almis personal blog

Jim

Aus ganz aktuellem Anlass, meine Jim Jarmusch Collection.

Da war er noch jung. Und ich auch harhar.

Ich habe wirklich viele, viele Stunden mit den dialog- und handlungsarmen Filmen von Jim Jarmusch zugebracht, ich kenne fast alles. In einer Rezension zu seinem Film Paterson habe ich mal gelesen, es passiere “peinigend wenig” in diesem (harhar) und das charakterisiert in weiten Teilen sein Gesamtwerk.

Am meisten los war vielleicht in der Italien-Sektion von Night on Earth, das ist wahrscheinlich auch sein bekanntester Film, in dem Jarmusch nächtliche Taxifahrten in fünf verschiedenen Städten schildert, Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. Und in Rom ist halt der Taxifahrer Roberto Benigni und wer 1999 seine Oscarrede gesehen hat, kann sich den Hyperaktivitätslevel vielleicht vorstellen.

Mit Benigni drehte Jarmusch öfter, so wie auch mit Bill Murray, Tom Waits oder in letzter Zeit Adam Driver. Jarmusch ist ein richtiger Independent Regisseur, er behält die Gesamtkontrolle an seinem Werk, jeder Film ist quasi ein Director’s Cut. Und ich mag an ihm das Sperrige, sein Interesse für Gegenkultur, dass er mal Lyriker war (bzw ist) und dass ich immer das Gefühl habe, er macht die Filme, die er will, relativ egal, wie viele Leute das sehen wollen. Das finde ich sehr sympathisch und auch ok, wenn ich selbst manchmal weniger damit anfangen kann.

Jetzt habe ich schon ziemlich lange nichts mehr von ihm gesehen, weil es auch nur alle vier, fünf Jahre einen neuen Film gibt. Ich weiß nicht, ob ich ihn noch so rezipiere wie das mit 25 oder 30 Jahren der Fall war, also bin ich umso gespannter auf Father Mother Sister Brother, den Film, mit dem er heute Abend den goldenen Löwen in Venedig gewonnen hat.

Lange Leitung

Bisher lag meine längste Leitung bei irgendwas fünfeinhalb Monate, da ging es um Bruce Willis und seine Tochter Mabel.

Bruce Willis hatte nämlich 1997 einen Gastaufritt als er selbst in der Serie Mad about you. Er ist im Krankenhaus auf der Flucht vor Paparazzi. Am WC trifft er Paul, die männliche Hauptfigur aus Mad about you, der gerade auf die Geburt seines Kindes wartet und noch keinen Namen für das Mädchen hat. Er fragt Bruce Willis aus Inspirationsgründen wie denn seine Töchter heißen und Willis antwortet: “Rumer, Scout und Tallulah-Belle”. Und daraufhin Paul: “Ok, es wird uns schon noch etwas einfallen.” Harhar. Schlussendlich nannten sie das Mädchen dann Mabel. Im Jahr 2012 wurde Bruce Willis “in echt” noch einmal Vater einer Tochter und nannte diese, richtig: Mabel. Auf diesen Zusammenhang bin ich aber eben erst fünfeinhalb Monate später gekommen und zwar out of the blue, als ich gerade kochte oder so.

Nun habe ich eine neue längste Leitung, circa von irgendwann in den 1980er jahren bis heute. Harhar.

Heute lese ich nämlich so über den neuen Film von der superen Emmerald Fennell, der Wuthering Heights heißt und eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Emily Brontë ist. Er heißt auf deutsch Sturmhöhe, ich kenne den Roman aber nur vom Titel her. Jedenfalls lese ich dann so über den männlichen Protagonisten im Roman und Film namens Heathcliff, der von Jacob Elordi dargestellt wird.

Und dann überlege ich so und denke mir, hm, Heathcliff ist ja nicht so ein bekannter Name, zumindest nicht für uns deutschsprachige Menschen, den kenne ich doch aus einem Song. Ach ja, aus dem einem Song von Kate Bush, wie heißt der Song schnell nochmal….

….ja richtig, er heißt Wuthering Heights.

Also seit heute ist mir klar, dass Kate Bush’ Song Wuthering Heights tatsächlich von dem Roman handelt. Wer hätte das gedacht?? Nun vermutlich eh jeder außer mir, harhar, Gratulation.

Ein wenig Leben – Epilog

Noch etwas, was ein bisschen mit Ein wenig Leben zu tun hat, aber nur im Ansatz.

Das Titelbild des Romans zeigt das Foto “Orgasmic Man” von Peter Hujar. Ich finde ja eher, dass es nach Schmerz aussieht, aber Schmerz und Lust liegt ja manchmal auch nahe beieinander. Jedenfalls lese ich so den Namen Peter Hujar und plötzlich hatte ich so ein Aha-Erlebnis.

Denn: Der Regisseur Ira Sachs bringt heuer noch einen Film names Peter Hujar’s Day heraus. Sein Film Passages hat mich vor zwei Jahren so begeistert, dass ich ihn bei unserer Uncut Filmwertung auf Platz 2 des Jahres 2023 gesetzt habe (nach Oppenheimer und im kompletten Kontrast zu diesem). Ich mag Sachs’ Themen, den Look seiner Filme und ich mag seine Art, Charaktere zu porträtieren (auch den Orsch Peter Rogowski in Passages, boah ich hab ihn so gehasst harhar) Und der Trailer von Peter Hujar’s Day hat mir ur gut gefallen. Nur dachte ich bisher, das wäre eine fiktive Person, was doch eher peinlich ist und eine Bildungslücke ausweist. Aber naja.

Eigentlich sollte Peter Hujar’s Day beim Queerfestival im Votivkino laufen, aber anscheinend hat man sich das anders überlegt. Ich hoffe sehr, dass er einen normalen Kinostart bekommt, weil er beleuchtet, Nomen est Omen, einen Tag im Leben von Hujar (dargestellt von Ben Whishaw, der auch in Passages dabei war, aber als Sympathieträger) – Peter Hujar trifft die Autorin Linda Rosenkrantz in ihrem Apartment und wird von ihr gebeten, minutiös alles zu protokollieren, was er am 18. Dezember 1974 gemacht hat.

Im Trailer sagt Whishaw als Hujar: “I often have a feeling that in my day nothing much happens and I wasted it”. Und Rosenkrantz antwortet: “That’s why I’m doing this actually, to find out how people fill up their day.”

Ich finde das so interessant, ich muss diesen Film unbedingt sehen.

Die Rosenschlacht

Gestern war ich dann noch im Kino und habe The Roses (Die Rosenschlacht) gesehen, das ist der neue Film von Regisseur Jay Roach, den wir schon von den Austin Powers und den Meet the Parents Filmen kennen. Er ist eine Art von Remake oder eher Neuinterpretation des Filmes The War of the Roses (Der Rosenkrieg) aus dem Jahr 1989, beruhend auf dem Roman von Warren Adler.

Hier folgen wir den beiden Engländern Ivy (Olivia Coleman) und Theo (Benedict Cumberbatch), die sich Knall auf Fall verlieben und gemeinsam nach Los Angeles auswandern, dort eine Familie gründen. Theo, ein erfolgreicher Architekt, schenkt seiner Frau, einer Köchin, die ihre Karriere für die Kinder zurückgestellt hat, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs ein kleines Restaurant am Strand, mit dem sie sich selbstverwirklichen soll. Doch dann ändern sich die Vorzeichen, Theo verliert seinen Job in dem Moment, in dem Ivy mit ihrem Business richtig durchstartet…

ACHTUNG SPOILER MÖGLICH

Ich bin ehrlich, ich mag Coversongs meistens nicht besonders, weil sie, m.E. dem Original kaum je einmal das Wasser reichen können, und nichts neues oder anderes hinzufügen, was ich im Ausgangsmaterial vermisst hätte. Und je mehr ich den Originalsong mag, umso weniger natürlich. Ganz ähnlich geht es mir mit Remakes auf dem filmisches Sektor und dieses Phänomen erkenne ich hier wieder. Auch wenn ich jetzt kein riesen Fan von The War of the Roses bin, weil es – wie bei vielen schwarzen Komödien – mehr um das “wie” als um das “warum” geht. Also wir erfahren im 1989er Film mit Michael Douglas und Kathleen Turner nicht, warum die Ehe nicht funktioniert, wir sehen aber zwei Stunden wie sehr sie das nicht tut.

Bei The Roses ist es ein bisschen anders. Denn im Gegensatz zu den von Douglas/Turner verkörperten Personen sind Ivy und Theo beide grundsätzlich sympathische Menschen (es ist viel schwerer, Michael Douglas sympathisch erscheinen zu lassen als als Monster harhar). Sie sind auch länger glücklich in diesem Film, sie scheinen viel besser zusammenpassen. Sie haben mehr ein Problem mit den äußeren Umständen als mit sich selbst. Und das ist gleichzeitig auch der Knackpunkt, denn ein bisschen fragt man sich schon, woher dann plötzlich das ganze Drama kommt, das zwangsläufig kommen muss. Nicht, dass es nicht sein kann, dass die beiden sich auseinanderleben und trennen, aber dieser ganze Hass und die Dunkelheit, die wir aus dem Original kennen, finden wir hier nicht vor. Theo und Ivy wirken wie zwei Menschen, die einigermaßen zivilisiert auseinandergehen würden.

Also muss am Drehbuch geschraubt werden und zwar in der Weise, als dass es auch hier im Endeffekt um das Haus geht, um das beide kämpfen. Im Original war das Haus eine Metapher für “ich gönne dir absolut nichts”, während hier das Haus von Theo selbst entworfen und in vielen Jahren gebaut wurde. Damit wird klargemacht, wie wichtig es ihm ideell ist. Aber dennoch hatscht das Ganze ordentlich, die Prämisse bleibt zu unscharf. Natürlich gibt es ein paar witzige Szenen, es gibt ein paar wirklich gute Nebenfiguren, aber dieses Hybrid aus düster und gleichzeitig familientauglich funktioniert nicht wirklich.

Verteidigt wird die Insitution der Ehe an sich kaum – außer als eine Konstruktion, um im Alter nicht allein sein. Aber es wäre nur eine Frage der Zeit, bis man sich einfach nur noch nervt, bestenfalls irgendwie nebeinenanderherlebt; oder wie Theos Freund Barry sagt: “When we were younger, I knew what she was going to say before she said it. Now I don’t know what she said after she said it.” Da hatte Danny de Vito im Original als Scheidungsanwalt (!) noch eine optimistischere Perspektive. Und über Scheidungen zog er folgendes, recht geschäftsschädigendes, Fazit: “There are no winners in a divorce, only different degrees of losing.”

Filmfragen, Addendum

Noch ein Nachtrag zum Filmpodcast.

Es wurde auch über letterboxd, die Film App gesprochen, die ich selbst auch nutze. Ich weiß a) nicht, warum sie diesen Namen trägt, Hinweise erbeten und b) finde sie wirklich extrem un-intuitiv (harhar) und tue mir immer schwer, dort Sachen einzutragen und teilweise auch zu finden, wieder mal super Werbung hier, harhar. Aber sie ist toll als Filmtagebuch, zum Lesen, was andere User zu Filmen sagen, zum Anlegen einer Watchlist für zukünftige Filme und vieles mehr.

Auf seinem Profil soll/kann man seine Top 4 Filme eintragen, das ist das Ding von letterboxd, immer die Zahl vier, nicht fünf. Und das ist natürlich extrem schwierig. Wie soll man unter allen tollen Filmen vier auswählen? Ich habs jetzt aber trotzdem, inspiriert von Pia Reiser, gemacht, aus dem Bauch heraus.

Folgt mir gern alle, ich hab eh erst zwei Follower oder so harhar

Ok, also David Fincher ist dabei, der, laut Pia Reiser, Schutzheilige des FM4 Filmpodcasts, mit seinem renitenten Meisterwerk und Brad Pitts, laut eigener Aussage, bestem Film und ich würde ihm nie widersprechen. Natürlich Fellini in seiner ganzen Surrealität und Absurdität und einer Reflexion übers Filmemachen, plus der Marcello Mastroianni Sexyness. Mit La La Land auch der Film, von dem mein Kind glaubt, dass es in Wahrheit mein Lieblingsfilm ist, weil ich ein Plakat und eine Tasche davon habe. Und er ist sicher mein sentimentaler Favorit.

Und dann noch der Film, der auch eine Frage von Montag beantwortet, nämlich: Was ist der beste Einsatz von Musik in einem Film? Das ist für mich der Moment, in dem Bill Murray und Scarlett Johansson in einer Karaokebar sind und Murray das Mirko gereicht wird, damit er More than this von Roxy Music vorträgt. Und er singt es nicht eitel und gockelhaft wie Bryan Ferry, sondern irgendwie demütig und verletzlich und brüchig und alleine die Blicke, die er und Johansson sich in dieser Szene zuwerfen, erzählen mehr als andere Filme in 100 Minuten.

Filmfragen

Die gestrige 300. Folge des FM4 Filmpodcast, bestehend aus Fragen an die Moderatoren Pia Reiser und Christian Fuchs war tatsächlich, wie erwartet, sehr hörenswert.

Neben den üblichen Ranking-Fragen: Nennt eure Lieblingsfilme aus jedem Jahrzehnt, beginnend mit den 1920er Jahren, puh, gab es auch einiges, worüber ich selber dann mehr oder weniger lang nachgedacht habe. Beispielweise die Frage: Bei welchem Film ist dir erstmals die Bedeutung der Kamera(arbeit) aufgefallen? Fuchs sagte Kubrick (The Shining), Reiser sagte Hitchcock und mir ist da sofort Pulp Fiction von Quentin Tarantino eingefallen. Als ich den nämlich mit 19 Jahren gesehen habe, war ich total verwundert und fasziniert. Wieso stellt Tarantino manchmal die Kamera gefühlt drei Zimmer weiter weg und filmt seine Protagonisten von da, anstatt einfach nahe ran zu gehen. Man sieht sie ja kaum, man muss sich anstrengend, sie zu hören. Aha-Erlebnis, ah dort kann man die Kamera also auch hinstellen und es macht was mit der Szene.

Dann gab es die Frage nach dem Lieblingsfilm einer weiblichen Regisseurin. Es ist tatsächlich spannend, dass es immer noch vergleichsweise recht wenige Regisseurinnen gibt, aber mir ist da – wie Christian Fuchs – natürlich sofort Lost in Translation eingefallen, weil der ohnehin zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Leider hat Coppola, aus meiner Sicht, nie wieder so ganz an die Magie dieses FIlmes aus dem Jahr 2003 anschließen können. Ich mag auch Greta Gerwigs Filme sehr gerne, aber eher weniger Barbie, sondern die davor. Gerwig ist auch eine Wunschgästin für den FM4 Filmpodcast für Pia Reiser. Mag bisschen utopisch klingen, allerdings war kürzlich tatsächlich auch schon Richard Linklater via Zoom zu Gast.

Und wenn wir schon bei ihm sind, Linklaters Before Sunrise hat Pia Reiser insofern verkorkst, sagt sie auf die Frage, welche Filme einen verkorkst haben, als sie durch den Film den Eindruck hatte, dass es sehr oft im wahren Leben Begegnungen wie diese gibt, dieses miteinander reden für viele Stunden, das so selbstverständlich und intim und besonders ist. Und, sagt Reiser, im tatsächlich Leben nicht sooft vorkommt, dass man mit einem Menschen so reden kann. Anmerkung von mir: Das stimmt, aber wenn es passiert, kann einem niemand diese Erinnerung nehmen. Anmerkung 2: Linklater lässt, soweit ich mich erinnere, sogar einen der beiden Protagonisten genau dieses Faktum in Before Sunset feststellen.

Der am meisten überbewertete Film? Da fallen Reiser gleich mal so heilige Kühe wie Star Wars und die Herr der Ringe Trilogie ein. Fuchs wundert sich über The Shawshank Redemption, ein Film, der seit 2008 (!) auf Platz 1 der “Bibel”, der Internet Movie Database rangiert, als bestbewertester Film. Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe es auch nicht ganz. Der Film ist schon ok. Er spricht starke menschliche Emotionen an, die besagen, jemandem, der unschuldig im Gefängnis sitzt, muss Gerechtigkeit widerfahren und deshalb ist man da so “invested”. Tim Robbins und Morgan Freeman spielen gut. Aber dennoch, Platz 1? Ich habe schon mehrere Essays gelesen, die mir dieses Phänomen erklären wollten, aber keines hat mich vollkommen überzeugt. Auf Platz 2 ist übrigens, auch schon seit Jahrzehnten, The Godfather Part 1 und das ist dann doch nachvollziehbarer.

Am Ende ging es dann noch um die Frage, welchen Film sollte man nicht beim ersten Date sehen? Pia Reiser: “Ich würde sagen, Amour von Michael Haneke. (Pause) Oder gar keinen Film von Haneke. (Pause) Bei gar keinem Date.” haharhar.

Materialists

So, nun zum schon angeteasterten Film Materialists, dem zweiten Film von Celine Song, der den generischen deutschen Titel Was ist Liebe wert trägt und eine Rom-Com sein soll.

Die Geschichte dreht sich um die materialistische Lucy (recht überzeugend: Dakota Johnson), die als Vermittlerin in einer Partneragentur tätig ist und sich vor einiger Zeit vom mittellosen Schauspieler John (recht ok: Chris Evans) getrennt hat, weil er, nun ja, mittellos ist. Im Zuge ihrer Tätigkeit lernt sie Harry (recht unspektakulär: Pascal: Pedro Pascal), einen Millionär, der sich für sie interessiert, kennen…

ACHTUNG MASSIVE SPOILER!

Was soll man sagen. Zuerst mal das augenfälligste: Dieser Film ist – im Gegensatz zu Past Lives – sowas von gar nicht “perfekt”. Harhar. Er ist aber auch leider weder eine Romanze noch eine Komödie und im Grunde weiß ich nicht, was uns Celine Song mit ihrer Arm/Reich-Parabel sagen will, was nicht Nestroy oder Oscar Wilde uns schon um einiges eloquenter und tiefgründiger erzählt haben. Ja, anderes Jahrhundert, aber!

An Materialists ist die Emanzipation der Frau tatsächlich irgendwie spurlos vorbeigegangen und, was noch erstaunlicher ist: Lucy verdient, laut eigener Aussage, 80.000 Dollar im Jahr und “bräuchte” daher überhaupt keinen reichen Mann. Aber anscheinend kann man eine Karriere haben und gut verdienen und trotzdem sucht man jemand, der noch viel begüteter ist, ich mein, warum? Ich verstehe auch diese Binarität nicht. John ist extrem pleite, Harry ist extrem reich. Die Mehrzahl aller Männer wird wohl eher in dem Bereich des “Normalen” liegen, aber anscheinend gibt es in der Welt dieses Filmes ausschließlich diese beiden Pole, zwischen denen sich Lucy nun entscheiden “muss”.

Lucy lässt sich von Harry mit nachhause nehmen und ganz ehrlich, wenn ich im Begriff bin, das erste Mal mit einem Mann zu schlafen und schon knutschend im Vorzimmer stehte, statt aber die Augen zu schließen, herumschaue, wie (teuer) seine Wohnung eingerichtet und wie groß sie ist, etcetera dann läuft IMO etwas ziemlich falsch. Das merkt Lucy schließlich auch und ist im Begriff zu John zurückzukehren und aber gleich noch ihre Karriere hinzuschmeißen. Ich mein, warum? Es könnte ja auch sie arbeiten im Jahr 2025, und er lebt sein brotloses Schauspielerleben weiter. Ich stehe wirklich komplett an bei dem, was uns dieser Film mitteilen möchte. Feministisch ist da nichts, mit Liebe hat es auch kaum was zu tun. Ab und zu ist es witzig, vor allem aber dann, wenn es um die Partneragentur geht.

Am allerschlimmsten fand ich die Szene, in der Lucy und John sich bei einer Hochzeitsgesellschaft einschleichen (er arbeitet auch im Catering). Abgesehen davon, das hier dieselbe Lichterkette wie bei Past Lives zum Einsatz kommt; hier haben wir ungefähr 60 Leute auf diesem Fest. Und diese 60 Leute sollen nun offensichtlich die Diversität der Gesellschaft abbilden. Wir haben hier Menschen praktisch aller Ethnien, Körperformen und Arten der Paarbeziehungen vertreten, die lesbische Standesbeamtin tanzt mit ihrem love interest (an ihrem Arbeitsplatz!) Warum? Es hat null mit der Handlung zu tun, es ergibt auch in sich keinen Sinn, ich behaupte, niemand hat einen so politisch korrekten Freundeskreis. Diese Szene erzählt nichts, sie will nur irgendeine “Haltung” vermitteln, haut einen dabei aber komplett aus dem Film raus. Please stop that shit. Harhar.

Also Fazit: Ganz anders als Past Lives, aber auf ganz andere Art überhaupt gar nichts meines.

Materialists, davor

Es wäre ja anzustreben, dass man vor einem Film überhaupt keine Meinung zu irgendwas (Darsteller, Regie) hat, aber das geht halt oft nicht wirklich. Bei Materialists hatte ich aber besonders viel davon, fast schon Vorurteile. Harhar. Und so werde ich das transparent machen, bevor ich den Film sehe.

Zuerst mal Dakota Johnson, Tochter von Don Johnson. Sie hat jetzt vielleicht kein extrem gutes Händchen, was die Wahl ihrer Projekte angeht oder es ist ihr einfach wurscht. Jedenfalls kennt man sie aus Fifty Shades of Grey und Madame Web, beides nicht gerade Sternstunden des zeitgenössischen Kinos. Das finde ich ein bisschen schade, weil sie durchaus so einen Indie-Appeal hat, wie man etwa in The Lost Daughter sehen konnte oder auch in A Bigger Splash – wobei das der Film von Luca Guadagnino ist, den ich am wenigsten mag.

Wie auch immer, dann haben wir noch Pedro Pascal. Pedro Pascal war auf einmal da, das ganze Internet sprach von ihm und ich wusste eigentlich nicht warum. Er hat vor allem in Serien gespielt, Film habe ich noch keinen von ihm gesehen. Er hat J.D.Rowling vor kurzem als “heinous loser” bezeichnet und ich finde das ginge vielleicht ein bisschen sachlicher, wenn man anderen seinerseits beleidigendes Verhalten vorwirft. Außerdem hat er gesagt, er muss bei offiziellen Anlässen immer seine Co-Schauspielerinnen anfassen und sich an ihnen festhalten, weil er so “anxiety” hätte. Und irgendwie finden das alle bei ihm süß und ich weiß nicht wieso, es ist im Grunde ziemlich übergriffig. Also sagen wir wie es ist, ich habe einen gewissen Argwohn gegenüber Pedro Pascal, harhar.

Und schließlich Celine Song. Die Regisseurin hat erst vor zwei Jahren mit Past Lives ihren vielgelobten Debütfilm abgeliefert. Es ging um eine Art Dreiecksbeziehung, über Kontinente hinweg, wenn man so will. Ich dachte mir damals, das ist ein Film für mich. Als ich ihn dann aber gesehen habe, war ich irgendwie ernüchtert. Er war zwar “technisch” sehr gut gemacht, aber ich habe einfach nichts gespürt, obwohl es so ein emotionales Thema war. Aber das Thema – eine junge Frau aus Korea, die inzwischen in den USA lebt und mit einem Amerikaner verheiratet ist, trifft ihre Jugendliebe wieder – wurde so abgeklärt und antiseptisch behandelt, dass es mich wirklich null erreicht hat. Ich habe mir dann gedacht, ich will gerade bei einem Debütfilm merken, dass da jemand noch struggelt, dass nicht alles rund ist, aber, dass der Film voller Leidenschaft und dem Gefühl ist, sich dringend der Welt mitteilen zu wollen. Wie beispielsweise Aftersun von Charlotte Wells, der kurz vor Past Lives herauskam. Das war ein Film, bei dem ich die ganze Zeit komplett ergriffen und auch in einer unbestimmten Erwartungshaltung war, als würde gleich etwas ganz Schlimmes passieren1. Und genau das liebe ich im und am Kino, dieses hineingezogen-werden.

Dann haben wir noch Chris Evans. Und Chris Evans hat Glück, ich kenne ihn überhaupt nicht, harhar.


  1. Ob etwas Schlimmes passiert? Schaut ihn an, harhar. Empfehlung. ↩︎

What We Do in the Shadows

Gestern gab es einen Patchworkfamilienausflug ins Kino. Das Votivkino feierte nämlich den 50. Geburtstag das Schauspielers und Regisseurs/Drehbuchautors Taika Waititi unter dem Titel Hari Huritau – was auf Maori soviel wie Happy Birthday heißt. Taika Waititi ist Neuseeländer. Und deshalb sahen wir What We Do in the Shadows, zu deutsch 5 Zimmer, Küche, Sarg. Außer dem Kind haben ihn alle bereits mindestens einmal gesehen – was, glaub ich, auch für die meisten Menschen im Publikum galt.

Bei What We Do in the Shadows handelt es sich um eine Mockumentary. Ein Kamerateam, dem für die Dauer der Dreharbeiten körperliche Unversehrtheit garantiert wurde (harhar), filmt eine WG aus Wellington, die aus vier Vampiren unterschiedlichen Alters besteht. Einer davon, Viago, ist Taika Waititi selbst und in der deutschen Synchro ist er ein Wiener. Wir sahen aber das Original und da ist er aus dem deutschsprachigen Raum, jedenfalls ein etwas naiver Dandy, aber sehr wohlmeinend. Ich mag ihn am allerliebsten. Viago ist etwa 400 Jahre alt, aus Europa der Liebe wegen gekommen. Petyr ist mit über 8000 Jahre der Älteste und richtig furchterregend. Deacon ist jung, noch nicht mal 200 und gilt als Rebell, er war früher auch ein Nazi; und schließlich Vladislav, ein überkandidelter Adeliger aus dem Mittelalter.

MILDE SPOILER!!

Wer sich jetzt denkt: What the fuck?! Oh ja, WTF und es ist so lustig, obwohl mein Interesse für Vampirfilme sonst eher überschaubar ist. Die erste Szene ist schon so genial, als Viago aus seinem Sarg(=Bett) “aufsteht”, man ist sofort in den Film hineingezogen.

Es werden die Probleme einer herkömmlichen WG geschildert – wer macht den Abwasch, vor allem blutiges Geschirr, wer beseitigt den “Müll” etcetera. Es wird gezeigt, wie die Vampire ausgehen, im Bus fahren, in traurigen Fast Food Lokalen sitzen. Die Outfits, die sich mit der tristen Umgebung spießen, sind so göttlich und das Problem bei Vampiren, über das man sich vielleicht noch wenig Gedanken gemacht hat: sie sehen sich nicht im Spiegel. Das bedeutet, sie wissen nicht, wie sie aussehen und deshalb zeichnen sie sich gegenseitig. Sie treffen auf die verfeindeten Werwölfe (wobei ich draufgekommen bin, dass ich über Werwölfe sehr wenig weiß). Außerdem erfährt man, was passiert, wenn Vampire versehentlich Pommes essen und das ist nicht schön. Generell habe ich mir noch nie so viel Gedanken über die recht schwierige Lebensweise dieser Wesen gemacht, wie bei diesem Film, was irgendwie auch interessant ist.

Der Film ist mit 83 Minuten eher kurz, was aber eine ziemlich gute Entscheidung ist, weil das Genre Mockumentary oft relativ schnell nervt, wenn man mal den Clou durchschaut hat. Waititi behilft sich damit, dass der typische Stil a la verwackelte Kamera nicht überstrapaziert wird und, dass auch eine tatsächliche Geschichte erzählt wird, die sogar richtig berührt. Das ist überhaupt das spannende bei diesem Werk, dass von Vampiren erzählt wird und Vampire tun eben, was diese tun, es ist also auch blutrünstig, aber trotzdem ist das so ein totaler Feelgood Film, das ist schon komisch, dass das überhaupt funktionieren kann.

Noch ein paar Worte zum Geburtstagskind: Ich finde ja, er sollte öfters auch schauspielen, er ist mühelos witzig. Seine Filmografie als Regisseur/Drehbuchautor ist ziemlich …eigen. Da gibt es eben diese kleinen Indie-Komödien – What We Do in the Shadows feierte seine Premiere bei Sundance. Dann dreht er aber auch viel für Marvel, Thor usw. was ihm auch einiges an Kritik von den Marvel-Fans einbrachte, weil die Filme halt eine sehr ironische Perspektive haben. Ich finde es aber cool von Marvel, dass sie, wenn sie schon einen solchen Regisseur wählen, ihm dann seine eigene Handschrift lassen. Ansonsten hat das ja keinen Sinn. Und Waititi hat für seine WW2-Groteske JoJo Rabbit den Oscar für das beste Drehbuch erhalten. Alles in allem also recht wenig konsistent, wenn man so will, aber immer mit viel Herz und Menschlichkeit. Sogar bei Vampiren!

Day-Lewis is back

Daniel Day-Lewis kehrt auf die Leinwand zurück.

Er ist ja 2017 quasi im normalen Rentenalter in Pension gegangen, und zwar nur einige Tage nachdem ich hier am Blog geschrieben habe, dass ich kein großer Fan von ihm bin. Wenn auch nicht deswegen harhar.

Jedenfalls ist Day-Lewis ja sowas wie das männliche Äquivalent zu Meryl Streep, weil beide haben drei Schauspiel-Oscars bisher und es gibt jetzt nicht so extrem viele Menschen, die das von sich behaupten können. Jack Nicholson fällt mir spontan noch ein. Aber wenn meine Mutter über Leonardo di Caprio in The Great Gatsby gesagt hat: “Na Redford is a kana”, so gilt das umso mehr für Day-Lewis, als er in einem quasi Remake von 8 1/2 (einer meiner Lieblingsfilme), nämlich Nine die Rolle von Marcello Mastroianni gespielt hat. Mastroianni ist er definitiv keiner! Eine krassere Fehlbesetzung gibt es eigentlich nicht, denn Day-Lewis ist sicher viel, aber kein italienischer Lebemann.

Ich muss aber zugeben, ich habe kürzlich mal seinen bis dato letzten Film Phantom Thread von Paul Thomas Anderson gesehen, in dem Day-Lewis einen richtig unangenehmen Kontrollfreak spielt, der seine Aggressivität und ungute Art nur mühsam unter Kontrolle halten kann, und das hab ich ihm wirklich voll abgenommen harhar.

Jedenfalls spielt er jetzt in Anemone, dem Debütfilm seines Sohnes Ronan, die Hauptrolle. Es geht um eine komplizierte Vater/Sohn Beziehung (autobiografisch?), was ja zumindest recht interessant klingt. Auf X hat jemand geschrieben: “Getting Daniel Day-Lewis in your debut feature because he’s your dad might be the most powerful use of nepotism we’ve ever seen”. Super formuliert. Und ich glaube, den Film werde ich mir ansehen.