almis personal blog

Thom Yorke

Man kann zum Nahost-Konflikt ja geteilter Ansicht sein und ist das in der Regel auch.

Manchmal wünscht man sich da zuweilen aber etwas mehr Beschäftigung mit diesem sehr komplexen Thema, wenn man sich schon öffentlichkeitswirksam zu Wort meldet.

Eine Wohltat war da kürzlich das Statement des Radiohead Sängers Thom Yorke. Denn dieser Mensch ist einer der, zumindest gefühlt, ganz wenigen Künstler, die den Mund öffnen, und dabei wirklich fähig sind, differenziert zu formulieren und auch sagen, wie schwierig eine Stellungnahme an sich immer auch ist. Er kritisiert Netanyahus Politik und aber auch die Hamas gleichzeitig. Man hält es nicht für möglich, es geht wirklich beides, man muss sich gar nicht zwangsläufig auf eine Seite stellen.

Yorke sagt, er hätte jetzt ein Statement abgeben müssen, weil er für sein Schweigen kritisiert und alles mögliche hineininterpretiert wurde: “That silence [was] my attempt to show respect for all those who are suffering and those who have died, and to not trivialise it in a few words (…)”

Genau, “not to trivialise it” – ein ganz guter Ratschlag für so viele Dinge im Leben.

Wochenstart

Nach einem schönen und auch nachdenklichen Wochenende wie dem letzten geht es in eine neue Woche.

Es ist ok, Dinge zu fühlen. Es ist ok, darüber zu schreiben, egal was andere darüber denken mögen. Mir ist gar nicht mehr wichtig, was andere über mich denken. Es hat eh keiner was gesagt, harhar, nur so allgemein.

Wie auch immer, diese Woche gibt es jedenfalls auch wieder ein paar Highlights aus dem niederen (siehe: mir ist egal, was andere denken harhar) und höheren Kulturbereich, die mir Freude machen werden. Heute endlich wieder mal Wer wird Millionär und einen Fm4 Filmpodcast zum Film Austroschwarz. Da habe ich den Trailer bereits mehrfach gesehen, weiß aber ehrlich gesagt nicht so recht, was ich davon halten soll. Außerdem will ich es bis Mittwoch noch ins Literaturmuseum schaffen, weil freier Eintritt und es gibt eine Ausstellung zum Thema Literatur und Herkunft, was für mich sehr interessant klingt.

Ins Kino “muss” ich auch in Kürze, Oslo Stories – Liebe. Und dann ist ja noch Germanys Next Topmodell, die “Knutschfolge” und ganz viel Arbeit habe ich im übrigen eh auch immer noch. Wobei es heute schon etwas weniger geworden ist, ich sitze seit sechs Uhr früh am Schreibtisch und es geht voran. Das ist auch ein gutes Gefühl, was zu schaffen und zu erledigen.

Außerdem hatte das Kind heute einen Kurs und schrieb mir: Gleich zwei neue Freunde gefunden. Und ein paar Minuten später: Dritten Freund gefunden. Ich freue mich, dass es so einfach für ihn ist. Zu mir hat die Billa-Kassiererin heute gesagt: “Ich hab sie schon lange nicht gesehen. Wie schön, dass Sie wieder einmal da sind.” Da habe ich mich auch gefreut. Und jetzt am Abend regnet es, ganz beruhigend.

Und ja, die Erinnerungen sind sowieso bei mir und der letzte Gedanke jeden Tag gilt immer jemandem. Auch wenn ich dann von Wendeltreppen träume ist das schön. Ich bin wieder in der Spur.

Von den Schattierungen

Ich lese ja immer noch den Falter (sogar im Abo).

Dafür gibt es einige Gründe. Natürlich auch wieder sentimentale, man kennt mich (harhar). Ein Grund ist aber auch, dass ich die Kulturberichterstattung und die Interviews oft sehr schätze. Mit der politischen Komponente kann ich weniger anfangen, trotzdem denke ich mir gut, man sollte ja auch Texte lesen, wo man jedesmal den Kopf schüttelt, harhar, einfach auch um sich immer wieder mal selbst zu reflektieren und in Frage zu stellen.

Die Kolumnistin Doris Knecht ist für mich ein bisschen dazwischen, denn sie schreibt ja keine politische Kolumne. Als ihre Kinder klein waren, habe ich die Kolumne geliebt, weil ich mich, auch mit Kleinkind und in der Zeit oft verzweifelt weil einfach total überfordert, so wiedergefunden habe. Dass sie Weihnachtsmärkte mit kleinen Kindern als “Winterpurgatorium” bezeichnet hat, brilliant. Oder die Beschreibung, wie sie an jedem Morgen, nach dem Morgenwahnsinn (sie hatte Zwillinge), wenn alle abgefrühstückt, angezogen waren, ausgetrotzt und ausgeschrien haben bzw. sich die Schreie langsam mit ihrem Mann aus dem Wohnbereich entfernten, den dieser mitsamt dem Nachwuchs immer vor ihr verlassen hat, dann “langsam an der Tür hinuntertropft”, fand ich super formuliert. Und ihr letzter Roman Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe fand ich wunderschön.

Mittlerweile finde ich ihre Kolumnen aber oft schwierig, weil sie mir ein bisschen zu bestimmend sind, im Sinne von, das ist jetzt meine Meinung und praktisch alternativlos (überhaupt mein Lieblingswort). Ihr letzter Text hieß zum Beispiel “Frauenstimmen leiser drehen” Sie vergleicht darin den Spielplan des neuen Burgtheaterchefs Stefan Bachmann in der kommenden Saison, auf dem von Frauen verfasste Werke unterrepräsentiert seien, mit einem Mann, der unlängst einem Mädchen, das sich unter dessen Balkon mit jemand unterhalten hat, mit einem Baseballschläger ins Gesicht geschlagen hat. Die Analogie sei nämlich: “Ihr wollt uns [Frauen] nicht hören. Das ist ein Boykott von Frauen. (…) Seid endlich still. Genau das sagt auch der Mann mit dem Baseballschläger.”

Also mal abgesehen davon, dass niemand weiß, ob der Gewalttäter nicht einfach x-beliebig jedem, der ihm nicht passt, ins Gesicht geschlagen hätte – ich kann doch diese beide Dinge nicht ernsthaft miteinander vergleichen. Auch nicht, wenn ich gerade grantig bin. Ich hätte gut gefunden, wenn Knecht sich mit Bachmann an einen Tisch gesetzt und ihn nach seinen Motiven gefragt hätte. Da hätte sie ihre kritischen Anmerkungen richtig adressiert, er hätte sich erklären können und wir wären obendrein jetzt alle schlauer. So aber gehts, sorry, irgendwie nur darum, billige Polemik zu erzeugen.

Das Leben an sich ist so komplex, jeder einzelne Mensch ist das, mit seiner individuellen Geschichte, seinen Erfahrungen, alles hat so viele Dimensionen, dass wir einfach nicht drum herum kommen, differenziert zu denken und diese ganz vielen Schattierungen zu sehen, die es eben gibt. Auch wenns manchmal richtig anstrengend ist. Was anderes bringt uns nicht weiter.

Das war jetzt meine Meinung, die ich aber niemand in missionarischer Absicht aufs Aug drücken möchte harhar.

Casual Thursday

Gestern hatte ich ein bisschen einen ruhigeren Tag, weil das Wochenende wieder etwas arbeitsintensiver wird mit Skripten-Monatsdeadline, Review zu The Phoenician Scheme fertigschreiben und einem weiteren kurzfristig aufgetauchten Projekt.

Jedenfalls war ich mit L. im Hidden Kitchen (unbezahlte Werbung), diesmal zum Mittagessen und gegen eins ist dort richtig viel los. Und es war mit Abstand mein gesündestes Mittagessen dieser Woche. Es gab Zuchini Quiche mit Kichererbsen und Cashews, sowie dazu griechischen Salat und Karotten Tricolore mit Bröseltopfen, Minze und Multiseeds. Crazy diese Zusammenstellung, aber sehr schmackhaft.

Als Nachspeise habe ich mich für den Vanilla Buttermilk Cake mit Himbeeren und Jasmin Frosting entschieden, mhmm. Dazu Cappucino. Wir haben über den ESC, Bill und Tom Kaulitz, den Schulendspurt und noch vieles anderes gesprochen, danach sind wir wieder bis Wien Mitte zu Fuß gegangen, so nett!

Zuhause habe ich mit dem Kind geredet, der am Montag seine letzte Schularbeit in diesem Semester hat. Endlich, die 7. Klasse ist schon etwas zach. Ich so zu ihm, es wäre gut, würde er Note x kriegen, dann hätte er im Zeugnis xy (ich wahre die Privatsphäre harhar), er hat mich dann erinnert, dass ich selbst die 7. Klasse wiederholt habe, ich wusste, dass mir das irgendwann auf den Kopf fällt harhar. Ich so: “Wenn du so schlecht in der Schule wärst, wie ich es gewesen bin, würde ich auch überhaupt nicht auf diese Idee kommen” Harhar. Tatsächlich ist mir das Zeugnis eh egal, es geht mir nur ums Prinzip.

Am Abend habe ich dann wieder guilty pleasure-mäßig Germany’s Next Topmodell angeschaut, was gestern sehr amüsant war. Es gab nämlich ein Nacktshooting, für das die Modells Fake Tattoos bekommen haben. Und der Tattoo Artist meinte, sie müssten sich rasieren und zwar alles weg “vom Kinn abwärts”. Die Blicke der jungen Männer, göttlich, ich musste so lachen, allein am Sofa. Hab dann meiner Mama, die auch schaut, eine Whatsapp geschickt, weil ich so amüsiert war. Der Wiener Pierre meinte dann: “Wie kann es sein, dass ich am Arsch mehr Haarwuchs habe als im Gesicht”, harhar.

Mit diesen nachdenklichen Worte wünsche ich schon mal ein schönes Wochenende.

Zur Papstwahl

Ich finde es erstaunlich, dass das Kind, obwohl noch nicht mal ganz 18, jetzt schon den dritten Papst erlebt. Ich habe fast 30 Jahre nur einen Papst gekannt.

Dieser Papst wurde übrigens von meinem Papa immer nur als “der Wojtyła” bezeichnet, weshalb ich sehr lange dachte, Wojtyła wäre irgendwie eine synonyme Bezeichnung für den Titel “Papst”. Dabei sagt es eher etwas über das Verhältnis meines Vaters zur Amtskirche aus. Er war irritiert, dass ich als Kind jahrelang am Sonntag die Messe besuchte.

Als ich 15 war und auf Schüleraustausch in Italien, erschien der Papst einmal im Fernsehen und meine Austauschmutter sagte ganz fasziniert: “Lui è molto carismatico!” So etwas hätte ich natürlich von meinem Vater, aber auch von meinem Opa, meiner wichtigsten Bezugsperson, nie gehört. Obwohl mein Opa immer lebhaft mit den Zeugen Jehovas diskutierte, wenn sie anklopften – und das taten sie oft, weil im Nebenhaus meiner Großeltern ein Königreichssaal war. Da hörte ich dann schon “Wir glauben an Gott”, was ich etwas widersprüchlich, aber auch interessant fand harhar.

Wie auch immer, gestern wurde also ein neuer Papst gewählt und angeblich haben sich viele Kardinäle davor Conclave angesehen, was ich eher für gutes Marketing für den Film halte. Es wäre jedenfalls dann so etwas wie art imitating life imitating art. Im ORF wurde gestern natürlich über die Papstwahl berichtet und Kardinal Schönborn war im Studio und verwendete zwei Begriffe, die ich googlen musste, einer war “synodial”, wobei ich da ein Gefühl hatte, was das heißt, den anderen habe ich schon wieder vergessen. Ich fragte mich zunächst, weshalb er nicht bei der Wahl in Rom war, aber das beantwortete er damit, dass er zu alt sei, um mitzuwählen. Er wäre aber sehr erfreut über die Wahl von Leo XIV.

Auf Social Media wurde dann schnell darüber diskutiert, was das für ein Papst wäre, was man von ihm erwarten kann. Ich bin mittlerweile sehr zurückhaltend bei solchen Ereignissen und warte erstmal ab, bevor ich mir eine Meinung bilde. Die Berichterstattung im ORF war eigenwillig und hat mich auch ein bisschen geärgert, aber das ist eh nichts neues. Hahar.

Schön war das sanfte Abendlicht über den sakralen Bauten auf dem Petersplatz. Das jedenfalls hatte etwas friedlich-hoffnungsvolles für mich.

Tracking

Ich lese manchmal in Frauengruppen auf Facebook, dass es doch viele Mütter gibt, die ihre Kinder mit irgendwelchen Apps überwachen, wenn sie unterwegs sind. Ich find das ganz furchtbar. Falls jemand das liest, der mit mir befreundet ist und das auch macht, sorry. Harhar. Wenn du es machst, kein Problem, ich bin ja auch ein großer Fan von leben und leben lassen. Aber ich würde es nicht machen.

Erstens, weil ich dem Kind vertraue und ihm das auch vermitteln will. Zweitens, weil ich eh nichts machen könnte, wenn dem Kind was passiert und ich sehe, er ist in der Straße so und so, drei Kilometer entfernt. Und drittens, weil es mich echt nicht interessiert, wo er unterwegs ist. Ehrlich. Ich hab selbst gern meinen Freiraum und ich will, dass das Kind seinen hat. Wenn er mir nachher was erzählt super, wenn nicht, auch gut.

Ich mein, man rennt seinem Kind eh vier, fünf Jahre permanent nach und kann teilweise nicht mal alleine aufs Klo. Man packt sein Kind, wenn es auf die Straße laufen will, die Hand aufs Bügeleisen legt, wenn es im Begriff ist, die Pfanne vom Herd zu ziehen oder in Steckdosen greift, wenn es zu hoch klettert, mit Steinen schmeißt, sich in der Nähe von Gewässern, Fenstern aufhält, etcetera. Wenn man ein vorsichtiges Kind hat, hat man wahrscheinlich einen ruhigeren Job, aber wenn das nicht der Fall ist, dann sagt man schon manchmal so etwas wie: “Und wenn du diese Tabletten schluckst, dann kommt nachher die Rettung, steckt dir einen Schlauch in den Hals und pumpt deinen Magen aus.” Und dann schaut einen das Kind trotzdem irgendwie begeistert an, harhar.

Ich finde, wenn ein Kind alt genug ist, dass es alleine das Haus verlassen und unterwegs sein kann, dann muss es sowieso mit der Welt draussen fertig werden. Und das traue ich ihm dann auch absolut zu. Oder wie die Instagram Psychologin schrieb: “Raising a teen isn’t about tracking every step they take. It’s about teaching them to step wisely, even when we’re not there to guide them”. Word.

Zur Wahl

Gestern: Die Wien Wahl.

Nach der Hochrechung um 17 Uhr, stellt Peter Filzmaier sinngemäß fest: Die FPÖ hat zwar circa 14 Prozent dazugewonnen, aber es ist eh wurscht, weil niemand mit ihr eine Koalition eingehen will.

Aha.

Vor der Wahl: Bitte geht wählen, jede Stimme zählt.

Nach der Wahl: Außer, wenn ihr FPÖ wählt.

Ich weiß nicht, aber ich glaub, man muss kein FPÖ Sympathisant sein um sich zu denken: Demokratie hab ich mir früher irgendwie anders vorgestellt.

Karwoche 3

Außerdem noch am Wochenende auf dem Programm: Ein Patchworkfamilienausflug. Siehe: oarge Wanderreise der anderen im kommenden Sommer. Ich bin unter Vorbehalt mitgegangen, nämlich, dass ich vielleicht umdrehen muss harhar. Destination: Ysperklamm. Aber nicht den Rundweg, sondern zum Gipfel rauf und wieder runter. Erster Stopp: Frühstück Mc Cafe.

Riesiger Cappuchino, fast so groß wie im Cafe Schopenhauer

Nach eineinhalb Stunden Fahrt waren wir dann im sonnigen, für mich immer auch etwas sperrigen Waldviertel. Der Fluß im Wald war wirklich super wildromantisch, echt schön. Die Wanderung selbst: Gar nicht meines. Nur Stiegen, Stiegen, Stiegen steigen, dazwischen ein paar Steine, auf die man klettern muss. Es geht irrsinnig in die Beine. Aber gut, die Wandertruppe muss das trainieren, ich verstehe es. Aber mir persönlich taugt es nicht. harhar.

Wasser und Stiegen, Stiegen und Wasser

Jemand sagte dann zu mir: So spürt man sich mal. Und ich: Ich spür mich eh viel zu sehr. Mein Ziel ist, mich viel weniger zu spüren. Harhar.

Kurz vor dem Gipfel, nach 80 Minuten recht zügig bergaufgehen, hab ich dann w.o. gegeben, weil mir total übel geworden ist. Die Fitnessuhr zeigte zu diesem Zeitpunkt Puls 180. War mir dann zu heikel, dass ich in die Schlucht kotze. Ich bin dann mit einer armen Person, die sich geopfert hat aufzupassen, dass ich nicht irgendwo im Wald liegen bleibe, wieder abgestiegen. Danke für die Unterstützung.

Steine nicht zu vergessen

Das Zurückgehen war dann aber sehr angenehm und mit jedem Schritt habe ich mich besser gefühlt. Mein Glück war, das Gasthaus war unten, nicht oben, sonst hätte ich kein Essen gehabt. Man sieht, mir war nicht sehr lang übel, harhar. Jedenfalls haben wir uns dort auf die Terasse gesetzt, die anderen sind aber dann aber fünf Minuten später auch schon da gewesen, also soo weit wäre es bis oben wirklich nicht mehr gewesen.

…und Wasser

Essen war rustikal-gut, danach haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht, wo ich den Rest des Abends nur noch am Sofa gelegen bin. Das, finde ich, ist immer der beste Moment einer Wanderung. Man ist erschöpft, es tut einem alles weh und man schläft danach wie ein Stein.

Ich empfehle die Wanderung ausdrücklich für Menschen mit einem Stiegen-Fetisch.

Adolescence, weitere Gedanken

Gestern habe ich die dritte Folge Adolescence gesehen. Ja, das hat jetzt lange gedauert, weil es mich irgendwie viel Überwindung kostet, diese Serie anzuschauen. Auch diese Episode – im Prinzip ein langes Gespräch zwischen dem in Untersuchungshaft befindlichen Jungen Jamie und einer forensischen Gutachterin – hat mich leider gar nicht überzeugt.

Eines der Probleme, das ich mit dieser Serie habe ist, dass ich nicht das Gefühl habe, dass mir wirklich eine Geschichte erzählt wird. Mir fehlt die Backstory, die mir erklärt, was im Leben von Jamie so dermaßen falsch gelaufen ist, dass er (mutmaßlich) eine schwere Straftat verübt. Ich habe das Gefühl, dass mit dieser Serie eher eine Agenda vertreten werden soll und zwar die Agenda von toxischer Männlichkeit, die primär durch Social Media getriggert wird.

Und bevor mich jetzt jemand Verschwörungstheoretikerin nennt, der Schöpfer der Serie, Jack Thorne selbst fordert aufgrund seiner eigenen (fiktiven!) Serie ein generelles Social Media Verbot für Jugendliche. Das mag erklären, wieso die Hauptfigur Jamie in der Serie sehr junge 13 Jahre alt sein muss und nicht etwa 17 (was plottechnisch um einiges plausibler wäre), nämlich weil man fast-Erwachsenen nicht mehr sehr viel verbieten wird können.

Mir wurde von einem Freund die Aussage einer Psycholgin auf Insta geschickt, die ich sehr nachvollziehbar finde, sie schreibt nämlich, was sie von Jugendlichen, die in ihre Beratung kommen, nicht hört: “I was feeling great, then I saw something on social media, and out of nowhere, I wanted to hurt myself or someone else.” Stattdessen höre sie von den Problemen, die Jugendliche in ihrem Leben haben, Schwierigkeiten mit den Eltern, mit dem Umfeld, zu viel Druck von außen, zu wenig Verständnis für sie als Menschen.

Das Problem, so die Psychologin weiter, sei nicht Social Media per se, so wie es früher nicht Comicbooks (ja auch das war mal eine Bedrohung), das Fernsehen oder Videospiele gewesen seien, sondern, dass die Jugendlichen, die sich alleingelassen und die unglücklich fühlen, natürlich dann für äußere Einflüsse negativer Art empfänglicher seien. Aber ansetzen müsse man anderswo, denn die Gefahren von außen seien austauschbar und auch unvermeidbar; Verbote hin oder her. Ich persönlich denke ohnehin, dass Verbote die Dinge immer nur noch interessanter machen.

Die Art und Weise wie man diesen Gefahren und generell allen Herausforderungen des Lebens gut gegenübertreten könne, nämlich als Person, die sich an-, ernstgenommen und gehört fühlt, das sei der wirkliche Schlüssel. Unterschreib ich.

The dances I’ve had

Heute habe ich jemand sprechen hören, er hat mehr oder weniger dieselben Worte verwendet, die jeder Mensch benützt. Worte, die er in einer anderen Reihenfolge, in einem anderem Zusammenhang auch manchmal nur zu mir gesagt hat, nicht zu allen, in einem gemütlichen Zimmer.

Ich hatte ein bisschen Angst davor, ihn zu hören und auch zu sehen, weil ich weiß, dass mein Herz dann ganz schnell klopft und ich kaum atmen kann, weil alles irgendwie ein bisschen fremd und doch so vertraut ist, weil es gleichzeitig vergangen ist, aber doch immer auch so nah bei mir. Jeden Tag aufs neue, so ist es eben.

Es war aber gut, auch wenn es den einen sensiblen Punkt berührt, aber direkt daneben ist dieser Ort mit den Erinnerungen und den guten Gefühlen, der mich überallhin begleitet.

No matter what, nobody can take away the dances you’ve already had. (Gabriel García Márquez)