almis personal blog

Aidan Shaw

Der Facebook Algorithmus ist meinem Wesen (erschreckend) gut auf der Spur und hat mir vor einigen Tagen einen Artikel hereingespült, der wie für mich gemacht erscheint. Er ist aus der VOGUE und nennt sich Now as Ever, Aidan Shaw Is the Absolute Worst.

Wer nicht weiß, wer Aidan Shaw ist, kann sich glücklich schätzen. Zur Erklärung für diese Personen: Er ist einer der wesentlichen Partner von Carrie Bradshaw in Sex and the City gewesen und ich habe ihn vom ersten Augenblick bis zum letzten gehasst! Ok, Hass ist ein starkes Wort…naja, es ist eine fiktionale Person, ok, ich hab ihn gehasst, und zwar durchgehend. Harhar.

Nun werden einige sagen: Aber Big? Ja, man kann auch mit Mr. Big, der großen Liebe von Carrie, so seine Probleme haben und er ist wahrlich kein fehlerloser Mensch (wer ist das schon). Aber mal davon abgesehen, dass er mich persönlich als Mann viel mehr anspricht als Pseudo-Surfderdude Aidan, gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden. Big hat sich nie verstellt. Er hat immer gesagt was er will und was er nicht will, was er geben kann und was nicht. Das mag nicht jedem gefallen, aber Carrie wusste, worauf sie sich einlässt. Aidan dagegen hat sich als der ideale Boyfriend stilisiert, immer übertrieben verständnisvoll, easy going und “nett” bis zum Eingeschleime bei ihren Freundinnen – sogar Miranda ist drauf reingefallen. Das war die Oberfläche.

Wie es im VOGUE Artikel absolut zutreffend beschrieben wird: “This is the hill I will die on: Aidan is toxic, Aidan has always been toxic. From the moment he first sidled onto our screens in Season 3 of Sex and the City, with his lank hair, tighy-whities and truly questonable shirts, he gaslit, shamed, and manipulated Carrie, and he’s still doing it on AJLT. “

Aidan hat Carrie zu einer Verlobung gedrängt, damit er sich besser, sicherer fühlt. Er hat hat so getan als wäre Carrie Idi Amin, nur weil sie geraucht und ihm das nicht gepasst hat. Und er hat ihr den Betrug mit Big ewig vorgeworfen. Es ist ok, sowas nicht verzeihen zu können. Es ist nicht ok, so zu tun, als würde man verzeihen, den anderen aber Tag um Tag wieder dafür zu bestrafen.

Im SATC Spinoff And Just Like That ist Aidan jetzt auch dabei und macht offenbar munter so weiter, ich kenne die aktuelle Staffel nicht, werde auch nicht spoilern, was ich darüber gelesen habe, falls es wer schaut. Die VOGUE Autorin jedenfalls so: “But whilst many of the original characters have changed beyong recognition (…) Aidan, sadly, has not.” Harhar.

Facebook: Willst du mir solche Artikel lesen? Ich: Jaaa.

TDDL 25, drei

Am heutigen Tag waren alle vier Texte lesenswert, meiner Ansicht nach.

Es gab wieder einen netten Juryschlagabtausch über Daughter Issues, den Thomas Strässle vorgeschlagen hat und über den Klaus Kastberger gar sagte “Das ist ein Siegertext”.

Strässle: Ich war eigentlich darauf vorbereitet, dass ich diesen Text hier verteidigen muss, jetzt muss ich meine Strategie ein bisschen ändern.

Tingler: Sie können ja mich erstmal noch reden lassen.

Strässle: Dann soll mal Tingler hier seine Vorbehalte anbringen.

Tingler: Herr Tingler äußert seine Vorbehalte.

Meine zwei Lieblingstexte des ganzen Bewerbs sind aber Kindheitsbenzin von Boris Schumatsky und Fast eine Geschichte von Almut Tina Schmidt. Wobei diese beiden Texte an sich ziemlich unterschiedlich sind.

Schmidt schildert im Prinzip in Alltagssprache das Leben in einem Mietshaus und es passiert, siehe Titel eigentlich gar nichts. Aber wie Schmidt die Beziehungen der Bewohner porträtiert, wie man die anderen Mieter eben auch so mehr oder weniger kennt, welche Allianzen geschlossen (und wieder aufgelöst) werden, dass man zwar sehr nahe wohnt, aber nur Ausschnitte aus dem Leben der anderen beobachtet, wie man im Endeffekt ähnliche Leben führt (Hochzeit/Kinder/Scheidung/Krankheit), ähnlich scheitert, sich begegnet und wieder zurückzieht, das gelingt ihr, finde ich, hervorragend. Außerdem gibt es in diesem Text den grandiosen Satz: “Sibylle trug eine Frisur, die ich noch nie an irgendjemand gesehen hatte.” Schon sehr schön.

Schumatsky hat, wenn man so will, das staatstragendere Thema, im wahrsten Sinn des Wortes, als russischer Schriftsteller in Berlin, dessen betagte Mutter noch in Moskau ist und er immer überlegt, ob er zu ihr fliegen soll, was ein gewisses Risiko für ihn bedeuten würde, oder stattdessen einfach darüber schreibt, dass er zu ihr fliegt. Das ist alles sehr poetisch, von vielen Reflexionen über die (Mutter)sprache begleitet, auch über das Schreiben: “Ich schreibe deutsche Prosa, in die ich meine Wahrheit übersetze oder scheitere”, heißt es einmal. Oder auch. “Meine Mutter spricht eine Sprache, die Angst vor ihren eigenen Wörtern hat.” Und einmal, fast lakonisch: “In Moskau war Tauwetter, kein politisches, überall lag noch Schnee”.

Morgen ist dann die Preisverleihung.

Pfingstwochenende

Das Pfingstwochenende begann gefühlt Donnerstagabend, als bei Germany’s Next Topmodell das Driving Bed Shooting (oder so ähnlich) am Programm stand. Hierfür müssten sich die je fünf verbleibenden Frauen und Männer zu einem Paar zusammentun, das sich dort am Bett etwas näher kommt und dabei durch L.A. fährt. Davor sahen sie ein Musikvideo, wo Heidi K. etwas ähnliches mit Pedro Pascal tut. Alle waren so schockiert, es war schon wieder sehr lustig. Und wenn man dann Fotos mit jemand machen muss, den man nicht leiden kann – klappt das nicht wirklich. Manche konnten sich aber leiden, harhar.

Am Freitag war ich mit L. bei Joseph auf der Landstraße frühstücken. Sie haben dort eine neue Karte, wir haben uns aber wie meistens für einen Ei-Muffin entschieden, uns dann aber noch ein Müsli mit Emmer, Einkorn, Joghurt und frischen Früchten geteilt, mhmm, sehr gut.

Freitagsfrühstück bei Josephbrot – halb drinnen, halb draußen sitzend

Danach sind wir noch in die Innenstadt zu NewOne gefahren (unbezahlte Werbung), L. wollte Armbänder kaufen und so kam es, dass ich am Ende – out of the blue – auch ein Freundschaftsarmband bekommen habe, danke <3 Habe eine große Freude damit und werde es wohl nie wieder abnehmen, schon alleine deshalb, weil es mir die Verkäuferin ganz genau angepasst und dann verschlossen hat und ich keine Ahnung habe, wie es wieder aufgeht harhar.

Am Wochenende war das Wetter “quasi quasi”, wie meine italienische Schüleraustauschpartnerin es immer treffend bezeichnet hat. Ich war trotzdem im Garten und habe bei strömendem Regen und nassem Eichhörnchen am Baum daneben geschrieben, Malina gelesen und Podcasts gehört. Am Sonntag lief außerdem eine Doku von Ostfilm, an der ich wieder mitgearbeitet habe und zwar ist das Thema diesmal, recht aktuell auch, Hachschara – Israels Pioniere aus Österreich. Hierfür habe ich viele englische Interviews von Jüdinnen und Juden gehört und transkribiert.

Besonders berührt hat mich ein älterer Mann, der erzählt hat, dass sein Vater damals im zweiten Weltkrieg mit der Jugendbewegung nach Israel gekommen ist, dessen Vater wiederum, also sein Großvater, es aber nicht geschafft hat, er wurde mutmaßlich auf der Reise in einem Lager ermordet. Und dieser Mann hat bis zu seinem Tod darauf gewartet, trotzdem er selbst schon Kinder und Enkelkinder hatte, dass sein eigener Vater doch auch noch irgendwann in Israel ankommt und er ihn wiedersehen kann. Ich finde, das erzählt auch etwas darüber, wie sehr ehrliche Hoffnung jeder Logik und Vernunft trotzen kann. Manchmal braucht man diese Art der Hoffnung auch einfach, um weiterleben zu können.

Blick von der Rahlstiege in Richtung Top Kino und Bar

Zum Abschluss des Wochenendes ging es ins Top Kino, wo ich ewig nicht war und wo ich mich, wie im Schikander, recht deplatziert gefühlt habe. Jedenfalls habe ich endlich Oslo Stories: Liebe gesehen. Und das war tatsächlich für mich der sperrigste Teil der Trilogie. In Kürze dann mehr dazu.

Casual Thursday

Gestern hatte ich ein bisschen einen ruhigeren Tag, weil das Wochenende wieder etwas arbeitsintensiver wird mit Skripten-Monatsdeadline, Review zu The Phoenician Scheme fertigschreiben und einem weiteren kurzfristig aufgetauchten Projekt.

Jedenfalls war ich mit L. im Hidden Kitchen (unbezahlte Werbung), diesmal zum Mittagessen und gegen eins ist dort richtig viel los. Und es war mit Abstand mein gesündestes Mittagessen dieser Woche. Es gab Zuchini Quiche mit Kichererbsen und Cashews, sowie dazu griechischen Salat und Karotten Tricolore mit Bröseltopfen, Minze und Multiseeds. Crazy diese Zusammenstellung, aber sehr schmackhaft.

Als Nachspeise habe ich mich für den Vanilla Buttermilk Cake mit Himbeeren und Jasmin Frosting entschieden, mhmm. Dazu Cappucino. Wir haben über den ESC, Bill und Tom Kaulitz, den Schulendspurt und noch vieles anderes gesprochen, danach sind wir wieder bis Wien Mitte zu Fuß gegangen, so nett!

Zuhause habe ich mit dem Kind geredet, der am Montag seine letzte Schularbeit in diesem Semester hat. Endlich, die 7. Klasse ist schon etwas zach. Ich so zu ihm, es wäre gut, würde er Note x kriegen, dann hätte er im Zeugnis xy (ich wahre die Privatsphäre harhar), er hat mich dann erinnert, dass ich selbst die 7. Klasse wiederholt habe, ich wusste, dass mir das irgendwann auf den Kopf fällt harhar. Ich so: “Wenn du so schlecht in der Schule wärst, wie ich es gewesen bin, würde ich auch überhaupt nicht auf diese Idee kommen” Harhar. Tatsächlich ist mir das Zeugnis eh egal, es geht mir nur ums Prinzip.

Am Abend habe ich dann wieder guilty pleasure-mäßig Germany’s Next Topmodell angeschaut, was gestern sehr amüsant war. Es gab nämlich ein Nacktshooting, für das die Modells Fake Tattoos bekommen haben. Und der Tattoo Artist meinte, sie müssten sich rasieren und zwar alles weg “vom Kinn abwärts”. Die Blicke der jungen Männer, göttlich, ich musste so lachen, allein am Sofa. Hab dann meiner Mama, die auch schaut, eine Whatsapp geschickt, weil ich so amüsiert war. Der Wiener Pierre meinte dann: “Wie kann es sein, dass ich am Arsch mehr Haarwuchs habe als im Gesicht”, harhar.

Mit diesen nachdenklichen Worte wünsche ich schon mal ein schönes Wochenende.

ESC 25 – unfassbar, drei

So, ein paar abschließende Betrachtungen, obwohl ich noch wochenlang über die ESC schreiben könnte, aber dann hab ich irgendwann keine Leser mehr harhar.

Wir sind voll in der ESC Depression angekommen, also nicht in Österreich, da wird diskutiert, ob der ESC in Wels, Oberwart oder auch Innsbruck realistisch ist, aber sonst stimmt alles, was so in den Tagen nach dem ESC, laut “Kalender” passiert:

  • Will Austrialia participate next year?
  • Many countries are displeased about the results: “We might not take part next year”
  • Voting scandals and conspiracy theories emerge

Vor allem das israelische Ergebnis des Televotings schlägt hohe Wellen. Und natürlich die üblichen Proteste gegen die Teilnahme des Landes.

Es wäre ja jetzt super, wenn man einen EBU Chef hätte, der mal auf den Tisch klopft und eine Ansage macht, so oder so. Aber leider haben wir Martin Österdahl, der sich nicht mal mehr beim ESC live sprechen traut, aus Angst ausgebuht zu werden. Menschlich verständlich, ich bin auch nicht zur Führungskraft geboren, aber wenn ich den Job mache, dann sollte ich irgendwas tun. Ich persönlich war sowieso generell immer dagegen irgendein Land auszuschließen, weil wir dann genau in diese Situation kommen, dass “wir” dann jedesmal diskutieren müssen, wer dabei sein “darf” und wer nicht. Da kommt dann die “Moral” und das Virtue Signaling und alles, was die öffentlichen Debatten oft unerträglich machen. Und ich finde auch, dass Musikerinnen und Musiker nicht für die Politik ihres Landes verantwortlich gemacht werden sollten. Es heißt ja schließlich “United by Music” nicht umsonst. Na schau, ich kann mehr Klartext reden als Österdahl. harhar.

Und: Langsam wächst Schwedens Beitrag Bara Bada Bastu bei mir, jetzt wo er nicht gewonnen hat. Noch 20 Mal hören und ich mag es wirklich harhar.

Ich stehe heute in der Küche und singe: ” (….) Ohhhhhohhoohhho Bada Bastu jåå”

Das Kind: “Sauna.”

Harhar, ich glaube, wir haben jetzt den Vibe, als sehr Spätadopter.

ESC 25 – unfassbar, zwei

Heute zwar früh ‘wach’ gewesen, aber nicht ausgeschlafen. Zuviel Adrenalin.

Ich wollte mir gestern Notizen zum Abend machen, habe aber nur genau eine Sache aufgeschrieben, nämlich, dass bei unserem ESC Event jemand gesagt hat, dass der italienische Song nach Urlaub klingt und jemand anderer drauf: Ja, aber wie der letzte Urlaubstag bevor man wieder heimfährt, harhar. Das war übrigens, glaub ich, die einzige Prognose, mit der ich letztendlich richtig gelegen bin, nämlich dass Italien besser sein wird als die Quoten vorhersagten, sogar am Ende Platz 5 für eine supersympathische, “kleine” Performance.

Na gut, was war sonst noch los? Hunziker war endlich da – eine Wohltat, nicht nur visuell (die Kleider meine ich!!). Sie hat im Greenroom mit dem italienischen Kandidaten gesprochen und die Deutschen interviewt. “Hallo Stefan” (Raab) hat sie gesagt, der saß neben Arbor und Tynna. Und dann so auf die Art, sie darf nicht zu parteiisch sein harhar. Celine Dion war hingegen nicht anwesend, obwohl am Nachmittag sehr viele Gerüchte gestreut wurden, sie wäre in Basel gelandet. Wer allerdings da war, war Nemo. Erstens, um seinen Siegersong vom vorigen Jahr noch einmal zu singen, fair enough, dann aber auch, um seinen neuen Song zu promoten, und sorry aber, das hat ja die Loreen Performance ihres Nachfolgesongs von Tattoo voriges Jahr noch um Längen getoppt an Skurrilität und Dings, wirklich extrem verstörend. Und warum Nemo in diesem Outfit auf die Bühne “darf”, während andere Künstlerinnen wegen Familienfreundlichkeit der Show ihre Kostüme ändern mussten, ist mir auch nicht vollends klar.

Dafür waren die Showacts sonst wirklich super – einerseits einige Schweizer ESC Kandidaten der letzten ja, 60 Jahre (Paola Felix, Luca Hänni etc), anderseits, besonders beliebt bei der Unter-25 Fraktion der Zuseher, zumindest in meinem Wohnzimmer, ein Mash Up der beiden Zweitplatzierten Kärija (Zweiter aus Finnland im Jahr 2023) und Baby Lasagna (Zweiter aus Kroatien im Jahr 2024). Sie haben, in einer Art Kampfring als Boxer stehend, ihre beiden Banger Cha Cha Cha bzw. Rim Tim Taga Tim performt, einzeln, dann durcheinander, das war schon sehr amüsant und mitreißend, ein richtiger ESC Moment, der wieder mal die Nationen schön geeint hat.

Bei den Kandidaten selbst entstand bei mir zumindest heuer der Eindruck, dass es wirklich sehr kurzweilig war. Recht wenig schiefe Töne, interessante Bühnenshows, “Comedy Acts” neben kleineren Indie Nummern, große Balladen neben Radiohits, quasi für jeden etwas dabei. Wie immer gabs Performances, die in den Semis besser gezündet haben als im großen Finale – bei Österreich wars Gott sei Dank umgekehrt. Natürlich spielt auch die Auftrittsreihenfolge eine gewisse Rolle. Und, wie auch immer, versteht man manches überhaupt nicht. Die Schweiz wurde zum Beispiel Jury-Zweiter, bekam vom Publikum aber exakt null Punkte. Schweden, bei den Wettquoten hochfavorisiert, wurde nur Publikums-Dritter. Und wieso bei Polen beim Schnelldurchlauf, wo alle Länder nochmal in einem kurzen Einspieler präsentiert werden, eine Stelle im Song gezeigt wird, in dem die Sängerin gar nicht singt, sondern nur an Ringen hängt, also das verstehe auch wer will.

Am Ende wars ein großer, verdienter Sieg von JJ. Oder wie das Kind sagte: Ganz objektiv gesprochen, er war der Beste. Harhar. Schön war, wie Conchita sich ehrlich gefreut hat (sah zumindest so aus harhar) wie die anderen Teilnehmer ihm gratuliert haben, es sind da schon Freundschaften entstanden, und dann bei seiner Performance mitgetanzt, das ist der Spirit von Eurovision. Und auch, dass jeder ESC Fan auch irgendwie alle Songs feiert, seine ganz persönlichen Favoriten hat, das hat immer schon etwas sehr verbindendes und das liebe ich an dem Bewerb.

P.S. Respekt für Marco Schreuder, der praktisch jedes Jahr den Sieger vorhersagt, so auch heuer.

P.P.S. Ich wurde gestern mit meinem obergescheiten Insiderwissen als “Heinz Prüller des Song Contests” bezeichnet und ich lasse das mal als Kompliment gelten, harhar.

ESC 25 – unfassbar

JJ hat uns den Schas wieder gewonnen, ich packs nicht!

Vor dem Grand Final hab ich ehrlich nicht mit dem Sieg gerechnet, aber seine Performance heute war richtig am Punkt, noch um einiges überzeugender als im Semifinale. Trotzdem war es dann ein irre spannendes Voting. Ab einem gewissen Zeitpunkt hab ich nur noch gezittert und geschrien, es war abartig, harhar.

Mehr dann später, ich geh jetzt mal schlafen, sofern ich schlafen kann. Freude, Freude!

ESC History

Zur Einstimmung auf den heutigen Song Contest – nächste Woche wirds wieder um andere Dinge gehen, ich verspreche es – ein kleiner Abriss meiner persönlichen ESC Geschichte.

Ich habe schon als Kind den Song Contest geschaut. Zuerst mit einer Freundin in der Unterstufe und als die Schule wechselte und wir uns aus den Augen verloren, mit einer anderen. Das gestaltete sich so, dass wir Wochen bis Monate lang unsere Lieblingssongs auf einer VHS anschauten, das heißt vor und zurückspulen mussten. Kinder, ihr könnt euch das gar nicht mehr vorstellen, wie das war! harhar. Wir haben dann sogar manche Songs vom Video auf eine Musikkassette überspielt, die Qualität war sicher mehr als fragwürdig, aber wir fanden es eine super Sache.

Danach gabs eine Phase, die sogar von ESC Super Aficionado Marco Schreuder als die “dunklen Jahre” bezeichnet werden, wo der Bewerb sich quasi überlebt hatte und massiv ironisiert wurde; die Qualität der Songs war damals auch nicht die allerbeste. In diesen Jahren hab ich einmal den ESC im Auto am Heldenplatz sitzend, nur anhand der Kommentare von Grissemann und Stermann, verfolgt, was sehr lustig war, auch sehr meta, aber halt nicht für den Bewerb an sich sprach.

Als ich schwanger war, lag ich – statt zu einer ESC Party zu gehen – am Sofa, im Jahr darauf lag das Baby neben mir. Und danach gings mit dem Bewerb tatsächlich wieder extrem aufwärts, nämlich so ab dem Sieg von Lena, der Bewerb erfand sich neu, wurde relevanter und Österreich nahm auch wieder teil. Das gipfelte bald im Sieg von Conchita, den ich mit Freunden und einer kleinen Sektflasche (ich mein, was hab ich mir dabei gedacht, eine Picolloflasche für sechs Menschen, harhar) bei mir daheim verfolgte. 2015 war ich in der Wiener Stadthalle live dabei und das war so ein once in a lifetime Event.

Danach hab ich den ESC einmal sogar gar nicht gesehen, weil ich auf einer Hochzeit war, die Jahre darauf begann ich dafür, auch die Vorberichterstattung im großen Stil zu verfolgen, es entstanden in dieser Zeit diverse Podcasts und es gab die wunderbaren Songchecks vom WDR, wo die Songs ein bisschen ironisch betrachtet, gleichzeitig aber auch immer gefeiert wurden, mit enormen ESC Backgroundwissen. Leider ist auch schon wieder Geschichte. So kam es jedenfalls, dass ich am ESC Abend dann schon jeden Beitrag in- und auswendig kannte.

2020 erlebten wir alle die erste (und hoffentlich auch letzte) Absage eines Bewerbs, ich habe viele Songs aus diesem Jahr aber immer noch in meiner Playlist. Seitdem verbringe ich den Abend auch mal ganz alleine, was voll ok ist, heuer gibt es aber ein Patchwork Event mit meiner, folgenden, Auflage: “Ich mag an dem Abend von niemand hören, wie Scheiße der Songcontest ist.” Das Kind so: “Wow, Heidi wie sie sich jetzt fühlt!” Ja, ich kann auch mal bestimmend sein, ab und zu, so ein bisschen harhar. Der ESC macht mich halt glücklich und ich wills einfach nur genießen.

Happy Eurovison to all who celebrate!

ESC 25, Semi 1

Mahhh Portugal ist weiter, ich packs ja nicht. Ich hab geglaubt, das gefällt nur mir. harhar Eine richtig schöne Überraschung in Semifinale 1.

Ok, aber mal der Reihe nach. Unsere ESC Whatsappgruppe wurde aus dem Dornröschenschlaf geholt, und zwar von C. mit den resoluten Worten: “Ok, dann wollen wir mal. Es geht los und ich hoffe/erwarte, dass hier jeder bereits dementsprechend aufgeregt und erfreut ist.” Ich: “Absolut!” C: “Nichts anderes erwartet, Heidi.” harhar.

Von den Kandidaten hat mir gestern der Fan-Favorit der Nerds, Albanien mit dem Song Zjerm richtig gut gefallen. Die Studioversion fand ich ok, live ist das wirklich toll anzusehen und zu hören, gerade die richtige Mischung aus Drama, Ethno, Spookyness, und Sendungsbewusstsein. Lucio Corsi aus Italien vermittelt Glamrock, aber auf fragile Art und Weise. Ich glaube, das wird besser abschneiden als viele denken. Thommy Cash aus Estland trinkt seinen Espresso Macchiato gleich vorm “Winners Cafe” – sehr selbstbewusst. San Marinos Tutta l’Italia wird sicher der Sommerhit an der Adria. Schweden ist wirklich der super Favorit, auch in der Halle, die Choreografie sitzt, ich warte trotzdem immer noch darauf, mich in den Song zu verlieben. Bei der Schweiz meinte Andi Knoll: “Auch schön, wenn mal gar nichts passiert”, und so war es, nur eine Sängerin, die wie ein Gemälde aussieht. Zu Kroatien habe ich folgendes auf X gefunden:

Btw. alle Songs, die ausgeschieden sind, waren auf Englisch. Es gibt beim ESC definitiv und schon länger den Trend der Rückkehr zur Landessprache oder generell zu einer Sprachdiversität. In diesem Semifinale gab es nur einen Song, der weiterkommen ist und ausschließlich auf Englisch war, nämlich Norwegen.

Was gibts zum Gastgeber zu sagen? Die Halle in Basel ist recht klein. Die Bühne ist eher so laufstegartig angelegt und mit einer Art Bilderrahmen rundherum versehen. Mir gefällts eigentlich nicht harhar. C schrieb über die Presenter: “Also bei den Moderationen ist noch Luft nach oben. Gott sei Dank kommt die Hunziker am Samstag.” Ja das ist wirklich wahr, da haben wir schon anderes gesehen. Der Intervall Act, in dem die Schweiz behauptet sie hätte die Demokratie erfunden – Geschmackssache. Dass man den Celine Dion Siegersong Ne partez pas sans moi von Teilnehmern aus dem letzten Jahr covern lässt: super Idee. Aber warum so langsam wie einen Trauermarsch? Gerade die Empowerment Energie ist doch das, was diesen Song ausmacht. Überrascht war ich von Dions Videobotschaft, anscheinend geniert sie sich doch nicht mehr dafür, dass sie mal den ESC gewonnen hat.

Ok, hat Almi eigentlich irgendwas von der Show rund um die Acts gefallen? Oh ja! Als am Schluss einer der Olsen Bruders Fly on the Wings of Love gesungen hat. Ich habe dem Kind erzählt, dass dieses Lied im Jahr 2000 gewonnen hat, und es war so ein “Opa erzählt vom Krieg” Moment. Dann habe ich vorm Fernseher getanzt, obwohl ich komplett nüchtern war. Das Kind ist extra aus der Küche gekommen, um sich das anzuschauen und er hat gar nicht gesagt, es sei “cringe” harhar. In dem Moment war ich echt glücklich. Dieses ESC Glück, wo ich zwei, drei, vier Stunden einmal alles vergessen kann, auch das, was schmerzt. Ich würde nur gern jemand davon erzählen. Andererseits ist er sowieso immer präsent, in meinen Gedanken.

Nun steigt die Aufregung – morgen Semi 2 mit JJ.

Die ESC Woche

Ich hab mir schon fast Sorgen gemacht, dass wir in der diesjährigen ESC Woche nur über die Songs und die Künstler, über die Bühnenshows, sowie die Kostüme sprechen werden und dazu ein bisschen gossipen und Spaß haben. Aber nein, Vorjahressieger Nemo möchte natürlich genau jetzt lieber Israels Teilnahme am ESC diskutieren, die er falsch findet. Und vielleicht geht es sich ja doch noch aus, dass wir einen ähnlich polarisierenden Bewerb mit jeder Menge negativer Vibes bekommen wie voriges Jahr. [Roten Wut Emoji einfügen]

Ursprünglich sollte der Songcontest mal eine völkerverbindende Veranstaltung sein, in der die Politik möglichst beiseite gelassen wird und Künstler und Fans ein friedliches Fest miteinander feiern, aber das ist irgendwie ein bisschen in Vergessenheit geraten. Gott sei Dank gibt es diese Momente aber doch noch. Gestern habe ich kleine Videos gesehen, die Marco Schreuder von den Vorab-Events, die gerade in Basel stattfinden, gemacht hat. Wo der belgische, der niederländische und der österreichische Teilnehmer miteinander singen und zwar ihre Songs gegenseitig, aber auch alte Hadern wie Rise Like a Phoenix. Das ist Eurovision, wie ich es verstehe und liebe.

Ansonsten hat man von der Probenwoche wenig erfahren, da seit heuer nicht mehr alles minutiös dokumentiert werden darf, sondern nur ausgewählte Bilder und Ausschnitte freigegeben werden – was natürlich wieder Vorteile wie auch Nachteile hat. Die Wettquoten haben sich allerdings ein bisschen verändert und wie wir aus dem Eurovison Year Kalender wissen “It’s time to start paying attention to them”:

Der humoristische, aber auch wahre ESC Kalender, wenn auch nicht mehr ganz aktuell. Luxemburg ist zb. schon zurück

Schweden liegt immer noch auf dem ersten Platz, hat aber ein paar Prozentpunkte verloren, die Österreich als Zweiter gewonnen hat. Letztes Jahr wurde der Wettquoten Erste Kroatien am Ende Zweiter und die Schweiz als Quoten-Zweiter hat gewonnen. Just saying harhar.

Ich werde die kommende Woche jedenfalls genießen, denn nächsten Sonntag befinden wir uns schon wieder in der Post Eurovison Depression.