almis personal blog

Lets talk about feelings

Nach Allegro Pastell von Leif Randt, den Roman und Film, über die ich erst unlängst geschrieben habe, habe ich nun auch das Nachfolgewerk gelesen, das da heißt Let’s Talk About Feelings. Im Mittelpunkt steht hier Marian, 41 Jahre, Besitzer eine Designboutique, dessen Mutter gerade gestorben ist und der dieses Ereignis quasi zum Anlass nimmt, sein Leben zu überdenken. Naja, ein bisschen zumindest.

Ein bisschen braucht man im Übrigen auch, um das neueste Werk von Randt hineinzukommen. Denn obwohl es zuerst um den Abschied von der eigenen Mutter geht, also ein fundamental emotionales Erlebnis im Leben der meisten Menschen, ist hier trotzdem die Trauerrede, die Marian vom Tablet abliest, irgendwie wichtiger, Marian, der sagt: “Im Alter von einundvierzig Jahren kann ich sagen, dass ich die meiste Zeit trotz diverser Irriationen ein Fan meiner Mutter geblieben bin”1 Und obwohl das Buch ja sogar im Titel hat, dass man über Gefühle reden will/soll/muss, ist das vorrangige Gefühl anfangs hier vor allem eine gewisse Langweile und Unentschlossenheit.

Leif Randt schreibt aber auch hier wieder häufig extrem gute Sätze. Zum Beispiel: “Es gab letztlich an den unmittelbar bevorstehenden Monaten nichts schönzureden. Alles würde beschwerlicher und düsterer werden, das Aufstehen, das Einkaufengehen, das Sich-Motivieren, man würde sich gebeugt über feuchte Straßen bewegen, und das Gefühl haben, dass es mehr darum ging, eine Zeit zu überstehen als eine Zeit zu erleben.” 2 Oder: “Im Anschluss kehrten sie zum Essen in der obersten Etage der Galerie Kaufhof ein. (…) Ich kann mir kein schöneres Lokal am Montagmittag vorstellen”, sagte Marian.”3 Und ich kann das richtig gut nachvollziehen, Lokale für bestimmte Zeiten und Wochentage. Randt ist immer noch ein feiner und aufmerksamer Beobachter der ein bisschen wohlstandsverwahrlosten Subgruppe seiner Generation.

Aber die Geschichte selbst hat uns noch weniger zu sagen als Allegro Pastell. Marian ist ein unentschlossener Mensch, der halbwegs erfolgreich im Modebusiness arbeitet, immer unterstützt vom Geld seiner Mutter. Er nimmt ab und zu synthetische Drogen (das geht mir ur auf die Nerven, bitte du bist 40!), er reist an ziemlich außergewöhnliche Orte, er hat Affären und verliebt sich einmal sogar (so mittelmäßig). Aber nichts an ihm hat irgendwie wirklich Leidenschaft oder Dringlichkeit oder sonst einen Verve. Alles ist lau und ein bisschen wurscht, das finde ich schade, weil Randt so ein guter Erzähler ist, und dieses Talent hätte sich eine etwas aufregender Geschichte verdient.


  1. Leif Randt: Lets talk about Feelings, Seite 16. ↩︎
  2. Seite 99 ↩︎
  3. Seite 213 ↩︎