Diese Woche steht die Pressevorstellung für die neue Christine Nöstlinger Doku Sowieso und Überhaupt auf dem Programm, benannt nach einem ihrer erfolgsreichsten Romane, den ich selbstverständlich mehrfach gelesen habe, wie fast alle ihrer Bücher, oft im Bett, Schokolade essend, weshalb sic in einigen dieser Bücher möglicherweise ein paar Schokoladeflecken befinden *hüstel*.
Ich habe die Bücher wieder zusammengesucht, quasi als kleine Vorbereitung, aber bei weitem nicht alle gefunden, manche sind auch im Garten oder sonstwo versteckt, was natürlich für die grandiose Ordnung spricht, die ich halte, hier eine Auswahl:
Nöstlinger wäre im Oktober 90 Jahre alt geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Doku, was das Publikumsinteresse betrifft, mit der Erfolgsdoku Favoriten von Ruth Beckermann mithalten kann, die ich auch zweimal gesehen habe. Sidestep: Beckermann selbst hat ebenfalls einen neuen Film am Start und dem prophezeihe ich jetzt keine neuen Besucherrekorde, denn 1) Ich verstehe den Titel nicht 2) Wenn man den Titel googelt, ist er metaphorisch 3) Das Plakat und die Film-Stills sind seltsam, 4) Der Trailer ist ur verwirrend 5) Jede einzelne Filmbeschreibung ist ebenfalls ur verwirrend – ich hätte gerne den Pitch für diesen Film gehört, weil offenbar kann man nicht so griffig klar machen, was eigentlich das Thema ist 6) Schauplatz ist Äthiopien. No offense, aber das ist halt was anderes als ja Favoriten.
Wie auch immer, ich habe Christine Nöstlinger sooo gerne gelesen. Noch lieber als ihre Kinderbücher – die ich dann meinem Kind vorgelesen habe – noch die Jugendbücher, und am allerliebsten hatte ich die Gretchen Sackmeier Trilogie, wo es um eben Gretchen, ihre dicke Familie (das war vor Body Positivity), ihre komplizierten Familienverhältnisse und ihre verkorksten Liebesbeziehungen zu dem Schnösel Florian und dem lieben Hinzel geht. Und natürlich entscheidet sich am Ende für Hinzel, Gott sei Dank war das in den 1980er Jahren, weil heute würde man Nöstlinger vorwerfen, sie betreibe “Broke Man Propaganda”, so einen Schwachsinn gab es damals glücklicherweise noch nicht. Ich habe dann selbst mit 14 einen Roman geschrieben, der ein bisschen davon “inspiriert” war.
Ich mochte an Nöstlingers Romanen, dass sie Probleme überhaupt nicht gescheut haben und immer wieder auch schwierige Themen aufgegriffen haben. Wie beispielsweise ziemlich oft die Scheidung der Eltern der Protagonisten (damals eher noch ein Tabuthema), Außenseitertum und Identitätssuche, Durchsetzung gegenüber Autoritäten, Durchsetzung auch gegenüber Ungerechtigkeit. Dabei waren die Bücher im Ton aber durchgehend humorvoll, blieben positiv und lebensbejahend, den Silberstreif am Horizont im Blick, und das ist etwas, was mir persönlich immer schon wichtig war, ich halte Probleme aus, aber so ein hoffnungsloser Miseryporn ist nichts für mich.
Insofern sehe ich mich als Nöstlinger Ultra schon als prädestiniert an, euch via Uncut dann über den Film berichten zu dürfen.
