almis personal blog

Zum Tag, zwei

Keine Angst, ich werde keine Tagebuchbloggerin harhar, aber auch heute war ein sehr schöner Tag, ein perfekter Freitag vor dem Wochenende.

Am Vormittag hab ich gearbeitet, im Moment ist noch ein bisschen Ruhe vor dem Sturm. Danach war ich bei Thalia in Wien Mitte, wo ich bemerkte (und fotografierte!), wie toll, originell und farbenfroh die neuen Bücher angeordnet worden sind. Nicht, dass man nach dem Cover gehen sollte (don’t judge the book by it, wie man weiß), aber da war auch inhaltlich vieles dabei, das mich sehr angesprochen hat.

Danach hab ich mich zum Mittagessen mit L. beim Vapiano getroffen, unbezahlte Werbung, aber es war wieder so gut!

L. hatte die Pasta des Tages, Avocado, das habe ich mich nicht getraut, ich hatte Risotto mit Pilzen


Danach gabs noch, weil es ist ja schließlich bald Wochenende, Kaffee und Tiramisu.

Danke für die Einladung!

Auch sonst wars wieder ur nett, wir haben unter anderem über 25 Jahre Gilmore Girls gesprochen und L. meinte, Rory schaut jetzt älter aus als Lorelei, naja, sie hat ein Kind bekommen, ach so, na dann harhar. Vielleicht sollte ich auch mal einen vierten Rewatch machen.

Heute Abend hab ich mir dann aber erstmal – auch als Vorbereitung für den Viennale Film Novelle Vague, den ich hoffentlich sehen werden und der sich mit den Dreharbeiten zu Jean Luc Godars Film Außer Atem beschäftigt – ja genau, Außer Atem angeschaut. Godard meinte ja, alles was ein Film bräuchte, wäre “a girl and a gun” und tatsächlich kommt beides hier in den ersten fünf Minuten vor und ja. Ich verstehe jetzt, was diesen Film so kultig und richtungsweisend macht und ich werde bald davon erzählen.

Dann las ich noch in Knausgards Träume, es geht hier vor allem um sein Studium in der Akademie für Schreibkunst, super interessant und jedes Mal bekommen sie Vorgaben und müssen dazu etwas schreiben. Da hab ich mir gedacht, ich will immer nur über das eine schreiben, was meine Seele erfüllt. Und wie jeden Abend denke ich daran.

Viennale, erster Blick

Gestern wurde endlich das Programm der diesjährigen Viennale veröffentlicht und ich habe vor, mir fünf bis sechs Filme anzusehen.

Am allerallermeisten freue ich mich – und mir war gar nicht bewusst, dass dieser Film gezeigt werden könnte – auf Peter Hujar’s Day von Ira Sachs. Ich habe mich schon vor einiger Zeit in den Trailer verliebt, obwohl ich denke, die meisten, die diesen Trailer sehen, finden ihn wahrscheinlich ur fad, harhar. Aber ich mag die Stimmung und ich mag die Interaktionen von Ben Whishaw und Rebecca Hall und ich bin ein großer Fan des Vorgängerfilms von Sachs, Passages.

Dann möchte ich unbedingt After the Hunt sehen, von Luca Guadagnino. Eigentlich hatte der schon einen Starttermin zum Beispiel im Votivkino und dann war er wieder weg und als ich nachgefragt habe, hieß es plötzlich, er werde nur bei der Viennale gezeigt und kommt gar nichts ins Kino. What? Ich mein, das ist ein Guadagnino Film, dem Regisseur verdanken wir Werke wie Call me by your name und Challengers?! Ich weiß, After the Hunt hatte ein bisschen gemischte Reaktionen bei seiner Premiere in Venedig, aber es geht um Wokeness und Cancel Culture und Julia Roberts spielt mit. Also das klingt jetzt für mich wirklich nicht uninteressant.

Richard Linklater wird mit gleich zwei Filmen vertreten sein, die ich schon jetzt andauernd verwechsele. Nämlich einerseits Blue Moon, der eine Krise eines tatsächlichen Broadway Songwirters der 1940er Jahre beleuchtet und Nouvelle Vague, der über die Dreharbeiten zu Jean Luc Godards Film Außer Atem erzählt. Einen der beiden möchte ich auf jeden Fall sehen. Außerdem auf meiner Wunschliste: Father Mother Sister Brother, der neue Film von Jim Jarmusch, der in Venedig mit dem goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Den Film, von dem ich mir im Hinblick auf die Awards-Season am meisten erwartet habe – zumindest bevor ich One Battle After Another gesehen habe – ist der norwegische Film Sentimental Value. Dieser Film vom Team, das auch Worst Person in the World gedreht hat (den ich ziemlich gut fand, aber irgendwas hat gefehlt) und in dem wieder Renate Reinsve die Hauptrolle spielt, handelt von einer dysfunktionalen Familie. Den möchte ich auch unbedingt sehen, sofern es da Chancen auf eine Karte gibt.

Ich halte euch auf dem laufenden, harhar.

Verstörende Videos, acht

Im Zuge von One Battle After Another hab ich mich wieder an das Video Babe von Take That erinnert. Ich werde die Assoziationskette nicht erläutern, ich will nicht spoilern. Jedenfalls passt das sehr gut in meine sehr unregelmäßige Rubrik Verstörende Videos, nämlich sowohl inhaltlich als auch visuell.

Worum geht es in dem Song, den ich wochenlang in der wunderbaren MTV Sendung Dial MTV gesehen habe, weil er dort (siehe Sendungstitel) immer wieder vom Publkum gewählt wurde. Also der männliche Protagonist des Songs ist “back again”, wie er seiner ehemaligen Geliebten erfreut mitteilt, es sind so zwei, zweieinhalb Jahre vergangen. Und ich gebrauche den Begriff toxische Beziehung wirklich ungern, weil er so inflationär verwendet wird – nur weil man sich irgendwann trennt, war davor nicht alles automatisch toxisch. Aber hier passt er schon, weil ER offenbar einfach ohne jede Erklärung verschwunden ist. Wohin? Warum? Wieso kein Lebenszeichen? Und jetzt ist er wieder zurück und alle sollen sich freuen.

Beim Zusammentreffen mit IHR muss er feststellen, dass er ein Kind hat, das eben so eineinhalb oder zwei Jahre alt ist und ihm ähnlich sieht. Als Babe damals erschienen ist, wurde dieses Faktum sehr kritisiert, dass der Mann plötzlich zurück ist und sich quasi aufspielt. Irgendeine Frauenband hat sogar angekündigt, einen Antwortsong herauszubringen, der “Don’t need you now” heißen sollte, keine Ahnung, ob das wirklich passiert ist.

Wie auch immer, der Song alleine schon wirft also diverse Fragen auf, denen das Video noch einige weitere hinzufügt.

Denn diesmal singt Mark Owen, der angezogen ist, als würde er in irgendeinem Jahrhundertwende Period Piece mitspielen. Es ist kalt und es schneit und er schaut mit seiner Pelzmütze aus wie ein melancholischer Russe. Er macht sich auf die Suche nach seiner Ex, die von einer eher bescheidenden Bleibe anscheinend in ein Märchenschloss gezogen ist. Und in diesem riesigen Schloss liegt Schnee und es dürfte genauso kalt sein wie draußen, was zwar hübsch ausschieht, aber natürlich extrem unpraktisch und ungemütlich ist. Und die Ex trägt komischerweise nix besonders wärmendes, außer so eine Art Doc Martens Stiefel und ein Kleid mit ziemlich viel Organza, hübsch, aber für den Sommer.

Dann das dramatische Zusammentreffen mit seinem kleinen Sohn. Die Verzweilfung seiner Ex. Und dann haben sich Take That selbst vielleicht gedacht, ok, das ist echt zu unglaubwürdig und cheesy (harhar) wir brechen das Ganze, indem wir das Video als das zeigen, was es ist, ein artifizielles Produkt. Und dann sieht man eben die Kameraleute und die Beleuchter und Take That wie sie herumblödeln und damit ist alles irgendwie aufgelöst, ohne dass man wirklich irgendwelche Fragen beantworten muss, harhar.

Ach mir fehlt die Zeit von rätselhaften Musikvideos irgendwie.

Lieben

“Ein Leben ist einfach zu verstehen, es wird von wenigen Faktoren bestimmt. In meinem waren es zwei. Mein Vater und dass ich nirgendwo zu Hause gewesen war.” (Seite 720)

So schildert Karl Ove Knausgård seine “Lebensthemen”, die ihm zu dem machten, der er war und vielleicht immer noch ist. Lieben, das zweite Buch seines autobiografischen Projekts, schildert vor allem die Beziehung zu seiner zweiten Frau Linda und das Leben mit den drei (bis dahin geborenen) Kindern Vanja, Heidi und John. Drei unter vier Jahren oder so. Man darf sich auf keinen Fall eine annähernd klassische Romanstruktur vorstellen, es gibt keinen Spannungsbogen und keine Conclusio. Dafür beschreibt Knausgård alles detailliert, auch die Verkäuferin in der Bäckerei.

Ich bin da zwiegespalten. Einerseits habe ich so viele Passagen herausgeschrieben, weil sie so toll und oft poetisch formuliert waren, weil Karl Ove Knausgård ein wahnsinnig aufmerksamer Beobachter ist, der alles in wirklich wunderbare Beschreibungen kleidet. Andererseits war es oft auch zu viel Information über Menschen, die in Knausgårds Leben halt kaum eine tragende Rolle spielen, wie die besagte Bäckereiverkäuferin, wie irgendwelche Passanten, mit denen er ins Gespräch kommt oder sie auch nur ansieht, wie Menschen, die mit ihm im Zug fahren etcetera. Es ist manchmal etwas anstrengend, da immer “mitzugehen”, weil alles so ungewichtet nebeneinandersteht.

Besonders interessiert war ich an seiner Paarbeziehung und dem Elternsein, das natürlich auch viel Raum einnimmt. Und hier verstehe ich Knausgårds Entscheidungen teilweise gar nicht (was aber natürlich auch interessant ist). Denn natürlich liebt er Linda, aber schon sehr bald wird klar, dass es nicht so richtig funktioniert und zwar aus ganz vielen verschiedenen Gründen; unter anderem, weil Linda gerade einen Suizidversuch hinter sich hat und das viele Herausforderungen birgt (verständlicherweise). Während andere Menschen die Partnerschaft dann vielleicht überdacht hätten, beschließen die beiden, ach bekommen wir doch mal ein Kind. Und als es mit dem Kind anstrengend ist und das die Beziehung zusätzlich belastet, denken sie nicht etwa ok, lass uns das Leben erstmal irgendwie mal auf die Reihe kriegen, sondern sie beschließen, na dann bekommen wir halt noch ein Kind. Und dann noch eines. Ich muss sagen, eine für mich doch eher unorthodoxe Vorgangsweise, harhar.

Er beschreibt Linda – die es übrigens tatsächlich mit diesem Namen gibt und die dieses Buch abgesegnet hat einmal so: “Linda war am ersten Tag und ein paar Stunden des zweiten freundlich, wandte sich dann jedoch ab, strahlte diese Feindseligkeit aus, die mich in den Wahnsinn treiben konnte, nicht, wenn sie ausschließlich mich traf, ich war es gewohnt (…) sondern wenn sie andere traf.” (S. 367) Und über die Zeit mit seiner erstgeborenen Tochter: “Der Herbst ging in den Winter über, das Leben mit Kinderbrei und Kinderkleidung, Kindertränen und Kindererbrochem, zwischen sinnlos vorüberziehenden Vormittagen und leeren Nachmittagen belastet mich auf die Dauer, aber ich konnte nicht klagen, konnte nichts sagen.” (S. 469)

Und: “Es gab die Erwartung von etwas anderem, als würde noch etwas kommen” (S, 265), aber es kommt halt nicht anderes. Das ist der Ton, auf den man sich bei Lieben dauernhaft einstellen muss. Es ist interessant, aber nicht die leichteste Lektüre in mehrfacher Hinsicht.

Andre Heller Park, by night

Noch ein paar Impressionien vom Andre Heller Park bei Nacht (ich war mittlerweile schon dreimal dort harhar)

Parkfahne mit Blick auf den Donauturm
Die Geschichtenerzählerin von Edgar Tezak

Der Märchenbach ist bei Dunkelheit noch eindrucksvoller, es fließt auch wirklich Wasser:

Perspektivenwechsel:

Wunderschön und sehr eindrucksvoll:

Es waren gestern Abend ein paar Leute unterwegs und alle waren sehr angetan.

Eine Frau meinte: Endlich kriegen wir auch mal was Schönes. Harhar.

Andre Heller Park

Morgen ist die offzielle Eröffnung, heute von mir aber schon ein paar exklusiv Fotos vom neuen Heller Park in Floridsdorf. Das alles bietet Almis Blog! Harhar.

Parkeingang

Der Park liegt bei Mühlschüttel, also für die meisten Wiener, vor allem die, die nicht in Transdanubien wohnen, am Arsch der Welt. Für mich vier Minuten Fußweg, harhar. Ich sags ehrlich, wenn die Stadt Wien irgendein Projekt ankündigt, bin ich skeptisch. Und wenn es dann noch was mit Kunst und Natur zu tun haben soll, schwierig. Die Gegend an der alten Donau war davor auch sehr schön, braucht es da noch mehr?

Andre Heller hat diesen Park mit Künstlerkolleginnen und Kollegen gestaltet, ich finde Heller sehr interessant und ich bin gegenüber der Heller Fabrik auf der Inzersdorferstraße in Favoriten aufgewachsen. Wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster geschaut habe, habe ich sie immer gesehen und den großen Heller-Schriftzug, auch wenn sie damals nicht mehr produziert hat (nur bis 1970). Heute ist es ein Industriedenkmal mit Wohnungen und einem Pflegeheim, das nur am Rande. Andre Heller meinte, der neue Park sei dazu da, um sich zum Beispiel “der Muse hinzugeben oder sich auszuzittern”. Ich habe dort tatsächlich einmal sehr geweint, es ist ein paar Jahre her, aber da wars halt Weinen ohne fancy Kunstwerke.

Wie finde ich also, nach einer ersten Besichtigung am Freitag Vormittag bei Sonnenschein, den Park? Ich finde ihn, ehrlich gesagt, echt schön und stimmungsvoll. Hier ein paar Impressionen:

Atemluft von Xenia Hausner
Passage von Susanne Karl
The Guardian von Elmgreen und Dragset
Vienna Mountain von Ugo Rondinone – ich glaub, daran muss ich mich erst gewöhnen harhar

Sehr nett, der Flüsterstuhl von Moritz Misrahi. Dazu braucht es aber zwei Menschen, die sich in je einen Stuhl setzen und sich so verständigen können. Nachdem ich alleine war, konnte ich es nicht ausprobieren. Vor mir waren aber zwei circa 14-jährigen Mädels, die meinten: “Ur geil”. Und wenn das zwei Teenagerinnen sagen, dann ist es ganz bestimmt auch wirklich ur geil.

Flüsterstuhl von Moritz Mizrahi

Meine liebsten Exponate:

Märchenbach von Peter Pongraz

Und natürlich:

Die Wasserwächterin vom Großmeister himself

Nähere Informationen zum Park findet man hier. Erster Eindruck wirklich sehr positiv. Die Gehwege sind irgendwie “weich”, es wurde hier tatsächlich eine Straße zugunsten von mehr Grün entfernt. Der Spielplatz daneben wurde auch ausgebaut.

Als ich später dem Kind die Fotos zeige, meint er: “Du bist ja ur fröhlich!” Ja, bin ich echt. War schön.

Unfortunately I Do Love…

Mein Wordle Rätsel um Mitternacht oder zum Kaffeetrinken in der Früh

Gedanken in mein Notizbuch schreiben und sie Wochen später kaum mehr entziffern können

Mit Filmpodcasts im Ohr einschlafen

Mich an jedes Detail erinnern

Artikel auf X als Lesezeichen speichern und nie Zeit finden, sie “irgendwann” zu lesen

Das Formel 1-Intro

Musik-Playlisten, die aus sechs Stunden ausschließlich ESC-Songs bestehen

Hoffnungsschimmer

Rubbelose – auch zum Verschenken, quasi mein Signature Move

Scheiben, als würde es niemand lesen.

Wer wird Millionär schauen, das Kind kommt zwischendurch immer wieder vorbei

Den Tag mit dem Gedanken an jemand beginnen und beenden


Erklärung: On TikTok and Instagram, the “Unfortunately I Do Love” trend is where users share their (guilty) pleasures.

Knausgård

Ich werde sicher noch einiges über One Battle After Another schreiben, wenn ich mich durch die “Sekundärliteratur” gearbeitet habe. Derweil war ich aber auch auf der Suche nach einem neuen Roman den ich lesen kann.

Eigentlich hab ich das Buch Lieben von Emilia Roig gesucht, aber dann hat mir die Büchereienwebseite zuerst ein anderes Werk gleichen Titels angezeigt, nämlich von Karl Ove Knausgård, einem der wichtigsten norwegischen Autoren der Gegenwart, wie ich jetzt weiß. Und nachdem ich weiter recherchiert habe, habe ich zusätzlich noch erfahren, dass Knausgårds Roman ein Teil seines autobiographischen Projekts ist. In Lieben geht es um die Zeit in seiner Ehe, als die Kinder klein waren, was immer eine ziemliche Herausforderung für Paarbeziehungen ist, so auch für seine. Solche Themen interessieren mich ungemein. Ich habe die ersten Seiten probegelesen und dann beschlossen, ich fahre in die Bücherei Billrothstraße, weil dort ist es vorrätig.

Nachdem ich aber schon wieder so schlecht schlafe und wirklich manchmal ein bisschen neben mir stehe, gehe ich also in die Bücherei und denke mir, hm, das schaut aus, als gäbe es da nur Kinderbücher. Und nachdem ich minutenlang alles absuche, muss ich feststellen: Ja, hier gibt es tatsächlich nur Kinderbücher, harhar. Ich kann mir doch nicht eingebildet haben, dass diese Buch in der Billrothstraße zu finden ist. Ich google die Büchereien-Webseite um nochmal nachzusehen, bzw ich versuche es, die Seite ist aber gerade down. Hmpf. Fragen will ich auch nicht. Na gut, denke ich, kann man nichts machen. Ich verlasse, die Bücherei, gehe ein paar Schritte weiter und siehe da, im Nebenhaus ist noch eine Bücherei. Harhar. Und zwar eine mit Erwachsenenliteratur und noch dazu sehr gut kuratiert, generell sehr viel Biografisches: Kafka und Karl Kraus und Astrid Lindgren, ich hätte am liebsten alles mitgenommen.

Tatsächlich aber dann die nächste Überraschung: Das Buch von Knausgårds ist so dermaßen dick und fett, dass ich nur dieses mitnehme und noch eines aus der biografischen Reihe, das Träumen heißt. Es gibt dann noch Kämpfen, Sterben, Leben und Spielen. Ich werde vielleicht alle sechs Bücher lesen, kommt drauf an, wie mir diese beiden gefallen, aber nicht chronologisch. Die Buchreihe heißt übrigens auf Norwegisch Min kamp (Mein Kampf), aber dieser Name eignet sich für den deutschen Buchmarkt nicht so wahnsinnig gut, harhar.

Jetzt tauche ich also ein, in die Welt von Knausgård der übrigens sagte: “Im Leben ist es sehr, sehr schlecht, sensibel zu sein, aber für einen Schriftsteller ist es sehr gut.”

One Battle After Another

Am Wochenende habe ich den enorm gehypten neuen Film von Paul Thomas Anderson im Votivkino gesehen. Er ist lose an den Roman Vineland von Thomas Pynchon angeleht. Anderson hat schon davor mit Inherent Vice einen Pynchon Roman (sehr gut, wenn auch viel sperriger) adaptiert.

In One Battle After Another geht es um den alleinerziehenden Vater Bob Ferguson (Leonardo di Caprio), der mit seiner 16 jährigen Tochter Willa (Chase Infiniti) in einer Wüstenstadt lebt. Als (wie er) früheres Mitglied einer linksextremen Bewegung, ist seine Frau Perfidia (Teyana Taylor) nach einer Staftat der Verfolgung unter Colonel Lockjaw (Sean Penn) entkommen. Bob lebt mit seiner Tochter ein verstecktes, unauffälliges Leben, da er immer noch die Rache von Lockjaw fürchtet….

ACHTUNG WIE IMMER SPOILER

Die Prämisse hat mich ein bisschen an den Film Hanna erinnert, wo ebenfalls ein Vater mit seiner Tochter vor Verfolgung fliehen musste. Allerdings geht dieser Vater dort den Weg, dass er seine Tochter zu einer Kampfmaschine erzieht, damit sie sich verteidigen und so überleben kann. Bob hat eine andere Entscheidung getroffen. Er kümmert sich liebevoll um seine Tochter, sitzt aber sonst die meiste Zeit am Sofa, kifft, trinkt sein Bier und hofft, allem durch diese komplette Unauffälligkeit zu entgehen und für lange Zeit funktioniert das auch ganz gut.

Als Lockjar ihm allerdings auf die Schliche kommt – ich mein, das ist klar, sonst gäbe es keinen Film harhar – entwickelt sich der anfangs todernste Film zu einer ja, stellenweise erstaunlich witzigen Katz- und Maus Verfolgungsjagd. Die Schwere der Situation liegt ganz auf Willa, während Bob hier extrem gut einen warmherzigen, aber auch ziemlich patscherten Protagonisten, gekleidet im kariertem Morgenmantel, abgibt, was diCaprio eindrucksvoll macht. Ein Highlight ist die Szene, als er am Telefon einen geheimen Treffpunkt mit seinen früheren Verbündeten ausmachen soll, aber diverse Codewörter vergessen hat, es ist herrlich komisch. Ich stelle jetzt die Behauptung auf, dass diCaprio tatsächlich am besten ist, wenn er keinen strahlenden Helden spielt, sondern jemand in einem humorvollen Kontext. Sean Penn dagegen, der in den Reviews gelobt wird, hat die Aufgabe einen “White Supremacist” zu spielen, was er als extreme Karikatur anlegt. Auch die andere Seite des politischen Spektrums, die von Bobs Frau verkörpert wird, ist karikaturesk gezeichnet.

Deswegen ist der Film für mich auch nicht wirklich politisch im Sinne von, dass Anderson sich klar auf eine extreme Seite stellt (Gott sei Dank!), sondern er zeigt vielmehr, dass beide politischen und vor allem ideolgischen Ränder mit den gleichen Mitteln (Hass und Gewalt) operieren und, dass das nie zum Ziel führen kann, so zumindest meine Interpretation. Ich weiß nicht, ob ich Penn wirklich gut finde, weil ich ihn mittlerweile aufgrund seines Auftretens außerhalb eines Filmes so ärgerlich finde, dass es schwer ist, diese Gefühle von meiner objektiven Einschätzung zu trennen, harhar ich geb es zu. Das ist im übrigen genau das Problem, dass ich derzeit mit vielen Schauspielern, u.a. auch Mark Ruffalo habe. Mir fehlt in der Darstellung ein bisschen die Transzendenz über das übliche Programm, das da immer heißt “Wir sind die besseren Menschen, wir hassen Trump.”

Wie auch immer, One Battle After Another ist ein wirklich guter Film, mit einem wirklichen guten Hauptdarsteller, ich glaub, mir hat diCaprio noch nie besser gefallen, untermalt von einem ewigen Song/Geräuschebett, wie wir es von Anderson eh kennen, hier oftmals atonales Klaviergeklimper. Dieser Film hat auch eine ganz außergewöhnliche Auto-Verfolgungsjagd in der Wüste, das sage ich als jemand, der wirklich nicht für Auto-Verfolgungsjagden ins Kino geht. Aber diese ist intelligent, spannend UND hoch ästhetisch und macht einmal etwas ganz anderes, was man so noch nie gesehen hat. Auch einige der Sprüche könnten sich zu Running Gags entwickeln. Als Bob einmal aus einem fahrenden Auto springen muss und sich nicht traut, ruft ihm der Sensei (immer super: Benecio de Toro) zu, na kommt, Tom Cruise macht sowas andauernd, harhar.

Also zusammengefasst: Der Hype ist gerechtfertigt, Paul Thomas Anderson, dessen Euvre insgesamt so divers (in Genre, Thematik, Tonalität) wie sehenswert ist, wird nach seinen bisherigen 11 Oscarnominierungen hier defintiv mit einer oder eher mehreren Auszeichnungen nach Hause gehen, das prophezeihe ich jetzt einmal. Jemand hat geschrieben, das wäre “the movie-est movie I’ve seen in ages” und das ist so wahr. So sehr ich kleine Produktionen schätze, es ist auch einmal schön, wenn jemand alle Register zieht, die beim Film möglich sind – und dabei trotzdem noch so etwas wie “Arthouse” macht.

Fran & die Ubahn

Letztens war in der U6 ein sehr unangenehmer Geruch.

Da musste ich an Pretent It’s a City denken und habe mir zuhause gleich eine Folge angesehen. Erstmals hab ich die Serie vor drei Jahren gesehen. Ich empfehle ungern Dinge, weil ich mir immer denke, nur weil mir etwas gefällt, heißt das ja noch nicht, dass es universell so empfunden wird. Aber tatsächlich ist die Doku-Serie von Martin Scorsese über Fran Lebowitz etwas, wo ich mir nicht vorstellen kann, dass es jemand nicht witzig oder zumindest interessant oder irgendwie bereichernd findet.

Ich bin (Sakrileg) kein großer Scorsese Fan, also was ihn als Regisseur betrifft. Ich kippe immer total schnell aus seinen Filmen raus, ich weiß auch nicht warum. Ich kann wirklich sehr wenig mit der Art, wie er erzählt, anfangen. Aber so als Mensch – soweit man das halt über Medien sagen kann – finde ich ihn sympathisch. Und die Doku, seine Gespräche mit Lebowitz sind super. Fran Lebowitz kannte ich davor gar nicht und auch jetzt kann ich schwer sagen, was sie eigentlich so ist. Sie hat zwei Bücher geschrieben, aber das war in den 1970/80er Jahren. Sie schreibt, glaub ich, nicht so wahnsinnig gern und nachdem ich beide Bücher gelesen habe muss ich sagen, sie spricht auch viel besser, nein, sie spricht sogar unheimlich gut. Also ist ihr Beruf wahrscheinlich das, Speaker. Sie sagt selbst über sich, sie wäre “filled with opinions”, das wäre aber harmlos, weil sie überhaupt nichts an irgendelchen Zuständen ändern kann. “I have no power” harhar.

Ich mag sehr an ihr, dass sie zwar starke Meinungen hat, aber überhaupt nicht dogmatisch ist. Dass sie es sehr gut aushält, dass andere Menschen andere Ansichten haben. Dass sie zwar selbst zum Beispiel mit dem Internet nichts anfangen kann, aber total versteht, dass es anderen damit ganz anders geht und das überhaupt nicht bewertet. Je älter ich werde, umso angenehmer finde ich, wenn Leute mir nicht sagen, was ich tun oder denken oder wie ich leben soll. Und bei Lebowitz hat man diesen Eindruck, gerade weil sie es sich auch nie sagen lassen würde. Außerdem stimme ich ihr in vielen Dingen total zu, etwa wenn sie meint: “I don’t need extra challenges. I find normal life challenging enough”, harhar.

Die Serie ist in sieben Kapital aufgeteilt. Natürlich geht es um New York, aber auch um Kultur, Musik, Leben, Sport, Literatur. Sie sagt, New York wäre nicht unbedingt eine schöne Stadt, aber es wäre nie langweilig. Es wäre auch nichts “permanent”, alles würde sich alles dauernd verändern. Es werden auch laufend Gebäude abgerissen, die man liebt. Sie erzählt, als sie einmal mit einem älteren Freund in einem Lokal gesessen wäre, hätte jemand um eine Unterschrift gebeten, das Lever House nicht abzureißen. Beide hätten unterschrieben und dann hätte der Freund zu ihr gesagt, er ist sich ziemlich sicher, dass er vor Jahren unterschrieben hätte, dass das Lever House nicht gebaut werden sollte. Das wäre New York, meint Lebowitz.

Und wie kam ich also von schlechtem Geruch auf die Serie? Lebowitz erzählt, dass die Ubahn Linie L in New York einmal geschlossen war, wegen üblen Geruchs. Und sie so, wie kann das überhaupt sein, weil es ohnehin immer ur stinkt. “Did someone say the train smells even worse than usual?” Jedenfalls wurde die Linie für fünf Stunden gesperrt und danach hieß es, es stinke nicht mehr so schlimm. Lebowitz daraufhin. “Of course not. It’s been empty for five hours. Let me tell you what smells horrible on the train, it’s the passengers!” harhar.

Wenn man mal traurig ist, schaut euch das an, es heitert einen so sehr auf.