Letztens ist mir ein Facebookbeitrag hereingespült worden, von jemandem, den ich gar nicht wirklich kenne bzw nur um die Ecke. Dieser Jemand, ein älterer Mann, der seit Jahren keinen Kontakt zu seinem erwachsenen Kind und demzufolge auch zu seinen Enkeln hat, schrieb, es wäre nun, da seine Frau sehr krank ist, sei vielleicht ein Treffen angedacht, nach vielen Jahren des Schweigens.
Natürlich gabs dann dutzende Kommentare dazu und einer schrieb, er würde diesem Mann alles glauben, seine ganze Geschichte, wenn er diese erzählen würde. Da hab ich mir gedacht schon interessant. Ich verstehe nicht mal die Familiendynamiken mit meinen eigenen Eltern genau (harhar), aber es gibt offenbar Leute, die trauen sich zu, die Geschichten von anderen Menschen beurteilen zu können.
Ich habe meinen Papa vor seinem Tod ja ebenfalls einige Jahre nicht gesehen – wenn es auch kein völliger Kontaktabbruch war. Grund gab es keinen, zumindest wurde mir keiner genannt. Telefoniert haben wir ab und zu. Ich weiß, dass sich Menschen dazu ein Bild machen, auch über mich. Aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Und damit meine ich nicht nur, ich konnte keine Treffen mehr vorschlagen oder Einladungen aussprechen, die dann nicht angenommen werden oder nur schnell “absolviert”. Vor allem konnte ich nicht mehr so tun als wäre ich die Tochter, die ich vielleicht sein sollte, die er sich wahrscheinlich vorgestellt hatte. Ich bin ihm nicht böse. Ich bin aber auch mir selbst nicht (mehr) böse, dass ich keine andere bin.
Letztens als P. da war, erzählte sie, dass sie am Vortag geweint hatte, weil ihr Papa seinen Monats-Sterbetag hatte – er ist noch kein ganzes Jahr tot – und wie sehr sie ihn vermisst. Und das ist traurig, aber auch schön, weil es von einer sehr guten Beziehung erzählt. Und das alles existiert nebeneinander, es macht das Leben schwierig und schmerzlich, aber auch vielschichtig, rätselhaft und interessant.
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