Paris geht, um dort als Schriftsteller zu arbeiten. Eben erst angekommen, schließt er sich einer Künstlertruppe um Toulouse-Lautrect (John Leguziamo) an und schreibt mit ihnen ein Musical, das im Moulin Rouge aufgeführt werden soll. Er verliebt sich in die Hauptdarstellerin, die Sängerin und Prostituierte Satine (Nicole Kidman). Der böse Duke erklärt sich bereit, die Finanzierung zu übernehmen, wenn Satine “sein” wird. Im Stück selbst muss sich Satine übrigens zwischen einem armen Poeten und dem bösen Maharadscha (Metaebene!!!) entscheiden….

Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, die Sache geht nicht gut aus. Denn bereits in Filmminute fünf, als Christian in einer unfassbar ästhetischen Szene mit tollen Kamerafahrten über ein dann schon stilisiert-heruntergekommenes Paris gesanglich vorgestellt wird – “There was a boy, a very strange entchanted boy, a little shy and sad of eye, but very wise was he…” – eigentlich ein Song von Nate King Cole – also in Minute drei sagt Christian: “The woman I love is…dead.” Satine ist bereits als er sie kennenlernt an Tuberkulose erkrankt und wir brauchen hier eine Menge suspension of diesbelief. Nämlich, dass er es bis fast zum Schluss nicht merkt, sie nicht ihn und alle anderen ansteckt und, dass sie zwar ab und zu hustet und etwas blass ist, aber die Krankheit ihre Schönheit und Zerbrechlichkeit nur noch unterstreicht. Ich kenne jemand, der hat über so etwas eine Doktorarbeit geschrieben *hust*

Nach diesem eher düsteren Anfang wird aber erstmal voll aufgedreht. Als Christian in Paris ankommt, ist nämlich noch alles mehr als super. Es hat zwar niemand Geld, aber man macht Party und trinkt Absinth und wird dabei fröhlich (noch nicht traurig). Es ist der Sommer der Boheme – Friede, Freiheit, Liebe, alle feiern das Leben und die Musik. Und wie ginge das besser als mit Songs wie Up where we belong, All you need is love, I will always love you und so weiter. Dass das alles extrem anachronistisch ist, macht die Sache erst so richtig gut und “Camp”. Auf dem Papier liest es sich furchtbar, tatsächlich ist man als Zuschauerin aber komplett hingerissen, wenn Ewan Mc Gregor, der tatsächlich richtig gut singen kann, Elton Johns Your Song für Kidman schmachtet. Hach ja!

Und es geht rasant weiter. Die hektischen Bühnenproben wechseln sich mit intimen Momenten zwischen Christian und Satine ab; Satine, die sich erst ganz enorm gegen die Beziehung sträubt, weil sie sich ein Leben mit Christian einfach nicht “leisten” kann: “A girl has got to eat” macht sie ihm die profanen ökonomischen Bedingungen klar, während er schon auf Wolke sieben schwebt. Aber irgendwann gibt sie mit den Worten “You’re going to be bad for business. I can tell” auf. Die beiden, die ihre Liebe verstecken müssen, haben ein Lied Come what may (der eine Song, der extra für den Film komponiert wurde ), das sie singen, um sich das gegenseitig zu versichern. Und der Song ist schon so melancholisch, dass man als Zuseherin spätestens da wüsste, was es geschlagen hat, wenn man nicht eh schon seit Minute fünf im Bilde wäre. Ein weiteres Highlight ist der Tango de Roxanne (eigentlich ein Police Song), in dem ur toll getanzt wird, während in Christian die Eifersucht brodelt, es ist der Abend, als Satine den Duke zum Abendessen trifft.

Und so geht es weiter bis zum emotionalen over-the-top Finale. Wie Hitchcock sagte, ein Film muss mit einer Explosion starten und sich dann immer weiter steigern. Ist defintiv das Motto vom Regisseur. Letterboxd reviewer meinen unter anderem: Who needs drugs when Baz Luhrmann films exist? Harhar. Oder A movie set in France without any french people. Is this the perfect film?

Ich kann es nur nochmal sagen: Es ist ein Fiebertraum, wie die jungen Menschen heute sagen, aber ein sehr, sehr guter.

90ziger Reminiszenz

Weil ich heute keine Zeit zum Schreiben hatte – viel Arbeit und dann musste ich noch schnell Fussball schauen #ausgründen, knüpfe ich einfach an die 1990er Jahre Reminszenz von gestern an und poste das Foto, das ich schon vor Wochen warum auch immer posten wollte, ich habe es vergessen. Ich glaub, irgendein Social Media Trend.

Jedenfalls mag ich das Foto von mir sehr, es ist fast 30 Jahre alt und wurde am Strand Agios Nikolaos (so heißen praktisch eh alle Strände dort) auf Zakynthos aufgenommen. Oder wars doch der Banana Beach?

Es war ein paar Tage vor dem Tod von Prinzessin Diana, was ich durch einen Anruf bei meiner Oma via Telefonzelle (!) erfahren habe und weshalb ich am Tag darauf 15 Minuten ging, um eine Zeitung zu kaufen. Das war sehr andere Zeiten.

Manches ändert sich aber nie, so ist mir natürlich auch am Strand tendenziell kalt – Badeanzug, Bluse und Handtuch.

An Zakynthos in den 90zigern erinnere ich mich ausgesprochen gerne. Da hatte ich kurz das Gefühl, ich habe mein Leben unter Kontrolle, harhar.

Raumplanung mit Musik

So es hat abgekühlt, ich kann wieder ranten, harhar.

Ich bin heute in der Früh mit der S-Bahn gefahren und es war schrecklich. Ich kam vom Süden und schaffte es gerade noch in den Zug. In Meidling, am Matzleinsdorferplatz, aber auch später am Rennweg haben die Leute zu Dutzenden (!) nicht mehr zusteigen können, weil es so brechend voll war.

Und dann lese ich ein Interview mit einem Raumplaner, bzw. nur ein paar Halbsätze, weil Bezahlschranke, wo er sagt, es werde ja ab Herbst gar nicht die Stammstrecke gesperrt, nur drei Stationen (mittendrinnen, Anmerkung von mir). Ah so na das ändert natürlich alles. Und er sagte weiter, wir haben ja ein super Ubahn-Netz, dass es abfängt Ich habe da immer den Verdacht, dass die Menschen, die solche Dinge äußern, selber eher nicht sooft mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Anregung an die PR-Abteilung der Wiener Linien: Spart euch das Geschwurbel und sagt einfach ja wir wissen es, die Sperre ist gschissen. Ist mir persönlich lieber als wenn man mich für deppert hält.

Deshalb bin ich dann heute komfortabel (naja, abgesehn vom kilometerlangen Stau) mit Oma und Kind über die Tangente gefahren, auf ein Maturaessen. Natürlich bin nicht ich gefahren, sondern das Kind, das mittlerweile schon mehr Kilometer Fahrpraxis hat als ich in meinem ganzen Leben. Und ja, es war ausgesprochen angenehm. Über die Playliste waren wir allerdings unterschiedlicher Ansicht. Das Kind dann so zum Soundsystem: “Spiel Toy von Netta” ESC Bestechung sozusagen, klappt bei mir natürlich immer. Außerdem was passt besser zu flirrender Luft auf der A23 als Mizrahi Klänge, unterlegt vom Gekeife einer zornigen Frau? Harhar. Außerdem habe ich mich sehr amüsiert, als plötzlich Haddaway mit What is Love aus dem Lautsprecher kam. Sind wir schon in der 1990er Jahre Nostalgie? Anscheinend. Ich habe dem Kind gesagt, darüber schreibe ich heute und ich darf, harhar. Also hiermit geschehen.