almis personal blog

LIZVC 70

Ich brauche eine Social Media Pause. Hätte nie gedacht, dass ich das mal schreibe, aber ich halte speziell Twitter im Moment gar nicht aus. Es geht nur um Corona, es herrscht eine große Aggressivität, die Diskussionen sind auf ungute Art konfrontativ – und das läuft meiner derzeitigen Sehnsucht nach Eskapismus zuwider. Natürlich geht mir auch ab, was ich an Twitter sehr geliebt habe, die inspierenden Fragen, wie diese hier:

Das ist eine Frage, über die ich laange nachdenken kann und sie lenkt mich von anderen unangenehmen Fragen ab. Ich glaube, ich bin Nußdorfer Straße, weil ich da gern aussteige und weil die Station so unaufgeregt ist. Sie ist einfach da, mitten in einer hektischen Gegend, und strahlt soviel Ruhe aus. So wäre ich zumindest gerne harhar.

Jetzt noch eine Produktplatzierung, für die ich selbstverständlich nicht bezahlt werde, weil ich mit meinem Blog noch keinen müden Cent verdient habe, aber wenn man die Lyrik von Louise Glück lesen will: Die Buchhandlung Laaber auf der Landstraßer Hauptstraße hat neuerdings Averno von der Dame im Reportoire (ich spiegle mich ein bisschen in dem Foto, sorry):

Toll finde ich, dass diese Buchhandlung sogar im Lockdown jede Woche ihr Schaufenster neu gestaltet. Mit kleinen Plakaten auf denen so Dinge stehen wie: “Quälen durch die Quarantäne? Lieber Lesen im Lockdown” oder der Ausstellung von ironisch zu rezipierenden Buchtiteln:

Ab heute ist wieder Präsenzunterricht in der Schule und ich hätte – ganz ehrlich – darauf verzichten können. Unpopular opinion: für uns ist es wesentlich entspannter, wenn das Kind Homeschooling hat.

SatC Review

Heut ist ein Feiertag, an dem es gar nicht hell wird, wie es scheint.

Ich bin viel zu früh aufgewacht, obwohl ich gestern bis Mitternacht Sex and the City geschaut habe. Ja, ich bin gerade retromäßig wieder in die Serie reingekippt. Erstmals hab ich sie gesehen, als ich von daheim ausgezogen bin, dann als das Kind ein Kleinkind war war und jetzt also nochmal. Das finde ich immer besonders interessant, wenn man in verschiedenen Lebensphasen eine Serie nochmal komplett durch-schaut, man hat jedesmal eine andere Perspektive darauf, weil man sich selbst in 20 Jahren verändert und weiterentwickelt hat.

Samantha hab früher immer sehr oberflächlich gefunden, heute merke ich, dass sie sehr wohl ziemlich interessante Dinge zu sagen hat, sehr pragmatisch ist und vielleicht die Einzige der vier ist, die wirklich imstande ist, solo ein sehr glückliches Leben zu führen. Auch die Beziehung von Big und Carrie sehe ich heute in einem ganz anderen Licht. Früher dachte ich, Big wäre ein unsensibles Rauhbein (euphemistisch ausgedrückt, obwohl ich ihm immer viel mehr abgewinnen konnte als Carries anderen Freunden) – beim Wiedersehen erkenne ich einen Mann, der schwere Bindungsängste hat. Und zwar wirklich, keine Ausrede. Und eine Frau, die damit nicht umgehen kann. Was nicht verwunderlich ist, wenn man dem noch nie begegnet ist. Weil es ihr zunächst einmal auch ganz viel Angst macht.

Etwas ist immer gleich geblieben, seitdem ich die Serie zum allerersten Mal gesehen habe: Ich wünsche mir auch eine Kolumne, von der ich meinen Lebensunterhalt bestreite. Harhar. Wo ich mit meinem Laptop am Bett sitze, aus dem Fenster sehe und schreibe, schreibe und dann kommen soviele originelle Gedanken und inspierende Sätze dabei heraus wie bei Carrie.

Spotify Jahrescharts

Das Jahr mag anders als andere gewesen sein, gleich ist aber, dass in meinen Spotify Jahrescharts wieder mal die ersten ca. 20 Plätze von Songcontest Songs belegt werden.

Und die Nummer 1 ist Diodato, der mit Fai Rumore heuer bei ESC für Italien angetreten wäre, hätte es einen Songcontest gegeben.

Fai Rumore ist nicht gerade ein fröhliches Lied. Antonio Diodato besingt hier seine gescheiterte Liebesbeziehung. Lärm machen ist gut, besser als die “unnatürliche Stille”, die zwischen ihm und seiner ehemaligen Liebsten herrscht.

Es gibt auch eine Aufnahme vom Lockdown in Italien, als ItalienerInnen dieses Lied aus ihren Wohnungen gesungen haben. Davon hab ich schon mal erzählt.

LIZVC 67

Wenn man der Nachbarin, die mit Maske anläutet, Spagetthi borgt bzw. eigentlich schenken will, weil sie erst nach Fertigstellung des Sugos gesehen hat, dass sie keine Nudeln mehr hat ….

…liegt dann sowas vor der Haustüre. Hab mich schon sehr gefreut!

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Wien bei Nacht im Lockdown ist echt spooky.

Ich war Samstag Abend im 3. Bezirk und wenn jetzt die Lieferservices auch verboten wäre, dann wären mir praktisch keine Menschen begegnet. Die einzigen, die die Straße noch beleben, sind FahrradbotInnen.

Einmal ist ein einzelner Mensch um die Ecke gebogen und wir haben uns beide sehr erschrocken.

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Ich sag wie es ist: die letzten Tage konnte ich mich schwer dazu motiveren, vom Sofa aufzustehen und in die Gänge zu kommen. Nach dem Aufstehen hätt ich mich am liebsten gleich wieder hingelegt. Ich war so erschöpft von allem und absolut unmotiviert. Ich, die ich an normalen Tagen locker an die 10.000 Schritte gehe, schaffte es grade mal zum Billa.

Gestern hat mir dann L. geschrieben, ob ich Lust hätte auf Coffee und Croissant to go und Plaudern. Und das war heute – an dem sonnigen und in der Sonne sehr milden Vormittag genau das richtige. Ich bin endlich wieder rausgegangen und dann haben wir im Wasserpark unsere Runden gezogen und das hat sehr gut getan. Zum Schluss konnten wir sogar eine Viertelstunde in der Sonne sitzen.

Und hier ein paar Fotos, mögen sie euch eure Stimmung heben. Copyright: L.M.

Und am Schluss noch ein Foto von mir

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Kommt ein neuer Lockdown? Es kommt ein neuer Lockdown (light).

Problem: Ich kann nicht – wie im Frühling – um halb neun irgendwie aus dem Bett fallen, mich gemächlich ins Wohnzimmer vorarbeiten, am Sofa hängenbleiben, dort ewig ins Nichts starren und dabei schluckweise Kaffee trinken, um dann irgendwann ins Bad zu gehen usw, denn: die Schule bleibt offen und ich habe jede Menge Arbeit. So hat man zwar irgendwie einen Lockdown, aber dann doch nicht wirklich das passende Gefühl dazu. Das ist eigenartig.

Am Samstag, als ich nach 20 Uhr das Haus verließ und Ubahn fuhr, war es jedenfalls schon wieder erstaunlich leer in derselben. Viel leerer als in den letzten Wochen und dabei war eh noch alles geöffnet. Allerdings hatte der Bundeskanzler um 20 Uhr zum Volk gesprochen.

Dafür betreibe ich das, was ein Freund gestern als Übersprungshandlung bezeichnet hat. Statt mich mit Corona zu beschäftigen, mache ich nach wie vor beim Suchen der besten Zweitplatzierten in der Geschichte des ESC mit, in unserer ESC Facebookgruppe. Wir haben uns schon bis 2010 vorgearbeitet. Und somit haben wir auch eine(n) Zweitplatzierte(n) erreicht, der IMO das Zeug hat, ins zumindest Viertelfinale zu kommen, nämlich Verka Serduchka 2007 mit Dancing Lasha Tumbai. Die Kontroverse um den Titel hab ich eh schon öfters erzählt (Stichwort Russia Goodbye)

Um etwas Schwung in die trübe Stimmung zu bringen und falls sich jemand nicht mehr an Verka erinnern kann:

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Was hab ich also gebacken? Punschkrapferl.

Mir wäre ja nie eingefallen, Punschkrapferl selbst herzustellen, wenn der Geburtstagsmensch diese nicht lieben würde, aber so… Na jedenfalls ist es nicht so schwierig wie man denken könnte. Oder sagen wir so: wenn man ungefähr 30 Rezepte von Punschkrapferl gegoogelt hat, findet man so ca. bei Nummer 31 auch eines, das einfach zu verstehen und nachvollziehbar ist.

Dieses Punschkrapferl Foto hab ich auf Instagram gepostet #fürmehrrealitätaufinstagram Harhar. Geschmeckt haben sie übrigens wirklich gut, wenn ich mich loben darf.

Geburtstag gefeiert wurde dann im sehr kleinen Kreis outdoor. Auf der Libelle, wie man das in Coronazeiten eben macht. Die Libelle ist ein Dachaufbau am Leopold Museum und wurde – auch Corona-bedingt – statt im März im September eröffnet. Man hat einen wunderschönen Rundblick auf die Museen und das Museumsquartier.

Wenn man übrigens 49 Jahre alt wird, dann redet niemand darüber, dass man gerade 49 geworden ist, sondern alle reden vom 50er. O-Ton: “Jetzt haben wir gerade erst deinen 40er gefeiert und jetzt bist schon 50.” “Ich bin nicht 50.” Harhar.

Original und Fälschung, neun

Als John Lennon starb, waren Roxy Music gerade auf Europa-Tour. Als sie von seiner Ermordung erfuhren, spielten sie als Hommage spontan Jealous Guy, ein Song, der auf dem 1971 erschienen Album Imagine enthalten ist.

Vorab: Ich mag beide Versionen von Jealous Guy. Sowohl die von Lennon als auch die von Roxy Music. Nur ist die Version, die Bryan Ferry singt natürlich eine dementsprechende Poser-Version, ganz im Stil der beginnenden 1980er Jahre. Lennon leidet, jammert, bettelt ein bisschen, dann ist er wieder zerknirscht, dass er so eifersüchtig ist, ein bisschen Selbsthass ist auch dabei, die ganze Gefühlspalette eben. Bei Lennon hat man das Gefühl, dass er wirklich meint, was er singt.

Dagegen Bryan Ferry, im Video als Achtziger-Dandy herausgeputzt, schaut sich in ebendiesem Video zuerst mal in den Spiegel quasi als der Narzisst, der eben ist. Bei ihm hat man eher das Gefühl, dass er mit dem Image des Eifersüchtigen eher ein bisschen kokettiert als es wirklich zu fühlen. Oder sagen wir so: man hat das Gefühl, er gibt der Frau die schuld, dass er eifersüchtig sein muss. Eigentlich sollte sie sich bei ihm entschuldigen. Harhar. Außerdem muss ich immer, wenn ich Bryan Ferry sehe, daran denken, dass er die Ex-Freundin seines Sohnes geheiratet hat. Tut zwar nicht sehr viel zur Sache, abgesehen von Gossip, aber ist halt so.

Jedenfalls trotzdem thumps up für diese Coverversion, auch wenns ein bisschen Folklore ist.

Literatur-Nobelpreis

Mit dem Literatur-Nobelpreis verbinde ich lustige Erinnerungen.

2004 gewann Elfriede Jelinek den Nobelpreis, was damals noch via Zettel am Germanistikinstitut ausgehängt wurde. Ich hatte ein schönes Telefonat mit meinem Papa, den ich anrief, um ihn raten zu lassen, wer wohl den Preis gewonnen hatte. Und vor allem: um seine Reaktion zu hören. Denn ich wusste, wie er reagieren würde.

Er: “Na hoffentlich nicht der Handke.”

Ich: “Nein, DER nicht.”

Er: “Aber jemand aus Östrreich?”

Ich: “Ja.”

Er: “Oh mein Gott…”

Und weil er soviel Glück hat, hat dann bekanntermaßen Peter Handke letztes Jahr auch noch den Preis bekommen.

Heuer, bei der Verkündigung des Preises, wieder die alte Frage: Ist das noch Schwedisch oder war das schon der Name? Heuer aktueller denn je, denn als ich den Namen hörte, hab ich ihn zuerst mal falsch gegoogelt. Nämlich Klik. Tatsächlich heißt die Dame allerdings Louise Glück.

Jemand hat mal geschrieben, dass manche Literatur-Nobelpreisträger gleichsam aus der Welt gefallen sein (aka: niemand kennt sie) und das fand ich brilliant formuliert. Le Clezio etwa oder Tomas Tranströmer. Und ich denke, Louise Glück verdient dieses Prädikat auch. Denn: