almis personal blog

Literaturnobelpreis

Heute wird wieder mal der Literaturnobelpreis verliehen. Favoriten gibt es auch wieder mal einige, es ist aber nicht auszuschließen, dass jemand gewinnt, dessen Namen man erst googlen muss, weil man noch nie zuvor von ihm gehört hat. Und das sage ich als Literaturwissenschafterin.

Na ja, 2004 musste man das nicht tun. Das erste was ich damals tat war, einen nahen Verwandten anzurufen, der zwar sehr literaturaffin war und ist, Lieblingsbücher: “Die letzten Tage der Menschheit” und “Der Mann ohne Eigenschaften” aber der österreichischen Gegenwartsliteratur eher skeptisch gegenübersteht.

Der Dialog ging ungefähr so

Ich: “Rate mal wer den Literaturnobelpreis gewonnen hat?!!”

Er: “Bitte sag nicht der Handke.”

Ich: “Nein, der nicht.”

Er:”Aber jemand aus Österreich?”

Ich: “Ja.”

Er:”(Pause) Um Gottes Willen….!!!!”

Es war sehr lustig.

Etwas später an dem Tag bin ich noch aus Germanistikinstitut gefahren. Ich schrieb damals an meiner Dissertation bzw. versuchte es. Und überall hingen handgeschriebene Zettel – es war vor dem Web 2.0 – die die frohe Botschaft verkündeten, dass Elfriede Jelinek die neue Literaturnobelpreisträgerin ist.

Der Fall Unterweger

Fantastische News aus dem Filmbusiness:

Der großartige Michael Fassbender wird einen österreichischen Verbrecher spielen. Nein, diesmal geht es nicht um Josef Fritzl – der Stoff wurde ja so ähnlich bzw. vom Fall Fritzl inspiriert eben erst verfilmt (Room) – sondern um Jack Unterweger. Obwohl wikipedia Unterweger als österreichischen Mörder und Schriftsteller bezeichnet, wurde er für die Mehrzahl seiner vermeintlichen Morde nie verurteilt, da er direkt nach dem Urteil Suizid beging. Was den damaligen Jusitzsprecher Michael Graff zur relativ gewagten Äußerung “Das war sein bester Mord” inspirierte.

Davon abgesehen ist Unterwegers Geschichte schon relativ beachtenswert. Nach seiner ersten Tat (für die er rechtskräftig verurteilt wurde) entdeckte er im Gefängnis seine Affinität zum Schreiben. Er schrieb Kindergeschichten und den autobiografischen Roman Fegefeuer, in dem er erklärte, wieso also so kam wie es geschehen war. Er bereute seine kriminelle Energie und gab sich geläutert. Unterweger wurde fortan “Häfen-Poet” genannt und Teile der Wiener Intellektuellen-Szene setzen sich für eine Begnadigung ein. Das passte sehr gut zum herrschenden Zeitgeist, der von Resozialiserung und der gefängnislosen Gesellschaft träumte – ich kann mich erinnern, dass wir das genau in dieser Zeit, 1993 oder 94 im Englischunterricht sogar lebhaft darüber diskutierten.

Unterweger wurde tatsächlich begnadigt – ohne angeschlossene Therapie. Er wurde in der Wiener Szene herumgereicht und die Morde an Prostituierten gingen wieder los. Nachdem man Unterweger zuerst quasi als Sachverständigen einsetzte, nach einem Hinweis aber zum Hauptverdächtigten machte, setze er sich mit seiner minderjährigen Freundin in die USA ab, wo er nach einer Finte aufgegriffen werden konnte. Der folgende Prozeß ist der erste in Österreich, der mit DNA Spuren als Beweismittel arbeitet. Unterweger ist immer noch guter Dinge und hat ein paar Alibis zu bieten, die allerdings nicht immer bestätigt werden. Unterweger wird schließlich von einem Geschworenengericht erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Ob der Suizid so geplant war, oder nur ein halbherziger Versuch sein sollte, aus dem Ernst wurde (eine Theorie) mag niemand zu sagen.

Jedenfalls ein äußert ergiebiger und rätselhafter Stoff, schon mehrmals verfilmt und auch fürs Theater adaptiert. Fassbender ist eine gute Wahl, zum einen, weil er ein hervorragender Schauspieler ist, zum anderen, weil er Unterweger vom Typ her ein wenig ähnelt. Das Drehbuch soll der Autor von Birdman schreiben. Alles sehr gute Vorzeichen. Ich bin gespannt!

Weitere Bücher to do’s

Nachdem ich jetzt mit Christine Finkes Buch fertig bin, werde ich mich nun den nächsten Büchern widmen und da gibts, wie erwähnt, einige, die mich interessieren.

Begonnen habe ich gerade mit Schöne Welt, böse Leut’ – Kindheit in Südtirol, das ich von meinem Schwager zum Geburtstag bekommen habe. Ich bin schon sehr gespannt, denn ich bin ja in Südtirol nur angeheiratet und konnte anfangs mit dem Land nicht soviel anfangen, vor allem, weil ich beim ersten Besuch die Menschen überhaupt nicht verstanden habe. Also ihre Sprache. Und auch sonst… Das hat sich mittlerweile geändert und meine drei Monate dort haben mich dem Land sehr viel näher gebracht, vieles verstehe ich dort nun viel besser. Und das Buch wird vielleicht noch einiges weiteres erhellen.

Gerade verschenkt habe ich Andrea Maria Dusls So geht Wien, das ich dann aber auch lesen mag. Es beschäftigt sich, wie der Titel schon sagt, mit Wien und den Dingen, die man sogar als Ur-Wiener vielleicht nicht weiß. Laut Dusl ist Wien, “die Stadt mit den meisten Klischees pro Quadratzentimeter”, sie nennt 24 Kriterien, die einem Wiener zu einem Wiener machen, und sagt gleich, dass diese Liste gerne vom Leser durch eine gleichwertige ersetzt werden kann. Darüber mach ich mir mal Gedanken. Außerdem erklärt sie, dass Schönbrunn eigentlich rosa sein sollte und, wer Jack und Joe und Jill sind. Ich bin schon recht neugierig auf das Buch.

Weitere to reads der nächsten Zeit:

Hierbei handelt es sich übrigens nicht um einen sponsored post. Leider. Harhar.

Allein, alleiner, alleinerziehend

Im Moment habe ich einige Bücher (teils virtuell) auf dem Nachtkästchen liegen. Gerade hab ich Christine Finkes Erstling Allein, alleiner, alleinerziehend fertiggelesen.

Ich bin zwar nicht alleinerziehend, kenne Finke allerdings von ihrem Blog Mama arbeitet und lese sie dort sehr gerne. Sie berichtet auf dem Blog und auch ihrem Buch von ihrem Alltag als Alleinerziehende mit drei Kindern. Finke gehört zu den Alleinerziehern, die komplett auf sich gestellt sind, da der Vater seinen Verpflichtungen quasi nicht (abgesehen von einer Woche im Jahr) nachkommt, die Großeltern leben weiter entfernt und sind auch schon älter, sie hat also kein Backup für den doch oft aufreibenden Alltag mit Kindern.

Außerdem ist sie selbstständig tätig. Auch beruflich fehlen also gewisse Sicherheiten. Andererseits, und das schreibt Finke selbst, wäre es in ihrer Situation auch schwierig, ein Angestelltendasein zu führen, denn die Kinder haben natürlich oft frei und/oder sind krank, verletzten sich, können aus vielerlei Gründen nicht in ihre Betreuungseinrichtungen. Als Selbstständige (das ist auch meine Erfahrung) hat man da einen Vorteil, wenn gleich sich nähernde Deadlines, Akutprojekte und ähnliches einen manchmal ebenfalls ganz schön unter Druck setzen können.

5130Qv6yIeL._SX313_BO1,204,203,200_

Trotz des schwierigen Themas liest man Finkes Buch fast in einem Rutsch durch und das liegt an ihrer Schreibweise, die so locker-leicht ist, wie man sie gerade hier nicht wirklich erwartet. Finke hat, trotz aller Schwierigkeiten, ihren Humor und die Liebe zum Leben nicht verloren, wenngleich sie auch nicht beschönigt, dass ihre Situation sie oft an die Grenzen des Erreichbaren führt. Denn wenn man schon als herkömmliche Mutter kaum krank werden kann, abendliche Ausgänge oft generalstabsmäßig geplant werden müssen und man immer den Kopf voll mit to do Listen hat, so ist es bei Finke naturgemäß (3 Kinder, kein Geld für Babysitter) fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich hoffe, dass Finkes Buch dazu beitragen wird, die Leistungen von Alleinerziehenden nicht nur mehr zu schätzen und nicht über ihre Lebenssituation zu urteilen – tatsächlich ist niemand gefeit davon, irgendwann mal in diese Lage zu kommen – sondern auch den Familienbegriff dahingehend zu erweitern, dass sie als vollwertige Familien gelten, ebenso wie die klassische Vater-Mutter-und-zwei-Kinder Konstellation.

Aufgrund der leichten Lesbarkeit des Buches und Finkes Stil generell würde ich mich freuen, bald einen Zweitling zu lesen.

Greg-Mania

Zum ersten Mal hab ich von Gregs Tagebuch vor ein paar Jahren gehört, als der Sohn einer Freundin davon schwärmte. Dann kam vor einigen Wochen das Nachbarskind damit. Und nun ist der Hype (zurecht, meiner Meinung nach) bei uns angekommen.

Das gipfelte darin, dass das Kind gestern Band 3 an einem Tag ausgelesen hatte und wir deshalb – am Sonntag! – zu Thalia Wien Mitte mussten, um Nachschlag zu besorgen.

Wie man sieht, gibt es dort einen eigenen Greg-Tisch:

14.02.16 - 1

Greg 4 wurde heute komplett verschlungen, Band 5 und 6 haben wir jetzt noch vorrätig.

Brunetti – weiter gehts

Nachdem ich mittlerweile bei Fall 21 angekommen bin, ist es an der Zeit, Resümee über Fall 11 bis 20 zu ziehen.

Ich habe ja nach dem 10. Fall, der ungewohnt actionreich war gedacht, dass dieser Trend möglicherweise in den folgenden Büchern beibehalten wird. Dem war nicht so. Absolut nicht. Im Gegenteil, die Actionkurve zeigt in den folgenden Romanen steil nach unten. Und teilweise habe ich mir, so jetzt im Rückblick, nicht mal mehr genau gemerkt, wer im jeweiligen Fall letztendlich der Täter war. Was nicht unbedingt so schlimm ist, liest man die Leon-Romane in erster Linie für Gesellschaftskritik, die Beschreibung der Abendessen im Hause Brunetti und wegen des venezianischen Flairs, was immer gelingt. Außerdem lese ich die Krimis immer zum Einschlafen…

Mein Lieblings-Brunetti diesmal ist Nr. 19 ist Auf Treu und Glauben, im Zuge dessen Handlung sich Brunetti eigentlich auf dem Weg nach Südtirol befindet, um dem heißen August in Venedig zu entfliehen. Leider schafft er es noch nicht mal bis Bozen, wegen eines Mordfalles wird er zurückbeordert, genau wie Vianello, der mit seiner Familie in Kroatien urlaubt. Den Fall fand ich dann sogar erstaunlich spannend und komplex

Auch die Fälle 18 (Schöner Schein) und 20 (Reiches Erbe) fand ich sehr gelungen, ebenso wie den Fall 21, den ich jetzt gerade lese, man könnte also sagen, dass sich Frau Leon nach ein paar kleineren Durchhängern für mich wieder zu neuen Höhen emporschwingt.

Leider bleiben mir nach dem aktuellen Band nur noch drei Brunettis zu lesen. Panik!!!

Oh Paola

Ich bin immer noch bei den Brunetti Krimis, hab gerade Fall 14 abgeschlossen. Im Moment brauche ich für ein Buch ziemlich lange, weil ich abends nur ein paar Seiten lese, bis mir im Bett die Augen zufallen.

Jedenfalls frage ich mich: gibt es irgendwo einen “Ich finde Signora Brunetti ur nervig” Club oder eine Facebookgruppe dazu? Mir geht die Ehefrau von Guido jedenfalls mehr und mehr auf den Zeiger. Warum das?

Paola ist ungefähr so alt wie Guido, also so Mitte vierzig, die beiden haben zwei Kinder im frühen und späten Teenageralter. Paola stammt – im Gegensatz zu Guido – aus sehr wohlhaben Verhältnissen, sie ist die Tochter von Conte Falier. Paola arbeitet auf der Uni und lehrt englische Literatur. Einerseits gibt sie sich liberal, etwa, wenn sie sich für Frauenrechte einsetzt oder gegen die Kirche wettert, andererseits ist sie nicht sehr tolerant, was andere Meinungen betrifft. Sie ist schon der Ansicht, dass sie selbst die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und das sollte ihr Gegenüber eigentlich stets zu schätzen wissen.

Manchmal verhält sie sich auch recht naiv, bzw. wie ein “typisches” verwöhntes Kind aus gutem Haus. Zum Beispiel im Buch In Sachen Signora Brunetti, als sie Selbstjustiz an einem Reisebürobesitzer übt, der Sextourismus mit Minderjährigen anbietet. Ihr Zorn ist ja zu verstehen, aber muss sie deshalb mehrmals Pflastersteine in die Auslage des Reisebüros werfen? Macht sie sich mehr als fünf Sekunden darüber Gedanken, dass sie damit die Anstellung ihres Mannes gefährdet? Wäre sie nicht Erbin eines beträchtlichen Vermögens, würde sie vielleicht etwas mehr Angst vor Konsequenzen haben, und ihre berechtige Kritik etwas anders artikulieren?

Kochen kann sie allerdings fabelhaft; wenn sie mittags* zuhause ist, gibts schon da ein dreigängiges Menü für die Familie, sonst erst abends. Ach ja und was ich mich schon länger frage: Hat sie nicht eigentlich den falschen Nachnamen und müsste Signora Falier heißen? Denn in Italien nehmen Ehefrauen normalerweise nicht den Namen ihrer Männer an.

* Die Mittagspause von Guido Brunetti dauert manchmal gut und gerne drei Stunden, Mittagessen, ein kleines Schläfen, um 15 Uhr dann zurück in der Questura, wo er dann noch so drei Stündchen arbeitet.

Brunetti so far

Nach den ersten 10 Brunettis von Donna Leon ist kurz einmal Zeit, um eine erste Bilanz zu ziehen.

Vorneweg: ich habe alle gerne gelesen, und ich bin froh, dass noch 15 Fälle auf mich warten, denn ein bisschen bin ich süchtig nach Donna Leons Comissario, nach seinem Wirkungskreis Venedig und seinen Ermittlungen, wobei die Fälle gar nicht sonderlich spannend sein müssen (und in der Regel auch nicht sind), um mich zu überzeugen.

Dazu gibt es zwei Ausreißer: Fall 6 (Sanft entschlafen) ist wirklich etwas, äh langsam. Nach 78 Prozent Lesefortschritt am Kindle war noch nicht mal klar, ob es einen “Fall” gibt und am Ende war ich mit der Auflösung nicht wirklich sehr glücklich, bzw. blieb etwas ratlos zurück. Aber vielleicht wollte Leon auch zeigen, dass Kriminalfälle eben manchmal so sind. Beiläufig und unspektakulär. Falls sie das wollte, ist es hervorragend gelungen, harhar. Fall 10 (Das Gesetz der Lagune) dagegen ist am Ende extrem mitreißend, das ist pure Action. Sehr überraschend. Ich bin neugierig, ob das sich dieser Trend in Zukunft fortsetzt.

Meine Lieblingsfälle bis dato sind Fall 1 (Venezianisches Finale), Fall 3 (Venezianische Scharade) und eben Fall 10. Fall 8 (In Sachen Signora Brunetti) hat mich etwas wütend auf Brunettis sonst so beeindruckende Frau Paola gemacht, aber in den letzten zwei Büchern hat sich diese Emotion wieder verflüchtigt.

Meine Lieblingsfigur abgesehen von Brunetti ist allerdings die Sekretärin von Vice-Questore Patta, Elettra Zorzi. Knapp vor Sergente Vianello, den wohl jeder gern hat.

Ich freue mich auf die nächsten 15 Bände!

Being Guido Brunetti

Mittlerweile bin ich bei Commissario Brunettis fünftem Fall in Venedig angekommen, also hab ich ja noch knapp zwanzig vor mir.

Ich mag Guido Brunetti einfach, und wie unaufgeregt, gleichzeitig aber sehr korrekt und kultiviert er seine Fälle in Venedig löst. Wenn man ein Fan davon ist, dass der Verbrecher am Ende seine gerechte Strafe bekommt, dann sind die Donna Leon Krimis aber vielleicht nicht das richtige. Und das nicht, weil Brunetti ein schlechter Kommissar ist – im Gegenteil, er findet den oder die Täter bisher immer – dennoch ist es durch die mafiösen Strukturen in Italien nicht automatisch so, dass die Verantwortlichen auch zur Rechenschaft gezogen werden können. Es gibt immer jemand Höheren, der die Fäden zieht und das oft zu verhindern weiß, wenn es irgendjemand noch Höherem nicht behagt…ich hoffe persönlich inständig, dass das pessimistische Bild der italienischen Exekutive und Legislative stark überzeichnet ist. Sehr stark.

Ansonsten mag ich die detaillierten Venedigbeschreibungen, die echt spannend sind, wenn man die Stadt kennt und sich dort auch schon dutzende Male verlaufen hat, ja zwanzig Minuten im Kreis gerannt ist, nur am Ende wieder am selben Ausgangspunkt zu stehen; und ich mag den trockenen Humor der Bücher –

Einmal etwa legt Brunetti einem Zeugen diverse Fotos vor, dieser blättert sie durch und meint, die sehen alle aus wie Verbrecher; sein Kunde hätte den Eindruck seines rechtschaffenen und seriösen Bürgers gemacht, so wie ein Politiker. Darauf denkt Brunetti: Ist dieser Mann wirklich gebürtiger Italiener?

Einmal drapiert Frau Brunetti zuhause Tomaten im Kreis zwischen Mozerella auf einem Teller, Brunetti kommt nachhause und fragt: “Gibt es heute etwas Caprese zum Abendessen?” und seine Frau antwortet ihm: “Es wundert mich nicht mehr, dass du zur Polizei gegangen bist.”

Ach ja, eine Menge Italienisches steckt auch in den Bücher, also abgesehen von Venedig, dem Essen, dem Café, und den großen Gesten. Es sind zahlreiche italienische Ausdrücke und auch Sätze eingestreut. Wenn man nicht Italienisch kann, macht das aber auch nichts. Das meiste wird übersetzt oder umschrieben. Oder man erfühlt einfach, was gemeint ist.

Il Tedeco/ La Tedesca

Auf Twitter kann man sich mitunter auch gute Buchtipps holen. So bin ich auf die Autorin Chiara Ravenna gestoßen, die ihre Bücher zu einem sehr fairen Preis auf Amazon vertreibt (& auch gerne und pointiert twittert).

Chiara Ravenna ist Italienerin aus der Emilia Romagna und erzählt in ihrem ersten Werk Il Tedesco ihre Familiengeschichte, wie sie zu ihrem Beruf der Restaurateurin kam, was das alles mit Deutschland zu tun hat, und noch sehr vieles mehr. Da liegt auch gleich das kleine (!) Manko des 1. Teils begründet. Ravenna hat einen wunderbaren Schreibstil, sie vermittelt authentisches Italien-Feeling, und ihr Text ist so leicht wie eine Sommerbrise an der Adria, allerdings will sie in Il Tedesco etwas zuviel erzählen und nicht alles wird zuende geführt oder plausibel gemacht. Der titelgebende Deutsche (“Tedesco”) spielt nicht unbedingt die Hauptrolle. Wenn man darüber hinwegsieht, ist es allerdings die perfekte Strand- oder Abendlektüre.

index

In Teil 2, La Tedesca, ist es Ravenna meiner Ansicht nach besser gelungen, einen Text wie aus einem Guß zu produzieren, weil sie mehr im hier und jetzt bleibt und sich stärker auf einen Handlungsstrang konzentriert. Obwohl der zweite Roman großteils in München spielt, ist er genauso italienisch wie sein Vorgänger. Zwar wird auch hier nicht restlos alles “auserzählt”, aber das tut der Lesefreude keinen Abbruch, zumindest für mich nicht. Ich kippe leicht in die von der Autorin vermittelte Welt hinein, und genieße es, für ein paar Stunden quasi Teil davon zu sein.

Allerdings, Achtung: Bei Ravennas Bücher bekommt man immer Hunger – sie schildert alle paar Seiten detailreich italienische Menüfolgen (Antipasti, Scampi, Pasta Vongole, Meeresfisch in allen Variationen, usw, seht Ihr, was ich meine?); und wenn man gerne Wein trinkt (was auf mich – hier gottseidank – nicht zutrifft), schenkt man sich zur Lektüre sicher hin und wieder einen guten Rotwein ein. Von reichlichem Caffe-Konsum ganz zu schweigen. Als Abschluß trinkt die Autorin meist Limoncello. Auch den könnte man wohl mal probieren…

Nachdem ich nun beide Romane beendet habe, wünsche ich mir eigentlich so schnell wie möglich ein Nachfolgebuch. Und angeblich arbeitet die Autorin daran auch schon mit Hochdruck. Fahre im Juli an die Adria. Bitte – danke. Harhar.